Hollywood
Jakes Musik ertönt und mit ihr die Buhrufe des Publikums.
Es
dauert einen Moment, bis er durch den Vorhang tritt, so lang,
dass man fragen muss, ob er sich dem Kampf gegen Iray Burch durch
Flucht entzieht. Dann jedoch wird doch noch der Stoff zur Seite
gezogen und die athletische Gestalt des Riesaers tritt hindurch.
Seine
übliche Arroganz wirkt wie weggeblasen. Sie hat Platz
gemacht für Anspannung, Nervosität. Der anstehende
Fight ist für ihn keine Prüfung, bei der es was zu
gewinnen gibt, sondern es ist die Anbahnung einer Katastrophe.
Natürlich hat er die Bilder im Kopf, die es bei vergangenen
Burch-Matches gab. Die Gewalt, die Unmenschlichkeit. Irays
ungebremste Lust auf Zerstörung. Gegen Rantanen hat sie ihre
Wirkung getan - mehrfach. Der Kieler bleibt seitdem verschwunden.
Droht Jake dieses Schicksal auch? Ist dieser Tag ein Einschnitt
in seine Karriere?
So
als würde es etwas bringen, den Kampfstart zu verzögern,
sind Jakes Schritte klein und langsam. Keine Eile, dem Ring näher
zu kommen. Jake schaut sich in der Halle um, blickt in die
hämischen Gesichter der Dortmunder; so wirklich Mitleid hat
niemand mit ihm. Im Gegenteil: Obwohl Dortmund Burch ausstehen
kann, hat keiner etwas dagegen, wenn er dem hochmütigen Jake
eine Abreibung verpasst.
Pete:
"Hollywood Jake kommt allein. Das heißt wohl, er hat
keinen Wächter gefunden, der heute sein Handtuch zur Aufgabe
schmeißen will."
Sven:
"Aber was bedeutet das für den Kampf? Wie kann Jake
dann überhaupt verlieren? Geht es für ihn heute nur in
einem Krankenwagen aus der Halle?"
Pete:
"Ich kann gut verstehen, dass niemand Jakes Wächter
sein will. Zum einen hat er es sich mit allen durch sein
Verhalten verscherzt. Wieso sollte man ihm diesen Gefallen tun?
Zum anderen würde sich der Wächter ins Schussfeld von
Iray Burch gegeben. Du hast den Brief gehört, Sven. Wenn
Jakes Wächter vorschnell aufgibt und Iray so sein Spielzeug
verliert, wird er die Differenz bezahlen müssen. Was auch
immer das bedeutet."
Das
Handtuch, das keinen Träger findet, hängt schlaff in
Hollywood Jakes Hand. Er hält es noch einmal hoch.
Vielleicht, so sein Bangen, kann er im letzten Augenblick doch
noch einen Wächter anlocken. Es ist ein verzweifelter
Versuch, ein Schrei nach einem Retter. Jake wedelt in Richtung
Vorhang. Hoffnungslos.
Laura:
"Das folgende Match ist ein Guardian's Decision-Match. Es
wird dadurch entschieden, dass ein Begleiter..."
Sie
blickt bei diesen Worten beinahe mitleidig in Richtung Jake.
Laura:
"...das Handtuch als Zeichen der Aufgabe wirft. Auf dem Weg
zum Ring, mit einem Gewicht von 103 Kilogramm..."
Sich
seinem Schicksal ergebend, rutscht Jake unter den Seilen auf die
Matte. Den Ausruf seines Namens nimmt er kaum wahr.
Laura:
"...aus Riesa, Sachsen. Hier ist HOLLLLYWOOOOD JAAAAKE!"
Pflichtschuldig
reckt Jake einen Arm in die Höhe. Aber ihm ist nicht nach
feiern. Er schaut zu Boden, atmet angestrengt. Dann reicht er
sein Handtuch an Ringrichter Peter Cleven. Dieser gibt es sofort
weiter nach draußen, es wird auf einem Stuhl vor dem
Squared Circle platziert. Ganz einsam und verlassen liegt es da.
Niemand ist da, um es zu halten. Und niemand, der Jake retten
kann.
Sie
kommen zu zweit und sie bringen die Gewalt.
Shelly
Nafe geht voran. Das Klackern ihrer Absätze geht in Buhrufen
unter, die sich zu den Klängen des treibenden, unmelodischen
Themes erheben. Hinter der Frau folgt das Monstrum. Sein
ärmelloses Shirt ist löchrig und steif - vor Schmutz
und dem getrockneten Blut seiner Opfer.
Burch,
in Singles-Matches noch ungeschlagen. Eine bemerkenswerte
Statistik. Auch wenn Zahlen und Fakten ihm kaum die gleiche
Freude bringen wie warmes Fleisch und Knochen unter seinen
Fäusten.
Nafe
hebt ihre Hand und Burch bleibt gehorsam stehen. Er starrt aus
seinen kleinen Augen in den Ring, wo Jake auf und ab läuft,
nervös wie ein eingesperrtes Tier. Beide beobachten Shelly,
wie sie neben den Stuhl tritt, auf dem Jakes Handtuch liegt. Dann
gibt sie ein Zeichen in Richtung der Produktionscrew. Sofort wird
ein zweiter Stuhl aufgebaut. Nafe setzt sich. Ihr eigenes
Handtuch legt sie lässig auf ihren Schoß; nichts an
ihr vermittelt den Eindruck, sie würde es heute zu Boden
werfen.
Ihr
letzter Blick vor der Ringglocke geht zum leeren Stuhl neben ihr,
zum unbewachten Handtuch. Kein Wächter für Jake. Kein
Entkommen. Dann hebt Shelly die Hand und winkt Iray heran. Der
Unmensch bringt sich in Bewegung, rutscht in den Ring.
Die
Glocke ertönt.
Iray
Burch Chooses The Stipulation: Iray Burch vs Hollywood
Jake
Referee: Peter Cleven
Der
Unmensch richtet sich auf.
Jake
steht in seiner Ecke, eine Hand auf den Seilen, die andere
hängt schlaff und unentschlossen am Körper herab.
Kein Zurück mehr. Und - wenn der Blick auf den
verwaisten Platz mit Jakes rettende Handtuch fällt -
vielleicht auch keine Hoffnung.
140
Kilogramm setzen sich in Bewegung. Iray Burch kommt näher.
Jeder Schritt, mit dem das Monstrum die Distanz zwischen
ihnen verringert, nimmt Jake mehr der Details wahr, die er
vermeiden wollte: Das fleckige Shirt, die kleinen kalten
Augen. Ein Bart, aus dem die einzelnen Härchen wirr und
hart die Draht hervorstehen. Der unangenehme Geruch.
Da
verändert sich etwas in Jake. Die Erkenntnis, dass die
Lage rettungslos ist und sich Burch und die Zuschauer an eben
jener Rettungslosigkeit laben, legt eine Schalter um. Sein
Gesicht verzieht sich und er trifft eine Entscheidung. Wenn
er untergeht, dann wenigstens mit wehenden Farben. Mit einem
Schrei stürmt er voran. Bringt sein Bein hoch. Gräbt
den Stiefel in das Fett des Gegenspielers, das unter dem
Impact nachgibt wie ein Schwamm.
Burch
fällt nicht. Er wird einen Schritt zurückgedrängt,
dann jedoch findet er wieder seinen festen Stand. Blickt an
sich herunter auf die Stelle, wo Jake ihn getroffen hat. Dann
fahren die Augen hoch, verharren auf dem Angreifer. Wenn
überhaupt, dann ist in seinem Ausdruck eine Spur
Belus...-
Jake
schlägt wieder zu.
Pete:
„Er macht, was er tun muss. Tun kann. Als Wrestler.“
Er
lässt eine Salve von Faustschlägen niederprasseln.
Erst richten sie sich gegen den Körper und dann, als
eine Wirkung ausbleibt, gegen das Gesicht. Er trifft den
Bart, Kinn und Jochbein. Bei jedem Einschlag gibt Burch nur
ein kurzes Grunzen von sich; dann hält er den Kopf
direkt wieder hin. Er könnte die Hände zur Abwehr
hochnehmen. Aber er scheint es nicht zu wollen. Jakes Ärger
wird größer. In ihm wächst der Wille, dieses
hässliche Gesicht nicht nur zu treffen, sondern zu
zerstören.
Er
schlägt mit dem Ellbogen zu, zielt in Richtung Nase. Da
regt sich etwas in dem Unmensch. Seine Hand schießt
vor. Packt Jake am Hals. Als der Angreifer in seinem
Schraubstock gefangen ist, zieht er ihn heran. Betrachtet ihn
wie ein Insekt unter dem Mikroskop. Dann stößt er
ihn weg. Jake fällt zu Boden und macht eine Rolle. Er
rappelt sich in seiner Ringecke auf. Er ist so hektisch, dass
ihm der Fuß weg rutscht.
Aber
er ist nicht bereit, sich zu ergeben. Er hat den offensiven
Weg gewählt. Der Einzige, der ihm bleibt. Jake stürmt
noch einmal verzweifelt voran. Er nimmt Anlauf, die Augen auf
den Gegner gerichtet, und versucht einen Running Big Boot.
Das Leder seines Stiefels trifft Burch mit voller Wucht an
der Schläfe.
Es
gelingt ihm tatsächlich, das schwere Haupt des Monstrums
entscheidend zu treffen. Burch wird durch den Einschlag nach
hinten in die Seile gedrängt.
Pete:
„Seine Chance wirkt klein. Aber vielleicht, ja
vielleicht, gibt es sie eben doch, diese eine Chance.“
In
Jake wächst ein Gefühl, dass er bisher in diesem
Match noch nicht gekannt hat: Euphorie. Der Schock der ersten
Minuten weicht der Möglichkeit eines Triumphs.
Vielleicht kann es ihm gelingen, diesen Kampf nicht nur zu
überstehen; sondern zu gewinnen?
Jake
rennt heran, will den Moment nutzen, bevor der Feind sich
fangen kann. Doch in diesem Moment stößt sich
Burch von den Seilen weg und bringt seine 140 Kilogramm in
den Lauf wie ein Rhinozeros. Er fängt Jake in voller
Bewegung ab und rennt ihn mit einem Bodycheck um. Körper
gegen Körper, Fleisch gegen Fleisch.
Sven:
„Uff. Und mit einem Mal meldet sich Burch zurück.“
Jake
landet hart auf dem Boden, der Aufprall lässt seinen
Kopf auf die Matte peitschen. Das nächste, was Jake
spürt, ist ein pochender Schmerz in seiner Seite. Immer
und immer wieder landet der Stiefel des Unmenschen in seinen
Rippen. Burch tritt einfach weiter zu, ohne Emotionen, ohne
Hast, während Jake sich unter der Gewalt auf der Matte
zusammenkrümmt.
Jake
stöhnt. Er rollt sich zur Seite aus dem Ring und fällt
vom Apron auf den Bereich vor dem Ring. Er sucht etwas, wo er
sich hochziehen kann. Als Halt findet er ausgerechnet –
und symbolisch – das, was ihm heute keine Linderung
verschaffen wird. Nämlich den verwaisten Stuhl mit dem
Handtuch daran. Das niemand für ihn werfen wird. Kein
Wächter, der ihn rettet.
Im
Augenblick interessiert Jake jedoch etwas Anderes an diesem
Anblick viel mehr: Der Stuhl an sich. Er versucht, nach dem
Stuhl zu greifen und ihn als Waffe einzusetzen. Doch da
greift Burch ihn von hinten. Er reißt ihn vom Stuhl
weg. Hebt ihn an. Mit Leichtigkeit trägt Burch Jake um
den Ring herum. Dann wirbelt Burch seinen Körper herum
und gibt Jake Schwung mit.
Er
wirft Jake gegen die Fanabsperrung.
Jake
rutscht an ihr herunter wie ein Vogel, der gegen eine Scheibe
geflogen ist. Verdreht bleibt er zu den Füßen der
Front-Row-Zuseher liegen, die sich interessiert vorbeugen und
Fotos vom leidenden Mann vor ihnen machen.
Sven:
„Jetzt nimmt es den erwarteten Verlauf. Jetzt ist das
hier Kampfsport-Katastrophentourismus für die
GFCW-Galaxy.“
Aus
den Augenwinkeln sieht Jake, dass Burch näherkommt. Er
rollt herum und sucht verzweifelt. Nicht mehr nach einem
Ausweg – nein, diese Hoffnung hat er aufgegeben. Er
sucht nach etwas, das er als Waffe benutzen kann. Bevor
Burch ihn greifen kann, springt Jake auf. Er hechtet an dem
Monstrum vorbei und gelangt in dessen Rücken. In einer
fließenden Bewegung greift er nach der Ringschürze
und klappt sie hoch. In Eile kramt er nach etwas Nützlichem.
Er
findet einen Singapore Cane. Die Zuschauer werden lauter.
Die Vorfreude auf Gewalt macht sich breit.
Jake
dreht sich um und schlägt zu. Falsch. Er versucht es.
Doch da ist plötzlich eine Mauer. Eine fleischige Hand.
Burch fängt den Schlag ab, bevor Jake richtig Schwung
holen konnte. Mit weit aufgerissenen Augen starrt Jake auf
die Schlagwaffe, um die sich Burchs Pranke gelegt hat. Jakes
Lippen formen ein „Fuck.“
Burch reißt ihm den Cane weg.
Jake
bereitet sich auf die Prügelstrafe vor. Innerlich wie
körperlich. Er schließt schicksalsergeben die
Augen. Aber nichts geschieht. Stattdessen hört er ein
Knacken.
Burch
bricht den Cane entzwei. Es scheint für ihn ein Genuss
zu sein, zu sehen, wie Jakes letzte Waffe der Hoffnung in
seinen Händen zu nutzlosem Müll wird. Nun sind es
zwei Stücke, keine Schlagwaffe mehr. Er fixiert die
scharfkantigen, gesplitterten Bruchstellen mit seinen kleinen
Schweinsaugen.
Ohne
eine Regung in seinem Gesicht zu zeigen, rammt er das
gesplitterte Ende direkt in Jakes Brust.
Jake
brüllt. Der Schrei ist gellend und schneidet durch die
Halle. Er bricht auf die Knie ein und presst beide Hände
auf die Einstichstelle, während dunkles Blut bereits
beginnt, unter seinen Fingern herauszusickern. Mit zitternden
Fingern packt er die verbliebenen Holzsplitter, die noch in
seiner Haut stecken, und reißt sie heraus.
Jetzt
ist sie da: Die Pein, die er seit zwei Wochen befürchtet
hat.
Keuchend
versucht er, auf allen Vieren von Burch wegzukriechen. Sein
Blick sucht dabei instinktiv wieder die beiden Steel Chairs
am Ringrand. Da liegt es, das weiße Handtuch, das
einzige Symbol für ein Ende dieses Kampfes. Es wäre
so eine einfache Lösung. Ein Rettungsweg, und doch
bleibt er für ihn heute vollkommen unerreichbar. Der
Stuhl neben Shelly Nafe ist leer; niemand ist da, um nach dem
Stoff zu greifen und Jake vor dem zu bewahren, was nun
unweigerlich folgt.
Pete:
„Wie kann Jake diesem Kampf entkommen? Es scheint
keinen legalen Weg zu geben. Oder glauben wir ernsthaft
daran, dass ein Retter auftritt, der sich mit Burch anlegt
und dieses Handtuch wirft?“
Sven:
„Ich nicht. Denn ich bin klug.“
Burch
greift nach dem am Boden liegenden Jake. Er packt ihn im
Nacken und am Hosenbund, zerrt ihn auf die Beine und schiebt
ihn zurück in den Ring. Jake versucht sich schwach zu
wehren, doch seine Bewegungen sind langsam und unkoordiniert.
Kaum stehen beide wieder auf der Matte, ist Burch da. Er hebt
Jake hoch und schmettert ihn mit einem wuchtigen Bodyslam
zentral auf die Bretter. Der Aufprall lässt den Ring
erzittern.
Keine
Pause. Kein Durchatmen. Keine Gnade. Mit seinen schweren
Stiefeln tritt der Unmensch stumpf auf Jakes ein. Jeder Tritt
klingt wie dumpf.
Das
Opfer windet sich unter den Einschlägen, doch sein
Foltermeister packt ihn erneut, schleudert ihn mit einem
Irish Whip in die Ringecke. Burch nimmt Anlauf und presst
seine 140 Kilogramm mit einem massiven Corner Splash gegen
den Youngster. Jake sackt in sich zusammen.
Sofort
wieder hoch. Kein Durchatmen. Burch zerrt an ihm, schlägt
ihm mit der flachen Hand hart gegen die Brust und setzt einen
Sidewalk Slam an.
Jake
knallt erneut auf die Matte. Sein Körper wird schwer und
taub. Der unangenehme Geruch nach Schweiß und altem
Blut an Burchs Shirt ist allgegenwärtig, als sich der
Unmensch über ihn beugt.
Iray
tritt einige Schritte zurück. Er hockt sich in die
Ringecke und wartet. Dieses Spiel macht ihm Spaß. Was
für ein schöner Tag es geworden ist.
Und
Jake kommt hoch. Schwankend. Die Gelegenheit, die Burch haben
wollte. Die 140 Kilogramm stürmen wieder voran. Doch
plötzlich bewegt sich Jake. Ein letzter Rest Adrenalin
lässt ihn aufspringen. Er setzt zu einem Bocksprung an
und segelt gerade so über den herannahenden Burch
hinweg.
Der
Big Bad Bastard landet am Polster. Es gibt einen dumpfen
Aufprall.
Bevor
das Monstrum reagieren kann, dreht sich Jake um. Er legt
seine ganze verbliebene Kraft in eine verzweifelte
Clothesline. Der Einschlag trifft Burch am Hals und nutzt
dessen eigenen Schwung gegen ihn. Der Riese taumelt, verliert
das Gleichgewicht und wird über das oberste Seil nach
draußen gedrückt.
Pete:
„Jake schlägt zurück! Er zeigt, was in ihm
steckt.“
Burch
landet auf dem Hallenboden, direkt zu Füßen seiner
Managerin. Shelly bleibt völlig unbeeindruckt auf ihrem
Steel Chair sitzen. Sie sieht nicht einmal zu ihrem
Schützling hinunter. Ihr Blick ist ruhig wie eh und je.
Kurz schaut sie zu Jake, der sich an den Seilen hochzieht.
Das Blut an den Einstichstellen ist verwischt.
Als
Iray aufsteht, rennt Jake los. Federt in die Seile. Er wirft
sich zu Boden und kommt mit einem Baseball Slide aus dem Ring
geschossen.
Pete:
„Wäre er nicht so ein Arschloch, würde man
sagen, hier kämpft ein Underdog leidenschaftlich um sein
Leben. Jake steckt einfach nicht auf. Eine wirklich
ordentliche Leistung.“
Volltreffer.
Er stößt Iray mit Wucht zurück an die
Fanabsperrung. Diesmal ist es der Unmensch, der an den
Gittern herunterrutscht und einen Moment reglos liegenbleibt.
Unter seinem Gewicht macht die Rail den Eindruck, sie würde
umkippen.
Jake
rutscht aus dem Ring. Er nutzt das Zeitfenster und macht sich
wieder an der Ringschürze zu schaffen. Sucht verzweifelt
nach Gegenständen, die ihm gegen die körperliche
Überlegenheit helfen können. Nacheinander fördert
er einen kleinen schwarzen Sack, einen weiteren Cane und eine
Mülltonne zutage. Er wirft die Gegenstände
nacheinander in den Ring, jeder Flug im hohen Bogen wird von
den Zuschauern bejubelt.
Sven:
„Hier kommen die Waffen. Geil.“
Dann
dreht er sich zu Iray um. Doch es ist zu spät. Das
Monster ist schon wieder da und betrachtet ihn. Burch packt
ihn mit seiner massiven Hand am Hals, hebt ihn mühelos
an. Wirft ihn mit einer Chokebomb auf den Boden vor dem Ring.
