War
Evening,
Poble Espanyol (Barcelona,
Spanien), 12.06.2026
In
Kooperation mit
Barcelona.
Hauptstadt der autonomen Region Katalonien im Nordosten Spaniens
– als Begleiter einer Drohne bekommen wir Luftbilder von
dieser bedeutenden Metropole Europas präsentiert. Kurz
schimmert die optimale Lage zwischen Mittelmeer und Gebirge auf,
ein genauerer Blick zeigt uns ihre weltbekannte Architektur. So
beispielsweise die Basilika Sagrada Família, den Park
Güell und die Casa Batlló, die Antoni Gaudí
für die Ewigkeit schuf. Mit immer schnellerer Fahrt jagen
wir auch an einer Vielzahl Touristen vorbei durch die
Flaniermeile hin zum sagenumwobenen Camp Nou, wo der FC Barcelona
Zuhause ist, um schließlich auf einem Eventgelände zu
enden.
Der
Poble Espanyol. Für War Evening zu einem Eventgelände
umgerüstet – mit vielen Zelten für die Aktiven
wie für die Crew. Von größter Prominenz erscheint
nun aber in der Mitte des Geländes das Seilgeviert, um das
nebst der 5000 Zuschauer auch zwei bekannte GFCWler in
Erscheinung treten. Zumindest verbal.
Pete:
„HOLA Y BIENVENIDO!!“
Sven:
„Buenos días aus Barcelona! Hier ist die GFCW, hier
ist War Evening, hier ist der beste und schönste Moderator
der Welt, der selbst im Bett alle Latin Lover in die Tasche
steckt!“
Pete:
„Mein Name ist Pete und wir begrüßen euch ganz
herzlich von unserem zweiten Halt unserer Südeuropa-Tournee.“
Sven:
„Schon die Portugiesen bekamen vor zwei Wochen einiges
geboten, doch heute in Spanien legen wir nochmal eine Schippe
drauf!“
Pete:
„Schauen wir uns an, was uns erwartet!“
Singles
Match: Diana
Rolando vs. Monica Shade Referee:
Karo Herzog
Sven:
„Die neue Dienerin von Miria Saionji muss heute gegen eine
lokale Gegnerin ran!“
Pete:
„Diana Rolando war damals noch Teil des Förderkaders
hier, aber ist trotz ihres Heimvorteils nicht wirklich die
Favoritin in diesem Opener.“
Sven:
„Es sei denn Miria schafft es in dieser Show, Monica in
ihre Schranken zu weisen. Um ehrlich zu sein, habe mich mir das
mit der Dienerschaft etwas anders vorgestellt, als dass Monica
sie niederstreckt und anschließend zur Kloschüssel
schleift…“
Pete:
„In der Tat hat Monica die geforderte Entschuldigung nicht
bekommen und so war der Beginn von Mirias Herrschaft recht
holprig – um es gelinde auszudrücken. Wir dürfen
gespannt sein, wie es mit den beiden heute weiter geht. Ja! Und
ob es womöglich einen Einfluss auf dieses Match nimmt.“
Sven:
„Also… deine Mutter ist immer sehr gerne meine
Dienerin. Weiß nicht, wieso sich Monica da bei Miria so
sträubt. Saionji sieht doch hammermäßig aus. Und
wir Zuschauer würden uns auch freuen…“
Pete:
„Deine Fantasie will ich haben…“
Tag
Team-Match: Hispanic
Heroes (Carlos Sera & Hector Fernández & Regina
Reyes) vs. LPG (Black Wyrms (Shizuku Shikishima & Brigitte
Reflet) & Milly Vermillion) Referee:
Peter Cleven
Sven:
„Ein ähnliches Duell wartet auch im zweiten Match auf
uns! Mit den Hispanic Heroes haben wir hier allerdings ein Team,
das gleich sicher einige Jubelrufe zu erwarten hat.“
Pete:
„Nicht nur das! Wer über den Tellerrand hinaus blickt,
kennt Sera und Fernández aus der WFW und auch von
crossover Veranstaltungen wie dem NFWD. Sie sind die amtierenden
WFW Tag Team Champions und ihrer mittlerweile zweiten
Regentschaft!“
Sven:
„Was vom Teller fällt, ist für die Hühner.
Interessiert mich nicht. Nichts geht über die GFCW!“
Pete:
„Wenn man dein dummes Geschwätz hören möchte,
sicherlich. Aber ich denke die LPG wird nicht denselben Fehler
machen und sich gut auf ihre Gegner vorbereitet haben.
Schließlich werden die Drachen von vielen als Nummer Eins
Herausforderinnen auf die GFCW Tag Team Titel bezeichnet. Und um
diesem Status gerecht zu werden, sollten sie ihre kleine
Siegesserie heute fortsetzen.“
Sven:
„Du übersiehst, dass beide Teams noch jemanden an
ihrer Seite haben, Pete. Womöglich könnten Regina Reyes
oder Milly Vermillion das schwächste Glied der Kette sein.“
Pete:
„Auch das dürfte eigentlich nicht zu erwarten sein.
Milly trat immerhin noch bei New Level um den GFCW
Intercontinental Titel an... und auch Regina Reyes ist kein
unbeschriebenes Blatt.“
Singles
Match: Ben
Slate vs. Iokepa Referee:
Howard Eagle
Sven:
„In unserem dritten Match sehen wir Iokepa… dessen
Entwicklung in den letzten Wochen nun wirklich nur eines ist: Zum
Kotzen.“
Pete:
„Du spielst auf seinen Abgang im Handicap Match gegen die
Mad Stars an. In meinen Augen zeigte das seine Attitüde und
Selbstachtung. Er wollte nicht unfair gewinnen, Ben Slate wollte
es aber. So kam es zum Bruch der Modern Erasers.“
Sven:
„Womöglich aber nicht nur das. Auch bei ihm und seiner
Freundin Bella Venera hängt aufgrund seiner Feigheit der
Haussegen schief. Er ließ auch sie im Stich. Titan und Tha
Bomb hatten so vor zwei Wochen keine Probleme die beiden
vorzuführen. Und ähnlich wird es heute auch Ben Slate
anstellen und Iokpea besiegen.“
Pete:
„Ich rechne auch damit, dass Slate zu unfairen Mitteln
greift. Wobei auch die Herausforderung von TnB noch eine
Bedeutung haben könnte. Sie neigen bekanntermaßen
weder zu Zimperlichkeit noch zu hoher Geduld.“
Sven:
„Vielleicht war es von Beginn an auch der Plan von Ben
Slate. Schließlich hat er alle Männer in der GFCW
genau studiert… womöglich hat er damit gerechnet,
dass Iokepa ihn im Stich lässt und will nun mit einem Sieg
über ihn in der GFCW vorankommen.“
Pete:
„Oder aber der Hawaiianer hat die Pläne des Schweizers
durchkreuzt und emanzipiert sich heute voll und ganz.“
GFCW
Intercontinental Title No. 1 Contender Match: Güldenherz
vs. Steve Steel Referee:
Ricky Murk
Sven:
„Steve Steel hatte in der letzten Show einen
Überraschungsauftritt und legte sich dort gleich mal mit IC
Champion Zac Alonso an.“
Pete:
„Nicht nur mit dem. Vor allem Güldenherz hätte
beinahe einen Schlag des Altstars abbekommen, doch diese
Ansetzung für heute hat die Prügelei aufgeschoben.“
Sven:
„…nicht aufgehoben! Wer zum Teufel ist dieser
Güldenherz überhaupt?“
Pete:
„Das hast du doch schon letztes Mal gefragt! Hör zu
verdammt!“
Sven:
„Muss an den Schreien deiner Mutter gelegen haben…
Portugiesische Nächte, man, aber auch die spanischen wurden
bereits lautstark entjungfert!“
Pete:
„… … *räusper*
… Güldenherz ist ein aufstrebender GTCW Superstar.
Wir haben es also passend zum vergangenen PPV New Level mit einem
Match alt gegen jung zu tun. Der Gewinner bekommt die Chance Zac
Alonso um seinen Titel zu fordern!!“
Battle
Royal um ein Tag-Team-Titelmatch: Teilnehmer:
Stella Nova & Mad Dog, TSEizn Ra(re)BBits (Tsuki Nosagi &
El Metztli), T’n’B (Titan & Tha Bomb), Die
Basketballer (James Hightower & Chris Dimer), Birdie Boys
(„Mr. Fairway“ Rupert Wooten & Steven
Sademi) Refereee:
Mike Kontrak
Sven:
„Auch im Co Mainer des Abends steht eine Titelchance auf
dem Spiel. In diesem Fall ist es die Möglichkeit Zerbeus bei
Conquista um die Tag Team Titel herauszufordern.“
Pete:
„Fünf Teams haben sich gemeldet, darunter die
ehemaligen GFCW Tag Team Champions Hasen und TnB, die
hochdekorierten Einzelwrestler Mad Dog und Stella Nova, und die
beiden neue Teams, die Birdie Boys und die Basketballer.“
Sven:
„Sind wir ehrlich! Titan und Tha Bomb werden alle anderen
weghauen. Sie sind die erfahrensten Teamwrestler und lassen sich
das Rückmatch gegen Zerbeus nicht nehmen.“
Pete:
„Sie gehören sicher zu den Favoriten, aber vor allem
aufgrund ihrer miesen Taktiken. Die Hasen werden aber auch noch
ein Hühnchen nach ihrer Entführung mit ihnen zu rupfen
haben und zeigten schon ihre Wut bei ihrer teils verstörenden
Bewerbung.“
Sven:
„Komplett irre. Die sind nicht mehr ganz knusper in der
Birne – also zu vernachlässigen. Ebenso wie Mad Dog.
Er ist gegen The End abgekackt – keine Bedrohung mehr. Und
die jungen Teams?! Na ja. Vielleicht in ein paar Jahren.“
Pete:
„Es ist eine Battle Royal, Sven. Eigentlich ist es gemacht
für einen Überraschungserfolg. Über die Seile ist
man mal schnell gefallen. Aber ich würde auch weder die
Hasen noch die Mad Stars abschreiben…“
Sven:
„Du hast keine Ahnung. TnB machen das. Nächstes
Match!“
GFCW
World Championship Open
Challenge: The
End (c) vs. ??? Referee:
Jack Bobo
Pete:
„Du hast die beindruckende Titelverteidigung in der letzten
Show bereits angesprochen. The End konnte seinen Titel gegen
niemand geringeren als Mad Dog verteidigen. Heute wurde erneut
eine offene Herausforderung gestellt.“
Sven:
„Dann dürfte es heute aber endlich soweit sein. Es
gibt nur einen, der diese Open Challenge annehmen sollte.
Buchstabiere es endlich mit mir, Pete. A-L-D…“
Pete:
„Es kommen weiterhin alle in Frage. Vielleicht kommt ja
gleich schon wieder jemand raus und holt sich den Spot sofort.“
Sven:
„Oh ja… ich höre schon Musik!“
Die
Leute gehen aus den Sitzen. Die GFCW Tag Team Champions sind
hier! Und aus dem Entrance da kommen sie auch schon. Die Gürtel
hängen blank geputzt um die Hüften von Zereo Killer und
Raymond „Morbeus“ Douglas. Auch aus den
umherliegenden Balkons der Häuser des Poble Espanyols wirf
eifrig gewunken. Die beiden Legenden mögen das natürlich
sehr. Eine Show in einem Freilichtmuseum haben die beiden auch
nicht gehabt. Die Dinosaurier dieser Promotion wirken jedoch
recht frisch. Ist es der ewige Jungbrunnen, in den beide gefallen
sind? Oder Botox? Beide gehen die Rampe herunter und klatschen
mit den Zuschauern ab, auch wenn der Weg zum Ring im Vergleich zu
sonst etwas unorthodox erscheint.
Im
Ring wird gezeigt, was man hat, und posiert für alle Mann.
Dann ergreift Raymond Douglas das Wort.
Morbeus:
„Hallo, Barzzzeeelona! Wie man doch bei uns so schön
sagt. Wir sind froh hier zu sein in einer der pulsierensten
Metropolen Europas.“
Höflicher
bis ekstatischer Applaus von den Rängen.
Nun
ist es Zereo Killer, der einige Worte an das Publikum aus
Katalonien richtet.
Zereo
Killer: „Was für eine Kulisse!“
Er
schaut sich um und schüttelt mit einem Grinsen im Gesicht
den Kopf. Ja, so eine Location hat auch er in seiner
vierundzwanzigjährigen Laufbahn noch nie gesehen.
Zereo
Killer: „Spanien, Barcelona, das ist schon etwas ganz
Besonderes, ich wusste es schon immer. Aber dass der Besuch der
GFCW so absolut unique sein wird, das ist einfach fantastisch!
Einfach einzigartig,“
Er
applaudiert den katalanischen Wrestlingfans und diese zahlen es
ihm zurück, in dem sie seinen Schlachtruf „you still
got it“ chanten.
MacKenzie
badet im Jubel der Menge, doch dann verrät er folgendes.
Zereo
Killer: „Wir haben es immer wieder bewiesen, dass wir es
draufhaben, ja. Daher ist mein neuer Schlachtruf – damit
man es nicht vergisst: I am Zereo Killer, and I am still here! We
are Zerbeus, and we are still here!“
Der
Blickkontakt mit seinem Partner wird gesucht. Sie nicken sich
gegenseitig zu, klatschen einander ab und Morbeus fährt
verbal zwischen die Jubelrufe der Crowd.
Morbeus:
„Heute erlebt ihr alle die GROßE GFCW BATTLE-ROYAL!
Der Sieger, so haben wir es angekündigt, wird einen
Titleshot bei Conquista in Italien erhalten! Im Stadion von
Catania. Wir haben aufgerufen und 5 starke Tag Teams haben sich
gemeldet.“
Ein
wenig aufgeregt, wie ein wilder Tiger, der im Käfig
eingesperrt ist und auf sein Fresschen wartet, geht der
Kalifornier hin und her, ehe er den Tonverstärker zu seinen
Lippen fährt.
Zereo
Killer: „Ich bin positiv nervös, denn es wird sehr
spannend werden! Fünf Teams haben sich gemeldet, ja, fünf
Teams, die alle einen Grund haben, um uns herauszufordern, denn
alle haben die Qualität ganz oben zu stehen. Nur gibt es ein
Problem: Ganz oben steht Zerbeus!“
Nun
bleibt er stehen, löst den Gürtel von seinen Hüften
und streckt ihn in die Höhe. Das Ei, welches ihm einen IC
Titleshot sichert, blitzt kurz aus seiner linken Hosentasche. Er
scheint es aber bewusst dort zu lassen, denn darum geht es heute
definitiv nicht.
Zereo
Killer: „Ich bin absolut gespannt, wer diese Tag Team
Battle Royal gewinnen wird. Fakt ist, wir werden bereit sein,
komme was wolle, komme wer wolle!“
Morbeus:
„Ganz genau, Mike. Dann haben sich aber auch noch ein paar
gemeldet, die sich wiederum nicht für die Battle Royal
anmelden wollten. Das ist sehr bedauerlich, aber die Black Wyrms
und die Damen des Nordens wollten nicht. Man kann keinen zu
seinem Glück zwingen. Völlig lächerlich ist aber
der Hinweis, dass SIE automatisch sich einen Titleshot verdient
hätten. Das sind mir mal wieder die Liebsten: Sich den
Herausforderungen nicht stellen wollen, aber alles einfordern.
NIIIIIIEEEEET! So geht das bei Zerbeus schon mal gar nicht. Ihr
hattet die Chance euch nachher den Titleshot zu sichern, aber nur
durch rumblöken gibt es natürlich nichts. Wenn die
Wyrms allerdings ein Match gegen uns haben wollen, dann sollen
sie gerne gegen uns in Arles, Frankreich in den RING KOMMEN!“
Die
Zuschauer freuen sich über ein mögliches weiteres Tag
Team Match…..[Hier noch ein paar Sätze mehr später
dann]
MacKenzie
kann sich ein Grinsen nicht verkneifen und reagiert auf das
Gesagte seines genialen Partners.
Zereo
Killer:“ Tja, was soll man dazu sagen? Sie wollten einfach
nicht. Wow. Dann haben sie es auch nicht verdient. Wenn man das
beste Team sein will, muss man gegen alle Anderen, und im
Endeffekt auch gegen die Champions, bestehen. Doch wenn man
geistig dazu nicht mal in der Lage ist daran zu glauben, dass man
an sich selbst glaubt, dann tuts mir leid. Die Damen aus dem
hohen Norden scheinen doch nicht so gefährlich zu sein, wie
ich mir gedacht hab.“
Überraschend
provokante Worte in Richtung der Hüninnen, welche sie
bereits besiegen konnten.
