War Evening, Campo Pequeno (Lissabon, Portugal), 29.05.2026


In Kooperation mit



Lissabon. Praça de Touros do Campo Pequeno. Die Stierkampfarena am kleinen Platz. 9.000 Zuschauer harren in einer der architektonisch außergewöhnlichsten Arenen, in denen War Evening jemals zu Gast war, dem Start der Veranstaltung entgegen.

Seit 1892 werden auf dieser Fläche Stiere gemurkst, doch die Bullen und Bullinnen, die heute im Mittelpunkt stehen, laufen auf zwei Beinen, tragen Spandex und dürfen davon ausgehen, mit dem Leben davonzukommen. An diesem Tag muss niemand einen traurigen Fado anstimmen, denn alles ist perfekt vorbereitet für einen Kampfabend der Extraklasse – mit einer ungewöhnlichen Card für eine Wochenshow. Und um eben jene genauer zu betrachten, wird an Pete und Sven herangezoomt. Die beiden Matadoren am Mikrofon haben ihr gewohntes Willkommens-Lächeln im Gesicht und fixieren die Kamera.


Pete: „Bem-vindos ao War Evening, senhoras e senhores. Herzlich Willkommen, zu War Evening, meine Herrinnen und Herren.“

Sven: „Ohoho, hört her, der polyglotte Pete.“

Pete: „Wir beginnen die große Conquista-Europatournee. Und unser Startpunkt ist diese herrliche Arena hier, in der ich den Atem der Geschichte riechen kann.“

Sven: „Das ist der Gestank toter Rinder.“

Pete: „Wir haben eine hervorragende Show vor uns. Nicht weniger als sechs Matches erwarten uns hier in Portugals Hauptstadt. Und gekrönt wird alles mit einer Open Challenge um unseren höchsten Titel. Was kann da noch schiefgehen? Heute muss kein Bulle sterben, damit wir Spaß haben.“

Sven: „Richtig, wir haben schließlich nicht den 01. Mai.“

Pete: „Im Sinne von Stier, meinte ich.“

Sven: „Achsooooo.“

Pete: „Schauen wir uns mal an, was heute bevorsteht.“


Open Challenge:

Punk n’ Jump Alliance (Jackie D’Arcy & Rodrigo Gaya) vs. ???

Referee: Howard Eagle


Sven: „Kommen wir zum nächsten Match.“

Pete: „Warte, warte. Ich finde es schon interessant genug, um darüber zu spekulieren.“

Sven: „…“

Pete: „Was mag der Hintergedanke der PnJA sein, eine Open Challenge zu stellen? Woher haben die Beiden plötzlich dieses Selbstbewusstsein? Denn ehrlicherweise ist der Fußabdruck, den dieses Duo bislang hinterlassen hat, nicht sonderlich groß. Ich kann nur vermuten, dass da etwas Größeres im Busch ist. Und bin mir sicher, dass wir mehr zu den Hintergründen erfahren werden. Was sagst du, Sven?“

Sven: „Kommen wir zum nächsten Match.“


Singles Match:

Stella Nova vs. Jay Taven

Referee: Peter Cleven


Pete: „Klar verteilte Rollen, würde ich sagen. Stella Nova, ein Name von Weltrang. Und auch ihre GFCW-Form ist gut, zuletzt hat sie sich an der Seite von Mad Dog bei New Level durchgesetzt. Obwohl sie auf der ungünstigen Seite einer Handicap-Konstellation stand.“

Sven: „Weil Iokepa abgezischt ist.“

Pete: „Nein. Iokepa ist erst gegangen, als er den Betrugsversuch seines Partners Ben Slate gesehen hat. Zuvor hat er mitgekämpft und damit war es ohne jeden Zweifel ein Handicap-Match. Welches Stella und Mad Dog mit einer starken Leistung für sich entschieden haben.“

Sven: „Also hat Jay Taven keinerlei Chance.“

Pete: „Ist anzunehmen. Aber er hat uns schon manchmal überrascht. Sei es an der Seite von Aya bei seinem kurzzeitigen Karrierehoch als Tag-Team Champion oder…“