Switzenbergs Co-Star stöhnt und bleibt liegen.
Burch
lässt nicht locker. Er zerrt Jake an den Haaren hoch und
schlägt ihm immer wieder die geschlossene Faust ins
Gesicht und an den bereits blutenden Oberkörper.
Stumpfer Treffer umd stumpfer Treffen. Die Lust auf Gewalt.
Jake
taumelt, seine Gegenwehr beschränkt sich auf schwache,
unkoordinierte Stöße, die an der massiven Gestalt
des Unmenschen einfach abzuprallen scheinen. Das Blut aus den
Stichwunden an seiner Brust vermischt sich mit dem Schweiß.
Verteilt sich über seine Haut, während die heftigen
Einschläge der fleischigen Fäuste seinen gesamten
Körper rot anlaufen lassen. Er wird wie Vieh um den Ring
getrieben, jeder Schritt ist eine Qual. Ein Ziel scheint
Burchs Trieb nicht zu haben. Es geht einfach nur in Runden um
den Ring. Schritt für Schritt, Schlag für Schlag.
Sven:
„Die Burch’sche Version einer Treibjagd. Und Jake
ist das Opfer.“
Zwischen
zwei harten Punches sieht Jake - von der Kraft der
Verzweiflung angetrieben - die Ahnung einer Gelegenheit. Ein
ganz kleiner Hoffnungsschimmer. Er bekommt den
Zeitnehmertisch zu fassen. Seine Finger schließen sich
verzweifelt um etwas,was dort liegt. Er reißt es vom
Tisch weg.
Es
ist die schwere metallene Ringglocke. Burch bemerkt es in
seinem Rausch der Gewalt nicht; er setzt bereits zum nächsten
Schlag an.
Mit
letzter Kraft reißt Jake die Glocke hoch und schmettert
sie gegen Burchs Schläfe. Ein helles, metallisches
Scheppern hallt durch die Arena. Doch das Monstrum reagiert
körperlich kaum. Burch steht einfach da, wie ein schwer
verwundetes Großwild, das noch nicht begriffen hat,
dass es abgeschossen wurde. Sein Blick bleibt leer und
starr. Er marschiert weiter auf Jake zu.
Jake
kann es nicht fassen, dass dieser Treffer nicht gereicht hat.
Er steigert sich in seine nackte Verzweiflung und schlägt
wieder und wieder zu. Das Metall trifft Fleisch und Knochen,
erneut und erneut, bis die Knie des Unmenschen schließlich
nachgeben und Burch schwerfällig zu Boden geht. Fast wie
in Zeitlupe.
Jake
blickt zu Nafe. Er fragt sich, ob seine Berserkerschläge
irgendeine Reaktion bei der Managerin hervorgerufen haben. Es
MUSS doch so sein. Aber Shelly Nafe sitzt weiterhin stumm und
starr auf ihrem Platz. Nur der Hauch eines Lächelns
zeigt sich in ihren Mundwinkeln. Das Handtuch zwischen
ihren Fingern ist nichts weiter als eine Requisite. Ein
Objekt ohne Zweck. Etwas, das sie niemals benutzen wird.
Fuck.
Dieser scheiß Iray. Diese scheiß Shelly. Zwei
verdammt kranke Freaks.
Fluchend versucht Jake, den massiven Körper von Burch
hochzubekommen. Er rollt den 140 Kilogramm schweren Mann
zurück in den Ring und rutscht mühsam hinterher.
Sein Blick wandert über die Matte zu den Gegenständen,
die er dort hingeworfen hat: der Cane, die Mülltonne und
das kleine schwarze Säckchen. Was zur Hölle ist
überhaupt in dem Säckchen? Eine Schlagwaffe
zumindest nicht, dafür ist es zu klein und weich.
Jake
greift nach dem Objekt und reißt es auf. Schüttet
den Inhalt auf die Matte. Es sind Reißzwecken, die sich
nun glänzend auf dem Canvas verteilen.
Pete:
„Oh, oh. Lass das nicht Iray sehen. Der wüsste
damit schlimme Dinge anzufangen.“
Erschrocken
weicht Jake zurück, als ihm eine der Zwecken beim
Herausrieseln in der Hand stecken bleibt. Er zieht sie
heraus, dann wirft er den Sack; nein, das ist nichts für
ihn.
Stattdessen
zur Mülltonne. Jake nimmt den Deckel ab und überlegt
kurz. Sein Plan steht. Er stülpt die offene Tonne über
den Kopf des noch liegenden Burch. Sitzt gut.
Der
Youngster federt in die Seile und nimmt Anlauf. Mit einem
harten Legdrop springt er gegen die Mülltonne und damit
direkt gegen Burchs Kopf. Das Metall wird durch den Impact
eingedellt und verbogen. Das Publikum raunt bei dem
scheppernden Geräusch.
Sofort
geht Jakes Blick wieder zu Nafe. Nichts. Die Wächterin
rührt sich nicht, um ihren Schützling zu erlösen.
Sie denkt nicht einmal über die Möglichkeit nach.
Im Grunde ist dies ein Kampf, bei dem es keinen Gewinner,
keinen Verlierer geben kann. Die eine Wächterin wird
ihre Funktion nicht ausüben - und Jake ist ohnehin
allein.
Hollywood
Jake: "Was denn noch, huh? Soll ich ihn umbringen? Wirf
das Handtuch!"
Keine
Reaktion.
Hollywood
Jake: "Das Handtuch. Das Handtuch, du
Hure."
Raunen
beim Schimpwort. Aber nur im Publikum. Nafe bleibt unbewegt.
Sie nimmt es hin, streicht beiläufig über das
Handtuch wie über Katzenfell und schlägt die Beine
übereinander, um bequemer zu sitzen.
Jake
rauft sich die Haare, sein Atem geht stoßweise. Es
nützt alles nichts. Diese verdammte Welt, dieses scheiß
Wrestling. Die fette Sau zu seinen Füßen, die
regungslose Fotze draußen auf dem Stuhl. Alles ist
schrecklich.
Er
greift sich wieder die Mülltonne und stülpt sie
Burch, der sich mühsam regt, erneut über den Kopf.
Diesmal federt er nicht in die Seile. Er schleppt sich in die
Ecke und klettert schwerfällig auf das Top Rope. Er will
Burch von oben zermatschen, ihn mit seinem gesamten Gewicht
endgültig ausschalten. Wenn es sein muss, bringt er
dessen Schädel zum Platzen. In seinem Geist gibt es
keinen anderen Ausweg mehr.
Pete:
„Jake will den Legdrop noch einmal zeigen. Von ganz
oben.“
Doch
gerade als er zum Sprung ansetzen will, kommt Burch hoch. Er
reißt sich die zerbeulte Tonne vom Kopf und starrt Jake
aus den kleinen, regungslosen Augen an. Das Tier leckt sich
langsam über die Lippen. Er kostet die Gewalt des
Augenblicks. Es schmeckt ihm.
Dann
nutzt er die schwere Metalltonne als Wurfgeschoss. Das Metall
trifft Jake mit voller Wucht, während er schutzlos auf
dem obersten Seil balanciert. Jake verliert das
Gleichgewicht, rudert kurz mit den Armen und stürzt
ungebremst von der Ecke zurück auf die harte Matte.
Der
Vormarsch des Außenseiters ist beendet.
Burch
packt Jake an den Knöcheln und zerrt ihn wie ein Stück
totes Fleisch in die Ringmitte. Dann klettert das Monstrum
selbst auf das Seil. Er reißt sich das verschmutzte
steife Shirt vom Leib. Entblößt seinen fetten,
verschwitzten Oberkörper. Auf seiner Haut der tätowierte
Turm, das Symbol von Pein und Gewalt.
Kurz
ragt Burch über dem am Boden liegenden Jake auf, bevor
er sich mit seinem vollen Gewicht fallen lässt.
BIG
SPLASH!
Der
Big Splash zerquetscht Jake unter der massiven Last von 140
Kilogramm. Jakes Körper reagiert nur noch reflexartig;
er krümmt sich in der Embryonalhaltung zusammen.
Burch
sitzt auf der Matte. Er atmet schwer. Wirkt wie erregt von
der Hölle seines Gegners. Gar ein Anflug eines Lächelns
zuckt in seinen Mundwinkeln – sofern Tiere denn Lächeln
zustande bringen können.
Er
stemmt sich auf. Es geht weiter. Die Zerstörungsmaschine
läuft. Immer und immer weiter. Nichts kann ihm Einhalt
gebieten. Unbeirrt steigt er abermals auf das Seil.
Ein
zweiter Big Splash folgt. Jake bleibt regungslos liegen.
Da
ist kein Kampfgeist mehr in ihm, keine Kraft für einen
weiteren Atemzug. Die Kamera fängt kurz den leeren Stuhl
mit dem Handtuch ein.
Pete:
"Ein Symbolbild. Niemand ist da, um das Zeichen der
Aufgabe zu geben und ihn zu retten. Oh mein Gott."
Es
ist noch nicht vorbei.
Burch
geht nun zum Säckchen mit den Reißzwecken. Er
greift hinein. Seine Pranken wühlen darin herum, das
Stechen und Pieksen spürt der Unmensch nicht.
Er
streut die kleinen, spitzen Metallstifte großflächig
über Jakes Körper aus. Das Publikum in der Halle
erhebt sich aufgeregt von den Sitzen. Ja, man wollte Jake
leiden sehen. Aber so? Engelchen und Teufelchen auf der
Schulter der Zuschauer. Die perverse Lust auf Gewalt und
Mitleid für einen Mitmenschen ringen miteinander.
Ein
drittes Mal steigt Burch nun auf das Seil. Diesmal mit einem
Thumbtackgespickten Opfer unter ihm. Er ist bereit, sich
selbst als Hammer zu nehmen, um hunderte kleine Nadeln in den
Leib des gepeinigten zu drücken.
Die
Zuschauer halten die Luft an.
…
...
Da
passiert etwas Unerwartetes.
Shelly
Nafe steht auf. Sofort liegt alle Aufmerksamkeit auf ihr.
Iray Burch hält inne. Selbst Mike Gard wendet ihr den
Kopf zu.
Sie
nimmt ihr Handtuch und legt es vorsichtig auf dem Stuhl ab.
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken.
Dann
geht sie zum Stuhl neben ihr. Sie greift mit ihren perfekt
manikürten Händen nach dem anderen Handtuch. Dem
von Jake. Das wächterlose, verwaiste Stück Stoff.
Pete:
„Was tut sie da? Hä?“
Sie
hebt Jakes Handtuch an. Hält es hoch, so dass jeder es
sehen kann. Dann geht ihr Blick in den Ring. Zu Iray. Und zu
Mike Gard.
Shelly
Nafe wirft Jakes Handtuch zu Boden. Sie erlöst ihn. Sie
ist die Wächterin.
Nach
einem Moment der Stille und Starre handelt Mike Gard. Er
lässt die Ringglocke läuten.
Sieger
des Matches: Iray Burch!
Er
hat es überstanden. Aber warum?
Hollywood
Jake setzt sich auf und blinzelt mit den Augen. Er sieht Iray
Burch auf dem Top Rope. In der Bewegung eingefroren.
Sein
Blick fällt zur Seite. Auf Shelly Nafe. Er sieht das
Handtuch zu ihren Füßen und bemerkt, wie Iray sie
anstarrt. Da beginnt er zu verstehen: SIE hat ihn gerettet. Sie
war seine Wächterin.
Aber
es scheint keinen Sinn zu ergeben.
Jake
wischt die Reißzwecken von seinem Körper. Er schmiert
das Blut von seiner Brust auf der Matte ab. Wirklich trauen kann
er dem Frieden nicht.
Wird
Burch, das Monstrum auf dem Top Rope, wirklich nicht springen? Er
bringt sich besser in Sicherheit, krabbelt in die
gegenüberliegende Seite. Aus sicherer Entfernung sieht er,
wie Shelly Nafe die Ringtreppe aufsteigt.
Sie
geht zu Iray Burch. Redet auf ihn ein. Der Unmensch schnauft. Er
ist aufgebracht. Er kann nicht verstehen, was geschehen ist.
Seine eigene Managerin nimmt ihm das Spielzeug. Zum ersten Mal
blicken seine kleinen toten Augen Nafe so an, wie er es sonst bei
seinen Opfern tut. Gefahr liegt in der Luft.
Nates
Ansprache an Burch wird vertrauenswürdiger. Sie legt ihre
kleine Hand auf seinen verschwitzten Arm, spricht auf ihn ein. Er
grunzt. Schüttelt den Kopf. Deutet wieder auf Jake.
Ist
es doch nicht vorbei?
Burch
klettert von der Ringecke herunter. Er läuft auf Hollywood
Jake zu. Seine Pranken schießen vor.
Da
ertönt in seinem Rücken eine Stimme.
Shelly
Nafe: “Nicht ihn, Iray.”
Behutsam
zieht sie ihn zurück. Aber der Unmensch schüttelt ihren
Arm ab.
Shelly
Nafe: “Ich finde dir jemand anderen. Versprochen.”
Sekunden
verstreichen, in denen der Big Bad Bastard stumm überlegt.
Er versteht Nafes Motiv nicht. Niemand tut das. Nicht die
Zuschauer. Nicht einmal Jake selbst.
Nach
endlos erscheinenden Momenten wirbelt Burch herum. Er drückt
sich an Nafe vorbei. Und stürmt aus dem Ring. Es war knapp.
Aber sie hat ihn noch einmal kontrollieren können.
Jake
ist sprachlos. Vor Erstaunen. Vor Erleichterung. Er atmet schwer.
Mit klackenden Schritten kommt Shelly ihm näher.
Verschont
geblieben. Jake blickt an seinem Körper herunter. Das Blut
auf seiner Brust, der schmerzende Leib. Aber im Grunde hat sie
recht: Es hätte schlimmer kommen können. Er kann noch
stehen. Kann noch atmen. Und Burch ist weg.
Shelly
Nafe: “Aber du solltest dir besser eine andere Frage
stellen.”
Sie
zieht etwas aus ihrer Tasche. Drückt es Jake in die Hand.
Shelly
Nafe: “Ob du vielleicht im falschen Team bist.”
Nafe
wendet sich ab und stolziert davon. Der Zurückgelassene
blickt auf den gleichen Gegenstand, den Nafe ihm gegeben hat.
Das
Objekt in seiner Hand ist eine Visitenkarte.
Vor
der Interviewwand steht stolz wie Oskar der Mann namens Mac Müll,
der vermutlich nicht Oskar Mac Müll heißt, aber wer
weiß das schon so genau? Was wohl der Grund für die
Freude von Mac Müll ist? Also abgesehen davon, dass er mal
wieder ein Interview führen darf, allzu oft war das zuletzt
ja nicht der Fall. Seine Kollegin Tammy ist gefühlt deutlich
regelmäßiger im Einsatz und steht höher im Kurs
als er. Grund genug für Mac Müll nun einen auf extra
lebhaft zu machen.
Mac
Müll: „Hallo Leute! Wer glaubt nur Tammy könne
tolle Interviews führen, irrt sich! Ich kann es auch! Genau
jetzt! Und zwar mit dem Leitstern aller Sterne! Der Frau, die
heute im größtmöglichen Match ihr größtmögliches
In Ring Debüt geben wird! Stella Nova!“
Fürwahr,
neben Mac Müll, da steht sie. Die Frau, die für so viel
Gesprächsstoff in den sozialen Medien gesorgt hat. Die Frau
mit den massiven orangenen Flechten im knappen Top mit
Sternausschnitt und kometenhaften Schurz, die heute in ihrem
allerersten GFCW Match prompt Champion werden kann –
Doppel-Champion. Denn sie ist bereits ein Champion. WFWs
Temptation Champion, was der Women’s World Title unter
anderem Namen ist. Und nicht nur das, sie ist auch
Rekordchampion. Kein Wunder also, dass The End Interesse daran
hat, sie als Gegnerin zu haben, um seinen eigenen Anspruch zu
untermauern der Beste zu sein.
Stella
Nova: „Mir scheint im Gegensatz zu dieser Tammy erkennst du
wahre Strahlkraft, wenn du in ihrer Gegenwart bist. Erfreulich zu
wissen, dass nicht alle Interviewer hier inkompetente Nervensägen
sind, die einen dumm von der Seite anquatschen.“
Mac
Müll hat ein seliges Lächeln im Gesicht und die Freude
treibt ihm fast die Tränen in die Augen. Er wird gelobt und
Tammy niedergemacht. Davon hat er so oft geträumt und nun
erlebt er es tatsächlich. Genugtuung. Ek-sta-se.
Mac
Müll: „Ich bin mir sicher, die meisten sind heiß
auf dein Debüt heute, auch wenn es ja nicht bei allen gut
angekommen ist, dass du dich kurzfristig noch in das Titelmatch
hineingeredet hast.“
Der
erste Teil des Satzes war lauter als der zweite, dabei ist es
unweigerlich eigentlich dieser zweite Teil des Satzes, der den
Diskurs in den sozialen Netzwerken bestimmt hat. Aber Mac Müll
traut sich kaum es überhaupt auszusprechen, ist ihm doch
sehr wohl bewusst, wie es letzte Show Pete und Sven erging. Aber
zu Mac Mülls Erleichterung wird Stella nicht aggressiv,
sondern lächelt nur schwach.
Stella
Nova: „Sind wir mal kurz ehrlich: gibt es eine bessere
Herausforderin als mich?“
Mac
Müll öffnet den Mund, um zu antworten, aber Stella ist
schneller.
Stella
Nova: „Eine rhetorische Frage, natürlich gibt es keine
bessere Herausforderin als mich. Champion gegen Champion –
größer geht es nicht. Ich werde mich sicher nicht
dafür entschuldigen, dass ich sämtliche Optionen, die
GFCW bietet, mühelos überstrahle.“
Ihr
Lächeln wird breiter – und unweigerlich etwas
gehässig.
Stella
Nova: „Also ganz abgesehen davon, dass es ja ohnehin gar
keine GFCW Optionen gab. Ask Skógur hat sich geziemt und
sein Bestes getan, um das ihm angetragene Match nicht bestreiten
zu müssen. Robert Breads lässt seine Karriere lieber
gegen DISZ ausklingen, anstatt als letztes Huzzah noch einmal um
das Gold anzutreten. Jason Crutch hat nach dem Verlust seines
Intercontinental Titles das Weite gesucht, Drake Nova Vaughn ist
verschollen, Zereo Killer und Morbeus sind mit dem Tag Team Titel
beschäftigt, Aiden Rotari im Krankenhaus, wenn nicht im
Rollstuhl. Darragh Switzenberg ist als Midcard Champion per
Definition weit davon entfernt im GFCW World Titelgeschehen etwas
zu suchen zu haben… wer ein Problem damit hat, dass ich
problemlos ins größte Match der Anniversary Show
spazieren konnte, sollte seinen Zorn vielleicht darauf lenken,
dass es nicht einmal Widerstand gab, gegen den ich mich hätte
beweisen müssen. Immerhin ist die einzige andere willige
Herausforderin auf den GFCW World Title so wie ich kein
wirklicher Teil dieses Rosters.“
Mac
Müll will einhaken, aber Stella lässt ihn nicht zu Wort
kommen. Sie redet jetzt und zwar über das, worüber sie
reden will: sich selbst.
Stella
Nova: „Noch dazu ist es wohl das Natürlichste der Welt
wenn man den Leitstern des Professional Wrestling auf gebührende
Weise debütiert – und damit den Ticketverkauf noch
weiter anfeuert und die Präsenz in den sozialen Netzwerken
stärkt. Über mein Debüt im World Title Match der
Anniversary Show wurde vielerorts gesprochen. Mehr als über
alles andere. So funktioniert dieses Geschäft namens
Wrestling nun einmal. Zwar ist sicherlich nicht jede Art von
Aufmerksamkeit gute Aufmerksamkeit, aber wenn ich der
Quell der Aufmerksamkeit bin, dann auf jeden Fall. Schließlich
ist meine Großartigkeit auf den ersten Blick ersichtlich
und folglich höchst werbewirksam. Sind wir mal kurz
unverblümt ehrlich, Mac Müll: Wer mich länger als
fünf Minuten erleben muss, um zu erkennen welch Bereicherung
ich für eine jede Promotion bin, braucht einen Termin beim
Optiker – oder alternativ beim Neurologen.