Zereo
Killer: „Und was die schwarzen Würmchen anbelangt. Ja,
Ray hat es schon angekündigt. Kommt nach Frankreich, wenn
ihr euch traut. Würde euch auf alle Fälle gern von
Angesicht zu Angesicht sagen, wie feige ihr seid, dass ihr euch
nicht in die Battle Royal traut. Wahre Champions schrecken vor
Nichts und Niemanden, vor keiner Herausforderung zurück.
Darum haben wir auch die Battle Royal ins Leben gerufen, damit
jeder ne Chance hat.“
Aber
nun scheint es genug mit dem verbalen Vorgeplänkel zu sein.
Der Kanadische Teil der Tag Team Champions ergreift abermals das
Wort.
Morbeus:
„Kommen wir nun aber zu unseren Gegnern. Ach nee,
Gegnerinnen und Gegnern. So viel Zeit muss sein. Die TSEizn
Ra(re)BBits sind uns bestens bekannt. Die ehemaligen Tag Team
Champions sind immer ein starker Gegner gewesen. Ihr letzter
Auftritt vor zwei Wochen war allerdings mehr als spooky. Ich weiß
immer nie, wo die falsch abbiegen. Aber sie tun es definitv.“
Zereo
Killer: „Im Ring nachher wird sehr viel los sein,
vielleicht bekommen sie ordentlich eine auf den Schädel,
damit es wieder in die richtige Richtung geht, und wer weiß?
Vielleicht gewinnen sie das Ding auch noch? Zuzutrauen wär‘s
ihnen auf alle Fälle.“
Weiter
geht’s mit Team Nummer zwei, welches besprochen wird.
Morbeus:
„Zu den beiden Arschnasen T’n’B gibt es von
meiner Seite wenig zu sagen. Tausendmal habe ich denen schon auf
die Schnauze gehauen, auch wenn ich einige Prügel auch schon
kassiert habe. Diese Prügel werden wohl erst enden, wenn
eine Seite im nassen Grab liegt. Erst bei New Level gab es das
letzte Mal auf die 12. Wir waren siegreich, aber ich bin ehrlich:
es muss für mich nicht wieder T’n’B werden.“
Zereo
Killer: „… doch das liegt nicht in unserer Hand!
Auch T’n’B ist ein extrem gefährliches Team,
welches absolut in der Lage sein kann, diese Battle Royal zu
gewinnen. Unser letzter Tanz mit ihnen war sehr brutal, sehr
blutig und hat auch einige Narben hinterlassen. Wenn ich nur an
das Laddermatch denke, schmerzt mein Rücken abermals. Aber
sie konnten weder die Title, noch das Ei gewinnen. Und das wird
auch so bleiben, falls sie hier siegreich sein werden.“
Weiter
geht’s mit Team Nummer 3.
Morbeus:
„Die Basketballer sind dagegen völlig neu und Rookies
im Geschäft. Ich sehe einiges an Potenzial, aber sie sind
noch etwas roh. Gerne sollen sie mal zeigen, was sie können.
Nur als Topfavoriten sollten Hightower und Dimer nicht gelten!“
Der
Mann aus den Staaten hebt seinen Zeigefinger und blickt in
Richtung seines Partners.
Zereo
Killer: „Da magst du zwar Recht haben, aber sie könnten
einen ähnlichen Weg gehen wie ich. Zu Beginn meiner Karriere
in der WWC wurde ich in meinem zweiten Match direkt WWC Hardcore
Champion, kurz darauf überraschend WWC Tag Team Champion.
Wenn sie die Battle Royal gewinnen können, kann das eine
ziemlich interessante Matchpaarung mit denen Beiden werden.
Dennoch wird es zu Zereo Killer von damals einen Unterschied
geben: Wir werden nicht gegen die Basketballer verlieren. Dennoch
verfolge ich das Team mit großem Interesse.“
Morbeus:
„Dann die Birdie Boys. Völlig neu dabei und für
mich nicht einschätzbar. Cooler Auftritt in der letzten
Show, keine Frage. Aber im Ring da muss auch was kommen. Mr.
Fairway Rupert Wooten und Steven Sademi bleiben die großen
Unbekannten!“
Zereo
Killer: „Sehe ich genauso wie du. Sie können, egal ob
sie die Battle Royal gewinnen oder nicht, nur gewinnen! Sie
können generell Aufmerksamkeit generieren und von sich Reden
machen! Ich bin sehr neugierig auf sie!“
Morbeus:
„Sodann wir zum letzten angemeldeten Team kommen. Spicy!
Stella Nova und Mad Dog. Von
den Namen hochkarätig besetzt. Aber wie gut werden sie
zusammen halten in einer Battle Royal? Teamwork wird unerlässlich
sein in diesem Match, was wir beide natürlich kommentieren
werden, Mike. Ich habe aber so meine Zweifel ehrlich gesagt, wenn
ich mir die ganzen Kontrahenten so ansehen, dass AUSGERECHNET die
beiden die Battle Royal gewinnen werden!“
Hier
scheint ZK nicht dieselbe Meinung wie Morbeus zu haben.
Zereo
Killer: „Hm, glaubst du wirklich? Ich könnte mir
durchaus vorstellen, dass sie gute Chancen haben. Sie sind
ähnlich wie wir. Große Namen im Wrestling, große
Einzelwrestlernamen, die zu einem Team zusammengefunden haben.
Beim PPV haben sie ein 2 vs 3 Match gewonnen. Ich traue es ihnen
schon zu, aber natürlich wird es schwer werden, denn…“
Überraschenderweise
wird die Analyse von MacKenzie mit der Musik des Night Fighters
unterbrochen! Das kommt jetzt doch überraschend, aber es
wird spannend!
Unter
den Klängen von Lynyrd Skynyrd tritt allerdings nicht nur
Mad Dog ins „spanische Dorf“, sondern an seiner Seite
sieht am ebenso die attraktive Inderin Stella Nova. Mit lautem
Jubel werden auch die beiden anderen Stars bedacht, während
sie fokussiert zum Ring schreiten. Es scheint eine gewisse
Vorfreude auf ihren Gesichtern zu liegen, denn sie schauen
unentwegt zu den beiden Tag Team Champions –
undurchschaubar, ob dabei eher die Augen der Männer oder
doch das Gold an ihren Hüften im Auge der beiden Mad Stars
liegt.
Als
sie das Seilgeviert entern und sich den beiden Männern
gegenüberstellen, wird der Jubel noch einmal lauter. Morbeus
und Zereo, ebenso wie Stella und MD schauen immer wieder kurz in
die Menge, die ob des Anblicks und der möglichen
Konfrontation völlig ausrastet. Unbemerkt ist die Musik der
Töle längst verklungen, doch die Meute schreit weiter.
Pete:
„Die Menschen wollen dieses Match sehen! Und auch mir macht
es eine Gänsehaut.“
Sven:
„So wie bei deiner Mutter, wenn ich vor ihr stehe und meine
Hose öffne?“
Minuten
des Feierns verstreichen. Dann endlich hebt der verrückte
Hund sein mitgebrachtes Mikro an den Mund und schaut Morbeus an.
Mad
Dog: „Ausgerechnet du säst Zweifel, ob wir beide als
Team funktionieren, huh?! Dabei ist doch der Zweifel bei euch
beiden noch gar nicht ausgeräumt, oder? Hängt er nicht
wie ein Damoklesschwert über eurer Regentschaft? Zuerst war
Mike der Rettungsnagel, weil dein Sohn verletzt war. Doch dann
wurde es wieder mehr und mehr die MacKenzie Show. Seine
Showstealing-Attitüde in den Matches, seinen guten Willen
mir gegenüber, seine alleinigen Entscheidungen, ohne dich zu
fragen.... Bin ich der Einzige, der gesehen hat, wie dich das
immer wieder in den Wahnsinn getrieben hat, Douglas? Zu allem
Überfluss fand Zereo ja auch noch das Ei! Und wieder wurden
sie bestätigt, deine ständigen Mahnungen, Worte und
Bitten. Sollten das nur nett gemeinte Sorgen gewesen sein? Nur
der Hauch Egoismus wegen der Titel? Dann ruf ich gleich beim
Papst an und reich deine Heiligsprechung ein. Denn auf deren
Prüfung bin ich gespannt. Keine Spur Neid, huh? Kein
Fitzelchen Enttäuschung?!“
Zereo
Killer: „Das ist wieder typisch Simargl. Gift und Galle
spuckt er. Du kannst ja doch nicht aus deiner Haut raus. Es wird
mir mehr und mehr klar. Vielleicht hätte ich lieber auf mein
Bauchgefühl hören sollen und hätte dir nicht
geholfen!“
Die
funkelnden Augen der beiden ehemaligen Erzfeinde treffen sich und
wollen nicht weichen. Keinen Millimeter.
Stella
Nova: „Meine Herren, sich so sehr in Rage zu reden ist
nicht gut für die Gesundheit. Besonders für meine, ich
habe nämlich keinerlei Interesse von eurem lautstarken
Gezeter einen Tinnitus zu erhalten. Insbesondere, da ich längst
von euch bereits etwas Besseres erhalten habe. Zereo Killer,
Morbeus… dank eurer unfassbaren Dummheit, mit der ihr in
TnBs Falle gelaufen seid und euch für Mad Dog als
gleichermaßen unfähige wie unzuverlässige
Kampfgefährten erwiesen habt, ist mir die Chance auf dem
Silbertablett serviert worden mich mit dem Night Fighter zu
verbünden und das erfolgreich. Ein bislang wunderbarer
Partner. Und dank eurem schändlichen Übergehen der
legitimen Ansprüche der Black Wyrms gibt es diese wunderbare
Battle Royal, die es mir und Mad Dog erlaubt aus unserem
ursprünglichen Zweckbündnis in Windeseile noch so viel
mehr zu machen. Und doch, bei aller Dankbarkeit dafür, wie
euer Fehlverhalten mich begünstigt, ich muss einfach eine
vielleicht etwas unangemessene Frage stellen, explizit an dich,
Morbeus… oder soll ich Herr Douglas sagen? Also…
verratet mir doch bitte, warum ihr das Ei von Zereo Killer mit
solch funkelnden Augen angeblickt habt? Ist euch vielleicht der
Gedanke gekommen, wie grandios es wäre, wenn dies Euer Ei
wäre und Ihr Eurem Sohn den Intercontinental Title vor der
Nase wegschnappen könntet? Oder warum sonst haben wohl Eure
Augen so geleuchtet, beim Anblick eines fremden Eis? Nicht
zufrieden mit Euren eigenen?“
Morbeus:
„Da musst du wohl schielen, Stella. Ich habe das Ei
überhaupt nicht angesehen. Das Ei interessiert mich einen
feuchten Schiss. Der Intercontinental Title ist im Übrigen
keiner, für den ich mich erneut anstrengen würde. Wenn
dann soll es doch bitte der World Title sein. Ich hatte ja alle
Belts schon mal, WIE DU WEISST! Vom World Title bin ich aber so
weit weg wie die Erde vom Mond. Aber als Tag Team Champion lässt
es sich dennoch locker durch die Hose atmen. Ansonsten lass doch
Kyle aus dem Spiel. Wichtig sind nur ZERBEUS. Die aktuellen WORLD
TAG TEAM CHAMPIONS! Und wir haben doch einige Teams schon
weggeklatscht. Wir haben gemeinsam einiges durchgemacht und sind
weiterhin ON TOP! Pack schlägt sich, Pack verträgt
sich! Doch die Richtung stimmt. Ihr dagegen habt noch gar nichts
bewiesen. Und da werden ein paar markige Worte nicht reichen. Es
muss ordentlich was gezeigt werden, wenn ihr hier die vier
anderen Teams schlagen wollt.“
Stella
Nova: „Richtig ist, dass eine gute Partnerschaft nur dann
als stabil gelten kann, wenn sie auch mal einen Krach verträgt.
Wenn es allerdings permanent Krach gibt, nennt man das eine
toxische Beziehung. Wie ich bereits letzte Show anriss, habe ich
selbst meinen idealen Gegenpart über viele Jahre nie
gefunden. Ob Mad Dog nun dieser Gegenpart ist oder nicht, ja das
mag noch unklar sein. Und doch bin ich vorsichtig optimistisch.
Bin ich das Spektakel, ist er die Drecksarbeit. Bin ich die agile
Technik, ist er die zähe Härte. Ich bin der Leitstern
des Pro Wrestling, er ist der furchteinflößende
Simargl. Die Frage nach unseren Unterschieden stellt sich nicht,
wir sind absolute Gegenpole, die aber doch in mehr als einer
Sache vereint sind. Wir sind beide Messlatten für die
höchste Klasse im Wrestling, wir sind hartnäckig und
wir sind beide umso besser, je tiefer die Nacht ist – er
ist der Night Fighter, ich der Leitstern, der in der Nacht am
hellsten strahlt. Wir lassen uns nicht von anderen in Frage
stellen, wir selbst stellen die Fragen und liefern die Antworten.
Wir wollen dieses Gold, das ihr tragt, und es liegt ganz alleine
an uns, es zu unserem Gold zu machen und eine Messlatte zu sein,
an der ihr bei all eurer Klasse, die ihr unzweifelhaft habt...,
scheitert.“
Ein
Schmunzeln huscht über die Lippen des verrückten Hundes
und er schaut zu Stella, die seinen Blick erwidert. Nach diesem
kurzen Augenblick wandert der Blick der Töle zurück zu
den Champions.
Mad
Dog: „Mit dem Weg über die Modern Erasers und die
heutige Battle Royal haben wir dann auch mehr Reputation als ihr
es bei eurem Titelgewinn hattet, Douglas. Zumal Stella und ich
durchaus schon eine kleine Meinungsverschiedenheit hatten -
nämlich zu meinem Match gegen The End in der letzten Show…“
So
hatte Stella in ihrem Interview bei der letzten Show diese Option
für sich selbst ausgeschlossen, da sie eine solche Paarung
im Rahmen einer Open Challenge für Verschwendung hielt. Es
dürfte also so sein, dass sie über die Aktion des Night
Fighters ähnlich denkt; zumindest laut Mad Dog.
Mad
Dog: „Yeah! Vermutlich hast du Recht, Stella. Mit mehr
Vorlauf und Vorbereitung wird das Ganze gegen The End anders
laufen als in Lissabon. Aber selbst, wenn aus meiner Sicht mit
The End noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, habe ich jetzt
immerhin den Hinterkopf frei und kann mich hier in der GFCW voll
auf die Tag Team Titel fokussieren… und hier mein Gift
speien, wie du so schön sagst, Mike. Obwohl eure ‚Analyse‘
ja zuerst gesprochen wurde. Aber egal. Stella und ich werden
heute Abend jeden Zweifel aus dem Weg räumen und dann stehen
dir, Zereo, bei Conquista gleich zwei deiner größten
Ängste gegenüber! Simargl und… eine Frau!“
Zereo
Killer: „Darüber kann ich doch nur schmunzeln. Gegen
die nordischen Schwestern haben wir gezeigt, dass ich bzw. wir
gut gegen Frauen wrestlen können. Im Endeffekt war es ein
Match wie jedes andere auch. Und auch gegen S1 habe ich damals
gewinnen können – aber zu diesen Zeiten will ich nicht
zurückkehren. Ich wünsche euch beiden heute viel Erfolg
und würde mich auf ein Match gegen die beiden bei Conquista
sehr freuen.“
Zereo
bedenkt sowohl MD als auch Stella mit einem Nicken.
Morbeus:
„Sollte es wirklich zu einem Match gegen euch Sternchen
kommen, dann sei es ebenso. Wir haben jeweils schon ganz andere
Kaliber bezwungen. Doch den Respekt habt ihr bei mir dennoch
sicher, wenn es euch gelänge diese Battle Royal siegreich zu
gestalten. Dass es dann aber sehr schmerzhaft gegen uns werden
wird, ist völlig klar. Wir sind die Platzhirsche und ich
sehe kein Tag Team, welches uns gefährlich werden kann.“
Das
Mic schmeißt dann Morbeus symbolisch zu Boden und es folgt
ein Staredown aller vier Protagonisten. Selbstverständlich
zoomt die Kamera dann in die Nahaufnahme und zeigt vier
Wrestlerinnen und Wrestler, die zu allem bereit scheinen.
Barcelona.
Die
Stadt Gaudís und des großen FCB. Das Herz
Kataloniens, Heimat vielfältiger Kunst, Kultur und
Kulinarik.
Beim
Anblick der Gebäude, die die Geschichte der Metropole zu
atmen scheinen, kann man verstehen, warum sich jährlich 16
Millionen Reiselustige aufmachen, um im Park Güell zu
flanieren, in Warteschlangen vor den Museen gebraten oder von
Einheimischen mit Wasserpistolen durch pitoreske Gassen gejagt zu
werden.
