|
Im Lockerroom sehen wir nun Tommy Qurashi, der das eben gesehene Match natürlich mit einem speziellen professionellen Blick beobachtet hat. Aus zwei Gründen: Zum einen aufgrund seiner Rivalität mit Caracal Matthews, die nach Carnival of Combat noch nicht ganz ausgestanden ist. Zum anderen aber auch aus der Perspektive, dass er bald bei der Jason Crutch-Invitational erneut auf Matthews treffen wird. Aber angesichts des Matchverlaufes gab es nicht viel zu scouten.
Ein zartes Klopfen durchbricht die Stille. Qurashi schaut zur Tür. Scheinbar erwartet er jemanden, denn überrascht wirkt er nicht gerade. Doch war das wirklich ein Klopfen an der Tür? Erneut ein leises weiches Klopfen. Tommy Qurashi steht auf und geht einen Schritt zur Tür.
Tommy Qurashi: „Herein!“
Sein Ton wirkt bestimmend. Seine Miene verfinstert sich, da die Türklinke keine Anstalten macht, sich zu bewegen. Trotzdem: Das Klopfen wiederholt sich. Immer und immer wieder. Man kann spüren, wie Tommy Qurashi wütender und wütender wird. Versucht ihn jemand zu verarschen? Energisch geht er zur Tür und öffnet sie schwungvoll.
Tommy Qurashi: „Was zur Hölle? Wer…?“
Er blickt auf einen leeren Flur. Er streckt den Kopf raus. Schaut rechts. Schaut links. Niemand da. Wieder ein Klopfen. Dieses Mal jedoch scheint es aus der Kabine selbst zu kommen. Qurashi dreht sich um und erschreckt im selben Moment.
Tommy Qurashi: „MEINE GÜTE! WIE? Und vor allem: WIESO?“
Er bemerkt, dass die Fragen eigentlich keinen Sinn machen. Er schließt die Tür hinter sich und atmet tief durch.
Tommy Qurashi: „Worauf habe ich mich da eingelassen…zum Glück ist es nur einer von euch beiden.“
Qurashi geht zurück in die Mitte seiner Kabine und setzt sich wieder auf den Stuhl. Zu seiner linken sitzt Tsuki Nosagi. Still. Ruhig. Prüfend.
Tommy Qurashi: „Was ist? Wie bist du hier…ach, erklär es mir lieber nicht. Ich will es gar nicht wissen. Tsuki Nosagi: „Entschuldige. Ich wollte nicht unhöflich sein. Schon gar nicht wollte ich dich verschrecken. Wir kennen uns noch nicht…“
Qurashi fällt ihm ins Wort.
Tommy Qurashi: „Ich kenne DICH…DICH und deinen Partner, der komischerweise im anderen Team ist.“
Er schüttelt mit dem Kopf.
Qurashi: „Will ich wissen, wieso das so ist?“
Der Japaner grinst ihn an.
Qurashi: „Egal…egal, egal, egal.“ Tsuki Nosagi: „Wenn du mich kennst musst du auch wissen das es für nichts eine Erklärung gibt. Und doch gibt es Gründe für alles was zu passieren scheint. Eins sei dir jedoch Gewiss…“
Er rutscht ein ganzes Stück näher an Tommy heran. Dieser scheint sich nicht wirklich wohl dabei zu fühlen. Er schaut den Japaner misstrauisch an.
Tsuki Nosagi: „Ich bin dir keine Gefahr…“
Dann mit einem Male schwenken die Köpfe in Richtung Tür. Wieso? Weil jemand eintritt. Wir wissen das, weil die Kamera herauszoomt. Und nun sehen wir die Person. Es ist Jason Crutch, amtierender GFCW-Intercontinental-Champion, um das mal nebenbei erwähnt zu haben. Das goldige Stück prangt erhaben um die Hüften seines derzeitigen Besitzers. Durchaus zieht das Ding die Blicke der beiden anderen Herrschaften an. Crutch selbst merkt, dass die Stimmung…eigenartig…ist. Nun noch mehr, da er eingetreten ist. Es liegt also nicht nur an der bloßen Anwesenheit Nosagis.
Nosagi…einer der Herrschaften, den sein alter Freund…Weggefährte…“Familienmitglied“, wenn man so will…Tyler verworren hat. Oder hat er das überhaupt? Wer hat hier wem den Kopf verdreht? Und wirkt Tylers Einfluss überhaupt noch irgendwas? Crutch hat sich vorgenommen, dass er trotz allem, was mit Tyler geschehen ist, und egal, wer wen beeinflusst hat, mit Nosagi zusammenarbeiten wird. Dafür ist er zu lange im Geschäft. Zu lange Profi. Er muss alle Animositäten, soweit es vereinbar ist, beiseitelegen. Zumindest solange, bis das JCI über die Bühne gegangen ist. Das gebietet der Respekt vor seinen Kollegen – für die es in Hinblick auf Title Night um eine Menge geht. Also versucht er sich nichts anmerken zu lassen. Stattdessen sagt er in einem Ton, der fast anmuten lässt, er würde eine Geburtstagsparty betreten:
Jason Crutch: „So. Da treffen wir also aufeinander. Ich bin ja froh, dass wir uns noch darauf einigen konnten, dass wir uns wenigstens heute noch treffen. Und? Was haltet ihr von Divinus? Wow. Damit hätte ich nicht gerechnet. Tommy Cornelli? Kaum zu glauben, was…Wir haben ja da ne ordentliche Verstärkung gekriegt, nicht wahr?“
Wenn Jason Crutch mit großen Begeisterungsstürmen gerechnet hat, wird er enttäuscht sein. Immerhin: Tommy Qurashi zwingt sich zu einem milden Lächeln. Ob aus Freude über Divinus oder Sympathie zu Crutch ist nicht ganz klar.
Tommy Qurashi: „Tommy Cornelli ohne Maske wäre mir lieber gewesen.“
Crutchs Augenbrauen gehen hoch und drücken ein skeptisches „Wieso?“ aus.
Tommy Qurashi: „Ich frage mich, welchen Grund es gibt, sich wieder zu maskieren, nachdem jeder weiß, wer hinter Divinus steckt. Will er verstecken, dass er ein alter Mann geworden ist? Oder hat er…noch andere Dinge zu verbergen?“
Weil er keine Antwort auf seine eigene Frage weiß, zuckt Qurashi mit den Schultern.
Tommy Qurashi: „Aber hoffen wir das Beste. Seine Vita spricht für sich. Und was er nach mehr als einem Jahrzehnt Pause leisten kann, kann keiner von uns abschätzen. Anders als bei Daniel, finde ich.“
Nun wird der Blick in Richtung Crutch etwas misstrauisch – und dieser ahnt schon, was kommen wird. Oder zumindest, was kommen KANN. Damit, was kommen KANN, hat er schon gerechnet…
Tommy Qurashi: „Den haben wir vor einigen Monaten gesehen und wenn ich ehrlich sein soll, war er in der schlechtesten Form seines Lebens. Er ist abgestürzt und kriegt nichts auf die Kette. Wenn es keine Wunderheilung für ihn gab, bin ich nicht damit einverstanden. Für dich mag es nostalgisch sein, mit dieser Person aus deinem früheren Leben zu teamen…für uns ist es eine Schwächung unserer Gruppe.“ Tsuki: „…auch wenn er in einer schrecklichen Verfassung zu sein scheint…so ist er aus DER Familie des Wrestling.“
Die anderen blicken den Japaner an. Er scheint völlig klar zu sein. Das macht die anderen misstrauisch. Da sind sie anderes gewohnt.
Tsuki: „Er wird keine Last für uns sein. In meinen Augen ist er jetzt am gefährlichsten. Ihm wurde alles genommen. Und er hatte großen Anteil daran. Ich…wir haben seinen Bruder erleben dürfen. Der Fuchs…Tyler…er war…“
Der Japaner senkt den Blick. In sich gesunken scheint er zu weinen.
Tsuki: „Tyler half uns. Er gab uns das zurück was uns fehlte…DAS macht diese Familie aus. Für die da zu sein die an einen glauben. Wir glaubten dem Fuchs. Wir glauben an Daniel. Ihr solltet es auch tun. In dieser Familie stecken eine Menge Mysterien und Geheimnisse. Und Daniel…er ist wahrlich für Überraschungen gut…auch er ist einer, dem man folgen kann…“
Das leise Lachen des Hasen wirkt erheiternd. Die anderen gucken sich fragend an. Diesen Anflug von Ernsthaftigkeit sind sie wahrlich nicht gewohnt. Aber gerade Crutch weiß nicht, was er mit diesen Hasen-Worten anfangen soll.
Tyler…er wäre nie darauf gekommen, dass Tyler…der FUCHS…auf Nosagi und Metztli einen positiven Einfluss gehabt haben könnte. Im Gegenteil. Er wird das Mysterium rund um Tyler, ähm, den FUCHS, und die Hasen nie verstehen. Wenn man Raphaellus Krueger, den Puppenspieler oder Andre Belzebub erlebt hat, versteht man sowieso vieles nicht. Wie dem aber auch immer sei: er besinnt sich darauf, was er sich vorgenommen hat: Animositäten beiseitelegen! Wenn er irgendwann versuchen sollte, mit den Hasen über Tyler, ähm, den FUCHS, zu reden, dann ist dieser Moment bestimmt nicht jetzt. Jetzt ist es daran, die Teammitglieder zu besänftigen. Er schnallt den Gürtel ab und legt ihn behutsam auf eine der Bänke.
Jason Crutch: „Hör zu, Tommy: ich weiß deine – eure – Bedenken einzuschätzen und verstehe sie. Und ich habe damit gerechnet. Was ich dir aber versichern kann: ich habe Daniel nicht nur aus persönlichen Gründen kontaktiert. Und seinen derzeitigen Zustand kannst du zu den Akten legen. Ich weiß, dass er beim Invitational in zwei Wochen bei vollen Kräften sein wird. Ich WEISS ES EINFACH!“
Will er sich gerade selber überreden? Will er sich gerade selbst überzeugen? Oder glaubt er das tief in sich drin tatsächlich? Wenn er tief in sich drinnen Zweifel haben SOLLTE, dann vermag er es gekonnt zu verbergen. Denn gegenüber seinen beiden Gesprächspartnern unterstreicht er das Gesagte mit einem eindringlichen Crutch-Blick.