Mac
Müll möchte hier einhaken, etwas Lobendes sagen, um
selber auch wieder gelobt zu werden, aber Stella fährt
weiter fort und lässt ihn zum Mikrofonhalter verkommen. Sie
hat ihn zwar gerade namentlich angesprochen, aber nicht etwa um
ein Gespräch zu führen, sondern nur um ihn vollends für
sich zu vereinnahmen.
Stella
Nova: „Zugegeben, es ist ein gravierendes, um nicht zu
sagen peinliches Problem, dass GFCWs Roster trotz allem
Testosteron keine eigenen Herausforderer auf den Titel stellen
kann, aber zum Glück gibt es ja für dieses Problem eine
Lösung – mich! Und ich bin natürlich keine
Notlösung, sondern die Ideallösung. Ich bin schließlich
nicht hier, um den Titel zu gewinnen und in eine andere Promotion
zu entführen. Nein, ich bin hier, um WFW und GFCW
gleichermaßen zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Anniversary
Show feiert die Vergangenheit, aber sie stellt auch die Weiche
für die Zukunft. Und diese Weiche für die Zukunft bin
ich.“
Sie
sagt diese Worte nicht mit arrogantem Unterton oder überheblicher
Theatralik, sondern so als ob sie den Wetterbericht mitteilt. Ihr
erstes Match bei GFCW wird mit ihr als Doppel-Champion enden und
so Geschichte schreiben.
Stella
Nova: „Es ist doch wahrlich geradezu Poesie des Schicksals:
Am heutigen Abend, an dem einer der größten Sterne
dieser Promotion erlischt, da beginnt ein neuer, besserer und
hellerer Stern die GFCW Galaxy vollends zu erhellen. Ein Stern
der Hoffnung, welcher den Todesstern namens The End bezwingen und
eine neue Ära einleiten wird. Milch und Honig werden nicht
fließen, aber mit mir als Champion steht GFCW eine goldene
Zukunft bevor. Mit mir als Champion werden alle dieses Gold
wollen – sei es, weil sie sehen, dass es mit mir
sportlichen Wettstreit jenseits der höchsten aller
Messlatten gibt oder auch nur, weil man es peinlich findet, dass
eine Außenstehende bei der Anniversary Show das Gold
gewonnen hat und man dies korrigieren möchte. So oder so:
mit mir als Champion wird es keinen Mangel an willigen
Herausfordern geben. Wer GFCW liebt, sollte also den Gedanken
lieben mich als Champion zu haben. Und warum darauf warten, wenn
man es direkt haben kann? Vorfreude ist eben nicht die schönste
Freude, nein, die schönste Freude ist, wenn das Erwünschte
geschieht und zwar genau so, wie man es sich erwünscht hat.
Und mit mir als Champion wird GFCW wunschlos glücklich.“
Ein
vielsagendes Zwinkern gen Kamera – aber vor allem endlich
eine Redepause, die lange genug ist, dass Mac Müll seinen
Job als Interviewer wieder ausführen kann.
Mac
Müll: „Weise Worte! Ich bin sicher Ihr habt Euch auch
bereits eine nicht minder weise Matchstrategie überlegt!
Werdet ihr euch auf The End konzentrieren? Oder eure Fehde mit
Monica Shade fortführen? Oder beide gleich?“
Stella
runzelt die Stirn, auch wenn davon ob ihres Ponys nichts zu sehen
ist.
Stella
Nova: „Es wäre mir neu, dass ich eine Fehde mit Monica
hätte. Eigentlich wollen wir beide nur unabhängig
voneinander dasselbe: den GFCW World Title. Wir stehen uns heute
nicht als Gegnerinnen in einer Fehde gegenüber, sondern als
Rivalinnen im Kampf um dasselbe Gold. Nicht mehr, aber ganz
sicher auch nicht weniger. Es geht einzig und allein um den GFCW
World Title.“
Mac
Müll nickt – und wird unruhig. Denn es gibt eine
Frage, die er nun stellen muss und wohl oder übel lässt
ihm Stella die Zeit das auch zu tun.
Mac
Müll: „Und was, wenn es mit dem Titelgewinn nicht
klappt? Also… rein hypothetisch gesehen?“
Mac
Mülls Gesicht sagt soviel wie „bitte hau mich nicht“.
Stella
Nova: „Es wird klappen.“
Sagt
es und geht davon. Mac Müll atmet erleichtert auf und hat
nun sein seliges Lächeln zurück im Gesicht. Nun wo die
Gefahr gebannt ist, kann er sich vollends über das Lob in
seine Richtung freuen. Das wird er Tammy bei Gelegenheit mal so
richtig unter die Nase reiben. Gerne mehr davon.
Vor
einer Interviewleinwand, prominent mit dem Logo der 25th
Anniversary Show in der Mitte und nebendran mit den Emblemen der
Sponsoren, steht unsere allseits bekannte Interviewerin Tammy und
lächelt in die Kamera.
Sogleich
wird auch ihr Gesprächspartner ins Bild gerückt.
Mittlerweile trägt er seine dunkle Wrestlinghose, die
schwarzen Stiefel und eine rotweiße Trainingsjacke, auf der
lediglich auf Brusthöhe in Rot der Name „Mad Dog“
steht. In seinem vollbärtigen Gesicht liegt eine gewisse
Gelassenheit, selbst wenn ihm das Gespräch mit Ben Slate
noch nachgeht.
Tammy:
„Gleich werden wir das zweite Match vom Night Fighter Mad
Dog erleben – oder wenn man so will – das erste Match
nach seiner Vertragsunterzeichnung. Vier Jahre nicht im Ring
gestanden, dann Robert Breads besiegt – nun mit Iokepa eine
ganz andere Aufgabe vor der Brust. Wie sind deine Gedanken zum
heutigen Match?“
Kurz
blickt er der nur sechs Jahre jüngeren Reporterin in die
Augen, dann dreht er den Kopf leicht. Feurig leuchten seine Augen
auf.
Mad
Dog: „Ich freue mich… nein, ich bin sogar richtig
heiß drauf! Ich bin zurückgekommen, um wieder in den
Ring zu steigen – um mich mit anderen zu messen, das
Adrenalin zu spüren, alles für den Sieg zu geben. Und
Iokepa hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dafür wird
er heute die Tracht Prügel bekommen, die er verdient. Bisher
hat er lediglich Forderungen gestellt und Anschuldigungen
verteilt – eine, dass ich den Main Event gegen Breads nicht
verdient hätte, die andere, dass ich für den Ring zu
alt sei… Große Worte, während auf seiner
Habenseite nur die zwei Siege gegen Viggo und Kavinsky und eine
Niederlage gegen Celo Marx stehen…“
Tammy:
„Wenn ich da kurz einhaken darf…“
Der
Night Fighter unterbricht seinen Redefluss nur ungerne, verstummt
aber dennoch ob Tammys weiblichem Charme.
Tammy:
„Die Niederlage gegen Marx in der letzten Show –
viele Beobachter halten dein Mitwirken für ausschlaggebend.“
Ein
Lachen halt durch Gänge. Es ist das der unbekannten
Konstante.
Mad
Dog: „Natürlich war mein Mitwirken ausschlaggebend; so
wie es heute ausschlaggebend sein wird. Aber ich war es nicht,
der sich davon hat beeinflussen lassen – es war der Junge!
Es waren seine Unerfahrenheit und emotionale Instabilität.
Scheinbar triggere ich ihn so sehr, dass er sich nicht mehr auf
das Wesentliche konzentrieren kann. Das GFCW Office hatte also
recht: Er ist noch nicht bereit, bei den Großen
mitzuspielen. Und das wird ihm heute ein zweites Mal bewusst,
nachdem ich ihn bis Drei auf der Matte gehalten habe.“
Tammy
legt den Kopf nach links und rechts. Sie scheint noch nicht
zufrieden mit der Aussage.
Tammy:
„Ihn auf der Matte zu halten, fiel dir aber in dem Brawl
nach dem Match durchaus schwer. Er hatte auf viele Manöver
von dir eine Antwort – wie ist also deine Strategie gegen
den schnelleren, wendigeren und wesentlich jüngeren von euch
beiden?“
Die
unbekannte Konstante rollt entnervt mit den Augen.
Mad
Dog: „Wer Strategien macht, hat Angst.“
Tammy
schaut ihn überrascht an; mit dieser Antwort scheint sie
nicht gerechnet zu haben.
Mad
Dog: „Was soll das, huh?! Klar, als ich jung war, habe ich
mir auch dieses oder jenes überlegt. Aus Unerfahrenheit, um
scheinbare Sicherheit zu haben oder weil es alle machen. Was für
scheiß Begründungen! Ich habe hunderte von Kämpfen
bestritten, ich habe jedwede Situation im Ring erlebt… ich
habe seine Matches gesehen, ich weiß, dass er schnell und
agil ist. Ob ich ihm dann gleich die Beine nehme, damit er seine
Moves nicht mehr anbringen kann, oder mit Powermoves die Luft,
damit er lahm wird, ob ich mal aus dem Ring gehe, um seinen Fluss
zu brechen… Tausende Möglichkeiten. Wieso soll ich
mich festlegen, huh?! Mir meine Freiheit nehmen? Ich schau, was
geht und was nicht geht. Intuitiv, spontan. Ich hab‘ den
Instinkt, den man nicht verlernen kann und den das Alter einem
nicht nimmt. Schau dir meine Matches an. Ich bin die unbekannte
Konstante – auch im Ring.“
Die
Beißer werden gefletscht, die Muskeln angespannt. Iokepa
kann sich auf etwas gefasst machen, wenn er ihm gleich
gegenübertritt.
Tammy:
„Ist es aber nicht gerade diese Unberechenbarkeit, die zum
Beispiel Zereo Killer hat letzte Show zögern – oder
die auch Ben Slate zu Beginn der Show an deiner Aufrichtigkeit
hat zweifeln lassen.“
Der
verrückte Hund legt den Kopf schief und lässt seine
Nackenwirbel knacken.
Mad
Dog: „Was Ben Slate von mir denkt, ist mir erstmal egal –
bei Zereo ist das anders. Wir haben diese gemeinsame
Vergangenheit, und auch wenn diese von Hass, Blut und
Abscheulichkeit geprägt war, so verbindet sie doch…
ich bereue Dinge, die ich ihm damals angetan habe, wobei auch er
kein Kind von Traurigkeit war. Ich will nur nochmal daran
erinnern, dass ich damals, hier in der GFCW, bejubelt wurde, als
ich mich gegen ihn stellte und er wegen mir den Titel verlor. Er
hingegen wurde in der PCWA bejubelt. Verkehrte Welt, huh?! Die
Leute hier hassten ZK damals, weil er bei der 15th Anniversary
gegen Johnboy Dog seine Ideale verraten hatte. So wie mich die
Leute zu der Zeit in der PCWA gehasst haben, weil ich nicht mit
Azrael fuckin‘ God Rage zusammen kämpfen wollte. Und
wir beide?! Wir haben uns nichts geschenkt, sind mehrfach
miteinander in den Ring gestiegen. Hier und dort.“
Tammy
will eine weitere Frage stellen, aber jetzt lässt sich der
Night Fighter nicht mehr unterbrechen.
Mad
Dog: „All das ist ein Teil von mir! All das bin ich! Ich
bin nämlich kein Danny Rickson mit seiner Refuse to Age
Kacke, die ihn vergessen lässt, wer er ist, und vollkommen
entgegen seiner Instinkte agieren lässt. Erst als er wieder
auf sich und seinen Instinkt vertraut hat, konnte er Pexianer
bezwingen – der Bullshit davor hat ihn an den Rand einer
Niederlage gebracht. Fehlt nur noch, dass er abends wieder mit
20jährigen auf irgendwelchen Studentenpartys rumhoppst und
nach der Fickerei mit ihnen diskutieren muss, ob sie bald aus dem
Elternhaus ausziehen oder wer in der WG das verschissene Klo
schrubbt... Einfach lächerlich! Ich kämpfe heute nicht
gegen drei Gegner, Iokepa, mein Alter und meine Vergangenheit.
Nein, ich kämpfe mit meinem Alter, mit meinen Erfahrungen,
mit meinen über Jahre geschärften Instinkten! Nichts
davon ist schwächer geworden, nichts von all dem Schrecken
hat mich schwächer gemacht – und dieses Großmaul
Iokepa, der weder etwas in seinem Leben erreicht noch erlebt hat,
wird diese Stärke gleich auf die schmerzhafteste Weise zu
spüren bekommen!“
Tammy
ist ein bisschen zurückgewichen, während sich die Töle
in Rage redete. Nun macht sie wieder einen Schritt an sie heran.
Tammy:
„Der Altersunterschied spielt also für den Ausgang des
Matches keine Rolle…“
Nun
ist es MD, der die Reporterin unterbricht.
Mad
Dog: „Das habe ich nicht gesagt. Schau: Spielt das Alter
der Reporterin für die Qualität eines Interviews eine
Rolle?“
Tammy
fühlt sich sogleich ertappt und an die letzte Show sowie ihr
Zusammentreffen mit Robbin Zick erinnert. Ihre Wangen färben
sich leicht rot.
Mad
Dog: „Vielleicht würde ein junges Püppchen mehr
Teenies vor die Bildschirme holen, huh?! Aber bessere Fragen
stellen, schneller Interviewpartner finden, mit schwierigen Typen
umgehen, problematische Themen ansprechen?! Wohl kaum – und
kein wahrer Mann, der nicht seiner Jugend hinterher weint, wird
deine Attraktivität leugnen. Und so wie du aufgrund deiner
Erfahrung jüngere Konkurrentinnen ausstichst, werde ich es
mit Iokepa machen.“
Das
Kompliment der Töle zaubert ein Lächeln auf das Gesicht
der Reporterin, denn dank ihrer beider Alter wirkt es noch nicht
einmal so, als wäre dieses mit irgendwelchem Hintergedanken
geäußert worden.
Tammy:
„Und wenn das heute Nacht gelingt, nimmst du die
Herausforderung von The End doch noch an.“
Ein
entschlossenes Nicken beim Kämpfer der Nacht.
Mad
Dog: „Ob er nach dem heutigen Tag noch Champ ist oder
nicht, ich würde mich auf ein Match gegen ihn freuen, ja!
Wenn es nach mir geht, könnten wir bei einer der kommenden
Ausgaben von War Evening die Klinge kreuzen. Aber ja, genau, auch
dafür ist das heutige Match gegen Iokepa entscheidend.“
Die
Reporterin nickt ebenso. Verstehend. Während sie ihm ein
abschließendes Lächeln schenkt, legt sie ihre Hand
kurz aufmunternd zwischen seine Schulterblätter.
Tammy:
„Dann wünsche ich dir dafür viel Erfolg!“
Vivian
Tolnai: „Manche Umwege sind so groß, sie sind werden
ihr eigenes Abenteuer.“
Unser
Tolnai’sches Videotagebuch ist zurück. An diesem
Abend, der 25th Anniversary Show, hat auch sie, die irgendwann
Mac Müll und Tammy beerben könnte, ihre Rolle –
und zwar ihre Reise zu einem Ort oder Punkt, den wir noch nicht
kennen.
Sie
schreitet durch die Dortmunder Innenstadt. Die Sonne scheint.
Wenige Wolken sind am Himmel auszumachen. Sie ist zügig
unterwegs. Die Kamera hält im Gleichschritt mit ihr mit.
Vivian
Tolnai: „Das gilt auch für den Mann, dessen Karriere
sich bald ihrem Ende neigt. Im Gegensatz zur GFCW hat es die PCWA
leider nicht geschafft, ein Vierteljahrhundert lang zu
existieren, aber das soll nicht heißen, dass man sie
vergessen hat. Weder hat Robert Breads sie vergessen, noch hat
man ihn in Berlin vergessen.“
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SHADOW
(debütierte
im gleichen PCWA Brawlin‘ Rumble den Breads gewann)
Das
GFCW - Kamerateam hat sich bei recht unwirtlichem Winterwetter
vor dem verschlossenen Tor einer großen Liegenschaft
eingefunden, von der in der Ferne einige unbeleuchtete große
Gebäude auszumachen sind. Das ehemalige PCWA Areal liegt
verlassen da … nur die Kameracrew ist hier … und
er. Schwarz gekleidet wie immer, die langen dunklen Haare vor dem
Gesicht. Shadow.
Er
blickt gedankenverloren hinter den Zaun, scheint in alten
Erinnerungen zu schwelgen. So tief, als würde er das Team
nicht bemerken. Und das die Aufnahme bereits läuft. Doch
dann:
Shadow:
„Erinnerung ist eine Form von Begegnung … Vergessen
eine Form von Freiheit … irgendwo dazwischen ordne ich für
mich persönlich Canada’s Own ein. Eine Präsenz
seiner Zeit. Jemand, der als Triple Crowner der PCWA sowohl
verschnörkelte Zeilen im Geschichtsbuch der Liga
hinterlassen hat … als auch Kleckse. Nun geht der große
Robert Breads also .. und was bleibt? Was lässt er zurück?“
Jetzt
dreht sich das unergründliche Dunkel dann doch zur Kamera
um. Der nachtschwarze Vorhang der langen Mähne lässt
keinen Blick auf das Gesicht dahinter zu. Nur die Stimme ist
hörbar.
Shadow:
„Bin ich überhaupt in der Lage, etwas über ihn zu
sagen … sagen zu dürfen … wo sich unsere Wege
doch nur so geringfügig kreuzten? Er … der mich bei
meinem allerersten PCWA-Match für den großen Triumph
aus dem Ring warf … um dann ein paar Jahre später
festzustellen, dass er mich verbal nicht übertrumpfen
konnte. Quid pro quo.“
Ein
leichtes Glucksen erklingt. Dann…
Shadow:
„Es heißt nicht umsonst, dass es keine zufälligen
Treffen gäbe. Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein
Test, eine Lektion oder eine Geschenk … und wiederum ordne
ich dich irgendwo dazwischen ein, Robert Breads. Du kehrst zurück
zu den Gestaden, wo einmal alles begann. Kreise und Türen
schließen sich … um wieder Platz zu machen für
neue Herausforderungen. Jenseits denen, welche man schon kennt.“
Der
Schatten greift in eine seiner Hosentaschen und fördert eine
Bügelflasche voll Malzbier hervor. Mit dumpfen „Plopp!“
öffnet er sie und prostet in die Kamera.
Shadow:
„Robert Breads … Auf dich!!! … alles Gute!!!“
Shadow
setzt an und nimmt einen kräftigen Schluck. Dann blendet die
Szene auch schon ab …
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MAD
DOG (die
unbekanntewichtigste
Konstante der PCWA-Geschichte)
Im
nächsten Schnitt kommt die unbekannte Konstante ins Bild.
Eine nachdenkliche Miene zeichnet sein Gesicht.
Mad
Dog: „Robert ist definitiv einer der ganz Großen im
Wrestling. Seine Erfolge, seine Titel - das alles spricht für
sich. Dazu gibt es wenig zu sagen - außer chapeau!“
Der
Night Fighter senkt das Haupt und greift sich an den imaginären
Hut.
——-——
Mad
Dog: „Wie man in Hagen mit ihm umgesprungen ist… Das
hat er nicht verdient.“
MD
schüttelt den Kopf, kurz blitzen gar aggressiv die Beißer
auf.
Mad
Dog: „Ich mein, auch wir beide waren weit davon entfernt
immer derselben Meinung zu sein… aber dieses Einmischen
von offizieller Seite kann ich nicht nachvollziehen. Der Mann hat
seine Karriere gelebt, er hat die GFCW getragen; jetzt steht
Robert kurz vor seinem Karriereende, dann soll man ihn doch bitte
auch lassen.
