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Pete: „Wir schalten offenbar backstage zu T’n’B…“ Sven: „Ruhe Pete. Vielleicht lernen wir jetzt endlich mal was.“ Pete: „Von denen?“ Sven: „Von den größten Tag Team Wrestlern dieser Liga.“
Die Kamera fährt langsam durch einen dunklen Gang. T’n’B Locker Room. Das Licht flackert. Irgendwo in der Ferne hört man die Halle.
Dumpf. Weit weg.
Dann bleibt die Kamera vor einer Tür stehen. Schwarzes Schild. Graue Schrift.
Die Tür ist bereits einen Spalt geöffnet. Langsam schiebt sich die Kamera hinein. Und sofort wirkt der Raum anders als jeder andere Locker Room dieser Show. Keine Unordnung. Keine Sporttaschen auf dem Boden.
Keine Musik. Kein Gelächter. Nur Dunkelheit. Kontrolle. Geschichte.
An den Wänden hängen Bilder.
T’n’B mit Gold. T’n’B über besiegten Gegnern. T’n’B in alten GFCW-Shows. T’n’B mit blutigen Gesichtern. T’n’B als Champions.
Nicht wie Erinnerungen. Eher wie Beweise. Wie Aktenstücke in einem Prozess. In der Mitte des Raumes steht ein großer runder Tisch. Tha Bomb sitzt entspannt im Stuhl. Die Füße auf dem Tisch. Vor dem Tisch…ein Flipchart-Ständer, mehrere Ausdrucke der Battle-Royal-Teams, ein schwarzer Marker, zwei Gläser Wasser, und ein altes Nokia 3210. Das Handy liegt genau in der Mitte des Tisches Display nach oben.
Aktiver Anruf: Unbekannte Nummer.
Titan steht vor dem Flipchart. Schwarz gekleidet. Graue Akzente. Aufrecht und ruhig. Fast wie ein Professor der eine Vorlesung hält. Oder ein Richter der die Beweise sichtet. Tha Bomb sitzt am Tisch. Zurückgelehnt. Wasserstoffblonde Haare. Er trägt ein schwarzes Shirt. Dazu graue Handschuhe. Der Blick kalt und arrogant. Müde von allem was nicht T’n’B heißt. Titan tippt mit dem Marker gegen das Flipchart. Auf der ersten Seite steht groß:
BARCELONA TAG TEAM BATTLE ROYAL NUMMER 1 HERAUSFORDERER
Titan betrachtet die Worte. Dann schüttelt er langsam den Kopf.
Titan: „Weißt du Bomb…manchmal frage ich mich wirklich wer hier Entscheidungen trifft.“
Tha Bomb: „Niemand mit Geschmack.“
Titan nickt: „Niemand mit Verstand.“
PROBLEM 1: DER BOSS
Er macht eine kleine Pause.
Titan: „Wir sind uns einig oder? Der Boss ist alt. Der Boss ist satt.“
Tha Bomb nickt zustimmen.
Titan: „Aber das größte Problem hierbei ist…er ist allein!!! Er hat die alleinige Macht.“
Tha Bomb: „Du meinst…“
Titan: „Keiner der sich gegen ihn stellt. Aber wir sollten nicht zuviel über ihn sprechen. Das gibt nur wieder Probleme.“
Tha Bomb: „Ja…aber er ist ja nicht der einzige der hier Entscheidungen trifft. Da gibt es noch Problem was mir in den Sinn kommt wer hier anscheinend zuviel Macht hat.“
Titan: „Ja…Und ganz sicher niemand mit Ahnung von Tag Team Wrestling.“
Die Fans in der Halle buhen laut.
Titan hört es über den Monitor im Raum. Er grinst.
Titan: „Hörst du das?“
Tha Bomb schaut nicht einmal zum Bildschirm.
Tha Bomb: „Das Publikum.“
Titan: „Genau.“
Er dreht sich kurz zur Kamera.
Titan: „Geräusche von Menschen die glauben ihre Meinung hätte Gewicht.“
BOOOOOOOOOOOOO!
Titan lächelt zufrieden.
Titan: „Das ist das erste Problem dieser modernen GFCW.“
Er schreibt auf das Flipchart:
PROBLEM 2: FANS
Titan: „Fans denken, sie verstehen Wrestling, weil sie laut sind.“
Tha Bomb: „Sie verstehen Lautstärke.“
Titan: „Richtig. Sie verstehen Farben.“
Tha Bomb: „Und Catchphrases.“
Titan: „Und kleine emotionale Märchen über Außenseiter, die angeblich eine Chance verdient haben.“
Er dreht sich wieder zum Board.
Titan: „Aber sie verstehen keine Struktur…keine Geschichte…keine Hierarchie.“
Der Hühne wandert hin und her…er kaut nachdenklich auf dem Stift herum.
Titan: „Keine Größe.“
Tha Bomb lehnt sich nach vorne.
Tha Bomb: „Sie verstehen nicht mal Schulden.“
Titan: „Sehr guter Punkt.“
Kurzes, trockenes Lachen der beiden. Titan schreibt das Wort Schulden auf das Papier. Dann nimmt Titan die erste ausgedruckte Karte vom Tisch.
Stella Nova & Mad Dog.
Er hängt sie an das Flipchart. Titan betrachtet das Bild als wäre es ein medizinischer Befund.
Titan: „Team Nummer eins.“
Er räuspert sich künstlich.
Titan: „Stella Nova und Mad Dog.“
Kurze Pause.
Titan: „Warum?“
Tha Bomb hebt leicht eine Augenbraue. Ein leichtes Schmunzeln macht sich auf seinem Gesicht breit.
Tha Bomb: „Starke Frage.“
Titan: „Danke.“
Titan tippt mit dem Marker auf das Foto.
