- Am Nachmittag vor der Show. – Es gibt keinen schlechten Anlass, um sich eine Krakauer reinzuziehen. Aber es gibt besonders gute Anlässe. So wie heute, am 04.09, dem Tag, an dem Lukas wie hundert andere Menschen – zumeist Männer – in einen Zug gestiegen und nach Wiesbaden gefahren ist, um War Evening beizuwohnen. Die Sonne steht hoch am Himmel über der Wiesbadener Innenstadt. Das heißt: Noch sind es mehrere Stunden bis zum Showbeginn am frühen Abend. Und das wiederum bedeutet Wartezeit. Ein guter Anlass für ein Würstchen. Mit vollem Magen geht die Zeit schneller rum. Mit lustvollem Schmatzen kaut Lukas auf dem Schweinedarm in seinem Mund, schlürft und saugt alles an Geschmack heraus, ehe das Fleisch mit einem Bierchen die Speiseröhre hinabgestürzt wird. Grad noch denkt er darüber nach, ob es vielleicht gar ein zweites Würstchen sein darf, als diese Überlegung mit einem Mal zur Seite gewischt wird und Platz macht für etwas ganz anderes. Denn aus dem Augenwinkel ist ihm etwas ausgefallen. Mag es Zufall sein oder Instinkt, aber… …der Mann mit der Kapuze am anderen Ende des Marktes kommt ihm bekannt vor. Mit geweiteten Augen und beschleunigtem Herzschlag steht Lukas da und beobachtet. Er kann es kaum glauben. Schaut lieber noch mal hin. Zwei, drei Sekunden ist sein Blick wie an der Gestalt festgetackert. Und aufgrund dieses Anstarrens steht eine Erkenntnis: Er ist es. Kein Zweifel - er MUSS es sein. Auch trotz der Kapuze und dem grauen Hoodie in Übergröße ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Er hat ihn am Gang erkannt. Eine Fähigkeit, mit der er zu Wetten, dass…? könnte – wenn sich der Mainstream mehr für Wrestling interessieren würde. Doch Lukas bleibt keine Zeit, sich jetzt darüber Gedanken zu machen. Er lässt die Krakauer Krakauer sein und löst sich vom Imbiss. Die Würstchen sind jetzt uninteressant. Es zählt nur noch der Mann, den er erspäht hat. Ein Wrestler. So schnell es geht, befördert Lukas seinen Körper quer über den Marktplatz. Jedes Aufschlagen seiner Sneaker auf dem Stein sendet einen Knall in die Umgebung – und so bleibt der Mann mit der Kapuze erschrocken stehen und wendet sich um. Er muss denken, dass ihn jemand verfolgt…und naja, das stimmt ja auch. Bloß, dass durch diese Verfolgung keine Gefahr droht. Lukas: „Juuuuuuuuungeeeeee! Iokepa! Wie krass, dich hier zu treffen.“ Durch den Lauf außer Atem gekommen, beugt sich Lukas keuchend vor und stützt die Arme auf den Oberschenkeln ab. Er pfeift wie eine Lokomotive. Und wird dabei von dem Wrestler skeptisch beäugt. Mit einem Seufzen nimmt Iokepa die Kapuze ab. Die Tarnung hat nichts gebracht. Iokepa: „Hallo. Du bist ein…Fan, nehme ich an?“ In Lukas‘ Lungen ist genug Atemluft zurückgekehrt, dass er mit lauter Stimme protestieren kann. Lukas: „Fan!? Jungeeeeee! Untertreibung des Jahres. Ich bin nicht nur ein Fan. Was Hubble für die Milchstraße ist, bin ich für die GFCW-Galaxy.“ Vielleicht liegt es daran, dass Iokepa mit „Hubble“ nichts anfangen kann oder daran, dass er keine Lust auf einen aufdringlichen Zuschauer hat und nur Privatsphäre will, doch seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Er nickt Lukas nur kurz zu. Seine Höflichkeit gebietet es ihm. Iokepa: „Hör zu, ich habe nicht so viel Zeit. Wollte mir noch kurz die Stadt anschauen, bevor ich zur Halle muss. Willst du, äh, ein Autogramm oder so?“ Lukas: „Jungeeeeee! Du weißt gar nicht, was ich alles will. Es ist so krass, dich hier zu treffen. Einfach so in der Stadt, als wären Wrestler normale Menschen. Hahaha. Jungeeeeeeeee!“ Auch wenn der Superfan sich alle Mühe gibt: Nach wie vor springt der Funke nicht auf Iokepa über. Der Surfer wirkt angespannt – und diese graue Stimmung liegt nicht nur an diesem Gespräch. Als er in das begeisterungslose Gesicht des Hawaiianers blickt, erhält Lukas‘ Enthusiasmus einen Dämpfer. Ihm bleibt kurz die Stimme weg. Lukas: „Äh, aber klar, ein Autogramm wäre nice. Oder ein Selfie, okay?“ Ohne, dass Iokepa widersprechen kann, zieht Lukas sein iPhone aus der Tasche, springt neben den Wrestler und legt ihm einen Arm um die breite Schulter, als wären sie seit Jahren beste Freunde. Iokepa verzieht das Gesicht, ist aber zu überrascht, um zu widersprechen. Einen Klick später ist das Bild im Kasten. Und zeigt den Fan mit einem breiten Grinsen im weit aufgerissenen Mund. Neben ihm ein schlecht gelaunter Iokepa. Lukas: „Jungeeeeeee! Zu krass. Das werde ich gleich sofort auf X posten. Und bei Insta. Und bei Moonsault. Und als Profilbild bei Bumble. Und bei…“ Iokepa: „Ich muss dann weiter.“ Sanft, aber bestimmt, löst sich der Hawaiianer aus der Umklammerung des aufdringlichen Fans. Er nickt ihm noch ein letztes Mal zu, wendet sich dann ab und marschiert davon. Doch weit kommt er nicht. Lukas hält ihn am Ärmel fest. Lukas: „Warte. Hast du das Autogramm schon vergessen?“ Iokepa: „Wir haben doch jetzt ein Foto gemacht…“ Der Satz hat kaum den Mund verlassen, da merkt Iokepa am Ausdruck seines Gegenübers, dass er auf taube Ohren trifft. Er seufzt und lässt die Schultern hängen, gibt sich geschlagen. Iokepa: „Okay, wo soll ich unterschreiben?“ Lukas: „Vielleicht auf meiner Eintrittskarte.“ Gesagt, getan. Der Fan zieht aus der Gesäßtasche seiner Jeans eine Karte mit GFCW-Aufdruck hervor. Doch dann hält er in der Bewegung inne. Ihm ist soeben was Besseres eingefallen. Lukas: „Jungeeeeee! Ich weiß, worauf du unterschreiben sollst. Warte kurz.“ Was bleibt Iokepa auch sonst übrig? Er beobachtet Lukas, wie dieser seinen Rucksack abwirft und den Verschluss aufmacht. Er zieht ein aufgerolltes Stück Pappe hervor. Lukas: „Schau dir das an, Jungeeee! Dieses Plakat habe ich für die Show gemacht. Werde es später beim Match von dir und deiner Perle…“ Iokepa: „Freundin. Nicht Perle.“ Lukas: „…jaja, beim Match von dir und deinem Cutie in die Luft halten Hahaha, Jungeeeee, damit komme ich bestimmt ins Fernsehen. Wäre krass, überkrass sogar, bei Gott, wenn du auf dem Plakat unterschreiben würdest. Kannst du das machen?“ Sofern es dazu führt, endlich wieder Ruhe zu haben. Scheint Iokepa zu denken. Doch er spricht es nicht aus, sondern zuckt nur mit den Schultern. Das motiviert Lukas dazu, das Plakat mitten auf dem Marktplatz auszurollen. Lukas: „Jungeeeeee! Wie findest du das Plakat, ha? Ist überkrass, he? Hahahaha!“ Der junge Mann reist sein Kunstwerk mit einem Jubelschrei in die Luft. So laut, dass mehrere Passanten stehenbleiben und die Szene beobachten. Doch es ist nicht die Lautstärke von Lukas, die Iokepa erschrocken zurücktreten lässt. Es ist das Motiv. … …
Iokepa: „Was ist DAS?“ Lukas: „GEIL, ODER? Jungeeeeee!“ Iokepa: „Darauf unterschreibe ich nicht.“ Langsam, als habe er sich verhört, senkt Lukas das Plakat. Er ist halb empört, halb verwirrt. Mit schiefgelegtem Kopf blickt er Iokepa an. Lukas: „Hä? Das verstehe ich nicht.“ Iokepa: „Was gibt es daran nicht zu verstehen?“ Die Stimme des Hawaiianers kommt schneidender als gewollt, doch die vergangenen Minuten haben seinen Geduldsfaden dünn werden lassen. Er tippt auf das Plakat. Iokepa: „Was soll dieses Plakat? Es ist nicht grad schmeichelhaft für meine Freundin. Und für mich. Darauf unterschreibe ich nicht. Punkt.“ Lukas: „Junge, du hast ja gar keine Humor, oder? Das ist doch nur ein Plakat, hahaha. Und ich finde, ich habe Bella gut getroffen. Die saftige Knutschfee. Jungeeeeee! Ich würde eine Krakauer dafür geben, wenn sie den Titan mit mir machen würde. Die Schleck-Schnecke.“ Den Titan mit mir machen. Saftige Knutschfee. Schleck-Schnecke. Von Lukas unbemerkt – der noch immer sein Plakat wie eine Trophäe schwenkt – zieht Iokepa seine Hand in den Hoodie zurück und ballt im Ärmel eine Faust. Sein Kehlkopf springt auf und ab, als er den Ärger runterzuschlucken versucht. Die Wut, die in ihm aufsteigt. Und es ist nicht nur Zorn über Lukas‘ Verhalten – es ist das Aufkeimen eines Gefühls, das er zwei Wochen lang zu verdrängen versuchte. Seitdem er die Bilder mit Titan sah. Iokepa: „Schönen Tag noch.“ Und damit ist für den Hawaiianer dieses Gespräch beendet. Er dreht sich um – und lässt den Superfan einfach stehen. Dieser kann es gar nicht glauben. Lukas: „Ey! Du hast nicht unterschrieben.“ Iokepa: Und ich sagte bereits, dass ich das nicht werde.“ Lukas: „Ey…Junge!!!“ Der junge Mann versucht, zu Iokepa aufzuschließen. Doch mit der Energie eines professionellen Athleten kann er schlecht mithalten. Und so wird die Entfernung von Sekunde zu Sekunde größer. Das Geräusch von Iokepas fliehenden Schritten wird nur von dem Gezeter des zunehmend empörten Fans übertönt, der die Aufmerksamkeit des gesamten Marktplatzes auf sich zieht. Lukas: „Ey! Unterschreiben! Sofort! Wir Fans zahlen für euren Lebensunterhaltung, Jungeeeeeeee! Was bildest du dir eigentlich ein? Unterschreiben, sofort! ICH – HABE – EIN – RECHT – DARAUF!“ Bevor die Gefahr besteht, dass der Zuschauer wieder zu ihm aufschließt, trifft Iokepa eine Entscheidung: Er springt in das erste, bereitstehende Taxi. Der Fahrer dreht sich erschrocken um. Taxifahrer: „Sie haben es wohl ganz eilig?“ Iokepa: „Fahren Sie.“ Taxifahrer: „Und wohin?“ Iokepa: „Weg von hier. Bitte.“ Als sein Fahrgast ein Bündel Scheine hochhält, stellt der Fahrer keine Fragen mehr. Er startet den Motor und rollt davon. Im Rückspiegel sieht er einen jungen, aufgebrachten Mann, der ein Stück Pappe schwenkt. Grad noch so ist Iokepa dem aufdringlichen Fan entkommen. Doch kein Entkommen kennen die Gedanken in seinem Kopf. Dieser verdammte Kuss.
Noch vor Beginn von War Evening herrscht im Friedrich-von-Thiersch-Saal die übliche Betriebsamkeit. Techniker arbeiten an der Beleuchtung, Kabel werden verlegt, letzte Elemente der Bühne montiert. Mitarbeiter verschwinden hinter dem Titantron und tauchen Sekunden später mit Werkzeug oder Headsets wieder auf.
Dann öffnen sich die Türen. Mehrere Spediteure betreten die Halle.
Bei ihnen befindet sich ein massiver, dunkler Tisch. Schweres Holz, polierte Oberfläche, ein Möbelstück, das eher in ein exklusives Arbeitszimmer gehört als auf die Bühne einer Wrestlingveranstaltung. Dazu zwei ebenso elegante Stühle.
Hinter den Spediteuren geht ein Mann im schwarzen Maßanzug. Ledermappe unter dem Arm. Und hinter diesem Mann: Titan und Odin.
Keine Wrestlingsachen. Keine Pose. Keine offene Drohung. Sie gehen einfach mit. Und gerade deshalb wirken sie wie zwei Männer, die nur aus einem einzigen Grund hier sind: Damit die Anweisungen ihres Begleiters ausgeführt werden. Ein GFCW-Mitarbeiter kommt ihnen entgegen.
GFCW-Mitarbeiter: „Entschuldigung! Wo soll das hin?“
Der Mann im Anzug bleibt stehen.
Vertreter: „Auf die Bühne.“
GFCW-Mitarbeiter: „Was?“
Der Vertreter deutet vor den Titantron.
Vertreter: „Dort. Linksseitig. Der Tisch wird so ausgerichtet, dass von beiden Plätzen freie Sicht auf Ring, Rampe und Zuschauerraum besteht.“
Der Mitarbeiter schaut irritiert zu Titan und Odin. Titan hebt lediglich die Augenbrauen. Odin reagiert überhaupt nicht.
GFCW-Mitarbeiter: „Wer hat das angeordnet?“
Vertreter: „Mister Simmons.“
Damit geht er weiter. Der Mitarbeiter folgt.
GFCW-Mitarbeiter: „Moment! Sie können doch nicht einfach—“
Der Vertreter bleibt erneut stehen.
Vertreter: „Außerdem benötige ich zwei Kameraleute und einen Tontechniker.“
Jetzt bleibt der Mitarbeiter endgültig stehen.
GFCW-Mitarbeiter: „Sie benötigen was?“
Vertreter: „Ein Kamerateam.“
Er spricht langsamer. Nicht freundlicher. Nur langsamer.
Vertreter: „Exklusiv für The Apocrypha.“
GFCW-Mitarbeiter: „Unsere Kameraleute arbeiten für die GFCW.“
Der Vertreter nickt zufrieden.
Vertreter: „Ausgezeichnet. Dann sind die notwendigen Voraussetzungen bereits erfüllt.“
Der Mitarbeiter öffnet den Mund.
„Was zum Teufel geht hier vor?!“
Komisch, die Stimme klang gerade doch noch gar nicht so pink? Das merkt auch die versammelte Mannschaft. Mehrere Köpfe drehen sich gleichzeitig.
Eric Fletcher.
Der Commissioner der GFCW kommt schnellen Schrittes durch die Halle, muss sich ja auch beeilen, um mal wieder etwas für sein Gehalt zu tun. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hat ihm irgendjemand gerade erklärt, was hier passiert.
Sein Blick fällt zuerst auf den Tisch. Dann auf die Spediteure. Auf den Mann im Anzug. Und schließlich auf Titan und Odin. Dann immer wieder hin und her von Titan zu Odin und zurück, wie es eben so ist, wenn man irritiert den Kopf schüttelt.
Eric Fletcher: „Was soll das werden? Schreibtische kommen in mein Büro und nicht auf die Rampe.“
Der Vertreter richtet ruhig seine Manschette.
Vertreter: „Guten Tag, Mister Fletcher.“
Fletcher bleibt direkt vor ihm stehen.
Eric Fletcher: „Jaja, Hallöchen Popöchen, wer sind Sie?“
Vertreter: „Ich vertrete die Interessen von Mister Al Spawn Simmons.“
Fletcher schaut an ihm vorbei zum Tisch und deutet mit einem Handwisch drauf.
Eric Fletcher: „Dann können Sie Mister Simmons ausrichten, dass sein Tisch wieder dahin verschwindet, wo er hergekommen ist, einen dunklen Tisch habe ich schon.“
Der Vertreter schaut ebenfalls zum Tisch. Dann wieder zu Fletcher.
Vertreter: „Nein.“
Fletcher braucht einen Moment, hofft vielleicht auch, dass da noch mehr kommt, was auf einen Scherz vermuten lässt aaaber…
Eric Fletcher: „Nein?“
Vertreter: „Korrekt.“
Titan macht einen Schritt zur Seite. Nicht auf Fletcher zu. Nur zur Seite. Aber plötzlich steht er besser zwischen dem Commissioner und dem Vertreter. Odin bemerkt es. Und positioniert sich wortlos auf der anderen Seite. Fletcher blickt erst Titan an. Dann Odin.
Eric Fletcher: „Und ihr wollt das Nein jetzt noch mit Fäusten nachschreiben?“
Titan schüttelt den Kopf.
Titan: „Nö.“
Eine Pause.
Titan: „Nur Begleitung.“
Fletcher schaut zu Odin. Odin erwidert seinen Blick vollkommen regungslos. Der Vertreter fährt fort, als hätte die kleine Unterbrechung nie stattgefunden.
Vertreter: „Der Tisch wird an der angewiesenen Position aufgestellt. Das Kamerateam wird The Apocrypha während der heutigen Veranstaltung zur Verfügung stehen.“
Eric Fletcher: „Nenenene, lasst mal die Crew in Ruhe, hier wird überhaupt nichts umgebaut!“
Er schaut den Mann ohne Namen giftig an.
Eric Fletcher: „Und schon gar nicht, weil Al Simmons plötzlich glaubt, er könne hier den Boss spielen.“
Der Vertreter lächelt erstmals. Nur ganz leicht.
Vertreter: „Ich fürchte, Sie missverstehen die Situation, Mister Fletcher.“
Fletcher kommt noch einen Schritt näher.
Eric Fletcher: „Nein. Sie missverstehen die Situation.“
Er zeigt auf den Ring.
Eric Fletcher: „Das ist die GFCW.“
Dann auf Titan und Odin.
Eric Fletcher: „Und die Buchstaben stehen weder für Titan noch für Odin, so gut kann ich das Alphabet mittlerweile.“
Zum Vertreter.
Eric Fletcher: „Und da ist auch kein V für Vertreter“
Schließlich deutet er in Richtung Backstagebereich.
Eric Fletcher: „Und ganz sicher kein A oder S.“
Wer hier gemeint ist, sollte eine machbare Denkaufgabe darstellen. Der Vertreter betrachtet ihn einige Sekunden. Dann öffnet er seine Ledermappe. Fletcher wartet. Doch der Mann zieht nichts heraus. Stattdessen lächelt er nur.
Vertreter: „Mister Simmons hat für derartige Fragen ein Büro einrichten lassen.“
Fletcher starrt ihn an.
Eric Fletcher: „Er hat WAS?“
Vertreter: „Ein Büro.“
Titan muss grinsen. Fletcher blickt zwischen Titan, Odin und dem Vertreter hin und her.
Eric Fletcher: „Der Kerl richtet sich hier ein Büro ein?“
Vertreter: „Das ist üblicherweise der Zweck eines Büros.“
Titan muss sich ein Lachen verkneifen. Fletcher hingegen findet daran überhaupt nichts lustig - verrückte Welt. Der Vertreter klappt seine Mappe wieder zu.
Vertreter: „Ich werde Mister Simmons mitteilen, dass Sie Gesprächsbedarf haben.“
Eric Fletcher: „Das können Sie sich sparen.“
Fletcher tritt näher.
Eric Fletcher: „Ich werde ihm persönlich erklären, wie die Dinge hier laufen.“
Der Vertreter nickt.
Vertreter: „Ausgezeichnet.“
Dann dreht er sich zu den Spediteuren.
Vertreter: „Bitte weiter.“
Die Männer setzen sich wieder in Bewegung. Fletcher will etwas sagen. Titan sieht ihn an.
Titan: „Tja.“
Kurze Pause.
Titan: „Schlechte Idee.“
Fletcher flet(s)cht die Zähne aber was will er schon ausrichten. Doch der Tisch bewegt sich weiter in Richtung Bühne. Odin folgt. Titan ebenfalls.
Und zwischen den beiden geht der Vertreter von Al Spawn Simmons, als hätte die Diskussion gerade exakt so geendet, wie er es erwartet hatte.
Eric Fletcher bleibt zurück. Sein Blick folgt den Männern. Dann wandert er in Richtung Backstagebereich. Dorthin, wo Al Spawn Simmons offenbar beschlossen hat, sich ein Büro einzurichten. Fletcher schüttelt den Kopf.
Eric Fletcher: „Das werden wir ja sehen.“
CUT.
Es war ein furioses Match vor zwei Wochen: Refuse to Age, in Form von Danny Rickson, Hollywood Jake und Robbin Zick, sind auf die drei Kontrahenten des GFCW World Championship Matches bei Blue Blood, Aldo Nero, Darragh Switzenberg und Champion The End getroffen. Nachdem die Kombination aus Nero und Switzenberg bei Conquista bereits einen Sieg gegen Refuse to Age einfahren konnte und auch The End seinen Titel gegen Danny Rickson verteidigt hat, konnten Refuse to Age ihren Sieg in der vergangenen War Evening Ausgabe zurückholen. Grund dafür war vor allem… naja, nennen wir es mal Misskommunikation. Nero hat End gespeart, nachdem Switzenberg diesen gewissermaßen aus einer anderen Aktion, in die Laufbahn gezogen hat und damit dürfte ordentlich Redebedarf bestehen. Zumindest sehen wir im Backstagebereich des Kurhaus Wiesbaden den Champion höchstpersönlich, wie er alles andere als gut gelaunt durch die Gänge streift. Und „alles andere als gut gelaunt“ ist noch ziemlich untertrieben. End ist pissed und das selbst nach zwei Wochen, die inzwischen vergangen sind. Wir sehen von der Seite bereits wieder Tammy ins Bild laufen, die sich schon bereit macht End abermals zu interviewen, doch der würdigt die Interviewerin nicht mal mit einem Blick, als er an ihr vorbeiläuft und mehr als deutlich klar macht, dass er keinerlei Interesse daran hat hier ein Interview zu geben. Oh ja, End ist sauer. Doch schließlich bleibt er dennoch stehen, als ein weiterer Gesprächspartner die Szenerie betritt: Aldo Nero. End bleibt stehen, seinen Gürtel hat er in der Hand und bisher hinter sich mitgezogen, während sein Blick zu Aldo wandert. Noch immer geladen, noch immer sauer und eigentlich könnte man denken, dass er Nero gleich an die Gurgel gehen will. Aldo wiederum merkt und versteht wohl auch, dass End berechtigten Grund hat sauer auf ihn zu sein, aber er steht seinen Mann und weicht nicht aus, vielmehr erträgt er diese Schuld, in der er sich befindet.
Aldo Nero: „Hör zu. Ich bin nicht hier um zu kämpfen, ich bin hier um zu reden. Über das, was da vor zwei Wochen passiert ist.“
End sieht so aus, als könne er Aldo an die Gurgel gehen, aber es besteht aktuell keine Gefahr, dass er das tatsächlich tun wird. Noch ist die Lage – verhältnismäßig – entspannt. Ends Miene bleibt dennoch finster.
The End: „Du meinst, darüber, dass du mich angegriffen und uns das Match gekostet hast?“
Grob heruntergebrochen mag das schon stimmen, allerdings ist die Situation natürlich auch nicht ganz so einfach und dass wissen sowohl Aldo als auch natürlich The End und dennoch, auch, wenn die Beiden sich zuletzt einigermaßen „verstehen“, stehen hier noch genug Animositäten im Raum, die in so einer Situation ganz schnell explodieren können. Aldo atmet kurz durch, denn auch wenn er weiß, dass End die Situation nüchtern betrachtet, richtig einzuschätzen vermag, muss er trotzdem aufpassen, was er sagt, um hier keine unnötige Auseinandersetzung zu provozieren.
Aldo Nero: „So wars nicht und das weißt du auch. Wieso… sollte ich das auch wollen? Ich habe doch meine Titelchance und dementsprechend keine Gründe mir selbst einen so wichtigen Sieg zu nehmen.“ The End: „Ist das so?“
Während Aldo versucht zu deeskalieren, hält End die Fassade weiter auf.
The End: „Hm. Wenn du mich fragst, ist es schon keine schlechte Ausgangslage, wenn wir besagtes Titelmatch bestreiten und ich, als der Champion, derjenige bin, der uns dieses Match verloren hat. Das… passt doch in deinen ‚Business-Plan‘ oder nicht?“
Womit End auf das Gespräch der Beiden vor zwei Wochen anspielt. Dort war er es allerdings, der herausgestellt hat, dass die Beziehung von ihm und Aldo vielmehr Business, als Familie ist – jetzt dreht er den Spieß um, aber wie schon vor zwei Wochen, geht auch hier Aldo nicht drauf ein.
Aldo Nero: „Wie schon gesagt: ich will Champion werden, ein Niederlage gegen Refuse to Age bringt dafür reichlich wenig. Mag sein, dass du gepinnt wurdest, aber verloren haben wir alle.“
Aldo und End schauen einander wieder an, keiner will einen Fehler machen und mehr von seiner Gedankenwelt preisgeben als nötig, wenn Aldo auch recht geradeheraus agiert – etwas untypisch für einen Corleone.