Und
Iokepa ist einer von diesen 16 Millionen. Am Vorabend von War
Evening. Gerade setzt der Hawaiianer seine Kamera ab, nachdem der
fünfte Schnappschuss der Sagrada Familia im Kasten ist. Was
für ein prächtiges Gebäude – und doch ist es
nicht der Anblick, der ihn am meisten fesselt. Denn neben ihm
steht Bella Venera. Immer wieder wirft er einen fast schüchternen
Blick zu seiner Freundin hinüber. Betrachtet sie genau. Sein
Herz zuckt, wenn der Anblick von Barcelonas Üppigkeit ihre
Augen zum Leuchten bringen. Es sind ruhige, schöne Momente.
Und solche gibt es in den letzten Wochen nicht im Übermaß.
Denn so ganz ausgestanden ist sie noch nicht, die
„New-Level-Krise“. Eine temperamentvolle Frau wie
Bella lässt nicht unter den Tisch fallen, wenn ihr etwas
missfällt. Und so straft sie ihren Freund trotz des
gemeinsamen Trips wieder einmal mit Schweigen.
Iokepa
will gerade ansetzen, etwas zu sagen, als er trippelnde Schritte
näherkommen hört. Ein Geräusch, das eigentlich
nicht der Rede wert wäre, denn es könnte einmal mehr
von einem der Touristen ausgehen, die den Anschluss an die
Stadtführung verloren haben und jetzt panisch von
Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, um die
Gruppe wiederzuentdecken.
Doch
der Mann, von dem die Schritte ausgehen, kommt Iokepa bekannt
vor. Er trägt – angesichts der Hitze völlig
unpassend – einen Baumwollanzug, dessen Ärmel
durchgeschwitzt sind. Darüber einen albernen Sonnenhut. Er
sieht vollkommen aus der Zeit
gefallen
aus. Es ist also Mac Müll. Als er Iokepa und Bella eingeholt
hat, beugt er sich mit einem würgenden Geräusch nach
vorne, stützt die Hände auf den Oberschenkeln ab und
schnappt nach Luft, als wäre er die letzten Minuten
gewaterboardet worden.
Mac
Müll: „End…lich…habe…ich…euch…gefu…-“
Er
sackt nach vorne. Wäre Bella Venera nicht so
reaktionsschnell, um nach seinem Arm zu greifen, hätte sich
Mac auf dem Asphalt wiedergefunden.
Bella
Venera: „Was ist mit dir los?“
Sie
rümpft die Nase, als sie den Schweiß des Reporters an
ihren Händen bemerkt. Wie ein Wasserfall. Unbemerkt von Mac
wischt sie die Flüssigkeit zurück an sein Hemd, während
sie ihm hochhilft.
Iokepa:
„SO heiß ist es nun auch wieder nicht. Aber du ölst
wie nach einem Marathon. Was ist passiert?“
Mac
Müll: „Sie haben mich…“
Mit
dem Geräusch einer Zugbremse zieht er Luft in seine
anstrengte Lunge.
Mac
Müll: „…GEJAGT!“
Iokepa:
„Gejagt? Wer?“
Ein
weiteres Mal atmet Mac tief durch. Er nimmt den Hut von der Stirn
und fächert sich Luft zu.
Mac
Müll: „Scheiß-Touristen haben sie gesagt. Die
Einheimischen. Wir nehmen ihnen ihre Stadt weg und dass ich mich
verpissen soll…“
Während
ein Schweißtropfen von der Stirn perlt, blickt er zwischen
Bella und Iokepa hin und her.
Mac
Müll: „Dabei sieht man mir doch gar nicht an, dass ich
ein Tourist bin. Oder?“
Synchron
gehen Iokepas und Bellas Blick an Mac auf und ab. Der
lächerliche, viel zu große Sonnenhut auf dem Haupt.
Aus Stroh zu allem Überfluss. Altmodischer Baumwollanzug mit
Karomuster. Sandalen und Puma-Strümpfe. Ein Deutschland-Pin
- schließlich ist ja WM - im Knopfloch.
Das
gemeinsame Grinsen, dass das Paar sich nicht verkneifen kann,
löst zumindest etwas der nach wie vor angestrengten Stimmung
zwischen den Wrestlern. Humor vereint.
Bella
Venera: „Warum bist du uns denn gefolgt? Hätte das
nicht bis zu War Evening warten können? Wir sind privat
unterwegs.“
Mac
Müll: „Ich werde nicht dieser Schlange Tammy die
Chance geben, euch zu vereinnahmen. Diesem newsgeilen Luder.
Deshalb muss ich schon heute mit euch sprechen.“
Aus
der Tasche zieht er ein Mikrofon hervor. Das Paar verdreht die
Augen. Doch ergibt sich in sein Schicksal.
Iokepa:
„Aber mach es kurz.“
Mac
Müll: „TnB will eine Antwort.“
Er
schiebt das Mikrofon näher an Iokepas Lippen heran.
Mac
Müll: „Wie lautet sie?“
Iokepa
und Bella tauschen einen Blick aus. Einen vielsagenden Blick.
Scheinbar haben sie über das Thema selbst schon oft
nachgedacht. Wie auch nicht? TnB hat eine deutliche
Herausforderung gestellt: Sie wollen ein „Schulden vs.
Dienste“-Match. Wenn sie es nicht bekommen, wollen sie
ihnen das Leben zur Hölle machen. So die Ankündigung.
Iokepa
nickt stumm in Bellas Richtung. Gibt ihr das Signal, dass sie die
Frage beantworten kann. Wenn sie will.
Bella
Venera: „Unsere Antwort lautet ‚Nein‘.“
Macs
Augen werden größer. Vor Aufregung vergisst er seinen
jämmerlichen Zustand und wirkt plötzlich agil wie eine
Gazelle.
Mac
Müll: „Ihr werdet euch nicht auf ein weiteres Match
einlassen?“
Iokepa:
„Es geht nicht darum, dass wir kein Match mehr wollen. Im
Gegenteil: Nach der letzten Niederlage, die nur zustande kam,
weil TnB ihre Scheiße abgezogen haben, brennen wir auf
Rache. Aber wir sind nicht so verzweifelt, uns auf die absurden
Bedingungen des Matches einzulassen, das sie vorschlagen.“
Mac
Müll: „Die Bedingung, dass ihr die Schulden bei ihnen
abarbeiten müsst, falls ihr verliert?“
Nicken
beim Wrestler-Paar.
Bella
Venera: „Wir sind nicht diejenigen, die TnB engagiert
hatten, um Zerbeus aus dem Weg zu räumen! Es sind nicht
unsere Schulden.“
Iokepa:
„Ben Slate hat sie gemacht. Er hat TnB für einen
Angriff verpflichtet, ohne dass wir davon wissen. Also ist es
auch sein
Problem,
sie zu bezahlen. Mag sein, dass TnB uns dafür drankriegen
wollen, weil sie Ben nicht zu packen bekommen, aber wir lassen
uns nicht für die Fehler eines anderen erpressen. Wenn sie
zu anderen Bedingungen mit uns in den Ring wollen, sind wir
bereit. Aber nicht zu einem Kampf, der uns in die Sklaverei
führen könnte. Wir sind ehrgeizig…“
Bella
Venera: „…aber nicht dumm. Jeder weiß, wie die
Beiden drauf sind und dass sie vor nichts zurückschrecken,
um Siege zu stehlen.“
Den
Satz des anderen zu vollenden, führt zu einer neuen Welle
der Verbundenheit. Iokepa schenkt seiner Freundin ein Lächeln.
Doch Mac Müll mag sich der guten Stimmung nicht so ganz
anschließen. Er kräuselt die Stirn.
Mac
Müll: „Aber habt ihr nicht die Befürchtung, TnB
werden die Absage nicht einfach so hinnehmen und Rache üben?
Es ist ein Team, das in seiner Karriere so oft die Grenzen des
guten Geschmacks überschritten hat, dass man nicht mehr
mitzählen kann.“
Bella
Venera: „Wir haben keine Angst vor ihnen. Heute sind sie
damit beschäftigt, die Battle Royal zu bestreiten. Einen
Kampf, den sie auch besser gewinnen sollten, um nicht in der
Irrelevanz zu verschwinden. Und wenn sie in zwei Wochen mit uns
was klären wollen, dann sind wir dafür bereit. Aber
nicht zu ihren absurden Bedingungen, bei denen wir ein unnötiges
Risiko eingehen.“
Eifriges
Nicken beim Hawaiianer. Aber er hat noch etwas hinzuzufügen,
wie sein Räuspern deutlich macht.
Iokepa:
„Und auch wir haben heute Besseres zu tun, als über
TnB nachzudenken. Denn beim morgigen War Evening, da werde ich
der Welt zeigen, dass der beste Part der Modern Erasers sicher
nicht der betrügerische Ben Slate war. Sondern ich.“
Das
bringt ihm einen Seitenblick ein. Iokepa beißt sich auf die
Lippe.
Iokepa:
„Und Bella natürlich.“
Die
Maskierte nimmt den Fauxpas ihres Freundes – und die
verspätete Korrektur – hin. Aber wie sehr es ihre
Gefühle wirklich verletzt hat, lässt sich unter der
Maskerade nicht erkennen.
Mac
Müll: „Bella, was sind deine Gedanken zum Match von
Iokepa gegen Ben? Ich habe den Eindruck, dass du mit den Methoden
unseres Schweizers nie so sehr ein Problem hattest wie Io. Doch
nun musst du heute mitansehen, wie er und dein kurzzeitiger
Verbündeter Ben Slate die endgültige Implosion der
Modern Erasers im Ring besiegeln. Was macht das mit dir?“
Bella
legt den Kopf schief, starrt eine Weile zu MacMüll. Dann
dreht sie sich zu Iokepa und mustert ihren Freund.
Bella
Venera: „Ehrlich gesagt, bin ich ein wenig traurig, dass
unser Trio wahrscheinlich zerbrochen ist. Ben passte durch seine
Voraussicht, seine Akribie und Planungsfähigkeit gut zu uns…
als Korrektiv, als Mastermind… what ever. Aber ich wurde
in meinem Leben schon so oft von wichtigen Menschen in meinem
Leben enttäuscht, dass ich deswegen jetzt nicht in ein Loch
falle.“
Ein
eindringlicher Blick bleibt an Iokepa haften, dann wendet sie
sich wieder an Mac Müll.
Bella
Venera: „Und was die Methode betrifft, Müll, habe ich
genug Vertrauen in meine Fähigkeiten, dass ich in der GFCW
jeden fair schlagen kann! Nur muss man erst die Chancen dazu
bekommen – und dafür gehe ich gerne auch mal andere
Wege als Io. Denn es gibt genug Arschlöcher wie Mad Dog oder
Titan und Tha Bomb, die sich mit einer fairen Niederlage nicht
abfinden oder unsere hehren Ziele ausnutzen. Hör dir an, was
TnB zu ihrer Niederlage bei New Level gesagt haben, sieh dir an,
was das für angebliche Siege über uns vor zwei Wochen
oder bei New Level waren… Wer würde diesen Aasgeiern
da nicht gerne in die Fresse schlagen bis sie bluten?!“
Dieses
Mal schaut sie nicht zu ihrem Freund, der vermutlich ein solcher
jemand wäre.
Bella
Venera: „Ich schwanke also noch, was der richtige Weg ist.
Es gibt das Ideal des fairen Wettkampfs und damit eines
wirklichen Triumphs – und es gibt die Wut und Enttäuschung
über all jene, die dieses Ideal mit Füßen treten.
Beides steckt in mir. Doch die Wut ist stark. Sie brodelt und
kocht. Es tobte ein echter Kampf in mir, als TnB den Referee
ablenkten, um mich hinterrücks zu attackieren. Am liebsten
hätte ich meinen Fuß in ihre verfickten Eier gerammt.
Doch wie wurde mir gedankt, als ich stattdessen weiter nach den
Regeln kämpfte?! Ein Schlagring landete in meinem Gesicht!
FUCK IT! Es kotzt mich einfach an… aber ich weiß
natürlich auch: Brenne ich sie mit meinem Feuer nieder,
bekomm ICH die DQ und nicht sie. Und am Ende müsste ich mir
dann von Leuten wie Sven, dem Wichser, anhören, wie clever
sie angeblich sind und wie dumm ich doch bin.“
Die
Venera seufzt. Dann dreht sie sich doch wieder zu Iokepa. Ihrem
Io. Die Augenpaare treffen sich nur kurz. Dafür liegt
jedoch Verständnis in der Mimik des Hawaiianers. Bella
tippelt leicht, denn in ihr strömt das Gefühl nach
Zärtlichkeit auf. Sie läge nun gerne in seinen Armen,
doch noch immer hat sie ihm noch nicht ganz verziehen. Immerhin
greift sie nun nach seiner Hand.
Bella
Venera: „Du weißt, ich bin auf deiner Seite, Io. Aber
ich werde nicht zulassen, dass wir unter die Räder kommen!
Denn die Arschlöcher immer wieder gewähren zu lassen,
erträgt mein Spiegelbild nicht. Und dich immer wieder unfair
verlieren zu sehen im Übrigen auch nicht. Da leg ich lieber
alles in Schutt und Asche und lass mich als böse Furie
beschimpfen.“
Offenbar
ist Mac zufrieden mit den Dingen, die er seinen Gesprächspartner
entlocken konnte. Trotz seines schweißnassen Anzugs wirkt
er glücklich. Schenkt Iokepa und Bella gar ein Lächeln.
Es hat sich gelohnt, ihnen zu folgen.
Mac
Müll: „Dann sehen wir uns morgen im Poble Espanyol,
ihr Beiden. Viel Erfolg beim Match…“
Ein
Streif Besorgnis tritt ihm ins Gesicht.
Mac
Müll: „…und dafür, dass TnB eure Absage an
das Match hinnehmen.“
Die
Wucht des Schlages lässt den Stern in hunderte Teile
zerspringen.
Seine
Überreste fallen von Himmel. Eben noch waren sie Teil eines
großen, glänzenden Ganzen, hatten aus der Ferne
geleuchtet. Nun sind sie nichts weiter als Scherben.
Scharfkantiger Abfall im Gras.
Der
Sternenzerstörer zieht den weißen Handschuh von seinem
Finger und tupft sich mit einem Stofftuch den Schweiß von
der Stirn. Großartig zu sein ist eine anstrengende Arbeit.
Langsamen Schritte stapft er über den Rasen, bis er vor den
Scherben steht, für die er verantwortlich ist. Im
Hintergrund tönt das schadenfrohe Gelächter seines
Freundes.
Rupert
Wooten: „So ist es mit den Sternen. Auf den ersten Blick
machen sie Eindruck. Doch wenn es darauf ankommt…“
Mr.
Fairway betrachtet eine der Porzellanscherben, die er vom Green
aufgehoben hat. Zu seinen Füßen liegt –
unversehrt – der Golfball, mit dem er dieses Chaos
angerichtet hat. Das Ende der Zierfigur eines Schweifsterns.
Steven
Sademi: „…halten sie nichts aus und man merkt, dass
sie einfach nur hohl und billig sind.“
Unbemerkt
von Wooten war sein Caddy neben ihm getreten. Nun blicken die
Birdie Boys einander an – und brechen dann synchron in
hochmütiges Kichern aus. Der vom Golfball zerstörte
Stern: Eine unverhohlene Anspielung auf eine Person, die sie in
der Battle Royal bekämpfen werden müssen?
Rupert
Wooten: „Ich bin mir sicher, wir würden noch mehr
Gemeinsamkeiten zwischen diesem Schund…“
Er
schiebt die Scherben achtlos mit dem Fuß zur Seite.
Rupert
Wooten: „…und einem gewissen anderen Stern finden
werden. Doch kümmern wir uns lieber um das Spiel. Ich darf
um einen Driver bitten?“
Der
Handschuh wird wieder angezogen. Wooten streckt die Hand aus und
bekommt von Sademi aus einer Tasche einen wuchtigen Golfschläger
gereicht. Der Nordire geht in Position. Er lockert das Knie und
visiert einen Punkt in der Ferne an.
Dort,
in mehr als hundert Metern Entfernung, auf einem saftigen Gründen
Hügel, steht eine weitere Porzellanfigur. Bevor die Kamera
nah genug heranzoomen kann, um einen genauen Blick zu wagen, holt
Wooten aus. Der Golfball fliegt in eleganter Kurve durch die
Luft. Entferntes Klirren und der unmittelbare Applaus Steven
Sademis verraten: Volltreffer.
