25 Jahre GFCW: Die Stories hinter der Anniversary Show (Teil 2 von 3)

25 Jahre GFCW. Ein Vierteljahrhundert Wrestling wird im März mit einem der größten PPV der Ligengeschichte zelebriert.

Um allen internen wie externen Lesenden einen Einblick zu geben, welche Stories die Traditionsliga im Jahr 2026 bewegen, gibt es diese dreiteilige Vorschau, in der die Hintergrunde und Fehden besprochen werden, die zu den neun Matches auf der Card geführt haben. Im heutigen zweiten Teil werden die Matches 4 bis 6 besprochen.

____________________

Singles Match:
Iokepa vs Night Fighter Mad Dog

Bei Title Night 2025, dem traditionell größten PPV des GFCW-Jahres, kam es nach einem Sieg von Robert Breads gegen dessen Zögling Aiden Rotari zu einem bemerkenswerten Comeback, als völlig unerwartet die lebende Legende Night Fighter Mad Dog zurückkehrte, um sich als nächster Gegner auf der Robert Breads-Retirement Road zu enthüllen.

Mad Dog nahm zuletzt 2016 an Title Night teil, damals trat er unter dem Namen S1margl um den GFCW World Heavyweight Title an. Vor allem jedoch kennt man ihn für seine lange PCWA-Vergangenheit – und hier zählte er zu den großen Rivalen von Robert Breads. Am 23.01.2026 trafen die beiden Ikonen nun ein letztes Mal im Rahmen von War Evening aufeinander. Für Breads war es einer der letzten Kämpfe seiner Karriere, für den mittlerweile 49 Jahre alten Mad Dog sein Comeback.

Den Sieg Mad Dogs erlebte ein junger Mann mit, der fast zeitgleich zur Ring-Rückkehr des Night Fighters in der GFCW debütiert war: Iokepa. Der hawaiianische Surfer war 2023 Teil der GFCW-Nachwuchsliga GTCW geworden und entwickelte sich mit 3 Titelregentschaften zum Rekord-Champion im Development-Bereich. Umso verwunderlicher war es für kundige Beobachter, dass Iokepa jahrelang nicht ins Main Roster geholt wurde – obwohl andere Ex-GTCWler, wie Aldo Nero oder Darragh Switzenberg, mit weniger GTCW-Erfolg als Iokepa den Ruf deutlich schneller erhalten hatten. Iokepa lud sich im Januar 2026 schlussendlich selbst zu War Evening ein, indem er eine Open Challenge des ehemaligen Intercontinental Champions Viggo annahm und diesen prompt besiegte.

Trotz seines erfolgreichen Debüts konnte Iokepa nicht den Frust darüber abschütteln, so lange übergangen worden zu sein. Als Feindbild machte er vor allem den Trend aus, ältere Wrestler (wie Mad Dog, Morbeus und Danny Rickson) für das Jubiläumsjahr zu verpflichten, anstatt dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben. In mehreren Tiraden wetterte Iokepa gegen die zurückkehrenden Veteranen. Besonders an Mad Dog hatte er einen Narren gefressen, nachdem die GFCW dessen Match gegen Breads in den Main Event stellte, während Iokepa selbst gegen einen Nobody in der Undercard antreten musste.

Als Iokepa bei War Evening am 20.02.2026 abermals gegen die GFCW hetzte, weil ihm nur ein Kampf gegen den debütierenden Niemand Celo Marx zugesprochen wurde, reichte es Mad Dog. Er unterbracht Iokepa, wies diesen zur Ruhe und blieb als Gast-Kommentator am Ring. Während des Kampfes kam es zu einem körperlichen Angriff des Hawaiianers auf Mad Dog, der laut Iokepa aus Versehen erfolgte, laut Mad Dog jedoch Absicht war. Der Night Fighter verwickelte Iokepa aufgebracht in ein Wortduell, was diesen so ablenkte, dass er von Celo Marx eingerollt wurde und eine Sensations-Niederlage hinnehmen musste.

Nun sinnt Iokepa auf Rache. Er brennt darauf, der GFCW-Galaxy zu zeigen, dass die Zeit der Veteranen vorbei ist und der Generationswechsel eingeleitet werden muss. Mad Dog hingegen muss beweisen, dass seine Entscheidung, nach dem Match gegen Breads längerfristig Teil der GFCW zu werden, keine reine Nostalgie ist, sondern er sportlichen Wert besitzt. Ein Kampf, ein Generationsduell. Wird Mad Dogs Comeback schneller entzaubert als erhofft oder geht es jetzt erst so richtig los?

