Hollywood Jakes Musik ertönt und mit ihr die Buhrufe des Publikums.


Es dauert einen Moment, bis er durch den Vorhang tritt, so lang, dass man fragen muss, ob er sich dem Kampf gegen Iray Burch durch Flucht entzieht. Dann jedoch wird doch noch der Stoff zur Seite gezogen und die athletische Gestalt des Riesaers tritt hindurch.

Seine übliche Arroganz wirkt wie weggeblasen. Sie hat Platz gemacht für Anspannung, Nervosität. Der anstehende Fight ist für ihn keine Prüfung, bei der es was zu gewinnen gibt, sondern es ist die Anbahnung einer Katastrophe. Natürlich hat er die Bilder im Kopf, die es bei vergangenen Burch-Matches gab. Die Gewalt, die Unmenschlichkeit. Irays ungebremste Lust auf Zerstörung. Gegen Rantanen hat sie ihre Wirkung getan - mehrfach. Der Kieler bleibt seitdem verschwunden. Droht Jake dieses Schicksal auch? Ist dieser Tag ein Einschnitt in seine Karriere?

So als würde es etwas bringen, den Kampfstart zu verzögern, sind Jakes Schritte klein und langsam. Keine Eile, dem Ring näher zu kommen. Jake schaut sich in der Halle um, blickt in die hämischen Gesichter der Dortmunder; so wirklich Mitleid hat niemand mit ihm. Im Gegenteil: Obwohl Dortmund Burch ausstehen kann, hat keiner etwas dagegen, wenn er dem hochmütigen Jake eine Abreibung verpasst.


Pete: "Hollywood Jake kommt allein. Das heißt wohl, er hat keinen Wächter gefunden, der heute sein Handtuch zur Aufgabe schmeißen will."

Sven: "Aber was bedeutet das für den Kampf? Wie kann Jake dann überhaupt verlieren? Geht es für ihn heute nur in einem Krankenwagen aus der Halle?"

Pete: "Ich kann gut verstehen, dass niemand Jakes Wächter sein will. Zum einen hat er es sich mit allen durch sein Verhalten verscherzt. Wieso sollte man ihm diesen Gefallen tun? Zum anderen würde sich der Wächter ins Schussfeld von Iray Burch gegeben. Du hast den Brief gehört, Sven. Wenn Jakes Wächter vorschnell aufgibt und Iray so sein Spielzeug verliert, wird er die Differenz bezahlen müssen. Was auch immer das bedeutet."


Das Handtuch, das keinen Träger findet, hängt schlaff in Hollywood Jakes Hand. Er hält es noch einmal hoch. Vielleicht, so sein Bangen, kann er im letzten Augenblick doch noch einen Wächter anlocken. Es ist ein verzweifelter Versuch, ein Schrei nach einem Retter. Jake wedelt in Richtung Vorhang. Hoffnungslos.


Laura: "Das folgende Match ist ein Guardian's Decision-Match. Es wird dadurch entschieden, dass ein Begleiter..."


Sie blickt bei diesen Worten beinahe mitleidig in Richtung Jake.


Laura: "...das Handtuch als Zeichen der Aufgabe wirft. Auf dem Weg zum Ring, mit einem Gewicht von 103 Kilogramm..."


Sich seinem Schicksal ergebend, rutscht Jake unter den Seilen auf die Matte. Den Ausruf seines Namens nimmt er kaum wahr.


Laura: "...aus Riesa, Sachsen. Hier ist HOLLLLYWOOOOD JAAAAKE!"


Pflichtschuldig reckt Jake einen Arm in die Höhe. Aber ihm ist nicht nach feiern. Er schaut zu Boden, atmet angestrengt. Dann reicht er sein Handtuch an Ringrichter Peter Cleven. Dieser gibt es sofort weiter nach draußen, es wird auf einem Stuhl vor dem Squared Circle platziert. Ganz einsam und verlassen liegt es da. Niemand ist da, um es zu halten. Und niemand, der Jake retten kann.



Sie kommen zu zweit und sie bringen die Gewalt.

Shelly Nafe geht voran. Das Klackern ihrer Absätze geht in Buhrufen unter, die sich zu den Klängen des treibenden, unmelodischen Themes erheben. Hinter der Frau folgt das Monstrum. Sein ärmelloses Shirt ist löchrig und steif - vor Schmutz und dem getrockneten Blut seiner Opfer.

Burch, in Singles-Matches noch ungeschlagen. Eine bemerkenswerte Statistik. Auch wenn Zahlen und Fakten ihm kaum die gleiche Freude bringen wie warmes Fleisch und Knochen unter seinen Fäusten.

Nafe hebt ihre Hand und Burch bleibt gehorsam stehen. Er starrt aus seinen kleinen Augen in den Ring, wo Jake auf und ab läuft, nervös wie ein eingesperrtes Tier. Beide beobachten Shelly, wie sie neben den Stuhl tritt, auf dem Jakes Handtuch liegt. Dann gibt sie ein Zeichen in Richtung der Produktionscrew. Sofort wird ein zweiter Stuhl aufgebaut. Nafe setzt sich. Ihr eigenes Handtuch legt sie lässig auf ihren Schoß; nichts an ihr vermittelt den Eindruck, sie würde es heute zu Boden werfen.

Ihr letzter Blick vor der Ringglocke geht zum leeren Stuhl neben ihr, zum unbewachten Handtuch. Kein Wächter für Jake. Kein Entkommen. Dann hebt Shelly die Hand und winkt Iray heran. Der Unmensch bringt sich in Bewegung, rutscht in den Ring.

Die Glocke ertönt.


Iray Burch Chooses The Stipulation:
Iray Burch vs Hollywood Jake

Referee: Peter Cleven

Der Unmensch richtet sich auf.

Jake steht in seiner Ecke, eine Hand auf den Seilen, die andere hängt schlaff und unentschlossen am Körper herab. Kein Zurück mehr. Und - wenn der Blick auf den verwaisten Platz mit Jakes rettende Handtuch fällt - vielleicht auch keine Hoffnung.

140 Kilogramm setzen sich in Bewegung. Iray Burch kommt näher. Jeder Schritt, mit dem das Monstrum die Distanz zwischen ihnen verringert, nimmt Jake mehr der Details wahr, die er vermeiden wollte: Das fleckige Shirt, die kleinen kalten Augen. Ein Bart, aus dem die einzelnen Härchen wirr und hart die Draht hervorstehen. Der unangenehme Geruch.


Da verändert sich etwas in Jake. Die Erkenntnis, dass die Lage rettungslos ist und sich Burch und die Zuschauer an eben jener Rettungslosigkeit laben, legt eine Schalter um. Sein Gesicht verzieht sich und er trifft eine Entscheidung. Wenn er untergeht, dann wenigstens mit wehenden Farben. Mit einem Schrei stürmt er voran. Bringt sein Bein hoch. Gräbt den Stiefel in das Fett des Gegenspielers, das unter dem Impact nachgibt wie ein Schwamm.


Burch fällt nicht. Er wird einen Schritt zurückgedrängt, dann jedoch findet er wieder seinen festen Stand. Blickt an sich herunter auf die Stelle, wo Jake ihn getroffen hat. Dann fahren die Augen hoch, verharren auf dem Angreifer. Wenn überhaupt, dann ist in seinem Ausdruck eine Spur Belus...-


Jake schlägt wieder zu.


Pete: „Er macht, was er tun muss. Tun kann. Als Wrestler.“


Er lässt eine Salve von Faustschlägen niederprasseln. Erst richten sie sich gegen den Körper und dann, als eine Wirkung ausbleibt, gegen das Gesicht. Er trifft den Bart, Kinn und Jochbein. Bei jedem Einschlag gibt Burch nur ein kurzes Grunzen von sich; dann hält er den Kopf direkt wieder hin. Er könnte die Hände zur Abwehr hochnehmen. Aber er scheint es nicht zu wollen. Jakes Ärger wird größer. In ihm wächst der Wille, dieses hässliche Gesicht nicht nur zu treffen, sondern zu zerstören.


Er schlägt mit dem Ellbogen zu, zielt in Richtung Nase. Da regt sich etwas in dem Unmensch. Seine Hand schießt vor. Packt Jake am Hals. Als der Angreifer in seinem Schraubstock gefangen ist, zieht er ihn heran. Betrachtet ihn wie ein Insekt unter dem Mikroskop. Dann stößt er ihn weg. Jake fällt zu Boden und macht eine Rolle. Er rappelt sich in seiner Ringecke auf. Er ist so hektisch, dass ihm der Fuß weg rutscht.


Aber er ist nicht bereit, sich zu ergeben. Er hat den offensiven Weg gewählt. Der Einzige, der ihm bleibt. Jake stürmt noch einmal verzweifelt voran. Er nimmt Anlauf, die Augen auf den Gegner gerichtet, und versucht einen Running Big Boot. Das Leder seines Stiefels trifft Burch mit voller Wucht an der Schläfe.

Es gelingt ihm tatsächlich, das schwere Haupt des Monstrums entscheidend zu treffen. Burch wird durch den Einschlag nach hinten in die Seile gedrängt.


Pete: „Seine Chance wirkt klein. Aber vielleicht, ja vielleicht, gibt es sie eben doch, diese eine Chance.“


In Jake wächst ein Gefühl, dass er bisher in diesem Match noch nicht gekannt hat: Euphorie. Der Schock der ersten Minuten weicht der Möglichkeit eines Triumphs. Vielleicht kann es ihm gelingen, diesen Kampf nicht nur zu überstehen; sondern zu gewinnen?


Jake rennt heran, will den Moment nutzen, bevor der Feind sich fangen kann. Doch in diesem Moment stößt sich Burch von den Seilen weg und bringt seine 140 Kilogramm in den Lauf wie ein Rhinozeros. Er fängt Jake in voller Bewegung ab und rennt ihn mit einem Bodycheck um. Körper gegen Körper, Fleisch gegen Fleisch.


Sven: „Uff. Und mit einem Mal meldet sich Burch zurück.“


Jake landet hart auf dem Boden, der Aufprall lässt seinen Kopf auf die Matte peitschen. Das nächste, was Jake spürt, ist ein pochender Schmerz in seiner Seite. Immer und immer wieder landet der Stiefel des Unmenschen in seinen Rippen. Burch tritt einfach weiter zu, ohne Emotionen, ohne Hast, während Jake sich unter der Gewalt auf der Matte zusammenkrümmt.


Jake stöhnt. Er rollt sich zur Seite aus dem Ring und fällt vom Apron auf den Bereich vor dem Ring. Er sucht etwas, wo er sich hochziehen kann. Als Halt findet er ausgerechnet – und symbolisch – das, was ihm heute keine Linderung verschaffen wird. Nämlich den verwaisten Stuhl mit dem Handtuch daran. Das niemand für ihn werfen wird. Kein Wächter, der ihn rettet.


Im Augenblick interessiert Jake jedoch etwas Anderes an diesem Anblick viel mehr: Der Stuhl an sich. Er versucht, nach dem Stuhl zu greifen und ihn als Waffe einzusetzen. Doch da greift Burch ihn von hinten. Er reißt ihn vom Stuhl weg. Hebt ihn an. Mit Leichtigkeit trägt Burch Jake um den Ring herum. Dann wirbelt Burch seinen Körper herum und gibt Jake Schwung mit.


Er wirft Jake gegen die Fanabsperrung.


Jake rutscht an ihr herunter wie ein Vogel, der gegen eine Scheibe geflogen ist. Verdreht bleibt er zu den Füßen der Front-Row-Zuseher liegen, die sich interessiert vorbeugen und Fotos vom leidenden Mann vor ihnen machen.


Sven: „Jetzt nimmt es den erwarteten Verlauf. Jetzt ist das hier Kampfsport-Katastrophentourismus für die GFCW-Galaxy.“


Aus den Augenwinkeln sieht Jake, dass Burch näherkommt. Er rollt herum und sucht verzweifelt. Nicht mehr nach einem Ausweg – nein, diese Hoffnung hat er aufgegeben. Er sucht nach etwas, das er als Waffe benutzen kann. Bevor Burch ihn greifen kann, springt Jake auf. Er hechtet an dem Monstrum vorbei und gelangt in dessen Rücken. In einer fließenden Bewegung greift er nach der Ringschürze und klappt sie hoch. In Eile kramt er nach etwas Nützlichem.


Er findet einen Singapore Cane.
Die Zuschauer werden lauter. Die Vorfreude auf Gewalt macht sich breit.


Jake dreht sich um und schlägt zu. Falsch. Er versucht es. Doch da ist plötzlich eine Mauer. Eine fleischige Hand. Burch fängt den Schlag ab, bevor Jake richtig Schwung holen konnte. Mit weit aufgerissenen Augen starrt Jake auf die Schlagwaffe, um die sich Burchs Pranke gelegt hat. Jakes Lippen formen ein „Fuck.“ Burch reißt ihm den Cane weg.


Jake bereitet sich auf die Prügelstrafe vor. Innerlich wie körperlich. Er schließt schicksalsergeben die Augen. Aber nichts geschieht. Stattdessen hört er ein Knacken.


Burch bricht den Cane entzwei. Es scheint für ihn ein Genuss zu sein, zu sehen, wie Jakes letzte Waffe der Hoffnung in seinen Händen zu nutzlosem Müll wird. Nun sind es zwei Stücke, keine Schlagwaffe mehr. Er fixiert die scharfkantigen, gesplitterten Bruchstellen mit seinen kleinen Schweinsaugen.


Ohne eine Regung in seinem Gesicht zu zeigen, rammt er das gesplitterte Ende direkt in Jakes Brust.


Jake brüllt. Der Schrei ist gellend und schneidet durch die Halle. Er bricht auf die Knie ein und presst beide Hände auf die Einstichstelle, während dunkles Blut bereits beginnt, unter seinen Fingern herauszusickern. Mit zitternden Fingern packt er die verbliebenen Holzsplitter, die noch in seiner Haut stecken, und reißt sie heraus.


Jetzt ist sie da: Die Pein, die er seit zwei Wochen befürchtet hat.


Keuchend versucht er, auf allen Vieren von Burch wegzukriechen. Sein Blick sucht dabei instinktiv wieder die beiden Steel Chairs am Ringrand. Da liegt es, das weiße Handtuch, das einzige Symbol für ein Ende dieses Kampfes. Es wäre so eine einfache Lösung. Ein Rettungsweg, und doch bleibt er für ihn heute vollkommen unerreichbar. Der Stuhl neben Shelly Nafe ist leer; niemand ist da, um nach dem Stoff zu greifen und Jake vor dem zu bewahren, was nun unweigerlich folgt.


Pete: „Wie kann Jake diesem Kampf entkommen? Es scheint keinen legalen Weg zu geben. Oder glauben wir ernsthaft daran, dass ein Retter auftritt, der sich mit Burch anlegt und dieses Handtuch wirft?“

Sven: „Ich nicht. Denn ich bin klug.“


Burch greift nach dem am Boden liegenden Jake. Er packt ihn im Nacken und am Hosenbund, zerrt ihn auf die Beine und schiebt ihn zurück in den Ring. Jake versucht sich schwach zu wehren, doch seine Bewegungen sind langsam und unkoordiniert. Kaum stehen beide wieder auf der Matte, ist Burch da. Er hebt Jake hoch und schmettert ihn mit einem wuchtigen Bodyslam zentral auf die Bretter. Der Aufprall lässt den Ring erzittern.


Keine Pause. Kein Durchatmen. Keine Gnade. Mit seinen schweren Stiefeln tritt der Unmensch stumpf auf Jakes ein. Jeder Tritt klingt wie dumpf.

Das Opfer windet sich unter den Einschlägen, doch sein Foltermeister packt ihn erneut, schleudert ihn mit einem Irish Whip in die Ringecke. Burch nimmt Anlauf und presst seine 140 Kilogramm mit einem massiven Corner Splash gegen den Youngster. Jake sackt in sich zusammen.


Sofort wieder hoch. Kein Durchatmen. Burch zerrt an ihm, schlägt ihm mit der flachen Hand hart gegen die Brust und setzt einen Sidewalk Slam an.

Jake knallt erneut auf die Matte. Sein Körper wird schwer und taub. Der unangenehme Geruch nach Schweiß und altem Blut an Burchs Shirt ist allgegenwärtig, als sich der Unmensch über ihn beugt.


Iray tritt einige Schritte zurück. Er hockt sich in die Ringecke und wartet. Dieses Spiel macht ihm Spaß. Was für ein schöner Tag es geworden ist.


Und Jake kommt hoch. Schwankend. Die Gelegenheit, die Burch haben wollte. Die 140 Kilogramm stürmen wieder voran. Doch plötzlich bewegt sich Jake. Ein letzter Rest Adrenalin lässt ihn aufspringen. Er setzt zu einem Bocksprung an und segelt gerade so über den herannahenden Burch hinweg.

Der Big Bad Bastard landet am Polster. Es gibt einen dumpfen Aufprall.

Bevor das Monstrum reagieren kann, dreht sich Jake um. Er legt seine ganze verbliebene Kraft in eine verzweifelte Clothesline. Der Einschlag trifft Burch am Hals und nutzt dessen eigenen Schwung gegen ihn. Der Riese taumelt, verliert das Gleichgewicht und wird über das oberste Seil nach draußen gedrückt.


Pete: „Jake schlägt zurück! Er zeigt, was in ihm steckt.“


Burch landet auf dem Hallenboden, direkt zu Füßen seiner Managerin. Shelly bleibt völlig unbeeindruckt auf ihrem Steel Chair sitzen. Sie sieht nicht einmal zu ihrem Schützling hinunter. Ihr Blick ist ruhig wie eh und je. Kurz schaut sie zu Jake, der sich an den Seilen hochzieht. Das Blut an den Einstichstellen ist verwischt.


Als Iray aufsteht, rennt Jake los. Federt in die Seile. Er wirft sich zu Boden und kommt mit einem Baseball Slide aus dem Ring geschossen.


Pete: „Wäre er nicht so ein Arschloch, würde man sagen, hier kämpft ein Underdog leidenschaftlich um sein Leben. Jake steckt einfach nicht auf. Eine wirklich ordentliche Leistung.“


Volltreffer. Er stößt Iray mit Wucht zurück an die Fanabsperrung. Diesmal ist es der Unmensch, der an den Gittern herunterrutscht und einen Moment reglos liegenbleibt. Unter seinem Gewicht macht die Rail den Eindruck, sie würde umkippen.


Jake rutscht aus dem Ring. Er nutzt das Zeitfenster und macht sich wieder an der Ringschürze zu schaffen. Sucht verzweifelt nach Gegenständen, die ihm gegen die körperliche Überlegenheit helfen können. Nacheinander fördert er einen kleinen schwarzen Sack, einen weiteren Cane und eine Mülltonne zutage. Er wirft die Gegenstände nacheinander in den Ring, jeder Flug im hohen Bogen wird von den Zuschauern bejubelt.


Sven: „Hier kommen die Waffen. Geil.“


Dann dreht er sich zu Iray um. Doch es ist zu spät. Das Monster ist schon wieder da und betrachtet ihn. Burch packt ihn mit seiner massiven Hand am Hals, hebt ihn mühelos an. Wirft ihn mit einer Chokebomb auf den Boden vor dem Ring. Switzenbergs Co-Star stöhnt und bleibt liegen.