Jason Crutch: „Daniel in voller Blüte und in vollem Saft ist einer der besten, genau den Mann, den ich, den wir für sowas brauchen. Ich setze eure Chancen auf ein Match um diesen Titel…“
..er weist auf den Gürtel auf der Bank…
Jason Crutch: „…nicht leichtfertig aufs Spiel. Ich…will…gewinnen! IMMER! Gemeinsam! Und ihr müsst mir insoweit vertrauen, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Daniel wird mich – uns – nicht enttäuschen! Er wird da sein. Er wird gesund und vital sein. Und er wird uns helfen, in zwei Wochen den Sieg davonzutragen!“
JC lässt die Worte wirken. Und erneut: glaubt er das WIRKLICH selbst…? Qurashi und Nosagi scheinen es zu glauben. Beide nicken bestimmt mit dem Kopf. Der Oberpollinger atmet kräftig durch – und setzt sich.
Jason Crutch: „Nun aber, Tommy, wollen wir über dein Match nachher sprechen…“
FADE OUT
Maximilian Lunenkind: “Wer zur gottlosen Zunge des Schafsteufels ist das?” Lorenz: “Kasper.”
Der Mann, der sonst den Greatest Pigster verkörpert, tritt einen Schritt nach vorne, quer durch den Flur im Backstage-Bereich der Münchner Halle, in der wir uns befinden. Passend zum heutigen Anlass – immerhin haben wir Halloween – hat sich Lunenkind als etwas verkleidet, das ihm persönlich (seit Carnival of Combat) furchtbare Angst zu machen scheint: Als Sensenmann. Bloß eben als quietschrosa Sensenmann, inklusive einer Sense, deren Klinge in einer Schweinsnase mündet. Man kann sich sicher sein, dass dieses Kostüm zu astronomischen Preisen im Shop der LPG zu finden ist.
Maximilian Lunenkind: “Sollte ich dich kennen?”
Irritiert beugt sich Lunenkind über den deutlich kleineren Mann vor ihm, der sehr unscheinbar wirkt – fit, blond, ohne besonders auffällige Merkmale. Lunenkind züngelt in der unmittelbaren Nähe des Mannes, der anscheinend “Kasper” heißt, ein wenig fragend herum.
Marc Hill: “Das ist das Sprachrohr, Maxim. Im Kostüm.” Maximilian Lunenkind: “Was für ein Kostüm soll das sein? Trägt es sein Kostüm einfach NICHT?” Marc Hill: “Wir sollten doch alle als was mies gruseliges gehen.”
Von der Seite tritt Marc Hill ins Bild und macht das Quartett perfekt. Seine breiten Schultern nehmen einen ordentlichen Teil des Bildschirms ein, während wir einen guten Blick auf sein Gerd Müller Trikot erhaschen können - wie oft hat der den HSV wohl abgeschossen? Hill hat Augenringe und tappt ungeduldig mit dem Fuß auf dem Boden herum. Sein Blick wandert verstohlen an Lorenz, Lunenkind und dem Kasperrohr vorbei, als warte er auf etwas. Oder jemanden.
Maximilian Lunenkind: “Und was ist daran so gruselig, einfach ein Typ zu sein?” Kasper: “Mein Kostüm ist ein Mensch mit freiem Willen.”
Der Marketing-Experte schaudert. Auch er ist kostümiert, und zwar scheinbar so, wie er sich die absolute Hölle auf Erden vorstellt: OHNE Designer-Kleidung. Er trägt einfach ein simples, einfarbiges T-Shirt, eine Jeans und eine Brille, die eher von Fielmann als von Gucci stammen dürfte.
Lorenz: “Gänsehaut.” Maximilian Lunenkind: “Du bist wirklich das Sprachrohr?”
Noch immer scheint Lunenkind skeptisch. Kasper lächelt leise, während Lunenkind auf das übliche “FAKT!” oder “LÜGE!” wartet.
Kasper: “Vielleicht.”
Man kann ausmachen, wie der pinke Tod vor Schock zusammenzuckt. Lorenz läuft es kalt über den Rücken. Der blanke Horror springt ihnen beinahe ins Gesicht.
Maximilian Lunenkind: “Das erinnert mich an meine Nahtoderfahrung beim Pay-Per-View, als “vielleicht” mein Leben zu Ende gehen sollte, und-” Marc Hill: “BOSS!”
Lunenkind darf seine Geschichte – wie schon vor zwei Wochen – nicht erzählen, denn Hill scheint ausgemacht zu haben, worauf er gewartet hat. Und als die Kamera schwenkt, sehen wir auch, wer das ist – ganz ohne Kostüm, eine Sporttasche über der Schulter, und den unterkühlten Blick musternd auf das Quartett vor ihm gerichtet, kommt Aiden Rotari an. Anscheinend haben sie hier gewartet, um ihn abzupassen.
Marc Hill: “Hey, ich hatte angerufen, und-” Maximilian Lunenkind: “Diese Sache mit Breads, die läuft wirklich-” Lorenz: “Wir hassen ihn genauso wie du, wir wollten nur wissen, ob-”
Ohne direkten Blickkontant mit einem von ihnen hebt Rotari eine Hand, während er seine Sporttasche auf den Boden stellt. Sofort verstummen alle. Nervös fummelt Lorenz an seinem Gips herum, als Aiden sich wieder aufrichtet und einen nach dem anderen mustert. Entweder versteht er, was hier Kostüm-technisch vor sich geht, und es ist ihm gleich, oder er hinterfragt die ganze Sache einfach nicht, weil es ihn nicht genug interessiert.
Aiden Rotari: “Was meinst du mit “genauso”?”
Lorenz entweicht ein Japsen, als Rotari sich aktiv zu ihm dreht.
Lorenz: “I-Ich meine ja nur, nach der letzten Show, was er getan hat, und er hat unser Merchandise zerrissen, u-und-”
So richtig scheint Lorenz nicht zu wissen, was er eigentlich sagen will oder sollte. Es gibt zu Rotari keine Fokusgruppe, er versteht die “Zielgruppe” einfach nicht so richtig, und Lunenkind beobachtet aus dem Augenwinkel, wie Lorenz seinen Arm im Gips hinter den eigenen Rücken steckt. Marc Hill scheint kaum weniger motiviert zu sein als Lorenz, sich bei Rotari beliebt zu machen.
Marc Hill: “Du hast ja gesehen, was ich letzte Show mit diesem Gießhook gemacht habe.”
Hat Rotari das? Fühlt sich an, als wolle Hill ihn noch einmal daran erinnern.
Marc Hill: “Und wäre er nicht weggerannt, ich hätte ihn sowas von fertig ge-” Aiden Rotari: “Ich hasse ihn nicht.”
Rotari übergeht komplett, was Hill gesagt hat, und bezieht sich noch immer auf die Aussage von Lorenz. Der Hamburger muss sich auf die Zunge beißen, um sich nicht zu beschweren, scheint sich aber nicht so wirklich zu trauen und starrt auf seine Füße.
Aiden Rotari: “Ich werde ihn aus dem Weg räumen müssen. Das ist notwendig. Ich freue mich nicht darauf.”
Wenn man denn wollte, wenn man denn wirklich, WIRKLICH wollte, könnte man ein kleines bisschen Bedauern aus der Stimme von Rotari herauslesen, so belegt klingt sie für einen Moment. Doch eben dieser Moment ist kurz, flüchtig, und bis auf ein Stirnrunzeln von Lunenkind, unter seiner Sensenmann-Kapuze kaum auszumachen, gibt es darauf keine Reaktion.
Aiden Rotari: “Er war für unsere Zukunft ohnehin ein Hindernis. Ich habe mich von Sentimentalität blenden lassen. Das wird mir nicht mehr passieren. Er wird die Konsequenzen seines Handelns schon bald zu spüren bekommen.”
“Schon bald”? Bedeutet das: nicht heute? Bedeutet das Title Night? Oder ist das nur so dahingesagt? Es ist wenig überraschend, dass Rotari IRGENDWAS vorhat, aber er bleibt erstmal kryptisch, mal ganz abgesehen davon, dass er vielleicht auch einfach lügt.
Marc Hill: “Naja, er war ja nicht immer ein Hindernis. Er hat schon auch probiert, mal was für uns zu machen.”
Rotari dreht den Kopf zu Hill und beäugt diesen misstrauisch – nicht zornig über diese Aussage, sondern abwägend, warum er das jetzt gerade gesagt hat. Gerade wollte er sich noch anbiedern, was ist das nun? Versucht er sich Respekt mit einer konträren Meinung zu verschaffen? Auf jeden Fall schafft Hill es nicht, Rotari in die Augen zu sehen. Er fixiert stur einen Punkt direkt über der linken Schulter von Aiden.
Aiden Rotari: “Du kannst natürlich deine eigene Meinung zu dieser Sache haben.”
Was noch lange nicht bedeutet, dass Rotari daran interessiert ist. Lorenz hält buchstäblich den Atem an, als Hill, mit leicht rosigen Wangen, den Blick nun doch auf die Augen von Rotari richtet. Ist das hier die richtige Methode, um sich den Respekt von Aiden zu holen? KANN man sich überhaupt den Respekt von Aiden holen?
Marc Hill: “Also, wir sind natürlich voll auf deiner Seite, nur- also, vielleicht müssen wir ja diesmal nicht volles Karacho, komplette Vernichtung gehen, weißt du? Aber falls doch, na klar, dann mache ich das, und ich habe die POWER und setze sie auch ein, ich meine ja nur, er hatte mir damals angeboten beizutreten.” Kasper: “FAKT!”