Aldo Nero: „Allerdings… wenn wir schon beim Thema ‚Business‘ sind… tja, es gibt durchaus jemanden, der von dem profitieren könnte, was da vor zwei Wochen passiert ist. Jemand, der… naja, der dich gewissermaßen überhaupt erst in den Spear gezogen hat…“ The End: „Darragh Switzenberg.“
Ends Antwort kommt so direkt, dass man vermuten kann, dass er nicht erst durch Aldos Schilderung darauf kommt, sondern, dass es ihm auch selbst schon durch den Kopf ging. Was, wenn Darragh Switzenberg sich nicht geändert hat? Was, wenn er End und Aldo gegeneinander ausspielen will? … vor allem, da das ja eigentlich Ends Plan war.
Aldo Nero: „Darragh Switzenberg.“
Aldo scheint ganz offen mit dem umzugehen, was er denkt und so scheint er doch ziemlich überzeugt von Switzenbergs zweifelhafter Absicht.
Aldo Nero: „Du hast mich gefragt, ob ich ihm traue. Natürlich… kann es auch tatsächlich nur ein unglücklicher Zufall gewesen sein: er wollte dich eigentlich retten, hat die Lage falsch eingeschätzt und schließlich kam es, wie es gekommen ist. Aber… nach allem, was wir beide hier durchgemacht haben… glaube ich nicht an Zufälle. Vor allem nicht, bei Menschen wie Darragh Switzenberg.“
Womit Aldo wieder auf seinen Vater anspielen dürfte, der wohl ähnlich agieren würde, wie Darragh Switzenberg es gerade tut, wenn man denn wirklich davon ausgehen will, dass Darragh Switzenberg ein falsches Spiel spielt.
The End: „Also traust du ihm nicht.“ Aldo Nero: „Ich fürchte nicht, nein.“
End schaut weg von Aldo und guckt vielmehr in die Luft, als würde er nachdenken. Er scheint erstmal etwas heruntergefahren zu sein, mit der Wut auf Aldo. Ohnehin scheint diese „Wut auf Aldo“ vielmehr eine Strategie gewesen zu sein, hier seine wahren Gedanken zu verbergen, denn selbstverständlich ist End kein Hitzkopf, der Aldo hier tatsächlich böse Absicht unterstellt, was nicht heißen muss, dass es nicht so ist: war es der Plan von Aldo? War es der Plan von Darragh Switzenberg? War es tatsächlich nur ein „unglücklicher Zufall“?
The End: „Gut. Ich traue ihm auch nicht.“
Aldo versucht seine Emotionen zurückzuhalten, aber es scheint, als würde ihm eine kleine Last von den Schultern fallen, als End indirekt anerkennt, dass er die Schuld für den Spear nicht bei ihm sucht…
The End: „Allerdings… traue ich dir auch nicht.“
… und damit wars das wieder. Für den Bruchteil einer Sekunde sah alles nach einem versöhnlichen Moment zwischen den Corleone-Brüdern aus, doch End reißt diese Wunschvorstellung direkt wieder ein.
The End: „Ob das nun Switzenbergs Plan war oder deiner oder ein Unfall oder was auch immer, im Endeffekt ist es egal, denn bei Blue Blood, werden wir alle Gegner sein. Bei Blue Blood zählen keine Business-Moves, da zählt keine Familie, da zählt einzig und allein das hier.“
End streckt den Titel nun hoch, wieder mit ernstem Blick in Richtung Aldo Nero. Dabei klingt er allerdings weniger überzeugt als vielmehr… zumindest ein klein wenig… ‚verzweifelt‘? Nunja, zumindest in einer kleinen Nuance.
The End: „Und ich wusste, worauf ich mich einlasse. Darragh Switzenberg ist gefährlich und er wird alles dafür tun diesen Titel in die Hände zu bekommen. Ihm ist jedes Mittel recht und uns beide entzweien zu wollen ist der offensichtlichste Weg, den man nur gehen kann.
Naja, von „entzweien“ kann nicht wirklich die Rede sein, da eine wirkliche Einheit zwischen End und Aldo nie bestand, zumindest nicht hier in der GFCW, aber selbstverständlich will The End darauf, dass Switzenberg einen Keil zwischen die sich anbahnende Versöhnung zwischen End und Aldo treiben will, bevor diese überhaupt einsetzen kann. … oder aber auch das ist vielmehr ein weiteres Anzeichen, dass Ends Sicht über die Lage etwas… getrübt wird. Getrübt davon, dass eben nicht alles so läuft, wie er sich das vielleicht vorgestellt hat.
The End: „Aber das… das macht ihn nicht uneffektiv. Und vielleicht weißt du das und versuchst den Spieß nun rumzudrehen, um mich noch mehr gegen ihn aufzustacheln. Bei deinem Vater muss man schon fast davon ausgehen.“
Aldo schüttelt ganz leicht mit dem Kopf, als wolle er sagen, dass das auf keinen Fall so ist, als wolle ein Teil in ihm tatsächlich an der Seite von The End kämpfen und nicht mehr gegen ihn. Aber The End verliert sich vielmehr in seinen Ausführungen. Also würde er die Option, dass Aldo das tatsächlich wahrhaftig meint und tatsächlich keinerlei Schuld trägt, gar nicht in Betracht ziehen.
The End: „Aber, nochmal, am Ende des Tages ist das alles egal. Soll er ruhig weitermachen, mit diesen Tricks. Sie werden nicht reichen, um mich zu besiegen. Und du… der härteste Spear der Welt, wird mich nicht von diesem Gold hier trennen. Geh ruhig und sag ihm das, aber ich habe dieses Match gewollt und was auch immer ihr tut, ihr werdet wie alle anderen scheitern und verlieren.“
Es wirkt, als wolle The End in erster Linie sich selbst überzeugen. Mit diesen Worten verabschiedet er sich von Aldo. Wieder einmal zeigt er ihm die kalte Schulter, wenngleich es auch kurz zumindest den Hauch einer Chance gab, dass Aldo und End wirklich am selben Strang ziehen könnten. Aber nein, das wird nichts und Hauptgrund dafür dürfte vor allem einer sein. Darragh Switzenberg. Und so verbleibt ein nachdenklicher Aldo Nero, der vielmehr ins Leere schaut, als End hinterher, denn bei Ends abschließenden Ansagen und anschließendem Abgang, gab es durchaus eine gewisse Auffälligkeit. Er hat diese Worte weniger selbstbewusst und überlegen gesprochen, wie er seit seinem neuerlichen Titelgewinn eigentlich immer auftrat, vielmehr war dabei eine nicht zu verachtende Spur an Paranoia herauszuhören. Als würde The End tatsächlich nicht wissen, was hier abgeht, aber, als wolle er den Anschein waren, dass es ihm egal ist. Aber… ist es das?
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Kurhaus Wiesbaden (Friedrich-von-Thiersch-Saal),
04.09.2026 Die Kamera schwenkt über das Kurhaus in Wiesbaden. Historisch und prachtvoll sieht es aus, dieses historische Prachtgebäude. Die Abendsonne spiegelt sich in den imposanten Säulen des Gebäudes wider, bevor wir direkt in das Innere, den historischen Friedrich-von-Thiersch-Saal, geschaltet werden. Normalerweise ein Ort für klassische Konzerte und elitäre Galas, hat sich dieser prunkvolle Saal mit seinen massiven Kronleuchtern und dem edlen Stuck heute in einen wahren Hexenkessel verwandelt. Wo sonst Ballkleider und Smokings dominieren, herrschen heute T-Shirts, selbstgemalte Plakate und ohrenbetäubender Lärm! Alle 2.000 Plätze sind restlos ausverkauft. Vor purer Vorfreude vibriert die Luft wie Svens batteriebetriebener Clone-A-Willy, den er Petes Mutter im vergangenen Jahr zum Muttertag geschenkt hat. Plötzlich erlöschen die Lichter in der altehrwürdigen Halle und die Showbeleuchtung geht an. Ein gewaltiger Jubelschrei bricht aus. Dichter Nebel hüllt die Rampe ein, während die Scheinwerfer wild durch den Saal kreisen und die tobenden Fans in ein flackerndes Lichtermeer tauchen. 2.000 GFCW-Galaxyxians skandieren lautstark die vier magischen Buchstaben: „G-F-C-W! G-F-C-W! G-F-C-W!“ Die Kamera fängt etliche kreative Schilder im Publikum ein, bevor sie schließlich am Ringrand ankommt und die beiden Männer fokussiert, ohne die ein solcher Abend niemals komplett wäre. Am Kommentatorenpult sitzen sie bereits, die Headsets auf dem Kopf, ein breites Grinsen im Gesicht und die Vorfreude deutlich in den Augen. Es sind Pven und Sete. Pete: „Guten Abend.“ Sven: „Willkommen zur Tagesschau oder was willst du sagen, hä? GUTEN ABEND!? Was ist das denn für eine dumme Begrüßung? Kannst du nicht was Krasseres sagen, Mann?“ Pete: „Hallo. Willkommen zu War Evening.“ Tag
Team-Match: Pete: „Wir vor zwei Wochen haben die Wyrms IvoRa besiegt und ehrlicherweise hielt sich die Herausforderung in Grenzen. Diesmal müssen dickere Bretter gebohrt werden.“ Sven: „Unser LOVE COUPLE ist bereit, den Black Wyrms einen richtigen Kampf zu liefern. Vor zwei Wochen haben jedenfalls beide auf Solo-Pfaden erfolgreiche Auftritte hingelegt. Können sie es auch zusammen? Pete: „Und wird Bella wieder ihre Kusstaktik anwenden? Oder war das One-Night-Only?“ Sven: „Aus One-Night-Only mit Küssen und mehr können schlimme Sachen entstehen. Manche sind Mitte Zwanzig, 185cm groß, rund 100 Kilo schwer und stehen unverständlicherweise unter GFCW-Vertrag.“ Non
Title Match: Sven: „Dumm. Das ist Zac Alonso. Also generell, aber im Speziellen dafür, dass er diesen Kampf angenommen hat. Es ist das Comeback-Match seit Irays knapper Niederlage im World-Title-Match gegen The End…und ich denke, Iray hat sich richtig aufgeladen mit Wut, Hass und aus was auch immer er für Emotionen hat.“ Pete: „Für beide Athleten ist diese Show aber auch nicht nur wegen des Matches interessant, Zac Alonso muss sich für einen Herausforderer entscheiden, der oder die ihn bei Blue Blood herausfordern wird.“ Sven: „Wie wäre es mit Aldo Nero? Er ist locker gut genug, um zwei Titel an einem Abend zu winnen.“ Pete: „Ich habe andere Namen im Kopf.“ Sven: „Du hast gar nichts im Kopf, Pete. Nicht mal swaggy Sprüche.“ Pete. „Für Iray Burch wird es auch spannend. Denn in dieser Show soll er angeblich den Mann kennenlernen, der für ihn in dieser Liga bürgt. Was auch immer es heißen mag. Jemand, der ihn unter Kontrolle halten will…so wie es einst Shelly Nafe tat? Doch warum zeigt sich dieser Bürge nicht? Und ist die Kreuzkette eine falsche Spur oder ein Hinweis?“ GFCW
Tag Team-Titel – Lumberjack-Match: Sven: „Heftiger Kampf, da kann man nichts sagen.“ Pete: „Es geht um den Tag-Team-Titel und die halbe Liga ist dabei. Mindestens. Vielleicht sogar zwei Drittel oder noch mehr. Denn dies ist ein Lumberjack-Match.“ Sven: „Es ist das größte Match für Apocrypha seit ihrer Gründung. Eine Bedrohung sind sie so oder so schon…doch mit Titelgold um den Hüften wäre es noch einmal eine gute Nummer größer.“ Pete: „Die Mad Stars sind aber genau die Richigen, um das zu verhindern. Erfolgreich auf Solopfaden…und jetzt als Team scheinen sie auch richtig gut zusammenzupassen. Ein Leitstern und ein alter, verrückter Hund. Wer hätte gedacht, dass diese Kombination die Tag-Team-Szene rockt.“ Sven: „Apropos rockt: Ich, euer geiler Sven, wünsche euch nun viel Spaß bei War Evening. LET’S GOOOOOO!!“ Und sogleich springt die Leinwand an, um die erste Szene nach Showbeginn zu übertragen. Pete und Sven lehnen sich zurück. Sie werden später noch gebraucht.
Bella Venera: „Es war doch nur ein Idiot mit einem Plakat, Io!“
Die Maskierte streckt ihre feinmanikürte Hand in Richtung ihres Freundes aus. Will ihn tätscheln. Doch Iokepa zieht seinen Arm zurück, als würde die Berührung Bellas elektrisch sein. Beruhigung fehlgeschlagen. Vor Bella Veneras Augen läuft Iokepa in der gemeinsamen Kabine auf und ab. Sein Haar ist schon ganz zerzaust, weil er es sich im Minutentakt rauft, seitdem er an der Halle angekommen ist. Iokepa: „Es geht mir doch nicht um das Plakat! Nicht um den Fan!“ Bella Venera. „Worum dann?“ Für eine natürliche Heißblüterin wie Bella ist es nicht leicht, der Ruhepol zu sein. Doch sie gibt sich alle Mühe, ihre Stimme zu kontrollieren. Nichts eskalieren lassen. Sie spricht sanft und bedächtig. Iokepa: „Um das, was dazu geführt hat, dass es jetzt überhaupt solche Plakate in der Halle über dich gibt. Was du gemacht hast.“ Venera hat gute Lust, ihre Augen zu verdrehen. Besonders, da sich Iokepa nach wie vor jeder liebevollen Bewegung entzieht. Doch sie möchte es nicht drauf ankommen lassen. Sie klopft auf die Bank neben sich. Iokepa jedoch lässt die Einladung, sich zu setzen, mit einem Grummeln verstreichen. Bella Venera: „Ich habe ein Match gegen Titan gewonnen.“ Iokepa: „Du – hast – ihn – geküsst!“ Bella Venera. „Ja. Um das Match zu gewinnen.“ Iokepas einzige Reaktion ist, dass er Luft aus den Nasenlöchern ausstößt und geradezu bockig seine Arme vor der Brust verschränkt. Bella kann sich nicht helfen: Bei Diskussionen wie dieser erinnert sie ihr Partner an ein schlecht gelauntes Kind. Bella Venera: „Io! Ein Kuss ist doch nicht gleich ein Kuss. Glaubst du etwa, ein ablenkendes Küsschen für einen Feind ist auch nur annähernd gleichzusetzen mit dem hier?“ Verschmitzt lächelnd – gar eine Spur lasziv – greift Bella in Iokepas Haare. Ihre Hand sucht seinen Nacken. Sie zieht ihren Partner zu sich ran. Öffnet ihren Mund. Will ihn küssen. Doch Iokepa schiebt sie weg. Sie hebt beide Arme nach oben und die Augenbrauen schießen überrascht über den Maskenrand. Bella Venera: „Oh, wow. Und heute Nacht muss ich dann auf dem Sofa schlafen, oder was? Alles wegen so einem…Scheiß.“ Kopfschütteln bei der Maskierten. Hilflos wirft sie ihre Arme in die Luft. Bella Venera: „Ich fasse es nicht, dass du wegen dieser Sache so einen Aufstand machst. Weißt du, warum ich Titan geküsst habe? Weil ich nicht einmal im Traum draufgekommen wäre, dass irgendjemand darin etwas Anderes sieht als das, was es war: Ein Trick. Wenn man sieht, wie verdattert er dort stand, vielleicht gar ein Move! Einer, der mir den Sieg gebracht hat. Da waren doch keine Gefühle dabei. Keine Lust. Keine…“ Sie winkt ab. Ihr Freund macht nicht den Eindruck, als würde er überhaupt auch nur versuchen, sie zu verstehen. Er steht einfach nur da, bockig die Unterlippe vorgeschoben. Unangenehmes Schweigen im Raum. Bella fehlen die Worte und Iokepa macht nicht den Eindruck, von seiner Meinung abzuweichen. Erst nach langem Abwarten verzieht er das Gesicht und sucht den Blick seiner Partnerin. Bella Venera: „Du tust so, als hätte ich dich betrogen..“ Iokepa: „Das habe ich nicht gesagt.“ Bella Venera: „Dein Verhalten sagt mehr als viele Worte. Ich versuche ja wirklich, dich zu verstehen. Aber ich kann es nicht, wenn du mich anschweigst.“ Iokepa: „Was gibt es denn da zu erklären? Soll ich dir applaudieren, wenn du mich vor tausenden Zuschauern zum Lerbitz machst? Soll ich etwa…“ Veneras Arm schnellt in die Luft. Den Vorwurf lässt sie nicht auf sich sitzen. Bella Venera: „Stopp! Wenn du jetzt anfängst, die Situation mit Markus Lerbitz und seiner Frau zu vergleichen, ist es noch alles viel alberner, als ich dachte. Markus Lerbitz hat es wie paralysiert hingekommen, dass sich seine Frau abseits der Kameras durch die Weltgeschichte schläft. Er hat jede Demütigung auf sich sitzen, während die GFCW-Galaxy über ihn und das Eheluder gelacht hat. Zum Mitschreiben, Honey: Ich war nicht mit Titan im Bett. Er ist ein Feind und ich habe in einem verdammt harten Match…“ Demonstrativ deutet sie auf die Kratzer in ihrem Gesicht. Die Spuren des Hardcore-Fights sind auch nach zwei Wochen nicht verschwunden. Bella Venera: „…zum äußersten Mittel gegriffen, um einen wichtigen Sieg einzufahren. Jeder Fan in der Halle weiß selbst nach dem fünften Bier noch, dass es ausschließlich Taktik war und absolut nichts zu bedeuten hat – außer einem Argument für ein Rematch um die Tag Team Titel, sollten T&B heute gewinnen.“ Iokepa: „Taktik.“ Er spricht das Wort aus, als sei es etwas Schlechtes. Verdorbenes. Iokepa: „Ich dachte, wir hätten Ben Slate hinter uns gelassen. Wir haben uns dafür entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen und unser Talent nicht hinter unfairem Scheiß zu verstecken. Das war eine gemeinsame Entscheidung. Ge – mein – sam. Weil wir ein Paar sind.“ Erschöpft von all seinem Ärger lässt sich Iokepa auf die Bank fallen. Zwar neben Bella, doch mit ordentlich Abstand. Diese seufzt bei diesen Worten laut auf. Iokepa: „Ich will doch auch keinen Streit. Aber ich verstehe einfach nicht, wieso du diesen… Alleingang gemacht hast. Das ist nicht nur ein Rückfall in die Slate-Zeiten, sondern es verändert auch, wie die Leute über uns denken. Über dich denken.“ Der Hawaiianer dreht den Kopf und blickt seiner Partnerin in ihre großen, geschminkten Augen. Und bei diesem Anblick beginnt sein Widerstand nach und nach in sich zusammenzufallen. Er könnte sich glatt darin verlieren. Bella Venera: „Es war nicht geplant, ja?! Eine spontane Aktion…“ Sie rückt ein Stück näher an ihn heran.