Burch lässt nicht locker. Er zerrt Jake an den Haaren hoch und schlägt ihm immer wieder die geschlossene Faust ins Gesicht und an den bereits blutenden Oberkörper. Stumpfer Treffer umd stumpfer Treffen. Die Lust auf Gewalt.

Jake taumelt, seine Gegenwehr beschränkt sich auf schwache, unkoordinierte Stöße, die an der massiven Gestalt des Unmenschen einfach abzuprallen scheinen. Das Blut aus den Stichwunden an seiner Brust vermischt sich mit dem Schweiß. Verteilt sich über seine Haut, während die heftigen Einschläge der fleischigen Fäuste seinen gesamten Körper rot anlaufen lassen. Er wird wie Vieh um den Ring getrieben, jeder Schritt ist eine Qual. Ein Ziel scheint Burchs Trieb nicht zu haben. Es geht einfach nur in Runden um den Ring. Schritt für Schritt, Schlag für Schlag.


Sven: „Die Burch’sche Version einer Treibjagd. Und Jake ist das Opfer.“


Zwischen zwei harten Punches sieht Jake - von der Kraft der Verzweiflung angetrieben - die Ahnung einer Gelegenheit. Ein ganz kleiner Hoffnungsschimmer. Er bekommt den Zeitnehmertisch zu fassen. Seine Finger schließen sich verzweifelt um etwas,was dort liegt. Er reißt es vom Tisch weg.


Es ist die schwere metallene Ringglocke. Burch bemerkt es in seinem Rausch der Gewalt nicht; er setzt bereits zum nächsten Schlag an.


Mit letzter Kraft reißt Jake die Glocke hoch und schmettert sie gegen Burchs Schläfe. Ein helles, metallisches Scheppern hallt durch die Arena. Doch das Monstrum reagiert körperlich kaum. Burch steht einfach da, wie ein schwer verwundetes Großwild, das noch nicht begriffen hat, dass es abgeschossen wurde. Sein Blick bleibt leer und starr. Er marschiert weiter auf Jake zu.


Jake kann es nicht fassen, dass dieser Treffer nicht gereicht hat. Er steigert sich in seine nackte Verzweiflung und schlägt wieder und wieder zu. Das Metall trifft Fleisch und Knochen, erneut und erneut, bis die Knie des Unmenschen schließlich nachgeben und Burch schwerfällig zu Boden geht. Fast wie in Zeitlupe.


Jake blickt zu Nafe. Er fragt sich, ob seine Berserkerschläge irgendeine Reaktion bei der Managerin hervorgerufen haben. Es MUSS doch so sein. Aber Shelly Nafe sitzt weiterhin stumm und starr auf ihrem Platz. Nur der Hauch eines Lächelns zeigt sich in ihren Mundwinkeln.
Das Handtuch zwischen ihren Fingern ist nichts weiter als eine Requisite. Ein Objekt ohne Zweck. Etwas, das sie niemals benutzen wird.


Fuck. Dieser scheiß Iray. Diese scheiß Shelly. Zwei verdammt kranke Freaks. Fluchend versucht Jake, den massiven Körper von Burch hochzubekommen. Er rollt den 140 Kilogramm schweren Mann zurück in den Ring und rutscht mühsam hinterher. Sein Blick wandert über die Matte zu den Gegenständen, die er dort hingeworfen hat: der Cane, die Mülltonne und das kleine schwarze Säckchen. Was zur Hölle ist überhaupt in dem Säckchen? Eine Schlagwaffe zumindest nicht, dafür ist es zu klein und weich.

Jake greift nach dem Objekt und reißt es auf. Schüttet den Inhalt auf die Matte. Es sind Reißzwecken, die sich nun glänzend auf dem Canvas verteilen.


Pete: „Oh, oh. Lass das nicht Iray sehen. Der wüsste damit schlimme Dinge anzufangen.“


Erschrocken weicht Jake zurück, als ihm eine der Zwecken beim Herausrieseln in der Hand stecken bleibt. Er zieht sie heraus, dann wirft er den Sack; nein, das ist nichts für ihn.

Stattdessen zur Mülltonne. Jake nimmt den Deckel ab und überlegt kurz. Sein Plan steht. Er stülpt die offene Tonne über den Kopf des noch liegenden Burch. Sitzt gut.


Der Youngster federt in die Seile und nimmt Anlauf. Mit einem harten Legdrop springt er gegen die Mülltonne und damit direkt gegen Burchs Kopf. Das Metall wird durch den Impact eingedellt und verbogen. Das Publikum raunt bei dem scheppernden Geräusch.


Sofort geht Jakes Blick wieder zu Nafe. Nichts. Die Wächterin rührt sich nicht, um ihren Schützling zu erlösen. Sie denkt nicht einmal über die Möglichkeit nach. Im Grunde ist dies ein Kampf, bei dem es keinen Gewinner, keinen Verlierer geben kann. Die eine Wächterin wird ihre Funktion nicht ausüben - und Jake ist ohnehin allein.


Hollywood Jake: "Was denn noch, huh? Soll ich ihn umbringen? Wirf das Handtuch!"


Keine Reaktion.


Hollywood Jake: "Das Handtuch. Das Handtuch, du Hure."


Raunen beim Schimpwort. Aber nur im Publikum. Nafe bleibt unbewegt. Sie nimmt es hin, streicht beiläufig über das Handtuch wie über Katzenfell und schlägt die Beine übereinander, um bequemer zu sitzen.


Jake rauft sich die Haare, sein Atem geht stoßweise. Es nützt alles nichts. Diese verdammte Welt, dieses scheiß Wrestling. Die fette Sau zu seinen Füßen, die regungslose Fotze draußen auf dem Stuhl. Alles ist schrecklich.

Er greift sich wieder die Mülltonne und stülpt sie Burch, der sich mühsam regt, erneut über den Kopf. Diesmal federt er nicht in die Seile. Er schleppt sich in die Ecke und klettert schwerfällig auf das Top Rope. Er will Burch von oben zermatschen, ihn mit seinem gesamten Gewicht endgültig ausschalten. Wenn es sein muss, bringt er dessen Schädel zum Platzen. In seinem Geist gibt es keinen anderen Ausweg mehr.


Pete: „Jake will den Legdrop noch einmal zeigen. Von ganz oben.“


Doch gerade als er zum Sprung ansetzen will, kommt Burch hoch. Er reißt sich die zerbeulte Tonne vom Kopf und starrt Jake aus den kleinen, regungslosen Augen an. Das Tier leckt sich langsam über die Lippen. Er kostet die Gewalt des Augenblicks. Es schmeckt ihm.

Dann nutzt er die schwere Metalltonne als Wurfgeschoss. Das Metall trifft Jake mit voller Wucht, während er schutzlos auf dem obersten Seil balanciert. Jake verliert das Gleichgewicht, rudert kurz mit den Armen und stürzt ungebremst von der Ecke zurück auf die harte Matte.


Der Vormarsch des Außenseiters ist beendet.


Burch packt Jake an den Knöcheln und zerrt ihn wie ein Stück totes Fleisch in die Ringmitte. Dann klettert das Monstrum selbst auf das Seil. Er reißt sich das verschmutzte steife Shirt vom Leib. Entblößt seinen fetten, verschwitzten Oberkörper. Auf seiner Haut der tätowierte Turm, das Symbol von Pein und Gewalt.

Kurz ragt Burch über dem am Boden liegenden Jake auf, bevor er sich mit seinem vollen Gewicht fallen lässt.


BIG SPLASH!


Der Big Splash zerquetscht Jake unter der massiven Last von 140 Kilogramm. Jakes Körper reagiert nur noch reflexartig; er krümmt sich in der Embryonalhaltung zusammen.

Burch sitzt auf der Matte. Er atmet schwer. Wirkt wie erregt von der Hölle seines Gegners. Gar ein Anflug eines Lächelns zuckt in seinen Mundwinkeln – sofern Tiere denn Lächeln zustande bringen können.


Er stemmt sich auf. Es geht weiter. Die Zerstörungsmaschine läuft. Immer und immer weiter. Nichts kann ihm Einhalt gebieten. Unbeirrt steigt er abermals auf das Seil.


Ein zweiter Big Splash folgt. Jake bleibt regungslos liegen.


Da ist kein Kampfgeist mehr in ihm, keine Kraft für einen weiteren Atemzug. Die Kamera fängt kurz den leeren Stuhl mit dem Handtuch ein.


Pete: "Ein Symbolbild. Niemand ist da, um das Zeichen der Aufgabe zu geben und ihn zu retten. Oh mein Gott."


Es ist noch nicht vorbei.


Burch geht nun zum Säckchen mit den Reißzwecken. Er greift hinein. Seine Pranken wühlen darin herum, das Stechen und Pieksen spürt der Unmensch nicht.


Er streut die kleinen, spitzen Metallstifte großflächig über Jakes Körper aus. Das Publikum in der Halle erhebt sich aufgeregt von den Sitzen. Ja, man wollte Jake leiden sehen. Aber so? Engelchen und Teufelchen auf der Schulter der Zuschauer. Die perverse Lust auf Gewalt und Mitleid für einen Mitmenschen ringen miteinander.


Ein drittes Mal steigt Burch nun auf das Seil. Diesmal mit einem Thumbtackgespickten Opfer unter ihm. Er ist bereit, sich selbst als Hammer zu nehmen, um hunderte kleine Nadeln in den Leib des gepeinigten zu drücken.


Die Zuschauer halten die Luft an.



...

Da passiert etwas Unerwartetes.


Shelly Nafe steht auf. Sofort liegt alle Aufmerksamkeit auf ihr. Iray Burch hält inne. Selbst Mike Gard wendet ihr den Kopf zu.


Sie nimmt ihr Handtuch und legt es vorsichtig auf dem Stuhl ab. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken.

Dann geht sie zum Stuhl neben ihr. Sie greift mit ihren perfekt manikürten Händen nach dem anderen Handtuch. Dem von Jake. Das wächterlose, verwaiste Stück Stoff.


Pete: „Was tut sie da? Hä?“


Sie hebt Jakes Handtuch an. Hält es hoch, so dass jeder es sehen kann. Dann geht ihr Blick in den Ring. Zu Iray. Und zu Mike Gard.


Shelly Nafe wirft Jakes Handtuch zu Boden. Sie erlöst ihn. Sie ist die Wächterin.


Nach einem Moment der Stille und Starre handelt Mike Gard. Er lässt die Ringglocke läuten.


Sieger des Matches: Iray Burch!




Er hat es überstanden. Aber warum?


Hollywood Jake setzt sich auf und blinzelt mit den Augen. Er sieht Iray Burch auf dem Top Rope. In der Bewegung eingefroren.


Sein Blick fällt zur Seite. Auf Shelly Nafe. Er sieht das Handtuch zu ihren Füßen und bemerkt, wie Iray sie anstarrt. Da beginnt er zu verstehen: SIE hat ihn gerettet. Sie war seine Wächterin.


Aber es scheint keinen Sinn zu ergeben.


Jake wischt die Reißzwecken von seinem Körper. Er schmiert das Blut von seiner Brust auf der Matte ab. Wirklich trauen kann er dem Frieden nicht.


Wird Burch, das Monstrum auf dem Top Rope, wirklich nicht springen? Er bringt sich besser in Sicherheit, krabbelt in die gegenüberliegende Seite. Aus sicherer Entfernung sieht er, wie Shelly Nafe die Ringtreppe aufsteigt.


Sie geht zu Iray Burch. Redet auf ihn ein. Der Unmensch schnauft. Er ist aufgebracht. Er kann nicht verstehen, was geschehen ist. Seine eigene Managerin nimmt ihm das Spielzeug. Zum ersten Mal blicken seine kleinen toten Augen Nafe so an, wie er es sonst bei seinen Opfern tut. Gefahr liegt in der Luft.


Nates Ansprache an Burch wird vertrauenswürdiger. Sie legt ihre kleine Hand auf seinen verschwitzten Arm, spricht auf ihn ein. Er grunzt. Schüttelt den Kopf. Deutet wieder auf Jake.


Ist es doch nicht vorbei?


Burch klettert von der Ringecke herunter. Er läuft auf Hollywood Jake zu. Seine Pranken schießen vor.

Da ertönt in seinem Rücken eine Stimme.


Shelly Nafe: “Nicht ihn, Iray.”


Behutsam zieht sie ihn zurück. Aber der Unmensch schüttelt ihren Arm ab.


Shelly Nafe: “Ich finde dir jemand anderen. Versprochen.”


Sekunden verstreichen, in denen der Big Bad Bastard stumm überlegt. Er versteht Nafes Motiv nicht. Niemand tut das. Nicht die Zuschauer. Nicht einmal Jake selbst.

Nach endlos erscheinenden Momenten wirbelt Burch herum. Er drückt sich an Nafe vorbei. Und stürmt aus dem Ring. Es war knapp. Aber sie hat ihn noch einmal kontrollieren können.


Jake ist sprachlos. Vor Erstaunen. Vor Erleichterung. Er atmet schwer. Mit klackenden Schritten kommt Shelly ihm näher.


Shelly Nafe: “Du wirst dich fragen, warum du verschont geblieben bist.”


Verschont geblieben. Jake blickt an seinem Körper herunter. Das Blut auf seiner Brust, der schmerzende Leib. Aber im Grunde hat sie recht: Es hätte schlimmer kommen können. Er kann noch stehen. Kann noch atmen. Und Burch ist weg.


Shelly Nafe: “Aber du solltest dir besser eine andere Frage stellen.”


Sie zieht etwas aus ihrer Tasche. Drückt es Jake in die Hand.


Shelly Nafe: “Ob du vielleicht im falschen Team bist.”


Nafe wendet sich ab und stolziert davon. Der Zurückgelassene blickt auf den gleichen Gegenstand, den Nafe ihm gegeben hat.


Das Objekt in seiner Hand ist eine Visitenkarte.


Vor der Interviewwand steht stolz wie Oskar der Mann namens Mac Müll, der vermutlich nicht Oskar Mac Müll heißt, aber wer weiß das schon so genau? Was wohl der Grund für die Freude von Mac Müll ist? Also abgesehen davon, dass er mal wieder ein Interview führen darf, allzu oft war das zuletzt ja nicht der Fall. Seine Kollegin Tammy ist gefühlt deutlich regelmäßiger im Einsatz und steht höher im Kurs als er. Grund genug für Mac Müll nun einen auf extra lebhaft zu machen.


Mac Müll: „Hallo Leute! Wer glaubt nur Tammy könne tolle Interviews führen, irrt sich! Ich kann es auch! Genau jetzt! Und zwar mit dem Leitstern aller Sterne! Der Frau, die heute im größtmöglichen Match ihr größtmögliches In Ring Debüt geben wird! Stella Nova!“


Fürwahr, neben Mac Müll, da steht sie. Die Frau, die für so viel Gesprächsstoff in den sozialen Medien gesorgt hat. Die Frau mit den massiven orangenen Flechten im knappen Top mit Sternausschnitt und kometenhaften Schurz, die heute in ihrem allerersten GFCW Match prompt Champion werden kann – Doppel-Champion. Denn sie ist bereits ein Champion. WFWs Temptation Champion, was der Women’s World Title unter anderem Namen ist. Und nicht nur das, sie ist auch Rekordchampion. Kein Wunder also, dass The End Interesse daran hat, sie als Gegnerin zu haben, um seinen eigenen Anspruch zu untermauern der Beste zu sein.


Stella Nova: „Mir scheint im Gegensatz zu dieser Tammy erkennst du wahre Strahlkraft, wenn du in ihrer Gegenwart bist. Erfreulich zu wissen, dass nicht alle Interviewer hier inkompetente Nervensägen sind, die einen dumm von der Seite anquatschen.“


Mac Müll hat ein seliges Lächeln im Gesicht und die Freude treibt ihm fast die Tränen in die Augen. Er wird gelobt und Tammy niedergemacht. Davon hat er so oft geträumt und nun erlebt er es tatsächlich. Genugtuung. Ek-sta-se.


Mac Müll: „Ich bin mir sicher, die meisten sind heiß auf dein Debüt heute, auch wenn es ja nicht bei allen gut angekommen ist, dass du dich kurzfristig noch in das Titelmatch hineingeredet hast.“


Der erste Teil des Satzes war lauter als der zweite, dabei ist es unweigerlich eigentlich dieser zweite Teil des Satzes, der den Diskurs in den sozialen Netzwerken bestimmt hat. Aber Mac Müll traut sich kaum es überhaupt auszusprechen, ist ihm doch sehr wohl bewusst, wie es letzte Show Pete und Sven erging. Aber zu Mac Mülls Erleichterung wird Stella nicht aggressiv, sondern lächelt nur schwach.


Stella Nova: „Sind wir mal kurz ehrlich: gibt es eine bessere Herausforderin als mich?“


Mac Müll öffnet den Mund, um zu antworten, aber Stella ist schneller.


Stella Nova: „Eine rhetorische Frage, natürlich gibt es keine bessere Herausforderin als mich. Champion gegen Champion – größer geht es nicht. Ich werde mich sicher nicht dafür entschuldigen, dass ich sämtliche Optionen, die GFCW bietet, mühelos überstrahle.“


Ihr Lächeln wird breiter – und unweigerlich etwas gehässig.


Stella Nova: „Also ganz abgesehen davon, dass es ja ohnehin gar keine GFCW Optionen gab. Ask Skógur hat sich geziemt und sein Bestes getan, um das ihm angetragene Match nicht bestreiten zu müssen. Robert Breads lässt seine Karriere lieber gegen DISZ ausklingen, anstatt als letztes Huzzah noch einmal um das Gold anzutreten. Jason Crutch hat nach dem Verlust seines Intercontinental Titles das Weite gesucht, Drake Nova Vaughn ist verschollen, Zereo Killer und Morbeus sind mit dem Tag Team Titel beschäftigt, Aiden Rotari im Krankenhaus, wenn nicht im Rollstuhl. Darragh Switzenberg ist als Midcard Champion per Definition weit davon entfernt im GFCW World Titelgeschehen etwas zu suchen zu haben… wer ein Problem damit hat, dass ich problemlos ins größte Match der Anniversary Show spazieren konnte, sollte seinen Zorn vielleicht darauf lenken, dass es nicht einmal Widerstand gab, gegen den ich mich hätte beweisen müssen. Immerhin ist die einzige andere willige Herausforderin auf den GFCW World Title so wie ich kein wirklicher Teil dieses Rosters.“


Mac Müll will einhaken, aber Stella lässt ihn nicht zu Wort kommen. Sie redet jetzt und zwar über das, worüber sie reden will: sich selbst.