Rupert
Wooten: „Wie erwartet. Sehen wir uns an, was die Jagd
ergeben hat.“
Mit
leisem Brummen fährt Sademi in einem Golfcart heran. Wooten
steigt zu. Gemeinsam geht es für das Duo näher an den
neuen Zielbereich heran. Dorthin, wo es geklirrt hat.
Als
das Golfcart zum Stehen kommt, sieht man die zerbrochene Figur
eines Hundes. Selbst jetzt, in der Zerstörung, ist der
entrückte Gesichtsausdruck des Tieres erkennbar. Die Zunge
hängt raus, die Ohren sind verdreht. Alles in allem muss man
kein Tierpsychologe sein, um zu bemerken, dass der zerstörte
Hund geistig nicht auf der Höhe ist.
Steven
Sademi: „Ich glaube, du hast diesem Hund einen Gefallen
getan. Wer vom Wahnsinn geblendet ist, erkennt nicht, dass das
Ende manchmal eine Erlösung ist, was?“
Er
stößt den Kopf der Figur mit der Schuhspitze weg. Das
Porzellan zerbricht ein weiteres Mal.
Rupert
Wooten: „Noch dazu ziemlich alt. Verrückt und
vergreist. Eine erbärmliche Kombination. Dieser Hund sollte
dankbar sein für die Erlösung. Doch wir sollten ganz
sicher gehen, dass er es auch versteht.“
Was
auch immer Wooten damit meint: Sademi hat es verstanden. Nach
weiterem Gelächter lässt er das Cart wieder an und
wartet, bis der Golfer eingestiegen ist.
Dann
rollen die Birdie Boys mit dem Gefährt über den Hund
hinweg. Im Vorwärts- und Rückwärtsgang, immer und
immer wieder. Bis die Reifen aus dem, was eben noch ein
Porzellanhund war, etwas Unerkennbares von mehliger Konsistenz
gemacht haben.
Rupert
Wooten: „Ein Sieg für die Kultur. Nun fahr weiter. Ich
sehe das nächste Fähnchen.“
Sademi
schlägt das Lenkrad ein. Es geht den Hügel hinab,
vorbei an einem einzelnen Baum und einem von Röhricht
gesäumten Teichlein. Das Cart jagt das Green entlang, hält
sich auf dem hell- und dunkelgrün gestreiften Fairway wie
auf einer Straße.
Dann
erblicken sie das Fähnchen. Doch etwas ist anders. Keine
Figur wartet dort auf sie. Stattdessen tritt aus dem Loch…
…pinker
Nebel hervor.
Steven
Sademi „Was – ist – das?“
Der
Caddy bremst abrupt. Wooten kneift die Augen zusammen und lehnt
sich aus dem Cart, um besser sehen zu können. Zeit, wieder
das Schweißtuch zum Einsatz zu bringen.
Steven
Sademi: „Soll ich besser umdrehen?“
Er
nickt in Richtung des pinken Nebels. Sekündlich wird es
mehr. Mittlerweile hat sich der lokale Austritt zu einer
Nebelwand gesteigert.
Rupert
Wooten: „Nein, Steven. Ein Golfer ist ein Mann von Anstand.
Er sorgt für Ordnung auf dem Platz. Und mögen die
Bedingungen noch so widrig sein.“
In
heroischer Pose schwingt sich Wooten aus dem Cart. Sademi folgt
ihm, reicht einen Schläger an. Weil die Distanz diesmal
kürzer ist, langt ein leichteres Eisen. Wooten legt einen
Ball direkt ins flache, wie mit der Nagelschere geschnittene,
Gras.
Rupert
Wooten: „Was sagt dein analytischer Blick?“
Der
Nordire geht in Position, lockert die Hüfte. Holt aus.
Sademi überlegt noch. Er formt mit den Händen ein
Zirkel, malt etwas in die Luft.
Steven
Sademi: „3,7° weiter nach links zielen.“
Ohne
Verzögerung richtet sich der Golfer neu aus. Er lächelt
seinem Caddy dankbar zu. Holt dann tief Luft. Und schaut ein
letztes Mal in Richtung des Nebelloches.
Mittlerweile
ist der pinke Nebel so dicht geworden, dass kaum noch etwas zu
sehen ist. Doch das beeindruckt die Birdie Boys nicht. Wooten
führt die Bewegung aus. Er putted den Ball direkt aufs
Fähnchen zu.
Und
er trifft.
Der
Nebel versiegt.
Steven
Sademi: „Fan-tas-tisch!“
Rupert
Wooten: „Wir haben getan, was nötig war. Wer –
wenn nicht ein Golfer – kann für Recht und Ordnung
sorgen? Und dazu gehört, Störenfriede zu vertreiben,
bevor sie Chaos anrichten können.“
Mit
der Hand wedelt Wooten die Nebelreste weg, als er näher an
das Loch herantritt. Er beugt sich zum Ball herunter, der perfekt
liegt – wie ein Stöpsel verhindert er den Austritt des
pinken Nebels.
Steven
Sademi: „Und zu Recht und Ordnung gehört es manchmal
auch, Löcher zu stopfen.“
In
brüderlicher Einigkeit wird gelacht. Ein
Millionen-Dollar-Lachen. Vorgetragen mit abgespreiztem Finger. Es
fehlt nur noch der Champagner.
Nachdem
der gekünstelten Freude lange genug Gestalt verliehen wurde,
geht es zurück ins Cart. In friedlicher und gelöster
Stimmung rollen sie dahin, über die Hoch und Tiefs des
Greens hinweg. Vögel flattern auf, bevor ihnen das Schicksal
der Porzellanfiguren droht, und am Himmel lächelt die Sonne
auf die Golfer hinab. Das Leben ist ein Fest mit einem Schläger
in der Hand.
Dann
jedoch wird die Stimmung von einem unerfreulichen Anblick
getrübt. Wooten zieht die Augenbrauen zusammen.
Rupert
Wooten: „Mein Gott, sieh nicht hin.“
Und
Sademi tut es doch. Mit einem empörten Schnappen schließt
er sich Wootens Stimmungsumschwung an.
Steven
Sademi: „Relikte
aus einer anderen Zeit.
Und sie glauben wirklich, sie können noch mithalten.
Empörend. Eine Schande für dieses Green.“
Die
Frustration der Golfer gilt zwei älteren Herren, die
kraftlos dahinschlendern und mit ebensowenig Elan wie Würde
ihre Schläger schwingen.
Abwechselnd
schnalzen die Birdie Boys mit der Zunge, bis ihre Empörung
beinahe rhythmisch wirkt. Währenddessen drückt Sademi
das Gaspedal des Carts durch. Meter für Meter, soweit es die
Höchstgeschwindigkeit des Wagens hergibt, kommen die den
Senioren näher.
Einer
der älteren Herren visiert ein Zielfähnchen an, als er
aus altersmüden Ohren die nahende Gefahr vernimmt. Er
schafft es gerade noch, zur Seite zu springen, ehe die Birdie
Boys ihn zum D’Arcy machen und über den Haufen fahren.
Während die Rentner verärgert rumschreien, springt
Wooten aus dem Cart und baut sich vor ihnen auf.
Rupert
Wooten: „Es gibt nichts Entwürdigenderes als alte
Menschen, die nicht verstehen, wann die Zeit für den
Rücktritt gekommen ist. Woher kommt mir das so bekannt vor,
hm?“
Mit
theatralischer Geste – und einem verschmitzten Grinsen .
überlegt Wooten. Dann winkt er ab.
Rupert
Wooten: „An etwas Irrelevantes, nehme ich an. Doch hier ist
es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. Steven, darf ich bitten?“
Darf
er. Sademi tritt aus dem Cart, bückt sich nach dem
Golfschläger, den der Senior vor Schreck hatte fallen
lassen. Ein altes Teil, mindestens 25 Jahre alt. Die Farbe schon
abgeblättert. Wieder empörtes Zungeschnalzen.
Sademi
überlegt nicht lang; und bricht den Schläger kurzerhand
über dem Knie in Zwei.
Rupert
Wooten: „So ist es Recht! Im Sport ist kein Platz für
Ewiggestrige.“
Das
Gezeter der Senioren wird ignoriert, für die Birdie Boys
geht es zurück ins Cart. Und so rollen sie, in brüderlicher
Einigkeit, weiter das Green entlang. Und dem Sonnenuntergang
entgegen. Der Anblick ihres Gefährts, das über dem
sanft geschwungenen Hügel verschwindet, ist das Letzte, was
vor dem Fade-Out der Szene erkennbar ist.
Dann
folgt ein harscher Cut. In der nächsten Einstellung sind
Wooten und Sademi auf dem Parkplatz vor der Golf-Anlage zu sehen.
Grad werden die Schlägertaschen im Kofferraum verstaut. Und
diesmal ist es kein Golfcart, sondern eine Luxuskarosse, in der
die Boys einsteigen.
Rupert
Wooten: „Was für ein erfolgreicher Tag.“
Steven
Sademi: „Wir hatten Spaß. Und noch wichtiger: Wir
haben für Recht und Ordnung gesorgt.“
Krähenhaftes
Gelächter. Die Golfer klatschen nicht miteinander ab, sie
sind ja kein Fußvolk, sondern reichen sich steif und
geschäftsmännisch die Hände.
Rupert
Wooten: „In unserer Welt ist kein Platz für falsche
Sterne oder verrückte Hunde. Und wir lassen es auch nicht
zu, dass sich eine Geisteskrankheit ausbreitet – denn
selbst wenn sie im lächerlichen Pink daherkommt, ist sie
eine Störung der Ordnung. Und das können Männer
von Kultur nicht zulassen.“
Steven
Sademi: „Ganz recht, Rupert. Ganz Recht. Sehr schön
gesagt, mein Freund.“
Rupert
Wooten: „Zu guter Ordnung gehört es auch, manchmal den
Ewiggestrigen deutlich zu machen, wo sie hingehören.“
Steven
Sademi: „Jeden Tag eine gute Tat. Doch die größte
Tat wird in Barcelona folgen, nicht wahr?“
Mit
stolzgeschwellter Brust nickt der Golfer seinem Kollegen zu.
Sademi startet unterdessen den Motor des Mercedes. Sie rollen vom
Parkplatz und auf das Tor der Anlage zu.
Rupert
Wooten: „Wir werden die GFCW zu unserem Platz machen. Und
sie damit verbessern.“
Steven
Sademi: „Ganz wie du sa…-“
Boing.
Die
Birdie Boys werden durch ein aus dem Nichts auftauchendes Monster
aus dem Gespräch gerissen. Einem runden, orangefarbenen
Monster. Es ist rund 600 Gramm schwer und hüpft. Direkt auf
die Motorhaube des Mercedes.
Synchron
ziehen die Birdie Boys so scharf Luft ein, dass im Inneren des
Wagens ein Bergwerksvogel von der Stange kippen würde.
Das
Monster ist ein Basketball.
Zwei
lange, schlaksige Jugendliche mit umgedrehten Caps heben
entschuldigend die Hand und rennen über die Straße, um
den Ball einzusammeln. Doch ihre Reue trifft bei den Boys auf
taube Ohren. Sademi veranstaltet erst ein Hupkonzert, dann drückt
er das Gaspedal durch.
Bevor
die Jugendlichen ihr Spielgerät in Sicherheit bringen
können, drischt die Geschwindigkeit des Mercedes den Ball in
einen weit entfernten Straßengraben. Außer Reichweite
der bedröppelt dreinblickenden Jugendlichen.
Rupert
Wooten: „Schau sie dir an, Steven. Basketballer.“
Die
Antwort des Caddys ist ein würgendes Geräusch. Er hält
sich die Nase zu.
Rupert
Wooten: „Gibt es einen würdeloseren Sport?
Giraffenhafte Kerle in ärmellosen Shirts prellen einen Ball
mit bloßen Händen, weil sie sich keine Schläger
leisten können. Und hüpfen wie Kängurus hinterher.
Wo ist da die Kultur?“
Steven
Sademi: „Wahrscheinlich hören sie noch Hip-Hop dabei.“
Rupert
Wooten: „Mein Gott. Wie debil.“
Steven
Sademi: „Ich halt noch mal drauf.“
Erneut
wird das Gaspedal durchgedrückt. Die Reifen des Mercedes
beginnen zu rauchen, dann schießt der Luxuswagen davon. Ob
in Richtung des Balles oder der Jugendlichen bleibt offen. Denn
in diesem Moment wendet sich die Kamera ab. Sie zeigt einen
Sommerhimmel, unter dem zwei Männer einem Auftrag folgen:
Die GFCW so zurechtzustutzen, bis in ihr akkurate Ordnung
herrscht. Wie auf dem Green, das die Welt bedeutet.
Singles
Match:
Diana
Rolando vs. Monica Shade
Referee: Karo Herzog
Wenn
eine Leopardin von den Fans mit einem freundlichen „Oink“
begrüßt wird, dann ist das für den Unkundigen
zunächst seltsam, bis die Realisierung eintritt, dass
die rosarot bezopfte Leopardin aus Long Island gleichzeitig
eine Schweinehirtin und große Schweinefreundin ist. Die
Schweinsherde von Monica Shade besteht aber nur aus einer
einzigen Sau, ihrem Stoffschwein Lady Rosi.
Ihre
Strategin, so sagt Monica.
...okay,
auch wenn man kundig ist, das Ganze ist immer noch seltsam,
aber wenn man ehrlich ist, gehört „seltsam sein“
zum Wrestling ja fast dazu. Und je länger das Seltsame
Teil des Alltags ist, desto normaler wird das Seltsame, desto
vertrauter wird das Seltsame und desto beliebter wird das
Seltsame.
Der
Moment, als Monica einen Stuhl aufklappt, ein Kissen
darauflegt und Lady Rosi darauf behutsam platziert, die Fans
gehen teilweise akustisch mit, sei es zur eigenen Belustigung
oder als Zeichen der Unterstützung. Für Monica
Shade selbst ist das Ganze derweil weder seltsam noch eine
Belustigung. Die Stabilität ihrer Psyche ist eng mit dem
Schwein verbunden, im Guten, wie im Schlechten.
Pete:
„Man kann nicht behaupten, dass Monica Shade zuletzt
oft gewonnen hat.“
Sven:
„Stimmt. Selbst dein missratener Sohn hat dank dem
endlich aus meinem Leben verschwundenen Kobold Ask Skógur
in jüngerer Vergangenheit ein Match gewonnen.“
Pete:
„Das könnte jetzt also die große Chance für
Diana Rolando sein, bei GFCW doch noch eine Karriere zu
starten.“
Sven:
„Wenn der Erguss deines mikroskopischen Penis das kann,
kann es jeder. Bist du glücklich darüber, dass
deine Blutlinie die Standards von GFCW verwässert, Pete?
Ich bin es nicht. Wäre doch nur Aldo Nero noch hier, um
aufzuzeigen, zu welch Klasse GFCW fähig ist...“
Besagte
Diana Rolando steht bereits im Ring.
Keine
Musik, kein Einzug wie noch zu Zeiten, wo sie von Monica
Shade als Talent zur LPG vermittelt worden war.
Damals
war Diana die Einzige, die nie ein richtiges Casting hatte –
eine gewisse Miria Saionji hatte dieses gekapert, sich selbst
angepriesen und dann Diana Rolando im direkten Zweikampf
besiegt. Es war damals Mirias erstes Match überhaupt in
einer großen Promotion vor Fernsehkameras und der
Auftakt ihrer bis heute anhaltenden Siegesserie.
Die
Karriere von Diana Rolando hingegen stagniert seitdem. Die
Frau als La Orotava, Teneriffa mit dem puffigen, brünetten
Haar und Pony und dem massiven brünett-weißen
Flechtzopf im adretten Kampfdress und den halbhohen Stiefeln
und Armschonern im lila-gelben Farbmuster erzielt zwar ab und
an einen Achtungserfolg, aber zumeist heißt es „gut
gekämpft und doch verloren“. Im Tournament of
Honor ist sie auch schon raus in Runde 1. Kein Wunder also,
dass Diana hier vom GFCW wie eine Jobberin behandelt wird,
vermutlich wird sie auch nicht mehr sein.
Und
doch ist es ihr nicht verboten alle zu überraschen und
doch zu gewinnen.
Karo
Herzog blickt zu Diana, dann zur heute in einen
Leoparden-Badeanzug mit langen Handschuhen und halbhohen
Stiefeln gehüllten Monica und erspart es sich beide um
ein faires Match zu bitten, bei den beiden ist ohnehin keine
Unfairness zu erwarten.
Also
geht es los und beide Frauen gehen sogleich forsch in die
Offensive ohne Interesse an einer Abtastphase oder einem
klassischen Lockup. Monica versucht das zu machen, womit sie
jüngst bei der letzten Show Miria Saionji überrumpelt
hat und vollführt einen Kick im Rückwärtssalto,
aber Diana ist darauf gefasst, weicht aus und schnellt selber
mit einem Big Boot nach vorne, um Monica bei der Landung zu
erwischen – oder noch besser: vor der Landung.