Manche Angewohnheiten werden wohl auch mit einem Kostüm nicht ausgelöscht.
Aiden Rotari: “Und ich sprach soeben noch davon, sich nicht von Sentimentalität blenden zu lassen.” Kasper: “FAKT!” Aiden Rotari: “Halt den Mund.”
Was auch immer als Nächstes hätte kommen sollen, bleibt Kapser im Halse stecken. Rotari schüttelt den Kopf, ehe er sich wieder an Hill wendet.
Aiden Rotari: “In diesem Konflikt dulde ich keinen von euch vieren als neutrale Partei. Ihr werdet eine Seite wählen müssen. Wählt seine Seite, das ist eine Möglichkeit. Ihr werdet genauso untergehen wie er. Meine Seite ist die andere Möglichkeit. Ich hoffe doch, ihr entscheidet euch richtig.” Marc Hill: “Na, ähm, klar!”
Hill rudert scheinbar ein wenig zurück, seine Nervosität deutlich spürbar. Um das zu überspielen, spannt er seinen mächtigen Bizeps an.
Marc Hill: “Die POWER hat mich noch nie im Stich gelassen!” Aiden Rotari: “Und ich würde mir wünschen, so viel Vertrauen in dein Gehirn haben zu können wie du in deinen Körper. Trainiere deinen Geist künftig ebenso eisern wie deine Oberarme, wenn du möchtest, dass ich mich auch weiterhin auf dich verlasse.”
Autsch. Das Gesicht von Marc Hill fällt in sich zusammen. Wir wissen ohnehin schon, dass er sich nicht sicher ist, was Rotari von ihm hält, und wie soll er das hier jetzt interpretieren? Ist das ein gut gemeinter Ratschlag? Eine Drohung? Eine Ankündigung?
Aiden Rotari: “Es steht dir und deinem...”
Rotari betrachtet Kasper, als würde ihm kein Weg einfallen, dieses Wesen von geringer Würde angemessen zu benennen.
Aiden Rotari: “...Freund selbstverständlich frei, mich davon zu überzeugen, wie wertvoll ihr für mich seid.” Lorenz: “Und für die LPG!”
Lorenz wirft Rotari einen fragenden Blick zu, als wolle er wissen, ob es okay ist, was er gerade gesagt hat – und gleichzeitig weicht er damit Hills anklagenden Augen aus. Gerade jetzt, wo Lorenz mal nicht im Fokus von Rotari steht, wirft er Hill und das Sprachrohr indirekt vor den sprichwörtlichen Bus, damit er selbst besser dasteht. Rotari ignoriert das komplett.
Aiden Rotari: “Ich kann in diesem Kampf niemanden gebrauchen, der mir nicht nützlich ist.”
Und mit diesen Worten setzt Rotari sich in Bewegung. Lorenz nickt Hill fast schon entschuldigend kaum merklich zu, dann beugt er sich schnell zu Aidens Tasche herunter, um diese für ihn zu tragen. Hill verteidigen und riskieren, den Zorn von Rotari zu spüren? Auch hier scheint das Mantra von Entrepreneurin Lerbitz zu greifen: “Man muss das Risiko gegen den potenziellen Ertrag sehen. Ist es das wirklich wert?” Lorenz scheint zu beschließen, dass es das nicht wert ist. Er gibt lieber den Speichellecker. Doch als Lorenz sich aufmacht, mit Rotari zu gehen, nimmt dieser ihm wortlos seine Tasche ab und schüttelt den Kopf. Er macht unmissverständlich klar, dass er allein gehen wird. Und so verlässt er die Szenerie.
Marc Hill: “Was für ein aufgeblasener-” Lorenz: “-toller Anführer!”
Der Marketing-Experte blickt direkt in die Kamera, als er das sagt, um sicherzugehen, dass es auch aufgenommen wurde. Hill stößt einen Seufzer aus und fährt sich durch die Haare. Indirekt könnte Lorenz ihm da gerade einen Gefallen getan haben, ein emotionaler Ausbruch käme jetzt vermutlich nicht so gut.
Marc Hill: “Dem werde ich’s schon noch zeigen.”
Was meint Hill damit? Er wird ihm zeigen, wie nützlich er ist – oder...?
Marc Hill: “Komm mit, ich habe eine Idee. Der Boss wird noch Augen machen.”
Der Hamburger stupst Kasper an, um ihn dazu zu bewegen, mitzukommen.
Lorenz: “Ich kann auch mitkommen, wenn du möchtest.” Marc Hill: “Ich möchte nicht.”
Hill hat natürlich mitbekommen, was Lorenz da gerade probiert hat, abzuziehen, und wirkt tatsächlich ein wenig beleidigt, wenn auch nicht unbedingt überrascht. Stattdessen geht er los und bleibt nach zwei Schritten irritiert stehen, als Kasper ihm nicht folgt. Dann fällt es Hill ein, und er rollt genervt mit den Augen.
Marc Hill: “Junge, diese “freier Wille”-Nummer ist richtig nervig. Willst du mitkommen?”
Kasper scheint kurz zu überlegen.
Kasper: “Vielleicht.”
Ein genervtes Stöhnen von Hill, dann trottet er einfach los, zügig und entschlossen. Kasper legt einen Finger an die eigenen Lippen. Er scheint Schwierigkeiten damit zu haben, selbst eine Entscheidung zu treffen, läuft Hill dann aber doch hinterher, weil er sich dann doch am letzten Befehl orientiert, den man ihm gegeben hat. Lunenkind hat das Ganze ziemlich still beobachtet, während Lorenz Kasper mit großen Augen hinterherblickt.
Lorenz: "Wirklich furchteinflößend."
Es schüttelt den Marketing-Experten, als er sich zu Lunenkind dreht, dessen Augen immer noch auf dem Punkt verweilen, an dem gerade noch seine Kumpanen - Kollegen, Freunde? - gestanden haben. Etwas nervös fährt sich Lunenkind mit der Zunge über das Gesicht.
Maximilian Lunenkind: "Beinahe so furchteinflößend wie eine Nahtoderfahrung vor laufenden Kameras, was?"
Lorenz demonstriert eine Unmenge an Empathie, indem er mit den Augen rollt. Offenbar ist er sehr genervt davon, dass er sich das nun anscheinend anhören muss.
Maximilian Lunenkind: "Meine gesamte Perspektive auf meine Existenz wurde-"
*KLOPF KLOPF* KNALL~!
Plötzlich fliegt eine Tür nach einem wenig dezenten Anklopfen auf – das Klopfen keine Geste der Nachfrage ob Zutritt gestattet ist, sondern eher eine Ankündigung, dass nun der Eintritt erfolgt. Es ist wirklich wie verhext für Maximilian Lunenkind. Da hat er zur Abwechslung mal etwas Tiefgründiges zu besprechen, doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihm. Durch den Türrahmen schreitet eine rosarot bezopfte Frau in Hexenkluft mit flauschigem Kürbis unter dem Arm, der eine sehr markante Nasenöffnung hat, aus dem eine nicht minder flauschige Schweinsnase herausguckt.
Monica Shade: „Hallo Jungs. Alles gut bei Euch will ich hoffen?“
Sie stellt es als Frage, aber wie so oft wenn US Amerikaner „how are you?“ fragen, will sie eigentlich gar keine echte Antwort, sondern gehört dies zum typischen Floskelsprech der Yankies. Auch Jahre im Ausland haben diese schlechte Angewohnheit nicht zur Gänze aus Monicas Verhaltensmustern verschwinden lassen.
Monica Shade: „Will gar nicht lange stören, wäre nur daran interessiert, ob ihr Ask Skógur irgendwo gesehen habt?“
Ihre wachen, violetten Augen sahen schon mal hoffnungsvoller aus, ihre Suche nach dem ehemaligen Champion war lang und unergiebig, keine gute Kombination für eine positive Gemütslage.
Lorenz: "Nein, haben wir nicht. Was auch immer dieser Inselfreak-" Monica Shade: „Stimmt, Ask hat ne Insel, Luna hat ihn da ja auch schon mal gefunden... wie gut, dass sie nicht da ist, um mir zu sagen wo genau. Aber nun gut, das ist heute wohl eh nicht mehr realistisch, kann mich ja nicht teleportieren. Von daher suche ich heute noch weiter und in zwei Wochen probier ich es dann auf der Insel. Danke für den Tipp. Bis später!"
Im nächsten Moment ist sie schon wieder weg - ein wirklich kurzer, prägnanter Auftritt.
Lorenz: "Die ist ja schnell wieder verschwunden." Maximilian Lunenkind: "So wie das Licht vor meinen Augen verschwunden war, als mein Leben-" Lorenz: "Das ist doch jetzt egal."
Mit einer beiläufigen Handbewegung wischt Lorenz den nächsten Versuch, über Lunenkinds lebensverändernden Moment zu sprechen, bei Seite.
Lorenz: "Wir sollten gucken, was der Boss macht. Das fände die Entrepreneurin bestimmt gut." Maximilian Lunenkind: "...in Ordnung."
Und so ziehen Tod und Armut los, um ihren Meister zu beobachten.
Vor einer Woche.
Tammy: „Meine Damen und Herren. Wie mittlerweile bekannt ist, wurde Snow nach War Evening aus dem Förderkader entfernt. Ich habe nun die große Ehre, ein Exklusiv-Interview an diesem…“
Sie blickt sich um. Wo auch immer sie sich befindet: Es sieht nach einer Laubenkolonie aus. Tammy wirkt nicht glücklich darüber.
Tammy: „…besonderen Ort mit dem Nachfolger Snows zu führen. Folgen Sie mir.“
Es geht an verschiedenen Kleingärten vorbei, bis sie vor einem Holzzaun stehenbleibt, an dessen Pforte das Schloss fehlt. Die Latten des Zauns machen den Eindruck, mehrmals niedergetreten und behelfsmäßig wieder aufgestellt worden zu sein. Tammy tritt ein und alles knirscht, als würde es gleich zusammenfallen.