Iokepa: „Ich will nur nicht, dass die Leute an eine Femme Fatale denken, die ALLES für den Sieg tut, wenn sie deinen Namen hören. Denn du bist so viel mehr als das. So viel besser.“ Bella Venera. „Wenn du so redest, könnte man meinen, du magst mich.“ Sie klimpert mit den Wimpeln und lächelt ihren Partner spielerisch an. Mit gespielter Schüchternheit streckt sie ihre Hand nach ihm aus. Und Iokepa lässt es zu, dass ihre Finger auf seinem Knie liegen bleiben. Iokepa: „Ich will einfach, dass du mich nicht außen vorlässt, wenn du sowas machst, okay? Gib den Leuten da draußen nicht die Chance, dass irgendwelche Arschlöcher solche Plakate über dich machen. Mag sein, dass du darüber lachen kannst. Aber die, die dich lieben, können darüber nicht lachen.“ Wieder herrscht Stille. Schweigen. Doch diesmal ist es nicht unangenehm. Es ist die Ruhe nach einem Sturm. Das Schlimmste ist ausgestanden. Sie drückt Iokepas Hand und hält sie fest. Bella Venera: „Gut.“ Unter ihrer Maske zeichnet sich der Ansatz eines Grinsens ab. Bella Venera: „Ich verspreche hoch und heilig, dass wir den Würmern heute in den Arsch treten werden. Und außerdem verspreche ich…“ Das Grinsen wird breiter. Iokepa kräuselt die Stirn. Was findet Bella so lustig? Bella Venera: „…dass ich garantiert weder Shizuku noch Brigitte abknutschen werde.“ Sie hatte gehofft, mit Humor auch noch die letzte Spannung vertreiben zu können. Doch zu Bellas Enttäuschung kneift Iokepa die Augen zusammen. Seine Lippen werden schmal. Iokepa: „Man, Bella! Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um Scherze zu machen.“ Er schüttelt verärgert seinen Kopf. Löst seine Hand aus Bellas Griff. Seine Freundin zieht eine Schnute. Ein bisschen verspielt, ein bisschen enttäuscht. Bella Venera: „Mea culpa.“ Und dabei belässt sie es erst einmal. Bella ist besonnen genug, um zu wissen, dass nicht alle Konfliktpunkte in diesen Minuten gelöst werden können – manches braucht Zeit. So sehr es auch abgedroschen klingt. Nach mehreren Sekunden bricht Venera die Stille. Bella Venera: „Aber die Wyrms machen wir trotzdem fertig?“ Jetzt muss auch Iokepa grinsen. Wieso kann er dieser verdammten Frau einfach nicht böse sein? Iokepa: „Natürlich.“ Ihre Hand findet wieder seine. Und die zweite seinen Oberschenkel. Bella Venera: „Und dann freue ich mich auf unsere Versöhnung. Ohne Kameras…“ Sie lächelt vorfreudig und schnalzt mit der Zunge. Bella Venera: „…wonach noch Zeit bleiben dürfte uns unsere zukünftigen Gegner im Main Event gleich vor Ort anzuschauen, hm?“
Die Liste. Noch vor zwei Wochen hätte Zac Alonso nicht gedacht, dass man so lange auf ein Stück Papier mit ein paar Namen starren kann. Die Realität bewies ihm das Gegenteil. Immer und immer hat er in den vergangenen Tagen den Zettel aufgefaltet. Die potenziellen Herausforderer für seinen Intercontinental Title, aus denen er wählen muss, soll, darf. Vom Hervorziehen und dann wieder Wegstecken ist das Papier schon ganz aufgriffen. Und auch jetzt, als die Kameras den Titelträger im Backstagebereich einfängt, sitzt Zac Alonso mit angestrengter Miene auf einer Technikkiste, lässt die Beine in der Luft baumeln und denkt mit Blick auf die Liste nach. Vor lauter Abwägen bekommt er nicht mit, wie sich im Hintergrund ein Mann nähert. Ein unglaublich neugieriger Kerl und das schränkt den Kreis der Verdächtigen ein. Er reckt den Hals giraffenartig vor, um Alonso über die Schulter zu schauen. Mac Müll: „Darf ich mal gucken?“ Der Champion erschrickt. Aber dann reagiert er schnell. Schiebt den Zettel in seine Faust zurück. Müll zieht eine enttäuschte Schnute. Das war zu kurz, um mitlesen zu können. Zac Alonso: „He! Das ist meine Liste. Die ist geheim.“ Mac Müll: „Darf ich denn nicht wenigstens mal draufschauen, wer überhaupt draufsteht? Bittteeeeeeee.“ Die großen, flehenden Augen kämen vielleicht herzerwärmender drüber, wenn Mac Müll ein Kind wäre. Doch so hat Zac keine Hemmung, entschieden den Kopf zu schütteln. Zac Alonso: „Ich werde es heute verkünden, wen ich wähle. Aber nicht jetzt.“ Mac Müll: „Weil du dich noch nicht entschieden hast?“ Erwischt. Alonso beißt sich auf die Unterlippe. Zac Alonso: „Fast. Ich habe…schon einen Favoriten. Aber, wie gesagt, du wirst es früh genug hören. Und mehr sage ich dazu jetzt nicht.“ Mac Müll: „Na guuuuut. Find ich doof. Aber zu einer anderen Sache kannst du mir sicher etwas sagen.“ Selbstbewusst hält Müll ihm ein Mikrofon direkt vor den Mund. Der Reporter beugt sich vor. Mac Müll: „Bereust du es schon, die Herausforderung von Iray Burch angenommen zu haben? Vier Wochen vor deiner nächsten Titelverteidigung könnte das ein Fehler gewesen sein, wenn man bedenkt, wie lange viele von Burchs Gegner die Begegnung mit ihm noch gespürt haben, oder?“ Kopfschütteln bei Zac. Zac Alonso: „Ich bin bereit. Und von irgendwelchen Schreckensszenarien lasse ich mich nicht einschüchtern.“ Mac Müll: „Es ist Irays erstes Match seit New Level. Ich will mir nicht ausmalen, wie viel Aggression sich in den Monaten in ihm angestaut hat. Aber du bist überzeugt, die Begegnung mit ihm unbeschadet zu überstehen, ja?“ Bevor er seine Antwort in Worten gibt, klopft Alonso auf seinen wertvollsten Besitz: Auf die Titelplatte des IC-Gürtels, der neben ihm liegt. Zac Alonso: „. Mac. Ich gehe nicht in dieses Match, um es zu überstehen. Ich gehe in den Kampf, um zu GEWINNEN. Ich bin der Intercontinental Champion, nicht Iray. Wieso geht die Welt davon aus, dass ich der Außenseiter bin, hm?“ Mac Müll: „Wir haben immer noch nicht Irays Bürgen kennengelernt. Und die Ungewissheit scheint ihn Tag für Tag aggressiver zu machen. Und das macht dir keine Sorgen?“ Zac Alonso: „Ich habe einen Plan.“ Der Champion lehnt sich zurück und öffnet den Mund zu einem Grinsen. Trotz seiner Worte: Völlig unbeschwert ist es nicht. Ein wenig Nervosität ist da. Und das ist, wenn man den Zerstörungszug Irays Burchs durch die Liga bedenkt, auch nur menschlich. Mac Müll: „Und diesen Plan…verrätst du ihn mir?“ Zac Alonso: „Nein.“ Mac Müll: „Du bist so grausam, Zac. Ich darf deinen Plan nicht wissen. Ich darf deinen Herausforderer nicht wissen. Ich bin wohl einfach nur dumm und scheiße und nutzlos.“ Zac Alonso: „Du bist…“ Sein Satz wird dadurch abgewürgt, dass schwere Schritte näherkommen. Und eine Stimme ertönt. Eine Stimme mit Wiedererkennungswert. … … … Sandro: „Wat stitt dir hei esou blöd ronderëm?“ Alonso und Müll starren den Neuankömmling an. Sandro, der einstige Portugiese, steht in einem weißen Shirt da. Er hat sich eine luxemburgische Flagge wie einen Umhang umgeworfen. Die Verbindung zu seinem neuen Land ist in Wort und Optik unverkennbar. Mac Müll: „Was hast du gesagt? Ich spreche kein Wort Luxemburgisch.“ Sandro: „Aha, ein Rassist.“ Mit einem abschätzigen „Tzz“ kanzelt Sandro den Interviewer ab und erstickt damit dessen Ansatz, der Feststellung zu widersprechen. Dann blickt Sandro zu Alonso herüber. Der ist ohnehin viel interessanter. Auch ohne, dass sie bislang miteinander zu tun hatten, ist die sofortige Antipathie zwischen den Wrestlern unverkennbar. Sandro: „Meine Herren, zu Ihrer Information: Dieses Segment findet fortan unter Besetzung des Großherzogtums Luxemburg statt. Ein Umstand, zu dem man die GFCW beglückwünschen darf, den das macht alles sofort besser.“ Er wendet sich wieder dem Interviewer zu. Sandro: „Und nun interviewe mich, du kleinstaatophober Dommche.“ Müll, eingeschüchtert wie er nun einmal schnell ist, führt tatsächlich das Mikrofon an den Mund. Er macht, was man ihm sagt. Da hält Alonso ihn plötzlich zurück. Zac Alonso: „Woah, woah, woah. Jetzt mal langsam. Du hast hier nichts zu suchen, Sandro.“ Sandro: „Ach? Du zweifelst das Existenzrecht der Luxemburgischen Nation an. Also auch ein Ra…-“ Da sieht er etwas. Seine Augen beginnen zu funkeln. Sandro: „Gib das da her!“ Ehe Alonso sich versieht, reißt Sandro ihm die Liste mit den Herausforderern aus der Hand. Der Champion kann nicht schnell genug reagieren. Schon hat Sandro das Blatt aufgefaltet und seine Blicke huschen so schnell über die handgeschriebenen Namen wie eine Maus durchs Gras. Zac Alonso: „Ey! Gib das zurü…“ Sandro: „WARUM IST MEIN NAME DURCHGESTRICHEN? Was hat das zu bedeuten?“ Alonso greift nach dem Zettel. Aber Sandro weicht ihm geschickt aus. Zieht die Hand weg. Er will eine Antwort und ehe es die kriegt, gibt er hier gar keinen Zettel zurück. Sandro: „Und hoppla, warum sind Kyle und Monica Shade nicht durchgestrichen? Und hier, was ist das? Bei Kyle hast du sogar einen Haken danebengemacht? DAS BEDEUTET DOCH WOHL BESSER NICHT, WAS ICH GLAUBE, HÄ? Rechtfertige dich!“ Mac Müll: „Oooooh. Ein Haken bei Kyle? Heißt das etwa?“ Endlich bekommt Alonso den Zettel wieder unter Kontrolle. Mit rotem Gesicht stopft er ihn sich tief in die Hosentasche. Wo keine gierige Hand danach greifen kann. Zac Alonso: „Ich werde nichts dazu bekanntgeben! Nicht jetzt. Nur eins sage ich schon…“ Er wendet sich Sandro zu. Kneift die Augen zusammen. Sieht aus, als wolle er dem Luxemburger an die Gurgel springen. Zac Alonso: „DU, Sandro, bist eindeutig aus dem Rennen. Es ist mir egal, ob du für Luxemburg, Portugal oder Guinea-Bissau antrittst – aber ein Mann mit deinen Werten ist nicht der Mann, gegen den ich beim PPV im Ring steige. Ich habe bessere Alternativen in dieser Liga. Und genau deswegen habe ich deinen Namen weggestrichen.“ Hörbares Luftschnappen bei Sandro. Er stemmt die Hände in die Hüften. Sandro: „So, so, so. Du willst also Krieg?“ Zac Alonso: „Ich will einfach nur, dass du verschwindest.“ Sandro: „Du lässt mir keine Wahl.“ Der Luxemburger tritt einen Schritt zur Seite. Doch nicht, um Platz zu machen. Sondern, um mehr freien Raum für eine große Geste zu haben. Er reißt seinen Arm in die Luft, wirft den Kopf in den Nacken und ruft etwas im militärischen Duktus. Sandro: „Leute, ladet die Kanonen!“ Zac Alonso: „Was zur Hölle?“ Sandro: „Und…“ Er lässt die Hand herabfallen. Zeitgleich ertönt seine Stimme ein weiteres Mal. Sandro: „…Abschuss!“ Die Kanonenkugel fliegt heran. Sie schlägt in Alonsos Magen ein. Der Champion sackt mit verdrehten Augen zusammen. Mac Müll: „W-was?“ Der Interviewer braucht einen Moment, um die rasanten Geschehnisse zu verdauen. Sein Blick springt zwischen Sandro und Zac hin und her. Dann beugt er sich zum Champion herunter. Und sieht, dass die wegkullernde ‚Kanonenkugel‘… …ein Golfball ist. Der Luxemburger lächelt. Sandro: „Sehr guter Schuss, Freunde. Und noch einmal Nachladen. Hopp! Der Feind muss fallen.“ Während Sandro Applaus anstimmt, schwingt die Kamera herum. Zwei Männer stehen gute zehn Meter entfernt im Gang. Steven Sademi legt gerade einen neuen Golfball in Schussposition. Rupert Wooten nimmt Maß mit dem Schläger. Die Birdie Boys & Sandro. Ein…Team? Sandro: „LOS!“ Da kommt der nächste Ball. Diesmal nicht mit voller Wucht, sondern flach. Er rollt gefährlich nah an Alonsos Intimzone und hätte der Champion nicht instinktiv die Beine zusammengezogen, wäre das ein Treffer gewesen. Sandro applaudiert erneut, dann winkt er die Birdie Boys heran. Wooten und Sademi kommen auf Sandro zu. Es gibt einen formellen Handschlag. Fast wie einem Staatsbesuch. Sandro: „Ech hunn eppes matzedeelen.“ Heißt scheinbar so viel wie: „Ich habe etwas mitzuteilen.“ Denn Sandro nimmt eine Rednerpose ein und pustet seine Brust stolz auf. Sandro: „Ein kleines, aber stolzes und großartiges Land wie Luxemburg kann nur wachsen, wenn es neue Talente und Bürger gewinnt. Und mit diesen Männern hier habe ich zwei potentielle Immigranten gefunden, die unsere Nation im außergewöhnlichen Maße bereichern könnten. Es sind Männer von Kultur, Männer mit Klasse. Am heutigen Tag darf ich mit patriotischem Stolz und einem glücklichen Herzen bekanntgeben, dass „Mr. Fairway“ Rupert Wooten und der sensationelle Analyst Steven Sademi…“ Er klopft den Beiden auf die Schulter. Fehlt noch der offizielle Staatsfotograf, so wirkt das hier. Sandro: „…ab sofort Luxemburger auf Probe sind.“ Die Birdie Boys blicken nach der Ankündigung fast so stolz wie Sandro drein. Fast. Denn ganz gelingt es ihnen aus anatomischen Gründen nicht, das Honigkuchenpferdgrinsen des einstigen SSSSIUUU-Spezialisten 1:1 zu kopieren. Der ehemalige GTCWler deutet auf Alonso. Dieser ist gerade im Begriff, sich wieder hochzurappeln. Sandro: „Ihr habt gehört, welch Frevel gegen unsere Nation dieser Landesfeind begangen hat. Er hat meinen Namen von der Liste potenzieller Herausforderer für den Intercontinental Title gestrichen. Und darauf kennt Luxemburg nur eine Antwort.“ Sademi zieht einen Golfball aus der Tasche. Steven Sademi: „Kanonen.“ Der Caddy legt den Ball in Schussposition. Wooten holt mit dem Schläger aus. Ein dritter, vernichtender Schlag steht bevor. Da legt sich eine Hand um die Kehle des Golfers. Eine große, fleischige Hand. Sie drückt dem Nordiren die Luftröhre zu, als wäre diese Art von Gewalt so selbstverständlich wie das Atmen. Kleine Schweinsaugen begutachten, wie Wootens Gesicht erst wird und dann ein Ausdruck von Panik hineingetrieben wird. Es ist Iray Burch. Und er drückt fester zu. Iray Burch: „Zac ist heute mein Spielzeug. Nicht eures.“ Eine kurze Bewegung und Burch rammt Wooten mit dem Hinterkopf an die Wand. Es gibt einen besorgniserregenden Knall. Mr. Fairway sinkt zu Boden. Sandro und Sademi stehen einfach da. Angstgeweitete Augen. Flucht, scheint ihnen ihr Körper zuzurufen. Sie versuchen, sich abzusprechen. Einen Angriff zu koordinieren. Und Iray Burch? Der leckt sich über die Lippen. Der Unmensch erwartet sie. Ersehnt ihren Ansturm, die Gewalt. Sollen sie doch kommen. Iray Burch: „Los.“ Er breitet die Arme aus. Gibt den Weg zu seiner breiten Brust frei. Macht sich angreifbar. Sademi und Sandro überlegen. Dann tritt der Caddy einen Schritt vor. Doch es ist eine Finte. Anstatt den Angriff auf Burchs zu fahren, beugt sich Sademi nur zu Mr. Fairway, packt ihn am Kragen und zieht ihn aus der Gefahrenzone, ehe Burch reagieren kann. Das neue Trio – Sandro und die Luxemburger auf Probe – zieht sich zurück. Bald schon werden ihre panischen Schritte in den Gängen immer leisen. Bis sie ganz in der Ferne verstummen. Burch schaut ihnen hinterher. Dann finden seine Augen Mac Müll. Iray Burch: „Hallo.“ Mac Müll: „H-h-hallo I-i-iray.“ Der Unmensch hebt seinen fleischigen Arm ein Stück an. Deutet auf Alonso. Iray Burch: „Mach, dass er wieder aufsteht.“ Müll nickt. Mit zitternden Lippen. Mac Müll: „N-n-natürlich.“ Burch könnte fordern, dass Mac Stroh in Gold zaubert, und er würde es nicht wagen, zu widersprechen. Der Unmensch starrt ihn noch immer an. Iray Burch: „Ich habe heute noch so viel vor mit ihm.“
Wieder kommt er sehr angeschlagen bei einer Show an, wieder wird er in einem Zustand gesichtet, in dem man sich Sorgen um die Legende Zereo Killer machen muss. Humpelnd, fast schon ein wenig geknickt, macht er sich auf den Weg zur Arbeit, zur GFCW. Ja, er befindet sich in der Halle, der Kopf ist erneut einbandagiert. Spürt er tatsächlich immer noch die Schmerzen vom Vier-gegen-Eins-Match? MacMüll ist auf der Lauer und nähert sich MacKenzie.
MacMüll: „Lange nicht gesehen!“
ZK erschrickt deutlich, fasst sich dabei an den Kopf und dreht sich dann um.
Zereo Killer: „Man, hast du mich erschrocken.“
Er schaut sich ein wenig um, dann widmet sich die Wrestlinglegende der Interviewlegende.
MacMüll: „Sorry, das wollte ich nicht. Ich hab dich schlicht und einfach zufällig gesehen und… nun ja… ich mach mir ein bisschen Sorgen. Wie geht es dir denn?“
Ein kurzes Seufzen ist zu vernehmen, ehe sein Blick im Boden zu versinken droht. Mit hängenden Schultern und eher schwachen Stimme antwortet er, nachdem er sich seinen Kopf hält.
Zereo Killer: „Tja, mein Lieber, ich hatte in der GFCW schon bessere Zeiten erlebt als momentan. Ich bin heute hier in meinen schwarzen Wrestling Klamotten, weil ich am Lumberjack Match teilnehmen werde.“
MacMüll: „In deinem Zustand?“
Unterbricht er harsch den zigfachen Wrestlingchampion. Mikes Blick wirkt ein wenig verunsichert, aber auch darauf gibt er eine Antwort.
Zereo Killer: „Ja, absolut. Ich bin immer noch der Meinung, dass man The Apocrypha nicht einfach machen lassen kann. Ich will vor allem den Mad Stars zeigen, dass ich am Ring sein werde und für Ordnung sorgen will, so gut es geht. Auch wenn ich nicht immer die richtige Entscheidung in der Vergangenheit getroffen habe. Mad Stars muss verstehen, dass wir einen gemeinsamen Feind haben, und nur zusammen können wir sie aufhalten!“
Sein hoffnungsvoller Blick in die Weite folgt.
MacMüll: „Also du meinst, Zerbeus und Mad Stars könnten The Apocrypha aufhalten?“
Wieder folgt eine kurze Pause.
Zereo Killer: „Morbeus… ich hoffe, dass er bald wieder zurück sein wird… Im Augenblick spreche ich nur von Zereo Killer und den Mad Stars…“
MacMüll: „Dann wäre es immer noch ein Handicap Match.“
Argumentiert der furchtlose Interviewer. Ja, das ist Zereo Killer bewusst, aber…
Zereo Killer: „Das ist klar, aber immer noch besser, als wenn sich alle nochmal auf mich stürzen, oder wenn sie zu viert auf Mad Stars losgehen.“
Ein Argument, welches schon stimmt, aber die Situation nur ein wenig verbessern würde. Diese Gruppierung könnte eine Bedrohung für die ganze Liga werden.
MacMüll: „Ich hoffe für dich, dass du in dieser Situation eine Lösung findest, damit wir spannende Dinge erwarten können.“
MacKenzie nickt, es wirkt sehr gezwungen, aber er will selbstbewusst wirken.
Zereo Killer: „Glaube mir, ich arbeite dran.“
Ein kurzes Räuspern bei Mülli, ehe es einen Themenwechsel gibt.
MacMüll: „Ach, weil wir gerade dabei sind. Wie geht’s mit der Arbeit mit deinem Goldenen Ei voran? Oder hast du deine Chance auf den IC Title komplett vergessen?“
Der Mann, der immer noch da ist, zwingt sich zu einem Lächeln und legt eine Hand auf die Schulter seines Interviewers.
Zereo Killer: „Natürlich habe ich das nicht vergessen, aber ich bin in einem Alter, in dem man irgendwann schlauer wird. Ich kann nicht mehr auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen, nein. Ich habe mein Match um den GFCW Intercontinental Title immer im Blick und ich werde ihn einlösen, doch auch das muss ich clever anstellen. Aktuell habe ich größere Probleme als das IC Titelmatch, auch wenn ich am Liebsten heute schon einlösen würde.“
… er überlegt kurz, korrigiert seine Aussagen.
Zereo Killer: „… wenn ich hundertprozentig fit wäre…“
Die GFCW Interviewlegende würde gerne zu einer weiteren Frage ausholen, doch dazu kommt es nicht mehr. Zereo Killer verabschiedet sich mit einer Handbewegung und zieht von dannen.
Sie ist wieder da.
Als wäre es das normalste der Welt. Als wäre sie nicht vor den Augen der Wrestling-Welt gedemütigt wurden; nicht vom Thron gestoßen, nicht vertrieben wurden.
Schnellen Schrittes marschiert die Frau durch die Backstagegänge des historischen Kurhauses. Sie hat keinen Blick für die Mitarbeiter, die links und rechts ihres Wegen stehen und mit unverhohlener Irritation anblicken. Nun, vor ein paar Monaten wäre es erwartbar gewesen, sie hier zu haben. Doch viel ist seitdem passiert.
Die Frau ist…
…
…
Shelly Nafe.
Wir sehen keine gebrochene Frau. Hochhackige Schuhe, feines Make-Up, manikürte Hände. Ein trotz des Alters sportlicher Körper, der in einem Hosenanzug steckt. Kurz gesagt: Shelly Nafe wirkt wie immer. Unnahbar, kühl. Ein Auftritt, den man nicht in Einklang bringen kann mit den letzten Bildern, die man von ihr hatte: Wie sie, gedemütigt von Danny Rickson, aus der Halle floh. Sie hatte zu hoch gepokert. All ihre Pläne waren zerplatzt, als ihre Träume.
Doch eine Sache ist anders als gewohnt: Shelly Nafe ist nicht in Begleitung. Da ist kein Iray Burch an ihrer Seite. Aber wird er es bald wieder sein? Ist Shelly Nafe die Bürgin?
Tammy: „SHELLY NAFE!?“
Jetzt hat auch die Presse sie wahrgenommen. Tammy joggt aus einem Seitengang, ihr Mund ist vor Verwunderung aufgerissen, in den Augen steht Sensationslust. Ohne Hemmungen stellt sie sich Nafe in den Weg. Schweigend geht Shelly vorbei. Doch Tammy ist hartnäckig. Sie beißt sich – natürlich nur sprichwörtlich – fest. Lässt nicht los. Schließt wieder zu Nafe auf und hält Schritt.
Tammy: „Warum bist du hier?“
Keine Antwort. Nur stures Weitergehen.
Tammy: „Kehrst du zurück, um Iray Burch zu holen? Wirst du dir einen neuen Klienten suchen? Wirst du dich an Danny Rickson rächen. Wirst du….“
Mit einem Mal bleibt Nafe stehen. So abrupt, dass Tammy ihr fast hinten reinläuft. Als sich die Managerin (falls sie das noch ist) zu Tammy umdreht, ist ihr Blick so schneidend, dass Tammy unbewusst einen Schritt zurücktritt.
Shelly Nafe: „Du hast die wichtigste Frage in diesem Interview noch gar nicht gestellt.“
Tammys Augen flackern auf. Nafe – spricht – mit – ihr. Sie ist kurz davor, News zu kriegen. Ganz, ganz sicher.
Tammy: „Welche Frage denn?“
Shelly Nafe: „Ob ich dieses Interview führen will.“
Ihr Blick fährt Tammy von oben bis unten ab. Nafe macht sich nicht einmal die Mühe, ihre Herablassung zu verbergen.
Shelly Nafe: „Die Antwort darauf lautet: Nein.“
Sie dreht sich auf den Hacken um und schreitet davon.
Unruhe in der Halle. Was ist der Grund dafür? Dass auf dem Bildschirm ein Mann auftaucht, der nach den Ereignissen der letzten Show die Gemüter spaltet. Darragh Switzenberg. Der Kanadier trägt unauffällige Kleidung, ein Shirt und eine Jeans, doch mit seinem massiven Körperbau zieht er trotzdem die Aufmerksamkeit von Kamera und Regie auf sich. Und so verfolgt ihn das Bild auf seinem Weg, dessen Ziel wir nicht kennen. Doch zu sehen ist, dass Switzenbergs Miene ernst ist, vielleicht auch eine Spur verkrampft. Absicht oder Unfall? Die Frage nach den letzten Momenten des Main Events vor zwei Wochen ist nach wie vor nicht beantwortet. Doch nicht nur die GFCW-Galaxy drängt auf eine Antwort…sondern auch ein Mann, dessen Stimme durch den Backstagebereich schallt und die Kamera erwartungsfreudig herumschwingen lässt. „SWITZENBERG.“ Bei diesem bestimmten und lauten Schrei aus dem Hintergrund kann Darragh gar nicht anders und so dreht er sich herum, um die anbahnende geballte Wut in Form von Aldo Nero kommen zu sehen. Was will Aldo Nero? Nicht von Darragh Switzenberg, sondern allgemein. Will Aldo tatsächlich eine Aussöhnung mit The End? Eine Aussöhnung, die Darragh Switzenberg ihm unnötig erschwert hat, als er ihn vor zwei Wochen in seine Schusslinie gestoßen hat? Will Aldo eigentlich nur selbst die mentale Kontrolle über dieses Dreiergespann behalten und dafür braucht er Ends Vertrauen, dass Switzenberg ihm ein Stück weit wieder genommen hat? Was will Aldo Nero? Nunja, jetzt offenbar erstmal ein Gespräch mit Darragh Switzenberg. Der bleibt stehen und hört an, was Aldo zu sagen hat. Dieser wiederum hat ihn nun erreicht, nachdem er aufgebracht angestürmt kam. Aldo Nero: „Wollen wir über letzte Show reden?“ Wie schon bei The End, sucht Aldo nun auch das Gespräch mit Darragh. Und dieser wirkt gar nicht einmal unglücklich darüber. Weil es eine Gelegenheit ist, sich zu erklären? Darragh Switzenberg: „Aldo!“ Der dreifache IC-Champion breitet die Arme aus, als würde er einen alten Freund begrüßen. Doch ein erneuter Blick in die Miene Neros macht ihm deutlich, dass er dort auf verlorenem Poster steht. Darragh Switzenberg: „Natürlich, lass uns reden. Du und ich, wir wissen doch beide, dass das so nicht geplant war. Wir beide in der Hektik des Matches die Übersicht verloren. Du wolltest unserem Team helfen und ich wollte das auch. Also… Aldo glaubt ihm kein Wort. Sei es bedingt durch Ends Ansage zuvor oder sei es sein eigenes Einschätzungsvermögen, das nach der Zeit mit seinem Vater sehr gut ausgebildet ist. Aldo Nero: „Darragh, spars dir.” Aldo spricht bestimmt, dabei bleibt er aber verhältnismäßig ruhig. Wieder merkt man, dass er sich nicht verraten will. Aldo Nero: „Ich weiß nicht, ob ich dir jemals wirklich vertraut habe. Klar, es wäre naiv und dumm gewesen das zu tun, aber letztendlich… können sich Menschen ändern. Ich selbst habe mich geändert… denke ich. Wieso also nicht auch du? … aber, letztendlich geht es nicht darum, ob ich dir vertraue oder nicht. Es geht um den GFCW World Championship. Und dafür stehst du mir im Weg. Du magst mir geholfen haben meine Familie zu rächen, aber wer weiß, ob das und deine Aktion vor zwei Wochen nicht alles Mittel zum Zweck waren.“ Aus diesen Worten hört man jetzt ein Stück weit The End heraus, der zu Beginn der Show ähnliches gesagt hat. Darragh Switzenberg: „Ich finde es gut, dass der Hass zwischen dir und The End vorbei ist. Ihr seid zu tief miteinander verbunden, um euch zu verachten. Aber kann es sein…“ Switzenberg beißt sich auf die Zunge. Er scheint darüber nachzudenken, ob er wirklich sagen will, was ihm in den Kopf kommt. Darragh Switzenberg: „…dass eure Annäherung eine Spur zu sehr auf dich abgefärbt hat. Da ist ein Misstrauen in deinen Worten, das besser zu The End passt. Sind das wirklich deine Worte? Oder seine?“ Ertappt! Ertappt? Nunja, es scheint, als würde Aldo zwar genau das sagen, was The End gesagt hat, aber nicht so, als würde er es ihm nachplappern, er sieht es eben einfach genauso. Und Apropos The End, Aldo schnauft kurz durch, seine Augen werden noch eine Spur ernster, fast so, als wäre seine Meinung zu The End seit deren letzten Gespräch nochmal etwas eindeutiger geworden. Aldo Nero: „End… tja… der… der verkauft sich als jemand, dem diese Liga am Herzen liegt. Er will das Beste für die Liga, will die Herausforderung, will dem Titel seine Ehre erweisen? Letztendlich ist er genauso wie du. Alles, was für ihn zählt ist der eigene Erfolg. Ja, der Titel ist ihm wichtig, aber es geht ihm nicht darum, dass der beste Wrestler der Liga den Gürtel hat, es geht ihm darum, dass ER den Gürtel hat. Familie, Ehre, Fairness…. was auch immer… für ihn zählt nur der Titel. … aber das Ding ist nun mal… ihn muss ich besiegen, um den Gürtel zu gewinnen. Und dich… dich kann ich auch ohne Titel umlegen.“ Es ist nicht mal die Wut, die aus Aldo spricht. Es ist eine Gleichgültigkeit und die Erkenntnis, dass es in der GFCW so etwas wie „Freundschaft“, „Familie“ oder eine „Allianz“, „Zusammenhalt“ oder ein „Miteinander“… dass es all das nicht gibt. Aldo mag auf den ersten Blick und nach all dem, wie wir ihn kennengelernt haben, auch nicht der Typ dafür sein, auf der anderen Seite ist er ein Sohn, der von seinem Vater immer verschmäht wurde und der eben auch nur irgendwo Rückhalt und Verbündete finden will. Nicht in der GFCW. Und diese Erkenntnis holt ihn so langsam ein. Er hat sich von seinem Vater gelöst, aber die Hoffnung, dass er abseits seines Vaters doch das finden kann, was er immer wollte, stirbt immer mehr. Und deshalb muss er sie eben auch sprechen, die Sprache von Intrigen und Gewalt. Darragh Switzenberg: „Bitte, Aldo.“ Er hebt die Hände. Versucht zu beschwichtigen. Darragh Switzenberg: „Reiß nicht ein, was du gerade erst gewonnen hast. Du hast selbst gesagt, du hast dich geändert. Du hast abgeschüttelt, was andere aus dir machen wollten. Einen Außenseiter, einen Egomanen. Einen, der keine Freunde kennt. Nur Paranoia. Glaube mir: Es wird nicht besser, wenn du dich deinen Rachegefühlen hingibst. Ich habe es oft genug getan.“ Switzenberg fährt mit seinem Blick das Gesicht Aldo Neros ab. Doch bevor sich ihre Augen treffen, weicht der Italiener dem Blick aus. Darragh Switzenberg: „Du willst gegen mich kämpfen? Um was zu beweisen: Dass du wieder zu einem Getriebenen werden willst, der nur die Sprache des Kampfes kennt? Der niemandem vertraut? Ist es das, was du willst?“ Ob Nero auf diese Frage mit „Ja“ antworten würde, lässt sich nicht sagen. Denn bevor er die Chance dazu bekommt, hebt Switzenberg eine Hand. Bittet ihn zu schweigen. Darragh Switzenberg: „Ich gebe dir etwas Besseres als einen Kampf.“ Er atmet einmal tief durch. Kleidet seine folgenden Worte bedeutungsschwanger ein. Darragh Switzenberg: „Einen Beweis, dass ich nicht dein Feind bin. Einen Beweis…dass ich mich wirklich geändert habe.“ Befriedigt Aldo diese Antwort? Wen kümmert das schon? Sein Blick bleibt fokussiert, eisern und gleichgültig. Böse und eiskalt. Er hat genug von dem Gelaber Switzenbergs, er hat genug von dem Gelaber Ends. Wenn hier wirklich nur der Titel zählt, dann holt er sich eben diesen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Aldo Nero: „Tu, was du nicht lassen kannst. Retten wird’s dich auf keinen Fall. Spätestens bei Blue Blood werde ich mich um dich und um The End kümmern. Aber je nachdem, was du da heute sagst… erlebst du den Weg bis Blue Blood vielleicht gar nicht mehr.“ Aldo ist während des Gesprächs immer gleichgültiger geworden und inzwischen beim vorläufigen Tiefpunkt angekommen. Wenn das der einzige Weg ist, bis zu diesem Match zu kommen und es so zu bestreiten, dann wird er da mitmachen. Weder Darragh noch The End sind seine Freunde. Sie sind seine Opfer.