Es
gelingt weder das eine noch das andere.
Monica
kann ausweichen und langt aus der Drehung mit der Backfist to
the Future zu – der jedoch wiederum Diana ausweichen
kann, indem sie sich duckt und zum Superkick ausholt. Genau
in dem Moment macht Monica jedoch einen Ausweichschritt nach
vorn, haut einfach kurz auf Dianas Rücken drauf und wie
die sich vor Schmerz aufbäumt heißt es Waist Lock
und German Suplex in die Brücke: Eins! Zwei! Nein!
Diana
kickt aus und springt sofort einen Crescent Kick, dem Monica
nur per zeitiger Seitrolle entgehen kann, sonst hätte
sie den Kick voll abgekriegt.
Pete:
„Diana Rolando macht es bis hierhin nicht schlecht. Da
sieht man, warum Monica sie als Kandidatin für die LPG
vermittelt hat.“
Sven:
„Nicht, dass ich mich groß an Diana Rolando
erinnern würde, aber alles was ich sehe, kommt mir vage
bekannt vor. Keinerlei Weiterentwicklung und folglich keine
Chance. Monica macht gleicht ernst und dann war es das.“
Sowohl
Diana als auch Monica schalten nun erst einmal einen Gang
zurück, das war gerade für beide etwas knapper
gewesen, als sie es erwartet hatten. Was die Frage aufwirft,
was sonst sie von einer Anfangsphase mit vollem Offensivdrang
erwartet haben, aber nun gut, besser nicht zu viel drüber
nachdenken, die beiden tun es ja auch nicht.
Für
Monica wäre jetzt jedenfalls etwas standardmäßiges
Grappling doch sehr okay, aber Diana verweigert sich diesem
so gut es geht. Ihr Ding sind Kicks und Schläge, man
möchte
sagen
Brawling, auf keinen Fall will sie mit Monica ringen. Das
kann Diana nicht gut und noch dazu ist Monica mit ihren 1,69
und ihrer funktionalen Stärke in diesem Match zur
Abwechslung mal wieder die physikalische Übermacht, die
Monica gegen andere Frauen sehr viel regelmäßiger
ist – zwar gehört Diana mit 1,59 nun auch nicht zu
den ganz Kleinen, aber sie ist mit ihrer athletischen, fast
schon drahtigen Form letztlich nur eine kleinere und vor
allem schwächere Monica.
Will
Diana hier die Überraschung schaffen, muss sie sich
schon auf ihre Stärken konzentrieren und das macht sie
auch. Anders gesagt: mehr Punches und mehr Kicks, nur nun
etwas dosierter statt Vollgas.
Klappt
das?
Nein,
nicht wirklich. So konzentriert Diana auch bleibt und so viel
mühe sie sich auch gibt, im Endeffekt wird ihr mit jedem
Offensivversuch aufgezeigt, dass sie Monica kämpferisch
ähnlich ist – was das Brawling angeht. Hier sind
sie sich ebenbürtig, was im Endeffekt aber auch heißt,
dass Diana mit ihrem Plan A nicht zum Zug kommt. Im
Umkehrschluss ist Monica nur einen guten Zugriff davon
entfernt Diana wieder auf die Matte zu hämmern, da
Monica eben nicht nur Brawling ist.
Also
drückt Diana doch wieder aufs Gas, zumindest in Sachen
Kicks ist sie gegenüber Monica doch etwas im Vorteil,
Monica bevorzugt ihre Arme zur Offensive statt ihrer Beine,
aber dieser Unterschied wäre nur dann relevant, wenn
Diana mehr als den Big Boot, Superkick, Crescent Kick und
hier und da einen Dropkick auf Lager hätte. Auf
Developmental Niveau mag das reichen, aber Monica sieht von
ihrer Mimik her fast schon gelangweilt aus stets dieselben
vier Aktionen zu blocken. Es wird verdammt offensichtlich,
warum Diana als Talent stagniert.
Und
es wird offensichtlich, wie sehr es ihr gutgetan hätte
Teil der LPG zu werden.
Das
scheint Diana selber auch mehr und mehr zu realisieren und
versucht sich noch mehr Mühe zu geben – aber wie
gibst du dir mehr Mühe, wenn du einfach keine Mittel
hast? Na klar! Mit noch mehr Tempo, Scheiß auf
Gegentreffer, irgendwas muss jetzt einfach funktionieren. Und
je mehr Diana in den Flow kommt, desto mehr… gelingt
tatsächlich! Sie beginnt auch wieder vermehrt ihre Arme
zu nutzen, es in Kauf nehmend, wenn sie und Monica sich halt
beim Schlagabtausch gegenseitig erwischen, Hauptsache sie
erwischt Monica überhaupt mal. Und tatsächlich kann
Diana per Discus Lariat zur richtigen Zeit einen Treffer
landen, nach dem sie dann endlich mal auch selber etwas
ansetzen kann, das wie ein Wrestling-Move aussieht:
Piledriver!
...aber
Back Body Drop von Monica. Die
Hoffnung Monica könnte wirklich angeklingelt sein war
da, aber die Leopardin hat nur etwas Kinnschmerz, der Lariat
hat nicht mal richtig getroffen und sah auf den ersten Blick
schlimmer aus als er war.
Pete:
„Diana ist immer noch im Match, Sven.“
Sven:
„Du bist auch noch immer mein Gegenstück am Pult.
Das heißt nichts. Gleich ist es vorbei.“
Diana
haut auf die Matte, schnellt wieder hoch und springt mit dem
Mut der Verzweiflung den nächsten Crescent Kick –
und wird aufgefangen! Monica sieht sie leicht kopfschüttelnd
an und dann heißt es Volldrehung und
Tour
of the Islands!
Cover:
Eins. Zwei.
DrKICK OUT!
Diana
ist noch da. Zäh ist sie ja durchaus, genau deswegen hat
sie ja im Developmental Bereich mit Herz, Einsatz und
Durchhaltevermögen enge Matches gewinnen können.
Aber das hier ist nicht Developmental. Das hier ist GFCW. Das
hier ist Monica Shade, eine Frau, die bei WFW alles im
Einzelbereich gewonnen hat was geht und auch hier bei GFCW
bereits um den World Title gekämpft hat.
Und
diese Monica Shade setzt jetzt nach, wie die Raubkatze, die
sie ist.
Deadlift
German Suplex. Overhead Belly to Belly Suplex. Short-arm
Clothesline.
Backfist
to the Future!
Eins.
Zwei. DrNEIN. Diana kriegt noch mal den Stiefel aufs Seil
geschoben. Eine Demonstration von Herz und Willen, aber Herz
und Wille allein haben ihre Grenze. Und die folgt nun:
Inverted Overdrive oder besser gesagt: Golden Rule. Eins.
Zwei. Drei. Diana hat alles getan, was sie konnte und doch
ist Monica Shade hier nie ernstlich in Gefahr geraten. Diana
hat Tränen in den Augen, da hilft auch der aufmunternde
Applaus des Publikums nicht viel. Sie wollte sich hier
zeigen, sich beweisen, demonstrieren, dass auch sie den Platz
bei der LPG verdient gehabt hätte – aber am Ende
war sie für Monica Shade nur eine Sparringspartnerin und
nicht mal eine sonderlich gute. Monica Shade zuckt mit den
Schultern, ein tolles Match war es nicht, aber den
Negativtrend hat sie dennoch umgestoßen und das unter
dem Strich ziemlich locker. Kein Grund für
Freudensprünge, aber es geht wieder in die richtige
Richtung.
Monicas
Musik läuft immer noch im Hintergrund, aber die fleißige
Interviewerin von GFCW, Tammy, streift bereits umher, ob sich
jemand findet, der oder die interviewt werden möchte.
Obgleich sie auch dann anfragen würde, wenn sie es nicht
möchten, besonders so sich ein unerwartetes Gesicht ins
Freie wagen sollte – und es gilt ohnehin Ausschau zu halten
nach dem ominösen „AS“.
Es
zeigt sich aber niemand – stattdessen läuft Tammy
lediglich die niedergeschlagene Diana Rolando über den Weg.
Eigentlich niemand, die Tammy jetzt groß zu interviewen
braucht, aber so deprimiert wie Diana aussieht, spricht Tammy das
Enhancement Talent dennoch an.
Tammy:
„Hey, Kopf hoch. So schlimm war dein Match jetzt auch
wieder nicht.“
Es
braucht einen Moment, bis Diana realisiert, dass die Aussage an
sie ging – kein Lächeln, sondern ein leicht zitternder
Mund und leere Augen.
Diana
Rolando: „Doch, war es. Zumindest verglichen mit dem, was
ich mir vorgenommen hatte.“
Und
schon sackt der Kopf ab und der Blick geht zurück gen Boden.
Tammy:
„Okay, stimmt, aber deine Gegnerin war ja auch Monica
Shade, nicht wahr?“
Diana
stellt wieder den Blickkontakt her – in ihr rumort es. Sie
weiß natürlich, dass dies eine super nette Geste von
Tammy ist, doch in diesem Moment ist es schwer für die
Spanierin die Fassung zu bewahren.
Diana
Rolando: „Ganz ehrlich? Ich kann es langsam nicht mehr
hören, weißt du? Dass ich Talent hätte, dass
meine Gegnerin ja so gut gewesen sei… FAKT ist, dass ich
hier zeigen wollte, dass ich kämpfen kann, auf dass ich mich
wenn schon nicht für weitere GFCW Bookings dann doch für
Bookings irgendwo empfehlen
kann, mit WFW Developmental allein kommt man nicht weit –
besonders wenn es wegen dem gigantischen Tournament of Honor gar
keine Developmental Shows gibt. Stattdessen war ich nicht mal
ansatzweise eine echte Gegnerin… und das vor mehr oder
minder heimischem Publikum...“
Sie
holt aus, um irgendwo gegen zu treten, fängt sich dann aber
doch noch im letzten Moment. Tammy sagt nichts mehr, sondern
zwingt sich gute Miene zur dicken Luft zu machen – sie
hatte Diana nun eigentlich nicht angesprochen, um deren
Seelsorgerin zu sein und mit Details voll gequatscht zu werden,
die für den GFCW Alltag denkbar irrelevant sind.
Diana
Rolando: „Ja, dein Blick sagt alles. Nicht sehr
interessant, was? Das… verstehe ich. Du solltest jetzt
irgendwen interviewen, der oder die für GFCW von Bedeutung
ist und nicht… mich.“ Tammy:
„So hart es auch klingt, aber… du hast recht. Ich
sollte jetzt jemand von Bedeutung aus dem GFCW Roster interviewen
und nicht dich.“
Diana
nickt verstehend und will sich abdrehen, da macht Tammy einen
forschen Schritt auf sie zu.
Tammy:
„Ich interviewe dich aber trotzdem gerade. Also mach was
draus: Was hast du zu sagen?“
Diana
hält verdutzt inne. Dann atmet sie tief durch, sammelt ihre
Gedanken… und legt los.
Diana
Rolando: „Okay. Also: es ist ganz simpel… ich will
mich nicht mit so einer lausigen Vorstellung aus GFCW
verabschieden. Wenn es für die kommende Show auch nur den
Hauch von Bedarf an einer Lückenfüllerin gibt, hätte
gern noch eine weitere Chance im GFCW Ring, egal ob solo oder im
Team mit irgendwem Lokalen.“
Diana
verbeugt sich kurz dankbar vor Tammy und geht davon.
Tammy:
„Ich hätte jetzt mehr eine große, beherzte
Ansprache erwartet, aber ein bescheidener Wunsch ist ja auch
recht sympathisch. Wir werden sehen ob das Office darauf
eingeht...“
Danny
Rickson: „Die größte Dummheit, die man in der
GFCW machen kann, ist es, an Danny Rickson zu zweifeln.“
Es
sind hochtrabende Worte, die Rickson ins Poble Espanyol zischt.
Seine Musik ist verstummt, kaum dass er das Mikrofon an die
Lippen geführt hat, doch die Buhrufe bleiben. Sie sind ein
treuer Begleiter des Hall of Famers seit seiner Rückkehr
geworden.
Danny
Rickson: „Wer das noch nicht verstanden hat, hat eine
Unendlichkeit Zeit, dies zu korrigieren. Denn Danny Rickson ist
unsterblich.“
Der
Engländer stolziert im Ring auf und ab, lässt seinen
Blick schweifen. Auch wenn er auf diese Weise den Kontakt zum
Publikum sucht, prallen die negativen Reaktionen an ihm ab.
Jeglicher Widerspruch scheint in der Welt des Danny Rickson
schlicht nicht zu existieren.
Danny
Rickson: „Ich bin vor 20 Jahren debütiert, habe vor 15
Jahren den höchsten Titel getragen und vor 9 Jahren hat man
mir den Hall of Fame-Ring an den Finger gesteckt. Und doch war
dies alles nur ein Vorspiel. Meine eigene Vergangenheit wird
verblassen dem gegenüber, was ich noch leisten werde!“
Nichts
der geringste Selbstzweifel ist in Ricksons Miene abzulesen. Er
kommt so nah an die Kamera heran, dass man die feinen Linien und
Falten auf seiner Haut zählen kann. Entgegen allen anders
lautenden Bekundungen ist er ein Mann von beinahe 50 Jahren. Man
sieht es ihm an. Man hört es in seiner Stimme. Doch sein
Selbstbewusstsein, seine Aura der Arroganz, sind die eines
Jungen. Einem, dem die Welt noch offensteht.
Danny
Rickson: „Jona Pexianer hat es erfahren. Ask Skógur
hat es erfahren. Und vor zwei Wochen, ja verdammt, da hat es auch
Shelly Nafe erfahren.“
Erinnerungen
wie eine frische Wunde. Die Bilder, wie eine gedemütigte
Shelly Nafe durch den Vorhang stolperte - nachdem ihre Welt
zusammenbrach und ihr Spielzeug, das Monstrum Iray Burch, von
Refuse to Age zerstört wurde, sind der GFCW-Galaxy noch
präsent. Wie auch könnte man sie vergessen? Es waren
Bilder, die sich in die kollektiven Erinnerungen eingeschnitten
haben.
Und
so gibt es, selbst bei aller Antipathie für Nafe Buhrufe,
als Rickson daran erinnert. Er tut die Reaktionen nicht mit einem
Schulterzucken ab, sondern scheint sie in diesem speziellen Fall
zu genießen. Leckt sich über die Lippen, schließt
die Augen und atmet tief ein.
Danny
Rickson: „Wer als Nächster die Macht Danny Ricksons
kosten muss, werdet ihr früher oder später erfahren.
Doch eindeutig ist: Es wird ihn verändern. Es wird ihn seine
Karriere kosten. So wie Ask Skógur gegangen ist, nachdem
er seine Grenzen kennengelernt hat. Oder wie Shelly Nafe, die ich
zurück ins Nichts gebracht habe. Wo sie herkommt. Wo
sie hingehört.“
Der
Engländer wirft sein Haar zurück. Seine blondgefärbten
Strähnen fallen ihm auf die Schulter.
Danny
Rickson: „Danny Rickson ist unendlich. Und so werde ich
früher oder später jeden erwischen. Die Frage ist
nicht, wer von mir aus dem Rennen genommen wird, sondern nur
wann. Einer nach dem anderen.“
Und
vielleicht könnte auch Ricksons Selbstbeweihräucherung
noch unendlich
weitergehen.
Doch zur Überraschung des Publikums lenkt Rickson die
Aufmerksamkeit von sich weg. Indem er vor den Ring deutet, wo
sich Hollywood Jake und Robbin Zick versammelt haben. Beim
Entrance hatten sie sich vornehm zurückgehalten. Doch jetzt
zoomt die Kamera an sie heran.
Danny
Rickson: „Aber auf diesem Weg bin ich nicht allein. Refuse
to Age ist eine Bewegung. Eine Elite. Eine Selektion von
Ausnahmeathleten, die es verdient haben, mit mir unendlich zu
werden.“
Applaus
von seinen Unterstützern für diese Aussage. 5.000 im
Poble Espanyol sehen es anders.
Danny
Rickson: „Dort draußen steht einer, dem man nicht
genug gratulieren kann für seine Entscheidung, die er vor
zwei Wochen getroffen hat. Jake, komm zu mir, bitte.“
Einer
Aufforderung, der der junge Mann aus Riesa nur zu gerne folgt.
Jake stolziert über die Ringtreppe ins Squared Circle. Er
trägt, wie mittlerweile zur Gewohnheit geworden, einen
Pelzmantel über seinem definierten Körper. Auch ihn
verfolgen Buhrufe auf Schritt und Tritt.