Tammy geht auf eine kleine Hütte zu, die in Sachen Wert und Komfort weit gegenüber den Nachbargärten abfällt. Und sie wirkt alt. Die Fenster sind nach Jahren des Nicht-Putzens zu Milchglas geworden, auf dem Trampelpfad wächst kniehohes Gestrüpp und Plättchen uralter Farbschichten blättern im Sekundentakt ab. Tammy klopft an eine Tür, deren Guckloch mit einem angeklebten Stück Karton abgeklebt ist. Keine Reaktion. Sie klopft noch einmal. Da steckt eine alte Frau vom Nachbargrundstück den Hals über den Zaun.
Nachbarin: „Versuchen Sie es mal hinter dem Haus. Da treibt sich der Spinner rum.“ Tammy: „Danke.“
Sie runzelt die Stirn über die Beleidigung, die die alte Dame am Schluss ihrer Ausführungen einbindet. Spinner? Nur eine Privatfehde oder eine Warnung? Doch das Stirnrunzeln wird noch viel größer, als sie um die Hütte herumgeht und in einen verwilderten Gartenabschnitt kommt. Durch einen schmalen Durchgang zwischen zwei Dornenranken sieht sie…
…ein kleines Erdloch mit einer Plastikflasche…
…aus der Rauch austritt.
Tammy bleibt stehen.
Ein schmaler Mann hockt auf dem Boden vor dem Erdloch und ist kurz davor, den Mund an die Flasche zu setzen. Einen Meter daneben sitzt ein Plüschtier im Gras und beobachtet ihn.
Tammy: „Was machst du da?“
Der Mann wirbelt abrupt herum, als wären Tammys Worte ein Blitz, der direkt neben ihm eingeschlagen hat. Jede Muskelfaser ist sofort auf Spannung. Und auf Feindseligkeit gepolt.
Mann: „Erklärt sich doch von selbst, was ich hier mache.“ Tammy: „Naja, es sieht…seltsam aus.“
Der Mann springt auf. Nicht gerade zu imposanter Körperlänge. Er kratzt knapp an den Einssiebzig. Und ist nicht viel breitschultriger als Tammy. Aber sein Aussehen ist auf andere Weise auffällig. Obwohl er dem Gesicht nach höchstens Zwanzig sein dürfte, sieht er verlebt aus. Augenringe. Bartstoppeln. Seine schulterlangen Haare sind zu braunen Dreadlocks verfilzt.
Mann: „Jaja, was die Unterschicht macht, das ist immer seltsam aus den Augen der Elite. Aber wenn die reichen Penner was machen, hinterfragt das niemand. All die Milliardäre und Millionäre und Erben und Gutverdiener und sowieso alle Leute, die Arbeit haben. Die haben Narrenfreiheit.“ Tammy: „Ich habe noch nie einen Milliardär gesehen, der neben einem rauchenden Erdloch hockt, wobei er von einem Plüschaffen im Arztkostüm beobachtet wird.“
Der Blick des jungen Mannes wird noch feindseliger. Er verschränkt die Arme vor der Brust und zieht eine Unterlippe vor. Zwischendrin wandern seine Augen zum Äffchen, als würde er sich dessen Zustimmung versichern.
Tammy: „Aber egal, lassen wir das Thema hinter uns. Ich bin für ein Interview hier. Vergessen wir einfach unseren schlechten Start.“ Mann: „Schlechten Start vergessen!? Wie soll das gehen? Wir können unseren Hintergrund nicht einfach abschütteln. Ich wurde nicht in altes Geld geboren, sondern in generationsübergreifendes Trauma. Unser Leben wird davon geprä…“ Tammy: „Ich meinte den schlechten Start in unser Interview. Nicht in unsere Existenz.“
Ein Grummeln beim jungen Mann. Aber wenigstens widerspricht er nicht.
Tammy: „Für die, die dich nicht kennen…“ Mann: „Das dürften fast alle Leute sein. Leute wie ich sind schließlich ein blinder Fleck in der Wahrnehmung der Menschen. Wir aus der Unterschicht, wir sind der Bereich, den man im LKW-Rückspiegel nicht sieht. Die tote Zone der Gesellschaft. Und die reichen Menschen wünschen sich, wir wären nicht im Rückspiegel, sondern vor der Motorhaube, um uns niederzumähen. So ist es. So funktioniert die Welt, Tammy.“
Die Interviewerin geht auf den Rant nicht ein.
Tammy: „Ich glaube ehrlicherweise, dich kennen ziemlich viele Menschen. Du bist der Sohn von Rebel called Hate, einem ehemaligen GFCW-Star. Du nennst dich Rebel called Hate III und bist Teil von GTCW. Ich bin froh, dass wir einen 2nd-Generation-Superstar bei uns begrüßen dürfen.“
Das Gesicht des blutjungen Rebellen hellt sich auf. Er wirkt wie verändert. Kaum, dass er Zuspruch erhalten hat. Weiblichen Zuspruch.
Rebel called Hate III: „Du freust dich? Dann gehen wir mal was rauchen zusammen, okay?“
Sie hebt ihren Ehering.
Tammy: „Sorry, du weißt, dass ich in die Familie von Johnboy Dog eingeheiratet habe.“ Rebel called Hate III: „Typisch! Altes Geld und Renommee, schon schmilzt du dahin! Ich habe mich in dir getäuscht, Tammy. Du bist wie alle anderen auch. Du Pennerin. Du bist nur gekommen, um dich an meinem Elend zu erfreuen.“ Tammy: „Nein. Ich bin gekommen, um dein erstes Interview zu führen, nachdem du in den Förderkader berufen wurdest.“
Der Rebell bleibt stumm.
Tammy: „Herzlichen Glückwunsch.“ Rebel called Hate III: „GLÜCK-WUNSCH? Was gibt es da zu gratulieren?“ Tammy: „Naja, deine Chance, dich für das Main Roster zu empfehlen.“
Der Mann tritt mit solcher Wucht gegen die Plastikflasche, dass der Rauch in Richtung Tammy gerichtet wird. Die Reporterin hustet und muss zur Seite treten. Mit der Hand wedelt sie den Rauch von sich weg.
Rebel called Hate III: „Chance nennst du das? Soll ich mich dafür jetzt auch noch bedanken, dass sie mir Almosen hingeschmissen haben, die da oben? Soll ich bellen wie ein Hund? Soll ich ihnen einen lutschen aus Dankbarkeit darüber? Jedem Menschen ist doch wohl klar, was der Förderkader ist.“ Tammy: „Nämlich?“ Rebel called Hate III: „Ein Instrument der Wrestlingelite, um das junge Blut unter Kontrolle zu halten. Um die Youth zu besänftigen wie mit einem Schnuller. Damit wir befriedet sind. Damit es nicht zu einer Revolution kommt. Der Förderkader, Tammy, ist genau das…“
Er beugt sich zum Plüsch-Äffchen herunter und setzt es sich auf die Schulter. Tammy weiß nicht mehr, wen sie anschauen soll. Rebel called Hate oder Dr. Affe. Sie blickt zwischen Beiden hindurch in den verwilderten Garten mit der Laube.
Rebel called Hate III: „…was im alten Rom die Gladiatoren-Spiele waren. Ein, zwei Leute werden überleben, während der Rest auf dem Weg stirbt, sich aus der Gosse herauszukämpfen. Jetzt bist du gekommen, um mir zu sagen, dass ich dafür Kaiser Dynamite die Füße küssen soll. Weil es das ist, was die Oberschicht erwartet: Ewige Dankbarkeit dafür, dass sie einem armen, leidenden Straßenhund einen Knochen zum Abnagen hingeschmissen haben. Dabei würde diesem Hund einen Platz am großen Teller zustehen, wenn die Welt ein fairer Ort wäre.“ Tammy: „Nun drängt sich mir eine andere Frage auf: WARUM hast du die Position im Förderkader angenommen, wenn deine Einstellung so negativ ist? Du hattest sicher auch die Wahl, es abzulehnen.“
Ungläubiges Aufstöhnen beim jungen Mann. Er blickt zu Dr. Affe und schüttelt über so viel Dummheit und Unwissenheit, wie von Tammy kommt, den Kopf.
Rebel called Hate III: „Wahlmöglichkeiten sind ein Luxus, den die Verdammten nicht bezahlen können. Ich musste es tun. Es ist meine einzige Chance.“ Tammy: „Ich verstehe.“ Rebel called Hate III: „Du versteht gar nichts, Tammy. Urteile nicht über mich, bevor du nicht eine Meile in meinen Mokassins gelaufen bist. Altes Indianersprichwort. Doch ich brauche meine Mokassins selbst. Ich habe sonst nichts.“
Tammy blickt auf Hates Füße. Nagelneue schwarze Doc Martens, lediglich mit etwas Gartenmatsch bedeckt.
Rebel called Hate III: „Ist unser Interview damit beendet? Wer täglich um die Luft zum Atmen kämpfen muss, kann seine Lunge nicht mit Plaudereien belasten.“ Tammy: „Nicht ganz: Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen, gegen wen du bei War Evening deinen ersten Kampf bestreiten wirst.“
Nun ist Hate zum ersten Mal ruhig. Und hört einfach nur zu.
Tammy: „Du wirst direkt im Main Event starten.“ Rebel called Hate III: „Willst du damit andeuten, ich hätte Vorteile durch meinen Vater und meinen Namen gehabt? Das ist falsch, denn ich…“ Tammy: „Es ist einfach nur ein neutraler Fakt. Du wirst gegen unseren Rückkehrer kämpfen. Gegen The End.“ Rebel called Hate III: „Diese Penner!“
Voller Zorn tritt Hate auf die Grasnarbe ein. Tammy wird von Sand und Matsch bespritzt.