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Die Reaktion auf diesen Auftritt sind vielfältig. In den letzten 1 ½ Jahren wurden viele Gründe geliefert, sie zu mögen, vom lustigen Stoffschwein über ihre aufrichtige und ehrliche Art, über ihre Rolle bei der damaligen Rückkehr von Publikumsliebling Ask Skógur nach dem Verlust des Titels bis hin zu ihren starken Matches. Na ja und als ziemlich attraktiv darf sie auch gelten, was ja nun auch nicht verkehrt ist, um Fans zu gewinnen. Sie ist aber auch die Frau, die im Wortduell mit Zac Alonso dem Zacidog gedroht hat, was nicht so gut angekommen ist. Sicher, ihre Drohung basiert auf einer hypothetischen Aktivität des Zacidogs gegen Lady Rosi, doch war das ja nun eher nur ein flapsiger Spruch von Zac Alonso gewesen, den Monica aber nun wirklich nicht so aufgefasst hat. In dem Moment und als sie vor rund einem Monat den Finger von Jay Taven brach, da hat dann jeder verstanden, dass das ulkige Frauenzimmer mit dem Stoffschwein auch außerhalb des Rings eine sehr gefährliche und gewaltbereite Wildkatze ist. Für manche macht sie das nur noch attraktiver, andere hingegen sehen dies eher kritisch. Und so gibt es gleichermaßen Jubel wie auch ein paar Pfiffe, welche die Leopardin aus Long Island zum Ring begleiten, die heute in eine robuste Weste, recht kurze Hose und klobige Stiefel gekleidet ist – plus Armschoner und ihr typisches Leoparden-Halstuch, das auch ihr Stoffschwein Lady Rosi trägt. Partnerinnen-Look. Im Ring gibts kurz eine fotogene Pose, dann verlangt Monica nach einem Mikrofon und kriegt auch eins.
Monica Shade: „Dennoch wird so unweigerlich die Frage umso intensiver, warum ich hier bin. The End hat schon wieder mit seinem Bruder zu tun, zudem mit Darragh Switzenberg und obgleich Refuse to Age bei Conquista komplett weggeklatscht wurden, gab es dieses völlig unnötige Match in Wuppertal und nun haben auch die wieder Legitimation. Schätze also das Einzelmatch ums Gold zwischen mir und The End, das es bei der Anniversary Show hätte geben sollen, wird auf absehbare Zeit weiterhin nicht stattfinden, zumal er ja eh neue Leute gegen sich will. Was seinen Bruder eigentlich ausschließt, nebenbei bemerkt. Tja. Apocrypha ist natürlich so eine Sache, aber so richtig geht mich das ja im Moment auch nichts an. Vielleicht wäre es also ein Gedanke mich hier bei GFCW darauf zu konzentrieren Mirias Assistentin zu sein und nicht mehr zu wrestlen… also nicht „vielleicht“, den Gedanken haben Lady Rosi und ich ausgiebig diskutiert.“ Womit die Fanreaktionen wieder geeint werden – das wollte man jetzt nicht hören. Und so werden vereinzelte Chants angestimmt wie „please wrestle“ aber die Art dies zum Ausdruck zu bringen ist divers und man findet keine gemeinsame Stimme bis Monica fortfährt. Monica Shade: „Mitten in diese Diskussion hinein kam dann mein zweites Turniermatch im Tournament of Honor bei WFW gegen Miu Mitsurugi, die Siegerin des Vorjahres. Ihr wisst schon, die Frau der Stella ihren WFW Temptation Titel abgenommen hat. War ein tolles Match. Zweifache Turniersiegerin und amtierende Turniersiegerin, die lebende Legende aus der Schweiz, Crimson Rock Miu Mitsurugi gegen mich, die Leopardin aus Long Island, die bei WFW im Einzelwettbewerb bereits alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Was ein Main Event für Ravage #417.“ Selbst die GFCW Hardcore Fans, die dies als Werberede für WFW bezeichnen würden, sind gerade nicht bereit zu knurren. Monica über ihr WFW Match reden zu hören und wie toll es war, da wollen sie natürlich umso mehr Monica auch weiterhin im GFCW Ring wrestlen sehen. Monica seufzt lautstark, ehe sie den nächsten Satz sagt. Monica Shade: „Ich hab verloren.“ Manche werden hellhörig, andere wussten das schon. Monica Shade: „Unfassbar frustrierend in dem Moment, aber zumindest wurde Lady Rosi und mir dadurch eines klar: unser WFW Jahr ist damit im Großen und Ganzen gelaufen. Vorbei. Ende. Derweil sind wir hier bei GFCW definitiv noch mindestens bis Title Night in diesem Jahr aktiv… ihr wisst worauf ich hinauswill, ja?“ Ein paar Fans rufen sofort „Yes“ andere schöpfen zumindest Hoffnung. Monica Shade: „Wohl oder übel können Lady Rosi und ich uns nun komplett auf GFCW konzentrieren. Also werden Lady Rosi und ich uns auch komplett auf GFCW konzentrieren. Und ich werde bestimmt nicht für den Rest des Jahres dem Ring fernbleiben.“ Monica erhebt sich ruckartig vom Stuhl und so wie sie selbst steil geht, gehen auch die Fans steil und jubeln lautstark. Monica Shade: „Um genau zu sein bin ich bereits im Ring. Und wo ich schon mal hier bin, kann ich ja ganz einfach das machen, was ca. alle derzeit machen: ich spreche hiermit eine Open Challenge aus. Wer zuerst kommt, hat das Match. Es darf gerne auch ne komplette Lusche wie Güldenherz sein, immerhin würde ich mich dann auf Intercontinental Title Niveau bewegen, also nur keine falsche Scheu.“ Und wie es bei Open Challenges so ist, richten alle Zuschauer neugierig ihren Blick gen Entrance-Area aus. Denn dort spielt die Musik – derzeit noch als sprachliches Bild, doch hoffentlich gleich auch in der Realität. Nämlich dann, wenn eine Theme ertönt. Die Musik, die dann aus den Boxen schallert, freut einen Mann ganz besonders. Einen, der am Kommentatorenpult sitzt. Pete: „JAAAAAA! Jetzt kommt sein Durchbruch.“ Sven: „Ich wünsche zu vomitieren. Die Gurke hat immer noch nicht genug.“ So gespaltene Meinungen kann es nur geben, wenn… …JONA PEXIANER… auf dem Weg zum Squared Circle ist. Der Sohn Petes kann bislang nicht als große Erfolgsgeschichte gelten und entsprechend ruhig war es oft genug bei seinen Auftritten. Doch jetzt, als er nach mehrmonatigen Absenz überraschend die Open Challenge annimmt, gibt es doch gute Reaktionen der GFCW-Galaxy. Mit Applaus und gezückten Fotohandys begrüßt Wiesbaden Pexianer zurück im aktiven Geschehen. Trotz seiner Pause hat sich Jona kaum verändert: Die Haare sind vielleicht frisch geschnitten und ein paar Milimeter kürzer, doch Outfit und Körperbau sind wie immer. Trotz seines Status als professioneller Athlet wirkt Pexianer, als könne er genauso gut von der Baustelle kommen. Eine Fettschicht liegt über seinen Muskeln, anders als viele Kollegen ist er kein Dauergast im Sonnenstudio – und als Ringoutfit hat er sich für Stiefel und Blue Jeans entschieden, die an beiden Knien aufgeraut sind. Dass die Galaxy sich einmal ganz auf ihn konzentriert, nutzt Pexianer. Er bleibt auf der Rampe stehen, hebt eine Hand als Signal an die Regie und lässt so die Musik verstummen. Jona Pexianer: „Ein paar Minuten können das Schicksal eines Wrestlers verändern. Kaum jemand wird das besser wissen als du, Monica. Wäre Stella Nova vor der Anniversary Show nur ein paar Minuten zu spät zu ihrem Flugzeug gekommen, hätte sie dir nicht das Spotlight gestohlen. Und wäre Lady Rosi im Saloon ein paar Minuten länger versteckt geblieben, hätte Alonso vielleicht aus Frust den Kampf abgeschenkt und wäre nicht als Sieger hervorgegangen.“ Es wird wieder ruhiger. Und das liegt daran, dass die Zuschauer nicht verstehen, worauf Pex hinauswill. Zwar hören sie ihm zu, doch das Interesse hält sich (noch) in Grenzen. Sie wollen Action sehen, keine langen Ausführungen hören. Jona Pexianer: „Doch nichts kann die Karriere eines Wrestlers so sehr verändern wie die Minuten eines Matches. Darauf kommt es an. Man kann als eine Person reingehen und als eine ganz andere rauskommen. Genau das habe ich heute vor, Monica. Ich komme als derjenige, dessen Auftritt niemanden begeistert.“ Pete: „Mich schon!!!“ Jona Pexianer: „Danke, Papa. Aber das meinte ich nicht.“ Nicht ohne eine Spur Scham winkt Jona ab. Jona Pexianer: „Aber in ein paar Minuten, da werde ich diesen Ring als derjenige verlassen, der endlich durchgestartet ist. Als derjenige, der Monica Shade besiegt hat. Einen internationalen Star. Eine Anniversary-Show Main Eventerin. Ich bin hier einst mit viel Hype gestartet. Und gebe zu: Das hab ich nicht eingehalten. Aber wer Jona Pexianer abschreibt, der wird in ein paar Minuten noch dümmer aussehen als Lady Rosi in einem Leopardentuch.“ Mehr muss er nicht sagen, dass Monica Shade finster dreinschaut und nicht nur aus sportlicher Herausforderung Lust auf den bevorstehenden Kampf entwickelt. Jona Pexianer: „Pex ist back. Und jetzt geht es erst richtig los!“ Er reißt die Arme in die Luft und passgenau setzt seitens der Regie seine Theme wieder ein. Die Klänge begleiten ihn auf den letzten Metern zum Squared Circle. Mit Anlauf gleitet er unter den Seilen auf die Matte und gibt Signal, dass er bereit ist. Bereit wie nie.
Das Match ist keine zehn Sekunden vorbei, da reißt Zac Alonso die Tür zu Dynamites Büro auf. Der Präsident erschrickt, aber fängt sich schnell wieder. Er rückt seine Brille zurecht, räuspert sich und verschränkt die Arme vor der Brust. Dynamite: „Auch als Champion wird zuerst geklopft. Wo ist deine Höflichkeit geblieben, Zac? Hättest du früher am Abend keinen Golfball abbekommen, würde ich dich wieder rausschicken und nochmal üben lassen, wie man respektvoll seinem Vorgesetzten gegenüber auftritt. Nur deshalb lasse ich es dir durchgehen. Hast du dich denn wieder erholt?“ Zac Alonso: „Gib mir Monica Shade.“ Alonsos Themenwechsel wischt Dynamites Ärger über Alonsos Auftreten ein Stück zur Seite. Claude Booker hebt eine Augenbraue, blickt Alonso lange an und tippt dann auf ein Schriftstück, dass er gerade unterschreiben wollte. Dynamite: „Zac. Vor zwanzig Minuten hast du mir gesagt, dass du bei Blue Blood gegen Kyle Douglas antreten willst. Vor mir liegt ein vorbereiteter Vertrag für das Match.“ Zac Alonso: „Vor zwanzig Minuten hatte auch Monica Shade noch nicht SCHON WIEDER vor laufender Kamera gegen mich gestichelt. Ist das noch Groll wegen dem Saloon oder was hat sie gegen mich?“ Er überlegt scharf, zuckt dann aber mit den Schultern. Zac Alonso: „Ist ja auch egal. Ich werde jedenfalls bei Blue Blood dafür sorgen, dass ihr ihre spitzen Bemerkungen im Hals stecken bleiben. Da kann ihr Schwein ihr dann so viel einflüstern, wie sie will, aber es ist und bleibt FAKT: Zac Alonso und der Zacidog sind das coolste Mensch-Tier-Duo in dieser Liga. Und das Erfolgreichste.“ Dynamite: „Kyle Douglas wird das nicht gefallen.“ Eine Bemerkung, die dafür sorgt, dass Zac kurz das Gesicht verzieht. Dann jedoch gewinnt er die Beherrschung zurück. Zac Alonso: „Es tut mir leid für Kyle. Er ist ein guter Kerl. Aber er ist nicht beim Blue Blood-Gegner. Gib mir Shade.“ Inmitten seiner Forderung erinnert sich Alonso an die Ermahnung zu Beginn des Gesprächs. Er räuspert sich, schiebt ein Lächeln auf sein Gesicht und macht einen Schritt an Dynamite zu. Zac Alonso: „Bitte.“ Dynamite: „Sandro hat auch gefragt. Nach einem Titelmatch.“ Zac Alonso: „Sandro und seine Kanonentruppe können mich mal.“ Dynamite: „Können was? Dich mal herausfordern?“ Kopfschütteln. Zac Alonso: „Du weißt, was ich meine.“ Dynamite: „Seine Bilanz ist gut. Eine einzige Pinfall-Niederlage, als er von Gaeta überrascht wurde.“ Zac Alonso: „MO-NI-CA.“ Das ist deutlich. Und nach einigen Sekunden des Widerstands senkt Dynamite seine Hände. Unmerkliches Nicken. Dynamite: „Ist gut. Ich hätte dir keine Liste geben brauchen, wenn ich mich nicht an deine Entscheidung halte.“ Zac Alonso: „YES! Ich meine: Danke, Chef.“ Alonso springt vor, ergreift die Hand des Präsidenten und ehe dieser sich entscheiden kann, ob er das überhaupt will, schüttelt der Champion seinem Vorgesetzen euphorisch eben jene. Dann dreht sich Zac auf der Hacke um. Er stürmt aus dem Büro. Und übersieht dabei vor lauter Aufregung jenen Mann, der draußen vor der offenen Bürotür stand – und jedes Wort mithören konnte. Dieser Mann ist Kyle Douglas.
Lukas Meyer-Gittenstein: „Das schmeckt wie in Lilienthal bei meiner Mutter. Herrlich.“ Mit „Das“ meint LMG einen Teller voll Kartoffelgratin, das er sich großzügig in Familienportion aufgeschaufelt hat und nun mit einem Lächeln im Gesicht schwingenden Schrittes vom Büffet in den Sitzbereich der Catering-Area trägt. Der Duft des Gratins lässt seinen Mund wässrig werden und er kann sich kaum zurückhalten, nicht einfach das Gesicht im Teller zu versenken. Nun, wer seit Monaten nicht mehr aktiv an einer Show beteiligt war, muss eben andere Freuden finden. Und nicht nur Lukas Meyer-Gittenstein geht es so: Am Tisch warten auf ihn bereits Rodrigo Gaya und Jackie D’Arcy von der Punk n‘ Jump-Alliance sowie Nick Kavinsky, die ebensowenig wie er im Ring gebraucht werden. Nick Kavinsky: „Na dann, guten Appetit.“ Der Bodensatz des GFCW-Rosters nickt einander zu. Still – und doch nicht unzufrieden – wird gegessen. Während Rodrigo, Jackie und Nick gerade einmal die ersten Bissen genommen haben, ist LMGs Gratin bereits von einem Berg zu einem kleinen Steinchen zusammengeschrumpft. Der nächste Bissen jedoch bleibt Meyer-Gittenstein im Hals stecken. Und das liegt an dem Mann, der just in diesem Moment durch die Eingangstür der Catering-Area tritt. In der heutigen Zeit wird „Aura“ gern vorschnell verwendet – doch falsch ist es nicht zu behaupten, dass die Aura des Neuankömmlings dafür sorgt, dass den Jobbern vor (An-)Spannung der Appetit vergeht. Als LMG mit einem auffällig unauffälligen Nicken in Richtung seiner Kumpanen darauf aufmerksam macht, wer grad am Büffet steht, lassen auch die Gabeln und Messer fallen. Sie schieben ihre Stühle zurück, räumen die noch längst nicht geleerten Teller zusammen und wollen gerade verschwinden, denn das gebietet ihnen die Hackordnung im Roster so. Doch zu ihrer Überraschung steuert der Neuankömmling genau auf ihren Tisch zu. Es ist Darragh Switzenberg. Lukas Meyer-Gittenstein: „Äh, Hallo…D-d-d-arragh. Wir machen dir schon Platz. Sind schon verschwunden.“ Der Lilienthaler steht auf. Und als wäre das hier Synchrontanz, spiegeln Nick Kavinsky und die Punk n‘ Jump-Alliance die Bewegung. Nur kommen sie nicht an Switzenberg vorbei. Denn der hat sich genau so im Gang platziert, dass ein Vorbeikommen an seinen breiten Schultern unmöglich ist. Darragh Switzenberg: „Ihr habt doch noch gar nicht aufgegessen.“ Rodrigo Gaya: „Ist nicht schlimm.“ Darragh Switzenberg: „Nein, bitte. Bleibt sitzen.“ Switzenbergs Hand nähert sich Rodrigo Gayas Schulter und drückt ihn auf die Sitzbank zurück. Der Spanier ergibt sich in sein Schicksal. Und als Switzenberg mit großer Geste die anderen Drei einschließt und sie zurück zum Tisch winkt, ist die Verwirrung groß. Darragh Switzenberg: „Rückt einfach ein wenig zusammen. Wir sitzen doch alle im selben Boot. Warum also nicht auch am gemeinsamen Tisch?“ Die Jobber können ihren Augen kaum trauen. Verkniffen beobachten sie, wie Darragh Switzenberg einen Teller Pommes und einen kleinen Salat auf dem Tisch abstellt und sich dann neben Lukas Meyer-Gittenstein setzt. Darragh Switzenberg: „Ich liebe das einfache Essen. Einfach ein paar Pommes. Nicht immer diese Schickimicki-Scheiße.“ Mit seinen Fingern angelt Darragh Switzenberg – der NEUE Darragh Switzenberg, der auch mit den Kleinen und Unwichtigen speist – einen besonderes langen Kartoffelstick vom Teller. Darragh Switzenberg: „Und, Jungs, jetzt erzählt doch mal. Wie läuft euer Tag? Wie geht’s euch?“ Die Antwort bleibt den Underdogs im Halse stecken. Zum einen, weil sie noch immer nicht fassen können, wie ebenbürtig sie von Switzenberg behandelt werden. Zum anderen jedoch, weil wieder die Tür zum Catering aufgestoßen wird. Und diesmal ist die eintreffende Person eindeutig nicht wegen des Büffets hier. Es ist eine Frau. Und ebenso wie Switzenberg steuert sie auf den Tisch der Jobber zu. Doch nicht wegen LMG und Co., sondern eindeutig wegen dem Kanadier. Und ihr Gesichtsausdruck macht deutlich, dass sie auch keinen großen Wert auf die Anwesenheit aller anderen legt. Also springen die Vier auf, Nick Kavinsky: „Nun müssen wir aber wirklich. Haha, ganz die Zeit vergessen. Bis dann.“ Sie lassen einen irritierten Darragh Switzenberg sitzen, der noch gar nicht gemerkt hatte, dass sie nicht mehr alleine sind. Erst als er seinen Kurzzeit-Freunden nachschaut, bemerkt er, dass dort Miria Saionji steht. Miria Saionji: „Wie ungewöhnlich. Für gewöhnlich will man doch in meiner Nähe sein, egal wo man auf dem Gender Spektrum verortet ist… da bin ich mir doch nun nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Wie gut für diese Herren, dass ich weder weiß, wer sie sind, noch ein Interesse daran habe, es zu lernen, sodass es sich für mich erübrigt darüber nachzudenken, ob ich dieses Verhalten vielleicht als mir gegenüber unangemessen einschätzen und über Konsequenzen nachdenken sollte.“ Die Frau im weißen Minikleid schnappt sich einen freien Stuhl und setzt sich neben Darragh ohne ihn zu fragen, ob ihm dass genehm ist. Natürlich hat sich „Miss Eternity“ einen freien, unbenutzt aussehenden Stuhl genommen – auf keinen Fall würde sich „The Aion“ auf einen Stuhl setzen, wo zuvor einer der niederen Männer gesessen hat. Miria Saionji: „Wenn ihr mir die nonchalante Frage gestattet, oh großartiger GFCW Wrestler Darragh Switzenberg… habt ihr euch möglicherweise eine Kopfverletzung zugezogen? Oder hat die Furcht vor Iray Burch, die euch zur Flucht aus dem #1 Contender 4 Way trieb, gänzlich in den Wahnsinn getrieben? Bitte sagt mir, dass dieses gesellige Gehabe nur eine Taktik ist.“ Die schwarzhaarige Ewige mit der innenseitigen Blondierung ihrer bis auf den Pony mehr als bodenlang ausgewachsenen Haarpracht hält inne und blickt zur Kamera. Ihre Mimik ist ihre typische gespielte Lieblichkeit, aber sie versucht nicht mal einen Hauch von Freundlichkeit in ihre melodische wie kalte Stimme zu stecken. Die Missbilligung, dass das Kamerateam noch hier ist, kann man überdeutlich heraushören. Miria Saionji: „Warum seid ihr eigentlich noch hier? Ich bin sicher, dass dieses Gespräch euch sehr interessiert, aber...“ Und schon dreht die Kamera ab. Man kann sich vorstellen, wie es die Crew ärgert, bei dieser Szene nicht mehr draufhalten zu dürfen – doch wenn jemand spricht, der ein ganzes Stable hinter sich hat, kuscht man lieber. Doch dann ist die Stimme Switzenbergs zu vernehmen. Darragh Switzenberg: „Sie können bleiben.“ Die Kamera schwingt zurück. Man sieht wieder Switzenberg und Saionji, die einander in die Augen blicken. Saionji lässt sich nicht anmerken, was sie davon hält, dass Darragh ihre Ansage überschreibt. Darragh Switzenberg: „Was auch immer wir miteinander zu besprechen haben, kann ruhig die gesamte GFCW-Galaxy hören. Sie ist das Rückgrat dieser Liga. Und außerdem habe ich in meinem Dasein schon mehr als genügend Hinterzimmer-Deals abgewickelt, um für den Rest meines Lebens drauf zu verzichten.“ Er lächelt Miria zu und schiebt seinen Teller ein Stück weg. Switzenberg rechnet offenbar damit, dass dies hier eine Spur länger dauert. Darragh Switzenberg: „Meinem Kopf geht es gut. Sehr gut sogar. Ich fühle, dass ich klarer sehe als je zuvor. Kein Arschloch zu sein macht geradezu süchtig. Kann ich nur empfehlen.“ Die – nicht sehr versteckte – Anspielung darauf, was er von Mirias Charakterzügen hält, sorgt nicht dafür, dass die Spannung im Raum geringer wird. Saionjis Ausdruck ist ernst. Und der von Switzenberg verliert auch sein Lächeln. Darragh Switzenberg: „Aber wir führen hier kein Gespräch über meine Gesundheit, richtig? Wenn ich eines über die LPG weiß, dann dass der Geschäftsgeist der Entrepreneurin auch in der auserkorenen Anführerin ihrer Gruppe steckt. Du kommst also gewissermaßen…geschäftlich, nehme ich an? Ich würde wetten, es geht um unsere Abmachung?“ Bevor Saionji antworten kann, lehnt sich Switzenberg zurück und gibt ein Seufzen von sich. Darragh Switzenberg: „Eine Abmachung, die ich gefühlt in einem anderen Leben getroffen haben. Als anderer Mensch. Als der alte Darragh Switzenberg. Doch mein neues Ich scheinen die Geister der Vergangenheit einfach nicht loszulassen.“ Miria legt ihre Arme auf den Tisch, den Unterarm des linken in die Höhe stemmend, auf dass ihre Hand ihrem Kopf als Stütze dienen kann. Miria Saionji: „Aus meiner Perspektive kann ich nur sagen, dass ich den großartigen GFCW Wrestler Darragh Switzenberg, den ich vor Monaten kennenlernen durfte, nie als Arschloch empfunden habe, sondern als zielstrebigen Mann, der weiß, was er will, wie er es bekommt und der die Macht, die er sich redlich erkämpft hat, zu nutzen wusste. Seine einzigen Fehler waren es, sich zu sehr darauf zu verlassen und die Grenze von Machtgebrauch zu Machtmissbrauch nicht zu beachten, was zu Rebellion und Abneigung geführt hat, was vermeidbar gewesen wäre.