Titan: „Ich habe versucht herauszufinden, warum diese beiden an einer Battle Royal um eine Titelchance teilnehmen…dürfen.“
Er blättert durch einige leere Seiten.
Titan: „Ich habe Akten gewälzt.“
Nächstes leeres Blatt.
Titan: „Statistiken geprüft.“
Nächstes Blatt.
Titan: „Erfolge gesucht.“
Noch ein leeres Blatt.
Titan: „Nichts.“
Tha Bomb: „Vielleicht haben sie sich nett angemeldet.“
Titan: „Wie ich es auch drehe…ich habe nichts gefunden…egal…nächstes Team.“
Titan schreibt auf das Flipchart:
STELLA NOVA & MAD DOG QUALIFIKATION: ANWESEND
Titan: „Anwesenheit.“
Tha Bomb: „Wichtig in der Schule.“
Titan: „Aber nicht im Wrestling.“
Titan zieht eine dicke Linie durch den Namen.
Titan: „Durchgefallen.“
Buhrufe in der Halle.
Titan nimmt das nächste Bild.
James Hightower & Chris Dimer. Die Basketballer.
Titan hängt es auf. Dann tritt er einen Schritt zurück.
Titan: „Ah.“
Tha Bomb: „Athleten…“
Titan: „Große Athleten.“
Tha Bomb: „Sehr groß.“
Titan: „Lange Arme.“
Tha Bomb: „Bestimmt nützlich.“
Titan nickt nachdenklich.
Titan: „Wenn das Ziel dieser Battle Royal wäre, etwas aus einem hohen Regal zu holen.“
Tha Bomb: „Oder eine Glühbirne zu wechseln.“
Titan: „Oder einen Rebound zu holen.“
Tha Bomb: „Da wären sie vermutlich sogar Favoriten.“
Titan schaut kurz auf das Bild.
Titan: „Unglücklicherweise findet das Ganze in einem Wrestlingring statt. Und nicht in einer Sporthalle. Was natürlich ein tragischer organisatorischer Fehler der GFCW ist.“
Einige Fans lachen hörbar.
Titan: „Versteh mich nicht falsch...ich respektiere Athleten.“
Tha Bomb: „Solange sie nicht glauben, deshalb automatisch Wrestler zu sein.“
Titan: „Exakt. Und sie haben immerhin schon mehr gemeinsame Minuten verbracht als manche Teams in diesem Match.“
Tha Bomb: „Das hebt die Messlatte erschreckend wenig an.“
Titan nickt langsam.
Titan: „Zumindest existiert hier ein Ansatz von Teamwork. Auch wenn ein Basketballteam erstmal aus fünf Spielern besteht.“
Tha Bomb: „Ein Ansatz.“
Titan: „Mehr Lob gibt es heute nicht. Beim Basketball.“
Tha Bomb nickt grinsend. Titan tippt auf das Bild.
Titan: „Und genau da beginnt das Problem. Diese Battle Royal sucht keine Nummer-1-Herausforderer im Basketball.“
Tha Bomb: „Zum Glück…da wären wir vermutlich keine Option.“
Titan: „Sie sucht ein Tag Team.“
Er macht eine schöpferische Pause.
Titan: „Ein echtes Tag Team.“
Tha Bomb: „Also nicht zwei Männer, die zufällig dieselbe Umkleide benutzen.“
Titan: „Exakt.“
Er schreibt auf das Flipchart:
HIGHTOWER & DIMER QUALIFIKATION: GROSS
Titan betrachtet den Eintrag.
Titan: „Beeindruckend.“
Tha Bomb: „Für Türrahmen vielleicht.“
Titan: „Aber Titel gewinnt man nicht mit Körpergröße.“
Er zieht auch durch diesen Namen eine dicke Linie.
Titan: „Nächster Fall.“
Titan nimmt das nächste Bild.
Birdie Boys. Rupert Wooten & Steve Sademi.
Er betrachtet das Foto einige Sekunden. Dann legt er den Marker langsam auf den Tisch.
Titan: „Jetzt wird es schwierig.“
Tha Bomb lehnt sich nach vorne und schaut überrascht: „Wirklich?“
Titan: „Ja.“
Tha Bomb: „Warum?“
Titan schaut wieder auf das Bild.
Titan: „Weil ich nicht sicher bin ob wir hier Wrestling analysieren oder ein Casting für eine Samstagmorgen-Kindersendung.“
Die Halle reagiert sofort mit Buhrufen. Tha Bomb lacht trocken.
Titan: „Birdie Boys.“
Er spricht den Namen langsam aus.
Titan: „Birdie.“
Kurze Pause.
Titan: „Böööördie.“
Tha Bomb: „Vielleicht haben sie sich verschrieben.“
Titan: „Das wäre die optimistischste Erklärung.“
Titan geht einige Schritte vor dem Flipchart auf und ab. Wie ein Professor während einer Vorlesung.
Titan: „Weißt du Bomb…“
Tha Bomb: „Hm?“
Titan: „Als ich angefangen habe zu wrestlen, hatten Teams Namen wie Legionen.“
Erschaut episch in die Ferne.
Titan: „Armeen. Maschinen. Katastrophen.“
Er schaut angewidert.
Titan: „Heute heißen sie Birdie Boys.“
Tha Bomb schüttelt langsam den Kopf.
Tha Bomb: „Die Evolution ist rückwärts gelaufen.“
Titan nickt.
Titan: „Exakt.“
Er zeigt wieder auf das Foto.
Titan: „Und jetzt wird mir wieder irgendjemand erzählen ich würde diese beiden unterschätzen.“
Tha Bomb: „Wirst du?“
Titan schaut ihn an.
Titan: „Natürlich nicht.“
Die Fans buhen laut.