Rebel called Hate III: „Die Elite schickt ihren stärksten Soldaten, um die aufbegehrende Jugend niederzumähen. Ach, was. Einen Panzer schicken sie, damit der Rebell aufgehalten wird. War Evening ist der Tian’anmen-Platz des Wrestlings. Sie wollen mich beenden, bevor ich etwas anfangen kann.“
Wieder stutzt Tammy. Denn jetzt wirkt es, als würde Hate nicht mehr zu ihr, sondern zu Dr. Affe sprechen. Er hält das Äffchen in der Hand. Und auch wenn es ein verzweifelter Klammergriff ist, so steckt doch auch Liebesvolles darin.
Rebel called Hate III: „Doch ich sage dir, mein Freund: Ich werde diesen bösen Plan zu verhindern wissen. Ich werde das unethische Konstrukt GFCW niederreißen und in einer neuen Version wiederrichten. Und The End ist der erste Pfeiler, der meinen Hass zu spüren bekommt.“
Wie weggetreten steht Hate nach diesem Monolog da. Die Schulter versteift, das Gesicht ausdruckslos bis auf zwei mahlende Kiefer. Tammy sieht ein: Es ist das Beste, den jungen Mann nach dieser Nachricht allein zu lassen.
Rebel called Hate III vs. The End. Der Sohn einer Legende gegen den Mann, der schon selbst zur Legende geworden ist. Und zum Establishment.
Tommy Qurashi kommt in den Ring. Seine Musik ist deutlich lauter als sein Auftritt, der mit der gleichen stoischen Ruhe absolviert wird wie eh und je. Als „Generalprobe“ für das JCI geht es heute darum, möglicherweise den Traum eines anderen Mannes zu beenden und ihn aus dem Förderkader zu schmeißen.
Es kann schlechteres Training geben.
Qurashi trägt bereits sein Ringoutfit. Kurze, rote Trunks und weiße Stiefel. Ein Standard-Outfit in den Farben seines Heimatlandes, mit dem er nicht versucht, etwas darzustellen, was er nicht ist. Er ist ein solider Arbeiter in der Midcard. Das kann nach wenig klingen, aber auch nach viel. Je nachdem, wie man es nimmt.
MANN sein. Darf man das heutzutage noch? Vielleicht bald nicht mehr, zumindest nicht im Förderkader. Wenn Tyo diesen Fight verliert.
Der Koloss marschiert aus dem Vorhang und Richtung Squared Circle. Er reibt sich über den Bauch, als würde es zum Grillen gehen. Doch es ist keine Geste des Hungers, sondern vielleicht eine Ablenkung von dem „Alles oder Nichts“-Effekt dieses Kampfes. Sein Kollege Snow hat vor zwei Wochen gegen Robert Breads verloren und damit ist seine Mitgliedschaft im Förderkader erloschen. Er muss sich alleine auf die „Letzte Chance“-Battle Royal vorbereiten. Droht Tyo das gleiche Schicksal?
Vor dem Apron angekommen, zupft sich Tyo sein rotes Outfit mit der Aufschrift „MANN“ zurecht. Er streicht sich durch die letzten paar Haare, die ihm auf dem Kopf geblieben sind. Mit mehr als 140 Kilogramm ist er nicht der beweglichste Mann, aber in Sachen Kraft dürften wenige in der Liga ihm etwas vormachen können – wenn auch der körperliche Vorteile nicht so gewaltig ist wie in anderen Paarungen. Qurashi verkörpert den Idealtyp eines Wrestlers. 190cm, knappe 110 Kilogramm, ein Körper wie aus dem Fitnesskatalog. Eine perfekte Mischung aus Technik und Kraft.
Was wird sich heute durchsetzen?
Aiden Rotari: “Zwei Wochen sind genug Zeit, um über alles nachzudenken.”
Wir befinden uns im Backstage-Bereich, vor der bekannten Interview-Wand, zugepflastert mit Logos von Sponsoren und kommenden Events. Aiden Rotari – seinen eigenen Stable-Kollegen offenbar entkommen – hat die Arme vor der Brust verschränkt und blickt direkt und ruhig in die Kamera. Tammy ist nicht hier, der amtierende Wrestler des Jahres scheint sich also direkt und ohne Umschweife an uns zu wenden. Oder an Robert Breads.
Aiden Rotari: “Und ich kann mich nicht dazu bringen, dich zu hassen, Robert.”
Das haben wir schon gehört, als er mit der Lerbitz Performance Group sprach, aber es wirkt weiterhin glaubwürdig. Er senkt den Blick kurz, als er das sagt, doch das wirkt erneut fast wie Bedauern, nicht wie Wut. Wir wissen bloß nicht, was genau er an der aktuellen Situation bedauert.
Aiden Rotari: “Was nicht bedeutet, dass ich dich damit davonkommen lassen kann.”
Er hebt den Kopf wieder. In den scheinbar bodenlosen dunklen Augen spiegelt sich die Beleuchtung des Sets.
Aiden Rotari: “Ich werde dir bei Title Night gegenübertreten, und ich werde dich ein letztes Mal in den Boden stampfen müssen.”
Das trägt er als nüchternen, unveränderlichen Fakt vor. Er scheint damit keine Probleme zu haben, klingt nicht gequält, aber auch nicht voller Vorfreude. Er sagt das in etwa so, wie man festhalten würde, dass man morgen wieder ins Büro muss. Eine simple Feststellung von etwas Unausweichlichem, nicht mehr, nicht weniger.
Aiden Rotari: “Ein Sieg über dich bei einem großen Event, ein deutlicher Sieg, der keine Fragen offenlässt, wird mich einem Match um meinen Titel wieder ein gutes Stück näherbringen. Dich schlicht zu schlagen, bedeutet nicht mehr genug, als dass ich es als Grund anführen kann, wieder ins Titelrennen einzugreifen. Ich muss dich vernichten, damit ich meinen nächsten Shot bekomme. Das ist nicht meine Schuld. Es ist die Schuld der GFCW, dafür, wie sie funktioniert und tickt, und dafür, dieses Match angesetzt zu haben. Und es ist deine eigene Schuld, dafür, dass du den Wert deines eigenen Namens so heruntergewirtschaftet hast. Ich möchte deine Karriere nicht beenden. Ich weiß, du wolltest selbst entscheiden, wolltest bei der Anniversary Show zurücktreten. Aber die aktuelle Situation lässt mir keine andere Wahl, Robert. Für dich mag das eine persönliche Angelegenheit und eine Geschichte voller Rache, Wiedergutmachung und Heldenmut sein. Für mich ist es eine Unannehmlichkeit auf dem Weg zu meinem eigentlichen Ziel – dem GFCW World Title.”
Ob das stimmt oder nicht können wir nicht wissen, so tonlos trägt Rotari einmal mehr seine wohl gewählten Worte vor. Man merkt ihm jedenfalls keine emotionale Regung an.
Aiden Rotari: “Und sind wir ehrlich: Wenn ich dich nicht endgültig vernichte, wirst du mich nicht in Ruhe lassen. Du wirst immer wieder versuchen, mir ein Bein zu stellen, in der Hoffnung, nur noch “ein letztes Match” mit mir zu bekommen, auf Kosten meiner eigenen Pläne, weil du es diesmal schaffen wirst, weil du glaubst, doch noch einmal die Uhr zurückdrehen zu können. Das kann ich nicht dulden. So werde ich meinen Titel nicht zurückgewinnen können. Es wäre mir lieber, das nicht tun zu müssen. Aber deine eigene Persönlichkeit und die GFCW lassen mir keine andere Option, und ich schrecke nicht davor zurück, zu tun, was getan werden muss.”
Rotari neigt den Kopf leicht, seine Stimme gewinnt marginal an Schärfe dazu, als er weiterspricht.
Aiden Rotari: “Es gab in den letzten Jahren eine Menge guter Zeitpunkte, an denen du hättest zurücktreten können. Vielleicht sogar sollen. Aber du glaubtest immer daran, es nochmal “hinzubiegen”, wie auch immer du dir das vorgestellt hast. Du magst glauben, ich stehle dir drei Monate, doch vermutlich erspare ich dir lediglich drei Monate voller Blamagen und Peinlichkeiten. Du wirst mir nie dafür danken, was ich tun werde, und das ist in Ordnung. Immerhin hast du dann einen Schuldigen für deinen nicht perfekten Abgang und musst dich nicht selbst kasteien. Du magst behaupten, du hättest Verbündete in der Hinterhand, doch wir wissen, dass das ein Bluff ist. Gegen mich zu kämpfen, macht dich nicht weniger unerträglich. Zumindest kann man von mir profitieren. Du bist ein schwarzes Loch für Ambition, Seelenfrieden und Selbstachtung, und du hast Jahre damit zugebracht, das allen zu zeigen. Du kannst mich nicht besiegen. Du kannst mich schon gar nicht beenden. Die Realität des Jahres 2025 ist unserem Konflikt uneingeschränkt auf meiner Seite, vollkommen gleich, in welche wahnhafte Fantasie du dich dieses Mal hineinsteigerst. Man wird auf meine Notschlachtung einer der heiligen Kühe der GFCW bei Title Night in einer fernen Zukunft zurückblicken und realisieren, dass es nicht grausam, sondern gnädig war. Ich gedenke nicht, dich zu demütigen. Ich gedenke, dich zu erlösen.”
Die verschränkten Armen entknoten sich, und Rotari schiebt die Hände in die Hosentaschen. Er tritt einen Schritt näher an die Kamera heran.
Aiden Rotari: “Ich weiß, du hast noch einiges auf dem Herzen. Du willst mir noch einiges sagen. Du sollst deine Gelegenheit dazu erhalten. Ich lade dich ein. Bei der nächsten War Evening in Ludwigsburg werde ich in den Ring kommen und auf dich warten. Wenn du deine Konfrontation möchtest, sollst du sie bekommen. Von Angesicht zu Angesicht, wir beide, und du kannst versuchen, das Narrativ so zu drehen, wie es dir passt. Du wirst eine Falle vermuten. Du würdest mir ohnehin nicht glauben, dass es keine ist, vollkommen egal, was ich sage. Ob du meine Einladung dennoch annimmst, liegt einzig und allein an dir.”