“ „The Aion“ mustert den Kanadier mit zunehmend geringschätzendem Blick. Miria Saionji: „Doch dieser neue Darragh Switzenberg, der mir hier und jetzt gegenübersitzt und gegenüber Nieten auf freundlich tut und mir, der wunderbaren Miss Eternity, so kühl begegnet, der ist sehr wohl ein Arschloch und sicherlich nicht länger großartig.“ Miria blickt Darragh tief in die Augen, wie um zu überprüfen, ob die Fassade hält oder eben, um zu erkennen, ob es überhaupt eine Fassade ist. Doch Darragh lässt sich nichts anmerken und so legt Miria nach. Miria Saionji: „Positiv gedacht bedeutet euer Sinneswandel aber vermutlich, dass ihr nicht verärgert darüber seid, dass wir unseren Teil der Abmachung noch nicht erfüllt haben und Zac Alonsos Leben noch nicht die Hölle ist, die sie sein sollte. Genau zu diesem Zweck war es ja so wichtig, dass unser schwächstes Glied Milly Vermillion seine Gegnerin wird und sie ihn nicht mit Hilfe, sondern fair besiegt. Das hätte Zac gebrochen, so wie es Jason Crutch gebrochen hat, fair gegen euch zu verlieren. Aber so ist ja leider nicht gekommen, weil dieser nervige Störenfried Kyle Douglas im Weg war… was er noch bereuen wird.“ Sie tippt sich süffisant mit dem Zeigefinger in den Mund. Miria Saionji: „Dann wiederum bereut er es ja vielleicht sogar schon. Er ist seit unserem Käfigmatch verschwunden, ich bin aktiv. Vermutlich ist sein Glaskörper schon wieder kaputt? Wer ist also tatsächlich Siegerin und wer Verlierer unseres Matches?“ Sie rückt noch ein Stück näher an Darragh Switzenberg heran. Eine typische, psychologische Taktik. Nähe erzeugt Verbundenheit und das wortwörtliche Nebeneinander suggeriert auf der selben Seite zu sein, ganz anders als wenn sie sich ihm gegenüber gesetzt hätte. Miria Saionji: „Aber genug von Kyle Douglas. Wenn ihr beweisen wollt, welch guter, großherziger Mann ihr nun seid, könnt ihr ja gerne tun, was einige meiner Förderkader Untergebenen bereits als Option in die Welt gesetzt haben, um euren Sinneswandel zu beweisen. Ihr könnt euren Teil der Abmachung erfüllen ohne dass unser Teil der Abmachung erfüllt ist. Soll heißen: Ihr könntet mir… könntet uns, schöne, gut dotierte GFCW Verträge geben, auf dass wir nicht länger auf die Almosen einer Frau angewiesen sind, die ihr Feuer längst verloren hat und die ins Wrestling nur noch herzlich wenig investiert...“ Miria Saionji setzt ihr lieblichstes Lächeln auf. Ob Darragh jetzt einen Sinneswandel hat oder nicht, das ist ihr komplett egal, da muss man kein Psychologe sein, um das zu erkennen. Ihr geht es nur darum, dass sie von Darragh profitiert. Entweder indem sie an sein echtes neues Ich appelliert oder aber indem sie den alten, unveränderten, etwas vorspielenden Darragh so sehr unter Druck setzt, dass er lieber einlenkt und ihr ihren Willen gibt, ehe er Gefahr läuft ob Mirias Provokationen seine Fassade zu verlieren. Und Switzenberg? Der lehnt sich nach der „Bitte“ erst einmal zurück. Zu seinem neuen Ich gehört es offenbar auch, das Für und Wider einer Entscheidung abzuwägen und nicht aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Nachdem er nachdenklich die Tischplatte angestarrt hat, hebt sich sein Blick. Er sucht die Augen von Miria Saionji. Darragh Switzenberg: „Du hast Recht, Miria. Die LPG hat ihren Teil der Abmachung nicht erfüllt. Zac Alonso fuhr mit dem Titel zum Match bei New Level – und er fuhr mit dem Titel wieder heim. Ich erinnere mich noch, wie ich damals vor dem Fernseher geflucht habe. Darüber, wie ihr versagt habt. In diesem Moment habe ich mir geschworen, mir lieber die Hand zu brechen, als noch einmal einen Finger für deinen Vorteil oder den deiner Kolleginnen krumm zu machen.“ Klare Worte. Harte Worte. Es klingt nicht danach, als würde der Vertrag für Saionji in greifbarer Nähe liegen. Doch dann wird Switzenbergs Stimme weicher. Der Anflug eines Lächelns tritt in sein Gesicht. Darragh Switzenberg: „Doch ich verrate dir ein Geheimnis. Heute bin ich glücklich darüber, wie es gekommen ist. Ich war ein hasserfüllter Mann. Und mein Leben wäre keinen Deut besser dadurch gewesen, wenn ich diesen Hass durch die Hand von Milly Vermillion ausgelebt hätte. Der neue Darragh Switzenberg erkennt an, dass Zac Alonso aus sportlichen Gründen genau dort steht, wo er es verdient. Er hat mich besiegt, weil er der bessere Mann war. Glücklicherweise bin ich selbst in meinen schlechten Tagen nicht bis zum Äußersten gegangen, um daran etwas zu ändern.“ Die Ausführungen zu Alonso scheinen Miria nur am Rande zu interessieren. Es geht hier schließlich um sie, um ihre Verträge. Und dieser unverhohlenen Ungeduldigkeit erbarmt sich Switzenberg, indem er mit dem Finger auf die LPG-Anführerin deutet. Darragh Switzenberg: „Zurück zu dir: Du hast gesagt, du findest mich nicht mehr großartig. Du hältst mein neues Ich für ein Arschloch. Fragt man etwa so nach einem derart großen Gefallen, wie du es gerade tust, hm?“ Trotz des klaren Vorwurfs ist die Stimme des ehemaligen Switziverse-Anführers überraschend milde. Kommt da etwa doch etwas anderes als ein kategorisches „Nein“? Darragh Switzenberg: „Es ist eine schöne Sache, wenn man nicht mehr so selbstverliebt ist, dass man bei jeder Provokation an die Decke gehen muss. Wenn man keine Gedanken an Rache verschwenden muss. Du solltest es mal probieren in Zukunft, Miria. Dieses Respektvoll-sein ist keine Schwäche, sondern fühlt sich ziemlich gut an. Und deswegen kann ich unbeeinflusst auf die Fakten schauen, die über deinen Wunsch entscheiden sollten.“ Ganz kann er es trotz seiner Milde nicht lassen, sein Gegenüber mit einer dramatischen Pause auf die Folter zu spannen. Er grinst, als er sich erneut zurücklehnt und Saionji vor Ungeduld die Augen zusammenkneift. Darragh Switzenberg: „Die Fakten, die Fakten…wie lange ist die LPG nun in dieser Liga, hm? Mehr als ein Jahr sicherlich. Und euch ist beileibe nicht alles gelungen. Milly ist nicht Intercontinental-Champion geworden. Auch die Wyrms und die nordischen Schwestern tragen kein Gold um ihre Hüften. Ebensowenig Monica Shade. Und du, Miria, warst nur so lange ungeschlagen, bis sich dir der Mann in den Weg stellte, über den du eben so hergezogen hast. Man könnte sagen: Im Grunde habt ihr immer den Kürzeren gezogen, wenn es drauf ankam.“ Also wird es wohl nichts mit dem Vertrag. Oder? Darragh Switzenberg: „Du weißt, worum ich bei der GFCW-Galaxy und dieser Liga seit Monaten bettle: Dass man mir eine Chance gibt zu beweisen, dass ich jemand anderes geworden bin. Jemand Besseres. Alles, was ich will, ist es, diesen Neuanfang zu bekommen. Nicht an den Taten meiner Vergangenheit gemessen zu werden. Ich glaube…“ Plötzlich wird seine ernste Miene zu einem Grinsen. Darragh Switzenberg: „…ihr verdient diese Chance auch. Zu zeigen, dass ihr besser als die Niederlagen eurer Vergangenheit seid. Weißt du was? Ich gebe euch die Verträge.“ Das ging jetzt schnell. Eine Stille legt sich über den Catering-Bereich. Alles wartet darauf, dass ein „Aber“ folgt. Eine Bedingung. Es geht hier schließlich um Verträge für ein ganzes Stable! Doch Switzenberg antwortet auf die unausgesprochene Frage nach dem LPG-Teil der Abmachung, indem er abwehrend die Hände hebt. Darragh Switzenberg: „Ohne Gegenleistung. Nichts, nada. Ich will nicht, dass ihr mir dankt. Oder dass ihr etwas für mich tut. Ich will einfach nur, dass ihr der Galaxy beweist, dass ihr es wert seid.“ Auch wenn es Miria war, die eigentlich angespannt sein müsste, atmet Switzenberg nach seinem Monolog erleichtert aus. Dann zwinkert er der LPG-Vertreterin zu. Darragh Switzenberg: „Fühlt sich gut an, nett zu sein. Solltest du auch mal probieren, Miria. Es würde dir gut zu Gesicht stehen.“ Miria lächelt den Kanadier zuckersüß an. Miria Saionji: „Bei einem Gesicht wie dem meinigen steht mir alles gut zu Gesicht, besonders Ehrlichkeit. Und ich wage zu behaupten, dass es recht akkurat ist, jemanden ein Arschloch zu nennen, der auch nur in Frage stellt, dass wir von der LPG einen erheblichen Mehrwert für diese Promotion bieten und es folglich mehr als wert sind hier zu sein. „Nett“ ist das jedenfalls nicht.“ Miss Eternity erhebt sich von ihrem Sitzplatz. Sie hat, was sie wollte und hat keinen Grund länger zu bleiben. Klar, sie könnte jetzt Dankbarkeit heucheln, aber das würde voraussetzen, dass sie noch etwas von Darragh will oder zu bekommen hofft. Was nicht der Fall ist. ...oder doch? Sie hält inne und neigt sich dann zu Darragh, flüstert ihm förmlich ins Ohr. Zum Glück ist das Kameraequipment tiptop, sodass wir dennoch mithören können. Miria Saionji: „Ich bin übrigens immer nett, meine zahlreichen Verehrer werden das gerne bestätigen. Und egal, was ihr ob temporärer Rückschläge denken mögt: es ist sehr viel besser mein Freund zu sein, als mich zur Feindin zu haben… das wird Kyle Douglas noch früh genug spüren und Refuse to Age ebenso. Wenn ihr also mal wieder gegen diese Heuchler von falscher Ewigkeit kämpfen solltet und jemand tatsächlich zuverlässigen an eurer Seite benötigt, dann solltet ihr vielleicht darüber nachdenken, an wessen Seite ihr stehen könntet, wenn ihr doch nur anfangen würdet eure angebliche Nettigkeit auf jene anzuwenden, die Nettigkeiten auch verdienen…“ Und damit geht sie nun tatsächlich – fast zur Tür hinaus, aber dann fällt ihr ein, dass sie hier beim Catering ist und kostenlos Nahrung und Getränke mitnehmen kann. Weswegen sie ihre Richtung ändert und zur Theke geht, Darragh Switzenberg keinerlei weitere Beachtung schenkend. Der Kanadier schaut ihr nach. Nicht aus Interesse an ihrer Weiblichkeit, auch wenn man das nachvollziehen könnte. Es scheint, als würde Switzenberg vielmehr in Gedanken versunken sein. Die Frage, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat? Oder beschäftigt ihn etwas anderes? Vielleicht ja die Lösung seines Hauptproblems…
„I’m Alive“
Hätte Zac Alonso nicht schon vor mehreren Wochen seine neue Musik von Johnny Thunders eingeführt, wäre auch passend gewesen, es zu diesem Anlass zu tun: Denn dass der Intercontinental-Champion nach dem folgenden Aufeinandertreffen immer noch alive genug ist, um frohen Mutes nach Hause zu fahren, darf berechtigterweise angezweifelt werden. Es ist erste Kampf von Iray Burch nach Monaten. Ein Mann – wenn dieses Wort auf ein solches Monstrum denn zutreffen mag -, dessen Unberechenbarkeit gefürchtet ist. Doch wie sieht es erst mit monatelang aufgestauter Wut im Gepäck aus? Zac Alonso tritt an, um genau das herauszufinden. Der Champion marschiert langsamer als sonst zum Ring. Entgegen seiner positiven Ausstrahlung im Backstagebereich macht es doch etwas mit ihm, gegen den Unmensch Iray Burch antreten zu müssen. Er wirkt nicht verängstigt, doch für Kapriolen oder gar Scherze ist jetzt keine Zeit. Und so erlebt die Wiesbadener Halle einen nachdenklichen Alonso. Laura: „Auf dem Ring zum Ring. Aus Hollywood, Kalifornien. Mit einem Gewicht von 92 Kilogramm…“ Trotz aller Anspannung lässt Zac es sich nicht nehmen, zumindest etwas Show zu liefern. Zeitgleich mit Lauras unvergleichlicher Ansage löst er den Gürtel von den Hüften und schwingt ihn in fließender Bewegung über seinem Kopf. Der Ansatz eines Lächelns tritt in sein Gesicht. Laura: „…der Intercontinental-Champion…ZAC ALONSOOOOO!“ Zac nimmt Tempo auf, spurtet die letzten Schritte ins Squared Circle und slidet dann unter den Seilen auf die Matte. Offenbar ist es eine bewusste Entscheidung, ihn zuerst kommen zu lassen – wer weiß, was ein ungeduldiger Iray Burch angestellt hätte, wenn sein „Spielzeug“ schon da ist, die Glocke aber noch nicht geläutet hat. Doch so kann Alonso in relativer Sicherheit nacheinander auf zwei Ringecken steigen und sich und seinen Schatz präsentieren. Dann verklingt Johnny Thunders raue Stimme. Der Big Bad Bastard. Zu atonalen, schreienden Klängen, die nur entfernt an Musik erinnern, marschiert der Unmensch zum Ring. Iray Burch. Erstmals ohne Shelly Nafe. Seine Managerin, deren Demütigung vor offenen Kameras er nicht verhindern konnte. Ist sie deshalb nicht mehr an seiner Seite? Burchs kleine Augen sind auf Alonso geheftet, die Muskeln in seinem Gesicht spannen und lockern sich in rascher Folge. Sein Atem wird schneller. Er schwitzt, die Tropfen perlen sein fettiges Haar und den Bart hinab, dessen Borsten wie Draht abstehen. In den Reihen entlang der Rampe rümpfen manche Zuschauer angesichts seines Gestanks die Nase, andere werden von der denkwürdigen Gestalt, von diesem Unmensch, gleichermaßen fasziniert wie angeekelt, so dass sie ihren Blick nicht abwenden können. Laura: „Aus West Wendover, Nevada. Mit einem Gewicht von 133 Kilogramm…“ Sieben Kilo weniger als zuletzt. Die Schwäche nach dem Angriff von Refuse to Age und die Zeit im Krankenhaus haben körperliche Spuren hinterlassen. Auch das Gesicht scheint ein kleines bisschen schmaler geworden zu sein, man sieht den Ansatz von Wangenknochen. Burch ist weit davon entfernt, ein schlanker Mann zu sein – doch in der Pause hat er Masse gelassen. Laura: „…hier ist der Big Bad Bastard. Iray Buuuuuuurrrch!“ Während andere Wrestler beim Ausruf ihres Namen eine Jubelpose einnehmen oder zumindest die Hand zum Gruß heben, starrt Burch die Ansagerin an, als verstehe er nicht, was hier passiert. Unter seinem Starren scheint Lauras Unwohlsein von Sekunde zu Sekunde zuzunehmen. Ihr Hals verformt sich, als sie ihre Angst herunterschluckt. Als Burch über die Treppe in den Ring steigt und seine schweren Stiefel auf dem Metall durch die Halle tönen, legt Laura das Mikrofon auf der Matte ab und nimmt Reißaus. Burch ist angekommen. Er steht in der Ringmitte. In der Ecke wartet Zac Alonso. Doch zu seiner Überraschung – und jener sämtlicher Fans – geht Burch nicht sofort auf den Champion los. Fängt nicht sofort zu „spielen“ an, wie er es sagen würde. Sondern steuert… …auf Lauras zurückgelassenes Mikrofon zu. In Burchs Klauen wirkt der Schallverstärker wie ein Miniaturobjekt. Er hält das Mikrofon auf eine Weise, dass man denkt, er wisse nicht einmal, was er dort hat. Habe es nur aus tierischer Neugier aufgehoben. Doch dann führt der Big Bad Bastard das Mikrofon zum Mund. Iray Burch: „Wir werden gleich viel Spaß haben, Zac.“ Ein Schwenk zum Intercontinental Champion. Dieser steht in seiner Ecke, kneift die Augen zusammen. Die Anspannung ist zurück bei ihm. Und auf dem Höhepunkt. Iray Burch: „Doch zuvor möchte ich jemanden einladen.“ Burch leckt sich über Lippen. Dann dreht er sich schwerfällig um und starrt Richtung Rampe. Hebt einen Arm und deutet auf den Vorhang. Iray Burch: „Man hat gesagt, heute würde ich jemanden treffen. Jemand, der für mich bürgt. Jemand, der…mein Freund ist.“ Ob Ironie in Burchs Worten steckt, lässt sich unmöglich sagen. Seine Sprechweise ist ein unmelodischer Singsang. Er betont an unpassenden Stellen, wechselt von laut zu leise und zurück. Sprache ist kein Instrument, dass der Unmensch zu nutzen weiß. Jeder Satz klingt, als würde ein Wesen aus fremder Welt menschliche Worte imitieren, ohne sie verstehen. Iray Burch: „Es macht mich ungeduldig, dass ich seit Wochen warten muss. Es macht. Mich wütend.“ Er drückt das Mikrofon fester. Bis das Objekt beinahe völlig inmitten von Haut und Fleisch verschwindet. Iray Burch: „Ich möchte, dass mein neuer Freund jetzt herauskommt. Und dass er mir sagt, was sein Geschenk zu bedeuten hat.“ Geschenk. Ja, da war doch etwas. Burch greift mit seiner freien Hand an seinen Hals. Zieht an einem schwarzen Band. Und holt damit seinen Kettenanhänger hervor. In Form eines Kreuzes. Jenes Objekt, dass Dynamite ihm vom bis heute unbekannten Bürgen überreicht hat. Burch betrachtet die Kreuzkette emotionslos. Lässt sie durch seine Hand gleiten. Iray Burch: „Es erinnert mich an jemanden, den es nicht mehr gibt. An jemanden, mit dem ich schon genug gespielt habe. Er wird nicht wiederkommen. Und das lässt mich glauben, dass mein so genannter Bürge…“ Stoßhaftes Ausatmen bei Burch. Er macht immer wieder Redepausen, dehnt die Worte, zieht die Sätze auseinander. Iray Burch: „…vielleicht nicht mein Freund ist. Ein Freund würde sich nicht als jemand anderes ausgeben. Und ein Freund würde sein Gesicht zeigen. Also will ich nicht mehr warten.“ Er senkt das Mikrofon. Es ist gesagt, was gesagt werden muss. Dass Iray Burch ungeduldig dem Treffen mit dem Unbekannten harrt, ist bereits bekannt. Er hat nicht ohne Grund vor vier Wochen in einen Kampf eingegriffen und vor zwei Wochen den Backstage auseinandergenommen, ehe Dynamite nur mit dem Versprechen, der Bürge würde diesmal wirklich kommen, für brüchigen Frieden sorgen könnte. Doch nun will Burch Klarheit. Er will einen Auftritt. … … Und er muss warten. … … Und warten. Burch verzieht das Gesicht. Seine Nase verformt sich, die Züge im rundlichen Gesicht werden hart. Die Haut rötet sich. Wut und Ungeduld brechen sich Bann. … … Doch niemand kommt. Kein Bürge. Und damit keine Antwort. … … Jemand scheint mit dem Unmenschen zu spielen. Und das ist keine gute Nachricht für Zac Alonso. Genau in dem Moment, als Burch ein wütendes Grunzen von sich gibt, lässt Mike Kontrak die Ringglocke läuten.
In der Halle ist es still. Für einen kleinen Moment. Dann wird der Halle bewusst, was hier gerade passiert ist. Das Läuten der Ringglocke reißt das Publikum aus der Schockstarre. Der Kampf ist schon wieder vorbei. Und Zac Alonso hat gewonnen. Der Intercontinental Champion selbst scheint das Ergebnis noch gar nicht vollständig begriffen zu haben. Doch dann kommt die Erkenntnis. Und mit ihr der Instinkt. Er weiß, dass dies ein Geschehen ist, dass Iray Burch nicht akzeptieren wird. Nicht zwingend wegen des Ergebnisses, sondern weil ihm die Gelegenheit auf das genommen hat, was er seit Monaten vermisst hatte: Gewalt. Alonso rollt sich hastig aus dem Ring. Er will weg. Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein. Burch sitzt noch immer auf der Matte und schüttelt unmerklich seinen Kopf. Die Zuschauer sind fassungslos, und Mike Kontrak ist damit beschäftigt, den Ausgang des Matches zu bestätigen. Alonso schiebt sich unter dem untersten Seil hindurch, kommt auf die Beine und macht bereits die ersten Schritte in Richtung Rampe. Doch hinter ihm bewegt sich etwas. Burch. Der Unmensch hat seine Paralyse überwunden. Er greift durch die Seile. Seine Hand schließt sich um Alonsos Fuß. Burch zieht. Und Alonso muss zurück. Burch zieht ihn hoch, schleudert ihn zu Boden. Jetzt wird gespielt – und zwar nach Irays Regeln. Zac trommelt mit seinen Fäusten auf den Angreifer ein, doch die Schläge verklingen im Nichts. Ohne jedes Schmerzempfinden macht Iray weiter. Er zerrt Zac an den Haaren auf die Beine und umklammert ihn. Ein gewaltiger Bodyslam lässt die Matte erzittern. Alonso bleibt liegen. Burch steht über ihm. Sein Atem geht schwer, während er den regungslosen Champion betrachtet. Aber er wirkt…zufrieden. Endlich ist es wieder zurück. Dieses Gefühl von Macht. Die Gewalt. All seine Sehnsüchte werden gestillt. Er ist wieder, wer er immer war. Der Unmensch. Der Big Bad Bastars. Iray Burch. Dann setzt er einen Fuß auf Zacs Brust, doch das genügt ihm offenbar nicht. Der Stiefel wandert höher. Hin zu Alonsos Hals. Mit genussvoller Langsamkeit drückt Iray fester und fester zu. Der Champion beginnt sofort, sich zu winden. Seine Hände schießen nach oben und versuchen, Burchs Bein wegzudrücken. Doch der Big Bad Bastard legt mehr Gewicht rein. Der Kehlkopf des Champions wird unter der schweren Sohle des Stiefels zusammengedrückt. Mike Kontrak beweist mehr Mut als Verstand. Er atmet einmal tief durch, spannt dann seinen Körper an und marschiert auf die Szene zu. Der Ringrichter packt Burch am Arm. Burch dreht nur den Oberkörper und stößt Kontrak von sich. Der Ringrichter verliert das Gleichgewicht und bleibt auf der Matte liegen. Als wäre er eine Fliege gewesen. Pete: „Shit! Jemand muss Zac da rausholen. Sofort!“ Burch wendet sich wieder Alonso zu. Er löst seinen Fuß, doch legt mit seinen Händen nach, packt den Champion am Hals. Alonso bekommt kaum Gelegenheit, Luft zu holen, da wird er bereits auf die Beine gerissen. Und dann hebt Burch ihn hoch.
Choke Bomb!
Alonsos Rücken kracht auf die Matte, doch Burch lässt ihn nicht liegen. Er greift erneut nach ihm, zieht ihn wieder hoch und packt ihn ein zweites Mal am Hals. Eine exakte Kopie der vorherige Szene. Nur eine einzige, entscheidende Änderung gibt es. Diesmal schleudert er Alonso in die Ringecke.
Choke Bomb!