Stella Nova: „Noch dazu ist es wohl das Natürlichste der Welt wenn man den Leitstern des Professional Wrestling auf gebührende Weise debütiert – und damit den Ticketverkauf noch weiter anfeuert und die Präsenz in den sozialen Netzwerken stärkt. Über mein Debüt im World Title Match der Anniversary Show wurde vielerorts gesprochen. Mehr als über alles andere. So funktioniert dieses Geschäft namens Wrestling nun einmal. Zwar ist sicherlich nicht jede Art von Aufmerksamkeit gute Aufmerksamkeit, aber wenn ich der Quell der Aufmerksamkeit bin, dann auf jeden Fall. Schließlich ist meine Großartigkeit auf den ersten Blick ersichtlich und folglich höchst werbewirksam. Sind wir mal kurz unverblümt ehrlich, Mac Müll: Wer mich länger als fünf Minuten erleben muss, um zu erkennen welch Bereicherung ich für eine jede Promotion bin, braucht einen Termin beim Optiker – oder alternativ beim Neurologen.


Mac Müll möchte hier einhaken, etwas Lobendes sagen, um selber auch wieder gelobt zu werden, aber Stella fährt weiter fort und lässt ihn zum Mikrofonhalter verkommen. Sie hat ihn zwar gerade namentlich angesprochen, aber nicht etwa um ein Gespräch zu führen, sondern nur um ihn vollends für sich zu vereinnahmen.


Stella Nova: „Zugegeben, es ist ein gravierendes, um nicht zu sagen peinliches Problem, dass GFCWs Roster trotz allem Testosteron keine eigenen Herausforderer auf den Titel stellen kann, aber zum Glück gibt es ja für dieses Problem eine Lösung – mich! Und ich bin natürlich keine Notlösung, sondern die Ideallösung. Ich bin schließlich nicht hier, um den Titel zu gewinnen und in eine andere Promotion zu entführen. Nein, ich bin hier, um WFW und GFCW gleichermaßen zu neuem Glanz zu verhelfen. Die Anniversary Show feiert die Vergangenheit, aber sie stellt auch die Weiche für die Zukunft. Und diese Weiche für die Zukunft bin ich.“


Sie sagt diese Worte nicht mit arrogantem Unterton oder überheblicher Theatralik, sondern so als ob sie den Wetterbericht mitteilt. Ihr erstes Match bei GFCW wird mit ihr als Doppel-Champion enden und so Geschichte schreiben.


Stella Nova: „Es ist doch wahrlich geradezu Poesie des Schicksals: Am heutigen Abend, an dem einer der größten Sterne dieser Promotion erlischt, da beginnt ein neuer, besserer und hellerer Stern die GFCW Galaxy vollends zu erhellen. Ein Stern der Hoffnung, welcher den Todesstern namens The End bezwingen und eine neue Ära einleiten wird. Milch und Honig werden nicht fließen, aber mit mir als Champion steht GFCW eine goldene Zukunft bevor. Mit mir als Champion werden alle dieses Gold wollen – sei es, weil sie sehen, dass es mit mir sportlichen Wettstreit jenseits der höchsten aller Messlatten gibt oder auch nur, weil man es peinlich findet, dass eine Außenstehende bei der Anniversary Show das Gold gewonnen hat und man dies korrigieren möchte. So oder so: mit mir als Champion wird es keinen Mangel an willigen Herausfordern geben. Wer GFCW liebt, sollte also den Gedanken lieben mich als Champion zu haben. Und warum darauf warten, wenn man es direkt haben kann? Vorfreude ist eben nicht die schönste Freude, nein, die schönste Freude ist, wenn das Erwünschte geschieht und zwar genau so, wie man es sich erwünscht hat. Und mit mir als Champion wird GFCW wunschlos glücklich.“


Ein vielsagendes Zwinkern gen Kamera – aber vor allem endlich eine Redepause, die lange genug ist, dass Mac Müll seinen Job als Interviewer wieder ausführen kann.


Mac Müll: „Weise Worte! Ich bin sicher Ihr habt Euch auch bereits eine nicht minder weise Matchstrategie überlegt! Werdet ihr euch auf The End konzentrieren? Oder eure Fehde mit Monica Shade fortführen? Oder beide gleich?“


Stella runzelt die Stirn, auch wenn davon ob ihres Ponys nichts zu sehen ist.


Stella Nova: „Es wäre mir neu, dass ich eine Fehde mit Monica hätte. Eigentlich wollen wir beide nur unabhängig voneinander dasselbe: den GFCW World Title. Wir stehen uns heute nicht als Gegnerinnen in einer Fehde gegenüber, sondern als Rivalinnen im Kampf um dasselbe Gold. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Es geht einzig und allein um den GFCW World Title.“


Mac Müll nickt – und wird unruhig. Denn es gibt eine Frage, die er nun stellen muss und wohl oder übel lässt ihm Stella die Zeit das auch zu tun.


Mac Müll: „Und was, wenn es mit dem Titelgewinn nicht klappt? Also… rein hypothetisch gesehen?“


Mac Mülls Gesicht sagt soviel wie „bitte hau mich nicht“.


Stella Nova: „Es wird klappen.“


Sagt es und geht davon. Mac Müll atmet erleichtert auf und hat nun sein seliges Lächeln zurück im Gesicht. Nun wo die Gefahr gebannt ist, kann er sich vollends über das Lob in seine Richtung freuen. Das wird er Tammy bei Gelegenheit mal so richtig unter die Nase reiben. Gerne mehr davon.



Vor einer Interviewleinwand, prominent mit dem Logo der 25th Anniversary Show in der Mitte und nebendran mit den Emblemen der Sponsoren, steht unsere allseits bekannte Interviewerin Tammy und lächelt in die Kamera.

Sogleich wird auch ihr Gesprächspartner ins Bild gerückt. Mittlerweile trägt er seine dunkle Wrestlinghose, die schwarzen Stiefel und eine rotweiße Trainingsjacke, auf der lediglich auf Brusthöhe in Rot der Name „Mad Dog“ steht. In seinem vollbärtigen Gesicht liegt eine gewisse Gelassenheit, selbst wenn ihm das Gespräch mit Ben Slate noch nachgeht.


Tammy: „Gleich werden wir das zweite Match vom Night Fighter Mad Dog erleben – oder wenn man so will – das erste Match nach seiner Vertragsunterzeichnung. Vier Jahre nicht im Ring gestanden, dann Robert Breads besiegt – nun mit Iokepa eine ganz andere Aufgabe vor der Brust. Wie sind deine Gedanken zum heutigen Match?“


Kurz blickt er der nur sechs Jahre jüngeren Reporterin in die Augen, dann dreht er den Kopf leicht. Feurig leuchten seine Augen auf.


Mad Dog: „Ich freue mich… nein, ich bin sogar richtig heiß drauf! Ich bin zurückgekommen, um wieder in den Ring zu steigen – um mich mit anderen zu messen, das Adrenalin zu spüren, alles für den Sieg zu geben. Und Iokepa hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dafür wird er heute die Tracht Prügel bekommen, die er verdient. Bisher hat er lediglich Forderungen gestellt und Anschuldigungen verteilt – eine, dass ich den Main Event gegen Breads nicht verdient hätte, die andere, dass ich für den Ring zu alt sei… Große Worte, während auf seiner Habenseite nur die zwei Siege gegen Viggo und Kavinsky und eine Niederlage gegen Celo Marx stehen…“

Tammy: „Wenn ich da kurz einhaken darf…“


Der Night Fighter unterbricht seinen Redefluss nur ungerne, verstummt aber dennoch ob Tammys weiblichem Charme.


Tammy: „Die Niederlage gegen Marx in der letzten Show – viele Beobachter halten dein Mitwirken für ausschlaggebend.“


Ein Lachen halt durch Gänge. Es ist das der unbekannten Konstante.


Mad Dog: „Natürlich war mein Mitwirken ausschlaggebend; so wie es heute ausschlaggebend sein wird. Aber ich war es nicht, der sich davon hat beeinflussen lassen – es war der Junge! Es waren seine Unerfahrenheit und emotionale Instabilität. Scheinbar triggere ich ihn so sehr, dass er sich nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren kann. Das GFCW Office hatte also recht: Er ist noch nicht bereit, bei den Großen mitzuspielen. Und das wird ihm heute ein zweites Mal bewusst, nachdem ich ihn bis Drei auf der Matte gehalten habe.“


Tammy legt den Kopf nach links und rechts. Sie scheint noch nicht zufrieden mit der Aussage.


Tammy: „Ihn auf der Matte zu halten, fiel dir aber in dem Brawl nach dem Match durchaus schwer. Er hatte auf viele Manöver von dir eine Antwort – wie ist also deine Strategie gegen den schnelleren, wendigeren und wesentlich jüngeren von euch beiden?“


Die unbekannte Konstante rollt entnervt mit den Augen.


Mad Dog: „Wer Strategien macht, hat Angst.“


Tammy schaut ihn überrascht an; mit dieser Antwort scheint sie nicht gerechnet zu haben.


Mad Dog: „Was soll das, huh?! Klar, als ich jung war, habe ich mir auch dieses oder jenes überlegt. Aus Unerfahrenheit, um scheinbare Sicherheit zu haben oder weil es alle machen. Was für scheiß Begründungen! Ich habe hunderte von Kämpfen bestritten, ich habe jedwede Situation im Ring erlebt… ich habe seine Matches gesehen, ich weiß, dass er schnell und agil ist. Ob ich ihm dann gleich die Beine nehme, damit er seine Moves nicht mehr anbringen kann, oder mit Powermoves die Luft, damit er lahm wird, ob ich mal aus dem Ring gehe, um seinen Fluss zu brechen… Tausende Möglichkeiten. Wieso soll ich mich festlegen, huh?! Mir meine Freiheit nehmen? Ich schau, was geht und was nicht geht. Intuitiv, spontan. Ich hab‘ den Instinkt, den man nicht verlernen kann und den das Alter einem nicht nimmt. Schau dir meine Matches an. Ich bin die unbekannte Konstante – auch im Ring.“


Die Beißer werden gefletscht, die Muskeln angespannt. Iokepa kann sich auf etwas gefasst machen, wenn er ihm gleich gegenübertritt.


Tammy: „Ist es aber nicht gerade diese Unberechenbarkeit, die zum Beispiel Zereo Killer hat letzte Show zögern – oder die auch Ben Slate zu Beginn der Show an deiner Aufrichtigkeit hat zweifeln lassen.“


Der verrückte Hund legt den Kopf schief und lässt seine Nackenwirbel knacken.


Mad Dog: „Was Ben Slate von mir denkt, ist mir erstmal egal – bei Zereo ist das anders. Wir haben diese gemeinsame Vergangenheit, und auch wenn diese von Hass, Blut und Abscheulichkeit geprägt war, so verbindet sie doch… ich bereue Dinge, die ich ihm damals angetan habe, wobei auch er kein Kind von Traurigkeit war. Ich will nur nochmal daran erinnern, dass ich damals, hier in der GFCW, bejubelt wurde, als ich mich gegen ihn stellte und er wegen mir den Titel verlor. Er hingegen wurde in der PCWA bejubelt. Verkehrte Welt, huh?! Die Leute hier hassten ZK damals, weil er bei der 15th Anniversary gegen Johnboy Dog seine Ideale verraten hatte. So wie mich die Leute zu der Zeit in der PCWA gehasst haben, weil ich nicht mit Azrael fuckin‘ God Rage zusammen kämpfen wollte. Und wir beide?! Wir haben uns nichts geschenkt, sind mehrfach miteinander in den Ring gestiegen. Hier und dort.“


Tammy will eine weitere Frage stellen, aber jetzt lässt sich der Night Fighter nicht mehr unterbrechen.


Mad Dog: „All das ist ein Teil von mir! All das bin ich! Ich bin nämlich kein Danny Rickson mit seiner Refuse to Age Kacke, die ihn vergessen lässt, wer er ist, und vollkommen entgegen seiner Instinkte agieren lässt. Erst als er wieder auf sich und seinen Instinkt vertraut hat, konnte er Pexianer bezwingen – der Bullshit davor hat ihn an den Rand einer Niederlage gebracht. Fehlt nur noch, dass er abends wieder mit 20jährigen auf irgendwelchen Studentenpartys rumhoppst und nach der Fickerei mit ihnen diskutieren muss, ob sie bald aus dem Elternhaus ausziehen oder wer in der WG das verschissene Klo schrubbt... Einfach lächerlich! Ich kämpfe heute nicht gegen drei Gegner, Iokepa, mein Alter und meine Vergangenheit. Nein, ich kämpfe mit meinem Alter, mit meinen Erfahrungen, mit meinen über Jahre geschärften Instinkten! Nichts davon ist schwächer geworden, nichts von all dem Schrecken hat mich schwächer gemacht – und dieses Großmaul Iokepa, der weder etwas in seinem Leben erreicht noch erlebt hat, wird diese Stärke gleich auf die schmerzhafteste Weise zu spüren bekommen!“


Tammy ist ein bisschen zurückgewichen, während sich die Töle in Rage redete. Nun macht sie wieder einen Schritt an sie heran.


Tammy: „Der Altersunterschied spielt also für den Ausgang des Matches keine Rolle…“


Nun ist es MD, der die Reporterin unterbricht.


Mad Dog: „Das habe ich nicht gesagt. Schau: Spielt das Alter der Reporterin für die Qualität eines Interviews eine Rolle?“


Tammy fühlt sich sogleich ertappt und an die letzte Show sowie ihr Zusammentreffen mit Robbin Zick erinnert. Ihre Wangen färben sich leicht rot.


Mad Dog: „Vielleicht würde ein junges Püppchen mehr Teenies vor die Bildschirme holen, huh?! Aber bessere Fragen stellen, schneller Interviewpartner finden, mit schwierigen Typen umgehen, problematische Themen ansprechen?! Wohl kaum – und kein wahrer Mann, der nicht seiner Jugend hinterher weint, wird deine Attraktivität leugnen. Und so wie du aufgrund deiner Erfahrung jüngere Konkurrentinnen ausstichst, werde ich es mit Iokepa machen.“


Das Kompliment der Töle zaubert ein Lächeln auf das Gesicht der Reporterin, denn dank ihrer beider Alter wirkt es noch nicht einmal so, als wäre dieses mit irgendwelchem Hintergedanken geäußert worden.


Tammy: „Und wenn das heute Nacht gelingt, nimmst du die Herausforderung von The End doch noch an.“


Ein entschlossenes Nicken beim Kämpfer der Nacht.


Mad Dog: „Ob er nach dem heutigen Tag noch Champ ist oder nicht, ich würde mich auf ein Match gegen ihn freuen, ja! Wenn es nach mir geht, könnten wir bei einer der kommenden Ausgaben von War Evening die Klinge kreuzen. Aber ja, genau, auch dafür ist das heutige Match gegen Iokepa entscheidend.“


Die Reporterin nickt ebenso. Verstehend. Während sie ihm ein abschließendes Lächeln schenkt, legt sie ihre Hand kurz aufmunternd zwischen seine Schulterblätter.


Tammy: „Dann wünsche ich dir dafür viel Erfolg!“



Vivian Tolnai: „Manche Umwege sind so groß, sie sind werden ihr eigenes Abenteuer.“


Unser Tolnai’sches Videotagebuch ist zurück. An diesem Abend, der 25th Anniversary Show, hat auch sie, die irgendwann Mac Müll und Tammy beerben könnte, ihre Rolle – und zwar ihre Reise zu einem Ort oder Punkt, den wir noch nicht kennen.


Sie schreitet durch die Dortmunder Innenstadt. Die Sonne scheint. Wenige Wolken sind am Himmel auszumachen. Sie ist zügig unterwegs. Die Kamera hält im Gleichschritt mit ihr mit.


Vivian Tolnai: „Das gilt auch für den Mann, dessen Karriere sich bald ihrem Ende neigt. Im Gegensatz zur GFCW hat es die PCWA leider nicht geschafft, ein Vierteljahrhundert lang zu existieren, aber das soll nicht heißen, dass man sie vergessen hat. Weder hat Robert Breads sie vergessen, noch hat man ihn in Berlin vergessen.“


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SHADOW

(debütierte im gleichen PCWA Brawlin‘ Rumble den Breads gewann)


Das GFCW - Kamerateam hat sich bei recht unwirtlichem Winterwetter vor dem verschlossenen Tor einer großen Liegenschaft eingefunden, von der in der Ferne einige unbeleuchtete große Gebäude auszumachen sind. Das ehemalige PCWA Areal liegt verlassen da … nur die Kameracrew ist hier … und er. Schwarz gekleidet wie immer, die langen dunklen Haare vor dem Gesicht. Shadow.


Er blickt gedankenverloren hinter den Zaun, scheint in alten Erinnerungen zu schwelgen. So tief, als würde er das Team nicht bemerken. Und das die Aufnahme bereits läuft. Doch dann:


Shadow: „Erinnerung ist eine Form von Begegnung … Vergessen eine Form von Freiheit … irgendwo dazwischen ordne ich für mich persönlich Canada’s Own ein. Eine Präsenz seiner Zeit. Jemand, der als Triple Crowner der PCWA sowohl verschnörkelte Zeilen im Geschichtsbuch der Liga hinterlassen hat … als auch Kleckse. Nun geht der große Robert Breads also .. und was bleibt? Was lässt er zurück?“


Jetzt dreht sich das unergründliche Dunkel dann doch zur Kamera um. Der nachtschwarze Vorhang der langen Mähne lässt keinen Blick auf das Gesicht dahinter zu. Nur die Stimme ist hörbar.


Shadow: „Bin ich überhaupt in der Lage, etwas über ihn zu sagen … sagen zu dürfen … wo sich unsere Wege doch nur so geringfügig kreuzten? Er … der mich bei meinem allerersten PCWA-Match für den großen Triumph aus dem Ring warf … um dann ein paar Jahre später festzustellen, dass er mich verbal nicht übertrumpfen konnte. Quid pro quo.“


Ein leichtes Glucksen erklingt. Dann…


Shadow: „Es heißt nicht umsonst, dass es keine zufälligen Treffen gäbe. Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein Test, eine Lektion oder eine Geschenk … und wiederum ordne ich dich irgendwo dazwischen ein, Robert Breads. Du kehrst zurück zu den Gestaden, wo einmal alles begann. Kreise und Türen schließen sich … um wieder Platz zu machen für neue Herausforderungen. Jenseits denen, welche man schon kennt.“


Der Schatten greift in eine seiner Hosentaschen und fördert eine Bügelflasche voll Malzbier hervor. Mit dumpfen „Plopp!“ öffnet er sie und prostet in die Kamera.


Shadow: „Robert Breads … Auf dich!!! … alles Gute!!!“


Shadow setzt an und nimmt einen kräftigen Schluck. Dann blendet die Szene auch schon ab …


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MAD DOG
(die unbekannte wichtigste Konstante der PCWA-Geschichte)


Im nächsten Schnitt kommt die unbekannte Konstante ins Bild. Eine nachdenkliche Miene zeichnet sein Gesicht.


Mad Dog: „Robert ist definitiv einer der ganz Großen im Wrestling. Seine Erfolge, seine Titel - das alles spricht für sich. Dazu gibt es wenig zu sagen - außer chapeau!“


Der Night Fighter senkt das Haupt und greift sich an den imaginären Hut.


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Mad Dog: „Wie man in Hagen mit ihm umgesprungen ist… Das hat er nicht verdient.“


MD schüttelt den Kopf, kurz blitzen gar aggressiv die Beißer auf.