Es wird einmal mehr backstage geschalten und diesmal sehen wir den amtierenden GFCW World Champion Aldo Nero durch den Backstagebereich laufen. Corleone ist nicht dabei und natürlich wissen wir auch nicht, ob Aldo bisher schon etwas von dessen Interaktion mit The End mitbekommen hat – an seiner Mimik können wir es zumindest nicht ablesen. Diese ist natürlich aufgeregt, besorgt, nervös, wütend, geladen… wie sie es eben sein könnte, nachdem sein wohl bitterster Widersacher zurückgekehrt ist und ihn erneut zum Kampf herausgefordert hat, aber den Umständen entsprechend wirkt er dennoch… geerdet. Er läuft schließlich, mit dem Gürtel auf der Schulter durch den Gang, bis er an einer Abzweigung vorbeikommt, aus dem ihm eine Stimme anspricht.
Salvatore Corleone: „Weißt du… es ist schön dich zu sehen.“
Erschrocken dreht sich Aldo um, um dort seinen Onkel stehen zu sehen, der eben noch an einer Wand lehnte, sich nun aber leicht davon abstößt um auf Aldo zu zugehen. Sal wirkt noch immer alt und gebrechlich… ist ja klar, ist er ja auch… und viele Worte spricht er für gewöhnlich nicht und noch weniger arbeitet er mit Emotionen, aber aus diesen, wenigen Worten, lässt sich dennoch eine gewisse Ernsthaftigkeit und naja… sogar… familiäre ‚Liebe‘ (was auch immer das in der Familie Corleone bedeuten soll) heraushören. Aldo wirkt getroffen, vergisst sich für einen Moment, bevor er sich aber direkt wieder sammelt, da es sich bei seinem Gegenüber aktuell ja schließlich um seinen Feind handelt. Und auch Salvatore scheint diesen Moment nun wieder zu verlassen.
Aldo Nero: „Was willst du. Wo ist er? Wird er mich gleich angreifen, hm? Machst du jetzt die Drecksarbeit für ihn? Offensichtlich, sonst wärst du nicht hier.“
Salvatore bleibt ruhig, er sagt nix und lässt Neros Worte vielmehr an sich abprallen.
Aldo Nero: „Weißt du, dafür, dass du immer so viel besser als ER sein wolltest, machst du es ihn gerade fast schon zu gut nach. Für mich, bist du nie hierhergekommen und kaum kommt End an, fliegst du ihm nach und stehst ihm zur Seite… was habt ihr denn nur alle mit ihm?“
Salvatore bleibt noch immer ruhig. Aldo meint wohl, dass sich Sal für besser als James gehalten hat. Stimmt das? Schwer zu sagen. Aber, was in den wenigen Momenten, in denen wir Sal in der GFCW gesehen haben, ersichtlich wurde, ist, dass er die Beiden – sowohl Aldo als auch End – immer und stets mehr umsorgt hat und genau das hat ja auch The End vor zwei Wochen gesagt. Aus Aldos Worten erklingt eine unüberhörbare Dramatik, als würde er hier seinen Frust unterdrücken wollen, dass er sich selbst gegen seinen Onkel gestellt hat, der sich immer um ihn gekümmert hat.
Salvatore Corleone: „Ich bin hier, weil er mich um meine Hilfe gebeten hat. Und ich habe auch dir geholfen, als du es getan hast. Und deine Art mir zu danken war, dass du dich mit IHM verbündet hast.“
Mit James Corleone. Aldo schluckt tief auf. Er weiß das. Er weiß es und jetzt, nachdem er ein Jahr lang gesehen hat, was es bedeutet an der Seite von James Corleone zu stehen, bereut er es wohl auch sehr – aber eingestehen kann er sich das unmöglich. Er muss kämpfen nicht eine Träne zu verlieren, während er zwischen Wut und Trauer hin und her zu wanken droht.
Aldo Nero: „Weil er nun mal mein Vater ist.“ Salvatore Corleone: „Und ich bin dein Onkel.“
Ist das eine jetzt besser als das andere? Vermutlich steht der Vater über dem Onkel, aber das kommt ja irgendwie immer drauf an. In der Familie Corleone jedenfalls, kann wohl jeder gut erahnen, wer da der dankbarere Zeitgenosse ist.
Salvatore Corleone: „Und es gab Zeiten, da hast du The End als deinen Bruder gesehen.“
Wieder zuckt Aldo zusammen.
Salvatore Corleone: „Ich weiß, er wird das nicht zugeben. Und ich weiß, er hat das vor allem in den letzten Jahren nicht oft gezeigt. Aber für ihn, bist du ein Bruder. … ich hasse es, dass ich mich entscheiden muss. Aber ich denke, es gibt nur einen Weg, diese Sache zu klären. Und wenn es dafür nötig ist, dass er dich besiegen muss, dann werde ich ihm dabei helfen. Nur so können wir unseren eigentlichen Feind besiegen.“
Wieder wird auf James Corleone angespielt…
Aldo Nero: „ICH BIN EUER FEIND!“
Aldo schreit diese Worte richtig heraus, denn noch immer wird nicht er als der eigentliche treibende Keil in dem Duo mit James Corleone gesehen. Corleone selbst hat es heute bereits gesagt, End und Corleone waren das dominante Duo in den letzten Jahren GFCW, in Aldos Falle scheint es aber vielmehr James Corleone und Aldo Nero zu sein.
Aldo Nero: „Ich meine… SEIN Feind.“
Salvatore bemerkt, dass Aldo ihn hier offensichtlich herausnimmt, weil Aldo nichts gegen ihn hat, sondern nur gegen End, allerdings…
Salvatore Corleone: „Solange du an seiner Seite kämpfst, bist du unser Feind.“
Diese Worte, so ausgesprochen von seinem Onkel zu hören… es fühlt sich so an, als würde in Aldo Nero gerade etwas zerbrechen und als würde in ihm alles zusammenfallen. Der Mann, der ihm schon immer viel mehr ein Vater war, als es sein richtiger Vater jemals, bezeichnet ihn als seinen Feind und das nur, weil er zu seinem richtigen Vater hält, von dem er inzwischen selbst erkannt hat, dass er der Teufel höchstpersönlich ist. Aldo ist der Champion der GFCW und steht damit aktuell unangefochten an der Spitze der Liga und doch fühlt es sich gerade so an, als ob er nichts… rein gar nichts hätte.
Salvatore Corleone: „Und ich… werde so lange kämpfen, bis du das nicht mehr bist.“
Wenn bei Aldo zuvor etwas zerbrochen ist, dann scheint damit etwas zusammenzuwachsen. Das ist und wenn es auch nur ein klitzekleiner Funken ist… das ist Hoffnung. Salvatore verlässt Aldo schließlich und lässt diesen hinter sich zurück, während er in sich weiterzukämpfen scheint. Er will Salvatore, aber er gehört nun mal zu James. Aber kann er es diesem jemals wirklich recht machen? Wird er von ihm jemals so akzeptiert werden, wie er es von Salvatore würde? Wenn nicht, wäre das ein Moment zu Salvatore zurückzukehren. Andererseits, wäre ein finaler Sieg gegen Salvatore und The End der endgültige Grund für den finalen Zusammenschluss zwischen Vater und Sohn.
Mac Müll ist kein Ninja. So viel ist uns bekannt. Trotzdem liefert er hier eine ziemlich überzeugende Stealth-Performance ab, wie ein weniger futuristischer Net-Runner in Night Ciy, jemand, der alle Tricks und Kniffe kennt, um sich selbst möglichst lautlos und ohne gesehen zu werden bewegt. Kein Wunder, wenn man fast zweieinhalb Dekaden lang Zeit hat, eine Paranoia bezüglich Prügelstrafe zu entwickeln, die deutlich gerechtfertigter ist als man das annehmen könnte. Müll kauert hinter einer Ecke des BMW-Park-Gebäudes, und die Kamera – und damit auch wir, die Zuschauer – sind auf Augenhöhe hinter ihm. Oder eher: Hinterkopfhöhe, denn das bekommen wir gerade zu sehen. Müll hat ein Mikrofon in der Hand, scheint also auf dem Sprung zu sein, jemanden zu interviewen, doch er hat seinen Plan unter unter- oder abgebrochen. Mit einer Hand gestikuliert er zum Kameramann hinter sich, und wir wackeln mit dem Bild ein wenig nach vorne, genug, damit wir um die Ecke spähen und eine uns bekannte Stimme hören können.
Robert Breads “-wird kein Problem sein. Fenrir und der Rest werden sich raushalten wollen. Glaub’ mir, das habe ich im Griff. Und den Rest- Doch, wir kriegen das hin. Sicher... Jetzt stell dich nicht so an.”
Nachdem Jason Crutch bei der letzten Show bereits Chekhov’s Telekommunikation in Gebrauch hatte, sehen wir nun Robert Breads – seines Zeichens ebenfalls Teilnehmer des Jason Crutch Invitational – am Handy. Er sitzt vor der Halle, trotz der Kälte, in Tracksuit und Sneakers. Dabei hockt er auf einem Klappstuhl, den Knöchel des linken Fußes auf dem rechten Knie abgelegt, und schwatzt relativ lässig am Telefon mit jemandem, mit dem er vertraut zu sein scheint. Und die bisherigen Worte lassen darauf schließen, dass es um das JCI geht. Der Kanadier hat sich die Haare geschoren, sodass die gefärbten Strähnen allesamt weg sind. Sein Haar ist nun kurz und grau, genauso wie sein Bart, den er hat stehen lassen, wenn auch gepflegter als zuletzt. Kein Anzeichen von irgendwelchem “GOAT”-Merchandise mehr. Er wirkt älter, aber nicht ungesund.