Er
hat all das verdient! Und er ist einer der wenigen - vielleicht
sogar der Einzige, der solch einen Abschied auf die Beine
gestellt hat…“
Kurz
denkt er an die letzte Show der PCWA - der Gewinn des silbernen
Titels, die Versöhnung mit Yai. Irgendwie ein Happy End…
und doch irgendwie auch nicht.
Stimme
aus dem Off: „Sind
sie neidisch?“
Der
Hund lacht auf. Dann nickt er.
Mad
Dog: „Ein bisschen schon, ja.“
——-——
Mad
Dog: „Die PCWA Zeit, huh?! Er kam, sah und siegte…“
Wieder
lächelt der Hund, weiß, dass ihr Duell in Bochum ihr
letztes gewesen ist.
Mad
Dog: „Er hat der PCWA seinen Stempel aufgedrückt, mit
seiner Kritik, seiner Gradlinigkeit - mit dem Willen das
Wrestling in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich ist er
bei all den Irren zu jener Zeit auch an Grenzen gestoßen -
und dennoch werden vor allem seine Schlachten gegen Kriss Dalmi
neben seiner Regentschaft als Gerasy Champion für immer in
der Erinnerung all derer verweilen, die es damals miterleben
durften.“
MD
fährt sich durch den Bart.
Mad
Dog: „Eigentlich ein Jammer, dass wir damals nie Seite an
Seite gegen die verdorbene Brut der PCWA ins Feld gezogen sind!“
——-——
Mad
Dog: „Sein letztes Match? Vermutlich ist es gar nicht mehr
so wichtig. Er hat alles erreicht - und seine Worte bei der
letzten Ven… War Evening.. haben selbst mich überrascht.
Das, was er in der PCWA vermissen ließ und ich ihm noch in
Bochum an den Kopf geworfen habe, hat er letztlich in der GFCW
gefunden.“
Ob
ihm das auch gelingen wird?
Mad
Dog: „Ich wünsch ihm alles Gute! Vielleicht schaut er
hier und da nochmal vorbei und man trifft sich bei Title Nights
auf ein Bier… ein Buddy-Ding nach all den Jahren, huh?!
Einladung steht.“
Six Person-No Holds
Barred-Tag Team Match: Lerbitz Performance Group (Black
Wyrms (Shizuku Shikishima & Brigitte Reflet) & Milly
Vermillion) vs Jay Taven, Gisbert „Gino“ Rieß
& Hugo "Meathook" Rodriguez Referee: Guido
Sandmann
Alles
begann am 31.10.2025, im BMW Park in München. Es war das
Spooky Special und Milly Vermillion hatte ein Match gegen
Meathook, zu diesem Zeitpunkt ein Dauerloser, der gerade erst
in der Show zuvor gegen Millys Stablekameradin Skadi Fenrir
verloren hatte. Trotz des gigantischen Unterschieds in Sachen
Physis hätte es für die Phönifrau eine
einfache Aufgabe werden sollen.
Aber
sie verlor.
Zwei
Wochen später gewann Milly dann zwar das Rematch, aber
nur durch Count Out. Und als es dann in diesem Jahr das
Entscheidungsmatch hätte geben sollen, da griff Meathook
zu einem Fleischerhaken und attackierte Milly damit. Milly
bekam Unterstützung durch die Black Wyrms, Meathook von
Gino Rieß und Jay Taven, die sich beide nicht im Roster
nach hinten drängen lassen wollten. Und so sind wir nun
hier in einem Match, wo es herzlich wenige Regeln gibt.
Die
blond gelockte Phönixfrau im feurig gefiederten Poncho
geht voran, ihre grünen Augen lodern vor Zorn. Hier und
heute soll es endlich klare Verhältnisse geben. Auch die
Black Wyrms sehen angespannt aus. Am 27.06.2025 gaben die
amtierenden Next Level Tag Team Titelträgerinnen aus
WFWs Developmental Bereich ihr GFCW Debüt – gegen
Meathook und Gino Rieß. Die Black Wyrms gewannen und
setzten sich in der Folge auch im Casting der LPG durch und
sind mittlerweile aus der Tag Team Szene von GFCW kaum noch
wegzudenken. Die kleine, schmale Französin Brigitte
Reflet und ihre ein gutes Stück größere
Partnerin Shizuku Shikishima hatten ausgerufen beim nächsten
PPV, bei New Level, die Herausforderinnen auf das Tag Team
Gold von GFCW sein zu wollen – dafür mussten
Erfolge her und zwar sofort. Hier und heute, alles andere
wäre ein frühes Scheitern ihres Ziels. Kein Wunder,
dass sie höchst konzentriert zum Ring schreiten und eher
nebenbei hier und da eine Fanhand beglücken. Worte haben
sie viele verloren, nun gilt es auch Taten folgen zu lassen.
Ob
sie wohl mittlerweile einen Finisher gefunden haben, den sie
auch gegen größere und schwerere Gegner zeigen
können?
Sie
könnten ihn gebrauchen, denn bereits der frühere
GFCW Tag Team Champion Jay Taven ist mit seinen 90 Kilo bei
183 Zentimetern erheblich größer und schwerer als
das Trio der LPG. Und obgleich er ein Gegner ist, den sie
wohl noch stemmen können – Gino und Meathook mit
ihren Ausmaßen sind selbst für die Größten
und Stärksten kaum vom Fleck zu bewegen. Meathook misst
über 2 Meter und bringt angeblich um die 190 Kilo auf
die Waage und Gino ist in ähnlichen Sphären
unterwegs. Zu dritt schreiten sie durch den Vorhang, mit
coolen flashigen Klamotten und in Meathooks Fall mit einer
weißen Schürze – die sich hier und heute
blutrot färben soll. Doch ehe die große Keilerei
wo nahezu alles geht beginnt, zückt Jay Taven erst
einmal ein Mikrofon, um den gemeinsamen Einzug per Rap zu
begleiten.
Jay
Taven: „The MILE sind hier
das
ist unser Revier!
Wartet
es nur ab,
dieses
Match wird nicht mal knapp!
Ein
klarer Sieg für die Most Iconic Legends Ever
Denn
wir sind cool, sexy, stark und clever!
Die
totalen Pakate, besser als wir geht es nicht!
Gegen
uns seht ihr wurmigen Hühner kein Licht!
Ihr
seid die unterste Stufe unserer Karriereleiter,
Danach
gehts gegen die großen Namen weiter!
Egal
ob End, Monica oder Stella
Champ
der Zukunft ist dieser Fella!“
Jay
Taven deutet auf sich und das mit vollem Ernst. Zumindest an
der richtigen Einstellung mangelt es ihm nicht.
Jay
Taven: „Wer den Tag Team Titel halten wird ist auch
egal!
Die
Sieger des Matches erwartet Pein und Qual!
Gino
und Meathook werden sich das Gold bald holen
Und
das nicht mit leisen Sohlen!
Nein,
sie kommen laut wie eine Urgewalt
Und
machen dabei weder vor Frau noch Legenden halt!
Denn
die größten, besten und tollsten Legenden von
allen, das sind wir
Euch
wird das Lachen noch im Hals stecken bleiben, glaubt es mir!
Wir
feiern heute GFCWs 25 Jahre Bestand
Und
den Beginn unserer Ära, GFCW ist jetzt in unserer Hand!
Und
jetzt alle: Gino-Meathook-Jay!
HEY!
HEY! HEY! HEY! HEY!“
Ein
paar Fans gröhlen sogar „Hey Hey Hey“ mit,
ist ja einfach genug. Und weil Memes lustig sind und Jay
Taven, Meathook und Gino Rieß eine höhere Stufe
der Memes erreicht haben. Nicht auszudenken, wenn sie jetzt
tatsächlich auch noch gewinnen würden. Aber bei
aller körperlichen Überlegenheit, das kann
eigentlich nicht passieren.
...oder
doch?
Guido
Sandmann jedenfalls erklärt das Match für eröffnet,
er ist im Großen und Ganzen nur dazu da, um Cover,
Aufgaben oder TKOs festzustellen. Solange hier niemand
versucht jemanden zu killen oder um Körperteile zu
erleichtern, braucht er auch nicht eingreifen. Obgleich
Matches von Iray Burch angedeutet haben, dass sogar in den
Fällen die Offiziellen nur zusehen.
Also
geht es los.
Hugo
„Meathook“ Rodriguez wetzt schon einmal fröhlich
seine Spieße, noch dazu hat er einen Fleischerhaken an
einer Kette befestigt und trägt sie wie eine Halskette.
Was Jay Taven ruhig in seinem rap als neuen Modetrend hätte
hypen können, was für eine verpasste Gelegenheit.
Milly Vermillion steht jedoch ungerührt da und winkt
Meathook furchtlos zu sich heran – ohne selber
irgendeine Waffe in Händen zu haben. Ganz nach dem Motto
„ich bin ein Phönix, ich bin ohne Waffe besser als
du mit Waffe“. Selbstvertrauen und Blödheit sind
manchmal echt nah beieinander und nur der Erfolg entscheidet
darüber was davon was ist.
Die
Black Wyrms sehen sich kurz zögerlich an –
eigentlich hatten sie sich Stühle organisiert, aber die
legen sie nun ab. Millys Blödheit Selbstvertrauen
färbt auf sie ab. Nennen wir es Mut.
...und
nennen wir Jay Taven peinlich.
Warum?
Weil
er sich Meathooks Meathook-Kette genommen hat und jetzt damit
rumfuchtelt als wäre es ein Wii-Controller, soll heißen
ein Nunchuk. Ohne zu wissen was er tut fuchtelt er sich das
Ding dabei selbst in den Rücken. Viele zeigen mit dem
Finger auf ihn und lachen – zumindest war es nur ein
schmerzhafter Streifschlag und er hängt nicht richtig
drin. Ob des schallenden Gelächters im Publikum geht er
zum Angriff über und zielt erst auf Bribitte – die
aber ausweicht – dann auf Shizuku, die aber auch
ausweicht und dann auf Milly, die ihn jedoch per tief
gesprungenem Dropkick auf die Fresse fliegen lässt.
Noch
eine Runde Gelächter – dann schreit Milly auf und
der Spaß ist vorbei. Am Boden liegend war Millys
rechter Fuß in seiner Nähe und prompt hat er den
Haken reingerammt. Blut fließt, Jay Taven lacht,
Meathook und Gino lachen mit ihm und das Publikum lacht nicht
mehr.
Milly
wiederum schreit nicht mehr, sondern tritt Jay Taven
ordentlich vor die Rübe. Wenn jemand auf allen Vieren am
Boden ist, kann man auch mit 1,50 ordentlich jemand vor den
Kopf treten und treten, das kann Milly. Ihre Kickstärke
reicht zwar nicht an die von Robert Breads heran, war aber
vielleicht dennoch ein Grund, warum der Kanadier seine
Landsfrau gar einmal als Tag Team Partnerin nominierte, um
die frechen Elfen zu besiegen. Dennoch, für ihre Größe
und Statur sind ihre Kicks echt heftig und so rollt sich
Taven in der Gegend rum und hält sich die Fresse. In der
Zwischenzeit zieht Milly den Haken aus ihrem Fuß und
wirft ihn verächtlich zur Seite.
Gino
und Meathook gehen derweil gegen die Black Wyrms in die
Offensive, wobei Meathook versucht seine Spieße in
Shizukus Brüsten unterzubringen, wäre auf jeden
Fall ne Menge Platz für die Dinger. Aber er verfehlt und
sie purzeln ihm erst mal aus der Hand. Gino wiederum hat eine
Mülltonne mit dabei, die er Brigitte überstülpen
will, aber die weicht aus, rollt unter den Seilen hindurch
und nimmt Schwung für ihren…
Wyvern
Wingspan – nein! Mülltonnenwurf von Gino!
Der
Flug der Drachenfrau wurde jäh gestoppt, Brigitte kracht
zu Boden. Shizuku verteilt ein paar Forearms und Chops gegen
Meathook, Milly macht mit Kicks mit, aber an der Plauze des
Giganten prallen diese Aktionen relativ wirkungslos ab. Der
versucht per doppeltem Clothesline zu landen, aber die Damen
von der LPG weichen abermals aus, dann spurtet Milly los,
Shizuku wirft sich hin und dient als Sprungrampe für
einen feinen Meteora – wieder nein! Meathook fängt
Milly per brachialem Spinebuster ab.
Cover!
Aber Shizuku ist da, tritt zu und zerrt Meathook so gut es
geht hoch. So oder so, das Cover kann Guido Sandmann nicht
gelten lassen und folglich nicht anzählen. Doch diese
Rettungstat erlaubt es Gino von hinten zuzupacken! Waist Lock
– normalerweise nicht so schlimm, aber bei seiner
Statur ist das glatt eine Art Reverse Bear Hug. Vor allem
aber hält er Shizuku so fest und das gibt Meathook die
Chance das Match nun endgültig vom Spaß zu
blutigem, brutalem Ernst verkommen zu lassen.
Meathook
schnappt sich einige der Spieße, die ihm zuvor aus der
Hand gefallen waren, zielt auf Shizukus Kopf und mit einem
diabolischen Grinsen zum kollektiven Schock der meisten
Zuschauer… rein damit! Man will hoffen, sie hängen
nicht wirklich in ihrem Kopf und vielmehr in ihren Haaren,
aber auch Spieße im Kopf hats im Wrestling schon
gegeben, ergo ist beides denkbar. Im Publikum fallen einige
verstört fast in Ohnmacht, aber das animiert den wieder
in der Senkrechten befindlichen Jay Taven nur dazu
zuzupacken:
Multi-Spieß
DDT gegen Shizuku!
Die
klatscht auf die Matte und bleibt nahe der Seile und des
Apron liegen. Brigitte eilt sofort zu ihr, um sich nach ihr
zu erkundigen, dann dreht sie durch und fuchtelt wüst
mit der Kette umher, an der Meathooks Meathook hängt.
Grund genug für The MILE erst einmal den Ring zu
verlassen, um Sicherheitsabstand zu bekommen – wonach
Brigitte sofort wieder bei Shizuku ist.
Aber
Milly gibt es ja auch noch.
Die
Phönixfrau nimmt Anlauf… springt… und
fliegt!
Top
con Hilo~!
Abgefangen.
Meathook und Gino fangen sie auf als wäre es nix –
was vermutlich auch stimmt. Jeder von ihnen hätte Milly
auch locker alleine auffangen können, das steht ganz
außer Frage. Vielmehr stellt sich nun eine ganz andere,
dringliche Frage: wohin sollen sie Milly werfen? Auf die
Ringtreppe vielleicht, so wie Idunn es im Opener mit Rodrigo
Gaya gemacht hat? Von wegen erst landet ein Rodrigo auf der
Ringtreppe durch eine Frau von der LPG, dann wirft ein
Rodriguez eine andere Frau von der LPG auf dieselbe? Was wäre
das? Karma? Schicksal? Einfallslos? Eine wundersame Fügung
des Universums?
So
oder so, ehe Meathook und Gino das machen können hat Jay
Taven unter die Ringschürze gegriffen, der Schlawiner.
Dort vorgefunden hat der Rapper zwei Utensilien, die ihm
Freude bereiten: einen Beutel mit irgendwas darin und ein
Brett.
Aber
nicht irgendein Brett.
Sondern…
ein Brett
mit Stacheldraht!
Er
schiebt es zwischen Meathook und Gino und die wissen was zu
tun ist: Milly wird per doppelter Powerbomb mitten rein
gepfeffert! Der Stacheldraht verheddert sich förmlich in
ihr! Und nur um sicherzugehen, dass sich der Stacheldraht
wirklich in Milly hineinbohrt setzt Gino per Senton nach!
Brutale Aktion – auch gegen ihn selber, wie er jetzt
erst merkt.
Während
Meathook versucht Gino aus dem Stacheldraht zu kriegen und
auch Milly dort raus zu pflücken, betritt Jay Taven
wieder den Ring, wo Brigitte nicht länger bei Shizuku
weilt und ihn konfrontiert. Jay schüttelt den Beutel als
ob er der Barkeeper einer Cocktailbar wäre und hat dabei
ein Grinsen im Gesicht, das mehr nach Clown aussieht als der
Cirque du Tonnerre – mit Facepaint. Dann öffnet
der frühere Tag Team Champion den Beutel und schüttet
den Inhalt aus. Thumbtacks? Nein.
Glasscherben!
Wie
eine scherbige Linie trennt das Glas Taven von Brigitte und
belustigt deutet er auf ihre nackten Füße, sie
dazu auffordernd doch jetzt zu ihm zu kommen. „La
Vouivre“s Augen lodern vor Leidenschaft, sie tritt vor,
blickt auf die Scherben und… springt hoch!
Über
die Scherben drüber?
Nein!
Sie
stampft mit beiden Füßen hinein!
Während
die Fans diverse Chants zum Besten geben stehen bei Jay Taven
Augen und Ohren weit offen. Er ist zu baff, um zu reagieren
und so kann Brigitte nach vorne schnellen und ihre Füße
hochreißen, in denen es sich einige Scherben bequem
gemacht haben:
Glasscherben
Shotgun Dropkick gegen Taven!
Taven
schreit auf, hat nun blutige Schrammen in der Magengegend und
rollt durch die Seile auf den Apron – wo jedoch bereits
Shizuku Shikishima lauert! Die blonde Japanerin nimmt Anlauf
zum Destroyer und die Aktion sitzt:
Shimakaze
vom Apron durch einen Tisch!!
Seit
wann der Tisch da steht? Kein Plan, ist ja einiges
aufgestellt worden im Matchverlauf und nicht alles hat die
Kamera detailliert eingefangen. Wichtig ist nur, dass der
Tisch da war und die Fans jetzt komplett ausrasten! Gino Rieß
und Meathook schlagen kurz die Hände über dem Kopf
zusammen, doch dann zucken sie mit den Schultern.
War
ja nur Jay Taven.
Zwei
so große, stramme Kerle wie sie können auch ohne
Taven gewinnen, zumal Shizuku nach dem Bump nun auch erst mal
aus dem Match ist. Und so rollt Meathook die immer noch teils
in Stacheldraht verwickelte Milly zurück in den Ring,
während Gino einen weiteren Tisch in den Ring schiebt.
Brigitte empfängt Meathook im Ring, wird von diesem aber
abgefangen und per Slam in die Glasscherben geklatscht! Schön
vorsichtig, dass das Haar nicht im Weg ist, damit kein
Hairbag zwischen Brigittes Rücken und den Scherben ist!
Gino
Rieß geht in der Zwischenzeit zu Shizuku außerhalb
des Rings rüber, um sicherzustellen, dass diese auch
liegenbleibt und bearbeitet Stirn und Brüste der
Japanerin noch ein bisschen mit Meathooks Spießen.
Meathook selber muss sich hingegen einer wieder erwachten
Milly erwehren, die ihn mit feurigen Attacken gen Ringecke
zurückdrängt. Doch der Versuch des Phoenix Kick
wird geblockt, Meathook setzt sie nach oben auf die Ringecke
und versetzt ihr einen mächtigen Chop, der sie erst mal
ruhig stellt. Dann bekommt Meathook von Gino etwas in den
Ring geschoben… eine Kanne mit Flüssigkeit und
eine Packung Streichhölzer.
Meathook
grinst breit, stellt erst den Tisch auf, verpasst Milly dann
noch einen Schlag mit seinem Fleischerhaken, auf dass sie
ruhig bleibt und dann übergießt er den Tisch mit
der brennbaren Flüssigkeit. Das soll die ultimative
Demütigung werden: die Phönixfrau soll durch einen
brennenden Tisch!
...was
voraussetzt, dass man die Streichhölzer benutzen kann.