Titan: „Ich habe sie beobachtet. Ich habe Matches gesehen. Ich habe Interviews gesehen. Ich habe versucht zu verstehen warum diese beiden in der Battle Royal um eine Titelchance stehen.“
Erneut pausiert Titan. Er wirkt nachdenklich.
Titan: „Und am Ende blieb nur eine Frage.“
Tha Bomb: „Welche?“
Titan: „Wer hat das erlaubt?“
Die Halle lacht und buht gleichzeitig. Titan nimmt den Marker. Schreibt langsam:
BIRDIE BOYS
Darunter:
STÄRKE: ?
Tha Bomb lehnt sich vor.
Tha Bomb: „Vielleicht Teamchemie.“
Titan überlegt.
Titan: „Fair.“
Er schreibt:
TEAMCHEMIE
Tha Bomb: „Vielleicht Herz.“
Titan kratzt sich am Kinn: „Möglich.“
Er schreibt:
HERZ
Tha Bomb: „Vielleicht Leidenschaft.“
Titan kneift die Augen zusammen und nickt: „Auch möglich.“
Er schreibt:
LEIDENSCHAFT
Dann betrachtet Titan die Liste einige Sekunden.
Titan: „Weißt du was auffällt?“
Tha Bomb: „Was?“
Titan: „Nichts davon gewinnt ein Wrestling Match.“
Die Buhrufe werden lauter.
Titan: „Herz gewinnt keine Titel. Leidenschaft gewinnt keine Titel. Gute Stimmung gewinnt keine Titel. Das Publikum liebt solche Geschichten. Weil das Publikum glaubt Wrestling wäre ein Märchen.“
Tha Bomb: „Dabei ist Wrestling ein bißchen Mathematik.“
Titan: „Ganz genau.“
Er klopft auf das Flipchart.
Titan: „Und die Rechnung ist einfach.“
Er schreibt groß:
T’N’B > BIRDIE BOYS
Titan: „Das ist keine Meinung.“
Tha Bomb: „Das ist Wissenschaft.“
Titan: „Exakt.“
Titan schaut wieder auf das Bild.
Titan: „Versteh mich nicht falsch. Ich wünsche den beiden alles Gute.“
Tha Bomb nickt.
Titan: „Wirklich.“
Tha Bomb: „Absolut.“
Titan: „Ich hoffe sie genießen Barcelona.“
Tha Bomb: „Die Stadt ist wunderschön.“
Titan: „Denn viel mehr werden die beiden nicht genießen können.“
Tha Bomb: „Vor allem nichts was im Ring passieren wird.“
Titan grinst. Dann zieht er einen dicken schwarzen Strich durch das Bild der Birdie Boys.
Titan: „Diagnose abgeschlossen.“
Tha Bomb: „Und das Ergebnis?“
Titan setzt die Kappe auf den Marker.
Titan: „Nicht lebensbedrohlich.“
Erneut gibt es eine dramatische kurze Pause.
Titan grinst arrogant.
Titan: „Außer sie treffen auf T’n’B.“
Tha Bomb: „Wen haben wir denn noch auf der Liste der Verlierer?“
Titan dreht sich um und schaut auf die Liste in seiner Hand.
TSEIZN RA(RE)BBITS. Tsuki Nosagi & El Metztli.
Sofort verändert sich die Atmosphäre im Raum. Nicht viel. Aber genug. Titan hängt das Bild sorgfältiger auf als die anderen. Er betrachtet es einige Sekunden. Tha Bomb richtet sich ebenfalls etwas auf.
Titan: „Die Hasen. Jetzt wird es wenigstens für einen Moment interessant.“
Tha Bomb: „Leider.“
Titan nickt langsam.
Titan: „Die Rarebbits sind vieles.“
Er zählt an seinen Fingern ab.
Titan: „Nervig.“
Tha Bomb: „Sehr.“
Titan: „Chaotisch.“
Tha Bomb: „Extrem.“
Titan: „Respektlos.“
Tha Bomb: „Dauerhaft.“
Titan: „Psychisch auffällig.“
Tha Bomb: „Nachweislich.“
Titan: „Eine Gefahr für jede vernünftige Matchplanung.“
Tha Bomb: „Und vermutlich für mehrere staatliche Institutionen.“
Zum ersten Mal huscht ein kleines Grinsen über Titans Gesicht.
Titan: „Absolut.“
Erneut hört man dumpf das Buhen der Fans. Titan wird wieder ernst. Er tippt mit dem Marker auf das Bild.
Titan: „Aber im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern verstehen die beiden etwas.“
Tha Bomb: „Nicht viel.“
Titan: „Nicht viel.“
Tha Bomb: „Aber etwas.“
Titan: „Sie verstehen Gefahr. Sie verstehen Timing. Sie verstehen Chaos.“
Er tigert jetzt hin und her. Wirkt etwas angespannter.
Titan: „Und vor allem verstehen sie, dass Wrestling manchmal hässlich sein muss.“
Stille
Titan: „Weißt du warum?“
Tha Bomb grinst.
Tha Bomb: „Weil wir es ihnen beigebracht haben.“
Titan nickt.
Titan: „Exakt.“
Er deutet erneut auf das Bild.
Titan: „Heute laufen sie mit rosa Farben herum. Mit Taschenuhren. Mit Kaninchen.“
Er schaut immer wieder auf diverse Bilder der Hasen.
Titan: „Mit Wahnsinn. Als wären sie aus irgendeinem psychedelischen Albtraum gekrochen.“
Tha Bomb: „Schlimm ist nur das die Leute das sogar Glauben.“
Titan: „Natürlich tun sie das.“
Er hört in die Ferne.
Titan: „Weil die Fans jeden Mythos glauben, solange er bunt genug ist.“
Die Buhrufe der Fans werden lauter.
Titan: „Die Wahrheit ist deutlich einfacher.“
Er tippt gegen das Bild.