Sven: „…als Rapper am Mikrofon.“

Pete: „Das wird ihm heute nicht unbedingt zum Sieg verhelfen.“

Sven: „Es sei denn, Stella Nova lacht sich vorher tot. Über ihn.“


Tag Team-Match:

Hollywood Jake & Iray Burch vs. Refuse to Age (Danny Rickson & Robbin Zick)

Refereee: Mike Kontrak


Sven: „Ich finde es schwer, hier einen Wunschsieger zu benennen, weil alle vier Beteiligten im Kampf richtig sympathische Typen sind.“

Pete: „Es ist ein Kampf mit Vorgeschichte. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das GFCW-Office den Beteiligten einen Gefallen damit tut, diesen Kampf anzusetzen. Denn eigentlich…“

Sven: „…wollte Shelly Nafe Danny Rickson doch grad rumkriegen.“

Pete: „Sie wollte ihn in ihr Team holen. Weg von Refuse to Age. Doch jetzt muss ihr Mandant Iray Burch GEGEN Rickson antreten. Das dürfte unseren Hall of Famer nicht unbedingt darin bestärken, dass sein Platz an der Seite von Nafe ist. Denn wenn Iray Burch die Wut über das verlorene GFCW-Titelmatch von New Level heute rauslässt, dann uiuiuiui.“

Sven: „Wir haben auch noch Jake und Robbin. Der GFCW-Nachwuchs mit der richtigen Einstellung. Zumindest im Fall Jake dürfte Darragh Switzenberg das aber nicht mehr so sehen.“

Pete: „Du hast Recht, Sven. Es war einer der möglicherweise bedeutsamsten Momente von New Level abseits der Matches: Nach langem Überlegen hat Hollywood Jake entschieden, sich aus dem Switziverse zu lösen. Die nun schon wochenlange Abwesenheit und Funkstille von Darragh Switzenberg war für ihn zu viel…“

Sven: „…und er ist in die Arme von Shelly Nafe geflohen.“

Pete: „Das hat er explizit noch gar nicht gesagt. Aber die Ansetzung dieses Kampfes dürfte den letzten Zweifel daran auch ganz ohne explizites Statement gelöst haben. Shelly, Iray und Jake sind also fortan zu dritt unterwegs. Und damit wird der Nafe Effect noch gefährlicher.“

Sven: „Und falls Danny wirklich eines Tages noch dazukommt. Uiuiui.“


Anmeldung für die Tag-Team Battle Royal für WE in Barcelona


Pete: „Beim kommenden War Evening werden Zerbeus in einer Battle Royal ermitteln, wer sie zukünftig um die Titel herausfordern darf.“

Sven: „Eine attraktive Möglichkeit für jedes Team, das etwas auf sich hält.“

Pete: „Also ist davon auszugehen, dass es später im Ring richtig voll wird, wenn Zerbeus nämlich alle potenziellen Herausforderer in die Halle bitten, um sich anzumelden. Ich bin sehr gespannt. Wer ist alles dabei? Sehen wir Neulinge? Rückkehrer? Talente? Große Namen? Everything is possible.“

Sven: „Tudo é possível.“


CR7 GOAT Special Rules SSSIUUU Match:

Ein hochrangiger Vertreter Portugals vs. Jona Pexianer

Referee: Karo Herzog


Sven: „SSSSSSSSSIIIIIIIIIUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU!“

Die ganze Arena, ach was: ganz Lissabon - vielleicht gar das ganze Land - erhebt sich und stimmt in Svens Kriegsschrei mit ein. Die Seele einer Nation, vereint in einer Stimme aus tausenden Kehlen.

Pete: „Ein Match, zu dem…“

Sven: „SSSSSSSSSIIIIIIIIIUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU!“



Pete und Sven blicken überrascht drein, als ihre Cardansage plötzlich unterbrochen wird. Und zwar vom Ertönen einer bekannten Musik.



Sven: „Was macht dein nichtsnutziger Sohn hier, Pete? Das hier ist MEINE Bühne. Meine Zeit vor der Kamera.“

Pete: „Ich weiß nicht, Sven.“

Sven: „Was soll das heißen, du weißt es nicht? Hast du nicht mal deine Kinder im Griff, du Rabenvater?“

Unter überwiegend positiven Reaktionen steht Jona Pexianer auf der Rampe. Mit dem Auftritt des Wrestlers war erst deutlich später gerechnet worden – nämlich zu dem Zeitpunkt seines Matches. Doch seiner Miene ist anzusehen, dass ihm etwas auf dem Herzen liegt.