Mad Dog: „Ich mein, auch wir beide waren weit davon entfernt immer derselben Meinung zu sein… aber dieses Einmischen von offizieller Seite kann ich nicht nachvollziehen. Der Mann hat seine Karriere gelebt, er hat die GFCW getragen; jetzt steht Robert kurz vor seinem Karriereende, dann soll man ihn doch bitte auch lassen.

Er hat all das verdient! Und er ist einer der wenigen - vielleicht sogar der Einzige, der solch einen Abschied auf die Beine gestellt hat…“


Kurz denkt er an die letzte Show der PCWA - der Gewinn des silbernen Titels, die Versöhnung mit Yai. Irgendwie ein Happy End… und doch irgendwie auch nicht.


Stimme aus dem Off: Sind sie neidisch?“


Der Hund lacht auf. Dann nickt er.


Mad Dog: „Ein bisschen schon, ja.“


——-——


Mad Dog: „Die PCWA Zeit, huh?! Er kam, sah und siegte…“


Wieder lächelt der Hund, weiß, dass ihr Duell in Bochum ihr letztes gewesen ist.


Mad Dog: „Er hat der PCWA seinen Stempel aufgedrückt, mit seiner Kritik, seiner Gradlinigkeit - mit dem Willen das Wrestling in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich ist er bei all den Irren zu jener Zeit auch an Grenzen gestoßen - und dennoch werden vor allem seine Schlachten gegen Kriss Dalmi neben seiner Regentschaft als Gerasy Champion für immer in der Erinnerung all derer verweilen, die es damals miterleben durften.“


MD fährt sich durch den Bart.


Mad Dog: „Eigentlich ein Jammer, dass wir damals nie Seite an Seite gegen die verdorbene Brut der PCWA ins Feld gezogen sind!“


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Mad Dog: „Sein letztes Match? Vermutlich ist es gar nicht mehr so wichtig. Er hat alles erreicht - und seine Worte bei der letzten Ven… War Evening.. haben selbst mich überrascht. Das, was er in der PCWA vermissen ließ und ich ihm noch in Bochum an den Kopf geworfen habe, hat er letztlich in der GFCW gefunden.“


Ob ihm das auch gelingen wird?


Mad Dog: „Ich wünsch ihm alles Gute! Vielleicht schaut er hier und da nochmal vorbei und man trifft sich bei Title Nights auf ein Bier… ein Buddy-Ding nach all den Jahren, huh?! Einladung steht.“


Six Person-No Holds Barred-Tag Team Match:
Lerbitz Performance Group (Black Wyrms (Shizuku Shikishima & Brigitte Reflet) & Milly Vermillion) vs Jay Taven, Gisbert „Gino“ Rieß & Hugo "Meathook" Rodriguez
Referee: Guido Sandmann



Alles begann am 31.10.2025, im BMW Park in München. Es war das Spooky Special und Milly Vermillion hatte ein Match gegen Meathook, zu diesem Zeitpunkt ein Dauerloser, der gerade erst in der Show zuvor gegen Millys Stablekameradin Skadi Fenrir verloren hatte. Trotz des gigantischen Unterschieds in Sachen Physis hätte es für die Phönifrau eine einfache Aufgabe werden sollen.

Aber sie verlor.

Zwei Wochen später gewann Milly dann zwar das Rematch, aber nur durch Count Out. Und als es dann in diesem Jahr das Entscheidungsmatch hätte geben sollen, da griff Meathook zu einem Fleischerhaken und attackierte Milly damit. Milly bekam Unterstützung durch die Black Wyrms, Meathook von Gino Rieß und Jay Taven, die sich beide nicht im Roster nach hinten drängen lassen wollten. Und so sind wir nun hier in einem Match, wo es herzlich wenige Regeln gibt.

Die blond gelockte Phönixfrau im feurig gefiederten Poncho geht voran, ihre grünen Augen lodern vor Zorn. Hier und heute soll es endlich klare Verhältnisse geben. Auch die Black Wyrms sehen angespannt aus. Am 27.06.2025 gaben die amtierenden Next Level Tag Team Titelträgerinnen aus WFWs Developmental Bereich ihr GFCW Debüt – gegen Meathook und Gino Rieß. Die Black Wyrms gewannen und setzten sich in der Folge auch im Casting der LPG durch und sind mittlerweile aus der Tag Team Szene von GFCW kaum noch wegzudenken. Die kleine, schmale Französin Brigitte Reflet und ihre ein gutes Stück größere Partnerin Shizuku Shikishima hatten ausgerufen beim nächsten PPV, bei New Level, die Herausforderinnen auf das Tag Team Gold von GFCW sein zu wollen – dafür mussten Erfolge her und zwar sofort. Hier und heute, alles andere wäre ein frühes Scheitern ihres Ziels. Kein Wunder, dass sie höchst konzentriert zum Ring schreiten und eher nebenbei hier und da eine Fanhand beglücken. Worte haben sie viele verloren, nun gilt es auch Taten folgen zu lassen.

Ob sie wohl mittlerweile einen Finisher gefunden haben, den sie auch gegen größere und schwerere Gegner zeigen können?

Sie könnten ihn gebrauchen, denn bereits der frühere GFCW Tag Team Champion Jay Taven ist mit seinen 90 Kilo bei 183 Zentimetern erheblich größer und schwerer als das Trio der LPG. Und obgleich er ein Gegner ist, den sie wohl noch stemmen können – Gino und Meathook mit ihren Ausmaßen sind selbst für die Größten und Stärksten kaum vom Fleck zu bewegen. Meathook misst über 2 Meter und bringt angeblich um die 190 Kilo auf die Waage und Gino ist in ähnlichen Sphären unterwegs. Zu dritt schreiten sie durch den Vorhang, mit coolen flashigen Klamotten und in Meathooks Fall mit einer weißen Schürze – die sich hier und heute blutrot färben soll. Doch ehe die große Keilerei wo nahezu alles geht beginnt, zückt Jay Taven erst einmal ein Mikrofon, um den gemeinsamen Einzug per Rap zu begleiten.


Jay Taven: „The MILE sind hier

das ist unser Revier!

Wartet es nur ab,

dieses Match wird nicht mal knapp!

Ein klarer Sieg für die Most Iconic Legends Ever

Denn wir sind cool, sexy, stark und clever!

Die totalen Pakate, besser als wir geht es nicht!

Gegen uns seht ihr wurmigen Hühner kein Licht!

Ihr seid die unterste Stufe unserer Karriereleiter,

Danach gehts gegen die großen Namen weiter!

Egal ob End, Monica oder Stella

Champ der Zukunft ist dieser Fella!“


Jay Taven deutet auf sich und das mit vollem Ernst. Zumindest an der richtigen Einstellung mangelt es ihm nicht.


Jay Taven: „Wer den Tag Team Titel halten wird ist auch egal!

Die Sieger des Matches erwartet Pein und Qual!

Gino und Meathook werden sich das Gold bald holen

Und das nicht mit leisen Sohlen!

Nein, sie kommen laut wie eine Urgewalt

Und machen dabei weder vor Frau noch Legenden halt!

Denn die größten, besten und tollsten Legenden von allen, das sind wir

Euch wird das Lachen noch im Hals stecken bleiben, glaubt es mir!

Wir feiern heute GFCWs 25 Jahre Bestand

Und den Beginn unserer Ära, GFCW ist jetzt in unserer Hand!

Und jetzt alle: Gino-Meathook-Jay!

HEY! HEY! HEY! HEY! HEY!“


Ein paar Fans gröhlen sogar „Hey Hey Hey“ mit, ist ja einfach genug. Und weil Memes lustig sind und Jay Taven, Meathook und Gino Rieß eine höhere Stufe der Memes erreicht haben. Nicht auszudenken, wenn sie jetzt tatsächlich auch noch gewinnen würden. Aber bei aller körperlichen Überlegenheit, das kann eigentlich nicht passieren.

...oder doch?

Guido Sandmann jedenfalls erklärt das Match für eröffnet, er ist im Großen und Ganzen nur dazu da, um Cover, Aufgaben oder TKOs festzustellen. Solange hier niemand versucht jemanden zu killen oder um Körperteile zu erleichtern, braucht er auch nicht eingreifen. Obgleich Matches von Iray Burch angedeutet haben, dass sogar in den Fällen die Offiziellen nur zusehen.

Also geht es los.

Hugo „Meathook“ Rodriguez wetzt schon einmal fröhlich seine Spieße, noch dazu hat er einen Fleischerhaken an einer Kette befestigt und trägt sie wie eine Halskette. Was Jay Taven ruhig in seinem rap als neuen Modetrend hätte hypen können, was für eine verpasste Gelegenheit. Milly Vermillion steht jedoch ungerührt da und winkt Meathook furchtlos zu sich heran – ohne selber irgendeine Waffe in Händen zu haben. Ganz nach dem Motto „ich bin ein Phönix, ich bin ohne Waffe besser als du mit Waffe“. Selbstvertrauen und Blödheit sind manchmal echt nah beieinander und nur der Erfolg entscheidet darüber was davon was ist.

Die Black Wyrms sehen sich kurz zögerlich an – eigentlich hatten sie sich Stühle organisiert, aber die legen sie nun ab. Millys Blödheit Selbstvertrauen färbt auf sie ab. Nennen wir es Mut.

...und nennen wir Jay Taven peinlich.

Warum?

Weil er sich Meathooks Meathook-Kette genommen hat und jetzt damit rumfuchtelt als wäre es ein Wii-Controller, soll heißen ein Nunchuk. Ohne zu wissen was er tut fuchtelt er sich das Ding dabei selbst in den Rücken. Viele zeigen mit dem Finger auf ihn und lachen – zumindest war es nur ein schmerzhafter Streifschlag und er hängt nicht richtig drin. Ob des schallenden Gelächters im Publikum geht er zum Angriff über und zielt erst auf Bribitte – die aber ausweicht – dann auf Shizuku, die aber auch ausweicht und dann auf Milly, die ihn jedoch per tief gesprungenem Dropkick auf die Fresse fliegen lässt.

Noch eine Runde Gelächter – dann schreit Milly auf und der Spaß ist vorbei. Am Boden liegend war Millys rechter Fuß in seiner Nähe und prompt hat er den Haken reingerammt. Blut fließt, Jay Taven lacht, Meathook und Gino lachen mit ihm und das Publikum lacht nicht mehr.

Milly wiederum schreit nicht mehr, sondern tritt Jay Taven ordentlich vor die Rübe. Wenn jemand auf allen Vieren am Boden ist, kann man auch mit 1,50 ordentlich jemand vor den Kopf treten und treten, das kann Milly. Ihre Kickstärke reicht zwar nicht an die von Robert Breads heran, war aber vielleicht dennoch ein Grund, warum der Kanadier seine Landsfrau gar einmal als Tag Team Partnerin nominierte, um die frechen Elfen zu besiegen. Dennoch, für ihre Größe und Statur sind ihre Kicks echt heftig und so rollt sich Taven in der Gegend rum und hält sich die Fresse. In der Zwischenzeit zieht Milly den Haken aus ihrem Fuß und wirft ihn verächtlich zur Seite.

Gino und Meathook gehen derweil gegen die Black Wyrms in die Offensive, wobei Meathook versucht seine Spieße in Shizukus Brüsten unterzubringen, wäre auf jeden Fall ne Menge Platz für die Dinger. Aber er verfehlt und sie purzeln ihm erst mal aus der Hand. Gino wiederum hat eine Mülltonne mit dabei, die er Brigitte überstülpen will, aber die weicht aus, rollt unter den Seilen hindurch und nimmt Schwung für ihren…


Wyvern Wingspan – nein! Mülltonnenwurf von Gino!


Der Flug der Drachenfrau wurde jäh gestoppt, Brigitte kracht zu Boden. Shizuku verteilt ein paar Forearms und Chops gegen Meathook, Milly macht mit Kicks mit, aber an der Plauze des Giganten prallen diese Aktionen relativ wirkungslos ab. Der versucht per doppeltem Clothesline zu landen, aber die Damen von der LPG weichen abermals aus, dann spurtet Milly los, Shizuku wirft sich hin und dient als Sprungrampe für einen feinen Meteora – wieder nein! Meathook fängt Milly per brachialem Spinebuster ab.

Cover! Aber Shizuku ist da, tritt zu und zerrt Meathook so gut es geht hoch. So oder so, das Cover kann Guido Sandmann nicht gelten lassen und folglich nicht anzählen. Doch diese Rettungstat erlaubt es Gino von hinten zuzupacken! Waist Lock – normalerweise nicht so schlimm, aber bei seiner Statur ist das glatt eine Art Reverse Bear Hug. Vor allem aber hält er Shizuku so fest und das gibt Meathook die Chance das Match nun endgültig vom Spaß zu blutigem, brutalem Ernst verkommen zu lassen.

Meathook schnappt sich einige der Spieße, die ihm zuvor aus der Hand gefallen waren, zielt auf Shizukus Kopf und mit einem diabolischen Grinsen zum kollektiven Schock der meisten Zuschauer… rein damit! Man will hoffen, sie hängen nicht wirklich in ihrem Kopf und vielmehr in ihren Haaren, aber auch Spieße im Kopf hats im Wrestling schon gegeben, ergo ist beides denkbar. Im Publikum fallen einige verstört fast in Ohnmacht, aber das animiert den wieder in der Senkrechten befindlichen Jay Taven nur dazu zuzupacken:


Multi-Spieß DDT gegen Shizuku!


Die klatscht auf die Matte und bleibt nahe der Seile und des Apron liegen. Brigitte eilt sofort zu ihr, um sich nach ihr zu erkundigen, dann dreht sie durch und fuchtelt wüst mit der Kette umher, an der Meathooks Meathook hängt. Grund genug für The MILE erst einmal den Ring zu verlassen, um Sicherheitsabstand zu bekommen – wonach Brigitte sofort wieder bei Shizuku ist.

Aber Milly gibt es ja auch noch.

Die Phönixfrau nimmt Anlauf… springt… und fliegt!


Top con Hilo~!


Abgefangen. Meathook und Gino fangen sie auf als wäre es nix – was vermutlich auch stimmt. Jeder von ihnen hätte Milly auch locker alleine auffangen können, das steht ganz außer Frage. Vielmehr stellt sich nun eine ganz andere, dringliche Frage: wohin sollen sie Milly werfen? Auf die Ringtreppe vielleicht, so wie Idunn es im Opener mit Rodrigo Gaya gemacht hat? Von wegen erst landet ein Rodrigo auf der Ringtreppe durch eine Frau von der LPG, dann wirft ein Rodriguez eine andere Frau von der LPG auf dieselbe? Was wäre das? Karma? Schicksal? Einfallslos? Eine wundersame Fügung des Universums?

So oder so, ehe Meathook und Gino das machen können hat Jay Taven unter die Ringschürze gegriffen, der Schlawiner. Dort vorgefunden hat der Rapper zwei Utensilien, die ihm Freude bereiten: einen Beutel mit irgendwas darin und ein Brett.

Aber nicht irgendein Brett.

Sondern… ein Brett mit Stacheldraht!

Er schiebt es zwischen Meathook und Gino und die wissen was zu tun ist: Milly wird per doppelter Powerbomb mitten rein gepfeffert! Der Stacheldraht verheddert sich förmlich in ihr! Und nur um sicherzugehen, dass sich der Stacheldraht wirklich in Milly hineinbohrt setzt Gino per Senton nach! Brutale Aktion – auch gegen ihn selber, wie er jetzt erst merkt.

Während Meathook versucht Gino aus dem Stacheldraht zu kriegen und auch Milly dort raus zu pflücken, betritt Jay Taven wieder den Ring, wo Brigitte nicht länger bei Shizuku weilt und ihn konfrontiert. Jay schüttelt den Beutel als ob er der Barkeeper einer Cocktailbar wäre und hat dabei ein Grinsen im Gesicht, das mehr nach Clown aussieht als der Cirque du Tonnerre – mit Facepaint. Dann öffnet der frühere Tag Team Champion den Beutel und schüttet den Inhalt aus. Thumbtacks? Nein.


Glasscherben!


Wie eine scherbige Linie trennt das Glas Taven von Brigitte und belustigt deutet er auf ihre nackten Füße, sie dazu auffordernd doch jetzt zu ihm zu kommen. „La Vouivre“s Augen lodern vor Leidenschaft, sie tritt vor, blickt auf die Scherben und… springt hoch!

Über die Scherben drüber?

Nein!

Sie stampft mit beiden Füßen hinein!

Während die Fans diverse Chants zum Besten geben stehen bei Jay Taven Augen und Ohren weit offen. Er ist zu baff, um zu reagieren und so kann Brigitte nach vorne schnellen und ihre Füße hochreißen, in denen es sich einige Scherben bequem gemacht haben:


Glasscherben Shotgun Dropkick gegen Taven!


Taven schreit auf, hat nun blutige Schrammen in der Magengegend und rollt durch die Seile auf den Apron – wo jedoch bereits Shizuku Shikishima lauert! Die blonde Japanerin nimmt Anlauf zum Destroyer und die Aktion sitzt:


Shimakaze vom Apron durch einen Tisch!!


Seit wann der Tisch da steht? Kein Plan, ist ja einiges aufgestellt worden im Matchverlauf und nicht alles hat die Kamera detailliert eingefangen. Wichtig ist nur, dass der Tisch da war und die Fans jetzt komplett ausrasten! Gino Rieß und Meathook schlagen kurz die Hände über dem Kopf zusammen, doch dann zucken sie mit den Schultern.

War ja nur Jay Taven.

Zwei so große, stramme Kerle wie sie können auch ohne Taven gewinnen, zumal Shizuku nach dem Bump nun auch erst mal aus dem Match ist. Und so rollt Meathook die immer noch teils in Stacheldraht verwickelte Milly zurück in den Ring, während Gino einen weiteren Tisch in den Ring schiebt. Brigitte empfängt Meathook im Ring, wird von diesem aber abgefangen und per Slam in die Glasscherben geklatscht! Schön vorsichtig, dass das Haar nicht im Weg ist, damit kein Hairbag zwischen Brigittes Rücken und den Scherben ist!

Gino Rieß geht in der Zwischenzeit zu Shizuku außerhalb des Rings rüber, um sicherzustellen, dass diese auch liegenbleibt und bearbeitet Stirn und Brüste der Japanerin noch ein bisschen mit Meathooks Spießen. Meathook selber muss sich hingegen einer wieder erwachten Milly erwehren, die ihn mit feurigen Attacken gen Ringecke zurückdrängt. Doch der Versuch des Phoenix Kick wird geblockt, Meathook setzt sie nach oben auf die Ringecke und versetzt ihr einen mächtigen Chop, der sie erst mal ruhig stellt. Dann bekommt Meathook von Gino etwas in den Ring geschoben… eine Kanne mit Flüssigkeit und eine Packung Streichhölzer.

Meathook grinst breit, stellt erst den Tisch auf, verpasst Milly dann noch einen Schlag mit seinem Fleischerhaken, auf dass sie ruhig bleibt und dann übergießt er den Tisch mit der brennbaren Flüssigkeit. Das soll die ultimative Demütigung werden: die Phönixfrau soll durch einen brennenden Tisch!