Nur ist Meathook dazu nicht in der Lage. Er probiert ein
Streichholz, zwei und nach dem dritten Fehlversuch klettert
er die Ringecke hoch zum Superplex ohne dass der Tisch
brennt, begleitet von „you f’d up“ Chants
des Publikums. Eine richtige Aussage in mehrfacher Hinsicht,
weil Milly sich Meathooks Zugriff entzieht und nach unten weg
durch seine Beine hindurch gen Ring schlüpft – von
wo aus sie sogleich erneut sie Seile als Sprunghilfe nutzt!
Phoenix
Kick!
Das
ging in den Rücken von Meathook. Der Koloss wankt, hält
sich aber noch auf der Ringecke. Milly schnaubt verächtlich,
dann erspähen ihre grünen Augen den Tisch und dass
eine leicht entzündbare Flüssigkeit auf diesem
trieft. Millys Mundwinkel wandern nach oben, sie strahlt über
beide Ohren und greift sich erst in den feurig gefiederten
Poncho, dann reibt sie die Finger… und der Tisch
brennt! Die Fans rufen begeistert „She’s a
Phoenix!“, begleitet von Anfeuerung für die Black
Wyrms – natürlich per „Let’s Go
Worms!“. Milly begutachtet kurz für einen Moment
ihr feuriges Werk, dann fällt ihr der Stacheldraht auf,
der im Ring rumliegt – Überbleibsel davon, als sie
in den Ring zurück gerollt wurde und davon noch etwas an
ihr haftete. Ohne zu zögern greift sie zu, bindet sich
den Stacheldraht um ihren baren Fuß und Unterschenkel –
dann nimmt sie Maß. Barb Wire Phoenix Kick, mitten
hinein in Meathooks rechte Kniekehle… und der Koloss
stürzt.
Meathook
fällt durch den brennenden Tisch!
Gino
Rieß ist alarmiert und will in den Ring kommen, aber
Brigitte steht wieder, wuchtet sich über die Seile,
bekommt Ginos Kopf zu packen und vollführt einen Tornado
DDT auf den Hallenboden! Gisbert Rieß wird Meathook
nicht helfen, Jay Taven wird Meathook nicht helfen. Niemand
wird Meathook helfen. Triumphal erklimmt Milly die Ringecke,
was nun folgt ist reine Formsache, aber eine Formsache mit
Charakter – und Spektakel: Phoenix Senton! Cover! Eins,
Zwei und Drei! Das wars, die LPG gewinnt, Milly hat endlich
ihren Pinfall gegen Meathook und das nach einem feurigen
Finish. Für den Moment ist die Welt für Milly in
Ordnung. Auch die Black Wyrms kommen in den Ring zurück
– sie humpeln, sie bluten und sie lächeln. Sie
haben gewonnen.
Seit
zwei Wochen hat Iokepa auf die bevorstehende Gelegenheit
gewartet. Seine Ungeduld könnte er nicht abstreiten, wenn
man ihn danach fragen würde; zu deutlich ist sie in Mimik
und Verhalten. Der Hawaiianer tigert in seiner Kabine auf und ab,
immer wieder wandert sein Blick zur Uhr.
Der
Kampf gegen Mad Dog. Jetzt ist es keine Frage mehr von Tagen oder
Stunden. Sondern von Minuten.
Noch
einmal checkt Iokepa, ob alles so passt, wie geplant. Das
Ringoutfit sitzt, die Hände sind abgetaped, die Frisur
stimmt. Er legt die Hände in die Hüften und versucht,
seinen Atem zu beruhigen, die Konzentration zu steigern.
Da
klopft es an seine Tür.
Im
ersten Augenblick wirkt Iokepa verdutzt, dann genervt. Wie kann
es sein, dass man ihn ausgerechnet jetzt noch stört? Es geht
doch darum, den Fokus hochzuhalten. Das hat er in den letzten
Jahren gelernt. Zunächst wirkt es deshalb so, als wolle er
das Klopfen ignorieren, einfach drüber hinweggehen. Doch als
ein zweites Mal klopft – und mit mehr Nachdruck – da
schlurft der Surfer doch zur Tür. Er drückt die Klinke
runter und legt den Kopf schief, um durch einen kleinen Spalt
nach draußen zu gucken, denn weiter geöffnet hat er
den Kabineneingang noch nicht.
Iokepa:
„Du?“
Der
Hawaiianer zieht seine Augenbrauen hoch. Wen auch immer er
erspäht hat, es muss jemand sein, mit dem er nicht gerechnet
hat.
Die
Antwort kommt von einer Stimme, die die GFCW-Fans in den letzten
Wochen kennengelernt haben.
Ben
Slate: „Abend, hast du eine Minute?“
Iokepa
wirkt unschlüssig. Noch immer hat er die Tür nicht weit
genug geöffnet, damit Slate hineinkommen kann. Er blickt
seinen Gast an, der geduldig draußen wartet, so als habe er
im Vorfeld analysiert, dass er nicht mit offenen Armen empfangen
wird, sondern sich erst erklären muss.
Ben
Slate: „Wir beide haben einen gemeinsamen Feind, hast du
nicht mitbekommen, was sich vorhin in seiner Umkleide abgespielt
hat?“
Iokepa:
„Doch, habe ich.“
Und
die Erinnerung an den Streit des Schweizers mit Iokepas heutigem
Gegner ist es auch, die die Barriere des Hawaiianers
herunterfahren lässt. Er öffnet die Tür ganz, lädt
Slate mit einer knappen Geste zum Reinkommen ein.
Iokepa:
„Also, was gibt es?“
Der
Gastgeber ist Slate gegenüber nicht unhöflich, aber
kurz angebunden. Er kann sich nicht zusammenreimen, was sie
miteinander so kurz vor dem Fight zu schaffen haben.
Iokepa:
„Bist du nur gekommen, um mir viel Glück zu wünschen?“
Ben
Slate: „Glück ist überbewertet, aber ich würde
gerne dir bei deinem Erfolg helfen. Ich sehe dein Können und
die harte Arbeit, die du reinsteckst, um dieser Liga würdige
Darbietungen zu geben. Das Feuer in dir sprudelt förmlich
aus dir und ich denke du hast noch lange nicht alles verbrannt.
Mit dem richtigen Plan für dein Match, können wir beide
heute Abend einen unserer Feinde am Boden sehen.“
Iokepa:
„Ich bin überzeugt davon, dass ich Mad Dog heute
besiegen werde. Mach dir keine Sorgen.“
Ben
Slate: „Deine exzellente Vorbereitung durch Training und
dem richtigen Fokus zweifle ich in keiner Weise an, aber du
solltest dich vor einem Gegner wie Mad Dog dennoch etwas mehr in
Acht nehmen. Vertrau mir und ich kann dir helfen, gegen ihn
anzukommen.“
Iokepa:
„Und wie kannst du mir helfen, Ben? Nichts für Ungut,
aber ich fühle mich gut vorbereitet.“
Ben
Slate: „. Mach dich darauf gefasst, dass er ALLES für
den Sieg tun wird und auch wenn das als selbstverständlich
erscheint, dieses ‚ALLES‘ kann in jede erdenkliche
Richtung gehen.“
Unter
Iokepas erstauntem Blick holt Ben Slate sein Notizbuch hervor. Er
blättert darin herum, zeigt immer wieder einige Seiten
seinem Gesprächspartner.
Iokepa:
„Diese Aufzeichnungen haben alle mit Mad Dog zu tun?“
Ein
kurzes Nicken des Analysten suggeriert Zustimmung.
Der
Schweizer schlägt eine weitere Seite auf und dreht das
Notizbuch so, dass Iokepa problemlos darin lesen kann. Für
die Kamera bleibt unsichtbar, was genau niedergeschrieben ist.
Doch für Iokepa scheint es von besonderem Interesse zu sein.
Iokepa:
„Der Enter Night. Der Finish…“
Ben
Slate: „Pscht! Du weißt nicht, wo die Wände ihre
Ohren haben können, das sollte vorerst unter uns bleiben.“
Iokepa:
„Gut. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich das jetzt
innerhalb von ein paar Sekunden auswendig lernen kann, nur weil
ich mal einen Blick drauf werfe.“
Slate
packt die Seite mit einem schnellen Ruck und drückt sie
Iokepa in die Hand.
Ben
Slate: „Du hast noch etwas Zeit vor dem Match, schau es dir
in Ruhe an.“
Er
schlägt das Notizbuch zu und verstaut es wieder geschmeidig
in seiner Brusttasche.
Ben
Slate: „Und pass darauf auf, wenn das jemand Falsches in
die Finger bekommt, dann kann der ganze Plan umsonst gewesen
sein.“
Ein
Stück weit unschlüssig, ob er diese Hilfe annehmen
soll, wirkt Iokepa schon. Dann jedoch faltet der den Zettel
sorgfältig zusammen und hält ihn in der geschlossenen
Faust. Er nickt Slate respektvoll zu.
Iokepa:
„Gut. Ich danke dir.“
Ben
Slate: „Nichts zu danken, wir wollen beide diesen Widerling
fallen sehen. Ich werde den Kampf intensiv mitverfolgen und
möchte live dabei sein, wie der dreckige Night Fighter zu
Boden geht. Seine Niederlage ist so gut wie sicher, wenn du den
Plan richtig ausführst, ich vertraue auf deine Fähigkeiten.“
Die
Halle dunkelt sich und "The Dragon lies bleeding" von
Hammerfall ertönt.
Ein
Jubel füllt die Halle und da treten schon Thunder und der
Lord of Steel durch den Vorhang. Aus den Seiten des Titantrons
schießen lauter Leuchtkugeln diagonal in die Höhe und
über dem Ring wird ein großes Gebilde, welches das
Wort "ThunderSteel" bilden soll, hinunter gelassen. Das
Gebilde leuchtet in verschiedenen Farben und funkelt dazu im
Scheinwerferlicht. Die Zuschauer jubeln und kreischen und feuern
die beiden Wrestler an. Der Lord trägt komplett in schwarz
einen langen Ledermantel, eine Lederhose, seine Lederrüstung
und Boots. Thunder trägt ebenfalls komplett in schwarz ein
T-Shirt, eine normale Lederjacke, eine Lederhose und Boots.
Ride
trough the valley in thunder and rain
The
battle is raging, redeem this domain
The
castle of Eden lies silent above
Darkness
sourround us, away we must go
I
look through the eyes of the world
I
see there's a stranger among us
Auf
dem Titantron werden Bilder vom Lord of Steel, von Thunder und
Parn aus früheren Matches, sowie neueren Matches gezeigt,
u.a. dem Triumph gegen die Hells Angels. Außerdem
erscheinen immer wieder abwechselnd zwischen den Filmsequenzen in
weißer Schrift auf schwarzen Hintergrund die Worte "Storm
Clouds" bzw. "ThunderSteel". Thunder und der Lord
of Steel gehen langsam die Rampe herunter und schauen ernst in
die Kameras, die sie auf den Weg zum Ring verfolgen. Nebenbei
klatschen die beiden mit einigen Fans ab.
Awaiting
a sign form above
To
conquer the power and the glory
Enter
the battle, our will to enchain
Bringing
us forward, defeating the pain
Into
the meeting with swords made of steel
We're
standing together, the secret reveals
Am
Ring angelangt steigen Thunder und der Lord of Steel in diesen
durch das zweite Ringseil hinein. Beide bewegen sich ich die
Ringmitte und der Lord ruft laut und langgezogen in die Halle
"Let’s daaaaaaaaaaaannnnncee!!!". Dabei legt nun
ein Ringfeuerwerk los und das Gebilde aus dem Wort "ThunderSteel"
erstrahlt die Halle mit einem Funkenregen, der aus allen Seiten
heraus schießt. Die Zuschauer jubeln weiterhin und sind aus
dem Häuschen. Dabei reißen beide Storm Clouds ihre
Arme in die Höhe.
I
look through the eyes of the world
I
know who's the Stranger among us
Awaiting
a sign form above
To
conquer the power and the glory
Come
across to the Promised Land
Close
your eyes, I will take your hand
through
the river of steel we'll go
Nach
einiger Zeit kann man die Musik wieder hören. Thunder und
der Lord of Steel legen ihre Jacke und ihren Mantel ab und
zusammen reicht sie Thunder einen Offiziellen aus dem Ring
heraus.
When
the dragon lies bleeding
Above
the glory we'll carry on
Now
the time has come to return back home
The
setting sun illuminates the dead
The
battlefield is shining red
Die
Musik verstummt so langsam und beide Storm Clouds klatschen sich
ab und lassen sich unter dem immer noch bestehenden Jubel der
Fans und den "ThunderSteel!"-Rufen ein Mikro geben.
LoS:
„Let’s daaaaaaaaaaance!“
Thunder und der
Lord blicken sich hier um in der Westfalenhalle.
Thunder:
„Dortmund! Schön, wieder hier zu sein bei euch. Bei
den besten Fans der Welt!“
Riesenjubel.
Thunder:
„Dann noch zu solch einem besonderen Ereignis. 25 Jahre
GFCW. Genau hier hat alles angefangen.“
LoS:
„Vor 25 Jahren wusste niemand so genau, wohin diese Reise
führt.“
Thunder:
„Aber eines war klar: Ohne euch Fans gäbe es keine
GFCW.“
Die Fans
applaudieren.
LoS:
„Natürlich sind da noch andere Mitwirkende, ohne die
es nicht möglich ist die Liga 25 Jahre lang am Leben zu
halten und die Hallen zu füllen.“
Thunder:
„Azrael, Phönix, die ganzen Wrestler, die in den
ganzen Jahren hier aufgetreten sind, die Referees, Mac Müll,
Tammy, Laura, Sven und Pete, unsere Commishioners aus den ganzen
Jahren, die ganzen Mitarbeiter, die hinter den Kulissen arbeiten
und natürlich Spawn und Dynamite!“
Großer
Jubel.
LoS:
„Bestimmt haben wir noch den ein oder anderen vergessen. Es
gibt so viele, die hier die Shows ermöglichen.“
Thunder:
„Wir drücken weiterhin die Daumen, dass die GFCW noch
lange existieren wird und wenn wir demnächst nach 50 Jahren
das nächste Jubiläum ggf. mit Rollatoren hier feiern!“
Thunder hebt die
Faust.
Thunder:
„Auf weitere 25 Jahre GFCW - Mindestens!“
LoS:
„Let's daaaaaaaaaaaaaaaance!“
Das
lassen sich die Zuschauer nicht nehmen und brüllen ganz laut
„Let's dance!“ in die Halle.
Thunder:
„Und diese Nacht ist noch lange nicht vorbei.“
LoS:
„Genau, denn nachher wird noch ausgiebig gefeiert. Von
daher bereiten wir uns gleich darauf vor.“
Thunder:
„Danke, dass wir hier sein durften und wenn ein Tag Team
Lust auf eine Keilerei hat – wir gehören noch nicht
zum alten Eisen und sind für alle Prügeleien bereit!“
LoS:
„Danke Dortmund und wir sehen uns! Machts gut!“
Die
Musik von ThunderSteel ertönt erneut und sie lassen es sich
nicht nehmen noch mit den Fans ausgiebig zu feiern. Dann fadet
die Szene langsam aus.
Vivian
Tolnai: „Niemand ist unfehlbar.“
Mit
übereinander geschlagenen Beinen sitzt Tolnai in einer mäßig
gefüllten Bahn, die durch den Untergrund rauscht. Zum ersten
Mal ist die Kamera statisch, da Tolnai im Moment an ihrem Platz
verweilt. Eine Passantin wirft dem Geschehen einen skeptischen
Blick zu, beschäftigt sich dann aber wieder mit ihrem
Kinderwagen.
Vivian
Tolnai: „Auch Robert Breads nicht. Vor
allem Robert
Breads nicht, wenn wir ehrlich sind. Als Anführer und Coach
waren seine Leistungen… verbesserungswürdig.“
Bei
diesen Worten überkommt sie das Schmunzeln. Tolnai möchte
so kurz vor dem Ende seiner Karriere anscheinend nicht allzu
gemein sein.
Vivian
Tolnai: „Das weiß niemand besser als die jungen
Träumer, die an seiner Seite gekämpft haben. Und wir
haben Worte von zweien von Ihnen.“
-----
LIAM
SPENCER (gehyptes
Talent das unter Breads nie den nächsten Schritt schaffte)
Wieder
Performance Center. Das Setting wirkt im ersten Augenblick, als
habe man aus Versehen die Wiederholung von Timo Schiller
eingespielt. Beim genaueren Hinsehen wird jedoch deutlich, dass
Zeit vergangen sein muss. Im Ring im Hintergrund sind
mittlerweile zwei Rookies im Lock-up, ein anderer trainiert an
der Brustpresse.
Und
auf den freien Stuhl vor der Kamera setzt sich ein neuer Mann.
Dünner und kleiner als Timo Schiller. Das Haupt geschoren,
nachdem er den Kampf gegen seine Haarlinie verloren hat. Er
kratzt sich an seinem struppigen Vollbart und blickt so ernst in
die Kamera, wie man es von ihm kennt. Es ist Buzzkill. Liam
Spencer.
"Ich
habe gerade bei Timo zugehört. Keine schlechte Rede, muss
ich schon sagen. Inhaltlich jedoch kann ich ihm in einem
zentralen Punkt nicht zustimmen."
Der
Tonfall des Engländers ist so schnörkelos wie eh und
je, er schert sich nicht besonders um Dramatik in der Rede. Er
hat etwas zu sagen und will es einfach loswerden.
"Timo
hat gesagt, er wird den Rest seiner Karriere dafür kämpfen,
dass du bei ihm falsch lagst. Nun, dann muss ich wohl dafür
kämpfen, dass du richtig lagst."
Ein
freudloses Lächeln zieht über sein Gesicht.
"Als
du mich einst gescoutet hast, war ich deine große neue
Hoffnung. Du hast in mir denjenigen gesehen, der vielleicht
deinen ersten Schüler Aiden sogar noch übertrumpfen
kann. Und ich? Ich war verdammt scheiße. Nach einiger Zeit
haben sich manche Leute gefragt, was du in mir gesehen hast. Zu
Recht."
Über
das eigene Versagen während seines Runs im Main Roster kann
der Engländer mittlerweile ohne Zögern sprechen. Er hat
es als Teil seiner Vergangenheit akzeptiert.
"Dann
hast du mich fallen lassen. Nicht unbedingt großherzig,
aber nachvollziehbar. Seitdem kämpfe ich abseits des
Rampenlichts darum, mir wieder den Status zu erwerben, den ich
einst hatte. Für ein paar Monate war ich der Hype der
Wrestling-Welt, das große Ding der Zukunft. Dann wurde ich
einer von vielen. Ich wurde der, von dem man hinter vorgehaltener
Hand sagte, er wäre Roberts größtes Irrtum."
Spencer
weiß nicht wohin mit den Händen. Er ist niemand, der
groß gestikuliert. Letztlich legt er sie auf den
Oberschenkeln ab.
"Ich
bin ziemlich verbissen, das weißt du. Der Drang dir zu
beweisen, dass du mit der Einschätzung meines Talents
richtig lagst, hat mich dazu gebracht, schlechte Dinge zu tun.
Ich habe gelogen, ich habe betrogen. Dann habe ich die Fehler
korrigiert. Und dich...dich hat es nicht mehr interessiert. Das
kann ich verstehen, denn es ist fair. Du hast mir die Chance GFCW
überhaupt erst eröffnet, und ab einem bestimmten
Zeitpunkt konntest du nichts mehr für mich tun, außer
mich auf eigenen Beinen laufen zu lassen. Du du bist nicht immer
nett in deiner Karriere gewesen, aber konsequent. Das ist eine
Eigenschaft, an der es vielen Menschen fehlt."
Spencer
nimmt die Hände wieder hoch, kratzt sich am Bart und
verschränkt sie dann vor der Brust. Er zieht die Augenbrauen
zusammen und beugt sich näher an die Kamera, als wolle er
die Distanz zu seinem entfremdeten Mentor dadurch verringern.
"Jetzt
ist es vorbei. Ich hätte mir gewünscht, mein
Wiederaufstieg wäre schneller gegangen. Dann wäre ich
in die GFCW gekommen und hätte dir den Schädel kaputt
getreten. Nicht weil ich dich hasse. Sondern weil ich glaube, so
hätte ich dich stolz machen können."