Und er wirkt nicht gerade positiv gestimmt.


Jona Pexianer: „Ich habe eine Frage…“


Er blickt ans Kommentatorenpult, dann ins Publikum.


Jona Pexianer: „…was zur Hölle ist dies für ein Match?“

Sven: „SSSSSSSSSIIIIIIIIIUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU!“

Jona Pexianer: „Warum werde ich in einen Kampf gesetzt, von dem ich nicht einmal die Regeln kenne? CR7 GOAT Special Rules SSSIUUU Match – ist das einfach nur eine Ansammlung irgendwelcher Wörter oder steckt ein Sinn dahinter, den ich nicht verstehe?“


Seine Augen verengen sich, weil einfach aus keiner Ecke dieser Arena eine Antwort kommen will. Jona Pexianer war noch nie als ein Mann ausgeglichener Nerven bekannt – und zum (vermeintlichen) Narren gehalten zu werden trägt dazu auch nicht bei.


Jona Pexianer: „Was ist ein hochrangiger Vertreter Portugals? Kommt hier gleich ein Diplomat raus? Der Präsident? Ich habe das Gefühl, jemand macht sich hier auf meine Kosten lustig und das ist…“

Sven: „…genau richtig so.“


Der Fokus des Youngster dreht sich in Richtung Sven.


Jona Pexianer: „Weißt DU etwa, was das für ein Match sein soll?“

Sven: „Nein.“

Jona Pexianer: „Dann halte den Mund, Sven.“

Sven: „Nein.“


Feindselige Blicke fliegen zwischen Pult und Rampe hin und her. Doch letztendlich bleibt Pexianer nicht übrig, als geschlagen zu seufzen und die Schultern hängen zu lassen. Sein Auftritt hat ihm keinen Zentimeter näher die Lösung des Rätsels gebracht.

Also wendet er sich grummelnd um, ballt die Hand zur Faust und zieht sich zurück in den Backstagebereich. Ihm steht ein Abend bevor, an dem er sich auf ein Match hervorbereiten muss, das nicht ist, außer ein großes Mysterium.


Sven: „SSSSSSSSSIIIIIIIIIUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU!“


Tag Team-Match:

TnB (Titan & Tha Bomb) vs. Modern Erasers (Iokepa & Bella Venera)

Referee: Ricky Murk


Pete: „Ein Match mit vier Personen, die New Level verärgert beendet haben. TnB haben es nicht geschafft, Zerbeus zu entthronen und Iokepa…“

Sven: „…hat Bella so zurückgelassen, wie du die Mutter deines Sohnes, nachdem du gedankenlos in sie hereingejockelt hast.“

Pete: „LÜGE!“

Sven: „Nein, FAKT! Iokepa hat sich dazu entschieden, Bella Venera und Ben Slate im Stich zu lassen. Du hast es doch selbst gesehen.“

Pete: „Aber ICH habe niemanden zurü…“

Sven: „Juckt nicht.“

Pete: „…“

Sven: „Es geht in diesem Match also um Wiedergutmachung. Doch die Frage wird auch sein, wie der Stand zwischen Io und seiner Bella ist. Ich kann mir vorstellen, dass Bella es nicht so geil findet, einen Kampf zu verlieren, nur weil Iokepa meint, plötzlich nicht mehr auf einer Linie mit Ben Slate sein zu wollen.“


GFCW World Championship

Open Challenge

The End © vs. ???