GFCW Tag Team Championship:
TSEizn Ra(re)BBits (Tsuki Nosagi & El Metztli) (c) vs T’n’B (Titan & Tha Bomb) vs Zereo Killer & Raymond “Morbeus” Douglas

Der Tag-Team-Title der GFCW hat wechselhafte letzte Monate hinter sich. In Juli 2025, beim Western-PPV High Noon, gewann mit Aya ein Veteran der Szene das Gold. An seiner Seite stand überraschend der langjährige Undercarder Jay Taven, der zuvor von einem Gegner Ayas erst zu dessen Fan und schließlich zum Teampartner wurde. Die Titelregentschaft brachte aber weder bemerkenswerte Matches hervor noch ging es für Aya und Jay Taven in ihrer Entwicklung voran. Zum allem Überfluss tauchte Ayas früherer Teampartner, der mittlerweile zurückgetretene Voodoo-Priester Jimirion, auf und degradierte Taven zunehmend zum Außenseiter im eigenen Team.

Trotz dieser Entwicklungen kam das Ende der Titelregentschaft sogar noch schneller und heftiger als gedacht: Aya griff keine drei Monate nach dem Titelgewinn seinen eigenen Partner Taven an und erklärte öffentlich, lieber gar nicht Champion sein zu wollen anstatt zusammen mit einem Verlierer wie Jay. Daraufhin warf er die Titel bei War Evening in den Müll – ein kontroverser Schritt, der gut und gerne das Ende der Team-Division hätte bedeuten können.

Doch wie so oft erschien in einem der dunkelsten Momente ein neues Licht, denn gleich mehrere Teams meldeten sich mit dem Wunsch, die Titel neu zu beleben. Daraufhin kündigte die GFCW für Title Night (Dezember 2025) ein actionreiches 5-Team-Ladder-Match um die vakanten Championships an. Hier setzen sich Tsuki Nosagi und El Metztli, die TSEizn Ra(re)BBits, durch, um ihre zweite Regentschaft mit den Titeln zu beginnen.

Im neuen Jahr sah es danach aus, als könnten sich die Herausforderer auf den Titel aus dem LPG-Umfeld ergeben. Denn nicht nur die Black Wyrms meldeten Ansprüche an, sondern mit dem Schwestern-Duo Iðunn Jörmungandr & Skaði Fenrir gibt es mittlerweile ein zweites Team bei der Lerbitz Performance Group. Zur allseitigen Überraschung wurde es jedoch ganz anders als gedacht: Bei der ersten Show im Januar 2026 kamen mit der Douglas Dynasty sowie Tha Bomb & Titan zwei bedeutsame Teams zurück. Die Douglas Dynasty, bestehend aus Sohn Kyle Douglas und seinem Vater Morbeus, hielt die Titel 2024 für mehr als ein halbes Jahr. Und Bomb & Titan waren 2001 gar die allerersten Tag Team-Champions der Geschichte.

Von so viel Historie begeistert, entschied sich Commissioner Eric Fletcher prompt dazu, für die Folgeshow ein No. 1-Contender-Match zwischen den zurückkehrenden Teams anzusetzen und überging die LPG dabei komplett. Daraufhin brannte sein Auto. Ein Akt, der nie vollends aufgeklärt wurde. Die mögliche „Rache“ konnte jedoch nichts mehr an der Entscheidung rütteln und der Contender-Kampf zwischen den beiden Teams ging ohne LPG über die Bühne. Hier kam es  nach einem Armbruch von Kyle Douglas, verursacht durch seine Gegner, zu einem No Contest.

Morbeus stand dadurch unter großem Druck. Ausgerechnet vor einer Titelchance beim PPV musste er jemanden finden, der seinen Sohn ersetzen konnte. In einem der überraschendsten und bedeutsamsten GFCW-Momente der letzten Monate (vielleicht Jahre) kehrte Zereo Killer zur Begeisterung der Fans zurück, um das Vakuum zu füllen. Zereo, der erfolgreichste Wrestler der GFCW-Geschichte und lange Zeit das Gesicht der Liga, und Morbeus waren in ihrer Vergangenheit Feinde, doch verdeutlichten zuletzt bei War Evening, dass sie bereits sind, einander zu verzeihen.

Bei der Anniversary Show kämpfen nun gleich drei Teams um den Titel, die unterschiedlich nicht sein könnten. Zum einen sind da die Champions – Tsuki Nosagi und El Metztli -, die mitsamt ihrer mysteriösen Hasenpersona seit dem letzten Titelrun (bis Sommer 2025) eine große Veränderung durchgemacht haben. Sie stehen nun auf der Seite der Zuschauer, kämpfen für eine bessere GFCW und wollen dem stark geschundenen Team-Title neue Relevanz verleihen. Ihnen gegenüber sind die Legenden Zereo Killer und Morbeus, die beide als Solisten World Championships holten. Und mit Bomb & Titan wartet das langlebigste Team der Ligengeschichte, rücksichtlos und herablassend wie eh und je.