Titan: „Wir haben sie entdeckt.“
Tha Bomb: „Wir haben sie gefördert.“
Titan: „Wir haben ihnen Türen geöffnet.“
Tha Bomb: „Wir haben dafür gesorgt, dass überhaupt jemand hinsieht.“
Titan: „Wir haben ihnen einen Platz gegeben.“
Er macht eine Pause. Etwas länger als sonst.
Titan: „Und jetzt tun sie so als wären sie größer als die Geschichte die sie hervorgebracht hat.“
Tha Bomb: „Typischer Fehler der Jugend.“
Titan: „Typischer Fehler jeder Generation.“
Eine lange Pause folgt. Titan schaut das Bild weiter an.
Titan: „Weißt du Bomb…“
Tha Bomb: „Hm?“
Titan: „Von allen Teams in dieser Battle Royal sind die Hasen die einzigen, die zumindest das Recht haben mit uns in derselben Halle zu stehen.“
Die Halle reagiert laut. Hasen Rufe erklingen.
Tha Bomb nickt: „Das stimmt.“
Titan: „Nicht im selben Ring.“
Tha Bomb: „Nicht auf demselben Niveau.“
Titan: „Nicht in derselben Geschichte.“
Tha Bomb: „Aber in derselben Halle.“
Titan: „Aus Respekt vor ihrer Entwicklung.“
Titan lehnt sich näher an das Bild. Sein Tonfall wird kälter.
Titan: „Und genau deshalb werden wir sie als Letzte eliminieren.“
BUHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH
Titan: „Nicht aus Freundschaft.“
Tha Bomb: „Nicht aus Mitleid.“
Titan: „Sondern aus Respekt.“
Tha Bomb: „Und weil man das gefährlichste Tier immer zuletzt erlegt.“
Titan grinst.
Titan: „Sie nennen sich jagende Hasen.“
Titan setzt sich auf den Tisch.
Titan: „Eine niedliche Geschichte.“
Tha Bomb: „Wirklich niedlich.“
Titan: „Nur vergessen sie dabei eine Sache.“
Tha Bomb: „Welche?“
Titan zeigt direkt auf das Bild: „Jäger bleiben nur so lange Jäger…“
Er schüttelt mit dem Kopf.
Titan: „…bis sie dem größeren Raubtier begegnen.“
Tha Bomb lehnt sich zurück. Er grinst. Titan nimmt den Marker und schreibt auf das Flipchart:
TSEIZN RA(RE)BBITS GEFÄHRLICH CHAOTISCH ÜBERSCHÄTZT
Dann zieht er keinen Strich durch den Namen. Nicht sofort. Er betrachtet ihn einige Sekunden.
Titan: „Die Einzigen auf dieser Liste, die überhaupt einen zweiten Blick wert sind.“
Tha Bomb: „Und trotzdem endet ihre Geschichte genauso wie die der anderen.“
Titan nickt langsam. Dann zieht er die dickste schwarze Linie des gesamten Abends quer über den Namen.
Titan: „Unter T’n’B.“
Tha Bomb: „Willst du unsere letzten Opfer auch analysieren?“
Titan grinst schelmisch über seine Schulter und schaut seinen Partner an. Denn jetzt kommt sein eigentliches Meisterstück.
Zerbeus
Titan geht nicht sofort zum Bild. Er nimmt sich Zeit. Er zelebriert den Gang.
Titan: „Kommen wir nun zum größten Irrtum der modernen GFCW.“
Buhrufe machen sich breit. Man hört sie klar und deutlich in der Kabine.
Titan: „Zerbeus.“
Er zeigt auf das Bild.
Titan: „Die Champions.“
Er spricht das Wort wie etwas Verdorbenes aus.
Titan: „Die Leute nennen sie ein Tag Team.“
Titan schaut zu Tha Bomb. Und zuckt mit den Schultern.
Titan: „Findest du sie sind ein Tag Team?“
Tha Bomb schaut auf das Bild. Lange. Dann wie aus der Pistole geschossen.
Tha Bomb: „Nein.“
Titan: „Ich auch nicht.“
Er nimmt einen roten Marker. Malt zwischen Morbeus und Zereo eine Linie.
Titan: „Hier…“
Er tippt mit dem Finger auf die rote Linie die die beiden Namen voneinander trennt.
Titan: „Genau hier hören die beiden auf ein Team zu sein.“
Er nimmt erneut den Stift aufs Board. Malt dann ein großes X.
Titan: „Das hier ist kein Team. Das hier ist ein Unfall. Ein statistischer Fehler. Eine glückliche Verkettung von Umständen.“
Tha Bomb nickt.
Titan: „Morbeus vertraut Zereo nicht.“
Er wirkt etwas aufgebracht. Fast so als ob er sich darüber aufregt das die beiden sich Team nennen.
Titan: „Zereo vertraut Morbeus nicht.“
Er steht wild fuchtelnd mit den Armen vor Tha Bomb.
Titan: „Und beide vertrauen diesem Ei mehr als ihrem Partner.“
Titan grinst.
Titan: „Und die Zuschauer sehen das nicht.“
Er schaut zur Tür in der Hoffnung was von der Stimmung gegen sie etwas mitzubekommen.
Titan: „Weil diese Zuschauer einfach keine Ahnung von Wrestling haben.“
BUHHHHHHHHHHHHH
Titan: „Sie sehen Moves.“ Die eine Hand wandert hoch.
Titan: „Wir sehen Strukturen.“ Die andere Hand wandert hoch.
Titan: „Sie sehen Highlights.“ Six Titan: „Wir sehen Schwächen.“ Seven
Titan: „Sie sehen Champions.“ Six
Titan: „Wir sehen ein Verfallsdatum.“ Seven
Titan: „Sie haben ein Match gewonnen.“ Six
Titan: „Herzlichen Glückwunsch.“ Seven
Tha Bomb klatscht langsam. Höhnisch. Sarkastisch.