Unmut,
den Jake mit einem Grinsen zur Seite wischt.
Hollywood
Jake: „Endlich bin ich unter Siegern.“
Er
applaudiert erst in Richtung Rickson, dann in Richtung Zick.
Letztgenannter slidet zu seinen Kumpanen auf die Matte und macht
das Trio Infernale perfekt.
Hollywood
Jake: „Das Switziverse hatte seine guten Seiten. Das
bestreite ich nicht. Es mag eine erste Treppe in meiner Karriere
gewesen sein. Doch Refuse to Age…“
Mit
stolzgeschwellter Brust klappt Jake den Pelzmantel auf. Im
Inneren ist ein Emblem seiner neuen Gruppierung aufgenäht.
Hollywood
Jake: „…ist das oberste Stockwerk, bei dem man
ankommt, wenn die Treppe endet. Und so war Darragh Switzenberg
für mich nicht länger nützlich. Ich bin Hollywood
Jake, das größte Talent dieser Liga. Ich habe es nicht
länger nötig, mich im Namen eines anderen ein Jahr lang
mit dem verfickten Jason Crutch zu streiten oder mich hinhalten
lassen, während der so genannte Anführer Urlaub macht.“
Wo
er Recht hat: Von Switzenberg ist seit langem nichts zu sehen.
Nicht einmal auf Jakes Austritt aus dem Switziverse hat der
Kanadier bislang reagiert. Ist das etwas das stille Ende
Switzenbergs gewesen?
Hollywood
Jake: „Nun bin ich unter Leuten, die keinen Urlaub
brauchen, weil sie unendlich sind. Unendlich Energie haben. Diese
Energie werden wir aufwenden…“
Er
reicht das Mikrofon an einen sichtlich gerührten Robbin Zick
weiter, dem das Privileg zuteilwird, den Satz im Namen seines
neuen Kollegen zu vollenden.
Robbin
Zick: „…um diese Liga zu verändern. Es ist nur
eine Frage der Zeit, bis wir alle Weichen so gestellt haben, dass
unsere Dominanz offensichtlich wird. Eine Dominanz, die bis ans
Ende der Zeit andauern wird. Wir sind Refuse to Age. Doch wir
sind auch Refuse to Lose. Und wenn wir uns etwas verweigern,
dann wird dies auch nicht geschehen. Dafür stehe ich mit
zwei B‘s.“
Es
sind Worte, die zu Applaus bei Jake und Rickson führen. Die
Teamkollegen sind zufrieden mit den Ankündigungen Robbins.
Robbin
Zick: „Was mit Iray Burch geschehen ist, war ein
Vorgeschmack. Wenn wir das dem Monstrum antun können, dass
diese Liga dominiert hat, dann kann jeder mit einem Funken
Verstand begreifen, wozu wir erst beim Rest fähig sind.“
Das
Mikrofon wandert weiter. Es gelangt zurück zu Danny Rickson.
Dem Mann, der diese Szene eröffnet hat, sollen die
Abschlussworte gebühren.
Danny
Rickson: „Die Zukunft ist vorbei. Denn die GFCW war und ist
immer die Welt von Danny Rickson.“
Wir befinden uns
im Backstagebereich und sehen Tammy mit ihrem Kamerateam. Sie
scheint auf der Suche zu sein, und dann lacht sie auf, als sie
das Objekt ihrer Begierde erblickt. Güldenherz kommt ins
Bild geschlendert.
Tammy:
„Güldenherz, einen Moment bitte, ja?“
Güldenherz
blickt auf, mit undeutbarem Gesichtsausdruck. Er wirkt
hochkonzentriert, schließlich hat er heute das wichtigste
Match seiner noch jungen Karriere vor der Brust. Eines, das er
unbedingt gewinnen möchte. Da muss die Konzentration voll da
sein.
Tammy:
„Kannst du uns etwas u dem Match heuet sagen? Etwas zu
deinem Gegner? Etwas zu deiner Verfassung?“
Güldenherz:
„Tammy, was soll ich sagen. Es ist ja wohl allen klar, was
dieses Match mir bedeutet. Es kann nichts Größeres
geben. Nicht viele Wrestler erhalten diese Chance, die ich nun
habe. Die Chance, so früh in ihrer Karriere einen Titel zu
erringen. Bitte versteh mich nicht falsch, der Weg da hin ist
noch weit. Ich muss heuet Steve Steel schlagen. Und dann muss ich
Zac Alonso schlagen, den amtierenden Champion. Doch heute beginnt
dieser Weg mit einem ersten Schritt. Und weitere Schritte werden
folgen. Bis ich das Gold in der Hand halte. Das ist mein größter
Traum, Tammy.“
Tammy:
„Sehr schön. Und was kannst du zu deinem heutigen
Gegner sagen?“
Güldenherz:
„Zu Steve Steel? Ganz ehrlich, ich halte nicht viel von
ihm. Natürlich, er ist ein Veteran, viele in der GFCW kennen
ihn und er ist sehr beliebt, auch wenn er sich manchmal, wie ein
richtiges Arschloch aufführt. Er hat viel erreicht, auch
wenn er es nie ganz nach oben geschafft hat. Er ist alt, aber
sehr erfahren und mit allen Wassern gewaschen. Ich muss höllisch
aufpassen. Aber ich will mich auf meine Leistung konzentrieren,
nur so kann ich gewinnen. Ich muss an mich glauben, dann kann ich
alles und jeden besiegen, auch den Hünen Steve Steel.“
Tammy:
„Exzellent, Güldenherz. Und was ist das für ein
Gefühl, hier heute in diesem Match zu stehen? Ich meine, du
hattest jetzt eine längere Pause, und davor hattest du nur
wenig Gelegenheit, dich in der GFCW zu zeigen. Du hast bisher
eigentlich nur in der GTCW richtig überzeugen können.
Ist der Druck daher besonders hoch heute?“
Güldenherz:
„Ob der Druck hoch ist, Tammy? Natürlich ist er das.
Aber dafür bin ich hier, Dafür sind wir alle hier. Wenn
ich heute verliere, widr diese Möglichkeit auf den
Intercontinental Titel vielleicht so schnell nicht wieder kommen.
Vielleicht wird sie niemals wieder kommen. Daher darf ich nicht
verlieren, ich muss Steve Steel einfach schlagen. Und das werde
ich auch. Jetzt entschuldige mich bitte, Tammy. Ich muss mich
umziehen und mich vorbereiten.“
Und damit
schreitet er an der Interviewerin vorbei in Richtung Umkleiden.
Fade out.
Tag
Team-Match:
Hispanic
Heroes (Carlos Sera & Hector Fernández &
Regina Reyes) vs. LPG (Black Wyrms (Shizuku Shikishima &
Brigitte Reflet) & Milly Vermillion)
Referee:
Peter Cleven
Es
heißt der Wahlspruch der GFCW Ultras sei „alles
außer GFCW ist Scheiße“ und das macht auf
eine verquere Art vielleicht sogar Sinn – denn wäre
etwas nicht Scheiße, wäre es ja bei GFCW zugegen.
Ist man ehrlich, ist dieses Motto gar nicht weit weg von WFWs
uraltem Wahlspruch „where the Rulers gather“ –
erinnert sich noch jemand an die Zeiten, wo „x rules“
oder „Y ist so ein Ruler“ der gängige Jargon
waren? So oder so, die Überzeugung, dass alles, was
beansprucht gut sein zu wollen sich in der eigenen Promotion
im Ring einfindet, das hat man irgendwo gemein und nun wo WFW
mit einigen Personalien fest bei GFCW zugegen ist, darf man
wohl sagen „WFW ist bei GFCW und also nicht Scheiße“.
Doch das ist nur zum Teil der Grund, warum dieses in WFW
heimische Duo hier und heute vom GFCW Publikum wärmstens
empfangen wird.
Auch,
dass Carlos und Hector die amtierenden männlichen WFW
Tag Team Champions sind, ist nur ein Teil der Wahrheit.
In
erster Linie wird das debütierende Trio abgefeiert, weil
sie Spanier sind und mit einer spanischen Flagge durch den
Vorhang geschritten kommen – und auch noch einer
katalanischen für extra Pops. Da verzeiht man dem großen
Muskelprotz Hector Fernández und der blonden „Super
Sexy Spanish Sorceress“ Regina Reyes, dass sie
Madrilenen sind, ansonsten stünden die Chancen gut
dennoch Pfiffe bis Buhrufe zu ziehen. Die katalanische Flagge
schleppt der zweite Mann des Trios rum, der dunkel gelockte
Herzensbrecher Carlos Sera, der zwar nicht aus Barcelona
stammt, aber aus Mataró, also rund 30 Kilometer weg.
Lokal genug. Und dass er sofort zu flirten beginnt und seinen
sexy Body aus seinem Mantel herausgucken lässt, kommt
extra lässig rüber, worüber sich diverse
Frauen im Publikum und auch mancher Mann und auch manch Fan
von noch ganz anderswo auf dem Genderspektrum sehr freuen.
Carlos und Regina machen geradezu einen Wettstreit daraus wer
mit mehr Leuten flirten kann und (keine) Überraschung –
die Blondine mit der großen Oberweite in der
zauberhaften Aufmachung scheint diesen Wettkampf zu gewinnen.
Bekannte
Klänge, bekannte Frauen. Die kleine, blond gelockte
Phönixfrau im feurig gefiederten Poncho schreitet vorne
weg, die Black Wyrms folgen in ihren markanten hochkragigen
Umhängen, wobei Shizuku Shikishima etwas nachdenklich
dreinblickt, ob sie wohl auch in der Gegend herumflirten
sollte, hat sie doch ähnliche Sanduhr-Vorzüge wie
Regina, um nicht zu sagen, dass sie bei ihr sogar noch etwas
mehr ausgeprägt sind. Brigitte aber winkt ab, Shizuku
soll sich nicht von Regina in eine Nebensächlichkeit
verwickeln lassen. Entweder die Fans jubeln von sich aus
dafür wer sie sind und was sie alles schon bei GFCW
geleistet haben und vielleicht sogar für das, was sie
woanders geleistet haben oder sie lassen es bleiben.
Tatsächlich ernten sie überraschend viel Zuspruch –
so gern GFCW auch Zerbeus hat, ihr Interview letzte Show ist
in den sozialen Medien durchaus gut angekommen und sei es
auch nur wegen ihrer in der Form noch nicht oft gesehenen
Intensität. Obgleich Skadi Fenrir da ja nun durchaus
auch stark mit beteiligt war. Es gibt allerdings auch ein
gutes Kontingent an Pfiffen und Buhrufen, sei es von
spanischen Fans, die einen spanischen Sieg wollen oder sei es
von Zerbeus Fans, denen die Vorwürfe der LPG zu weit
gingen.
Referee
Peter Cleven ermahnt beide Seiten zu einem sauberen Match,
aber da Miria Saionji nirgendwo zu sehen ist, um irgendwen
per Stuhl abzuwerfen, ist erst einmal nicht davon auszugehen,
dass es hier groß unsportlich werden dürfte.
Für
die Lerbitz Performance Group beginnt Milly Vermillion, die
mit extra viel Selbstbewusstsein in Miene und Körperhaltung
dasteht. Die Spanier wiederum massieren noch mal Reginas
Schultern und lassen der Frau den Vortritt, die dereinst als
Absicherung für ihre männlichen Kollegen
debütierte, als sie alle noch Developmental Talente
waren. Regina ist das noch immer, ihre männlichen
Kameraden sind ihr sportlich mittlerweile mächtig
entwachsen und sie sputet sich zu ihnen aufzuschließen.
Gegen
Milly sputet die 1,66 große Regina aber nicht, sie kann
zwar auch den einen oder anderen Flip, ist aber eher
ringerisch orientiert und überlässt es gerne der
1,50 kleinen Feurigen ins Tempo zu gehen. Die lässt sich
nicht zwei Mal bitten und geht auch in die Offensive,
obgleich zunächst sehr bodenständig. Milly mag
nicht die größte Shitkickerin der GFCW Geschichte
sein, aber dafür eine echt heiße Kickerin.
Heiß
weil Phönix, ja?
Also
nicht nur, aber primär deswegen. Shin Kicks, High Kicks,
ein Spinning Heel Kick, Milly nutzt ihre Bein- und Fußpartie
sehr geschickt und durchdacht, wodurch die gestiefelte
Zauberin aus Spanien erst einmal einige Treffer einstecken
muss, während sie sich ans Timing von Millys Kicks zu
gewöhnen sucht, was ihr schließlich gelingt und
den Konter per rasanter Dragon Screw ermöglicht.
Nun
wo der Feuervogel geerdet ist, gibt es den ersten Wechsel,
Carlos Sera kommt rein und nimmt Milly erst mal ausgiebig in
einen Side Headlock, den er nutzt, um weiter nebenbei mit dem
Publikum zu schäkern. Carlos ist für GFCW
Verhältnisse ein recht kleiner Mann mit seinen 1,75 aber
verglichen mit Milly ist er natürlich immer noch ein
Brocken, den sie nicht so einfach loswird. Es kostet die
Feurige doch einige Mühe die rettenden Seile zu
erreichen, an die Carlos die Vogeldame prompt anlehnt und ihr
einen klatschenden Chop auf die Brust mitgibt. Er guckt fast
entschuldigend dafür, aber auch nur fast. Milly windet
sich, flippt aber trotzig in den Stand zurück…
und kriegt direkt noch einen Chop ab.
Milly
dreht sich ab – für einen Moment. Dann kommen
Stolz und Trotz noch mehr durch und sie fordert Carlos auf
weiter zu choppen. Der nickt mit etwas blödelndem
Gesichtsausdruck und legt weiter nach. Und weiter.
Chop
Chop
Chop
Chop
Chop
Aber
auch wenn eigentlich jeder neue Chop alles noch schlimmer
macht, wendet sich Milly weniger und weniger ab und erträgt
das Ganze immer besser, ehe sie plötzlich einen tief
gesprungen Dropkick vollführt, der Carlos das Standbein
wegreißt und ihn auf die Fresse fliegen lässt. Und
ehe er weiß wie ihm geschieht stellt sich Milly mit dem
Rücken, bzw. der blonden Lockenpracht zu ihm hin und
vollführt eine wahnwitzige Aktion.
Standing
Phoenix Splash!
Die
Fans staunen nicht schlecht, dass der Phönix Splash aus
dem Stand überhaupt möglich ist und Milly zwinkert
zufrieden lächelnd gen Kamera. Das war kein Gruß
an Lorenz, der sie dereinst im Casting fragte, ob sie als
Phönix auch den Phoenix Splash beherrsche, worauf sie
antwortete den Phoenix Senton zu bevorzugen, aber als Fan
kommt in diesem Moment die Erinnerung unweigerlich hoch.
Der
Arm von Carlos beim Cover kommt auch hoch, aber das war ja
kaum anders zu erwarten. So spektakulär der Phoenix
Splash aus dem Stand auch war, einen Mann von Carlos Statur
nagelst du so nicht auf die Matte.
Milly
vollzieht den ersten Wechsel auf Seiten der LPG, Tag mit
Brigitte Reflet, die sogleich auf dem Apron Stellung bezieht
zu ihrem Springboard Lariat, dem Wyvern Wingspan, aber…
Carlos realisiert was Sache ist und rollt sich extra lässig
aus dem Ring, was er prompt nutzt um ein paar Fans Ringside
Luftküsse zuzuwerfen. Ihn „Herzensbrecher“
zu nennen ist nicht wirklich korrekt, eher ist er ein
Herzmagnet, ein Charmeur und ihm scheint es recht gleich zu
sein woauf dem Genderspektrum ein Fan verortet ist, er
zwinkert allen zu.
...weswegen
ihm Brigitte per Tornillo ins Kreuz gesprungen kommen kann.
Carlos wird gegen das Absperrgitter geklatscht und fliegt
fast drüber. Zum Leidwesen der Fans, die ihn gerne auf
sich gehabt hätten, nur fast. Brigitte tritt noch ein
gutes bisschen nach, während im Ring Hector sich
anschickt denselben betreten zu wollen, aber Peter Cleven hat
was dagegen. Ist ja nun ein Six Person Tag Team Match und
kein Trios Match, wo es fliegende Wechsel geben würde.
Hector sieht für einen moment nachdenklich aus, ob er
Cleven nicht ignorieren sollte, aber Regina redet auf ihn
ein, dass er das besser lassen sollte.
Brigitte
schiebt derweil mit Hilfe von Shizuku den Katalanen zurück
in den Ring und wechselst prompt mit ihr, auf dass sie
gemeinsam zur Black Wyrm Glory ansetzen können, dem
doppelten Glorious aka Implant DDT, aber Carlos kommt frei
und flüchtet in die Ringecke, womit Hector sich nun ganz
legal einwechseln kann.