Singles Match:
Danny Rickson vs. Ask Skógur

Die erste Show des Jahres 2026 hatte sich ihre größte Überraschung für ganz am Ende aufgespart: Ohne Vorankündigung oder Andeutung kehrte mit dem Hall of Famer Danny Rickson – mittlerweile 49 Jahre alt – ein Mann zurück, der auf 20 Jahre Ligenvergangenheit zurückblickt und wahrscheinlich zu den einflussreichsten Wrestlern der GFCW-Geschichte gezählt werden kann. Anders als die anderen Rückkehrer der letzten Monate – namentlich Morbeus, Mad Dog und Zereo Killer – machte Danny Rickson jedoch einen radikalen Schnitt mit seiner Vergangenheit und präsentierte sich als „neuer Mann“.

Rickson steht nun in Diensten von Refuse to Age, eines mysteriösen Longevity- und Kosmetikunternehmens. Der Engländer ist ein atmendes Werbe- und Versuchsobjekt für die Firma und überzeugt davon, durch die Longevity-Behandlungen nicht nur die biologische Uhr zurückdrehen zu können, sondern gleich unsterblich zu werden. Sein neues, optimiertes Ich will durch außergewöhnliche Erfolge all jene Lügen strafen, die Refuse to Age als Humbug abtun. Begleitet wird er auf diesem Weg von Robbin Zick, einem ehemaligen Development-Wrestler der GFCW.

Eine erste Andeutung dessen, was von Rickson zu erwarten ist, sahen GFCW-Fans in der Go-Home-Show vor dem großen PPV. Hier traf der Engländer auf Jona Pexianer, den Sohn des GFCW-Kommentators Pete. Danny wandte ein komplett neues Moveset an, das vor allem aus unnötig komplizierten (Highflying-)Aktionen bestand und wohl die zurückerhaltene, jugendliche Athletik beweisen sollte. Am Ende langte es zwar für den Sieg, der Kampf war jedoch knapper als gedacht, nachdem Rickson im Übermut eine Shooting Star Press danebensetze und sich so beinahe selbst um den Erfolg brachte.

Nach dem Kampf sollte – als Teil einer Wette – dem Kommentator Pete der Mund mit Seife ausgewaschen werden. Weil sich Wettgegner Sven und Robbin Zick jedoch nicht an die Abmachung hielten und sie die Demütigung illegalerweise auch auf Jona Pexianer ausweiteten, kam mit Ask Skógur der vielleicht größte Publikumsliebling der Liga zur Rettung herbeigelaufen. Zunächst konnte Skógur Zick überwältigen, dann jedoch wurde er von Rickson hinterrücks attackiert. Am Ende war es Skógur selbst, der – an den Ringpfosten gefesselt – Seife essen musste. Darüber war der Schwede so erbost, dass er Rickson in den sozialen Medien zu einem Kampf für die Anniversary Show herausforderte.

Noch vor wenigen Wochen sah es danach aus, als würde auf Ask Skógur eine ganze andere Herausforderung beim PPV warten: Er wurde von GFCW Champion The End als möglicher Challenger auserkoren, setzte die Chance jedoch in einem Title Night Rematch gegen Monica Shade aufs Spiel – und verlor. Damit war die große Chance dahin. Refuse to Age wollte die dunkle Stimmung, die Ask nach der Niederlage empfand, dafür nutzen, ihn für die eigene Gruppierung zu rekrutieren. Ask Skógur, der Naturmensch, als Teil einer Longevity-Bewegung? So absurd die Vorstellung auch klingen mag, für einige Wochen erschien sie GFCW-Zuschauern als durchaus denkbar. Doch mit der Rettung Jona Pexianers entschied sich der Schwede abermals für das „Gute“ – und gegen die Zusammenarbeit mit Danny Rickson.

Rickson gegen Skógur ist nicht nur ein Generationenduell, sondern wahrscheinlich auch das 1-on-1, welches bei der Anniversary Show mit den größten Namen auf beiden Seiten besetzt ist. Zum einen hat man den 1977 geborenen Danny Rickson, einen Hall of Famer, der in seiner seit 2006 andauernden GFCW-Karriere nicht nur World Champion wurde, sondern auch drei weitere Singles-Title sowie den Tag-Team-Title gewann. Dem Triple Crown Champion steht jedoch einer der größten Stars der GFCW-Gegenwart gegenüber: Ask Skógur war bis Juli 2025 noch GFCW Champion und ist einer der wenigen authentischen Publikumslieblinge, die noch nie für eine Hand voll Erfolg die eigenen Ideale verraten haben. Ist dieser Kampf der ultimative Showdown zweier grundverschiedener Philosophien oder nur ein Vorbote, die erste Schlacht in einem größeren Konflikt?