Referee: Jack Bobo


Pete: „Die Conquista-Tournee könnte mit einem riesigen BANG beginnen, denn wenn es für The End schlecht läuft…“

Sven: „…und somit für die Liga gut…“

Pete: „…dann wird er heute seinen Titel verlieren. Gegen jemanden, dessen Identität er selbst noch nicht kennt. Denn The End ist so selbstbewusst, eine Open Challenge um den größten Preis der GFCW-Galaxy zu stellen. Das hat man auch nicht jeden Tag.“

Sven: „Wir wissen alle, wer diese Open Challenge annehmen sollte. Buchstabiere es mit mir, Pete. A-L-D…“

Pete: „Alle kommen in Frage. Vielleicht gibt es sogar eine Massen-Schlägerei zwischen dem Roster, weil eine ganze Masse zum Ring drängt.“

Sven: „Das wäre geil.“

Pete: „Dieser Kampf ist jedenfalls die Kirsche auf der Sahne einer Show, die ohnehin schon Fantastisches verspricht. Portugal, es ist uns eine Ehre! Geben wir den Startschuss für ein War Evening der Extraklasse.“






Die Show nach New Level beginnt mit dem Alten Champion. The End hat das geschafft, was vor ihm noch keiner geschafft hat, er hat das Monster Iray Burch besiegt und geschlachtet und damit geht seine Regentschaft weiter.

Die Halle ist dunkel und die Stimmung bebt, als die Bühne frei ist, für den Champion, hier in Portugal seinen feierlichen Entrance zu machen.

End betritt die Bühne, in seinem Scheinwerferspot, mit dem GFCW World Championship und die Menge jubelt und feiert. Von End gibt es dafür einmal mehr einen recht stoischen Blick, hinter dem sich vermutlich zumindest ein bisschen Anerkennung für diese positiven Reaktionen versteckt.


Pete: „Ob man es mag oder nicht, wobei du wohl in der großen Minderheit bist, von denen, die es nicht mögen, aber unbestreitbar ist, dass End eine Übermacht ist. Ein Champion, der scheinbar unaufhaltsam ist.“

Sven: „Der Einzige, der diese Übermacht besiegen könnte, ist der, der es schon mal getan hat. Aldo wo bist duuuu?“

Pete: „Vielleicht gerade auf dem Weg zur Halle, weil er die heutige Open Challenge von The End annehmen wird?“

Sven: „Spiel nicht mit meinen Gefühlen.“

Pete: „Aber es ist so, End wird heute – gerade mal zwei Wochen nach dieser Schlacht von einem Match gegen Burch, seinen Titel bereits wieder auf Spiel setzen, wie er es auch bei New Level gesagt hat. Er wartet selbstverständlich auf die nächste Herausforderung und das in Form von dieser offenen Herausforderung an den GFCW-Lockerroom. Irgendwelche Vermutungen, wer das Match annehmen wird?“

Sven: „Argh. Ich sage es wirklich ungern, aber du hast leider recht, denn und auch das sage ich ungern: End ist einer der dominantesten Champions, die wir hier in langer, langer Zeit hatten und wer auch immer sich ihm stellen wird… er muss auf alles gefasst sein und alles geben um eine Chance zu haben.“


End hat den Ring inzwischen erreicht und ihn betreten. Dort hört der Jubel, der ihm entgegenschwingt, noch nicht auf, vielmehr saugt er diese Reaktionen noch für eine Weile auf, bis der Jubel schließlich langsam ausklingt, denn offenbar ist man interessiert daran, was er zu sagen hat, denn eigentlich ist die Open Challenge ja erst für den Main Event angesetzt.


The End: „Bei New Level habe ich getan, was ich gesagt habe. Ich habe das Monster Iray Burch besiegt. Shelly Nafe war nicht die Kontrolle… ich war es.“


Die Menge jubelt abermals lautstark auf, denn offenbar sieht man das hier ganz genauso.


The End: „Und einmal mehr habe ich die GFCW vor einer Gefahr beschützt, nicht weil ich es kann, sondern, weil ich es muss.“


Auch diese Worte hat The End bei New Level bereits gesprochen und genau das ist es, was The End seit dem Beginn seiner Regentschaft predigt: dieser Title-Run ist seine Pflicht, seine Verantwortung.


The End: „Und deshalb werde ich auch heute das tun, was ich bei New Level gesagt habe. Ich habe verkündet, dass ich nach der Schlachtung Burchs die nächste Herausforderung erwarten werde. Das ist es, was ich seit Title Night tue. Und GFCW, ihr hattet zwei Wochen Zeit, jetzt haben eure letzten Stunden begonnen, bevor ich heute im Hauptkampf des Abends erneut herauskommen werde, um diesen Titel aufs Spiel zu setzen. Falls sich einmal mehr kein Gegner finden sollte… tja, dann Gnade euch Gott.“


In einer Mischung aus dem Selbstverständnis seiner Machtposition und fast schon enttäuschter elterlicher Fürsorge, droht End dem Roster der GFCW, wobei es inzwischen vermutlich einige Wrestler*innen gibt, die es sehr auf seinen Gürtel abgesehen haben, wer es nun konkret wird, der da heute herauskommen und seine Herausforderung annehmen wird, darauf müssen wir wohl noch etwas warten…

oder?