Robert Breads: “Ich weiß, ich weiß. Aber du kannst mir glauben. Wir standen oft genug im Ring, als dass ich das richtig einschätzen kann und... ja, okay. Dann bis-”
In diesem Moment versucht Mac Müll, sich etwas weiter nach vorne zu beugen, um mehr sehen zu können. Das blockiert nicht nur die Sicht der Kamera mit seinem Hinterkopf, sondern sorgt auch dafür, dass es gut vernehmbares Geräusch entsteht, als Mac auf etwas tritt – vermutlich einen Zweig, so wie es klingt, wie können nichts sehen. Auf jeden Fall schnellt der Kopf von Breads herum.
Robert Breads: “Ich muss auflegen.”
Hastig versucht Müll, wieder zurückzuhechten, aber er und die Kamera sind sich gegenseitig im Weg. Wir können sehen, wie Breads aufspringt, während er das Smartphone in die Jackentasche seines Tracksuits schiebt, und sich den Stuhl schnappt, um ihn zusammen zu klappen. Mit einem Mal wird aus der Sitzgelegenheit eine vertraute und bedrohliche Waffe. Breads marschiert los, hebt den Stuhl über den Kopf, erblickt Müll und die Kamera und-
Robert Breads: “Achso.”
Müll atmet erleichtert aus, als Breads den Stuhl langsam sinken lässt. Er blickt sich um, scheint nichts zu entdecken und hilft dann dem Kameramann beim Aufstehen, damit wir mit Breads auf Augenhöhe sind. Müll muss sich selbst hochhieven und klopft sich ein wenig Dreck von der Hose.
Robert Breads: “Gelauscht?” Mac Müll: “Ich bin meiner journalistischen Tätigkeit nachgekommen.” Robert Breads: “Also ja.” Mac Müll: “Schon.”
Man kann sehen, dass die Knöchel der Hand, die den Stuhl hält, kalkweiß sind. Breads denkt nicht daran, ihn loszulassen. Das fällt auch Mac auf.
Mac Müll: “Erwartest du jemanden?” Robert Breads: “Ich erwarte jeden außer Aiden selbst.”
Wir erinnern uns – es gibt ein physisches Kontaktverbot zwischen Rotari und Breads, aber nicht zwischen irgendwem sonst. Und die Anzahl von Rotari’s Handlangern ist nicht zu verachten. Müll nickt, offenbar von dieser Paranoia nicht unbedingt angetan, aber wenig überrascht.
Mac Müll: “Wer war das am Telefon?” Robert Breads: “Das wirst du in zwei Wochen herausfinden.” Mac Müll: “Geht es um das JCI?” Robert Breads: “Das wirst du in zwei Wochen herausfinden.” Mac Müll: “Du hast immerhin behauptet, es gibt außer dir noch andere, die ein Problem mit Rotari oder der LPG haben. Könnte es also sein, dass du-” Robert Breads: “Zur Seite.”
Breads drückt Müll mit einem Mal von sich. Der Interviewer stolpert, aber fällt nicht, kann sich an der Wand des Gebäudes festhalten. Wieder reißt er den Stuhl hoch.
Robert Breads: “Was wollt ihr?” Marc Hill: “Wir kommen in Frieden!”
Der Kameramann tritt ein paar Schritte zurück, sodass wir eine bessere Übersicht bekommen. Dort, über den Parkplatz, marschieren Marc Hill und Kasper, das unkostümierte Sprachrohr. Hill hat demonstrativ die Hände erhoben, kommt nicht um eine Ecke, sondern läuft gut sichtbar auf Breads und Müll zu. Kasper folgt, ein ziemlich leeres Lächeln auf dem Gesicht, und er schafft es trotz der fehlenden Maske, nichtssagend auszusehen.
Marc Hill: “Wir wollen nur reden.” Robert Breads: “Dann bleibt stehen.”
Hill und Kasper tun wie geheißen. Etwa zehn Meter von Breads entfernt bleiben sie stehen. Hill lässt die Arme in der Luft, was seinen gewaltigen Bizeps betont. Breads denkt nicht daran, den Stuhl fallen zu lassen.
Robert Breads: “Was will Aiden von mir? Das ist keine Attacke, oder? Ihr würdet probieren, euch anzuschleichen. Sollt ihr verhandeln? Ich werde das Angebot bei der nächsten Show annehmen, keine Sorge. Wenn das alles ist, könnt ihr gehen.” Marc Hill: “Nein, nein! Aiden weiß gar nicht, dass wir hier sind.”
Einen Moment lang flackert etwas über Breads’ Gesicht, das man schwer einordnen kann – seine Augen weiten sich, seine Lippen teilen sich, und er atmet scharf ein. Dann jedoch verengen sich seine Augen zu Schlitzen. Er deutet mit dem Kinn auf die Kamera.
Robert Breads: “Jetzt weiß er es. Das würde doch nur Sinn machen, wenn ihr-” Marc Hill: “Wir sind auf deiner Seite!”
Das scheint Breads wirklich kurz die Sprache zu verschlagen. Vorsichtig tritt Kasper einen Schritt näher an den Kanadier heran, doch der spannt die Arme an und hebt den Stuhl noch etwas höher.
Robert Breads: “Das ist eine Falle.” Marc Hill: “Nein, wir- Also, ich glaube, wir könnten dich wieder als Boss kriegen. Wir müssen nur die Entrepreneurin überzeugen, dann macht Lorenz auch mit, und Maximilian ist doch eh dein alter Kumpel.”
Mac Müll verschluckt sich und beginnt zu röcheln. Das wird von allen Parteien ignoriert.
Marc Hill: “Und ich kann mit Skaði reden, und die redet mit den Anderen, und dann können wir das hinkriegen. Mit dem Boss ist es... also, wenn wir ALLE zusammenarbeiten, dann kann doch alles ganz normal werden.” Robert Breads: “Das ist so naiv, das kann nur eine Falle sein. Ich glaube dir kein Wort.” Marc Hill: “Wir haben Schiss, okay?” Kasper: “Vielleicht.” Marc Hill: “Wir dachten nicht, dass es... so weit geht. Wir dachten, er macht sein Ding, und lässt uns in Ruhe. Wir können doch- Ich meine, was, wenn wir die LPG verlassen? Du kannst doch jetzt sicher Helfer gebrauchen.” Robert Breads: “Ich habe genug Hilfe.” Marc Hill: “Wirklich? Ich weiß, das sagst du zwar, aber-” Robert Breads: “Nennst du mich einen Lügner?” Marc Hill: “Nein, gar nicht, es ist nur so: Es ergibt doch Sinn. In sechs Monaten bist du weg, und so lange können wir von dir lernen, und es gibt keinen Grund für uns dich zu verraten, weil der Weg ja bald frei wird. Und du kriegst Unterstützung! Der Boss weiht uns nicht ein, was er plant, aber du weißt doch auch, dass er irgendwas machen wird.” Robert Breads: “Zum Beispiel dich und das Sprachrohr genau diese Dinge sagen lassen, um mir dann in den Rücken zu fallen.” Kasper: “Vielleicht.”
Mac Müll beobachtet diese Unterhaltung wie ein Tennis-Spiel, sein Nacken leistet Schwerstarbeit, während Müll den Kopf hin und her dreht.
Marc Hill: “Ich schwöre auf Rafael van der Vaart, das ist nicht die Idee vom Boss.” Robert Breads: “Das muss nichts heißen. Vielleicht ist das hier eure eigene Idee, um Punkte bei ihm zu sammeln. “Guck mal, wir haben den alten Sack für dich ausgetrickst, jetzt schafft er es gar nicht zu Title Night, POWER, FAKT, bla bla bla”.” Marc Hill: “Nein, man, wir wollen einfach nur WEG! Der Typ ist GRUSELIG, okay? Und ich glaube nicht, dass-” Robert Breads: “Wo waren diese Worte, als ich gedemütigt, beleidigt und blamiert wurde?”
Hill bleiben die Worte im Halse stecken.
Robert Breads: “Das fällt dir alles auf, nachdem du zum ersten Mal das Gefühl hast, die Nummer mit der LPG könnte nicht gut für dich ausgehen.” Marc Hill: “Das ist nicht fair.” Robert Breads: “Auch für Fairness interessierst du dich gerade zum ersten Mal.” Marc Hill: “Man, check doch, du bist paranoid! Wir wollen dir helfen! Wir sind kein trojanosiches Pferd oder so, wir wollen einfach... Alter, wir können alle kriegen, was wir wollen!”
Hill macht einen riskanten Schritt nach vorne. Breads bleibt angespannt, dann zucken seine Waden, und er geht selbst nach vorn und- -wirft den Stuhl klappernd zu Boden. Stattdessen steckt er sich nun die Hände in die Taschen seines Tracksuits und seufzt, während er auf Hill und Kasper zugeht. Der Hamburger ist ein Stück größer, der sonst Maskierte ein gutes Stück kleiner.
Robert Breads: “Ihr wisst, warum ich vorsichtig sein musste. Aiden und ich dürfen uns nicht attackieren, aber alle anderen dürfen mich schon angreifen.”
Die Schultern von Hill sinken in Erleichterung nach unten. Er setzt ein vorsichtiges Grinsen aus, während er zustimmend nickt.
Marc Hill: “Klar, du bist ja kein Idiot. Du bist schlauer als der Boss.”
Breads zuckt mit den Schultern.
Robert Breads: “Kann sein, kann nicht sein. Ich weiß bloß: Man muss Situationen nur von allen Seiten bedenken, wenn man einen Vorteil gegenüber Aiden haben möchte. Man darf nichts außer Acht lassen, keine Chance liegen lassen, keine Kompromisse eingehen. Sonst zerreißt er einen ohne Gnade.”
Hill nickt wie ein Wackeldackel, um seine Zustimmung zu signalisieren, während Breads den noch immer still schmunzelnden Kasper anspricht.
Robert Breads: “Man könnte Dinge zum Beispiel auch anders interpretieren, nicht wahr? Es ist nicht nur so, dass alle AUSSER Aiden mit attackieren könnten...” Kasper: “...du könntest auch alle außer Aiden attackieren.” Robert Breads: “So ist es.”