Titan: „Ein Match. Nicht die Fehde. Nicht den Krieg.“
Er geht ganz nah an Tha Bomb heran.
Titan: „Ein Match.“
Plötzlich durchbricht eine unbekannte Stimme die Stille. Sie lacht leise. Tha Bomb und Titan schauen auf das Handy.
Titan: „Und das Schlimmste? Sie glauben tatsächlich sie hätten T’n’B besiegt.“
Stille.
Titan: „Nein. Sie haben lediglich die einzige Nacht erwischt an der wir nicht unsere Leistung abgerufen haben.“
Tha Bomb übernimmt. Langsam. Ruhig. Fast gefährlicher als Titan.
Tha Bomb: „Du hast recht.“
Er verschränkt die Hände.
Tha Bomb: „Wir haben nicht verloren, weil Zerbeus besser waren.“
Er schaut konzentriert seinen Partner an.
Tha Bomb: „Wir haben verloren, weil wir arrogant waren.“
Titan grinst.
Tha Bomb: „Wir haben vergessen wer wir sind. Was uns ausmacht Wir wollten beweisen dass wir individuell besser sind. Dabei hätten wir beweisen müssen dass wir das bessere Team sind.“
Kurze Pause.
Tha Bomb: „Unser Fehler. Ein Fehler den wir kein zweites Mal machen.“
Sein Blick wird plötzlich eiskalt.
Tha Bomb: „Die Leute reden immer über Morbeus.“ Jetzt hebt er die eine Hand. Six
Tha Bomb: „Die Leute reden über Zereo Killer.“ Dann die andere. Seven.
Tha Bomb: „Über das Ei. Über Drama. Über Gefühle.“
Er schüttelt angewidert den Kopf.
Tha Bomb: „Das hier ist Wrestling.“
Titan: „Old School Wrestling.“
Tha Bomb: „Nicht diese Seifenoper die die GFCW aktuell verkörpert.“
Titan: „Nicht dieser Kindergarten.“
Tha Bomb: „Wenn wir Zerbeus wiedersehen…und das werden sie…“
Er macht eine längere Pause.
Tha Bomb: „…dann sehen sie nicht dieselben Männer wie bei Next Level.“
Titan grinst.
Tha Bomb: „Dann sehen sie T’n’B. Die echten T’n’B. Die Männer die diese Liga mit Gewalt aufgebaut haben. Die Männer vor denen die GFCW früher Angst hatte. Und genau daran werden wir sie erinnern.“
Stille.
Dann ertönt erneut die Stimme aus dem Telefon. Ruhig. Fast zufrieden.
Stimme: „Dann ist die Zeit gekommen.“
Titan und Tha Bomb schauen gleichzeitig zum Handy. Und plötzlich wirkt der Raum noch dunkler.
Stimme: „Ich hab euch…ganz Old School Like…einen alten Bekannten geschickt.“
Just in dem Moment öffnet sich die Tür. Eine große Person betritt den Raum. Das Gesicht bleibt im Schatten. Das Grinsen jedoch steht Tha Bomb und Titan ins Gesicht geschrieben.
Stimme: „Für alle Fälle…ihr dürft nicht vergessen…ihr seid nicht die Guten in dem Spiel. Und ihr könnte noch viel von mir lernen…“
Tha Bomb und Titan gehen einen Schritt auf den weiterhin unerkenntlichen zu.
Stimme: „Heute gewinnt ihr die Battle Royal…und dann sehen wir uns in Catania“
Absolute Ruhe. Absolute Spannung.
Stimme: „Und erwecken die alte GFCW zu neuem Leben.“
Das Telefonat bricht ab. Eine eisige Kälte hat sich in der Kabine breit gemacht. Tha Bomb und Titan stehen dem Unbekannten gegenüber. Dieser streckt seine Faust entgegen. Und T´n`B schlagen ihre Fäuste dagegen.
Könnte es ein deutlicheres Zeichen für den Bruch mit den Modern Erasers geben als dass Iokepa wieder mit seinem GTCW-Theme auftritt? Der Hawaiianer wirkt befreit als er die Rampe zum Ring unter dem freien Himmel herunterläuft. Doch eine Sache hat sich nicht geändert: Bella Venera ist an seiner Seite. Allen (kleineren) Krisen zum Trotz steht seine junge Freundin zu und bei ihm. Ein Umstand, der den „Sun-Kissed Boy“ zum Lächeln bringt. Der Hawaiianer lässt sich gar zu einem Winken in Richtung der Fans hinreißen. Nicht alle stehen trotz des Wandels hinter ihm, bei manchen ist die arrogante Attitüde der vergangenen Monate noch zu präsent, so dass es Buhrufe gibt. Doch alles in allem hat Barcelona, stellvertretend für die GFCW-Galaxy, Iokepa wieder im Kreise „der Guten“ aufgenommen. Zumal es heute gegen Ben Slate geht und damit gegen einen, der sämtliche Sympathien mit seinen Intrigen und Taktiken verspielt hat. Der Schweizer marschiert emotionslos die Rampe herunter, kaum dass Io und Bella angekommen sind. Keinen Funken Sympathie für die ehemaligen Kollegen oder gar Bedauern über den Bruch hat Slate übrig. Er nimmt die Situation so an, wie sie ist. Und dass Bella und Iokepa nun wegen ihm unter TnB leiden müssen? Ein leicht verschmerzbares Übel. Denn letztlich geht es nur um ihn. Um seine Karriere.