-----
SKAÐI
FENRIR
(Teil
des Lerbitz Performance Group Nachwuchs-Programmes unter Robert
Breads)
Die
nächste Person auf der Interviewcouch ist eine groß
gewachsene Frau mit Wolfsmütze auf dem reichhaltigen,
schneegrauen Schopf – die norwegische Schneewölfin
Skaði Fenrir. Sie sitzt mit betonter Lockerheit und
überschlagener Beinpartie da, der in der Luft befindliche
Fuß wippt ein bisschen – ein Indiz innerer Freude
hier Teil des Ganzen sein zu dürfen.
Skaði
Fenrir: „Es mag seltsam anmuten, dass auch ich einige
finale Worte zu Robert Breads beisteure, habe ich doch den
Großteil seiner Karriere verpasst und nur hier und da mal
etwas davon aufgeschnappt. Sehr zu meinem Bedauern habe ich nicht
ein einziges Match gegen ihn und lediglich ein einziges Match an
seiner Seite bestritten. Man mag sagen keine große
Grundlage für Erinnerungen an die große, lange
Karriere von Robert Breads, geschweige denn den Menschen Robert
Breads.“
Sie
lässt kurz den Blick schweifen, dann jedoch finden ihre
Augen die Kamera wieder und ihre sonst oft so schroffe Mimik wird
durch einen Hauch eines Lächelns merklich aufgehübscht.
Skaði
Fenrir: „Und doch ist meine Karriere mit der von Robert
Breads verbunden wie kaum eine andere. Dass ich hier und heute
überhaupt hier sitze und ein fester Teil von GFCW über
die LPG geworden bin – das ist letztlich der Verdienst von
Robert Breads. Sicherlich könnte ich anmerken, dass er
seinen eigentlichen Job als Mentor und Förderer nur
rudimentär ausgefüllt hat, was für ein
griesgrämiger, egoistischer und monströser Zeitgenosse
er doch war und dass auch jeder andere in seiner Position die
offensichtliche Entscheidung getroffen hätte mich
anzuwerben... aber was hätte sein können ist nicht so
relevant wie das was war. Und so war es eben Robert Breads, der
mir nach Vermittlung durch Monica Shade die Tür zu GFCW
geöffnet hat und niemand anderes. Dafür gebührt
ihm Dank, so wenig Anlass zu Dank es auch sonst in seiner
Karriere auf zwischenmenschlicher Ebene geben mag. Also: danke
Robert Breads, ohne dich wäre ich nicht hier.“
Ein
knappes Nicken begleitet diese Worte, ein Hauch einer Verbeugung,
gerade so, dass es nicht unterwürfig wirkt, aber doch Wort
durch Tat unterstützt wird.
Skaði
Fenrir: „Und weil mir diese Türe geöffnet wurde
und ich dank Robert Breads Teil der LPG sein konnte, war ich in
der Position auch meine jüngere Schwester hierher zu holen.
Womit also Robert Breads letztlich für uns beide eine
elementare Schlüsselrolle gespielt hat und auch für die
Karriere meiner jüngsten Schwester eines nicht gänzlich
fernen Tages substanziell gewesen sein wird. Er war der Stein des
Anstoßes für uns alle.“
Sie
schnippt kurz mit dem Finger, wie um einen imaginären
Dominostein umzuschnippsen.
Skaði
Fenrir: „In den kommenden Jahren wird unweigerlich weniger
und weniger über Robert Breads gesprochen werden, da
letztlich auch die größten Karrieren nur so lange für
die Gegenwart wichtig sind, wie sie andauern. Aber solange GFCW
existiert und solange ich, meine Schwester und auch Milly
Vermillion oder Miria Saionji bei GFCW aktiv sind… nein,
völlig gleichgültig wo wir aktiv sein werden: solange
wir aktiv sind, so wird es doch immer einen Grund geben den Namen
Robert Breads zumindest am Rande zu erwähnen. Wir kämpfen
sicherlich nicht für ihn oder für sein Andenken und
dennoch – in gewisser Weise sind wir seine
Hinterlassenschaft. Wir sind das was Aiden Rotari hätte sein
sollen. Und mit jedem unserer Erfolge wird auch die große
Legende von Robert Breads lebendig bleiben.“
Singles
Match: Iokepa vs Night Fighter Mad Dog
Referee: Jack Bobo
Dröhnend
scheppern die Klänge von Lynyrd Skynyrd durch die Halle
und sogleich jubelt die Menge. Doch noch lauter wird die
Meute, als der verrückte Hund den Vorhang beiseite
schiebt und in die Dortmunder Westfalenhalle hinaustritt.
Broken
bones,
broken hearts
Stripped
down and torn apart
A
little bit of rust - I'm still runnin'
Countin'
miles,
countin' tears
Twisted
roads, shiftin' gears
Year
after year - it's all or nothin'
Der
Night Fighter nickt nur kurz in Richtung der Zuschauerränge,
dann geht er zielstrebig in Richtung Ring. Jetzt gilt der
Fokus seinem kommenden Match – die Fans reichen ihm die
Hände, doch er geht daran vorbei.
But
I'm not
home,
I'm not
lost
Still
holdin' on to what I
got
Ain't
much left
No
there's so
much that's
been stolen
Kurz
vorm Squared Circle bleibt er stehen. Ein paar Fans verneigen
sich mit großer Geste vor dem Mann, den sie selbst
schon seit Kindheitstagen kennen. Aber auch das scheint MD
kalt zu lassen, kurz streicht er über die getapten Hände
– es sitzt alles.
Dann
slidet er in den Ring, läuft ein paar Mal in die Ropes.
I
guess I've lost everything I've had
But
I'm not
dead,
at least not
yet
STILL
ALONE,
STILL
ALIVE,
STILL
UNBROKEN
I'm
still alone, still alive,
I'm
still unbroken
Die
letzten Worte des Chorus flüstert der mehrfache World
Champion fast unmerklich mit. Dann geht er in seine Ringecke
und starrt in Richtung Entrance, von wo der Hawaiianer kommen
wird.
Geburtstagsshow.
Und hier kommt der Mann, der diesen Anlass für einen
Generationswechsel hernehmen will: Iokepa.
Mehr
als einmal hat er das Mikrofon zur Hand (und seinen Mund
recht voll) genommen. Er hat kundgetan, dass nicht nur die
Zukunft, sondern bereits die Gegenwart in Händen von
Männern wie ihm liegen sollte. Dass er noch immer nicht
an dieser Mission zweifelt, ist aus dem entschlossenen Blick
abzulesen, der sein Gesicht ziert, als er durch den Vorhang
auf die Rampe prescht.
Laura:
"Auf dem Weg zum Ring, mit einem Gewicht von 91
Kilogramm..."
Der
dreimalige GTCW-Champion schaut sich in der Westfalenhalle
mit großen Augen um. Bei allem Selbstbewusstsein kann
er nicht verbergen, dass eine solche Kulisse für ihn
noch kein Alltag ist. Sein erst vierter Kampf im Main Roster
liegt vor ihm; und noch nie war der Rahmen größer.
Im Kern ist und bleibt er, seiner Verärgerung zum Trotz,
ein junger Mann, der seinen Traum leben darf. Vor 14.000
Menschen. Also gönnt er sich einen Moment zum
innehalten, lässt seinen Blick über das Meer aus
euphorischen Zuschauern kreisen - das Einzige, was stört,
sind die vielen Daumen nach unten, die Buhrufe und
Nasenrümpfer.
Dortmund
steht größtenteils hinter Mad Dog. Iokepa stöhnt,
schüttelt seinen Kopf und setzt sich langsamen Schrittes
in Bewegung. Seine Miene wird konzentrierter. Dies ist nicht
War Evening, nicht Nick Kavinsky oder Mad Dog.
Laura:
"...aus Honolulu, Hawaii..."
Der
Surfer trägt sein mittlerweile wohlbekanntes
Ring-Outfit: Lange, blaue Tights mit aufgedruckten, an Wellen
erinnernden Mustern und bunten Formen. Sein Oberkörper
ist unbekleidet, die gebräunte Haut und das Sixpack
geben ihm ein gleichermaßen attraktives und
klischeebehaftetetes Sunny-Boy-Aussehen.
Seine
langen Haare wehen, durch geschickt platzierte Windmaschinen,
auf dem Marsch Richtung Geviert wie auf einem Board. Einzelne
hell gefärbte Strähnchen muten an wie
Sonnenstrahlen, die sein Haupt krönen.
Laura:
"Iiiiiokeeeepaaaa!"
Auch
wenn Buhrufe dominieren, reißt Iokepa bei der Erwähnung
seines Namens die Arme in die Luft. Dann springt er mit einem
mächtigen Satz auf den Apron, umgreift das Top Rope und
katapultiert sich in einer fließenden Bewegung mit
einem Vorwärtssalto auf die Matte, die bei seiner
Landung mit einem Knall erzittert.
Im
Ring angekommen, geht der Hawaiianer aber nicht etwa zum
Feiern auf die Ringecke, sondern lehnt sich an die Seile. Er
kramt in seinem Hosenbund und zieht einen kleinen Gegenstand
hervor.
Pete:
"Das ist die Seite aus Ben Slates Notizbuch! "
Sven:
"Scheint, als würde Iokepa dessen Hilfe tatsächlich
annehmen wollen, eh? Er versucht sich noch mal einzuprägen,
was dort steht. Ich würde zu gern wissen, was Slates
Analyse ergeben hat. Es macht mich WÜTEND, in Unkenntnis
zu bleiben."
Pete:
"Nun, solllte Iokepa heute Mad Dog besiegen, dann kann
man vielleicht eine Antwort direkt im Ring sehen. Welche
Schwachstelle hat Ben Slate gefunden? Hat es mit Mad Dogs
Finisher - dem Enter Night - zu tun? Iokepa hat den Namen
zumindest kurz erwähnt gehabt, ehe Slate ihn bat, zu
schweigen."
Sven:
"Sicher nicht nur, Pete, sicher nicht nur. Ben Slate ist
es GENIE. Er wird einen gesamten Matchplan entwickelt haben,
mehr als nur einen Trick."
Nachdem
er mehrmals die eng beschriebene Seite gelesen hat, faltet
Iokepa sie zusammen und steckt sie zurück in den
Hosenbund. Dann lässt er die Schultern kreisen, wirft
sein Haar zurück in den Nacken und begibt sich in die
Ecke, die Ringrichter Jack Bobo ihm weist. Jetzt ist der
Moment, in dem alle Beschwerden und Forderungen Iokepas
hinfällig sind. Er hat jetzt, was er wollte. Und er muss
liefern.
Mad
Dog und Iokepa stieren einander an. Die Ringglocke wird
geschlagen und sofort stürmt der junge Hawaiianer auf MD
zu, um ihn mit einigen Schlägen einzudecken. Der Fighter
aber kann nach ein paar Treffern den Spieß umdrehen und
Iokepa in die Ringecke drücken, um seinerseits einige
Schläge und Kicks ins Ziel zu bringen. Auch ein Forearm
brettert in Richtung Kauleiste, doch der Surfer duckt
hindurch – in einer wahnsinnig schnellen Bewegung
springt er fast zeitgleich ab und schmettert die Töle
seinerseits mit einem Dropkick in die Ringecke.
Der
alte Mann stöhnt kurz auf, schüttelt den Schmerz
jedoch ab… schnellt aggressiv aus der Corner heraus
und schmettert dem Jüngling seinen Biceps in die Fresse.
Iokepa wird bei dieser brutalen Lariat von den Beinen
gerissen; weiß, wie seine aufgerissenen Augen deuten
lassen, nicht, wie ihm geschehen ist. Doch die unbekannte
Konstante wirft sich direkt wieder auf ihn, umgreift mit der
linken das Haupt seines Gegners und zimmert mit der Rechten
weitere Schläge auf den Schädel des ehemaligen GTCW
Champ.
Sven:
„Mad Dog schlägt seine Wut raus! Jetzt hat er ihn
da, wo er ihn haben will!“
Pete:
„Er will ihm den mangelnden Respekt in den Kopf
hämmern…“
Sven:
„Doch so leicht lässt sich Iokepa nicht belehren.
Schau nur!“
Mit
den Beinen umgreift er die Töle, befreit sich von der
Schlagsalve und drückt ihn somit nach hinten. MD macht
eine Rolle Rückwärts um durchzurollen, doch auch
Iokepa ist wieder auf den Beinen – schneller als der
Hund. Und so schafft es die Töle nicht die Arme
hochzureißen. Der Boot des Jungen knallt ihm genau
gegens Kinn. Ein Aufschrei geht durch die Westfalenhalle, als
der Hund vom Roundhousekick getroffen zu Boden muss. Sofort
springt der Mann aus Honolulu mit einem Senton Splash
hinterher, rollt wieder in den Stand und hämmert seinen
Körper mit einen Standing Moonsault erneut auf den
perplexen Night Fighter. Dieser krümmt sich nun; hält
sich neben dem Kinn auch noch den Bauch.
Pete:
„Tammy hat Mad Dog gewarnt, dass Iokepa schnell ist.
Und hier hat er den Beweis.“
Sven:
„Als hätte es den noch gebraucht, Pete. Der junge
Amerikaner ist flink wie ein Wiesel.“
Mit
ein paar lässigen Kicks trifft Iokepa jetzt den Kopf der
Töle, was ihm ein paar Buhrufe der Fans einbringt. Als
Mad Dog auf allen Vieren ist, springt der Junge ihm mit einem
Dropkick in die Seite. Die Töle atmet schwer, als Iokepa
mit einem Standing Double Footstomp erneut den Bauch der Töle
trifft und ihn durch den Ringboden drückt.
Ein
grässliches Luftschnappen entgleist dem ehemaligen
PCWAler, was Iokepa jedoch in seinem Vorgehen zu bestätigen
scheint. Denn er hebt MD auf die Gehglieder zurück, um
ihm einen Kneehit zu verpassen. Ein, zwei, drei Mal landet
das Knie genau im Bereich des Solar Plexus. Mad Dog muss fast
schon wieder auf die Knie zurück, doch Iokepa hält
ihn oben und schickt ihn in die Seile.
Pete:
„Er hat die Magengegend als Schwachstelle der Töle
ausgemacht und nun will er ihn wohl über die Klinge
springen lassen.“
Sven:
„Vielleicht hätte Dog auf sein Bauchgefühl
hören und den Vertrag doch noch in den Briefkasten
werfen sollen?!“
Pete:
„Wenn’s nach den Fans geht nicht, denn die feuern
ihn jetzt aus allen Mündern an.“
Sven:
„Nur einer nicht und der sitzt fast in der ersten
Reihe. Ben Slate schaut zu und wünscht sich sicher einen
Sieg Iokepas.“
Tatsächlich
rammt dieser gerade der ankommenden Töle das Knie in den
Unterleib und dieser rotiert einmal in der Luft und segelt
dann auf die Matte nieder. Wieder liegt er gekrümmt dort
und ringt nach Luft, während Iokepa über ihm
thront. Mit schnellen Füßen hechten der Junge nun
auf das Top-Rope, um von dort noch einen verheerenderen
Treffer zu landen.
DOUBLE
FOOTSTOMB!!!!
Beide
Füße knallen wuchtig auf die Matte, allerdings
härter als eben. Gut, es war ja auch vom Top-Rope…
aber der Hund liegt auch nicht mehr dort, wo er sollte. Als
er dies zu spät bemerkt, jagt ein Stich vom rechten
Kniegelenk aus durch den Körper des Surfers. Zwar macht
dieser noch geistesgegenwärtig eine Judorolle, doch sein
erstes erneutes Auftreten zeigt ein schnelles Zurückziehen
des soeben weggeknickten Knies. Das wiederum verzögert
das Herumdrehen und hier ist Mad Dog. Mit einem Spear rammt
er Iokepa beide Beine weg. Iokepa schreit auf und hält
sich nun erstrecht das rechte Kniegelenk. Aber auch MD hat
sich mit seiner Aktion selbst ein wenig geschadet und bleibt
erstmal auf dem Boden liegen.
Sven:
„Das könnte ein Wendepunkt im Match sein. Iokepa
war sich mit seiner Aktion von den Seilen vielleicht zu
sicher… und hier hat er die Quittung.“
Pete:
„Es ist das rechte Knie, was getroffen ist… und
mit dem Dog Leash hat die Töle da ja noch eine extrem
starke Waffe, um daraus Kapital zu schlagen.“
Sven:
„Erstmal sollte er seinen Unterleib in den Griff
kriegen.“
Mit
schmerzverzerrtem Gesicht und einer Hand auf dem Bauch
liegend schnappt sich der Fighter Iokepa, zieht ihn auf die
Beine und hämmert ihm zwei Chops auf die blanke Brust.
Seine Arme sind noch beim verletzten Knie, doch die Töle
hämmert seinen Oberkörper immer wieder mit Chops
nach oben. Iokepa humpelt rücklinks, während die
Fans bei jedem weiteren Chop wie ein Hund bellen. Der
Hawaiianer ist schließlich in der Ringecke angelangt,
versucht nun die gerötete Brust zu schützen, doch
jetzt schnellt ein Tritt der unbekannten Konstante gegen das
rechte Bein. Iokepa schreit auf, sinkt nach unten. KLATSCH.
WAU. Der Handrücken hämmert ihn wieder nach oben.
MD macht einen Schritt zurück.
DOG
BITE!
Mit
dem Spinkick trifft er den Jungen voll am Kopf. Iokepa
taumelt nach vorne und wird mit einem Drop-to-hold über
die rechte Seite zu Boden gerissen. Wie in einer Bewegung
stellt Mad Dog seinen Fuß in die Kniekehle, wirft sich
auf den Rücken und katapultiert Iokepa so mit dem Dog
Leash (Hass of pain) ein wenig in die Höhe.
Pete:
„ER HAT IHN AN DER LEINE! ER HAT IHN AN DER LEINE!!!“
Sven:
„Iokepa schreit, er fuchtelt, er windet sich…
er…“
Pete:
„…sticht ihm in die Augen!“
Unbemerkt
von Jack Bobo hat Iokepa dem Hund in die Augen gestochen und
dieser hat sogleich seinen Spezialgriff lösen müssen.
Der Hawaiianer hält sich das rechte Knie, doch rollt
erst einmal weiter aus dem Ring, um wieder zu sich zu finden.
Das Dortmunder Publikum quittiert dies mit Buhrufen. Iokepa
schaut kurz zu Ben Slate, doch auch das war keine gute Idee,
denn sofort wird Iokepa von einem Baseballslide des Hundes
getroffen und gegen die Guardian Rail geschleudert. Krachend
fliegt der Junge gegen den Stahl.
Sven:
„Häh?! Was war das?“
Pete:
„Da kam wohl irgendetwas aus seiner Hose…“
Sven:
„Deine Mutter freut sich, wenn was aus meiner kommt.“
Pete:
„Da! Mad Dog hat es auch bemerkt.“
Der
Night Fighter blickt auf einen Zettel und hebt ihn sogleich
auf. Schnell überfliegt er die geschriebenen Zeilen,
plötzlich aber steht Ben Slate an der anderen Seite der
Guardian Rail und versucht ihm den Zettel wieder aus den
Händen zu reißen. Geistesgegenwärtig zieht MD
das Papier weg und deutet Slate mit dem wankelnden
Zeigefinger, dass er seine Finger hier nicht anlegen sollte.
Noch einmal liest stattdessen der Hund den Zettel…
schaut dann mit einem bitterbösen Blick in Richtung Ben.