...was voraussetzt, dass man die Streichhölzer benutzen kann. Nur ist Meathook dazu nicht in der Lage. Er probiert ein Streichholz, zwei und nach dem dritten Fehlversuch klettert er die Ringecke hoch zum Superplex ohne dass der Tisch brennt, begleitet von „you f’d up“ Chants des Publikums. Eine richtige Aussage in mehrfacher Hinsicht, weil Milly sich Meathooks Zugriff entzieht und nach unten weg durch seine Beine hindurch gen Ring schlüpft – von wo aus sie sogleich erneut sie Seile als Sprunghilfe nutzt!


Phoenix Kick!


Das ging in den Rücken von Meathook. Der Koloss wankt, hält sich aber noch auf der Ringecke. Milly schnaubt verächtlich, dann erspähen ihre grünen Augen den Tisch und dass eine leicht entzündbare Flüssigkeit auf diesem trieft. Millys Mundwinkel wandern nach oben, sie strahlt über beide Ohren und greift sich erst in den feurig gefiederten Poncho, dann reibt sie die Finger… und der Tisch brennt! Die Fans rufen begeistert „She’s a Phoenix!“, begleitet von Anfeuerung für die Black Wyrms – natürlich per „Let’s Go Worms!“. Milly begutachtet kurz für einen Moment ihr feuriges Werk, dann fällt ihr der Stacheldraht auf, der im Ring rumliegt – Überbleibsel davon, als sie in den Ring zurück gerollt wurde und davon noch etwas an ihr haftete. Ohne zu zögern greift sie zu, bindet sich den Stacheldraht um ihren baren Fuß und Unterschenkel – dann nimmt sie Maß. Barb Wire Phoenix Kick, mitten hinein in Meathooks rechte Kniekehle… und der Koloss stürzt.


Meathook fällt durch den brennenden Tisch!


Gino Rieß ist alarmiert und will in den Ring kommen, aber Brigitte steht wieder, wuchtet sich über die Seile, bekommt Ginos Kopf zu packen und vollführt einen Tornado DDT auf den Hallenboden! Gisbert Rieß wird Meathook nicht helfen, Jay Taven wird Meathook nicht helfen. Niemand wird Meathook helfen. Triumphal erklimmt Milly die Ringecke, was nun folgt ist reine Formsache, aber eine Formsache mit Charakter – und Spektakel: Phoenix Senton! Cover! Eins, Zwei und Drei! Das wars, die LPG gewinnt, Milly hat endlich ihren Pinfall gegen Meathook und das nach einem feurigen Finish. Für den Moment ist die Welt für Milly in Ordnung. Auch die Black Wyrms kommen in den Ring zurück – sie humpeln, sie bluten und sie lächeln. Sie haben gewonnen.




Seit zwei Wochen hat Iokepa auf die bevorstehende Gelegenheit gewartet. Seine Ungeduld könnte er nicht abstreiten, wenn man ihn danach fragen würde; zu deutlich ist sie in Mimik und Verhalten. Der Hawaiianer tigert in seiner Kabine auf und ab, immer wieder wandert sein Blick zur Uhr.

Der Kampf gegen Mad Dog. Jetzt ist es keine Frage mehr von Tagen oder Stunden. Sondern von Minuten.

Noch einmal checkt Iokepa, ob alles so passt, wie geplant. Das Ringoutfit sitzt, die Hände sind abgetaped, die Frisur stimmt. Er legt die Hände in die Hüften und versucht, seinen Atem zu beruhigen, die Konzentration zu steigern.

Da klopft es an seine Tür.

Im ersten Augenblick wirkt Iokepa verdutzt, dann genervt. Wie kann es sein, dass man ihn ausgerechnet jetzt noch stört? Es geht doch darum, den Fokus hochzuhalten. Das hat er in den letzten Jahren gelernt. Zunächst wirkt es deshalb so, als wolle er das Klopfen ignorieren, einfach drüber hinweggehen. Doch als ein zweites Mal klopft – und mit mehr Nachdruck – da schlurft der Surfer doch zur Tür. Er drückt die Klinke runter und legt den Kopf schief, um durch einen kleinen Spalt nach draußen zu gucken, denn weiter geöffnet hat er den Kabineneingang noch nicht.


Iokepa: „Du?“


Der Hawaiianer zieht seine Augenbrauen hoch. Wen auch immer er erspäht hat, es muss jemand sein, mit dem er nicht gerechnet hat.

Die Antwort kommt von einer Stimme, die die GFCW-Fans in den letzten Wochen kennengelernt haben.


Ben Slate: „Abend, hast du eine Minute?“


Iokepa wirkt unschlüssig. Noch immer hat er die Tür nicht weit genug geöffnet, damit Slate hineinkommen kann. Er blickt seinen Gast an, der geduldig draußen wartet, so als habe er im Vorfeld analysiert, dass er nicht mit offenen Armen empfangen wird, sondern sich erst erklären muss.


Ben Slate: „Wir beide haben einen gemeinsamen Feind, hast du nicht mitbekommen, was sich vorhin in seiner Umkleide abgespielt hat?“

Iokepa: „Doch, habe ich.“


Und die Erinnerung an den Streit des Schweizers mit Iokepas heutigem Gegner ist es auch, die die Barriere des Hawaiianers herunterfahren lässt. Er öffnet die Tür ganz, lädt Slate mit einer knappen Geste zum Reinkommen ein.


Iokepa: „Also, was gibt es?“


Der Gastgeber ist Slate gegenüber nicht unhöflich, aber kurz angebunden. Er kann sich nicht zusammenreimen, was sie miteinander so kurz vor dem Fight zu schaffen haben.


Iokepa: „Bist du nur gekommen, um mir viel Glück zu wünschen?“

Ben Slate: „Glück ist überbewertet, aber ich würde gerne dir bei deinem Erfolg helfen. Ich sehe dein Können und die harte Arbeit, die du reinsteckst, um dieser Liga würdige Darbietungen zu geben. Das Feuer in dir sprudelt förmlich aus dir und ich denke du hast noch lange nicht alles verbrannt. Mit dem richtigen Plan für dein Match, können wir beide heute Abend einen unserer Feinde am Boden sehen.“

Iokepa: „Ich bin überzeugt davon, dass ich Mad Dog heute besiegen werde. Mach dir keine Sorgen.“

Ben Slate: „Deine exzellente Vorbereitung durch Training und dem richtigen Fokus zweifle ich in keiner Weise an, aber du solltest dich vor einem Gegner wie Mad Dog dennoch etwas mehr in Acht nehmen. Vertrau mir und ich kann dir helfen, gegen ihn anzukommen.“

Iokepa: „Und wie kannst du mir helfen, Ben? Nichts für Ungut, aber ich fühle mich gut vorbereitet.“

Ben Slate: „. Mach dich darauf gefasst, dass er ALLES für den Sieg tun wird und auch wenn das als selbstverständlich erscheint, dieses ‚ALLES‘ kann in jede erdenkliche Richtung gehen.“


Unter Iokepas erstauntem Blick holt Ben Slate sein Notizbuch hervor. Er blättert darin herum, zeigt immer wieder einige Seiten seinem Gesprächspartner.


Iokepa: „Diese Aufzeichnungen haben alle mit Mad Dog zu tun?“


Ein kurzes Nicken des Analysten suggeriert Zustimmung.

Der Schweizer schlägt eine weitere Seite auf und dreht das Notizbuch so, dass Iokepa problemlos darin lesen kann. Für die Kamera bleibt unsichtbar, was genau niedergeschrieben ist. Doch für Iokepa scheint es von besonderem Interesse zu sein.


Iokepa: „Der Enter Night. Der Finish…“

Ben Slate: „Pscht! Du weißt nicht, wo die Wände ihre Ohren haben können, das sollte vorerst unter uns bleiben.“

Iokepa: „Gut. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich das jetzt innerhalb von ein paar Sekunden auswendig lernen kann, nur weil ich mal einen Blick drauf werfe.“


Slate packt die Seite mit einem schnellen Ruck und drückt sie Iokepa in die Hand.


Ben Slate: „Du hast noch etwas Zeit vor dem Match, schau es dir in Ruhe an.“


Er schlägt das Notizbuch zu und verstaut es wieder geschmeidig in seiner Brusttasche.


Ben Slate: „Und pass darauf auf, wenn das jemand Falsches in die Finger bekommt, dann kann der ganze Plan umsonst gewesen sein.“


Ein Stück weit unschlüssig, ob er diese Hilfe annehmen soll, wirkt Iokepa schon. Dann jedoch faltet der den Zettel sorgfältig zusammen und hält ihn in der geschlossenen Faust. Er nickt Slate respektvoll zu.


Iokepa: „Gut. Ich danke dir.“

Ben Slate: „Nichts zu danken, wir wollen beide diesen Widerling fallen sehen. Ich werde den Kampf intensiv mitverfolgen und möchte live dabei sein, wie der dreckige Night Fighter zu Boden geht. Seine Niederlage ist so gut wie sicher, wenn du den Plan richtig ausführst, ich vertraue auf deine Fähigkeiten.“



Die Halle dunkelt sich und "The Dragon lies bleeding" von Hammerfall ertönt.



Ein Jubel füllt die Halle und da treten schon Thunder und der Lord of Steel durch den Vorhang. Aus den Seiten des Titantrons schießen lauter Leuchtkugeln diagonal in die Höhe und über dem Ring wird ein großes Gebilde, welches das Wort "ThunderSteel" bilden soll, hinunter gelassen. Das Gebilde leuchtet in verschiedenen Farben und funkelt dazu im Scheinwerferlicht. Die Zuschauer jubeln und kreischen und feuern die beiden Wrestler an. Der Lord trägt komplett in schwarz einen langen Ledermantel, eine Lederhose, seine Lederrüstung und Boots. Thunder trägt ebenfalls komplett in schwarz ein T-Shirt, eine normale Lederjacke, eine Lederhose und Boots.


Ride trough the valley in thunder and rain

The battle is raging, redeem this domain

The castle of Eden lies silent above

Darkness sourround us, away we must go

I look through the eyes of the world

I see there's a stranger among us


Auf dem Titantron werden Bilder vom Lord of Steel, von Thunder und Parn aus früheren Matches, sowie neueren Matches gezeigt, u.a. dem Triumph gegen die Hells Angels. Außerdem erscheinen immer wieder abwechselnd zwischen den Filmsequenzen in weißer Schrift auf schwarzen Hintergrund die Worte "Storm Clouds" bzw. "ThunderSteel". Thunder und der Lord of Steel gehen langsam die Rampe herunter und schauen ernst in die Kameras, die sie auf den Weg zum Ring verfolgen. Nebenbei klatschen die beiden mit einigen Fans ab.


Awaiting a sign form above

To conquer the power and the glory

Enter the battle, our will to enchain

Bringing us forward, defeating the pain

Into the meeting with swords made of steel

We're standing together, the secret reveals


Am Ring angelangt steigen Thunder und der Lord of Steel in diesen durch das zweite Ringseil hinein. Beide bewegen sich ich die Ringmitte und der Lord ruft laut und langgezogen in die Halle "Let’s daaaaaaaaaaaannnnncee!!!". Dabei legt nun ein Ringfeuerwerk los und das Gebilde aus dem Wort "ThunderSteel" erstrahlt die Halle mit einem Funkenregen, der aus allen Seiten heraus schießt. Die Zuschauer jubeln weiterhin und sind aus dem Häuschen. Dabei reißen beide Storm Clouds ihre Arme in die Höhe.


I look through the eyes of the world

I know who's the Stranger among us

Awaiting a sign form above

To conquer the power and the glory

Come across to the Promised Land

Close your eyes, I will take your hand

through the river of steel we'll go


Nach einiger Zeit kann man die Musik wieder hören. Thunder und der Lord of Steel legen ihre Jacke und ihren Mantel ab und zusammen reicht sie Thunder einen Offiziellen aus dem Ring heraus.


When the dragon lies bleeding

Above the glory we'll carry on

Now the time has come to return back home

The setting sun illuminates the dead

The battlefield is shining red


Die Musik verstummt so langsam und beide Storm Clouds klatschen sich ab und lassen sich unter dem immer noch bestehenden Jubel der Fans und den "ThunderSteel!"-Rufen ein Mikro geben.


LoS: „Let’s daaaaaaaaaaance!“


Thunder und der Lord blicken sich hier um in der Westfalenhalle.


Thunder: „Dortmund! Schön, wieder hier zu sein bei euch. Bei den besten Fans der Welt!“


Riesenjubel.


Thunder: „Dann noch zu solch einem besonderen Ereignis. 25 Jahre GFCW. Genau hier hat alles angefangen.“

LoS: „Vor 25 Jahren wusste niemand so genau, wohin diese Reise führt.“

Thunder: „Aber eines war klar: Ohne euch Fans gäbe es keine GFCW.“


Die Fans applaudieren.


LoS: „Natürlich sind da noch andere Mitwirkende, ohne die es nicht möglich ist die Liga 25 Jahre lang am Leben zu halten und die Hallen zu füllen.“

Thunder: „Azrael, Phönix, die ganzen Wrestler, die in den ganzen Jahren hier aufgetreten sind, die Referees, Mac Müll, Tammy, Laura, Sven und Pete, unsere Commishioners aus den ganzen Jahren, die ganzen Mitarbeiter, die hinter den Kulissen arbeiten und natürlich Spawn und Dynamite!“


Großer Jubel.


LoS: „Bestimmt haben wir noch den ein oder anderen vergessen. Es gibt so viele, die hier die Shows ermöglichen.“


Thunder: „Wir drücken weiterhin die Daumen, dass die GFCW noch lange existieren wird und wenn wir demnächst nach 50 Jahren das nächste Jubiläum ggf. mit Rollatoren hier feiern!“


Thunder hebt die Faust.


Thunder: „Auf weitere 25 Jahre GFCW - Mindestens!“


LoS: „Let's daaaaaaaaaaaaaaaance!“


Das lassen sich die Zuschauer nicht nehmen und brüllen ganz laut „Let's dance!“ in die Halle.


Thunder: „Und diese Nacht ist noch lange nicht vorbei.“

LoS: „Genau, denn nachher wird noch ausgiebig gefeiert. Von daher bereiten wir uns gleich darauf vor.“

Thunder: „Danke, dass wir hier sein durften und wenn ein Tag Team Lust auf eine Keilerei hat – wir gehören noch nicht zum alten Eisen und sind für alle Prügeleien bereit!“

LoS: „Danke Dortmund und wir sehen uns! Machts gut!“


Die Musik von ThunderSteel ertönt erneut und sie lassen es sich nicht nehmen noch mit den Fans ausgiebig zu feiern. Dann fadet die Szene langsam aus.



Vivian Tolnai: „Niemand ist unfehlbar.“


Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt Tolnai in einer mäßig gefüllten Bahn, die durch den Untergrund rauscht. Zum ersten Mal ist die Kamera statisch, da Tolnai im Moment an ihrem Platz verweilt. Eine Passantin wirft dem Geschehen einen skeptischen Blick zu, beschäftigt sich dann aber wieder mit ihrem Kinderwagen.


Vivian Tolnai: „Auch Robert Breads nicht. Vor allem Robert Breads nicht, wenn wir ehrlich sind. Als Anführer und Coach waren seine Leistungen… verbesserungswürdig.“


Bei diesen Worten überkommt sie das Schmunzeln. Tolnai möchte so kurz vor dem Ende seiner Karriere anscheinend nicht allzu gemein sein.


Vivian Tolnai: „Das weiß niemand besser als die jungen Träumer, die an seiner Seite gekämpft haben. Und wir haben Worte von zweien von Ihnen.“


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LIAM SPENCER
(gehyptes Talent das unter Breads nie den nächsten Schritt schaffte)


Wieder Performance Center. Das Setting wirkt im ersten Augenblick, als habe man aus Versehen die Wiederholung von Timo Schiller eingespielt. Beim genaueren Hinsehen wird jedoch deutlich, dass Zeit vergangen sein muss. Im Ring im Hintergrund sind mittlerweile zwei Rookies im Lock-up, ein anderer trainiert an der Brustpresse.


Und auf den freien Stuhl vor der Kamera setzt sich ein neuer Mann. Dünner und kleiner als Timo Schiller. Das Haupt geschoren, nachdem er den Kampf gegen seine Haarlinie verloren hat. Er kratzt sich an seinem struppigen Vollbart und blickt so ernst in die Kamera, wie man es von ihm kennt. Es ist Buzzkill. Liam Spencer.


"Ich habe gerade bei Timo zugehört. Keine schlechte Rede, muss ich schon sagen. Inhaltlich jedoch kann ich ihm in einem zentralen Punkt nicht zustimmen."


Der Tonfall des Engländers ist so schnörkelos wie eh und je, er schert sich nicht besonders um Dramatik in der Rede. Er hat etwas zu sagen und will es einfach loswerden.


"Timo hat gesagt, er wird den Rest seiner Karriere dafür kämpfen, dass du bei ihm falsch lagst. Nun, dann muss ich wohl dafür kämpfen, dass du richtig lagst."


Ein freudloses Lächeln zieht über sein Gesicht.


"Als du mich einst gescoutet hast, war ich deine große neue Hoffnung. Du hast in mir denjenigen gesehen, der vielleicht deinen ersten Schüler Aiden sogar noch übertrumpfen kann. Und ich? Ich war verdammt scheiße. Nach einiger Zeit haben sich manche Leute gefragt, was du in mir gesehen hast. Zu Recht."


Über das eigene Versagen während seines Runs im Main Roster kann der Engländer mittlerweile ohne Zögern sprechen. Er hat es als Teil seiner Vergangenheit akzeptiert.


"Dann hast du mich fallen lassen. Nicht unbedingt großherzig, aber nachvollziehbar. Seitdem kämpfe ich abseits des Rampenlichts darum, mir wieder den Status zu erwerben, den ich einst hatte. Für ein paar Monate war ich der Hype der Wrestling-Welt, das große Ding der Zukunft. Dann wurde ich einer von vielen. Ich wurde der, von dem man hinter vorgehaltener Hand sagte, er wäre Roberts größtes Irrtum."


Spencer weiß nicht wohin mit den Händen. Er ist niemand, der groß gestikuliert. Letztlich legt er sie auf den Oberschenkeln ab.


"Ich bin ziemlich verbissen, das weißt du. Der Drang dir zu beweisen, dass du mit der Einschätzung meines Talents richtig lagst, hat mich dazu gebracht, schlechte Dinge zu tun. Ich habe gelogen, ich habe betrogen. Dann habe ich die Fehler korrigiert. Und dich...dich hat es nicht mehr interessiert. Das kann ich verstehen, denn es ist fair. Du hast mir die Chance GFCW überhaupt erst eröffnet, und ab einem bestimmten Zeitpunkt konntest du nichts mehr für mich tun, außer mich auf eigenen Beinen laufen zu lassen. Du du bist nicht immer nett in deiner Karriere gewesen, aber konsequent. Das ist eine Eigenschaft, an der es vielen Menschen fehlt."


Spencer nimmt die Hände wieder hoch, kratzt sich am Bart und verschränkt sie dann vor der Brust. Er zieht die Augenbrauen zusammen und beugt sich näher an die Kamera, als wolle er die Distanz zu seinem entfremdeten Mentor dadurch verringern.