McMüll: „Hallo liebe Fans der GFCW…wir befinden uns heute in der schönen Jahrhunderthalle in Bochum….“
Vor der Halle stehen viele Fans der GFCW und jubeln neben, vor und hinter McMüll in die Kamera. Mittendrin…Tsuki Nosagi und El Metztli. Die Tag Team Champions der GFCW. Sie schreiben geduldig Autogramme und erfüllen Fotowünsche.
McMüll: „Tsuki…Metztli…wie geht’s euch? Wie geht’s euch vor allem in dieser uns ungewohnten neuen Rolle…hier inmitten der Fans…“
Die Fans jubeln. Man sieht sehr viele Hasenohren auf den Köpfen der Fans. Die Farben pink werden immer präsenter.
Tsuki Nosagi: „McMüll…danke, dass wir hier sein dürfen. Diese Rolle ist für uns nicht neu. Neu ist nur die Art und Weise. Wir haben der Liga immer alles gegeben. Wir haben den Fans immer alles gegeben. Jedoch war es eher die Art und Weise das wir am Ende davon profitieren wollten.“ McMüll: „Und was…bzw. wann habt ihr gemerkt das es sich ändern muss?“ El Metztli: „McMüll…wir haben den Menschen letztes Jahr das genommen was ihnen am wichtigsten ist…die Hoffnung…den Glauben an das Gute…den Weihnachtsmann…das war nicht das was unsere Väter uns mit auf den Weg gegeben haben…“ Tsuki Nosagi: „Genau. Unsere Väter gaben uns einen Traum mit auf den Weg. Diesen gilt es zu bewahren. Diesen gilt es zu erfüllen. Genauso wie allen Fans hier das zu erfüllen was sie glücklich macht.“ McMüll: „Die Gürtel…die Gürtel die im Müll landeten…“ El Metztli: „Ja…und dieser Punkt war ein Wendepunkt…ein Wendepunkt in unserem Leben…und ein Wendepunkt in der Tag Team Szene der GFCW…die alten dunklen Zeiten der GFCW Tag Team…“
Der Mexikaner kommt nicht mehr dazu die Worte auszusprechen. Plötzlich springen zwei Personen aus der Menge und attackieren die Hasen. Überrascht von dem Angriff können die beiden nur versuchen das Schlimmste zu verhindern. Die Fans springen zur Seite und man erkennt wer die Angreifer sind.
Tha Bomb und Titan…
Die beiden alten Lehrmeister der Hasen prügeln wie wild auf Tsuki und Metztli ein. Mit allem was Ihnen in den Weg kommt werden die Hasen angegriffen. Brutal schleudern Tha Bomb und Titan die beiden mit großer Wucht gegen die harte Betonwand der Jahrhunderthalle. Ausgeknockt sacken die beiden zusammen. Mit Handschnellen werden die Arme der beiden unbrauchbar gemacht. An den Füßen werden die Hasen zu einem Transporter geschliffen. Auf der Pritsche stehen zwei Käfige in die die beiden Hasen nun verfrachtet werden.
Tha Bomb packt sich das Mikro von McMüll.
Tha Bomb: „HEY MAC ALTES HAUS… WIR SIND DIE KAMMERJÄGER UND BEFREIEN DIE LIGA VON UNGEZIEFR!!! NAGETIERE GEHÖREN IN DEN KÄFIG!!!“
So schnell der Angriff begann…so schnell ist er auch wieder beendet. Tha Bomb und Titan steigen ins Auto und rasen davon.
„Hahaha, Spanien.“ Tönt eine gackernde Stimme durch das Poble Espanyol. Die Zuschauer blicken sich irritiert um. Einerseits nach der Quelle, andererseits jedoch, weil sie sich fragen, wie das wohl gemeint ist. Hahaha, Spanien? Trampelt hier etwa jemand auf der stolzen iberischen Seele herum? Ein Unding. Erste Unmutsbekundungen ziehen über die Fanreihen. Wohl auch weil manch Anwesender die Stimme erkannt hat. Das Rätsel löst sich, als ein Mann in vanillefarbener Fantasieuniform aus einem der Backstagezelte herausstolziert und direkt auf den Ring zuhält. Dabei geht es durch die Publikumsbereiche hindurch, doch der Sprecher hält bedachten Abstand, als wäre der Körperkontakt mit den Spaniern giftig. Wie spätestens am Outfit und dem militärischen Marsch erkennbar wird, handelt es sich um den Rückkehrer der vergangenen War Evening. Sandro. Der Portugiese, Triumphator des ersten (und hoffentlich einzigen) CR7 GOAT Special Rules SSSSIUUU-Matches der GFCW-Geschichte, blickt sich im Museumsdorf um. Und immer wieder stößt er auf Dinge, die ihm gar nicht gefallen. Weil er jeden Missmut mit einem Zungeschnalzen kommentiert, liefern sich seine Abscheu und die Buhrufe der Fans alsbald einen Wettkampf um die Audiohoheit.
Sandro: „Was ist dies nur für eine Farce von einem Land? Vorgeblich unser großer Bruder auf der iberischen Halbinsel. Fünfeinhalb Mal so viel Landfläche wie die heilige Republik Portugal. Doch wen interessiert schon Ländfläche? Worauf es ankommt, ist wahre, innere Größe. Und wen wir danach gehen, ist Spanien so klein gewachsen, es könnte auf der Geburtstagsfeier von Lamine Yamal tanzen.“
Während Barcelona tapfer die Ehre ihres Wunderkindes verteidigt, indem es Sandro Schmährufe brüllend entgegenschleudert, rollt sich der Portugiese über den Apron auf die Matte. Kaum hat er sich zu voller, stolzer Größe aufgerichtet, tut er die negativen Reaktionen mit einem Schulterzucken ab.