Zacs Körper prallt mit voller Wucht gegen die Polster. Er sackt zusammen und bleibt benommen in der Ecke liegen. Burch steht vor ihm. Einen Moment lang tut sich nichts. Hat Alonso es überstanden? Dann dreht sich der Big Bad Bastard um und rollt sich aus dem Ring. Es wird alles noch schlimmer. Er geht zur Ringtreppe. Mit beiden Händen greift er unter das obere Element und beginnt, daran zu reißen. Das Metall gibt zunächst keinen Millimeter nach. Burch setzt mehr Kraft ein. Dann löst sich die Treppe. Burch hebt sie an. 133 Kilogramm Körpergewicht und eine massive Metalltreppe in seinen Händen. Er dreht sich zum Ring, nimmt Anlauf und wirft das schwere Stück über die Seile. Die Ringtreppe schlägt auf der Matte auf. Es scheppert. Das Geräusch hallt durch die gesamte Halle. Burch steigt zurück in den Ring. Zac Alonso liegt noch immer in der Ringecke. Er hat sich kaum bewegt. Iray beugt sich hinunter und greift nach der Ringtreppe. Langsam hebt er sie an. Das Metall befindet sich nun über Alonso. Burch hält inne. Seine Arme spannen sich an. Dann holt er aus. Und genau in diesem Moment ertönt eine Stimme. … … … Dynamite: „Stop!“ Der Präsident steht auf der Rampe. Seine Miene ist sorgenvoll. Natürlich: Dort liegt einer seiner Titelträger, eines der Aushängeschilder dieser Liga. Und ist kurz vor der Vernichtung. Iray Burch: „NEIN.“ Zum ersten Mal hebt Burch seine Stimme. Es ist nicht nur der amelodische Singsang, sondern ein fester Schrei. Er denkt nicht daran, sich jetzt seinen Spaß nehmen zu lassen. Er ist im Rausch der Gewalt. Und hat nichts zu verlieren. Shelly Nafe hat ihn verlassen. Und der Bürge ist nie gekommen. Nun gibt es nur noch ihn. Er holt noch ein Stück mehr mit der Treppe aus. Zielt genau auf Zacs Kopf. Unheilvolles Schweigen legt sich in die Halle. Dynamite: „Iray.“ Ein letztes Mal dreht der Unmensch seinen Kopf in Richtung des Präsidenten. Aber jeder weiß: Keine Drohung wird ihn aufgehalten. Einem Iray Burch sind Konsequenzen egal. Der Präsident ist…machtlos. Iray Burch: „Du hast gelogen, als du sagtest, mein neuer Freund würde mich in 14 Tagen besuchen. 14 Tage ist heute! HEUTE!“ Noch immer ist die Treppe in der Luft. Iray Burch: „Gib es zu.“ Dynamite: „Ich habe dich angelogen.“ „OOOOOOOH!“ Er senkt seinen Kopf. Und sieht so nicht, wie ihn ein guter Teil der Halle fassungslos anstarrt. Dynamite: „Ich habe gelogen, um dich vor zwei Wochen vor weiterer Gewalt abzuhalten. Doch manchmal, Iray…“ Ruckartig reißt Dynamite seinen Kopf wieder hoch. Dynamite: „…wird aus Lüge Wahrheit.“ … … … Irritiert senkt Iray Burch die Ringtreppe. Nicht so weit, dass Alonso entkommen kann. Aber so weit, dass er sich umdrehen kann und mit verständnislosem Blick auf Dynamite zu blicken. Er hat keine Geduld für solche Spielchen. Und keine Zeit. Er bemerkt nicht den Mann, der hinter ihm in den Ring steigt. Pete: „Sven, ist das…ist das…?“ Burch scheint etwas zu spüren. Er lässt die Treppe nach außerhalb des Ringes fallen. Der Mann im Ring, dessen Erscheinen eine Ahnung heraufbeschworen hat – aufgrund einer Kapuze jedoch keine Gewissheit – nimmt das Scheppern ohne Regung hin. Burch dreht sich um. Der Mann nimmt seine Kapuze ab. … … … „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!“ Pete: „Endlich!“ … … … „WELCOME BACK!“ „WELCOME BACK!“ „WELCOME BACK!“ … … … Der Mann, der Iray Burch in die Augen starrt… …ist Rasmus Rantanen. „RAS-MUS!“ „RAS-MUS!“ „RAS-MUS!“ Sekundenlang blicken sich die Beiden an. Männer, die sich Schmerzen jenseits jeder Vorstellungskraft zugefügt haben. Sie haben sich zum Bluten gebracht. Und mit Gewalt Narben auf den Körper des Anderen gemalt. Nun deutet Rasmus Rantanen auf sein Gesicht. Rasmus Rantanen: „Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich mir in den vergangenen Monaten gewünscht habe, ich könne mir die Haut aus dem Gesicht reißen.“ Rantanens Lippen beben. Seine Stimme ist hart, jedes Wort wird einzeln hervorgepresst. Rasmus Rantanen: „Ich wünschte mir, ich könne aufhören, Rasmus Rantanen zu sein. Ich wollte, dass mich niemand mehr erkennt.“ Er senkt den Kopf Richtung Boden. Seine Augen, die von der Kamera eingefangen werden, blicken starr geradeaus. Ins Nichts. Rasmus Rantanen: „Und das liegt nicht an den Narben, die du hinterlassen hast. Nein. Sondern immer, wenn ich mich selbst im Spiegel sah, stand dort ein Mann…“ Langsam hebt Rantanen seinen Kopf wieder. Man sieht das gleiche Gesicht wie im letzten Jahr; einen jungen Mann, dessen Miene von rabenschwarzem Haar gerahmt wird. Doch etwas ist anders geworden. Eine andere Ernsthaftigkeit. Etwas, das dem Betrachter auch ohne Worte sagt, dass die Narben aus den Begegnungen mit Iray Burch nicht nur körperlich sind. Rasmus Rantanen: „…der versagt hatte und fallengelassen wurde. Von IHM!“ Der Kieler schreit das letzte Wort heraus. Er kneift seine Lider zusammen und zwinkert etwas aus den Augenwinkeln weg. Rasmus Rantanen: „Ich war doch sein Auserwählter. Ich war es, zu dem er sprach. Und ich war sicher, so scheißverdammt sicher, was er mir sagen wollte: Dass er mir die Kraft geben würde, dich zu vernichten. Mein Schicksal war es doch, das große Monster zu stürzen. Doch am Ende war ich es, der vor aller Augen vernichtet wurde.“ Da ist viel Leid zu hören. Viel Gebrochenheit. Mehr als ein Dreivierteljahr liegt Title Nights zurück, doch für Rantanen ist die Erinnerung noch frisch. Etwas, das ihn geprägt hat. Rasmus Rantanen: „Erst zweifelte ich an mir. Gab es etwas, womit ich IHN verärgert hatte?“ Schulterzucken. Nicht auf die lässige Art, sondern als Akt der Verzweiflung. Rantanen wischt sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Rasmus Rantanen: „Warum hatten meine Fäuste nicht die Kraft, dein Gesicht zu zermahlen? Warum waren meine Hände nicht stark genug, um dich zu würgen? Warum brachte meine Tritte dich nicht zu Fall? Die einzige Antwort, die ich fand: ER hatte Rasmus Rantanen verlassen. Und jeder hier konnte meinen Fall sehen.“ Er schaut auf, lässt seinen Blick über die Halle schweifen. Tausende Fans, die an seinen Lippen kleben. Doch es macht ihn nicht glücklich. Rasmus Rantanen wirkt, als vermöge nichts die Leere in seinem Inneren stillen. Rasmus Rantanen: „Ich war zuhause. Monatelang. Sprach mit Niemandem. Ungewaschen in der Dunkelheit. Alles, was ich tat, war zu zweifeln und mich selbst zu hassen. Und ich sah, wie du deinen Weg gegangen bist, Iray. Ich sah, wie das verdammte Monster, das mich zerstört hatte, unbesiegbar schien.“ Rantanen legt seinen Kopf schief. Beobachtet sein Gegenüber. Burch, dessen Stärke nicht Geduld ist, hört ihm aufmerksam zu. Aber wirkt, als könne er jeden Moment auf ihn losgehen. Die Lunte des Unmenschen ist kurz und die Überraschung über das Comeback Rasmus Rantanens ebbt langsam ab. Rasmus Rantanen: „Bis du auf The End getroffen bist.“ Burch grunzt. Da ist Zorn in seinem Gesicht. Er macht einen Schritt auf Rantanen zu. Will ihn bestrafen für die schmerzvolle Erinnerung. Rasmus Rantanen: „Warte.“ Der Kieler hebt eine Hand. Und aus irgendeinem Grund gehorch Burch. Er bleibt stehen. Rasmus Rantanen: „Als ich sah, was dir geschah, bildete sich ein neuer Gedanke in meinem Kopf. Erst konnte ich ihn nicht greifen. Es war nur eine Ahnung. Irgendwo ganz tief drin. Und dann kam…Refuse to Age.“ Irays Atem beschleunigt sich. Sein Geduldsfaden reißt. Rasmus Rantanen: „Du wurdest zerstört, Iray Burch. Die einzige Person, die dir vertraute, musste deinen Fall erleben. Und dann verließ sie sich. Ganz allein warst du in einem Krankenhaus. Nicht einmal stark genug, die Hand gegen jene zu erheben, die dir das angetan hatten.“ Der Kiefer des Big Bad Bastards beginnt zu mahlen. Ein langgezogenes Schnaufen entweicht ihm. Bilder, die er verdrängt hatte, kehren zurück. Rasmus Rantanen: „Genau dann, als du den schlimmsten Moment deines Lebens hattest, wurde meine dumpfe Ahnung zu einem klaren Gedanken. Er lautete: Was, wenn ER mich gar nicht verlassen hatte? Sondern wenn er stets an meiner Seite war…aber ich SEINEN Willen falsch verstand?“ Und dann passiert etwas Unerwartetes: Rantanen zeigt den Anflug eines Lächelns. Erleichterung tritt in seinen Blick. Rasmus Rantanen: „Ich begann zu verstehen, dass ich dich nicht vernichten konnte, weil es nicht mein Schicksal war, dich zu vernichten.“ Iray Burch: „Du hast noch eine Minute.“ Der Rückkehrer überhört die Anmerkung und fährt einfach fort. Legt sich eine Hand auf die Brust. Rasmus Rantanen: „Vielleicht ist es mein Schicksal…dich zu retten.“ Ein Raunen in der Halle. Was soll das bedeuten? Rasmus Rantanen: „Tief in dir bis du ein Mensch wie wir alle. Wie ich, wie er, wie sie. Du kannst leiden, du kannst Schmerzen erleben. Und das musstest du. Nicht nur gegen Refuse to Age. Sondern sicher hunderte Male zuvor. Um der zu werden, der du geworden bist.“ Burch grunzt. Dann wird er still. Und wendet sein Gesicht ab. Starrt zur Seite. Rasmus Rantanen: „Ich konnte dich nicht vernichten, weil ER dich nicht vernichtet wissen will. ER will, dass ich dir meine Hand reiche.“ Der Kieler setzt sich in Bewegung. Ohne Scheu, und vor den angespannten Blicken der Fans, geht er auf Burch zu. Er greift nach dem Band um Irays Hals. Und dieser…lässt es zu. Rantanen zieht am Band und holt den Kreuz-Anhänger hervor. Jenes Geschenk, dass er selbst – wie wir nun wissen – im Krankenhaus an Burch geschickt hatte. Dann zieht Rasmus seine eigene Kette hervor. Für einen Augenblick schauen beide Männer auf die Kreuze. Dann ertönt die rasselnde Stimme des Unmenschen. Iray Burch: „Du willst mein Freund sein, Rasmus Rantanen?“ Rasmus Rantanen: „Nenne es so, wenn du willst. Jetzt, wo Shelly Nafe dich verlassen hat, kannst du gut jemanden gebrauchen.“ Burch schweigt. Dann jedoch…schüttelt er seinen Kopf. Die Zuschauer raunen erneut. Grad schien es, als sei der Kieler zu seinem Gegenüber durchgedrungen, da macht eine einzige Geste alles hinfällig. Oder etwa nicht? Iray Burch: „Ich brauche keinen Freund wie dich. Dein Reden ermüdet mich. Du hast mir nichts anzubieten.“ Rasmus Rantanen: „Oh doch, das habe ich.“ Zum zweiten Mal in den vergangenen Minuten lächelt Rasmus. Es ist nicht das freche, unbeschwerte Grinsen seines jüngeren Ichs, vielmehr steckt etwas Gieriges und gleichsam Vorfreudiges darin. Rasmus Rantanen: „Etwas, das dir sehr gefallen wird. Eine Jagd.“ Iray Burch: „Eine Jagd?“ Rasmus Rantanen: „Auf jene, die deine Schale zu brechen wussten. Jene, die dich leiden ließen.“ Ohne, dass
er es aussprechen muss, kennen die Lippen in der Halle nur einen Namen. Iray Burch: „Dein Gott ist nicht so langweilig, wie ich dachte.“ Der Unmensch zögert. Dann jedoch hebt er seine fleischige Hand. Und legt sie auf die Kette. Rasmus Rantanen: „ER kann ein sehr strafender Gott sein. Und ER will, dass wir zusammen jagen.“ Der Kieler streckt eine Hand nach Iray Burch aus. Rasmus Rantanen: „Lass es mich dir zeigen.“ Und Iray Burch… … … …nickt ihm zu.
Danny Rickson: „Alle Sachen einpacken. Sofort!“ In einer fließenden Bewegung springt der Refuse to Age-Anführer auf, greift nach der Fernbedienung und schaltet das Gerät aus. Neben ihm, auf einem Ledersofa, sitzen Hollywood Jake und Robbin Zick. Beide haben angespannte Mienen, beißen sich auf die Lippen. Natürlich: Alle Drei haben gesehen, was gerade geschehen ist. Eine Jagd. Und sie sind die Beute. Danny Rickson: „Wir fahren sofort ab.“ Die Eile und Nachdrücklichkeit ihres Anführers erweckt Jake und Zick aus der Schreckstarre. Beide erheben sich vom Sofa. Fliehen. Klingt…naheliegend. Hektisch beginnen sie, ihre Sachen zusammenzuklauben, die in der Kabine verstreut sind und bewegen sich dann Richtung Tür. Auf halbem Weg nach draußen fällt Robbin Zick etwas auf. Robbin Zick: „Wartet mal.“ Danny Rickson: „Wir haben keine Zeit für Wartet mal, Robbin. Was ist los, verdammt?“ Er dreht den Kopf zu Hollywood Jake, der sich grad an ihm vorbeidrängelt und auf den Gang hinaustritt. Danny Rickson: „Lass schon mal den Wagen an, Jake.“ Der Riesaer macht nichts lieber als das. Denn das ist der erste Schritt, um der Jagd zu entkommen. Es bleiben Robbin Zick und Rickson in der Kabine zurück. Der Anführer starrt seinen Untergebenen immer noch verständnislos an. Danny Rickson: „Muss ich mich wiederholen? Was ist, Robbin?“ Robbin Zick: „Was machen wir hiermit? Ich kann sie ja nicht einfach in meine Hosentasche stecken.“ Der Anwerber von Refuse to Age hebt zwei Gegenstände hoch. Die, die dafür gesorgt haben, dass er nicht kopflos geflüchtet ist. Es sind zwei Blutdosen. Danny Rickson: „Halt sie einfach in der Hand. Und jetzt los. Raus!“ Rickson legt seine Hand auf Zicks Schulter und gibt ihm einen Stoß. Zick fallen fast die Konserven runter, doch er fängt sich (und die Konserven) im letzten Augenblick. Dann rennt er seinem Chef hinterher. Sie schließen zu Jake auf, der gerade einen Autoschlüssel aus den unübersichtlichen Innentaschen seines Pelzmantels zaubert und nervös versucht, das richtige Schloss zu finden. Immer wieder blicken sie sich um. Die Jagd hat begonnen. Auf sie. Robbin Zick: „Und was machen wir mit deinem R…“ Der Hannoveraner beißt sich auf die Zunge. Sein plötzliches Verstummen und ein Todesblick von Rickson machen deutlich, dass er beinahe etwas gesagt hat, dass er definitiv nicht hätte sagen dürfen. Zumindest nicht vor Kameras. Robbin Zick: „…mit dem Spender?“ Danny Rickson: „Wo ist er denn? Verdammt, Robbin. Wo ist er?“ Robbin Zick: „Noch im Medizinzimmer. Er fühlte sich nicht so gut nach der Blutabnahme und da…“ Danny Rickson: „Du hast ihn zurückgelassen?“ Robbin Zick: „Ich wusste ja nicht, dass…“ Weiter kommt er nicht. Denn Rickson packt und wirbelt ihn herum. Drückt ihn fest an die Karosserie des Autos. Zick bleibt die Luft weg, als er vom Rickson geschüttelt wird. Dannys Gesicht wird puterrot. Danny Rickson: „Lass ihn nie wieder zurück, verstanden?“ Robbin Zick: „Ich…kann…ihn…holen…wenn…“ Rickson lässt ihn los. Zick saugt gierig Luft ein, japst und fällt auf die Knie. Als sich Robbin aufrappelt, schüttelt Danny kurz, aber entschieden mit dem Kopf. Danny Rickson: „Er wird klarkommen.“ Hollywood Jake: „Ernsthaft?“ Danny Rickson: „Er ist gut. Und diese Monster kennen ihn nicht.“ Das ist ein anderer Rickson als der, der vor einer halben Minute körperlich übergriffig gegen den eigenen Kollegen wurde. Jetzt atmet Danny einmal tief durch. Öffnet dann die Tür des Firmenwagens von Refuse to Age und steigt auf dem Beifahrersitz ein. Danny Rickson: „Abfahrt. Sofort.“ Jake und Zick blicken sich kurz an. Dann folgen sie dem Befehl. Jake übernimmt das Steuer. Drückt das Gas durch – und rollt vom Parkplatz der Wiesbadener Halle. Der Wagen ist keine fünf Sekunden verschwunden, da betreten zwei Männer den Parkplatz und schauen ihnen enttäuscht nach. Es sind die Jäger. Rasmus Rantanen und Iray Burch.
Später am Abend. Eine Tür im Backstagebereich der GFCW. Neu daran befestigt ist ein kleines, schwarzes Schild.
AL SPAWN SIMMONS
Darunter, wesentlich kleiner:
THE APOCRYPHA
Die Tür öffnet sich. Eric Fletcher tritt ein. Noch immer ist er so genervt, dass er sich nicht einmal die Mühe macht, sich zu überlegen, wie er anderen Leuten sein heutiges Outfit beschreiben würde, was er sonst eigentlich ganz gerne macht. Er bleibt direkt stehen.
Das Büro sieht nicht aus, als wäre Al Spawn Simmons erst seit einigen Stunden hier. Dunkles Holz. Bücher. Akten. Gedämpftes Licht. An der Wand alte Fotografien aus der Geschichte der GFCW.
Unter anderem:
GFCW – FOUNDING MEMBERS – 2001
Hinter einem schweren Schreibtisch sitzt Al Spawn Simmons. Der Vertreter vom Nachmittag steht seitlich im Raum. Tha Bomb sitzt lässig auf einem Stuhl. Titan steht unweit von ihm. Thor lehnt mit verschränkten Armen an der Wand. Odin betrachtet eine der alten Fotografien. Die gesamte Apocrypha ist anwesend. Simmons hebt den Blick.
Al Spawn Simmons: „Mister Fletcher.“
Fletcher schließt die Tür hinter sich.
Eric Fletcher: „Jaja, hatte ich heute schon. Ich komme im Auftrag von Claude. Kannst mich auch seinen Vertreter nennen.“
Jetzt wird Simmons aufmerksam. Fletcher bleibt stehen.
Vertreter Fletcher: „Er möchte wissen, was du vorhast.“
Simmons lehnt sich langsam zurück.
Al Spawn Simmons: „Dynamite möchte wissen, was ich vorhabe.“
Ein kleines Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Dann hätte Claude mich fragen können.“
Vertreter Fletcher: „Ich bin der Commissioner dieser Liga. Also fragt er durch mich.“
Tha Bomb murmelt von der Seite.
Tha Bomb: „Fängt ja gut an.“
Titan sagt nichts. Simmons hingegen betrachtet Fletcher lange. Dann erhebt er sich.
Al Spawn Simmons: „Was ich vorhabe?“
Langsam geht er um den Schreibtisch herum.
Al Spawn Simmons: „Ich sehe mir an, was aus der GFCW geworden ist.“
Fletcher verschränkt die Arme, muss sogar mal Luft durch die Nase stoßen, wird es jetzt vielleicht doch amüsanter?
Vertreter Fletcher: „Das tust du seit Wochen.“
Al Spawn Simmons: „Nein.“
Simmons bleibt stehen.
Al Spawn Simmons: „Bisher habe ich mir die Wrestler angesehen.“
Er deutet beiläufig in Richtung Halle.
Al Spawn Simmons: „Nun sehe ich mir die GFCW an.“
Fletcher runzelt die Stirn.
Vertreter Fletcher: „Das heißt?“
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Dass Sie alle einen fundamentalen Irrtum begangen haben.“
Eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Sie glauben, die Prüfung beträfe ausschließlich die Menschen im Ring.“
Simmons schüttelt langsam den Kopf.
Al Spawn Simmons: „Wrestler werden geprüft.“
Ein Schritt.
Al Spawn Simmons: „Ringrichter werden geprüft.“
Noch einer.
Al Spawn Simmons: „Kommentatoren. Interviewer. Produktion. Sicherheitskräfte. Medizinisches Personal.“
Dann bleibt er vor Fletcher stehen.
Al Spawn Simmons: „Funktionäre.“
Fletcher versteht die Betonung sehr genau. Simmons lässt seinen Blick auf ihm ruhen.
Al Spawn Simmons: „Jeder Mensch, der für diese Liga arbeitet, steht auf dem Prüfstand.“
Fletcher lacht kurz und trocken auf, dann schüttelt er den Kopf.
Vertreter Fletcher: „Macht ihr eine Ausbildung beim TÜV? Du hast doch überhaupt keine Befugnis, Mitarbeiter zu prüfen.“
Der Vertreter, also der von Simmons, bewegt sich leicht. Simmons hebt jedoch einen Finger. Noch nicht.
Al Spawn Simmons: „Sie missverstehen die Prüfung, Mister Fletcher.“
Er geht zurück zum Schreibtisch.
Al Spawn Simmons: „Ich suche nicht nach Menschen, die mir gefallen.“
Ein kurzer Blick zu Tha Bomb. Bomb grinst.
Al Spawn Simmons: „Meinungsverschiedenheiten sind kein Fehler.“
Simmons legt beide Hände auf die Tischplatte.
Al Spawn Simmons: „Unterschiedliche Vorstellungen sind kein Fehler.“
Dann sieht er wieder zu Fletcher.
Al Spawn Simmons: „Aber Inkompetenz.“
Eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Nachlässigkeit.“
Noch eine.
Al Spawn Simmons: „Menschen, die ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.“
Das Lächeln verschwindet.
Al Spawn Simmons: „Das sind Fehler.“
Fletcher bleibt unbeeindruckt und nickt nur theatralisch
Vertreter Fletcher: „Und was machst du, wenn du glaubst, einen gefunden zu haben?“
Simmons antwortet sofort.
Al Spawn Simmons: „Ich behebe ihn.“
Stille. Fletcher lacht ungläubig.
Vertreter Fletcher: „Du behebst ihn.“
Al Spawn Simmons: „Unverzüglich.“
Jetzt reicht es Fletcher.
Vertreter Fletcher: „Wer zum Teufel glaubst du eigentlich, wer du bist?!“
Tha Bomb richtet sich etwas auf. Thor löst sich von der Wand Titan beobachtet. Odin dreht langsam den Kopf. Doch Simmons bleibt vollkommen ruhig.
Vertreter Fletcher: „Du tauchst nach all den Jahren hier auf, stellst Möbel auf unsere Bühne, beanspruchst Kamerateams, richtest dir ein verdammtes Büro ein und erklärst jetzt sämtliche Angestellten der GFCW zu deinen Versuchskaninchen!“
Ein Schritt auf Simmons zu.
Vertreter Fletcher: „Dynamite hat diese Liga geführt!“
Simmons’ Gesicht verändert sich.
Vertreter Fletcher: „Das hier ist seine Liga!“
Stille. Simmons sieht Fletcher an. Lange. Dann:
Al Spawn Simmons: „Nein.“
Nur dieses eine Wort. Eins, das Augenrollen bei Fletcher auslöst. So murmelt er etwas schwerer hörbar in sich hinein.
Vertreter Fletcher: „Geht das schon wieder los.“
Der Vertreter öffnet seine Ledermappe. Diesmal zieht er ein Dokument heraus. Er legt es vor Eric Fletcher auf den Schreibtisch.
Vertreter: „Gründungsvertrag der German Fantasy Championship Wrestling.“
Fletcher schaut hinunter.
Vertreter: „2001.“
Simmons tritt an die Seite des Schreibtisches.
Al Spawn Simmons: „Claude und ich haben diese Liga gemeinsam gegründet.“
Fletcher blickt auf das Dokument.
Al Spawn Simmons: „Und wir haben damals dafür gesorgt, dass niemand dem anderen jemals nehmen kann, was wir gemeinsam erschaffen haben.“
Simmons tippt mit dem Finger auf eine Passage.
Al Spawn Simmons: „Fünfzig Prozent für Claude Dynamite Booker.“
Der Finger wandert weiter.
Al Spawn Simmons: „Fünfzig Prozent für Al Spawn Simmons.“
Fletcher liest. Sein Gesicht wird ernster. Simmons lässt ihm Zeit. Dann spricht er weiter. Sehr ruhig.
Al Spawn Simmons: „Solange wir leben.“
Fletcher hebt langsam den Kopf. Simmons steht direkt vor ihm.
Al Spawn Simmons: „Sie wollten wissen, was ich mir erlaube, Mister Fletcher.“
Eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Ich erlaube mir überhaupt nichts.“
Das teuflische Lächeln kehrt zurück.
Al Spawn Simmons: „Ich besitze fünfzig Prozent dieser Liga.“
Stille. Tha Bombs Augen wandern zum Vertrag. Dann zu Simmons.
Tha Bomb: „Fünfzig Prozent?“
Simmons blickt zu ihm. Bomb deutet einmal um sich herum.
Tha Bomb: „Von dem ganzen Laden?“
Al Spawn Simmons: „Ja.“
Bomb schaut zu Titan.