Marc Hill runzelt die Stirn. In seinem Hirn rattert es. Was meint Breads damit?
Robert Breads: “Ganz ehrlich, ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr die Wahrheit sagt. Wirklich. Aber “ziemlich sicher” reicht nicht, wenn wir über Aiden Rotari reden. Ihr könntet tun, was er will, ohne, dass ihr es selbst realisiert. Ihr könntet Teil des Plans sein, wie auch immer der aussieht, und ich kann das Risiko nicht eingehen. Aiden lässt mir keine andere Wahl. Tut mir leid.”
Mit einem Ruck zieht Breads seine Faust aus der Tasche des Tracksuits. Mac Müll kreischt auf, als es golden blitzt – ein Schlagring an den Fingern von Breads’ Hand, der Stuhl war nicht seine einzige Waffe – und Marc Hill mitten in einem “WARTE!” an der Schläfe getroffen wird. Hill sackt in sich zusammen und fällt auf den Boden. Der rote Saft, der von seiner Schläfe tropft, kontrasiert kaum merklich mit dem rot seines Trikots. Breads wirbelt zu Kasper herum. Der zeigt zum ersten Mal irgendeine Reaktion. Er blickt zu Mac Müll. Das ist sein Moment zu kämpfen. Oder wegzulaufen. Er kann es sich aussuchen. Und das ist das Problem: Kasper wartet darauf, dass ihm irgendjemand sagt, was er tun oder denken soll. Er fällt keine schweren Entscheidungen unter Druck selbst, das hat er noch nie gemacht. Vielleicht sollte er rennen. Vielleicht sollte er flehen. Vielleicht sollte er kämpfen. So viele Möglichkeiten. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht. Kasper geht stumm zu Boden, als ihn das Metall seitlich am Kopf trifft. Es ist für uns ein völlig Fremder, der hier zu Boden geht, obwohl er schon so lange in der GFCW ist. Das Sprachrohr ist ein Produkt und kein Mensch. Sie werden jemand anderen unter die Maske stecken. Wir haben Kasper gerade erst kennen gelernt und werden ihn vielleicht nie wieder sehen. Sei nützlich oder werde vergessen.
Mac Müll: “Das... das war...” Robert Breads: “Halt weiter drauf.”
Die Kiefer des Kanadiers mahlen. Es gilt, eine Botschaft zu senden. Kasper regt sich nicht - Gehirnerschütterung, vielleicht? - aber Marc Hill kommt gurgelnd wieder zu sich. Breads tritt zu ihm herüber und blickt auf ihn hinab. Marc Hill ist der LPG überhaupt erst beigetreten, weil Breads die Möglichkeit eröffnet hat. Er ist in diesem Schlamassel nur, weil Breads... Nein, er ist wegen seiner eigenen Entscheidungen hier gelandet. Wenn jemand außer Marc selbst Schuld hat, dann ist es Aiden Rotari. Oder? Breads schluckt schwer, die Reue in seinem Gesicht ist erkennbar, als er neben Hill tritt, der sich auf alle Viere hochgekämpft hat. Irritiert starrt Marc auf die kleine rote Pfütze, die sich direkt vor seinen Augen auf dem Asphalt bildet. Er scheint die Situation nicht einordnen zu können, weiß nicht, was da gerade mit ihm passiert ist. Oder passieren wird. Die Unterlippe von Breads bebt, als er neben Hill’s Kopf tritt. Breads hat bei der letzten Show noch gehört, wie Marc Hill von Title Night und der Anniversary Show gesprochen hat, Träume, die Breads zugunsten seiner eigenen Wiedergutmachung zerstören wird. Wenn er Rotari schlagen will, braucht er jeden Vorteil, den er kriegen kann. Eine solche Chance, seine potenziellen Handlanger auszuschalten, kommt vielleicht nicht nochmal. Es ist die richtige Entscheidung, wenn man wie Aiden Rotari denkt. Aber Breads ist nicht Rotari. Und deswegen kann er sich von Schuldgefühlen nicht freisprechen. Man hat ihn als Head Coach einst eingestellt, damit er der nächsten Generation erlaubt, ihre Träume zu erfüllen. Nun löscht er einmal mehr einen davon aus selbstsüchtigen Gründen aus. Als würde er einen Fußball beim Elfmeter in den Winkel donnern wollen knallt Breads Marc Hill den Fuß an die Schläfe. Ein heftiger Punt Kick, den Hill weder kommen sieht noch abwehren kann, und er sackt sofort reglos zusammen. Der massige, muskulöse Körper von Hill liegt neben der kleineren, sehnigeren Gestalt von Kasper. Breads deutet auf die Kamera, damit diese ihn im Fokus hat. Dann steigt er – ein wenig behutsamer, als man das vermuten würde - mit einem Fuß auf die Brust von Marc Hill.
Robert Breads: “Das hier passiert allen, die es mit Aiden Rotari halten. Werft eure Karriere nicht weg für jemandem, dem sie nichts bedeutet. Ich werde das Rotari-Problem bei Title Night lösen. Vertraut mir einfach.” Mac Müll: “Haben... haben die beiden nicht auch gerade versucht dir zu vertrauen?”
Der Interviewer tritt ins Bild, ein wenig zittrig, aber gefasst. Er ist seit Ewigkeiten hier, er hat ähnliche Dinge schonmal gesehen. Und völlig Unrecht hat er nicht. Es ist eine komplexe Situation, in der Breads es sich womöglich ein wenig leicht macht, wenn er die Verantwortung für diese Tat auf Aiden Rotari schiebt. Dieser hat es vorhin noch gesagt: Nur, weil er nun gegen Aiden kämpft, ist Robert noch lange nicht weniger menschlich verkommen als zuvor. Ist es wirklich wichtig, ob man sich dabei schlecht fühlt oder nicht, wenn man jemanden schwer verletzt? Wird Marc Hill sich besser fühlen, wenn er Title Night vor dem TV verfolgen muss, weil es Breads leidtat? Rotaris Ansatz ist immerhin ehrlich und konsequent in seiner Grausamkeit. Am Ende sind beide selbstsüchtige Monster. Die GFCW kann fast froh sein, dass sie sich gegenseitig zerfleischen wollen. Beide scheinen Kollateralschäden billigend in Kauf zu nehmen.
Robert Breads: “Ruft das Medical Team. Die beiden sollten in ein Krankenhaus.”
Und bis Title Night haben wir noch sechs Wochen.
Backstage steht einmal mehr die bezaubernde Tammy bereit um ein Interview zu führen. Bei ihr zwei wahrlich nicht minder bezaubernde Frauen, deren Haar noch perfekter und vor allem umfangreicher fällt als das Ihrige und die gerade eben einen Sieg einfahren konnten gegen die mehr oder minder lokalen Talente.
Tammy: „Wie meinst du das?“ Brigitte Reflet: „Es ist doch offensichtlich, dass Aya sich für eine sehr viel größere Nummer ‘ält, als er eigentlich ist. Er denkt er wäre ein Superstar, dabei ‘at er dank Jay Taven über’aupt erstmals einen Titel gewonnen. Ja, dank Jay Taven, nicht trotz Jay Taven.“
Tammy: „Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen: Wie meinst du das?“ Shizuku
Shikishima „Verausgabt und aufgeopfert Jay Taven sich
hat. Brigitte Reflet: „Genau! An sich keine schlechte Strategie einen als Prügelknaben vorzuschicken und dann den Stärkeren die Matches beenden zu lassen, mit ähnlichen Strategien sind ja etwa auch Best Fortune und das Shogunate of Doomination bei WFW sehr erfolgreich. Aber Aya in seinem Größenwahn ’at das nicht natürlich gereicht. Ver’alten wie von jemandem, der stets auf dicke ‘ose machen muss, weil in der ‘ose nicht viel drin ist und das keiner merken soll. Weder vorn noch hinten, weil der Arsch nicht in der ‘ose ist, sondern die ganze Person der Arsch ist.“
Shizuku
Shikishima „Eine sehr große Tonne es dafür
braucht.
Shizuku
Shikishima „Laut sagen du das kannst. Brigitte
Reflet: „Die Tag Team Division ist also dünn besetzt
und niemand will das Gold? Nun, das Erste haben wir schon vor
Monaten gesagt, nur wollten es die Fans damals nicht richtig
wahr’aben. Das Zweite stimmt definitiv nicht, denn wir
wollen das Gold. Ansonsten liegt es vielleicht auch etwas an den
Champions wie gut eine Division läuft? Vielleicht war der
Tag Team Titel auch des’alb nicht gut angese’en, weil
ihn ‘alt jemand wie Aya getragen ‘at? Soll ‘eißen
niemand, den die Topleute ernst genug nehmen, um gegen ihn
antreten zu wollen und der gleichzeitig mies und unfair genug
ist, dass diverse talentierte Teams ihre Zeit mit ihm nicht
verschwenden wollen? Da kann sich die World of Darkness
‘instellen und be’aupten alle ‘ätten Angst
vor ihnen, so viel wie sie wollen, aber niemand ‘atte
jemals Angst vor Jay Taven und das einzig un’eimliche an
Aya ist Jimirion. Und das auch nur weil man stetig Angst ‘aben
muss, dass der alte Mann plötzlich umkippt. Dauernd
Nebelpillen schlucken und dann wieder ausspucken wie ein
Bulimiekranker, das kann auf Dauer nicht gesund sein.“
Sven: „Wäre GFCW auf den hässlichen Sohn von dir hässlichen Kröte angewiesen, dann würde es echt schlimm um uns stehen. Ist aber zum Glück nicht der Fall, weil wir ALDO NERO haben, der GFCW nicht nur in eine glorreiche Zukunft führt, sondern bereits für eine großartige Gegenwart sorgt!“
© 2001-2025 GFCW – German Fantasy Championship Wrestling
Danke an alle Schreiber!!!
|