Sandro: „Buh, buh, buh. Was denn, seht ihr es nicht? Kein Wunder für ein Volk, dessen größte Figur Windmühlen mit Riesen verwechselt. Würdet ihr nach der Siesta einmal die Tacos aus den Augen nehmen, würdet ihr merken, dass eure alberne Nation im heißen Glanz Portugals so dahinschmilzt wie eure Uhren. Kein Wunder, dass hier niemand richtig tickt. Wie heißt dieser Schund von Dali noch, hm? Die Beständigkeit der Erinnerung. La persistencia de la memoria.“
Auch seine Kenntnisse der spanischen Kunstgeschichte helfen nicht, die Buhrufe verschwinden zu lassen. Für Sandro kein Grund, es dabei zu belassen. Er hebt belehrend den Zeigefinger.
Sandro: „Die einzige beständige Erinnerung in Spanien ist die, dass hier alles Dreck ist. Aber mit Dreck habt ihr ja keine Probleme, der wird von euch einfach in kleine Stücke geschnitten, ein bisschen gewürzt und zum Nationalgericht erklärt. Doch nun nehmt einmal die Paella aus den Ohren und hört an, was ein Vertreter überlegener Zivilisationen zu sagen habt. Vielleicht schafft ihr es dann eines Tages sogar, eine Kirche in nur 100 das 150 Jahren zu bauen.“
Das würde dann sicher eine Gaudí zur Einweihung geben. Während sich der durchschnittliche deutsche GFCW-Fan schlau fühlen darf, die Anspielung verstanden zu haben, ist es für das lokale Publikum keine große Kunst. Die nach wie vor unfertige Sagrada Familia ist schließlich schwer im Stadtbild zu übersehen. Der Portugiese schaut sich unterdessen um, bis er die rot-gelb gestreifte Senyera Kataloniens im Publikum erkennt. Grund für ihn, erneut abschätzig zu schnalzen. Er deutet in Richtung der tapfer von einem Jungen geschwungenen Fahne.
Sandro: „Und Katalonien...ja, Katalonien ist das Schlimmste überhaupt. Seit Jahren wird nach Unabhängigkeit geschrien, so als würde man irgendwie alleine klarkommen können. Lol. Dabei hat der Stolz eurer Stadt ein Jahrzehnt lang auf den Schultern eines argentinischen Zwergs reiten müssen, um halbwegs mit dem besseren spanischen Verein und dem Heiligen Cristiano mithalten zu können. SSSSSIIIUUU!“
„BUUUUUUUUUH!“
Sandro: „SSSSSSIUUUU nicht BUUUUUUH heißt das. Selbst Loros sind klug genug, um etwas nachzuplappern. Nicht aber ein Katalane.“
Er nimmt Anlauf, springt ab und dreht sich in der Luft, um die bekannte Geste – gefolgt vom gutturalen Schrei – zu wiederholen.
Sandro: „SSSSSIIUUUU!“
„BUUUUUUUUUH!“
Sandro: „SSSSSIIUUUU!“
„BUUUUUUUUUH!“
Die Massen Barcelonas sind einfach lauter. Um sich das nicht eingestehen zu müssen, winkt Sandro ab und rümpft die Nase. Plötzlich ist ihm das Spiel zu doof. Er lässt das ssssiueen und führt das Mikrofon zurück an seine Lippen.
Sandro: „Wie heißt es hier so schön? Mes que un club? Mehr als ein Verein. Nun, da habt Recht, denn der FC Barcelona ist nicht nur ein Klub, sondern auch die Lolcow des europäischen Fußballs. Hala Madrid. Y nada mas.“
„BUUUUUUUUUH!“
Das ist einfach zu viel gewesen für den Stolz der Katalanen. Oder wie man auf Katalanisch sagen würde: Das war einfach zu viel für unseren Stolz. Nur halt auf Katalanisch.
Sandro: „Was wollt ihr jetzt tun? Eure Wasserpistolen auspacken und mich vertreiben? So wie die Touristen aus euren Cafés, von denen ihr aber ebenso abhängig seid wie von einem deutschen Großvater, der bei eurem FCB eure Scherben auffegt?“
Die Menge im Poble Espanyol kocht. Und Sandro reckt stolz die Brust heraus als wäre der Hass Barcelonas ein Ehrenorden für seine Uniform.
Sandro: „Katalonien und ganz Spanien sind VERLOREN. Der einzige Spanier, der die Augen nicht vor der Wahrheit verschlossen hat, war Pablo Picasso, denn der hat wenigstens so hässlich gemalt, dass es einen typischen Spanier realitätsgetreu abgebildet hat. Kein Vergleich zu einer vollendeten Ikone der Schönheit wie der Heilige Cristiano aus, sagt es mit mir, POOORRTUUU…“
„BUUUUUUUUUH!“
Sandro: „…GAAAAAL!“
In Superheldenpose reist sich Sandro das Oberform der Uniform auf, so dass die Knöpfe einzeln herumspringen. Darunter kommt sein muskelgestählter Oberkörper hervor, der von einem Shirt bedeckt ist, dass die portugiesische Flagge und das Gesicht von Sao Cristiano ziert. Es wirkt wie ein rotes Tuch auf die Massen.
Sandro: „Und damit sind wir auch beim richtigen Stichwort. Portugal. Denn hier und heute biete ich euch einen Ausweg aus eurer Misere an. Ich biete Spanien an, sich vor dem lusitanischen Daddy hinzuknien und ewige Treue zu schwören. Im Gegenzug werde ich dafür sorgen, dass ihr Schattengewächse auch etwas vom Glanz Portugals abbekommt und ihr im Lichte von Sao Cristiano zu einer relevanten Zivilisation heranwachsen dürft.“
Gönnerhaft breitet Sandro die Arme aus. In dieser Pose dreht er sich einmal um sich selbst, blickt in alle einsichtbaren Ecken des Dorfs. In den Gesichtern der Fünftausend sieht er nichts außer Ablehnung.