Tha Bomb: „Dat hätt der vielleicht mal erwähnen können.“
Titan zuckt mit den Schultern.
Titan: „Du hast nicht gefragt.“
Bomb schaut ihn an.
Tha Bomb: „Du wusstest dat doch auch nich.“
Titan überlegt kurz.
Titan: „Trotzdem.“
Bomb schüttelt den Kopf.
Tha Bomb: „Bekloppter Verein.“
Doch Simmons hat Eric Fletcher nicht aus den Augen gelassen.
Al Spawn Simmons: „Richten Sie Claude etwas von mir aus.“
Fletcher schweigt.
Al Spawn Simmons: „Ich bin nicht zurückgekehrt, um ihm seine Hälfte der GFCW wegzunehmen.“
Eine kleine Pause.
Al Spawn Simmons: „Ich bin zurückgekehrt, weil ich lange genug zugesehen habe, was mit meiner Hälfte geschehen ist.“
Jetzt verschwindet das Lächeln.
Al Spawn Simmons: „Und damit ist Schluss.“
Fletcher blickt noch einmal auf den Vertrag. Dann zu Simmons.
Vertreter Fletcher: „Dynamite wird darauf antworten.“
Simmons nickt langsam.
Al Spawn Simmons: „Das hoffe ich.“
Fletcher dreht sich zur Tür. Kurz bevor er sie erreicht:
Al Spawn Simmons: „Mister Fletcher.“
Fletcher bleibt stehen.
Al Spawn Simmons: „Noch etwas.“
Eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Wenn Sie Claude berichten, dass von nun an jeder Mitarbeiter der GFCW geprüft wird…“
Fletcher dreht sich langsam wieder um. Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „…vergessen Sie nicht, sich selbst mit aufzuzählen.“
Ein langer Blick zwischen den beiden Männern. Dann öffnet Fletcher die Tür.
Vertreter Fletcher: „Pass lieber auf, dass deine Prüfung nicht bei dir selbst anfängt.“
Für einen Augenblick herrscht Stille. Dann lächelt Simmons noch etwas breiter.
Al Spawn Simmons: „Mister Fletcher…“
Er setzt sich langsam wieder hinter seinen Schreibtisch.
Al Spawn Simmons: „Meine hat vor fünfundzwanzig Jahren begonnen.“
Fletcher verschwindet und schlägt die Tür hinter sich zu. Simmons bleibt sitzen. Vor ihm liegt der Gründungsvertrag.
Seine Unterschrift. Claudes Unterschrift.
Fünfzig Prozent.
Tha Bomb betrachtet das Papier noch einmal.
Tha Bomb: „Fünfzig Prozent…“
Titan seufzt.
Titan: „Du wirst das jetzt den ganzen Abend sagen, oder?“
Bomb schaut ihn an.
Tha Bomb: „Mindestens.“
Thor schnaubt. Odin wendet sich wieder der alten Fotografie aus dem Jahr 2001 zu. Simmons lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Das Lächeln verschwindet.
Al Spawn Simmons: „Die Wrestler wissen bereits, dass sie geprüft werden.“
Sein Blick wandert zur geschlossenen Tür.
Al Spawn Simmons: „Jetzt weiß es auch der Rest.“
Eine Pause.
Al Spawn Simmons: „Und die Prüfung hat längst begonnen.“
Mit einem freudigen Lächeln begrüßt uns Tammy, die wie gewohnt vor einer Interviewwand steht und ein Mikrophon in den Händen hält, auf dem wiederum das Logo der GFCW deutlich zu erkennen ist. Rechts und Links neben unser allseits beliebten Reporterin sehen wir Gold blitzen – und dieses Gold ist dem geneigten Zuschauer fast so vertraut wie Tammy, denn schnell sind die glänzenden Metallteile als Gürtel ausgemacht und ebenso geschwind als GFCW Tag Team Titelgürtel erkannt.
Tammy: „Neben mir stehen die amtierenden GFCW Tag Team Champions, die Mad Stars, die heute vor ihrer zweiten Titelverteidigung stehen. Nach dem Gewinn der Tag Team Titel bei Conquista wurden die beiden von The Apocrypha attackiert, heute könnte also die Zeit für Rache sein. Wie muss der heutige Main Event laufen, damit diese gelingt?“
Sie richtet das Mikro zum Night Fighter, der bereits seine Wrestlinghose trägt. Jenes schwarze Ringgear, welches im Mad Stars Look seinen Namen als orangenen Schriftzug sowie das Mad Stars Logo ziert. Der Oberkörper ist noch mit dem klassischen „Unbekannte Konstante“ T-Shirt verdeckt, doch über der Schulter des Veteranen ruht bereits das Tag Team Gold, welches heute Abend erneut auf dem Spiel steht.
Mad Dog: „Spätestens bei Conquista und gegen Mixed Devotion haben Stella und ich gezeigt, wie gut wir im Ring harmonieren und dass wir unsere individuelle Klasse auch im Teamwrestling auf die Bretter bringen. Durch die vielen gemeinsamen Trainingseinheiten bin mir sicher, dass wir dieses Niveau auch heute erreichen und damit T&B auf ihre Plätze verweisen… Es muss heute also nichts anders laufen – wir müssen lediglich unser Potential abrufen, Titan und Tha Bomb schlagen und damit dem grässlichen Spuk, den The Apocrypha in der GFCW verbreiten will, den Wind aus den Segeln nehmen.“
Das GFCW Urgestein nickt und wendet sich dem weiblichen Part der Mad Stars zu.
Tammy: „Doch allein auf euer Können habt ihr auch bei der Wahl der Matchart nicht verlassen wollen. Wir bekommen heute ein Lumberjackmatch zu sehen – auf der Seite von Apocrypha werden sicherlich Thor und Odin zu sehen sein. Wer aber steht auf eurer Seite?“
Lautstarker Jubel bestätigt diese Aussage des Leitsterns.
Einen Moment stehen die Worte von Stella Nova und Mad Dog im Raum, dann hebt Tammy noch einmal das Mikrophon zum Mund.
Tammy: „Beim Main Event werden wir sehen, wer dem gerade gehörten Aufruf der GFCW Tag Team Champions folgt und wer sich als Lumberjack um den Ring einfinden wird. Viel spannender wird dann allerdings die Frage, wer Wiesbaden heute Abend als Tag Team Champion verlassen wird. Sind es die Mad Stars oder sind es Titan & Tha Bomb?! Das alles heute Abend im Hauptmatch von War Evening – bis es soweit ist, gibt es allerdings noch andere Programmpunkte. Und deswegen gebe ich jetzt zurück zur Regie.“
Sven: „Es ist Zeit für den Main Event… und dafür wird nun der Vorhang beiseitegeschoben!“
Und da wird der Jubel in der Halle auch schon lauter, denn Zereo Killer ist der Erste, der zum Ring kommt. Zwar trägt MacKenzie sein schwarzes Ringoutfit, doch er humpelt weiterhin und trägt immer noch eine Kopfbandage. Sein Facepainting fehlt zudem… Hinter ihm reihen sich die Damen von LPG ein – die Black Wyrms, Milly Vermillion und Skadi & Idunn, die nordischen Schwestern begeben sich ebenfalls zum Ring. Mit etwas Abstand folgen Bella Venera und Iokepa sowie die Birdie Boys und Sandro. Doch noch immer ist die Riege an Wrestling Superstars nicht vollständig, die sich heute Abend um den Ring verteilen. Jona Pexianer erscheint ebenso und ein weiterer Mann schließt sich dem Weg aus dem Locker Room an.
Sven: „Wer ist das denn?“
Pete: „Mein Sohn.“
Sven: „Doch nicht die Pfeife. Ich meine den Mann dahinter!“
Pete: „Das ist der Mann, den wir eben ankommen gesehen haben… vielleicht der Neuling, dessen Ankunft von offizieller Seite angekündigt wurde?“
Während sich die Lumberjacks und -jaquelines um den Ring verteilen, ertönt endlich die Musik der Tag Team Champions, die heute – warum auch immer – zuerst zum Ring kommen.
Lynyrd Skynyrd - Still Unbroken [OFFICIAL VIDEO] - YouTube
Nur Sekunden nachdem die Musik anfing, treten die GFCW Tag-Team Champions, die Mad Stars, gemeinschaftlich durch den Vorhang. Mad Dog trägt das Mad Stars Logo auf den Hosenbeinen und trägt seine orangenen Stiefeln mit schwarzen Schnüren, Stella Nova wiederum mit weniger Orange und viel mehr Schwarz auf ihrem kometenhaften Schurz und knappen Top mit Sternausschnitt, auf dessen Rückseite ebenso das Mad Stars Logo zu sehen ist. Um ihre Hüften liegt der begehrte Preis des heutigen Abends: die GFCW Tag Team Championship. Wie sich die große, vernarbte Töle mit den wilden, schwarzen Haaren in Bewegung setzt, beginnt auch zeitgleich der Leitstern mit den massiven, schwarz-orangenen Flechtzöpfen den eleganten Tanzschritt gen Ring – visuell kontrastreich und doch im Gleichschritt. Laura: „Auf dem Weg zum Ring, aus Berlin, Deutschland sowie aus Delhi, Indien – die GFCW TAG TEAM CHAMPIONS… Mad Dog… Stella Nova… DIE MAD STARS!!!“ Die Fansrufe wiederholen nun unweigerlich „Mad Stars“! Die beiden erklimmen den Apron, Mad Dog die Atmosphäre inhalierend, Stella posierend, dann schlüpfen sie abermals synchron durch die Seile und stehen nun im Ring und warten auf die Herausforderer.
Das Licht im Friedrich-von-Thiersch-Saal erlischt nicht einfach. Es zieht sich zurück. Reihe um Reihe versinkt das prachtvolle Innere des Kurhauses in Dunkelheit, bis von den goldenen Verzierungen, den hohen Säulen und den schweren Kronleuchtern nur noch vereinzelte Konturen übrigbleiben. Selbst die Geräuschkulisse der zweitausend Zuschauer verändert sich. Das Stimmengewirr wird leiser, gespannter. Die GFCW kennt inzwischen diese Dunkelheit. Und sie weiß, was danach kommt. Auf dem Titantron entsteht langsam das Zeichen von The Apocrypha.
Keine grelle Animation. Kein Feuerwerk. Nur das Symbol. Darunter erscheinen die Worte:
WIR SIND DAS FUNDAMENT.
Dann setzt die Musik ein. Schwer. Düster. Beinahe feierlich. Und aus der Dunkelheit treten fünf Männer.
Tha Bomb. Titan. Thor. Odin. Al Spawn Simmons.
Sie bleiben oben auf der Bühne stehen. Nebeneinander – und doch nicht ganz. Tha Bomb und Titan stehen etwas weiter vorne. Thor und Odin hinter ihnen. Al Spawn Simmons leicht versetzt, als müsse er gar nicht Teil der Formation sein, um zu bestimmen, was sie bedeutet.
Keiner hebt die Arme. Keiner fordert Reaktionen. Keiner brüllt in die Menge.
The Apocrypha braucht diese Dinge nicht mehr.
Die Reaktion kommt trotzdem.
Pfiffe, Buhrufe, vereinzelte Beschimpfungen. Irgendwo in den vorderen Reihen wird ihnen etwas entgegengerufen.
Tha Bomb dreht nicht einmal den Kopf.
Sven: „Und da sind sie. T’n’B haben heute die Chance, erneut GFCW Tag Team Champions zu werden – und natürlich kommen sie nicht allein.“ Pete: „Das da ist inzwischen mehr als Begleitung, Sven. Wenn The Apocrypha gemeinsam erscheint, sieht das jedes Mal ein bisschen weniger nach einer Wrestling-Gruppierung aus.“ Sven: „Und wonach sieht es für dich aus?“ Pete lässt sich mit seiner Antwort einen Moment Zeit. Pete: „Nach Leuten, die glauben, dass ihnen der Laden bereits gehört.“
Oben setzt sich Tha Bomb in Bewegung. Keine Absprache ist notwendig. Titan folgt ihm. Die beiden Veteranen beginnen ihren Weg zum Ring, während Thor und Odin einige Schritte hinter ihnen bleiben. Doch plötzlich geschieht etwas Merkwürdiges. Thor und Odin bleiben stehen.
Auch Simmons geht nicht weiter. Tha Bomb bemerkt es natürlich. Er schaut allerdings nicht zurück. Titan ebenso wenig. T’n’B gehen weiter.
Denn was immer Simmons dort oben vorhat – ihr Geschäft wartet im Ring.
Die Kamera bleibt auf der Bühne. Dort steht seit Beginn der Show ein Tisch. Bislang war er kaum mehr als ein ungewöhnliches Detail gewesen. Ein ausgesprochen edles, dunkles Möbelstück an einer Stelle, an der bei einer Wrestlingshow eigentlich kein solcher Tisch stehen sollte. Zwei schwere Stühle befinden sich dahinter. Kleine Lampen. Zwei Gläser Wasser. Mehrere dunkle Mappen.
Und vor allem:
Von dort oben hat man einen nahezu perfekten Blick auf den Ring, die Rampe und die Bereiche, in denen sich die Lumberjacks aufhalten werden.
Nun treten zwei Männer aus dem Hintergrund. Und sofort wird deutlich, dass sie keine Wrestler sind.
Der erste ist älter, schlank, mit streng zurückgekämmtem Haar und einer schmalen Brille. Der zweite einige Jahre jünger und ebenso unscheinbar gebaut. Keine breiten Schultern. Keine Narben. Keine Hände, die aussehen, als hätten sie ihr Leben lang zugeschlagen.
Trotzdem passen sie erschreckend gut hierher.
Maßgeschneiderte dunkle Kleidung. Schwarz und Anthrazit, unterbrochen von sparsamen violetten und silbernen Details. Am Revers jeweils ein kleines Zeichen.
The Apocrypha. Keine Fans. Keine Gäste. Sie gehören dazu.
Sven: „Moment.“ Auch Pete scheint nun genauer hinzusehen. Sven: „Wer zum Teufel sind die beiden?“
Simmons tritt zwischen sie. Thor und Odin stehen einige Meter entfernt und warten. Dann beginnt Al Spawn Simmons zu sprechen.
Wir hören kein Wort.
Die Kamera zoomt heran, doch Simmons spricht bewusst leise. Er deutet zunächst hinunter zum Ring. Dann zu den Lumberjacks. Ein Fingerzeig in Richtung Zuschauer. Noch einige Worte. Der ältere Mann nickt lediglich. Der jüngere öffnet seine Mappe. Simmons fährt fort. Fast wirkt es wie die Einweisung zweier Mitarbeiter vor Beginn ihrer Schicht. Nur dass niemand weiß, worin diese Arbeit besteht. Schließlich legt Simmons seine Hand auf die Schulter des älteren Mannes. Dann auf die des jüngeren.
Ein letztes Wort. Beide setzen sich. Der jüngere nimmt einen Stift zur Hand. Der ältere tut überhaupt nichts.
Er beobachtet.
Pete: „Jetzt verstehe ich langsam, warum dieser Tisch den ganzen Abend dort steht.“ Sven: „Ich noch nicht.“ Pete: „Simmons erzählt uns seit Wochen, The Apocrypha würde die GFCW prüfen. Wrestler. Mitarbeiter. Eigentlich jeden, der Teil dieser Liga ist.“ Die Kamera zeigt den jüngeren Mann. Er schreibt etwas. Dann wieder den älteren. Seine Augen folgen gerade einem der Lumberjacks. Pete: „Ich glaube, wir sehen hier zwei Herren von The Apocrypha, die genau das tun.“ Sven: „Was? Leute bewerten?!“ Pete: „Prüfen.“
Ein einziges Wort. Und plötzlich klingt der Tisch dort oben wesentlich unangenehmer. Simmons richtet seine Manschetten. Dann dreht er sich um.
Thor sieht kurz zu ihm. Odin ebenfalls. Simmons nickt.
Mehr braucht es offenbar nicht. Thor und Odin setzen ihren Weg zum Ring fort. Al Spawn Simmons dagegen verschwindet hinter dem Vorhang.
Sven: „Simmons geht?!“ Pete: „Offensichtlich.“ Sven: „Das ist ein Tag Team Title Match! T’n’B kämpfen gleich um Gold und Simmons verschwindet Backstage?“ Pete schaut wieder zu den beiden Männern am Tisch. Pete: „Vielleicht hat er seine Augen längst hiergelassen.“
Unten an der Rampe haben Thor und Odin mittlerweile zu T’n’B aufgeschlossen. Die Stimmung verändert sich. Denn dort wartet der Ring. Dort warten die Mad Stars. Und dort wartet das Gold. Tha Bomb bleibt vor dem Apron stehen. Zum ersten Mal seit seinem Erscheinen scheint ihn überhaupt etwas wirklich zu interessieren.
Seine Augen wandern zu den GFCW Tag Team Titeln. Ein Grinsen zieht sich über sein Gesicht.
Dann blickt er nach links. Lumberjacks. Nach rechts.
Noch mehr Lumberjacks.
Die GFCW hat den Ring praktisch mit menschlichen Barrikaden umstellt. Bomb schnaubt.
Tha Bomb: „Ganz schön viel Personal für zwei Gürtel.“ Titan lässt seinen Blick ebenfalls einmal um den Ring wandern. Titan: „Sicher ist sicher.“ Bomb sieht seinen Partner an. Dann deutet er nach draußen. Tha Bomb: „Hömma. Die stehen draußen.“ Sein Finger zeigt anschließend in den Ring.
Mad Stars.
Tha Bomb: „Die stehen drin.“ Dann deutet er auf Titan und sich selbst. Tha Bomb: „Wir auch.“ Das Grinsen verschwindet. Tha Bomb: „Reicht mir.“ Titan nickt. Natürlich reicht das.
Diese beiden Männer haben schon miteinander gekämpft, als viele der Leute rings um diesen Ring noch nicht einmal Teil der GFCW waren. Tha Bomb steigt auf den Apron. Titan folgt.
Hinter ihnen bleiben Thor und Odin zurück.
Thor verschränkt die Arme vor seiner Brust. Seine Augen wandern über den Ring, dann über die Lumberjacks. Für einen winzigen Moment bleiben sie irgendwo hängen.
Doch er sagt nichts. Odin steht neben ihm. Ruhig. Fast erschreckend ruhig. Keine Einmischung. Keine Drohung. Noch nicht.
T’n’B steigen in den Ring. Jetzt stehen sie den Mad Stars gegenüber. Und plötzlich wirkt all das andere unwichtig.
Simmons.
Die beiden Männer auf der Bühne.
Thor. Odin. The Apocrypha.
Für einen Augenblick existieren nur vier Wrestler und zwei Gürtel.
Tha Bomb betrachtet das Gold Dann schaut er zu Titan. Titan erwidert seinen Blick. Kein Faustschlag. Keine große Pose.
Nur dieses kurze Nicken zweier Männer, die sich seit Jahrzehnten kennen. Heute sind sie nicht zuerst Apocrypha. Heute sind sie wieder das, was sie schon waren, lange bevor irgendjemand diesen Namen kannte.
Die Kamera fährt langsam zurück.
Mad Stars und T’n’B im Ring.
Die Lumberjacks darum herum. Thor und Odin mittendrin. Und weit über ihnen, auf der Bühne, sitzen die beiden unbekannten Herren an ihrem Tisch.
Der Jüngere schreibt. Der Ältere beobachtet.
Sven: „Thor und Odin am Ring. Zwei unbekannte Apocrypha-Leute auf der Bühne. Al Simmons irgendwo Backstage… Ich habe das ungute Gefühl, dass hier gerade mehr passiert als ein Tag Team Title Match.“ Pete: „Dann hoffen wir, dass es bei einem Gefühl bleibt.“
Der ältere Mann am Tisch lehnt sich ein kleines Stück nach vorne. Sein Blick ruht auf dem Ring. Dann ertönt die Glocke. Und während Mad Stars gegen T’n’B beginnt, erscheint hoch über ihnen noch einmal das Symbol.
THE APOCRYPHA
WIR SIND DAS FUNDAMENT
Titan stellt den Stuhl neben Mad Dog ab. Tha Bomb beginnt, den Tisch in der Mitte des Rings aufzubauen. Odin und Thor schicken The Priest durch die Absperrung! Dann schieben sie weitere Waffen unter den Seilen hindurch. Titan klemmt Mad Dogs Bein in einen Stuhl und Tha Bomb springt mit einem brutalen Splash darauf! Die Töle schreit auf, doch T&B lassen nicht von ihr ab. Gemeinsam zerren sie MD hoch und hämmern ihn mit einer Double Powerbomb auf den aufgestellten Tisch, der unter seinem Körper zusammenbricht! Stella springt Tha Bomb auf den Rücken, wird von diesem jedoch gepackt und über die Schulter nach vorn geschleudert. Titan fängt sie ab und rammt sie mit einem Spinebuster direkt auf Mad Dog! Draußen ist wieder eine Prügelei in Gang, in die auch Thor und Odin verstrickt sind. Im Ring stehen T&B über den reglosen Mad Stars und feiern ihre Zerstörung. Pete: „Warte! Was ist das???“ Plötzlich rollt sich Zereo Killer in den Ring, wirft die Bandage von seinem Kopf und schickt Tha Bomb mit einer Clothesline über das oberste Seile und auch Titan, der zuerst einen Dropkick von ZK fressen musste, fliegt jetzt über das oberste Seile! Thor starrt verdutzt in den Ring, als sich Mike MacKenzie unter dem Jubel der Fans zur Ringecke begibt und seinen Schädel mehrmals gegen den Ringpfosten hämmert. Sven: „Ist der irre?“ Die Fans sind voll aus dem Häuschen. Niemanden hält es mehr auf den Sitzen. Draußen sind noch immer alle ineinander verkeilt und diesen Moment nutzt Zereo Killer. Er hechtet aufs Top Rope und springt!!! Pete: „SENTON BOMB AUF ALLE!!!“ Sven: „ER REISST SIE ALLE ZU BODEN!!“ Die Fans sind außer sich! MacKenzie steht auf und nimmt die Beine in die Hand! Er flüchtet zu Laura und nimmt sich einen Schallwandler.
Zereo Killer: „Hey Apocrypha!!!“
Er atmet schwer durch, lächelt aber! Seine Zereo Army rastet komplett aus und chanten YOU ARE STILL HERE!!!
Zereo Killer: „Ihr Arschlöcher!!!“
Brüllt er in das Mikrofon und versucht somit die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen!
Zereo Killer: „Ich bin nicht verletzt, nicht ansatzweise! Ich war angeschlagen, ja!!! Aber merkt euch eins: Am Gefährlichsten wird man, wenn die Lage aussichtslos erscheint, wenn man Dinge verloren hat, wenn man sich in die Ecke gedrängt fühlt! Oh ja, ich fühlte mich unsicher, in die Ecke gedrängt!!! Doch ich bin jetzt hier und hab euch überrascht!!!“
Die Jubelrufe werden immer lauter und breiten sich aus wie Lauffeuer. Inzwischen kommen eine ganze Menge an Security Männern in die Halle und treten zwischen die ehemaligen Lumberjacks. MacKenzie blickt in Richtung Ring, sieht, wie Thor langsam auf die Beine kommt und ihn anstarrt.
Zereo Killer: „Find ich super, dass du zu mir blickst, du Riesenhaufen Scheiße! Ich habe ein Angebot für dich!“
Thor mustert ZK und würde ihn am Liebsten in Stücke reißen!
Zereo Killer: „Du kannst deine Jagd beginnen! Und du musst gar nicht lange suchen! Ich fordere dich für kommende War Evening zu einem Singles Match heraus!“
Sein Publikum steht wie ein Mann hinter ihm, er fühlt sich angetrieben von der Kraft seiner Crowd!
Zereo Killer: „Und das war noch nicht alles! Ich fordere ebenfalls The Apocrypha beim kommenden PPV zu einem Match heraus!“
Ist er wahnsinnig??? Hat er nichts gelernt? Hat er doch zu viele Schläge auf den Kopf abbekommen?
Zereo Killer: „So weit so gut! Kommen wir zum Singles Match gegen dich, falls du keine Angst hast, es anzunehmen! Wenn ich gewinnen sollte, dann scheidest du für das Match beim PPV aus, dann knüpfe ich mir lediglich die anderen drei Idioten vor!!!“
Die Securitys geleiten die teils wüste schimpfenden zerstrittenen Parteien heraus, Thor und Odin haben sich indes in den Ring zu T&B begeben, während die Mad Stars ebenfalls von Securitys geschützt werden. Thor deutet auf ZK. Auch ohne Mikrofon kann man ihn verstehen, dass er die Herausforderung annimmt!!
MacKenzie nickt lächelnd.
Zereo Killer: „Sehr gut! Dann kümmere ich mich zuerst darum, dass ich Thor fertig mache, und danach darum, dass ich mit den Mad Stars den Rest von Apocrypha ausschalten werde!!! Ich werde den Mad Stars klar machen, dass ein gemeinsamer Feind vereint!!!“
Wow! Wenn der Plan aufgeht, und Zereo Killer gegen Thor gewinnen sollte, dann wäre es beim PPV ein 3 vs. 3!!!
Die Worte hallen durch den Friedrich-von-Thiersch-Saal.
Zereo Killer steht am Zeitnehmertisch, schwer atmend, aber mit diesem breiten Lächeln im Gesicht. Die Kopfbandage, die ihn den gesamten Abend über als vermeintlich angeschlagenen Mann ausgewiesen hatte, ist längst Geschichte. Irgendwo dort unten liegt sie zwischen Ring, Absperrung und den Spuren des Chaos, das MacKenzie mit seiner irrsinnigen Aktion nahezu beendet hat.