Und
dann steigt er über die Seile, der Madrilene.
Der
Endgegner der Hispanic Heroes – zumindest für die
LPG und ihre physikalischen Möglichkeiten. Mit 1,85 ist
Hector zwar immer noch kleiner als die meisten bei GFCW, aber
ob seines breiten Muskelkörpers, der ob seines Muscle
Shirts und der kurzen Sporthose nur noch massiger wirkt, ist
er verglichen mit allen anderen im Ring ein absoluter Koloss.
Es ist nicht so als ob er so gigantisch wäre, dass sogar
seine Muskeln Muskeln hätten, dass man ihn einen
genetischen Freak nennen könnte oder müsste, aber
seine rund 120 Kilo Kampfgewicht pure Muskelpower hat er dann
doch.
Anders
gesagt: er bewegt sich in diesem Match im Großen und
Ganzen nur dann, wenn er es will, mit sehr wenigen
Möglichkeiten für die LPG ihn gegen seinen Willen
zu bewegen. Zwar hat man mit Gegnern wie Meathook und Kyle
Douglas Erfahrungen gegen klar größere und
schwerere Gegner sammeln können, aber die basiert primär
darauf gegnerisches Momentum zum eigenen Vorteil zu nutzen –
Hector hingegen stampft bedacht durch den Ring und macht
nicht einen Laufschritt. Alles was die LPG machen kann ist
mit European Uppercuts, Dropkicks und dergleichen zumindest
etwas Schaden anzurichten, aber es sieht nicht so aus, als ob
Hector sich davon so einfach beeindrucken lassen würde.
Und so packt er sich Shizuku einfach und nimmt sie in einen
Bear Hug. Die Blondine hämmert immer wieder auf Hectors
Schädel, bis er endlich loslässt und fällt
förmlich in die eigene Ringecke, um mit Milly zu
wechseln, die ihrerseits wieder mit Brigitte wechselt. Milly
steigt die Ringecke empor und bespringt Hector per Meteora –
wird aber aufgefangen. Brigitte kommt von vorne, aber Hector
lädt auch sie auf. Doppelter Samoan Drop? Nein! Shizuku
kommt von vorne per Running Crossbody! ...aber auch
abgefangen. Hector hat sie nun alle drei. Zwei auf dem
Rücken, Shizuku vorne.
Double
Samoan Drop + Fallaway Slam!
Barcelona
feiert einen Madrilenen, das passiert auch nicht so oft. Eine
Szene, die exemplarisch steht für die nachfolgenden
Minuten. Geht es gegen Regina oder Carlos, dann ist es ein
ausgeglichenes Match mit gelungenen Aktionen für beide
Teams, aber wann immer Hector im Ring ist, kann die LPG
keinen Druck aufbauen. Ein Kyle Douglas ist ein ringerischer
Aktivposten und selbst Meathook und Gino Rieß sind bei
aller Körperfülle darauf bedacht, dass sie ihren
Body nutzen, um Gegner zu zerquetschen. Hector hingegen
kämpft verdammt langsam, nach seinem eigenen Tempo und
stets darauf bedacht die übliche Schwachstelle der
Riesen zu schützen – seine Beine und besonders
seine Knie und noch besonderer seine Kniekehlen. Wann auch
immer jemand versucht mit Tempo von hinten zu kommen, sucht
er sofort Seile oder Ringecke, auf dass alle Angriffe von
vorne kommen müssen, wo er sie abwehren kann.
Positiv
für die LPG ist, dass Hectors geringes Tempo es einfach
macht auf Distanz zu bleiben und die Taktik der Tausend
Nadelstiche zu fahren, aber jede Minute Hector im Ring ist
Regeneration für Carlos und Regina. Und so wird das
Match zu einer sehr taktisch geprägten
Auseinandersetzung. Die LPG rückt aufs Tempo wann immer
Hector draußen ist, während Regina und Carlos
wiederum versuchen die LPG für Hector zu ermüden,
der seinerseits natürlich auch ab und an seine Pausen
braucht. So viel Körper zu manövrieren kostet
schließlich Energie.
Die
Minuten verstreichen und dann geschieht es, dass Sturkopf
Milly sich an High Flying gegenüber Hector versucht:
Diving Huracanrana von Milly – aber das funktioniert
genauso gut, wie man es erwarten darf: gar nicht. Kraftkoloss
Hector bewegt sich keinen Millymeter [sic!] und egal wie sehr
Milly da jetzt zappelt, der Madrilene wuchtet sie hoch zur
Powerbomb und geht zwei Schritte rücklings, sodass sich
Carlos einwechseln kann. Der steigt prompt die Ringecke hoch,
wirft einen Luftkuss gen Milly und dann springt er ab per
Diving Clothesline:
La
Hazaña
Das
heißt wohl Heldentat. Hoffentlich. Das Cover folgt,
wird aber von Brigitte Reflet frühzeitig gestoppt, sonst
wäre es das gewesen. Brigitte sieht verdammt sauer aus,
wie sie das Cover abbricht – es ist fast so als ob ihr
erst jetzt im direkten Duell klar wird, wie ähnlich doch
die Heldentat der Hispanic Heroes der Black Wyrm Rampage von
ihr und Shizuku ist… und wie viel weniger Probleme sie
haben die Aktion gegen alles und jeden zeigen zu können,
weil es wohl kaum jemanden gibt, wo Hectors Muckis versagen.
Obgleich es bei Meathook und Gino Rieß auch bei ihm
mehr als kritisch werden könnte, aber das werden wir
wohl nie erfahren.
Dafür
erfährt das Match nun 2 on 3 Action, da nun ca. alle im
Ring sind und es wild zur Sache geht. Milly liegt noch reglos
am Boden, daher ist es kein 3 zu 3. Wenig überraschend
erkämpfen sich die Hispanic Heroes dank ihrer Überzahl
den Vorteil, aber als sie ihren zweiten Tag Team Finisher
anbringen wollen, um Brigitte ruhigzustellen, ihre
Hispanolypse genannte Kombi aus Spinebuster und Neckbreaker,
da versetzt Brigitte Hector gedankenschnell eine Art
Mongolian Chop auf die Lauscher, die danach klingeln und den
Muskelmann verwundbar nach hinten torkeln lassen – wo
die wieder erwachte Milly die Seile runterzieht, sodass
Hector nach draußen purzelt. Milly nimmt sofort Anlauf,
wechselt im Vorbeilaufen mit Shizuku und schmeißt sich
per Tope con Hilo auf Hector, der Milly abfangen will, aber
die Ohren klingeln immer noch und so verliert er das
Gleichgewicht und kracht ins Absperrgitter.
Carlos
hat derweil mit Regina gewechselt, um zumindest weiter im
Tandem agieren zu können, aber nach einer
Fehlkommunikation mit Regina kassiert er von dieser den
Howling Lariat, der ihn umhaut und erst einmal aus dem Ring
rollen lässt – auch um zu checken, wie es Hector
gehen mag. Doch dieser Moment der Irritation von Regina ist
alles, was die Black Wyrms brauchen. Shizuku wechselt mit
Brigitte, packt Regina zur Road to Valhalla, zieht diese
durch und nimmt die Spanierin kurz darauf zur Powerbomb hoch.
Brigitte vergeudet keine Zeit und springt ihren Wyvern
Wingspan Springbord Lariat und so verbinden sich die Aktionen
zur
Black
Wyrm Rampage!
Brigitte
covert und Shizuku stürzt sich per Torpedo DDT auf
Carlos, um diesen vom Eingriff abzuhalten. Der blockt zwar,
aber die Störung reicht: er kann nicht rechtzeitig in
den Ring zurück und so geht das Cover bis Drei durch!
Damit haben Milly Vermillion und vor allem die Black Wyrms
den nächsten sehr beachtlichen Erfolg eingefahren und
ihren Anspruch ein Tag Team Titelmatch zu verdienen noch
weiter sportlich untermauert. Doch wie solide dieses
Mauerwerk ist, entscheidet das GFCW Office und/oder Zerbeus,
nicht sie selbst. Nichtsdestotrotz, sie haben für diese
Show ihren Teil getan, der Rest bleibt abzuwarten. Die Fans
denken derweil darüber gerade ca. gar nicht nach und
applaudieren einfach dem Match, auch wenn es nicht der
spanische Sieg war, den man durchaus gern gesehen hätte.
Dann wiederum ist Außenstehende gegen GFCW Stamm
verlieren zu sehen so rein aus GFCW Fan Sicht ja durchaus
auch nicht ganz so übel, besonders wenn es große
Namen von woanders sind, die besiegt werden. Die Art Fan, die
sich lieber rein auf GFCW konzentriert hat also ohnehin mit
diesem Resultat was zu feiern.
Wenn
der Zacidog nicht in einem grauen Backstage-Labyrinth gefangen
ist, sondern unter freiem Himmel die Gerüche eines
spanischen Museumsdorfs erkunden darf, muss es eine besondere
Ausgabe von War Evening sein.
Doch
eine Sache ändert sich nie, auch nicht an besonderen Tagen.
Und das ist Tammy, die einem Wrestler neugierig ein Mikrofon
unter die Nase hält. Sie hat Zac Alonso überrascht, als
dieser grad entspannt die Gassen des Poble Espanyol
entlanggeschlendert war. Dessen Freizeitoutfit – ein
offenes weißes Hemd, Chinohosen und eine Sonnenbrille –
verrät, dass der Champion nicht mit einem aktiven Beitrag
zur Show rechnet. Nur durch den Titel, der um seine Hüften
geschnallt ist, kann man ihn überhaupt von einem normalen
Touristen unterschieden.
Tammy:
„Zac, wie schön, dass wir uns zufällig treffen.“
Ein
verschmitzter Ausdruck fliegt über ihr Gesicht. Sie beide
wissen, dass „Zufall“ in Tammys Welt gern bedeutet,
ihren Gesprächspartnern gern mal eine halbe Stunde lang
aufzulauern.
Tammy:
„Meine Quelle haben gehört, dass wir dich heute in
ungewohnter Funktion sehen. Als Gastkommentator.“
Alonso
pfeift den Hund zurück, der gerade im Begriff war, sein Bein
vor der historischen Fassade einer Tienda zu heben. Mit hängendem
Schwanz trottet der Labrador zu seinem Besitzer zurück. Als
die gelbe Gefahr gebannt ist, wendet sich der Champion wieder der
Reporterin und ihrer Frage zu.
Zac
Alonso: „FAKT.“
Tammy:
„Ich nehme an, dass das beim No. 1-Contender-Match zwischen
Steve Steel und Güldenherz der Fall sein wird.“
Zac
Alonso: „Nochmal FAKT.“
Tammy:
„Was sind deine Gedanken zum Match? Was hat dich dazu
bewogen, zwischen zwei Männern einen Titelshot ausspielen zu
lassen, die jetzt seit langem nicht aktiv waren?“
Ohne
großes Zögern setzt Alonso zu einer Antwort an. Er hat
mit dieser Frage offensichtlich schon gerechnet und die
Entgegnung auf Abruf.
Zac
Alonso: „Wir brauchen uns nichts vormachen: Die bisherigen
Auftritte von Güldenherz waren nicht gerade überirdisch.
Aber wer – wenn nicht ich – weiß besser, dass
ein Wrestler manchmal genau dann über sich hinauswächst,
wenn man vor einer großen Aufgabe steht?“
Er
klopft mit der flachen Hand auf die Platte seines Titels.
Zac
Alonso: „Ich wurde verpflichtet, um die Nummer 3 des
Switziverse zu sein. Man hat keinen Peso auf mich verwettet, als
ich in die Saloon Battle Royal eingezogen bin. Doch ich habe das
Ding gewonnen. Dann habe ich mich Darragh Switzenberg
gegenübergestellt. Da waren sich viele Leute einig, dass das
das Ende meines Aufstiegs sein wird, weil ich gegen so viel
Geilhechtigkeit nicht ankomme. Aber ich habe ihn geschlagen. Um
mir diesen Schatz zu sichern, der jetzt um meine Hüften
hängt. Wenn ich also Güldenherz die Möglichkeit
gebe, sich ein Titelmatch zu sichern, dann tue ich es nicht wegen
seiner bisherigen Auftritte oder seiner GTCW-Leistungen und auch
nicht aus Höflichkeit, sondern weil ich fest an einen
Grundsatz glaube.“
Tammy:
„Und der wäre?“
Zac
Alonso: „Das wahre Gesicht eines Wrestlers sieht man erst,
wenn er über sich hinauswachsen muss.“
Ein
so wohlformuliertes Bonmot, dass selbst der Zacidog zufrieden
brummt. Mit seinem wedelnden Schwanz trommelt er gegen Tammys
Bein. Doch die Reporterin hat jetzt keine Zeit, Viecher zu
streicheln. Ihr liegt schon längst wieder eine andere Frage
auf den Lippen.
Tammy:
„Jetzt hast du viel über Güldenherz gesprochen.
Aber dein Herausforderer könnte auch Steve Steel werden. War
er einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Oder was
reizt dich an einem möglichen Match gegen ihn?“
Sie
gibt Alonso keine Chance zum Antworten, denn kaum, dass sie die
Frage gestellt hat, fällt ihr eine plausible Antwort ein.
Tammy:
„Liegt es vielleicht daran, dass er das krasse Gegenteil zu
einem Youngster wie Güldenherz ist? Ein Mann in seinen
Fünfzigern. Es bietet dir die Chance, der alten
GFCW-Generation zu begegnen.“
Zac
Alonso: „Die Antwort ist viel einfacher, Tammy.“
Mit
gespanntem Gesichtsausdruck schaut die Angesprochene den Champion
an.
Tammy:
„Und zwar?“
Zac
Alonso: „Er ist ein Typ, dem man einfach mal gern in die
Fresse hauen will.“
Bestätigendes
Bellen des Hundes zu Alonso Füßen. Zac vergräbt
die Hand im Fell des Zacidogs und dankt ihm mit einer Liebkosung
für den Support.
Zac
Alonso: „Ich hätte nicht gedacht, dass es auf der Welt
einen Mensch gibt, dessen ständiges „Hehe“ mir
noch mehr auf die Cojones geht als das von Heinrich Firion. Aber
dieser eingeölte, toasterbraune, vollgepumpte, blondgefärbte
Hammel hat es geschafft. Schon im Fernsehen merkt man, dass Steel
keinen Sympathiepreis gewinnt. Aber ihn in Persona zu erleben,
macht richtig viel Lust darauf, ihm das Maul zu stopfen.“
Tammy:
„Also…“
Also
was? Das zu beantworten, dazu kommt Tammy nicht mehr. Denn mit
einem Mal verändert sich die Situation. Es beginnt damit,
dass der Zacidog das Schwanzwedeln einstellt und ein besorgtes
Jaulen von sich gibt.
Tammy
und Zac folgen dem Blick des Hundes die Gasse des Poble Espanyol
entlang…
…und
sehen Miria Saionji und Monica Shade näherkommen.
Monica
Shade: „Hallo alter Schweineschänder. Lange nicht
gesehen.“
Monica
Shade ist seit ihrem Match gegen Diana Rolando mittlerweile
frisch geduscht und neu eingekleidet, in eine lila Wese, kurze
Hot Pants und klobige lila Stiefel, während die
schwarzmähnige und innenseitig blondierte „Miss
Eternity“ wie üblich in einem weißen Minikleid
unterwegs ist. Auffällig anders ist nur, dass man ihre Augen
heute nicht sieht, was nichts damit zu tun hätte, dass ihr
Pony plötzlich darüber gewachsen wäre und dafür
alles mit einer teuren Designer-Sonnenbrille mit extra großen
Gläsern, die modisch mal so gar nicht zu ihr passen will.
Miria
Saionji: „Fürwahr, als ihr euch das letzte Mal
gegenübergestanden seid, da warst du noch diejenige, die
gegen den großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg
gekämpft hat, während Zac zu diesem Zeitpunkt noch kein
intriganter Verräter war, so wie es Hollywood Jake
mittlerweile auch ist.“
Sowohl
Monica Shade als auch ihr wie üblich unter dem Arm
getragenes Stoffschwein Lady Rosi schütteln sich kurz als
sie den Damen hören, der auch bei Zac Alonso und dem Zacidog
unweigerlich für Flashbacks der unliebsamen Art sorgt.
Monica
Shade: „Erinnere mich bitte nicht daran, dass ich durch
äußere Umstände irgendwie eine Alliierte von
Darragh Switzenberg bin, außer du willst, dass mir mein
Frühstück wieder hochkommt. Aber das mit Hollywood Jake
ist echt heftig irgendwie. Könnte potenziell nen Haufen
fescher Kolleginnen kriegen und denkt sich „nö, ich
glaube bei diesem dubiosen Verein rund um Danny Rickson, der noch
übler als Darragh Switzenberg ist, da will ich hin“.