"Jetzt ist es vorbei. Ich hätte mir gewünscht, mein Wiederaufstieg wäre schneller gegangen. Dann wäre ich in die GFCW gekommen und hätte dir den Schädel kaputt getreten. Nicht weil ich dich hasse. Sondern weil ich glaube, so hätte ich dich stolz machen können."


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SKAÐI FENRIR

(Teil des Lerbitz Performance Group Nachwuchs-Programmes unter Robert Breads)


Die nächste Person auf der Interviewcouch ist eine groß gewachsene Frau mit Wolfsmütze auf dem reichhaltigen, schneegrauen Schopf – die norwegische Schneewölfin Skaði Fenrir. Sie sitzt mit betonter Lockerheit und überschlagener Beinpartie da, der in der Luft befindliche Fuß wippt ein bisschen – ein Indiz innerer Freude hier Teil des Ganzen sein zu dürfen.


Skaði Fenrir: „Es mag seltsam anmuten, dass auch ich einige finale Worte zu Robert Breads beisteure, habe ich doch den Großteil seiner Karriere verpasst und nur hier und da mal etwas davon aufgeschnappt. Sehr zu meinem Bedauern habe ich nicht ein einziges Match gegen ihn und lediglich ein einziges Match an seiner Seite bestritten. Man mag sagen keine große Grundlage für Erinnerungen an die große, lange Karriere von Robert Breads, geschweige denn den Menschen Robert Breads.“


Sie lässt kurz den Blick schweifen, dann jedoch finden ihre Augen die Kamera wieder und ihre sonst oft so schroffe Mimik wird durch einen Hauch eines Lächelns merklich aufgehübscht.


Skaði Fenrir: „Und doch ist meine Karriere mit der von Robert Breads verbunden wie kaum eine andere. Dass ich hier und heute überhaupt hier sitze und ein fester Teil von GFCW über die LPG geworden bin – das ist letztlich der Verdienst von Robert Breads. Sicherlich könnte ich anmerken, dass er seinen eigentlichen Job als Mentor und Förderer nur rudimentär ausgefüllt hat, was für ein griesgrämiger, egoistischer und monströser Zeitgenosse er doch war und dass auch jeder andere in seiner Position die offensichtliche Entscheidung getroffen hätte mich anzuwerben... aber was hätte sein können ist nicht so relevant wie das was war. Und so war es eben Robert Breads, der mir nach Vermittlung durch Monica Shade die Tür zu GFCW geöffnet hat und niemand anderes. Dafür gebührt ihm Dank, so wenig Anlass zu Dank es auch sonst in seiner Karriere auf zwischenmenschlicher Ebene geben mag. Also: danke Robert Breads, ohne dich wäre ich nicht hier.“


Ein knappes Nicken begleitet diese Worte, ein Hauch einer Verbeugung, gerade so, dass es nicht unterwürfig wirkt, aber doch Wort durch Tat unterstützt wird.


Skaði Fenrir: „Und weil mir diese Türe geöffnet wurde und ich dank Robert Breads Teil der LPG sein konnte, war ich in der Position auch meine jüngere Schwester hierher zu holen. Womit also Robert Breads letztlich für uns beide eine elementare Schlüsselrolle gespielt hat und auch für die Karriere meiner jüngsten Schwester eines nicht gänzlich fernen Tages substanziell gewesen sein wird. Er war der Stein des Anstoßes für uns alle.“


Sie schnippt kurz mit dem Finger, wie um einen imaginären Dominostein umzuschnippsen.


Skaði Fenrir: „In den kommenden Jahren wird unweigerlich weniger und weniger über Robert Breads gesprochen werden, da letztlich auch die größten Karrieren nur so lange für die Gegenwart wichtig sind, wie sie andauern. Aber solange GFCW existiert und solange ich, meine Schwester und auch Milly Vermillion oder Miria Saionji bei GFCW aktiv sind… nein, völlig gleichgültig wo wir aktiv sein werden: solange wir aktiv sind, so wird es doch immer einen Grund geben den Namen Robert Breads zumindest am Rande zu erwähnen. Wir kämpfen sicherlich nicht für ihn oder für sein Andenken und dennoch – in gewisser Weise sind wir seine Hinterlassenschaft. Wir sind das was Aiden Rotari hätte sein sollen. Und mit jedem unserer Erfolge wird auch die große Legende von Robert Breads lebendig bleiben.“


Singles Match:
Iokepa vs Night Fighter Mad Dog

Referee: Jack Bobo



Dröhnend scheppern die Klänge von Lynyrd Skynyrd durch die Halle und sogleich jubelt die Menge. Doch noch lauter wird die Meute, als der verrückte Hund den Vorhang beiseite schiebt und in die Dortmunder Westfalenhalle hinaustritt.


Broken bones, broken hearts

Stripped down and torn apart

A little bit of rust - I'm still runnin'

Countin' miles, countin' tears

Twisted roads, shiftin' gears

Year after year - it's all or nothin'


Der Night Fighter nickt nur kurz in Richtung der Zuschauerränge, dann geht er zielstrebig in Richtung Ring. Jetzt gilt der Fokus seinem kommenden Match – die Fans reichen ihm die Hände, doch er geht daran vorbei.


But I'm not home, I'm not lost

Still holdin' on to what I got

Ain't much left

No there's so much that's been stolen


Kurz vorm Squared Circle bleibt er stehen. Ein paar Fans verneigen sich mit großer Geste vor dem Mann, den sie selbst schon seit Kindheitstagen kennen. Aber auch das scheint MD kalt zu lassen, kurz streicht er über die getapten Hände – es sitzt alles.

Dann slidet er in den Ring, läuft ein paar Mal in die Ropes.


I guess I've lost everything I've had

But I'm not dead, at least not yet

STILL ALONE,

STILL ALIVE,

STILL UNBROKEN

I'm still alone, still alive,

I'm still unbroken


Die letzten Worte des Chorus flüstert der mehrfache World Champion fast unmerklich mit. Dann geht er in seine Ringecke und starrt in Richtung Entrance, von wo der Hawaiianer kommen wird.


Geburtstagsshow. Und hier kommt der Mann, der diesen Anlass für einen Generationswechsel hernehmen will: Iokepa.

Mehr als einmal hat er das Mikrofon zur Hand (und seinen Mund recht voll) genommen. Er hat kundgetan, dass nicht nur die Zukunft, sondern bereits die Gegenwart in Händen von Männern wie ihm liegen sollte. Dass er noch immer nicht an dieser Mission zweifelt, ist aus dem entschlossenen Blick abzulesen, der sein Gesicht ziert, als er durch den Vorhang auf die Rampe prescht.


Laura: "Auf dem Weg zum Ring, mit einem Gewicht von 91 Kilogramm..."


Der dreimalige GTCW-Champion schaut sich in der Westfalenhalle mit großen Augen um. Bei allem Selbstbewusstsein kann er nicht verbergen, dass eine solche Kulisse für ihn noch kein Alltag ist. Sein erst vierter Kampf im Main Roster liegt vor ihm; und noch nie war der Rahmen größer. Im Kern ist und bleibt er, seiner Verärgerung zum Trotz, ein junger Mann, der seinen Traum leben darf. Vor 14.000 Menschen. Also gönnt er sich einen Moment zum innehalten, lässt seinen Blick über das Meer aus euphorischen Zuschauern kreisen - das Einzige, was stört, sind die vielen Daumen nach unten, die Buhrufe und Nasenrümpfer.

Dortmund steht größtenteils hinter Mad Dog. Iokepa stöhnt, schüttelt seinen Kopf und setzt sich langsamen Schrittes in Bewegung. Seine Miene wird konzentrierter. Dies ist nicht War Evening, nicht Nick Kavinsky oder Mad Dog.


Laura: "...aus Honolulu, Hawaii..."


Der Surfer trägt sein mittlerweile wohlbekanntes Ring-Outfit: Lange, blaue Tights mit aufgedruckten, an Wellen erinnernden Mustern und bunten Formen. Sein Oberkörper ist unbekleidet, die gebräunte Haut und das Sixpack geben ihm ein gleichermaßen attraktives und klischeebehaftetetes Sunny-Boy-Aussehen.

Seine langen Haare wehen, durch geschickt platzierte Windmaschinen, auf dem Marsch Richtung Geviert wie auf einem Board. Einzelne hell gefärbte Strähnchen muten an wie Sonnenstrahlen, die sein Haupt krönen.


Laura: "Iiiiiokeeeepaaaa!"


Auch wenn Buhrufe dominieren, reißt Iokepa bei der Erwähnung seines Namens die Arme in die Luft. Dann springt er mit einem mächtigen Satz auf den Apron, umgreift das Top Rope und katapultiert sich in einer fließenden Bewegung mit einem Vorwärtssalto auf die Matte, die bei seiner Landung mit einem Knall erzittert.

Im Ring angekommen, geht der Hawaiianer aber nicht etwa zum Feiern auf die Ringecke, sondern lehnt sich an die Seile. Er kramt in seinem Hosenbund und zieht einen kleinen Gegenstand hervor.


Pete: "Das ist die Seite aus Ben Slates Notizbuch! "


Sven: "Scheint, als würde Iokepa dessen Hilfe tatsächlich annehmen wollen, eh? Er versucht sich noch mal einzuprägen, was dort steht. Ich würde zu gern wissen, was Slates Analyse ergeben hat. Es macht mich WÜTEND, in Unkenntnis zu bleiben."


Pete: "Nun, solllte Iokepa heute Mad Dog besiegen, dann kann man vielleicht eine Antwort direkt im Ring sehen. Welche Schwachstelle hat Ben Slate gefunden? Hat es mit Mad Dogs Finisher - dem Enter Night - zu tun? Iokepa hat den Namen zumindest kurz erwähnt gehabt, ehe Slate ihn bat, zu schweigen."


Sven: "Sicher nicht nur, Pete, sicher nicht nur. Ben Slate ist es GENIE. Er wird einen gesamten Matchplan entwickelt haben, mehr als nur einen Trick."


Nachdem er mehrmals die eng beschriebene Seite gelesen hat, faltet Iokepa sie zusammen und steckt sie zurück in den Hosenbund. Dann lässt er die Schultern kreisen, wirft sein Haar zurück in den Nacken und begibt sich in die Ecke, die Ringrichter Jack Bobo ihm weist. Jetzt ist der Moment, in dem alle Beschwerden und Forderungen Iokepas hinfällig sind. Er hat jetzt, was er wollte. Und er muss liefern.


Mad Dog und Iokepa stieren einander an. Die Ringglocke wird geschlagen und sofort stürmt der junge Hawaiianer auf MD zu, um ihn mit einigen Schlägen einzudecken. Der Fighter aber kann nach ein paar Treffern den Spieß umdrehen und Iokepa in die Ringecke drücken, um seinerseits einige Schläge und Kicks ins Ziel zu bringen. Auch ein Forearm brettert in Richtung Kauleiste, doch der Surfer duckt hindurch – in einer wahnsinnig schnellen Bewegung springt er fast zeitgleich ab und schmettert die Töle seinerseits mit einem Dropkick in die Ringecke.


Der alte Mann stöhnt kurz auf, schüttelt den Schmerz jedoch ab… schnellt aggressiv aus der Corner heraus und schmettert dem Jüngling seinen Biceps in die Fresse. Iokepa wird bei dieser brutalen Lariat von den Beinen gerissen; weiß, wie seine aufgerissenen Augen deuten lassen, nicht, wie ihm geschehen ist. Doch die unbekannte Konstante wirft sich direkt wieder auf ihn, umgreift mit der linken das Haupt seines Gegners und zimmert mit der Rechten weitere Schläge auf den Schädel des ehemaligen GTCW Champ.


Sven: „Mad Dog schlägt seine Wut raus! Jetzt hat er ihn da, wo er ihn haben will!“

Pete: „Er will ihm den mangelnden Respekt in den Kopf hämmern…“

Sven: „Doch so leicht lässt sich Iokepa nicht belehren. Schau nur!“


Mit den Beinen umgreift er die Töle, befreit sich von der Schlagsalve und drückt ihn somit nach hinten. MD macht eine Rolle Rückwärts um durchzurollen, doch auch Iokepa ist wieder auf den Beinen – schneller als der Hund. Und so schafft es die Töle nicht die Arme hochzureißen. Der Boot des Jungen knallt ihm genau gegens Kinn. Ein Aufschrei geht durch die Westfalenhalle, als der Hund vom Roundhousekick getroffen zu Boden muss. Sofort springt der Mann aus Honolulu mit einem Senton Splash hinterher, rollt wieder in den Stand und hämmert seinen Körper mit einen Standing Moonsault erneut auf den perplexen Night Fighter. Dieser krümmt sich nun; hält sich neben dem Kinn auch noch den Bauch.


Pete: „Tammy hat Mad Dog gewarnt, dass Iokepa schnell ist. Und hier hat er den Beweis.“

Sven: „Als hätte es den noch gebraucht, Pete. Der junge Amerikaner ist flink wie ein Wiesel.“


Mit ein paar lässigen Kicks trifft Iokepa jetzt den Kopf der Töle, was ihm ein paar Buhrufe der Fans einbringt. Als Mad Dog auf allen Vieren ist, springt der Junge ihm mit einem Dropkick in die Seite. Die Töle atmet schwer, als Iokepa mit einem Standing Double Footstomp erneut den Bauch der Töle trifft und ihn durch den Ringboden drückt.

Ein grässliches Luftschnappen entgleist dem ehemaligen PCWAler, was Iokepa jedoch in seinem Vorgehen zu bestätigen scheint. Denn er hebt MD auf die Gehglieder zurück, um ihm einen Kneehit zu verpassen. Ein, zwei, drei Mal landet das Knie genau im Bereich des Solar Plexus. Mad Dog muss fast schon wieder auf die Knie zurück, doch Iokepa hält ihn oben und schickt ihn in die Seile.


Pete: „Er hat die Magengegend als Schwachstelle der Töle ausgemacht und nun will er ihn wohl über die Klinge springen lassen.“

Sven: „Vielleicht hätte Dog auf sein Bauchgefühl hören und den Vertrag doch noch in den Briefkasten werfen sollen?!“

Pete: „Wenn’s nach den Fans geht nicht, denn die feuern ihn jetzt aus allen Mündern an.“

Sven: „Nur einer nicht und der sitzt fast in der ersten Reihe. Ben Slate schaut zu und wünscht sich sicher einen Sieg Iokepas.“


Tatsächlich rammt dieser gerade der ankommenden Töle das Knie in den Unterleib und dieser rotiert einmal in der Luft und segelt dann auf die Matte nieder. Wieder liegt er gekrümmt dort und ringt nach Luft, während Iokepa über ihm thront. Mit schnellen Füßen hechten der Junge nun auf das Top-Rope, um von dort noch einen verheerenderen Treffer zu landen.


DOUBLE FOOTSTOMB!!!!


Beide Füße knallen wuchtig auf die Matte, allerdings härter als eben. Gut, es war ja auch vom Top-Rope… aber der Hund liegt auch nicht mehr dort, wo er sollte. Als er dies zu spät bemerkt, jagt ein Stich vom rechten Kniegelenk aus durch den Körper des Surfers. Zwar macht dieser noch geistesgegenwärtig eine Judorolle, doch sein erstes erneutes Auftreten zeigt ein schnelles Zurückziehen des soeben weggeknickten Knies. Das wiederum verzögert das Herumdrehen und hier ist Mad Dog. Mit einem Spear rammt er Iokepa beide Beine weg. Iokepa schreit auf und hält sich nun erstrecht das rechte Kniegelenk. Aber auch MD hat sich mit seiner Aktion selbst ein wenig geschadet und bleibt erstmal auf dem Boden liegen.


Sven: „Das könnte ein Wendepunkt im Match sein. Iokepa war sich mit seiner Aktion von den Seilen vielleicht zu sicher… und hier hat er die Quittung.“

Pete: „Es ist das rechte Knie, was getroffen ist… und mit dem Dog Leash hat die Töle da ja noch eine extrem starke Waffe, um daraus Kapital zu schlagen.“

Sven: „Erstmal sollte er seinen Unterleib in den Griff kriegen.“


Mit schmerzverzerrtem Gesicht und einer Hand auf dem Bauch liegend schnappt sich der Fighter Iokepa, zieht ihn auf die Beine und hämmert ihm zwei Chops auf die blanke Brust. Seine Arme sind noch beim verletzten Knie, doch die Töle hämmert seinen Oberkörper immer wieder mit Chops nach oben. Iokepa humpelt rücklinks, während die Fans bei jedem weiteren Chop wie ein Hund bellen. Der Hawaiianer ist schließlich in der Ringecke angelangt, versucht nun die gerötete Brust zu schützen, doch jetzt schnellt ein Tritt der unbekannten Konstante gegen das rechte Bein. Iokepa schreit auf, sinkt nach unten. KLATSCH. WAU. Der Handrücken hämmert ihn wieder nach oben. MD macht einen Schritt zurück.


DOG BITE!


Mit dem Spinkick trifft er den Jungen voll am Kopf. Iokepa taumelt nach vorne und wird mit einem Drop-to-hold über die rechte Seite zu Boden gerissen. Wie in einer Bewegung stellt Mad Dog seinen Fuß in die Kniekehle, wirft sich auf den Rücken und katapultiert Iokepa so mit dem Dog Leash (Hass of pain) ein wenig in die Höhe.


Pete: „ER HAT IHN AN DER LEINE! ER HAT IHN AN DER LEINE!!!“

Sven: „Iokepa schreit, er fuchtelt, er windet sich… er…“

Pete: „…sticht ihm in die Augen!“


Unbemerkt von Jack Bobo hat Iokepa dem Hund in die Augen gestochen und dieser hat sogleich seinen Spezialgriff lösen müssen. Der Hawaiianer hält sich das rechte Knie, doch rollt erst einmal weiter aus dem Ring, um wieder zu sich zu finden. Das Dortmunder Publikum quittiert dies mit Buhrufen. Iokepa schaut kurz zu Ben Slate, doch auch das war keine gute Idee, denn sofort wird Iokepa von einem Baseballslide des Hundes getroffen und gegen die Guardian Rail geschleudert. Krachend fliegt der Junge gegen den Stahl.


Sven: „Häh?! Was war das?“

Pete: „Da kam wohl irgendetwas aus seiner Hose…“

Sven: „Deine Mutter freut sich, wenn was aus meiner kommt.“

Pete: „Da! Mad Dog hat es auch bemerkt.“


Der Night Fighter blickt auf einen Zettel und hebt ihn sogleich auf. Schnell überfliegt er die geschriebenen Zeilen, plötzlich aber steht Ben Slate an der anderen Seite der Guardian Rail und versucht ihm den Zettel wieder aus den Händen zu reißen. Geistesgegenwärtig zieht MD das Papier weg und deutet Slate mit dem wankelnden Zeigefinger, dass er seine Finger hier nicht anlegen sollte. Noch einmal liest stattdessen der Hund den Zettel… schaut dann mit einem bitterbösen Blick in Richtung Ben.