Sandro: „Was sagt ihr, Amigos?“
Die einzige Antwort, die Sandro darauf bekommt, ist… …das Ertönen einer Musik. Ein schnelles Instrumental schießt aus den Boxen und auch wenn der Inhaber dieser Musik bislang nicht für Furore gesorgt hat, so bekommt er in diesem Augenblick den mit Abstand größten Pop seines Lebens. Es ist Rodrigo Gaya. Nicht nur, dass er Sandro unterbricht – er ist auch noch Spanier. Zwei Zutaten, die den kleinen Underdog aus Oviedo plötzlich, zumindest in dieser speziellen Situation, ins neue Sphären befördern. Gaya läuft schnellen Schrittes zum Ring, winkt nur kurz dem Publikum. Dann hat er bereits die Distanz zum Ring zurückgelegt und slidet auf die Matte. Direkt vor Sandro springt er auf, so dass dieser einen erschrockenen Schritt zurück macht. Als sich der Portugiese wieder gefangen hat, blickt er den kurzgewachsenen Gaya, grad mal 1,70m, von oben bis unten an.
Sandro: „Was bist du denn für einer?“
Als Antwort gibt es nur ein Grummeln Gayas, dessen Namen die Fans im Hintergrund zu intonieren beginnen. Vielleicht ist es auch der Verlust einer Chance in der Battle Royal von vor zwei Wochen, der ihn beliebt gemacht hat. Von seinem Partner, Jackie D’Arcy, der vor zwei Wochen durch die Birdie Boys mehrfach leiden musste, ist heute nichts zu sehen. Doch Gaya ist nicht allein. Er hat Spanien im Rücken.
Sandro: „Bist du überhaupt authorisiert, im Namen Spaniens eure Kapitulation zu unterzeichnen?“
Gaya schnauft. Er reißt Sandro das Mikrofon aus der Hand. Szenenapplaus für den Youngster.
Rodrigo Gaya: „Ich bin für etwas ganz Anderes authorisiert.“ Sandro: „Ach?“ Rodrigo Gaya: „Hierfür.“
… … … Kick an Sandros Brust! Der Portugiese geht mit einem langgezogenen, theatralischen Schmerzensschrei zu Boden. Dort bleibt er liegen wie ein Maikäfer, alle Viere von sich gestreckt. Das Bild, als Gaya triumphierend über ihm steht, wird hundertfach von Barcelona fotografiert. Nach den Minuten der Schmähungen ist dies Balsam für die iberische Seele. Selbst dann, wenn der Retter aus Oviedo kommt und kein Katalane ist. Wenn es drauf ankommt, hält man zusammen. Doch Gaya ist noch nicht fertig. Er greift an Sandros Brust. Und reißt dessen Shirt weg. Die Farben Portugals und das Gesicht des Heiligen Cristiano verschwinden, als der Spanier es im hohen Bogen aus dem Ring schleudert. „GA-YA!“ „GA-YA!“ „GA-YA!“ Sandro will hochkommen, doch wird mit Kicks und Schlägen in eine Ringecke gedrängt. Als er sich mit einem Augenstecher kurz zurückkämpfen kann, kontert Gaya den Versuch einer Lariat, indem er abtaucht und in die Seile läuft. Gaya nimmt Schwung auf und schickt Sandro mit einem Running Dropkick zurück auf die Matte. Das Aufklatschen von Sandros Körper ist wie Musik für das Poble Espanyol. Rodrigo Gaya: „Los, schickt einen Referee raus. Vamos.“ Eine mutige Bitte. Oder besser gesagt: Ein Befehl. Aber irgendwo im Office muss jemand Gaya wohlgesonnen sein, denn nur wenige Sekunden nach diesen Worten stürmt tatsächlich jemand Richtung Ring. Es ist Mike Gard. Und wir bekommen einen spontanen Kampf.
Es ist over für Spanien. Aber sowas von. Sandro löst den Pin erst, nachdem Gard ihm zweimal auf den Arm tippt. Dann schiebt er Gaya zur Seite und steht auf, schwer atmend, aber mit theatralischem Gesichtsausdruck. Barcelona buht ihn nieder. Der Portugiese saugt es auf. Mike Gard hebt seinen Arm. Sandro reißt ihn noch höher und ruft dem Poble Espanyol entgegen, was gesagt werden muss. Sandro: „SSSSSIUUUUUUU!“ Aus der Halle kommt kein Echo. Nur ein geschlossenes, wütendes Buhen. Sandro juckt es nicht. Er hat einen wichtigen Teil seines Plans erfüllt. Und das zeigt er auch an, indem er mit dem Finger auf die Videoleinwand deutet, wo eine Einblendung erscheint.
Schritt 1 (Lissabon): Die Nation sammeln. (ERLEDIGT!) Schritt 2 (Barcelona): Das Nachbarland unterwerfen. (ERLEDIGT!) Schritt 3 (Arles): Die Eroberung ins Zentrum Europas tragen. Schritt 4 (Monaco): Die Zwerge überrollen. Schritt 5 (Catania): Die Vollendung der CONQUISTA
Auf der Matte liegt Rodrigo Gaya, eine Hand auf dem Bauch, die andere ausgestreckt Richtung Seil. Der Spanier hat Barcelona kurz gegeben, wonach es verlangt hatte. Doch Sandro hat es ihnen wieder weggenommen. Der Portugiese steigt durch die Seile nach draußen, hebt auf dem Weg noch einen Fetzen seines zerrissenen Shirts auf und hält ihn an die Brust, als müsse er eine geschändete Reliquie retten. Er hat den Heiligen Cristiano für dessen Entweihung gerächt. Dann marschiert er rückwärts die Rampe hinauf, die Buhrufe sind laut, doch das Grinsen sitzt. SSSIIUUU!
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