Sven:
„Ist das die Seite, die Ben Slate zuvor Iokepa gegeben
hatte?“
Pete:
„SPEAR!!!“
Der
Zettel wirbelt wieder durch die Luft, als Iokepa den Night
Fighter wie eine Rakete in der Mitte halbiert. Humpelnd kommt
der Surfer wieder auf die Beine, reicht das Stück Papier
Ben Slate und kommt dann der Mahnung Jack Bobos nach, wieder
in den Ring zurück zu kehren. Zuvor schickt er den Hund
allerdings frontal gegen das Apron, sodass sich dieser fast
übergeben muss. Schließlich rollt er ihn ins
Seilgeviert zurück und springt vom Apron mit links über
das dritte Seil hinweg, um mit einem Elbow auf dem Night
Fighter zu landen. Sofort hakt er das Bein ein, doch bei zwei
zieht MD die Schulter nach oben.
Iokepa
schlägt wütend und ein wenig frustriert auf die
Matte. Denn jetzt widmet er sich wieder dem rechten Knie und
versucht es durch Lockerungsübungen wieder in Gang zu
bekommen. Mad Dog windet sich unterdes abartig würgend
zu den Seilen und zieht sich an diesen in den Stand zurück.
Nun
trifft ihn erneut ein Kick in den Bauch. Er sucht nach Luft.
Doch knallt mit letzter Kraft einen Chop auf die Brust seines
Gegners. Bei dem zieht sich alles zusammen. Aber auch hier
setzt es einen weiteren Kick in die Midsection, ehe Dog
nachsetzen kann. Nun will Iokepa es wissen, er schnellt nach
vorn, bekommt aber einen Kick gegen das rechte Knie zu
spüren.
Pete:
„Iokepa fliegt in die Arme des Night Fighters. Der
umgreift seinen Kopf, legt den Arm über… das
müsste, das sollte den Enter Night geben!“
Unter
wildem Blitzlichtgewitter stemmt Mad Dog seinen Gegner in die
Luft, dreht ihn dabei nach vorne für den Screwdriver.
ENTER
NIGHT!!!
Iokepa
scheint genau zu wissen, was er machen muss! Ehe sich MD
setzen kann, trifft ihn ein Knie am Kopf und Iokepa verlagert
das Gewicht nach hinten. Nun hat er ihn in der Position für
einen Reverse-DDT… doch Mad Dog reagiert überraschend
schnell auf diesen Konter und dreht sich einfach mit, hebt
Iokepa aus und lässt ihn mit einem Inverted Attomicdrop
auf sein Knie knallen.
Sven:
„Sach mal!!! Wusste der, was kommt?!“
Pete:
„Vielleicht stand es auf dem Zettel…“
Während
sich der Hawaiianer den Schritt hält, zieht ihn MD
wieder mit dem Drop-to-hold auf die Matte. Ebenso schnell hat
er den Dog Leash eingerastet. Jetzt dreht er den Kopf weg,
jetzt zieht er fester an. Iokepa wird ins Surfboard
gestrecht. Sein Bein, sein verdammtes Knie malträtiert.
Er schreit, er beißt, rauft sich die Haare. Versucht zu
den Seilen zu kommen, versucht sie zu erreichen. Zwecklos.
Versucht den Kopf des Hundes zu erreichen, dort nochmal die
Augen zu erwischen, die Nase oder… oder…
Sven:
„ER KLOPFT AB! ER GIBT AUF!“
Pete:
„Mad Dog gewinnt! Mad Dog besiegt Iokepa!“
Sven:
„Das war zu viel für sein Knie!“
Pete:
„ABER DA IST SLATE!!!“
DISCUS
ELBOW!!!
Der
Schweizer schmettert seinen Ellenbogen ins Gesicht des
siegreichen Night Fighters. Sofort packt er den überraschten
Hund von hinten.
CASE
CLOSED!!!
Der
Back Suplex Side Slam von Ben Slate trifft den Night Fighter
mit voller Härte und lässt ihn erst einmal auf der
Matte liegen. Ben reicht Iokepa die Hand und zieht ihn auf
die Beine. Während der sich immer noch das rechte Knie
hält, starrt er wütend zu dem Mann, der ihn soeben
besiegt hat.
Sven:
„Was haben die beiden vor?“
Pete:
„Ich glaube die haben noch nicht genug!!“
Die
Töle wird nun mit harten Kicks eingedeckt. Immer wieder
prasseln die Stiefel von Iokepa und Slate auf den Night
Fighter nieder. Doch dann hebt Ben Slate den alten Mann auf
die Beine…
SUNSHINE!!!
Auch
der Codebreaker von Iokepa sitzt. Doch damit immer noch nicht
genug. Slate und Iokepa sind wie im Wahn und treten weiter
auf Mad Dog ein. Immer wieder in die angeschlagene
Magengegend des Night Fighters. Immer wieder gegen den Kopf
des Hundes.
Sven:
„Die wollen ihn krankenhausreif schlagen!“
Pete:
„Ist denn niemand hier, der ihm helfen kann?“
Plötzlich
keimt ein Hoffnungsschimmer auf! Die ersten Leute im Publikum
springen auf und zeigen in Richtung On Stage! Kann das
wirklich sein? Ja, tatsächlich! Er ist es! Zereo Killer
kommt angerannt, bewaffnet mit einem Stuhl und slidet in den
Ring! Slate und Iopeka haben es sofort bemerkt und wollen den
Kalifornier sofort attackieren, doch der duckt sich weg!
Unter großem Jubel folgt ein Stuhlschlag!! Der geht
allerdings ins Leere, das Duo weicht ebenfalls geschickt
zurück und ergreift die Flucht, in dem sie sich unter
das unterste Seil blitzschnell hindurchrollen.
MacKenzie
lässt die Beiden nicht aus den Augen, während sie
mit wütenden Gesichtern in seine Richtung deuten. Zereo
aber bleibt gelassen, als sich hinter ihm langsam wieder der
Night Fighter aufbaut. Schmerzverzerrtes Gesicht, gekrümmt
und den Magen haltend - gekennzeichnet vom Match und von den
Attacken direkt danach, doch mithilfe der Ringecke kommt er
hoch. MacKenzie dreht sich langsam um. Die Blickkontakte
treffen sich. Iopeka und Slate sind endgültig
verschwunden, die Aufmerksamkeit gehört den beiden Stars
im Ring. Mad Dog geht einige Schritte auf Zereo Killer zu.
Dieser hält den Stuhl nun mit beiden Armen fest. Rechnet
er immer noch mit einer Attacke? Kann durchaus sein. Doch
irgendwas hat ihn angetrieben, hier rauszukommen und den
ehemaligen PCWAler zu retten.
Simargl
richtet seinen Blick hoch und schaut Zereo Killer genau in
die Augen. Er streckt ihm die Hand aus. Er bietet erneut
einen Handshake an. Dieselbe Szene wie bei War Evening, beide
verharren in ihrer Position. MacKenzies Blicke wandern vom
Handshakeangebot zu den Augen seines Gegenübers. Ein
Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt, ein Moment,
der allerdings einer Jubiläumsshow würdig ist.
Niemals hätte man sich denken können, dass die
Beiden eventuell mal auf derselben Seite stehen. Vielleicht
geht Zereo Killer auch das kurze Gespräch durch den
Kopf, welches er mit Morbeus bei der vergangenen War Evening
Show hatte. Vielleicht die Worte des Hundes im Interview mit
Tammy. All das lässt er in seinem Kopf Revue passieren…
und dann ist es geschehen.
Zereo
Killer lässt den Stuhl fallen, die Blicke treffen sich.
Es kostet Mr. #ISGI zwar Überwindung, aber er geht auf
den Handshake ein!
Unter
großem Jubel der Zuschauer: Zereo Killer und Night
Fighter Mad Dog – Handshake!!! Der Hund nickt
zufrieden, aber angeschlagen, mit dem Kopf, ZK lässt
kurz darauf die Hand wieder los. Ein Moment, der sich wie
eine Ewigkeit anfühlt, der sich richtig anfühlt,
der sich für die Fans wie ein neuer, toller Beginn
anfühlt. Zereo Killer schließt zuerst Frieden mit
Morbeus, nun auch offensichtlich mit Simargl.
Doch
dann ist der Moment schon vorbei, denn Zereo Killer verlässt
den Ring wieder und geht unter tosendem Jubel zurück in
den Backstagebereich. Wollte der angeschlagene Hund noch ein
paar Worte an seinen „Retter“ richten? Könnte
schon sein. Warum ist Zereo Killer so schnell gegangen?
Zweifelt er nun doch an den Friedenspakt mit seinem
ehemaligen Feind? Oder liegt es schlicht und einfach daran,
dass er sich nochmal mit Morbeus zusammensetzt, weil das
nächste Match bereits das Tag Team Titlematch ist? Alles
ist möglich.
Mit
sanftem Zug gleitet die Kanüle aus Robbins Arm.
Schwindel.
Die Erschöpfung greift mit ihren Klauen nach ihm, drückt
ihn auf die Liege zurück. Er möchte schlafen. Schlafen
und liegenbleiben. Für immer.
Der
Mann am anderen Ende des Schlauches setzt sich auf. Er zieht sich
die Instrumente raus, tupft die Bluttropfen ab und klebt ein
Pflaster auf die Einstichstelle. Er springt mit einer Energie auf
die Beine, die für Robbin – der ihn mit verschwommenem
Blick beobachtet – wie eine Erinnerung aus einem
vergangenen Leben anmutet.
Robbin
Zick: „Mir…geht…es…nicht…so…gut…Danny.“
Zicks
Gegenüber antwortet nicht. Er rollt den Transfusionsschlauch
zusammen, jede Bewegung ist einstudiert und präzise. Dann
zieht er sich die Jacke an, nimmt seine Sonnenbrille vom Tisch
und setzt sie auf.
Erst
als er halb zur Tür heraus ist, schaut er zu Robbin, der auf
sich aufmerksam machen will. Außer einem Ächzen kommt
nichts aus Zicks Mund, er ist schon halb in die Traumwelt
übergeglichen.
Danny
Rickson: „Du tust es für das Team, junges
Blut.“
Robbin
Zick: „Für…das…Team.“
Rickson
nickt, tritt aus dem Raum und schließt die Tür. Er
lässt Zick zurück in jener sterilen Umgebung, in der
sie eben nicht nur Zeit, sondern auch Blut miteinander geteilt
haben.
Der
Engländer wirkt erfrischt. Und glücklich. Er leckt sich
über die Lippen, lässt seine Muskeln kreisen. Mit jeder
Sekunde fühlt er sich stärker. Sein Gang wird wippend,
als würde er der Welt um den Hals fallen wollen.
Aus
der zufriedenen Trance wird Rickson erst gerissen, als Musik und
Stimmengewirr an sein Ohr dringen. Mit jedem Schritt wird es
lauter; bis klar ist, dass es aus dem Kantinenbereich kommen
muss, den der Hall of Famer just in diesem Augenblick passiert.
Rickson überlegt, dann dreht er den Türknauf und tritt
ein.
…
…
Im
Catering ist eine Party im Gange.
Luftschlangen,
Ballons, Käsespieße, Fetenhits. Das volle Programm.
Jemand schmeißt mit Jubelrufen Konfetti und als Rickson
näherkommt, erkennt er in dem Partymenschen das bekannte
Gesicht von Erick Ivans. Rickson ignoriert ihn, drückt sich
an Ivans vorbei tiefer in die Partytraube. Er rempelt zwei junge
Männer zur Seite, die er bei genauerem Hinschauen vielleicht
als Primo Ravenna und Bene Zampach identifiziert hätte, dann
schiebt sich der Hall of Famer an einem mies gelaunt aussehenden
Ardian Vak vorbei, der allein an einem Stehtisch steht und fünf
leere Sektgläser vor sich hat.
Im
Vorbeigehen greift Rickson eine Wasserflasche aus den Händen
von Sandro Prach – der es mit einem empörten „In
Luxemgal macht man das so nicht!“ quittiert -, leert sie in
einem Zug und wirft sie achtlos zu Boden, wobei das zerspringende
Glas dafür sorgt, dass Tammy, Mac Müll und der Cirque
du Tonnerre erschrocken in Deckung gehen.
Mit
jeder Sekunde, die Rickson auf dieser Jubiläumsfeier
verbringt, verlässt ihn die Lust ein wenig mehr. Es ist
niemand hier, den er für würdig erachtet, um ein
Gespräch zu führen. Also geht es für den Engländer
zum Büffet, der Anblick der fettigen, ungesunden Speisen
jedoch verdirbt auch diese Stimmung. Rickson zischt und dreht
sich auf der Fußspitze herum.
Nun
will er nur noch raus aus diesem Raum. Raus aus einer Feier von
Leuten, die es gar nicht verdient haben, zu feiern. Schließlich
haben nicht SIE diese Liga in den vergangenen 25 Jahren erbaut,
haben sie niemals geprägt. Sie sind alle keine Danny
Ricksons.
Rickson
ignoriert ein ärgerliches Fauchen von Giovanni Domizzi, als
er diesen auf den Fuß tritt, zieht Snow an dessen weißen
Mantel aus dem Weg und steuert schnurstracks auf den Ausgang zu.
Er
hat einen Griff am Türknauf, als sich jemand in den Weg
stellt.
Der
Engländer muss stehenbleiben, um nicht mit dem Kerl zu
kollidieren, der ihn kreuzt. Das Erste, was ihm auffällt,
ist das Outfit, das noch mehr glänzt als die
Partydekoration. Alles ist Gold und Silber, von den Schuhen bis
zum Kopf. Genauer gesagt: Bis zur Maske. Einer Maske, die einem
Vogelschnabel nachempfunden ist.
Es
ist der Pheasant Warrior, der sich aus einem Gespräch mit
Zac Alonso gelöst hat, um die Konfrontation mit Danny zu
suchen.
Rickson
blickt seinen alten, zurückgetretenen Kollegen abschätzig
von oben bis unten an.
Pheasant
Warrior: „Das ist nicht rechtens, was du machst!“
Danny
zieht die Augenbrauen zusammen. Er weiß nicht, worauf sich
der einstige No. 1-Contender bezieht – und im Grunde will
er das auch nicht wissen. Sein Plan, diese Party so schnell wie
möglich wieder zu verlassen, hat noch immer Bestand.
Aber
bevor er am Warrior vorbeikommt, zieht dieser Rickson zur Seite,
hin zu Zac Alonso. Und dann deutet der Guatemalteke auf einen
Monitor, der dort angebracht ist. Die Live-Übertragung zeigt
noch immer die Bilder aus dem Medizinraum. Einen erschöpft
daliegenden Robbin Zick, der es kaum schafft, sich die Schuhe
anzuziehen, ohne vor Schwindel zu Boden zu sinken.
Danny
Rickson: „Es geht dich nichts an, was ich mache, Pheasy.“
Er
greift nach der Fernbedienung und schaltet den Bildschirm ab.
Robbin Zick, der gerade wankend einen Schritt getan hat,
verschwindet in der Dunkelheit.
Danny
Rickson: „Und dich auch nicht, Zac.“
Abschätzig
blickt er den Herrn des Zacidog von oben bis unten an. Dass
dieser heute in einem Titelmatch steht, ringt Rickson keinen
Funken Respekt ab.
Pheasant
Warrior: „Ich halte jedenfalls fest zu Ask Skógur.“
Zac
Alonso: „Wir beide tun das.“
Um
sich gegenseitig zu bestätigen, schauen Alonso und die
GFCW-Legende einander an. Nicken sich zu. Alonso muss lächeln.
Was auch immer der Gesprächsinhalt zwischen den Vertretern
zweier verschiedener Generationen war: offenbar hat es zu einer
schnell geschlossenen Freundschaft geführt.
Danny
Rickson: „Und jetzt? Soll es mir Angst machen? Soll es mich
interessieren, wer zu mir hält und wer zu Ask Skógur?
Ich bin in der Hall of Fame. Ich bin Danny Rickson. Es ist mir
scheißegal, was jemand denkt, dessen Karriere heute zu Ende
geht…“
Seitenblick
in Richtung Alonso. Zac setzt an, etwas zu erwidern, doch
schluckt seine Antwort herunter, als Rickson unvermittelt
fortfährt.
Danny
Rickson: „…oder dessen fünf Minuten Fame mehr
als ein Jahrzehnt zurückliegen.“
Das
ist an den Pheasant Warrior gerichtet. Der Guatemalteke macht
nicht den Eindruck, als wolle er klein beigeben. Auch wenn die
Maske seine Mimik verbirgt, ist das durch die Körperhaltung
ersichtlich.
Pheasant
Warrior: „Injizier dir das Blut deines Kollegen, vernichte
ihn, opfere ihn. Doch eines weiß ich ganz genau, Danny. Am
Ende zählt es nicht, was in deinen Adern ist, sondern in
deinem Kopf.“
Er
tippt sich auf seine Maske.
Pheasant
Warrior: „Und ich merke, dass du da nicht so souverän
bist, wie es scheint. Du versucht es zu verdrängen, doch in
dir haust die Angst, dass dein Refuse to Age-Kram nicht die
Wirkung hast, die du proklamierst. Es ist die gleiche Angst, die
jeder spürt, der dein Alter erreicht. Die Frage: Kann ich
wirklich noch mithalten? Mad Dog hat sie sich gestellt. Morbeus
auch. Robert Breads hat sie für sich beantwortet und hört
deshalb auf. Aber du…“
Der
Fasanenkrieger legt seinen Kopf schief.
Pheasant
Warrior: „…bist der Einzige, der versucht, sie zu
verdrängen. Und womit? Mit Bosheit. Weil du nicht in der
Lage bist zu akzeptieren, was die Natur aus dir gemacht hat,
konstruierst du ein neues Ich, dass all deine schlechten
Eigenschaften aus 20 Jahren GFCW auf die schlimmste Weise
amalgiert. Was du tust, ist pervers. Es ist…einfach nicht
in Ordnung. Du bist eine Hülle, in der nur das Böse
überlebt hat, das immer in dir war.“
Noch
einmal deutet der Warrior auf den Fernseher. Unterdessen tritt
Zac Alonso vor.
Zac
Alonso: „Ask ist ein Gegenentwurf zu dir. Er ist wahr,
authentisch. Er kämpft für das Gute, auch wenn das
manchmal einen Umweg bedeutet. Genau wie ich. Deswegen werde ich
den Sieg, den er heute feiert, als Inspiration für meinen
eigenen Sieg ein paar Minuten später nehmen.“
Der
Mann aus Newcastle winkt ab.
Danny
Rickson: „Weißt du eigentlich, wie lange es her ist,
dass der Pheasant Warrior zurückgetreten ist, Zac?“
Zögern
bei Alonso.
Zac
Alonso: „Ähm…ein paar Jahre, schätze ich.“
Danny
Rickson: „Ein paar Jahre. Schätzst
du.
Du weißt nicht einmal, wann genau, hm?“
Kopfschütteln
bei Zac. Auch mit viel Überlegen kommt er nicht auf eine
Antwort. Rickson wendet sich wieder dem Pheasant Warrior zu.
Danny
Rickson: „Sag mir, Pheasy, warum war dein Rücktritt
eine solche Randnotiz, dass nicht einmal dein Buddy noch das
genaue Datum kennt, hm? War dein letztes Match nicht irgendeine
Scheiß-Niederlage gegen Aiden Rotari bei einem
stinknormalen War Evening?“
Die
Gelegenheit zur Antwort bekommt der Guatemalteke nicht.
Danny
Rickson: „Und sag mir auch, warum du nicht in der Hall of
Fame bist. Und, ach, warum du nie den World Title gewonnen hast,
obwohl du die Chance dazu hattest.“
Ein
boshaftes Grinsen schleicht auf Ricksons Lippen. Er legt nun
seinerseits den Kopf schief und taxiert sein maskiertes
Gegenüber.
Danny
Rickson: „Ich beantworte es für dich: Weil du nie
bereit warst, wirklich alles
zu
tun, Pheasy. Weil du dich an Ideale klammerst, die völlig
egal sind. Was ist dieses Schöne und Gute, von dem du
sprichst, hm?“
Schulterzucken
bei Rickson.