Die Zuschauer feiern ihn dafür.
YOU ARE STILL HERE!
YOU ARE STILL HERE!
YOU ARE STILL HERE!
Zereo lässt den Blick zum Ring schweifen. Dort steht:
The Apocrypha. Zereo wartet. Vielleicht auf Wut.
Vielleicht auf den Moment, in dem Thor endgültig die Beherrschung verliert. Vielleicht auf irgendein Zeichen dafür, dass seine Worte angekommen sind.
Dann geschieht etwas.
Jemand lacht.
Zunächst geht das Geräusch beinahe im Lärm der zweitausend Zuschauer unter.
Doch es wird lauter. Tiefer. Thor richtet sich zwischen den anderen Männern vollständig auf. Sein Blick findet Zereo Killer auf der Bühne. Dann legt der Hüne den Kopf zurück. Und lacht.
Nicht dieses kurze, künstliche Lachen eines Mannes, der demonstrieren möchte, dass ihn etwas nicht getroffen hat.
Thor findet das wirklich lustig. Zereo Killer hat ihn beleidigt. Hat ihm erklärt, dass seine Jagd beginnen könne. Hat ihn zu einem Singles Match herausgefordert.
Und anschließend bereits vor der gesamten GFCW verkündet, was geschehen wird, nachdem er Thor besiegt hat. Der Nordmann kann sich kaum einkriegen.
Sven: „Der lacht?!“
Pete: „Zereo Killer hat gerade angekündigt, Thor nächste War Evening zu besiegen und ihn damit aus dem Match beim Pay-per-View zu entfernen.“
Thor breitet die Arme aus.
Thor: „DU?!“
Das Wort donnert durch die Halle. Wieder lacht er.
Thor: „Du willst MICH aus dem Weg räumen?!“
Er zeigt mit dem Finger hinauf zur Bühne.
Thor: „DU?!“
Inzwischen haben auch die anderen Mitglieder von The Apocrypha begriffen, was ihren Kameraden derart amüsiert.
Tha Bomb richtet sich auf. Titan steht einige Meter von ihm entfernt. Odin daneben.
Und während Zereo Killer offenbar damit gerechnet hat, mit seiner Herausforderung einen Nerv getroffen zu haben, breitet sich etwas vollkommen anderes unter The Apocrypha aus.
Tha Bomb grinst. Titan schüttelt langsam den Kopf.
Selbst in Odins sonst so unbewegter Miene lässt sich für einen kurzen Moment etwas erkennen, das beinahe als Amüsement durchgehen könnte.
Thor wischt sich mit einer Hand über den Mund. Langsam bekommt er sein Lachen wieder unter Kontrolle.
Thor: „Du hast dich zwei Wochen lang versteckt.“
Das Grinsen bleibt.
Thor: „Du bist durch diese Hallen gehumpelt. Hast deinen Kopf verbunden. Hast dich angefasst, als würde jede Bewegung wehtun.“
Ein langsames Nicken.
Thor: „Du hast gewartet, bis wir glauben, dass du kaum noch stehen kannst.“
Noch einmal nickt Thor.
Diesmal beinahe anerkennend.
Thor: „Gut.“
Das Wort klingt überraschend ehrlich. Dann zeigt er erneut auf MacKenzie.
Thor: „Und jetzt stehst du da oben und glaubst, weil du mich einmal überrascht hast, kannst du mich besiegen?“
Ein letztes, kurzes Lachen. Thor schüttelt den Kopf.
Thor: „MacKenzie…“
Jetzt verschwindet das Lächeln. Der Gesichtsausdruck verändert sich. Keine Wut. Etwas Schlimmeres. Vorfreude.
Thor: „Steh nächste War Evening einfach wieder auf.“
Eine Pause. Das Lächeln kehrt zurück.
Thor: „Mehr verlange ich nicht.“
Die Reaktion der Zuschauer folgt unmittelbar. Zereos Anhänger versuchen Thor niederzubrüllen, doch der Hüne scheint den Lärm kaum wahrzunehmen.
Dann drängt sich Tha Bomb ein Stück nach vorne. Er wirkt nicht einmal sonderlich wütend.
Eher wie jemand, dem gerade eine ziemlich gute Geschichte erzählt wurde, bei der lediglich die Pointe nicht ganz funktioniert.
Tha Bomb: „Hömma, MacKenzie!“
Zereo richtet seine Aufmerksamkeit auf ihn. Bomb deutet hinunter zu ihm.
Tha Bomb: „Ich muss dir eins lassen.“
Eine kurze Pause.
Tha Bomb: „Die Nummer mit der Bandage war gut.“
Titan blickt zu seinem Partner. Tha Bomb beginnt, Zereos Auftritt mit übertriebener Ernsthaftigkeit nachzuahmen.
Tha Bomb: „Bissken humpeln. Bissken den Kopf festhalten. Immer schön vorsichtig gucken.“
Er verzieht das Gesicht zu einer leidenden Grimasse.
Tha Bomb: „Alle machen sich Sorgen um den armen Zereo. Bloß nich anfassen. Der fällt ja gleich auseinander.“
Das Grinsen kehrt zurück. Dann klatscht Bomb langsam in die Hände Einmal. Zweimal. Dreimal.
Tha Bomb: „Und dann… Überraschung.“
Er nickt.
Tha Bomb: „Hat funktioniert.“
Titan tritt neben ihn.
Titan: „Hat es.“
Keine Ironie. Keine Ausrede.
The Apocrypha wurde überrascht.
Bomb zuckt mit den Schultern.
Tha Bomb: „Aber dann…“
Er zeigt auf das Mikrofon in Zereos Hand.
Tha Bomb: „…haste dir dat Ding geschnappt und uns erklärt, wat jetzt alles passieren wird.“
Bomb hebt die Hand und zählt an den Fingern ab.
Tha Bomb: „Erst schlägste Thor.“
Ein Finger.
Tha Bomb: „Dann fliegt Thor aus deinem großen PPV-Match.“
Der zweite.
Tha Bomb: „Dann holste Mad Stars dazu.“
Der dritte.
Tha Bomb: „Und dann macht ihr drei uns fertig.“
Bomb betrachtet seine Finger.
Dann Zereo. Dann Titan.
Tha Bomb: „Dat is der Plan?“
Titan schaut seinen Partner an. Einige Sekunden vergehen.
Titan: „Tja.“
Bomb grinst bereits.
Titan: „Schlechte Idee.“
Thor beginnt erneut zu lachen. Doch diesmal bewegt sich Odin. Nur einen Schritt. Mehr braucht der ehemalige God of Asgard nicht, um die Aufmerksamkeit seiner Kameraden zu bekommen. Seine Augen ruhen auf Zereo Killer.
Odin: „Er glaubt daran.“
Tha Bomb schaut zu ihm.
Tha Bomb: „Dat macht’s ja noch lustiger.“
Odin dreht den Kopf zu Bomb.
Odin: „Das meinte ich nicht.“
Bombs Grinsen wird etwas kleiner. Odin blickt wieder zur Bühne.
Odin: „Er glaubt wirklich, dass er Thor schlagen kann.“
Für einen Augenblick wird es auch innerhalb von The Apocrypha ruhiger. Thor sieht zu seinem alten Weggefährten. Dann wieder zu Zereo. Das Grinsen wird breiter.
Thor: „Das hoffe ich.“
Odin hebt leicht eine Augenbraue.
Thor: „Ich will keinen Mann, der bereits weiß, dass er verliert.“
Seine Augen bleiben auf MacKenzie gerichtet.
Thor: „Ich will genau den da.“
Eine eigenartige Form von Anerkennung. Nicht die Anerkennung eines Gleichwertigen. Eher die eines Raubtiers, das gerade festgestellt hat, dass seine Beute tatsächlich noch laufen kann. Und dann beginnt jemand zu applaudieren.
Langsam. Bedächtig.
Al Spawn Simmons.
Während die anderen gekämpft haben, hat Simmons sich aus dem körperlichen Chaos herausgehalten.
Natürlich.
Sein Anzug sitzt nicht mehr ganz so makellos wie zu Beginn des Abends, doch verglichen mit den Wrestlern um ihn herum wirkt er beinahe grotesk unberührt.
Er applaudiert Zereo Killer. Einmal. Zweimal.
Dann lässt er die Hände sinken.
Al Spawn Simmons: „Bravo, Mister MacKenzie.“
Tha Bomb rollt mit den Augen.
Der Professor hat das Wort.
Al Spawn Simmons: „Nein. Wirklich.“
Simmons betrachtet den Mann auf der Bühne.
Al Spawn Simmons: „Sie haben uns getäuscht.“
Keine Ausrede.
Al Spawn Simmons: „Sie haben Schmerzen dargestellt. Schwäche demonstriert. Sie haben uns glauben lassen, dass unser letzter gemeinsamer Abend größere Spuren hinterlassen hätte, als dies tatsächlich der Fall war.“
Ein anerkennendes Nicken.
Al Spawn Simmons: „Und wir haben Ihnen geglaubt.“
Simmons lächelt.
Al Spawn Simmons: „Für einen kurzen Augenblick waren Sie uns einen Schritt voraus.“
Er lässt die Aussage stehen. Kein Aber. Noch nicht.
Al Spawn Simmons: „Offenbar hat Ihnen dieses Gefühl ausgesprochen gut gefallen.“
Das Lächeln verändert sich. Wird kälter.
Al Spawn Simmons: „Denn anschließend haben Sie sich ein Mikrofon genommen…“
Er deutet auf Zereo.
Al Spawn Simmons: „…und uns freundlicherweise Ihren gesamten Plan erklärt.“
Bomb kann sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen. Simmons beginnt aufzuzählen.
Al Spawn Simmons: „Thor besiegen.“
Thor grinst.
Al Spawn Simmons: „Thor aus dem Match beim Pay-per-View entfernen.“
Thor schüttelt lachend den Kopf.
Al Spawn Simmons: „Mad Stars überzeugen.“
Bomb schaut kurz zu Titan.
Al Spawn Simmons: „Und anschließend The Apocrypha besiegen.“
Stille innerhalb der Gruppe. Simmons dreht langsam den Kopf und betrachtet seine Leute.
Tha Bomb. Titan. Thor. Odin.
Niemand wirkt nervös. Niemand diskutiert. Niemand fragt, wie man Zereos Plan verhindern könnte.
Simmons wendet sich wieder MacKenzie zu.
Al Spawn Simmons: „Sie sehen, Mister MacKenzie…“
Die Stimme wird ruhiger.
Al Spawn Simmons: „…niemand hier hat Angst vor Ihrem Plan.“
Tha Bomb hebt eine Hand.
Tha Bomb: „Al.“
Simmons verstummt. Bomb tritt nach vorne.
Tha Bomb: „Genug von dem Prüfungsscheiß.“
Simmons wirft ihm einen Seitenblick zu, sagt aber nichts. Bomb schaut zunächst zu Zereo. Dann wandern seine Augen in Richtung der Mad Stars, die sich aus dem Ring begeben haben und in der Nähe von Mike MacKenzie ihre Wunden lecken. Schließlich schaut Bomb zu den GFCW Tag Team Titeln. Für einen Moment verschwindet der gesamte Humor aus seinem Gesicht.
Tha Bomb: „Titan und ich hatten heute ’n Match.“
Titan stellt sich neben seinen Partner.
Tha Bomb: „Um die Tag-Team-Gürtel.“
Sein Blick bleibt auf dem Gold.
Tha Bomb: „Dat is noch nicht erledigt.“
Keine große Drohung. Kein philosophischer Unterbau. Nur eine Feststellung. T’n’B sind mit Mad Stars noch nicht fertig. Dann deutet Bomb auf Thor.
Tha Bomb: „Du willst MacKenzie?“
Thor muss keine Sekunde überlegen.
Thor: „Ja.“
Tha Bomb nickt.
Tha Bomb: „Dann gehört er dir.“
Simmons sagt nichts. Odin sagt nichts. Es gibt keine Abstimmung. Bomb hat entschieden. Thor dreht den Kopf wieder zur Bühne. Und sein Gesicht verrät, wie sehr ihm diese Entscheidung gefällt. Tha Bomb blickt ebenfalls hinauf.
Tha Bomb: „Und du, MacKenzie…“
Da ist es wieder. Dieses arrogante Ruhrpott-Grinsen.
Tha Bomb: „Kannste deinen Plan genauso machen.“
Er zählt noch einmal beiläufig auf.
Tha Bomb: „Thor schlagen.“
Ein Schulterzucken.
Tha Bomb: „Mad Stars einsammeln.“
Noch eines.
Tha Bomb: „Beim PPV den großen Helden spielen und uns alle fertigmachen.“
Bomb breitet die Arme aus.
Tha Bomb: „Kannste machen.“
Titan grinst. Thor wartet. Odin beobachtet. Simmons lächelt. Tha Bomb sieht Zereo Killer direkt an.
Tha Bomb: „Bringt dir nur nix.“
Für einen Moment stehen sich beide Seiten über die Distanz hinweg gegenüber. The Apocrypha und Zereo Killer mit den wütenden Mad Stars.
Und die zweitausend Zuschauer im Friedrich-von-Thiersch-Saal peitschen die Stimmung an.
Die GFCW-Galaxy ist ausgelaugt, aber glücklich. Das chaotische Lumberjack-Match hat alles geboten, was sie sich gewünscht hatten. So viele Wrestler gleichzeitig im Ring. So viel Wirrwarr, so viel Action. Und dann noch um den Titel. Mit lächelnden Gesichtern machen sich die ersten Zuschauer auf, um zu den Ausgängen zu strömen. Man wartet nur noch auf das Outro, die Abmoderation durch Pete und Sven. Zur allgemeinen Überraschung jedoch ertönt über die Boxen nicht die Stimme des Kommentatorenduos… …sondern „Conquest of Paradise“. :
Pete: „Darragh Switzenberg? Jetzt noch?“
Nicht, dass die Galaxy sich nicht freut, dass noch ein Programmpunkt ansteht. Doch genau wie der Kommentator sind die meisten Fans verwirrt. Switzenberg war schon oft genug zu sehen heute. Zuletzt Gespräch mit Miria Saionji, als großzügiger Gönner für die gesamte LPG. Doch eben auch als Reizfigur, an der sich der Zorn von Aldo Nero abgearbeitet hat. Der Darragh Switzenberg, der jetzt durch den Vorhang schreitet, wirkt nachdenklich. Das Hochgefühl, dass ihm seine Großzügigkeit früher am Abend verliehen hat, ist wieder abhandengekommen. Er blickt mit demselben Ernst in die Kamera, den er auch zeigte, als Aldo Nero ihm das Vertrauen kündigte. Ihm vorwarf, bewusst einen Streit zwischen Aldo und The End anzetteln zu wollen.
Darragh Switzenberg: „Wiesbaden, schenkt mir noch ein paar Minuten.“
Er tritt über die Treppe in den Ring, nimmt direkt Aufstellung und führt das Mikrofon zurück an den Mund. Nach einem großen Auftritt und Inszenierung ist ihm nicht zumute.
Darragh Switzenberg: „Ich werde jetzt nicht jeden einzelnen Mann, jede Frau und jedes Kind hier in diesem Publikum fragen, was ihr von mir haltet. Denn ich kann es mir denken. Unter euch sind viele, die mit der gleichen Skepsis auf mich blicken, wie es seit meinem dummen Fehler vor zwei Wochen jetzt auch wieder Aldo Nero tut. Oder The End. Oder viele andere dort hinten im Backstage.“
Ein Seufzen. Switzenberg schüttelt den Kopf.
Darragh Switzenberg: „Es ermüdet mich langsam. Ich habe das Gefühl, dass auf jeden Schritt vorwärts, mir einen Neustart zu erarbeiten, zwei oder drei Schritte zurück folgen. Als ich zurückgekommen bin, hat man mir nicht getraut und das verstehe ich vollkommen. Doch jetzt sind Monate vergangen und trotzdem scheint jeder nur darauf zu warten, dass ich irgendwem irgendwann ein Messer in den Rücken ramme.“
Trotz der gewählten Worte klingt Switzenberg nicht wehleidig. Nur erschöpft. Passend dazu lehnt er sich über die Ringseile.
Darragh Switzenberg: „Ich will einfach nur ein normaler Wrestler sein, der nach dem Hier und Jetzt bewertet wird. Ich will einen Neustart. Aber wie soll das gelingen? Was soll ich noch tun, hm?“
Schulterzucken. Jedoch: Trotz der ratlosen Geste verrät seine Stimmlage, dass er eine Antwort hat.
Darragh Switzenberg: „Ich habe bei Conquista Refuse to Age bekämpft und es war nicht genug, um alle zu überzeugen. Vor zwei Wochen war ich erneut an der Seite von The End und Aldo Nero…und seitdem ist der Zweifel an mir schlimmer denn je. Warum…“
Für Switzenberg geht es zurück in die Ringmitte. Er lässt seinen Blick durch den Saal schweifen.
Darragh Switzenberg: „…kann ich nicht einfach ein normaler Wrestler sein?“
Eine rhetorische Frage. Auf die Switzenberg eine überraschende Antwort findet.
Darragh Switzenberg: „Weil ich es – verdammt nochmal – nicht bin.“
Ist das etwa…ein Rückfall in alte Zeiten? Ein selbstherrliches Statement mit Switziverse-Anklang? Doch danach klingt Darraghs Stimme nicht. Er scheint etwas hinzufügen zu wollen. Es gibt da etwas, das Erklärung bedarf.
Darragh Switzenberg: „Und darauf – auf diese Erkenntnis - hat mich vorhin ein Gespräch gebracht, dass ich nicht einmal führen wollte. Als ich im Catering saß, kam Miria Saionji zu mir und…nun, ihr habt es selbst gesehen. In dem Moment, wo sie mich bat, der gesamten LPG Verträge zu geben, lag es allein an mir, eine so weitreichende Entscheidung zu treffen, wie es vielleicht nie zuvor ein Wrestler in dieser Promotion tun konnte. An meinem Ja oder meinem Nein hing das Schicksal von sieben Frauen. Eine unglaubliche Macht. Klingt das nach einem normalen Wrestler?“
Das „Nein“ auf diese – abermals rhetorische – Frage ist so offensichtlich, dass es von einigen Zuschauern tatsächlich reingerufen wird. Darragh nimmt einem mit dem Anflug eines Lächelns auf.
Darragh Switzenberg: „Eben. Ich bin nicht normal. Ich bin ein Sonderfall. Und genau deshalb…“
Wieder ein Blick durch die Halle. Er läuft im Ring hin und her, sucht nach den richtigen Worten.
Darragh Switzenberg: „…kann ich verstehen, wenn man mir nicht vertraut. Ich habe die Macht, mit meinen Sonderregeln theoretisch jegliche Kritik an mir zu unterdrücken. Ich kann monatelang in Urlaub gehen und mich einfach fürstlich weiterbezahlen lassen, wenn es mir zu dumm wird. Vor allem – und das ist entscheidend – könnte ich mir jederzeit ein neues Switziverse zusammenstellen. Ich könnte mit einem Fingerschnipps Verträge vergeben, so wie ich es vorhin bei der LPG gemacht habe. Nur diesmal für ein Team von willfährigen Helfern, die meine Feinde in Staub verwandeln. Ich könnte Aldo Nero und The End vernichten lassen, ohne mir die Finger schmutzig zu machen.“
Durchatmen. Switzenberg senkt den Kopf. Fährt leiser fort.
Darragh Switzenberg: „Aber das will ich nicht. Weil ich…weil ich nicht mehr so bin. Das Switziverse ist tot. Und das ist gut so. Ich will ein Wrestler sein. Der wahre Darragh Switzenberg.“
Ruckartig reißt der Kanadier seinen Kopf wieder hoch. Schaut mit bedeutungsschwerer Miene und Gravitas in der Körperhaltung ins Publikum.
Darragh Switzenberg: „Aus diesem Grund gibt es nur eine Entscheidung. Es ist der letzte und der ultimative Beweis, den ich erbringen kann, um zu beweisen, wie ernst es mir mit diesem Wandel ist. Ich bin der neue Darragh Switzenberg und…“
Er schluckt.
Darragh Switzenberg: „…ich gebe mit sofortiger Wirkung sämtliche Sonderregeln auf, die mir zustehen.“
Ein Raunen geht durch die Halle. Auch wenn vor zwei Wochen bereits die Kritikklausel für Pete und Sven gefallen ist, so ist diese Entscheidung von enormer Bedeutung. Fast zwei Jahre befand sich die GFCW in einem Klammergriff, aus dem nicht einmal Dyes beste Anwälte sie befreien konnte. Und mit einem Mal ist alles vorbei.
Darragh Switzenberg: „Mehr kann ich euch nicht geben. Das ist das ultimative Opfer, das ich für einen Neuanfang erbringen kann. Nun bin ich einfach nur noch Darragh Switzenberg. Ein ganz normaler Wrestler.“
Er breitet die Arme aus. Und lächelt.
Darragh Switzenberg: „Es fühlt sich unglaublich gut an.“
… … …
… und es scheint, dass die Show noch immer nicht vorbei ist, denn nach diesen überraschenden Worten von Darragh Switzenberg schalten wir noch einmal Backstage zu einem gewissen Champion, der sich diese Worte genauso angesehen hat, wie wir alle. The End. Man merkt an dessen Mimik und Gestik durchaus, dass sich die Paranoia, die wir schon im Gespräch mit Aldo abschließend gehört haben, nicht gänzlich verflogen ist. Wer weiß, vielleicht hat er auch das Aufeinandertreffen von Aldo und Darragh mitbekommen, indem Aldo mit seiner Gleichgültigkeit untermauert hat, dass er, wenn er einen Schritt auf The End zumacht und der diesen nicht entgegnet, dieses Vorhaben eben einfach abbricht. Und jetzt kommt Switzenberg mit dieser Aktion, seinem „ultimativen Opfer“, was die Karten nochmal neu mischt. Das macht es alles nicht unbedingt einfacher für The End. Zu all dem kommt hinzu, dass es durchaus sein könnte, dass ich The End diesmal mit seiner Herausforderung ein wenig übernommen hat. Er steht in Gedanken versunken mit dem Blick auf den Titan Tron gerichtet da und so bemerkt er nicht einmal, dass sich Tammy annähert.
Tammy: „Na Champ, was halten wir davon?“
End wird ruckartig aus seiner Trance gerissen, sogar minimal leicht erschrocken schaut er zu Tammy, als wäre er hier von einem Feind überrascht und müsse erstmal realisieren, dass das kein tatsächlicher Feind ist, sondern nur Tammy. Dabei entgeht aber nicht gänzlich, dass sie – wie schon vor zwei Wochen angesprochen – erneut eine recht „frech formulierte“ Frage stellt, doch diesmal ist in Ends Kopf zu viel los, als, dass er darauf reagieren könnte. Diesmal ist sein Fokus ein anderer. Nur was? Er sammelt sich kurz, wirkt nach wie vor leicht paranoid, sogar etwas nervös. Was soll er noch glauben? Ist Switzenberg gut oder böse, Freund oder Feind? Meint es Aldo tatsächlich ernst oder spielt er das corleonsche Spiel seines Vaters weiter? Hätte er den Three Way Dance nicht vorschlagen dürfen? Wackelt sein Fundament als Top-Champ der Liga etwa? Sein Blick ist finster. Er hält die Fasson.
Tammy: „Nun, bitte verzeih mir Champion, aber alles, was Aldo heute wollte, war Frieden mit dir zu schließen und vor zwei Wochen hat er abermals auf euren familiären Hintergrund verwiesen. Und Darragh Switzenberg hat soeben den größtmöglichen Dienst an der GFCW erwiesen, den er nur erweisen kann, indem er sie von seinen Sonderregeln befreit hat. Wenn du mich fragst… wirken beide nicht wie Feinde der GFCW.“
Wieder trifft Tammy einen Punkt bei The End und wieder reagiert er dabei nicht so dominant wie vor zwei Wochen. Man spürt, dass es in The End arbeitet.
The End: „Aber sie sind… meine Feinde.“
Mit den Gedanken sicher woanders, gibt The End hier wohlmöglich sogar etwas zu viel preis, nämlich, dass es ihm – wie es Aldo zuvor gesagt hat – am Ende des Tages eben doch nicht um die Liga, sondern nur um sich selbst geht. Ohne weiter auf Tammy zu reagieren, läuft er davon, wobei die Kamera ihn noch etwas begleitet. Er geht einige Schritte weiter, bleibt noch einmal kurz stehen, um innezuhalten und über das nachzudenken, was Tammy da gerade gesagt hat. Und auch, wenn er es nicht direkt ausspricht, steht ihm eine Frage im Gesicht geschrieben, die an seine letztgesprochenen Worte anknüpft und einmal mehr an seiner Mimik abzulesen ist. ‚Oder?‘
The End ist verschwunden. Und damit doch nun wirklich der letzte Grund für die GFCW-Kameras, weiter zu filmen. Oder etwa nicht? Wäre da nicht der Klang von Stöckelschuhen, der den gesamten Backstagebereich erfüllt. Und so ist es für die Regie nicht schwer, jemanden auszumachen. Eine Frau – die auf dem Ring Richtung Umkleidekabinen ist. … Es ist Shelly Nafe. Die Managerin merkt nicht, dass die gefilmt wird. Sie dreht sich nicht zur Kamera um. Ihr schneller Gang kennt nur ein einziges Ziel. Sie ignoriert all die Kabinen links und rechts von ihr. Sie sucht nur eine ganz bestimmte Kabine. Nur ein Ort ist ihr jetzt gut genug. Und dann klopft sie. … … Bei Aldo Nero.
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