Sven: „Ist das die Seite, die Ben Slate zuvor Iokepa gegeben hatte?“

Pete: „SPEAR!!!“


Der Zettel wirbelt wieder durch die Luft, als Iokepa den Night Fighter wie eine Rakete in der Mitte halbiert. Humpelnd kommt der Surfer wieder auf die Beine, reicht das Stück Papier Ben Slate und kommt dann der Mahnung Jack Bobos nach, wieder in den Ring zurück zu kehren. Zuvor schickt er den Hund allerdings frontal gegen das Apron, sodass sich dieser fast übergeben muss. Schließlich rollt er ihn ins Seilgeviert zurück und springt vom Apron mit links über das dritte Seil hinweg, um mit einem Elbow auf dem Night Fighter zu landen. Sofort hakt er das Bein ein, doch bei zwei zieht MD die Schulter nach oben.

Iokepa schlägt wütend und ein wenig frustriert auf die Matte. Denn jetzt widmet er sich wieder dem rechten Knie und versucht es durch Lockerungsübungen wieder in Gang zu bekommen. Mad Dog windet sich unterdes abartig würgend zu den Seilen und zieht sich an diesen in den Stand zurück.

Nun trifft ihn erneut ein Kick in den Bauch. Er sucht nach Luft. Doch knallt mit letzter Kraft einen Chop auf die Brust seines Gegners. Bei dem zieht sich alles zusammen. Aber auch hier setzt es einen weiteren Kick in die Midsection, ehe Dog nachsetzen kann. Nun will Iokepa es wissen, er schnellt nach vorn, bekommt aber einen Kick gegen das rechte Knie zu spüren.


Pete: „Iokepa fliegt in die Arme des Night Fighters. Der umgreift seinen Kopf, legt den Arm über… das müsste, das sollte den Enter Night geben!“


Unter wildem Blitzlichtgewitter stemmt Mad Dog seinen Gegner in die Luft, dreht ihn dabei nach vorne für den Screwdriver.


ENTER NIGHT!!!


Iokepa scheint genau zu wissen, was er machen muss! Ehe sich MD setzen kann, trifft ihn ein Knie am Kopf und Iokepa verlagert das Gewicht nach hinten. Nun hat er ihn in der Position für einen Reverse-DDT… doch Mad Dog reagiert überraschend schnell auf diesen Konter und dreht sich einfach mit, hebt Iokepa aus und lässt ihn mit einem Inverted Attomicdrop auf sein Knie knallen.


Sven: „Sach mal!!! Wusste der, was kommt?!“

Pete: „Vielleicht stand es auf dem Zettel…“


Während sich der Hawaiianer den Schritt hält, zieht ihn MD wieder mit dem Drop-to-hold auf die Matte. Ebenso schnell hat er den Dog Leash eingerastet. Jetzt dreht er den Kopf weg, jetzt zieht er fester an. Iokepa wird ins Surfboard gestrecht. Sein Bein, sein verdammtes Knie malträtiert. Er schreit, er beißt, rauft sich die Haare. Versucht zu den Seilen zu kommen, versucht sie zu erreichen. Zwecklos. Versucht den Kopf des Hundes zu erreichen, dort nochmal die Augen zu erwischen, die Nase oder… oder…


Sven: „ER KLOPFT AB! ER GIBT AUF!“

Pete: „Mad Dog gewinnt! Mad Dog besiegt Iokepa!“

Sven: „Das war zu viel für sein Knie!“

Pete: „ABER DA IST SLATE!!!“


DISCUS ELBOW!!!


Der Schweizer schmettert seinen Ellenbogen ins Gesicht des siegreichen Night Fighters. Sofort packt er den überraschten Hund von hinten.


CASE CLOSED!!!


Der Back Suplex Side Slam von Ben Slate trifft den Night Fighter mit voller Härte und lässt ihn erst einmal auf der Matte liegen. Ben reicht Iokepa die Hand und zieht ihn auf die Beine. Während der sich immer noch das rechte Knie hält, starrt er wütend zu dem Mann, der ihn soeben besiegt hat.


Sven: „Was haben die beiden vor?“

Pete: „Ich glaube die haben noch nicht genug!!“


Die Töle wird nun mit harten Kicks eingedeckt. Immer wieder prasseln die Stiefel von Iokepa und Slate auf den Night Fighter nieder. Doch dann hebt Ben Slate den alten Mann auf die Beine…


SUNSHINE!!!


Auch der Codebreaker von Iokepa sitzt. Doch damit immer noch nicht genug. Slate und Iokepa sind wie im Wahn und treten weiter auf Mad Dog ein. Immer wieder in die angeschlagene Magengegend des Night Fighters. Immer wieder gegen den Kopf des Hundes.


Sven: „Die wollen ihn krankenhausreif schlagen!“

Pete: „Ist denn niemand hier, der ihm helfen kann?“


Plötzlich keimt ein Hoffnungsschimmer auf! Die ersten Leute im Publikum springen auf und zeigen in Richtung On Stage! Kann das wirklich sein? Ja, tatsächlich! Er ist es! Zereo Killer kommt angerannt, bewaffnet mit einem Stuhl und slidet in den Ring! Slate und Iopeka haben es sofort bemerkt und wollen den Kalifornier sofort attackieren, doch der duckt sich weg! Unter großem Jubel folgt ein Stuhlschlag!! Der geht allerdings ins Leere, das Duo weicht ebenfalls geschickt zurück und ergreift die Flucht, in dem sie sich unter das unterste Seil blitzschnell hindurchrollen.


MacKenzie lässt die Beiden nicht aus den Augen, während sie mit wütenden Gesichtern in seine Richtung deuten. Zereo aber bleibt gelassen, als sich hinter ihm langsam wieder der Night Fighter aufbaut. Schmerzverzerrtes Gesicht, gekrümmt und den Magen haltend - gekennzeichnet vom Match und von den Attacken direkt danach, doch mithilfe der Ringecke kommt er hoch. MacKenzie dreht sich langsam um. Die Blickkontakte treffen sich. Iopeka und Slate sind endgültig verschwunden, die Aufmerksamkeit gehört den beiden Stars im Ring. Mad Dog geht einige Schritte auf Zereo Killer zu. Dieser hält den Stuhl nun mit beiden Armen fest. Rechnet er immer noch mit einer Attacke? Kann durchaus sein. Doch irgendwas hat ihn angetrieben, hier rauszukommen und den ehemaligen PCWAler zu retten.


Simargl richtet seinen Blick hoch und schaut Zereo Killer genau in die Augen. Er streckt ihm die Hand aus. Er bietet erneut einen Handshake an. Dieselbe Szene wie bei War Evening, beide verharren in ihrer Position. MacKenzies Blicke wandern vom Handshakeangebot zu den Augen seines Gegenübers. Ein Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt, ein Moment, der allerdings einer Jubiläumsshow würdig ist. Niemals hätte man sich denken können, dass die Beiden eventuell mal auf derselben Seite stehen. Vielleicht geht Zereo Killer auch das kurze Gespräch durch den Kopf, welches er mit Morbeus bei der vergangenen War Evening Show hatte. Vielleicht die Worte des Hundes im Interview mit Tammy. All das lässt er in seinem Kopf Revue passieren… und dann ist es geschehen.


Zereo Killer lässt den Stuhl fallen, die Blicke treffen sich. Es kostet Mr. #ISGI zwar Überwindung, aber er geht auf den Handshake ein!


Unter großem Jubel der Zuschauer: Zereo Killer und Night Fighter Mad Dog – Handshake!!! Der Hund nickt zufrieden, aber angeschlagen, mit dem Kopf, ZK lässt kurz darauf die Hand wieder los. Ein Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlt, der sich richtig anfühlt, der sich für die Fans wie ein neuer, toller Beginn anfühlt. Zereo Killer schließt zuerst Frieden mit Morbeus, nun auch offensichtlich mit Simargl.


Doch dann ist der Moment schon vorbei, denn Zereo Killer verlässt den Ring wieder und geht unter tosendem Jubel zurück in den Backstagebereich. Wollte der angeschlagene Hund noch ein paar Worte an seinen „Retter“ richten? Könnte schon sein. Warum ist Zereo Killer so schnell gegangen? Zweifelt er nun doch an den Friedenspakt mit seinem ehemaligen Feind? Oder liegt es schlicht und einfach daran, dass er sich nochmal mit Morbeus zusammensetzt, weil das nächste Match bereits das Tag Team Titlematch ist? Alles ist möglich.




Mit sanftem Zug gleitet die Kanüle aus Robbins Arm.

Schwindel. Die Erschöpfung greift mit ihren Klauen nach ihm, drückt ihn auf die Liege zurück. Er möchte schlafen. Schlafen und liegenbleiben. Für immer.

Der Mann am anderen Ende des Schlauches setzt sich auf. Er zieht sich die Instrumente raus, tupft die Bluttropfen ab und klebt ein Pflaster auf die Einstichstelle. Er springt mit einer Energie auf die Beine, die für Robbin – der ihn mit verschwommenem Blick beobachtet – wie eine Erinnerung aus einem vergangenen Leben anmutet.


Robbin Zick: „Mir…geht…es…nicht…so…gut…Danny.“


Zicks Gegenüber antwortet nicht. Er rollt den Transfusionsschlauch zusammen, jede Bewegung ist einstudiert und präzise. Dann zieht er sich die Jacke an, nimmt seine Sonnenbrille vom Tisch und setzt sie auf.

Erst als er halb zur Tür heraus ist, schaut er zu Robbin, der auf sich aufmerksam machen will. Außer einem Ächzen kommt nichts aus Zicks Mund, er ist schon halb in die Traumwelt übergeglichen.


Danny Rickson: „Du tust es für das Team, junges Blut.“

Robbin Zick: „Für…das…Team.“


Rickson nickt, tritt aus dem Raum und schließt die Tür. Er lässt Zick zurück in jener sterilen Umgebung, in der sie eben nicht nur Zeit, sondern auch Blut miteinander geteilt haben.

Der Engländer wirkt erfrischt. Und glücklich. Er leckt sich über die Lippen, lässt seine Muskeln kreisen. Mit jeder Sekunde fühlt er sich stärker. Sein Gang wird wippend, als würde er der Welt um den Hals fallen wollen.

Aus der zufriedenen Trance wird Rickson erst gerissen, als Musik und Stimmengewirr an sein Ohr dringen. Mit jedem Schritt wird es lauter; bis klar ist, dass es aus dem Kantinenbereich kommen muss, den der Hall of Famer just in diesem Augenblick passiert. Rickson überlegt, dann dreht er den Türknauf und tritt ein.

Im Catering ist eine Party im Gange.

Luftschlangen, Ballons, Käsespieße, Fetenhits. Das volle Programm. Jemand schmeißt mit Jubelrufen Konfetti und als Rickson näherkommt, erkennt er in dem Partymenschen das bekannte Gesicht von Erick Ivans. Rickson ignoriert ihn, drückt sich an Ivans vorbei tiefer in die Partytraube. Er rempelt zwei junge Männer zur Seite, die er bei genauerem Hinschauen vielleicht als Primo Ravenna und Bene Zampach identifiziert hätte, dann schiebt sich der Hall of Famer an einem mies gelaunt aussehenden Ardian Vak vorbei, der allein an einem Stehtisch steht und fünf leere Sektgläser vor sich hat.

Im Vorbeigehen greift Rickson eine Wasserflasche aus den Händen von Sandro Prach – der es mit einem empörten „In Luxemgal macht man das so nicht!“ quittiert -, leert sie in einem Zug und wirft sie achtlos zu Boden, wobei das zerspringende Glas dafür sorgt, dass Tammy, Mac Müll und der Cirque du Tonnerre erschrocken in Deckung gehen.

Mit jeder Sekunde, die Rickson auf dieser Jubiläumsfeier verbringt, verlässt ihn die Lust ein wenig mehr. Es ist niemand hier, den er für würdig erachtet, um ein Gespräch zu führen. Also geht es für den Engländer zum Büffet, der Anblick der fettigen, ungesunden Speisen jedoch verdirbt auch diese Stimmung. Rickson zischt und dreht sich auf der Fußspitze herum.

Nun will er nur noch raus aus diesem Raum. Raus aus einer Feier von Leuten, die es gar nicht verdient haben, zu feiern. Schließlich haben nicht SIE diese Liga in den vergangenen 25 Jahren erbaut, haben sie niemals geprägt. Sie sind alle keine Danny Ricksons.

Rickson ignoriert ein ärgerliches Fauchen von Giovanni Domizzi, als er diesen auf den Fuß tritt, zieht Snow an dessen weißen Mantel aus dem Weg und steuert schnurstracks auf den Ausgang zu.

Er hat einen Griff am Türknauf, als sich jemand in den Weg stellt.

Der Engländer muss stehenbleiben, um nicht mit dem Kerl zu kollidieren, der ihn kreuzt. Das Erste, was ihm auffällt, ist das Outfit, das noch mehr glänzt als die Partydekoration. Alles ist Gold und Silber, von den Schuhen bis zum Kopf. Genauer gesagt: Bis zur Maske. Einer Maske, die einem Vogelschnabel nachempfunden ist.

Es ist der Pheasant Warrior, der sich aus einem Gespräch mit Zac Alonso gelöst hat, um die Konfrontation mit Danny zu suchen.

Rickson blickt seinen alten, zurückgetretenen Kollegen abschätzig von oben bis unten an.


Pheasant Warrior: „Das ist nicht rechtens, was du machst!“


Danny zieht die Augenbrauen zusammen. Er weiß nicht, worauf sich der einstige No. 1-Contender bezieht – und im Grunde will er das auch nicht wissen. Sein Plan, diese Party so schnell wie möglich wieder zu verlassen, hat noch immer Bestand.

Aber bevor er am Warrior vorbeikommt, zieht dieser Rickson zur Seite, hin zu Zac Alonso. Und dann deutet der Guatemalteke auf einen Monitor, der dort angebracht ist. Die Live-Übertragung zeigt noch immer die Bilder aus dem Medizinraum. Einen erschöpft daliegenden Robbin Zick, der es kaum schafft, sich die Schuhe anzuziehen, ohne vor Schwindel zu Boden zu sinken.


Danny Rickson: „Es geht dich nichts an, was ich mache, Pheasy.“


Er greift nach der Fernbedienung und schaltet den Bildschirm ab. Robbin Zick, der gerade wankend einen Schritt getan hat, verschwindet in der Dunkelheit.


Danny Rickson: „Und dich auch nicht, Zac.“


Abschätzig blickt er den Herrn des Zacidog von oben bis unten an. Dass dieser heute in einem Titelmatch steht, ringt Rickson keinen Funken Respekt ab.


Pheasant Warrior: „Ich halte jedenfalls fest zu Ask Skógur.“

Zac Alonso: „Wir beide tun das.“


Um sich gegenseitig zu bestätigen, schauen Alonso und die GFCW-Legende einander an. Nicken sich zu. Alonso muss lächeln. Was auch immer der Gesprächsinhalt zwischen den Vertretern zweier verschiedener Generationen war: offenbar hat es zu einer schnell geschlossenen Freundschaft geführt.


Danny Rickson: „Und jetzt? Soll es mir Angst machen? Soll es mich interessieren, wer zu mir hält und wer zu Ask Skógur? Ich bin in der Hall of Fame. Ich bin Danny Rickson. Es ist mir scheißegal, was jemand denkt, dessen Karriere heute zu Ende geht…“


Seitenblick in Richtung Alonso. Zac setzt an, etwas zu erwidern, doch schluckt seine Antwort herunter, als Rickson unvermittelt fortfährt.


Danny Rickson: „…oder dessen fünf Minuten Fame mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen.“


Das ist an den Pheasant Warrior gerichtet. Der Guatemalteke macht nicht den Eindruck, als wolle er klein beigeben. Auch wenn die Maske seine Mimik verbirgt, ist das durch die Körperhaltung ersichtlich.


Pheasant Warrior: „Injizier dir das Blut deines Kollegen, vernichte ihn, opfere ihn. Doch eines weiß ich ganz genau, Danny. Am Ende zählt es nicht, was in deinen Adern ist, sondern in deinem Kopf.“


Er tippt sich auf seine Maske.


Pheasant Warrior: „Und ich merke, dass du da nicht so souverän bist, wie es scheint. Du versucht es zu verdrängen, doch in dir haust die Angst, dass dein Refuse to Age-Kram nicht die Wirkung hast, die du proklamierst. Es ist die gleiche Angst, die jeder spürt, der dein Alter erreicht. Die Frage: Kann ich wirklich noch mithalten? Mad Dog hat sie sich gestellt. Morbeus auch. Robert Breads hat sie für sich beantwortet und hört deshalb auf. Aber du…“


Der Fasanenkrieger legt seinen Kopf schief.


Pheasant Warrior: „…bist der Einzige, der versucht, sie zu verdrängen. Und womit? Mit Bosheit. Weil du nicht in der Lage bist zu akzeptieren, was die Natur aus dir gemacht hat, konstruierst du ein neues Ich, dass all deine schlechten Eigenschaften aus 20 Jahren GFCW auf die schlimmste Weise amalgiert. Was du tust, ist pervers. Es ist…einfach nicht in Ordnung. Du bist eine Hülle, in der nur das Böse überlebt hat, das immer in dir war.“


Noch einmal deutet der Warrior auf den Fernseher. Unterdessen tritt Zac Alonso vor.


Zac Alonso: „Ask ist ein Gegenentwurf zu dir. Er ist wahr, authentisch. Er kämpft für das Gute, auch wenn das manchmal einen Umweg bedeutet. Genau wie ich. Deswegen werde ich den Sieg, den er heute feiert, als Inspiration für meinen eigenen Sieg ein paar Minuten später nehmen.“


Der Mann aus Newcastle winkt ab.


Danny Rickson: „Weißt du eigentlich, wie lange es her ist, dass der Pheasant Warrior zurückgetreten ist, Zac?“


Zögern bei Alonso.


Zac Alonso: „Ähm…ein paar Jahre, schätze ich.“

Danny Rickson: „Ein paar Jahre. Schätzst du. Du weißt nicht einmal, wann genau, hm?“


Kopfschütteln bei Zac. Auch mit viel Überlegen kommt er nicht auf eine Antwort. Rickson wendet sich wieder dem Pheasant Warrior zu.


Danny Rickson: „Sag mir, Pheasy, warum war dein Rücktritt eine solche Randnotiz, dass nicht einmal dein Buddy noch das genaue Datum kennt, hm? War dein letztes Match nicht irgendeine Scheiß-Niederlage gegen Aiden Rotari bei einem stinknormalen War Evening?“


Die Gelegenheit zur Antwort bekommt der Guatemalteke nicht.


Danny Rickson: „Und sag mir auch, warum du nicht in der Hall of Fame bist. Und, ach, warum du nie den World Title gewonnen hast, obwohl du die Chance dazu hattest.“


Ein boshaftes Grinsen schleicht auf Ricksons Lippen. Er legt nun seinerseits den Kopf schief und taxiert sein maskiertes Gegenüber.


Danny Rickson: „Ich beantworte es für dich: Weil du nie bereit warst, wirklich alles zu tun, Pheasy. Weil du dich an Ideale klammerst, die völlig egal sind. Was ist dieses Schöne und Gute, von dem du sprichst, hm?“


Schulterzucken bei Rickson.