Aber um die geht es jetzt nicht, es geht jetzt einzig allein um
Zac Alonso, den Intercontinental Champion. Es geht um ihn und die
große Frage „warum“. Möchtest du erklären,
von welchem „warum“ ich spreche, Miria?“
Es
wird mehr und mehr ersichtlich, dass Monica und Miria gekommen
sind, um eher über Zac Alonso zu sprechen, als mit ihm. Von
wegen er soll glasklar hören, was sie ihm zu sagen haben,
aber zumindest für den Moment haben sie keinerlei
Bereitschaft ihn wirklich in das Gespräch zu integrieren.
Dasselbe gilt für Tammy, die komplett ignoriert wird und
lediglich das Mikrofon halten darf.
Das
Interview wurde erfolgreich gekapert, dabei sind die beiden doch
gar keine Piratinnen.
Miria
Saionji: „Natürlich erkläre ich gerne das
„warum“. Also: Wir von der LPG kommen nicht umher uns
zu fragen warum ein selbsterklärter „Fighting
Champion“ sich wie ein „Feigling Champion“
verhält. Erst traut er sich nicht gegen Milly Vermillion
Eins gegen Eins anzutreten und holt extra Kyle Douglas zum Match
hinzu, auf dass sich Kyle und Milly gegenseitig ermüden und
er abstauben kann. Danach weiß er genau, dass mit dir, der
Leopardin aus Long Island, eine andere namhafte, sportlich
hochwertige und charakterlich weitgehend einwandfreie
Herausforderin parat steht, doch stattdessen hypt er lieber den
erstbesten sieglosen GTCW Wrestler, den er findet oder den
erstbesten lange nicht gesichteten Altstar. Allmählich
bekomme ich das Gefühl Commissioner Fletcher ist nicht der
Einzige, der systematisch gegen die LPG agiert.“
Für
eine Sekunde hätte es die Chance gegeben etwas zu sagen,
doch kaum ist die Sekunde verstrichen, da fährt Monica auch
schon fort.
Monica
Shade: „Ich bin mir nicht sicher ob es mir gefällt von
dir als „charakterlich weitgehend einwandfrei“
tituliert zu werden, aber weder ich noch Lady Rosi wollen darüber
länger nachdenken als nötig, wenn wir stattdessen auch
der wirklich wichtigen Frage nachgehen können, welchen
großen Namen vom erfolglosen GTCW Haufen ich wohl besiegen
muss, um mir ein Intercontinental Title Match in den Augen
unseres Herrn schweinefeindlichen Champion zu verdienen. Ethan
Carlyle? Mike Janus? Rebel called Hate 3.14159? Oder sollte es am
Ende reichen, dass ich Diana geklatscht habe, die ist schließlich
auch talentiert, aber erfolglos?“
Jetzt
aber.
Das
ging so direkt an Zac Alonso, das muss doch jetzt der Punkt
gewesen sein, wo er sich äußern kann… oder auch
nicht.
Miria
Saionji: „Da wir nicht umher kamen schon vor unserem
Erscheinen ein paar Worten zu lauschen, kommt mir natürlich
auch der Gedanke, dass sich noch jemand als Herausforderin
anbietet, wenn es nicht nur heiße Luft ist, dass Zac
Herausforderer mag, die über sich hinauswachsen. Ich bin
schließlich schon über mich hinausgewachsen, wie man
leicht sehen kann - wortwörtlich.“
Sie
fährt sich mit einem Lächeln durch das reichhaltige
Haar, das in der Tat deutlich über ihre Körperlänge
hinaus ausgewachsen ist – dabei stößt sie
versehentlich an ihre Sonnenbrille, die verrutscht und für
einen kurzen Moment die Aussicht auf Blau und Grün eröffnet.
Definitiv kein Lidschatten, sondern Nachwehen vom Klobesuch mit
Monica Shade letzte Show, so viel dürfte klar sein. Hastig
richtet Miria sich die Sonnenbrille wieder, in der vagen Hoffnung
niemand hat gesehen, wie ihre „Aussprache“ mit Monica
und Lady Rosi verlaufen ist – weswegen sie rasch ein
geübtes, falsches Lächeln aufsetzt. Gab doch gar nichts
zu sehen und letzte Show ist gar nichts passiert, außer ein
kleiner, harmloser Toilettenbesuch.
Miria
Saionji: „Nicht, dass ich davon ausgehe, dass er es wagen
würde einer Frau gegenüberzustehen, die nicht nur
ewiger als Refuse to Age und Ricksenburg ist, sondern zudem
wahrlich Undefeatable. Immerhin konnte er ja nicht mal jemandem
im Eins zu Eins besiegen, der nur Unpinnable ist...“
Ein
Satz der ohne die gerade eben verrutsche Sonnenbrille wesentlich
mehr Wirkung erzielt hätte. Es ist auch fraglich, ob Miria
weiß – oder es sie kümmert – dass
Ricksenburg aus Alex Ricks und Antoine Schwanenburg bestand und
nicht aus Danny Rickson und Antoine Schwanenburg.
Monica
Shade: „Okay, genug von dieser schweinisch guter Cop und
ewig schlechter Cop Routine, auch wenn wir dabei viel Wahres
angesprochen haben. Zeit wirklich mit dir zu sprechen, Champ,
statt nur über dich. Also: wenn du dich wirklich zum
Besseren gewandelt hast und nicht nur gerade die Rolle deines
Lebens als angeblich gutherziger, aber tatsächlich noch
immer verdorbener Möchtegern-Filmheld spielst… wen
muss ich auf die Bretter schicken, damit du mich als
Herausforderin akzeptierst, hm? Also vorausgesetzt, dass du
überhaupt dazu in der Lage sein wirst dein Gold zu
verteidigen und wir dieses Gespräch nicht in Kürze eh
mit Güldenherz oder Steve Steel noch mal führen
müssen...“
Nachdem
Zac Alonso während des Gesprächs von M&M schon
mehrfach angesetzt hatte und dann doch nicht zum Zuge kam, lässt
er jetzt mehrere Sekunden verstreichen, bevor er zu einer Antwort
ansetzt. So als könne er kaum glauben, dass jetzt der Moment
gekommen ist, an dem man ihm zuhört.
Zac
Alonso: „Schweineschänder? Feigling Champion? Wenn ihr
schon Spitznamen für mich erfindet – wie wäre es
dann mit Dingen, die ich wenigstens auf T-Shirts drucken kann?
Dann könnte ich wenigstens etwas verkaufen…“
Auch
wenn noch nicht klar ist, worauf er hinauswill, macht ein
verschmitztes Grinsen deutlich, dass er auf irgendetwas anspielt.
Zac
Alonso: „…und mit Verkaufen kennt ihr euch bei der
LPG aus, nicht wahr?“
Der
Zacidog bellt so passend, dass man für einen Moment glauben
muss, er könnte die Worte seines Herrchens verstehen.
Nachdem das menschliche Trio den Labrador verwirrt angeblickt
hat, holt Alonso die Aufmerksamkeit mit einem Räuspern zu
sich zurück.
Zac
Alonso: „Schließlich habt ihr euch erst an die
Entrepreneurin Lerbitz und ihre Entourage verkauft und weil
dieses Agreement ganz offensichtlich auf noch wackligeren Beinen
steht als der Friede zwischen euch, musstet ihr euch dann an das
verdammte Arschloch Switzenberg ranschmeißen. Was ins
Aufgabengebiet von dir fallen dürfte, hm?“
Seitenblick
zu Miria Saionji.
Um
klarzumachen, dass es vom Austausch verbaler Spitzen zum
Hauptthema zurückgehen soll, klopft Alonso auf seinen
Titelgürtel.
Zac
Alonso: „Ihr bezweifelt, dass ich ein Fighting Champion
bin, hm? Als euch bei der LPG das letzte Mal ein Titelmatch in
den Schoß gefallen ist, war Miria sich zu fein, die
Gelegenheit selbst anzunehmen und hat es delegiert. Ich erinnere
mich zu gut an diese Farce von einem Match zwischen Milly und
dir, an den Eingriff im eigenen Team.“
Seine
Augen verengen sich, die Atmung wird schneller. Die Erinnerung an
die Geschehnisse vor New Level – als Miria Saionji im
selbst angesetzten Match pro Milly und gegen Monica eingriff –
ist noch frisch.
Zac
Alonso: „Euer ganzes Verhalten war respektlos diesem Titel
gegenüber. Ihr kommt durch einen Hinterzimmel-Deal an ein
Titelmatch, führt dann eine Farce von einem Contender-Match
aus – und am Ende endet die Scharade damit, dass ich eure
Vertreterin bei New Level gepinnt habe. Pech gehabt, würde
ich sagen.“
Sein
Blick wandert zu Monica Shade. Für einen Augenblick sieht es
aus, als wolle er einen Schritt auf sie zu machen. Doch dann
überlegt er es sich anders.
Zac
Alonso: „Ich respektiere deine Leistungen im Ring. Doch für
dich gilt: Mitgefangen ist mitgehangen. Solange du Teil des
LPG/Lerbitz-Geflechts bist, musst auch du dich hinten anstellen
in Sachen Titel. Es mag sein, dass Steel und Güldenherz auf
der Karriereleiter unter dir stehen. Doch bei denen kann ich mir
zumindest sicher sein, dass ihr potenzielles Titelmatch nicht
durch irgendein internes Spielchen entschieden wird. Sie wissen,
dass sie ihre Chance unverhofft bekommen könnten. Und genau
deshalb werden sie sich den Arsch bis zum Geht-nicht-mehr
aufreißen. Das ist, was ich der Crowd bieten will.“
Er
deutet in Richtung des Hauptplatzes des heutigen
Veranstaltungsortes, dort wo der Ring aufgebaut ist.
Zac
Alonso: „Sobald ich Steel oder Güldenherz besiegt
habe, können wir noch einmal sprechen. Wenn du schnell genug
bist. Und sofern Miria Saionji ihrer Assistentin…“
Ein
Wort, dass er mit einer Spur Herablassung ausspricht.
Zac
Alonso: „…erlaubt, eigene Ziele zu verfolgen. Denn
an sich hätte ich nichts dagegen, die große Monica
Shade zu besiegen, die so knapp vor dem GFCW-Titel stand. Und als
kleinen Bonus findet der Kollege hier...“
Er
wuschelt dem Zacidog durchs Fell. Der Labrador beginnt, aufgeregt
mit dem Schwanz zu wedeln. Sabber läuft ihm aus dem Maul.
Zac
Alonso: „…Lady Rosi echt zum Anbeißen.“
Mit
unverhohlener Gier blickt der Hund zum Stoffschwein. Er ist so
aufgeregt, dass er mit den Füßen auf- und ab tritt.
Fast legt er ein Tänzchen hin. Caracool wäre stolz.
Während dem Labrador der Geifer hinabläuft, wandert
Alonsos Blick zu Miria. Ihr dürfte es nicht gefallen haben,
so lange nicht im Fokus gestanden zu haben. Entspricht
schließlich so gar nicht ihrer Persönlichkeit.
Zac
Alonso: „Und falls DU nach einem Match fragst. Dann
solltest du öfter als jedes Schaltjahr einmal antreten. Als
kleiner Tipp für deine weitere Karriereplanung.“
Miria
Saionji beginnt mit betontem Zeitlupentempo Beifall zu klatschen.
Miria
Saionji: „Was für eine Ansprache und das ganz ohne sie
vorher am Spiegel einstudiert zu haben. Ich wäre beinahe
beeindruckt, würdest du hier nicht einige infame Aussagen
tätigen, die deine Inszenierung zum Laienspiel verkommen
lassen.“
Miria
beendet ihr Klatschen und erhebt oberlehrerhaft den Zeigefinger.
Miria
Saionji: „Dir wird aufgefallen sein, dass niemand von der
LPG in das Intercontinental Title Match eingegriffen hat. Die
angebliche Entehrung unsererseits gab es nie, die Herausforderin
seitens der LPG war stets Milly Vermillion – die Frau,
gegen die du Eins gegen Eins hättest antreten sollen, was du
dich aber nicht getraut hast. Ich habe das sogenannte #1
Herausforderinnenmatch nur ins Leben gerufen, um Monica über
Umwege als meine Assistentin zu gewinnen. Anders gesagt: Hätten
wir dir mit allen Mitteln den Titeln abnehmen wollen, wir hätten
es längst getan. Und vielleicht hätten wir es tun
sollen, dann müssten wir dieses Gespräch mit dir
undankbarem Verräter gar nicht erst führen. Weißt
du--“
Was
auch immer Miria Zac noch sagen wollte, sie verstummt, da Monica
einen knappen, aber bestimmten Schritt nach vorne macht. Monicas
Blick gegenüber Miria letzte Show war bereits erfüllt
von negativen Emotionen, aber ihr Blick hinab zum Zacidog ist der
pure Hass, ja es ist fast
schon
Mordlust.
Monica
Shade: „Es spricht für deinen Hund, dass er guten
Geschmack zu haben scheint. Aber wenn ich jemals auch nur einen
Tropfen Hundesabber auf Lady Rosi vorfinden sollte, reiße
ich ihm seine Zunge raus und stopfe sie dir in den Hals.
Schweineschänder.“
Das
war keine Drohung. Das hat sie so gemeint, wie sie es gesagt hat
und erntet dafür vom Publikum ein paar Pfiffe und Buhrufe.
Miria
Saionji: „Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen,
dass meine Assistentin wirklich keinen Spaß versteht, wenn
es um ihr Schwein geht. Ich übrigens auch nicht, immerhin
habe ich ihr zugesagt zu helfen, auf dass man lieber Iray Burch
ins Gesicht spuckt als Lady Rosi etwas anzutun… und so
schlecht diese Aussage rein vom Wortlaut her auch gealtert sein
mag, da heutzutage sogar Jay Taven dem Überrest des
ehemaligen Monsters ins Gesicht spucken könnte, ohne etwas
befürchten zu müssen, so ist doch die dahinterliegende
Intention dieselbe geblieben.“
Erneut
schnellt ihr Klugscheißer-Finger hoch.
Miria
Saionji: „Wir sind zivilisierte, an fairen Deals
interessierte Menschen, aber wie Entrepreneurin Lerbitz stets zu
sagen pflegt, gilt es das Risiko einer Investition abzuwägen
und glaube mir, Champion: Lady Rosi zu bedrohen ist ein Risiko,
das du kein zweites Mal eingehen möchtest. Vorausgesetzt, du
möchtest nicht, dass dein eventuelles Match gegen den Sieger
des gleich folgenden Kampfes so endet wie das Match zwischen Ask
Skógur und unserer früheren Weggefährtin Luna
Rosario bei Brainwashed im letzten Jahr. Ich denke wir verstehen
uns.“
So
sehr Mirias Worte sich auch an Zac Alonso richten, ihre Augen
sind mehr auf Monica Shade fixiert und ob Miria wohl mit ihren
Worten Wohlwollen bei Monica erzielt. Soll heißen: ob sie
nun endlich dabei ist Monica erfolgreich um den Finger zu
wickeln. Doch die guckt weiter nur gen Zacidog – und so wie
sie blickt, hat sie ihm gedanklich die Zunge bereits mehrfach
rausgerissen. So ulkig Monicas Umgang mit Lady Rosi auch ist, in
diesen Tagen wird überdeutlich, dass Monicas schweinische
Psychose auch eine äußerst gewaltbereite Seite hat.
Auch
der Zacidog scheint zu spüren, dass etwas im Argen liegt. Er
kneift die Augen zusammen und sein Schwanzwedeln wird langsamer,
bis es nur noch wie ein gemächlich hin und her schwingendes
Pendel wirkt. Es herrscht eine, man mag es kaum schreiben,
angespannte Stimmung zwischen Schweinehirtin und Hund. Diese wird
dadurch gebrochen, dass Alonso sich mit übertriebener Gestik
bückt, nach dem Halsband des Labradors greift und diesen
zurückzieht.
Zac
Alonso: „Ob wir uns jetzt verstehen oder auch nicht: Die
Fakten sind klar. Ich bin Champion. Und entweder Güldenherz
oder Steve Steel werden die nächsten Menschen sein, die
daran nichts ändern. Und wenn jemand von euch meinen Freund
auch nur anrührt…“
Er
fährt mit der Hand durch Fell des Wabbeltiers, das sich
sofort liebevoll an seinem Oberschenkel reibt.
Zac
Alonso: „…dann rettet euch keiner eurer Deals vor
irgendwas.“
Er
wendet sich ab.
Zac
Alonso: „Schönen Tag noch. Oder wie man hier in
Spanien sagt: Adiós
para siempre.“