Danny
Rickson: „Fiktive Werte, die sich irgendwelche Leute
ausgedacht haben, um sich und andere daran zu messen. Was hat man
wirklich
davon,
wenn man sie befolgt? Nichts, außer dass irgendwelche Affen
lauter klatschen. Aber auf lange Sicht bringt es einen Scheiß.
Deswegen bist du heute vergessen, Pheasy. Ich war vor dir da und
bin ich es noch viele Jahre nach dir. Gleich gehe ich da raus und
zerstöre den Good Guy einer neuen Generation. Und du? Du
stehst auf irgendeiner Scheiß-Party im Hintergrund und
frisst Käsespieße. Wäre ich nicht zufällig
in den Raum gekommen, würde hier nicht mal eine Kamera
laufen.“
Höhnisch
schlägt er dem Pheasant Warrior auf die Schulter.
Danny
Rickson: „Du hast dich an das Gute geklammert und deswegen
deine Karriere verloren. Was für eine scheiß-großartige
Entscheidung. Herzlichen Glückwunsch.“
Der
Mund des Maskierten verzieht sich. Er will endlich antworten,
doch noch immer ist Rickson nicht am Ende.
Danny
Rickson: „Und den gleichen Fehler, den du vor anderthalb
Jahrzehnten gemacht hast, machen Leute noch heute. Ask Skógur
klammert sich jetzt an deiner Statt an die Idee vom Guten und
Rechten. Deswegen wird er heute verlieren. Dieser Wichser da…“
Fingerzeig
auf Alonso.
Danny
Rickson: „…tut es nun auch und deswegen geht seine
Karriere heute zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat.“
Zac
Alonso: „Heute wird überhaupt nichts enden, Danny. Du
wirst es sehen.“
Danny
Rickson: „Ich brauche es nicht einmal zu sehen, Zac. Ich
WEIß es. Denn die Geschichte wiederholt sich in dieser Liga
Jahr für Jahr. Seit fünfundzwanzig Jahren. Am Ende
werden diejenigen belohnt, die dazu bereit sind, alles zu tun.
Deswegen sind Robert Breads und ich in der Hall of Fame und
dieser Typ mit der Maske ist ein Nichts. Ein Nostalgie-Akt, der
alle paar Jahre zu Jubiläen vorbeikommt und einen blöden
Fasan herumträgt.“
Als
wäre das sein Stichwort gewesen, beginnt hinter Pheasy etwas
zu flattern. Rickson tritt am Fasanenkrieger vorbei und sieht zu
seiner Belustigung tatsächlich Mohi – den heiligen
Fasan - auf einem weichen, roten Kissen ruhen.
Der
einstige GFCW-Vizepräsident (Ja, das ist wirklich geschehen)
göckt aufgeregt und als Rickson versucht, ihn anzustupsen,
beginnt er heftig mit den Flügeln zu schlagen. Von den Fans,
die in der Halle die Szene über die Videoleinwand verfolgen,
gibt es laute Pops für den Vogel. Besonders, als er den
Berührungsversuch Ricksons abwehrt. Tiere spüren es
instinktiv, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
Rickson
schnalzt mit der Zunge und dreht sich zurück zu seinen
Gesprächspartnern.
Zac
Alonso: „Du kannst gut reden, Danny. Das konntest du schon
immer. Schon vor zwanzig Jahren, als ich dich als kleiner Junge
im Fernsehen gesehen habe. Aber Pheasy hier…“
Demonstrativ
legt Alonso dem alten Fasanenkrieger einen Arm um die Schulter.
Zac
Alonso: „…hat Recht. Er mag sich nicht so
geschliffen ausdrücken wie du, aber trotzdem spüre ich,
dass in seinen Worten Wahrheit steckt. Ich bin auch bereit, alles
zu tun. Im Ring. Aber nicht dazu, noch einmal meine Seele zu
verkaufen und auf einem falschen Weg zu wandeln. Das habe ich
hinter mir. Und mich von diesem Weg – dem Irrpfad des
Switziverse - abgewandt zu haben, macht mich nicht schwach,
sondern stärker.“
Rickson
seufzt.
Zac
Alonso: „Ich werde Darragh Switzenberg heute besiegen. Und
Ask Skógur dich. Das Gute mag manchmal einen Rückschlag
erleiden. Aber auf lange Sicht wird es gewinnen.“
Danny
Rickson: „Dies ist Wrestling, Junge. Kampfsport. Die
einfachste Rechnung der Welt. Hier gewinnt nicht das Gute,
sondern der Bessere.“
Der
Hall of Famer wendet sich ab und legt eine Hand zurück an
den Türknauf.
Danny
Rickson: „Und der bin meistens ich.“
Es
will etwas heißen, wenn es sich um ein eher ungewohntes
Bild handelt, einen Wrestler in seiner Kabine zu sehen, wie er
sich auf sein bevorstehendes Match vorbereitet. Und doch, ist
genau das bei Ask Skógur der Fall. Bisher hat Ask noch vor
jeder Halle zumindest einen halbwegs ansprechenden Baum gefunden,
auf dem er sich seelisch und moralisch auf das vorbereiten
konnte, was da vor ihm liegt. Jetzt hingegen ist er bereits
backstage, denn wieder einmal steht er vor einem großen
Match.
Es
geht nicht um den GFCW-World Title und auch nicht darum sich
direkt für ein solches Titelmatch zu qualifizieren. Heute
geht es auch nicht darum, sich zwischen Gut und Böse zu
entscheiden und seinem größten Feind – sich
selbst – zu trotzen. Heute steht Ask ganz einfach in einem
knallharten, intensiven Match gegen einen der größten
Stars der GFCW-Geschichte, den er besiegen muss, weil er ihm in
der vergangenen Show mehr als übel mitgespielt hat. Ask
wollte für das Gute einstehen und Petes Sohn helfen, bevor
er selbst schließlich zum Opfer eines bitterbösen
Angriffs wurde.
Die
Erkenntnis, die dabei aber mitschwingt und wohl all das wert
macht: Ask wurde bestraft, dafür etwas Gutes getan zu haben,
sich, vielmehr noch, für die gute Seite entschieden zu
haben, aber all das hat nichts in ihm verändert, sondern das
vielmehr bestätigt.
Ask
ist inzwischen wieder vollends auf der guten Seite angekommen und
deshalb wird die Böse heute ordentlich aufs Maul bekommen.
Während
Ask dort also in Gedanken versunken sitzt, bereits in
Ringklamotte und mit dem Fokus aufs Match, …
… klopft
es wieder an der Tür.
Pexianer?
Rickson? Zick? Sven?
Wer
soll das sein?
Anders
als noch vor einigen Wochen wartet und zögert Ask diesmal
aber nicht. Sein Blick schnellt sofort zur Tür und so steht
er langsam, aber durchaus mit einer gewissen Skepsis auf und geht
zur Tür.
Man
merkt Ask deutlich an, dass er noch geladen ist, nach dem, was
vor zwei Wochen passiert ist. Gleichermaßen hat er es wohl
aber auch halbwegs „verdaut“ oder zumindest genug
verarbeitet, dass sein Fokus eben wieder da ist. Gute Laune sieht
trotzdem anders aus…
… bis
er schließlich die Tür macht und beim Erblicken seines
Gastes all den ganzen Kram, der ihn mal wieder umgibt, vergessen
kann, zumindest für einen kurzen Augenblick.
In
diesem Moment scheint Asks Gesichtsausdruck vor guter Laune fast
schon zu explodieren. Mit einer fast schon kindlichen Freude
blickt er entgeistert und mit offenem Mund zu seinem Gegenüber.
Keek
Hathaway: „Ask.“
Als
wäre er nie weg gewesen und es ein alltäglicher
Anblick, ihn vor den Kameras zu sehen, steht er da. Keek
Hathaway. Der ehemalige GFCW-Champion. Die Kultfigur. Derjenige,
der vielleicht am ehesten in einer Linie mit Ask Skógur
gesehen werden kann, wenn es darum geht, für das Gute und
Rechte zu kämpfen, ohne den Zuschauern je in den Rücken
gefallen zu sein.
Entsprechend
laut wird es auch in der Halle als die Bilder aus der Kabine auf
der Leinwand übertragen werden.
Keek
Hathaway: „Darf ich kurz reinkommen?“
Keek
Hathaway. Die Beiden mögen nicht besonders lang miteinander
zu tun gehabt haben, aber für Ask übernimmt Keek doch
einen recht großen Stellenwert, denn es war Keek Hathaway,
der ihm damals, als Ask seinen Weg in die GFCW gefunden hat, zur
Seite gestanden hat. Ask musste sich entscheiden, zwischen Keek
und Holly Hutcherson und das tat er letztendlich für Keek.
Wobei, weniger FÜR Keek, als vielmehr GEGEN Holly und doch
war Keek Hathaway, damals noch GFCW World Champion, einer der
frühen, prägenden Faktoren für Ask.
Und
Ask hat ihn seitdem nicht vergessen.
Er
bringt nicht wirklich eine Antwort auf die Frage heraus, ob Keek
eintreten darf, sondern tritt vielmehr leicht zur Seite, um
Hathaway den Weg freizumachen.
Keek
Hathaway. „Danke.“
Der
Namibier betritt Skógurs Kabine. Er zieht seine Jacke aus,
faltet sie zusammen und legt sie auf eine der Bänke im
Inneren, ganz so, als wäre er zu Gast bei Freunden.
Nicht
nur Skógurs Miene ist von Freude erfüllt, auch
Hathaway wirkt bei guter Laune. Er hat sich – in den Jahren
seit seinem Rücktritt – nicht groß verändert.
Der Haaransatz mag den einen oder anderen Zentimeter
zurückgekrochen sein, doch körperlich wirkt Hathaway
noch immer so, als würde er gleich ins Squared Circle
steigen. Unter seinem Shirt zeichnen sich wohlgeformte, kräftige
Muskeln ab, der Körper ist voll Spannung und Energie.
Keek
Hathaway: „25 Jahre GFCW. Eine Zeit voller Erinnerungen.
Von A wie Alex Ricks zu Z wie Zacharias Zwengelmann. Von Zeus zu
Anawoo. Und mittendrin…“
Er
tippt erst sich auf die Brust, dann deutet er in Richtung Ask.
Keek
Hathaway: „…in diesem wilden Vierteljahrhundert sind
auch wir ein Teil des Ritts gewesen. Da kann ich mir diese große
Geburtstagsparty doch nicht entgehen lassen. Und wo wir bei Party
sind…“
Seine
Stimme wird eine gute Spur ernster. Man kann erahnen, dass
Hathaway nicht nur gekommen ist, um Jubiläumsgrüße
auszusprechen. Er räuspert sich und schaut dem Schweden in
die Augen. Dieser merkt, dass es ein womöglich längeres
Gespräch wird und schließt die Tür.
Keek
Hathaway: „Ich möchte, dass diese Party eine Party
bleibt und es keinen Grund zur Trauer gibt. Und dazu gehört
für mich, dass heute Abend dein Arm Richtung Hallendecke
gereckt wird. Nicht der von Danny Rickson.“
Bei
der Erwähnung des Namens verzieht sich Keeks Gesicht.
Keek
Hathaway: „Wie du weißt, verbindet mich viel mit ihm.
Einst war ich sein Privatsekretär, dann – als ich
selbst Erfolg hatte – die Ursache seines Neids. Er hatte
viele Rollen und in keiner von ihnen war er ein guter Mensch.
Mehr als einmal musste ich das aus nächster Nähe
erfahren.“
Er
stemmt die Hände in die Hüften und seufzt. Es mögen
die Erinnerungen an eine wechselhafte Geschichte sein, die durch
Hathaways Kopf fluten. Nur einmal, ganz am Anfang von Keeks
Karriere, standen sie auf der gleichen Seite. Der Rest ihrer
Beziehung war von gegenseitiger Ablehnung geprägt.
Keek
Hathaway: „Also glaub mir, wenn ihr es dir sage: Niemand
weiß besser als ich, dass ein Danny Rickson grad jetzt, in
genau diesem Moment, hundert Zahnrädchen in Bewegung setzt,
um ein Szenario zu finden, in dem er dich besiegen wird. Rickson
ist nicht nur süchtig nach Erfolg, es ist seine gesamte
Identität. Also lass mich tun, was alte Männer gern
tun, und dir ein paar Worte mit auf den Weg geben.“
Asks
Euphorie hat sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt,
nicht zuletzt auch deshalb, weil Keek Asks Aufmerksamkeit wieder
auf Danny Rickson gelenkt hat und doch ist Ask glücklich und
sicher auch etwas stolz, dass er Keek hier und heute, zum
Geburtstag der GFCW, wiedertreffen kann und das, nachdem Ask eine
solche Karriere zurückgelegt hat.
Ask
Skógur: „Mann… also… erstmal…
wow.“
Vielmehr
Worte findet Ask wohl nicht wirklich dafür, dass Keek wieder
hier ist, aber viel mehr braucht er auch nicht – seine
Reaktion und eben diese Worte sprechen für sich.
Ask
Skógur: „Ich hab lange über den Moment
nachgedacht, wenn wir uns wieder sehen und jetzt… isses
doch schneller passiert als gedacht. Tja… und mal wieder…
steht ein machthungriger Wahnsinniger zwischen uns. Manches
ändert sich wohl nie, hm?“
Hathaway
versteht sofort die Anspielung. Holly Hutcherson. Der Mann, der
nicht nur bis heute in Ask Skógurs Kopf haust, sondern in
seiner kurzen GFCW-Karriere auch zu Keeks Nemesis wurde. Weder
davor noch danach war der Namibier in einer so blutigen,
persönlichen Fehde verwickelt gewesen wie einst mit dem
Sektenführer.
Als
Skógur jedoch den Vergleich zwischen Hutcherson und
Rickson zieht, schüttelt Keek kaum merklich mit dem Kopf.
Keek
Hathaway: „Mach es dir nicht zu einfach, Ask. Bitte. Wenn
du in Danny Rickson nur eine Parallele zu Hutcherson siehst, nur
eine Wiederholung eines Kampfes, den du bereits einmal
überstanden hast, dann wirst du heute untergehen.“
Die
Worte kommen derart schonungslos, dass der Angesprochene wie aus
Reflex einen Schritt nach hinten macht.
Keek
Hathaway: „Holly Hutchersons Zeit in der GFCW waren Monate,
in denen ein perfekter, böser Sturm herrschte. Chaos. Helter
Skelter. Das Fundament seines Erfolgs waren Angst und
Manipulation. Er hat von den Bedingungen profitiert, die er
selbst erschaffen hat. Und er ging wieder, bevor man das
Gegenmittel fand, bevor man ihn entzaubern konnte. Danny Rickson
jedoch…“
Hathaway
legt seinem Gesprächspartner eine Hand auf die Schulter und
versucht, durch diesen Moment der Nähe besondere
Konzentration zu schaffen.
Keek
Hathaway: „…ist sein eigenes Fundament. Ich hasse
ihn, aber er ist verdammt nochmal leider richtig gut. All die
Dinge, die er mit deinem Kopf macht, deine Demütigung vor
zwei Wochen, sind nur ein Bonus. Selbst wenn man ihn durchschaut
und seinen Spielchen nicht auf den Leim geht, ist die Chance noch
immer hoch, dass man verliert. Hinter Holly Hutchersons Fassade
wartete ein Weg, ihn zu besiegen. Hinter Ricksons Fassade wartet
einer der besten Wrestler der GFCW-Geschichte. Vergiss das nie.“
Und
nun erlischt Asks Euphorie immer mehr, vor allem aufgrund dessen,
was Keek hier sagt. Danny Rickson ist mal wieder eine ganz neue
Kategorie an Gegnern für Ask. Er hatte schon die
unberechenbaren und manipulativen Aiden Rotaris, er hatte die
legendären und scheinbar unbesiegbaren Robert Breads‘,
er hatte die aufstrebenden und ambitionierten Aldo Neros, selbst
die übermächtigen Puppenspieler, die halsbrecherischen
Luna Rosarios und wen noch nicht alles.
Aber
jetzt ist da Danny Rickson, der in seiner aktuellen Form
vermutlich viele dieser Eigenschaften miteinander verbindet. Ein
Mann, der eigentlich alles erreicht hat und darauf basierend
einen Legendenstatus innehat.
Warum
tut er also, was er tut?
Ein
Mensch, der nichts zu verlieren und nichts zu beweisen hat,
könnte einer der gefährlichsten Gegner sein, die Ask je
hatte. Danny Rickson muss nicht tun, was er tut, er entscheidet
sich aber dafür es zu tun.
Andererseits…
ob Holly, Aiden, Switzenberg, Nero… wer auch immer, Ask
mag nicht jeden dieser Kämpfe gewonnen haben, aber er hat
sich diesen immer gestellt. Und keinen davon hat Ask
leichtgenommen, weil Ask seine Gegner generell nicht
unterschätzt. Ask trotzt seinen Gegnern, trotzt den
Umständen und dafür braucht er auch niemanden, um ihm
das zu sagen. Und so… zeichnet sich wieder ein
selbstbewusstes Grinsen auf seinen Lippen ab, als hätte Ask
die Situation unter Kontrolle, fast schon an der Grenze zum
Übermut, aber aus einer sympathischen, leicht-naiven und
trotzdem reflektierten Perspektive.
Ask
Skógur: „Werde ich nicht…. Aaaaber…
Danny Rickson will sich über die Natur stellen. Tja, Mann,
und ich fürchte das kann ich nicht zulassen. Refuse to Age?
Heute heißts Accept to Ask, denn, wenn ich mit ihm fertig
bin, wird er in jedem einzelnen seiner alten Knochen spüren,
dass er sich weder mit dem Älter werden noch mit mir anlegen
sollte.“
Ask
nickt Keek grunzend zu.
Ask
Skógur: „Weißt du, es ist ne Menge passiert,
seitdem du weg bist. Und das ist immerhin gefühlt zwanzig
Sinneskrisen von mir her, aber das Ding ist, nach jeder einzelnen
davon bin ich gefühlt nur noch stärker geworden. An
jeder bin ich gewachsen. Und jetzt kommt so’n Rickson und
meint es wäre anders, nur weil der mir ein bisschen Seife in
den Mund geschmiert hat? Tzz, dass ich nicht lache. Es haben
schon ganz andere probiert mich fertig zu machen und keiner hat
es geschafft.
Und
ich… ich hab mich sicher hier und da gewaltig verändert,
seit damals… aber diese Sache, hat sich nie geändert.
Was das angeht… sich Typen wie Rickson zu beugen…
tja, da lebe ich nach dem Motto: Refuse to Change.“
Ask
lacht mit dieser ironischen Einsicht kurz auf.
Keek
Hathaway: „Refuse to Change, hm? Ich
kann nicht sagen, ob ich das für stur oder konsequent halte.
Noch nicht.“
Auch
Hathaway muss grinsen. Sein Satz war nicht als Vorwurf gemeint,
nur als eine Feststellung unter Freunden.
Keek
Hathaway: „Aber ich muss sagen, dass ich deine Haltung
wirklich bewundere. Du hast viel erreicht. Du hast Dinge
überstanden, bei denen ich mehr als nur einmal richtig
WÜTEND gewesen wäre. Aber du bliebst dir treu.
Vielleicht ist das dein Geheimrezept, Ask. Du bist kein Holly, du
bist kein Rickson. Du hast keine Fassade, hinter die man gelangen
muss. Das brauchst du nicht. Du bist einfach, wer du bist.“
Er
fährt den Schweden mit den Augen von oben bis unten ab.
Keek
Hathaway: „Und damit bist du auch jetzt schon einer der
ganz großen Namen dieser Liga. Ich würde lügen,
wenn ich sage, das hätte ich vor fünf Jahren
vorausgesehen, als so ein Typ aus dem Wald in unsere Liga kam.
Doch jetzt ist dieser Typ ein Superstar.“
Der
Namibier wirft lachend den Kopf in den Nacken.
Keek
Hathaway: „ICH BIN STOLZ. Und ich drücke dir beide
Daumen, dass es sich heute einmal mehr auszeichnet, dass du dich
niemals änderst.“