Danny Rickson: „Fiktive Werte, die sich irgendwelche Leute ausgedacht haben, um sich und andere daran zu messen. Was hat man wirklich davon, wenn man sie befolgt? Nichts, außer dass irgendwelche Affen lauter klatschen. Aber auf lange Sicht bringt es einen Scheiß. Deswegen bist du heute vergessen, Pheasy. Ich war vor dir da und bin ich es noch viele Jahre nach dir. Gleich gehe ich da raus und zerstöre den Good Guy einer neuen Generation. Und du? Du stehst auf irgendeiner Scheiß-Party im Hintergrund und frisst Käsespieße. Wäre ich nicht zufällig in den Raum gekommen, würde hier nicht mal eine Kamera laufen.“


Höhnisch schlägt er dem Pheasant Warrior auf die Schulter.


Danny Rickson: „Du hast dich an das Gute geklammert und deswegen deine Karriere verloren. Was für eine scheiß-großartige Entscheidung. Herzlichen Glückwunsch.“


Der Mund des Maskierten verzieht sich. Er will endlich antworten, doch noch immer ist Rickson nicht am Ende.


Danny Rickson: „Und den gleichen Fehler, den du vor anderthalb Jahrzehnten gemacht hast, machen Leute noch heute. Ask Skógur klammert sich jetzt an deiner Statt an die Idee vom Guten und Rechten. Deswegen wird er heute verlieren. Dieser Wichser da…“


Fingerzeig auf Alonso.


Danny Rickson: „…tut es nun auch und deswegen geht seine Karriere heute zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat.“

Zac Alonso: „Heute wird überhaupt nichts enden, Danny. Du wirst es sehen.“

Danny Rickson: „Ich brauche es nicht einmal zu sehen, Zac. Ich WEIß es. Denn die Geschichte wiederholt sich in dieser Liga Jahr für Jahr. Seit fünfundzwanzig Jahren. Am Ende werden diejenigen belohnt, die dazu bereit sind, alles zu tun. Deswegen sind Robert Breads und ich in der Hall of Fame und dieser Typ mit der Maske ist ein Nichts. Ein Nostalgie-Akt, der alle paar Jahre zu Jubiläen vorbeikommt und einen blöden Fasan herumträgt.“


Als wäre das sein Stichwort gewesen, beginnt hinter Pheasy etwas zu flattern. Rickson tritt am Fasanenkrieger vorbei und sieht zu seiner Belustigung tatsächlich Mohi – den heiligen Fasan - auf einem weichen, roten Kissen ruhen.

Der einstige GFCW-Vizepräsident (Ja, das ist wirklich geschehen) göckt aufgeregt und als Rickson versucht, ihn anzustupsen, beginnt er heftig mit den Flügeln zu schlagen. Von den Fans, die in der Halle die Szene über die Videoleinwand verfolgen, gibt es laute Pops für den Vogel. Besonders, als er den Berührungsversuch Ricksons abwehrt. Tiere spüren es instinktiv, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Rickson schnalzt mit der Zunge und dreht sich zurück zu seinen Gesprächspartnern.


Zac Alonso: „Du kannst gut reden, Danny. Das konntest du schon immer. Schon vor zwanzig Jahren, als ich dich als kleiner Junge im Fernsehen gesehen habe. Aber Pheasy hier…“


Demonstrativ legt Alonso dem alten Fasanenkrieger einen Arm um die Schulter.


Zac Alonso: „…hat Recht. Er mag sich nicht so geschliffen ausdrücken wie du, aber trotzdem spüre ich, dass in seinen Worten Wahrheit steckt. Ich bin auch bereit, alles zu tun. Im Ring. Aber nicht dazu, noch einmal meine Seele zu verkaufen und auf einem falschen Weg zu wandeln. Das habe ich hinter mir. Und mich von diesem Weg – dem Irrpfad des Switziverse - abgewandt zu haben, macht mich nicht schwach, sondern stärker.“


Rickson seufzt.


Zac Alonso: „Ich werde Darragh Switzenberg heute besiegen. Und Ask Skógur dich. Das Gute mag manchmal einen Rückschlag erleiden. Aber auf lange Sicht wird es gewinnen.“

Danny Rickson: „Dies ist Wrestling, Junge. Kampfsport. Die einfachste Rechnung der Welt. Hier gewinnt nicht das Gute, sondern der Bessere.“


Der Hall of Famer wendet sich ab und legt eine Hand zurück an den Türknauf.


Danny Rickson: „Und der bin meistens ich.“



Es will etwas heißen, wenn es sich um ein eher ungewohntes Bild handelt, einen Wrestler in seiner Kabine zu sehen, wie er sich auf sein bevorstehendes Match vorbereitet. Und doch, ist genau das bei Ask Skógur der Fall. Bisher hat Ask noch vor jeder Halle zumindest einen halbwegs ansprechenden Baum gefunden, auf dem er sich seelisch und moralisch auf das vorbereiten konnte, was da vor ihm liegt. Jetzt hingegen ist er bereits backstage, denn wieder einmal steht er vor einem großen Match.

Es geht nicht um den GFCW-World Title und auch nicht darum sich direkt für ein solches Titelmatch zu qualifizieren. Heute geht es auch nicht darum, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden und seinem größten Feind – sich selbst – zu trotzen. Heute steht Ask ganz einfach in einem knallharten, intensiven Match gegen einen der größten Stars der GFCW-Geschichte, den er besiegen muss, weil er ihm in der vergangenen Show mehr als übel mitgespielt hat. Ask wollte für das Gute einstehen und Petes Sohn helfen, bevor er selbst schließlich zum Opfer eines bitterbösen Angriffs wurde.

Die Erkenntnis, die dabei aber mitschwingt und wohl all das wert macht: Ask wurde bestraft, dafür etwas Gutes getan zu haben, sich, vielmehr noch, für die gute Seite entschieden zu haben, aber all das hat nichts in ihm verändert, sondern das vielmehr bestätigt.

Ask ist inzwischen wieder vollends auf der guten Seite angekommen und deshalb wird die Böse heute ordentlich aufs Maul bekommen.

Während Ask dort also in Gedanken versunken sitzt, bereits in Ringklamotte und mit dem Fokus aufs Match, …

klopft es wieder an der Tür.

Pexianer? Rickson? Zick? Sven?

Wer soll das sein?

Anders als noch vor einigen Wochen wartet und zögert Ask diesmal aber nicht. Sein Blick schnellt sofort zur Tür und so steht er langsam, aber durchaus mit einer gewissen Skepsis auf und geht zur Tür.

Man merkt Ask deutlich an, dass er noch geladen ist, nach dem, was vor zwei Wochen passiert ist. Gleichermaßen hat er es wohl aber auch halbwegs „verdaut“ oder zumindest genug verarbeitet, dass sein Fokus eben wieder da ist. Gute Laune sieht trotzdem anders aus…

bis er schließlich die Tür macht und beim Erblicken seines Gastes all den ganzen Kram, der ihn mal wieder umgibt, vergessen kann, zumindest für einen kurzen Augenblick.

In diesem Moment scheint Asks Gesichtsausdruck vor guter Laune fast schon zu explodieren. Mit einer fast schon kindlichen Freude blickt er entgeistert und mit offenem Mund zu seinem Gegenüber.


Keek Hathaway: „Ask.“


Als wäre er nie weg gewesen und es ein alltäglicher Anblick, ihn vor den Kameras zu sehen, steht er da. Keek Hathaway. Der ehemalige GFCW-Champion. Die Kultfigur. Derjenige, der vielleicht am ehesten in einer Linie mit Ask Skógur gesehen werden kann, wenn es darum geht, für das Gute und Rechte zu kämpfen, ohne den Zuschauern je in den Rücken gefallen zu sein.

Entsprechend laut wird es auch in der Halle als die Bilder aus der Kabine auf der Leinwand übertragen werden.


Keek Hathaway: „Darf ich kurz reinkommen?“


Keek Hathaway. Die Beiden mögen nicht besonders lang miteinander zu tun gehabt haben, aber für Ask übernimmt Keek doch einen recht großen Stellenwert, denn es war Keek Hathaway, der ihm damals, als Ask seinen Weg in die GFCW gefunden hat, zur Seite gestanden hat. Ask musste sich entscheiden, zwischen Keek und Holly Hutcherson und das tat er letztendlich für Keek. Wobei, weniger FÜR Keek, als vielmehr GEGEN Holly und doch war Keek Hathaway, damals noch GFCW World Champion, einer der frühen, prägenden Faktoren für Ask.

Und Ask hat ihn seitdem nicht vergessen.

Er bringt nicht wirklich eine Antwort auf die Frage heraus, ob Keek eintreten darf, sondern tritt vielmehr leicht zur Seite, um Hathaway den Weg freizumachen.


Keek Hathaway. „Danke.“


Der Namibier betritt Skógurs Kabine. Er zieht seine Jacke aus, faltet sie zusammen und legt sie auf eine der Bänke im Inneren, ganz so, als wäre er zu Gast bei Freunden.

Nicht nur Skógurs Miene ist von Freude erfüllt, auch Hathaway wirkt bei guter Laune. Er hat sich – in den Jahren seit seinem Rücktritt – nicht groß verändert. Der Haaransatz mag den einen oder anderen Zentimeter zurückgekrochen sein, doch körperlich wirkt Hathaway noch immer so, als würde er gleich ins Squared Circle steigen. Unter seinem Shirt zeichnen sich wohlgeformte, kräftige Muskeln ab, der Körper ist voll Spannung und Energie.


Keek Hathaway: „25 Jahre GFCW. Eine Zeit voller Erinnerungen. Von A wie Alex Ricks zu Z wie Zacharias Zwengelmann. Von Zeus zu Anawoo. Und mittendrin…“


Er tippt erst sich auf die Brust, dann deutet er in Richtung Ask.


Keek Hathaway: „…in diesem wilden Vierteljahrhundert sind auch wir ein Teil des Ritts gewesen. Da kann ich mir diese große Geburtstagsparty doch nicht entgehen lassen. Und wo wir bei Party sind…“


Seine Stimme wird eine gute Spur ernster. Man kann erahnen, dass Hathaway nicht nur gekommen ist, um Jubiläumsgrüße auszusprechen. Er räuspert sich und schaut dem Schweden in die Augen. Dieser merkt, dass es ein womöglich längeres Gespräch wird und schließt die Tür.


Keek Hathaway: „Ich möchte, dass diese Party eine Party bleibt und es keinen Grund zur Trauer gibt. Und dazu gehört für mich, dass heute Abend dein Arm Richtung Hallendecke gereckt wird. Nicht der von Danny Rickson.“


Bei der Erwähnung des Namens verzieht sich Keeks Gesicht.


Keek Hathaway: „Wie du weißt, verbindet mich viel mit ihm. Einst war ich sein Privatsekretär, dann – als ich selbst Erfolg hatte – die Ursache seines Neids. Er hatte viele Rollen und in keiner von ihnen war er ein guter Mensch. Mehr als einmal musste ich das aus nächster Nähe erfahren.“


Er stemmt die Hände in die Hüften und seufzt. Es mögen die Erinnerungen an eine wechselhafte Geschichte sein, die durch Hathaways Kopf fluten. Nur einmal, ganz am Anfang von Keeks Karriere, standen sie auf der gleichen Seite. Der Rest ihrer Beziehung war von gegenseitiger Ablehnung geprägt.

Keek Hathaway: „Also glaub mir, wenn ihr es dir sage: Niemand weiß besser als ich, dass ein Danny Rickson grad jetzt, in genau diesem Moment, hundert Zahnrädchen in Bewegung setzt, um ein Szenario zu finden, in dem er dich besiegen wird. Rickson ist nicht nur süchtig nach Erfolg, es ist seine gesamte Identität. Also lass mich tun, was alte Männer gern tun, und dir ein paar Worte mit auf den Weg geben.“


Asks Euphorie hat sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt, nicht zuletzt auch deshalb, weil Keek Asks Aufmerksamkeit wieder auf Danny Rickson gelenkt hat und doch ist Ask glücklich und sicher auch etwas stolz, dass er Keek hier und heute, zum Geburtstag der GFCW, wiedertreffen kann und das, nachdem Ask eine solche Karriere zurückgelegt hat.


Ask Skógur: „Mann… also… erstmal… wow.“


Vielmehr Worte findet Ask wohl nicht wirklich dafür, dass Keek wieder hier ist, aber viel mehr braucht er auch nicht – seine Reaktion und eben diese Worte sprechen für sich.


Ask Skógur: „Ich hab lange über den Moment nachgedacht, wenn wir uns wieder sehen und jetzt… isses doch schneller passiert als gedacht. Tja… und mal wieder… steht ein machthungriger Wahnsinniger zwischen uns. Manches ändert sich wohl nie, hm?“


Hathaway versteht sofort die Anspielung. Holly Hutcherson. Der Mann, der nicht nur bis heute in Ask Skógurs Kopf haust, sondern in seiner kurzen GFCW-Karriere auch zu Keeks Nemesis wurde. Weder davor noch danach war der Namibier in einer so blutigen, persönlichen Fehde verwickelt gewesen wie einst mit dem Sektenführer.

Als Skógur jedoch den Vergleich zwischen Hutcherson und Rickson zieht, schüttelt Keek kaum merklich mit dem Kopf.


Keek Hathaway: „Mach es dir nicht zu einfach, Ask. Bitte. Wenn du in Danny Rickson nur eine Parallele zu Hutcherson siehst, nur eine Wiederholung eines Kampfes, den du bereits einmal überstanden hast, dann wirst du heute untergehen.“


Die Worte kommen derart schonungslos, dass der Angesprochene wie aus Reflex einen Schritt nach hinten macht.


Keek Hathaway: „Holly Hutchersons Zeit in der GFCW waren Monate, in denen ein perfekter, böser Sturm herrschte. Chaos. Helter Skelter. Das Fundament seines Erfolgs waren Angst und Manipulation. Er hat von den Bedingungen profitiert, die er selbst erschaffen hat. Und er ging wieder, bevor man das Gegenmittel fand, bevor man ihn entzaubern konnte. Danny Rickson jedoch…“


Hathaway legt seinem Gesprächspartner eine Hand auf die Schulter und versucht, durch diesen Moment der Nähe besondere Konzentration zu schaffen.


Keek Hathaway: „…ist sein eigenes Fundament. Ich hasse ihn, aber er ist verdammt nochmal leider richtig gut. All die Dinge, die er mit deinem Kopf macht, deine Demütigung vor zwei Wochen, sind nur ein Bonus. Selbst wenn man ihn durchschaut und seinen Spielchen nicht auf den Leim geht, ist die Chance noch immer hoch, dass man verliert. Hinter Holly Hutchersons Fassade wartete ein Weg, ihn zu besiegen. Hinter Ricksons Fassade wartet einer der besten Wrestler der GFCW-Geschichte. Vergiss das nie.“


Und nun erlischt Asks Euphorie immer mehr, vor allem aufgrund dessen, was Keek hier sagt. Danny Rickson ist mal wieder eine ganz neue Kategorie an Gegnern für Ask. Er hatte schon die unberechenbaren und manipulativen Aiden Rotaris, er hatte die legendären und scheinbar unbesiegbaren Robert Breads‘, er hatte die aufstrebenden und ambitionierten Aldo Neros, selbst die übermächtigen Puppenspieler, die halsbrecherischen Luna Rosarios und wen noch nicht alles.

Aber jetzt ist da Danny Rickson, der in seiner aktuellen Form vermutlich viele dieser Eigenschaften miteinander verbindet. Ein Mann, der eigentlich alles erreicht hat und darauf basierend einen Legendenstatus innehat.

Warum tut er also, was er tut?

Ein Mensch, der nichts zu verlieren und nichts zu beweisen hat, könnte einer der gefährlichsten Gegner sein, die Ask je hatte. Danny Rickson muss nicht tun, was er tut, er entscheidet sich aber dafür es zu tun.

Andererseits… ob Holly, Aiden, Switzenberg, Nero… wer auch immer, Ask mag nicht jeden dieser Kämpfe gewonnen haben, aber er hat sich diesen immer gestellt. Und keinen davon hat Ask leichtgenommen, weil Ask seine Gegner generell nicht unterschätzt. Ask trotzt seinen Gegnern, trotzt den Umständen und dafür braucht er auch niemanden, um ihm das zu sagen. Und so… zeichnet sich wieder ein selbstbewusstes Grinsen auf seinen Lippen ab, als hätte Ask die Situation unter Kontrolle, fast schon an der Grenze zum Übermut, aber aus einer sympathischen, leicht-naiven und trotzdem reflektierten Perspektive.


Ask Skógur: „Werde ich nicht…. Aaaaber… Danny Rickson will sich über die Natur stellen. Tja, Mann, und ich fürchte das kann ich nicht zulassen. Refuse to Age? Heute heißts Accept to Ask, denn, wenn ich mit ihm fertig bin, wird er in jedem einzelnen seiner alten Knochen spüren, dass er sich weder mit dem Älter werden noch mit mir anlegen sollte.“


Ask nickt Keek grunzend zu.


Ask Skógur: „Weißt du, es ist ne Menge passiert, seitdem du weg bist. Und das ist immerhin gefühlt zwanzig Sinneskrisen von mir her, aber das Ding ist, nach jeder einzelnen davon bin ich gefühlt nur noch stärker geworden. An jeder bin ich gewachsen. Und jetzt kommt so’n Rickson und meint es wäre anders, nur weil der mir ein bisschen Seife in den Mund geschmiert hat? Tzz, dass ich nicht lache. Es haben schon ganz andere probiert mich fertig zu machen und keiner hat es geschafft.

Und ich… ich hab mich sicher hier und da gewaltig verändert, seit damals… aber diese Sache, hat sich nie geändert. Was das angeht… sich Typen wie Rickson zu beugen… tja, da lebe ich nach dem Motto: Refuse to Change.“


Ask lacht mit dieser ironischen Einsicht kurz auf.


Keek Hathaway: „Refuse to Change, hm? Ich kann nicht sagen, ob ich das für stur oder konsequent halte. Noch nicht.“


Auch Hathaway muss grinsen. Sein Satz war nicht als Vorwurf gemeint, nur als eine Feststellung unter Freunden.


Keek Hathaway: „Aber ich muss sagen, dass ich deine Haltung wirklich bewundere. Du hast viel erreicht. Du hast Dinge überstanden, bei denen ich mehr als nur einmal richtig WÜTEND gewesen wäre. Aber du bliebst dir treu. Vielleicht ist das dein Geheimrezept, Ask. Du bist kein Holly, du bist kein Rickson. Du hast keine Fassade, hinter die man gelangen muss. Das brauchst du nicht. Du bist einfach, wer du bist.“


Er fährt den Schweden mit den Augen von oben bis unten ab.


Keek Hathaway: „Und damit bist du auch jetzt schon einer der ganz großen Namen dieser Liga. Ich würde lügen, wenn ich sage, das hätte ich vor fünf Jahren vorausgesehen, als so ein Typ aus dem Wald in unsere Liga kam. Doch jetzt ist dieser Typ ein Superstar.“


Der Namibier wirft lachend den Kopf in den Nacken.


Keek Hathaway: „ICH BIN STOLZ. Und ich drücke dir beide Daumen, dass es sich heute einmal mehr auszeichnet, dass du dich niemals änderst.“