Wieder brandet der Jubel lautstark auf, als die ersten Riffs von Lynyrd Skynyrd durch die Boxen dröhne. Schließlich sind viele Menschen hier aus Lissabon, der Umgebung oder aus anderen Teilen der Welt nicht nur wegen The End hierhergekommen, nein, auch dieser Mann, der nun mit dem Heraustreten auf die Rampe das Gro an Begeisterung noch einmal zu steigern vermag, ist ebenso ein „Zugpferd“ für die GFCW.

The End registriert die Ankunft von Mad Dog dabei erstmal, ohne, dass er sich mit einer Reaktion zu verraten droht, was er wirklich darüber denkt: ist Mad Dog, der scheinbar seine Herausforderung annimmt, nun ein guter Gegner oder nicht? Oder erwartet End hier etwas ganz anderes. Schauen wir mal.

Mit einem Lächeln auf den Lippen betrachtet Mad Dog die tobende Meute, während seine Augen das Rund durchforsten. Schließlich aber bleibt sein Blick auf dem Ring haften und auch hier schenkt er dem überraschten Champion ein Lächeln – wobei dieses jetzt allerdings eine gehörige Spur Verrücktheit beinhaltet, ob der Möglichkeiten, die sich aus seinem Auftreten jetzt ergeben.


Pete: „Wird etwa Mad Dog der heutige Herausforderer auf den Titel?! Das wäre ja atemberaubend."

Sven: „Nicht in dieser weichgespülten Verfassung… als er sich hier noch Simargl nannte, hat er mir deutlich besser gefallen.“

Pete: „Auch mit dieser Meinung stehst du womöglich allein da. Hör dir die Fans an, was sie von der Begegnung halten!“


Mad Dog klatscht mit einigen Fans ab, die ihm die Hände reichen. Viele kennen seine großen Matches aus Deutschland, Amerika oder Jamaika – die Auslandstouren nicht zu vergessen. Doch endlich tritt er mit einem Mikrophon in der Hand in den Ring und stellt sich The End gegenüber. Während die Musik verstummt, stehen sie kurz da – Face to Face.

Es ist förmlich zu spüren, dass das Campo Pequeno euphorisiert ist, diese beiden Männer jetzt zu sehen, sie heute womöglich gegeneinander in einem Match zu haben… wer hätte das vor dem Event gedacht?!


Mad Dog: „Du bist schon so lange Champion wie ich in der GFCW weile, doch die Gepflogenheiten eines Anführers hast du noch nicht verinnerlicht, huh?!“


Irritiert zieht The End den Kopf zurück, während sich der Hund von ihm abwendet und links und rechts zu den Fans schaut.


Mad Dog: „Guten Abend, LISSABON!!!“


Noch einmal knallt die brachiale Lautstärke hinab auf den kleinen Squared Circle in die Ohren der beiden Protagonisten sowie durch die Mikrophone in die unseren. Der Night Fighter muss unweigerlich lachen, End allerdings scheint von dem Cheap Pop erstmal weniger beeindruckt. So sehr ihn die Fans auch lieben gelernt haben, so sehr hält sich End nach wie vor damit zurück, darauf wirklich einzugehen. End beobachtet Mad Dogs Vorgehen allerdings weißerhin, gerade, weil er weiß, dass es einen ernsten Hintergrund hat, ihn nicht als gewissenhaften Edelmann zu charakterisieren.


Mad Dog: „Aber damit ist den Gepflogenheiten noch nicht Genüge getan… zwei PPVs bestritten, zwei Mal die Veranstaltung abgeschlossen – die Königsdisziplin unserer Zunft – und beide Male erfolgreich hinausgetreten. Erst Monica Shade und Stella Nova… Vor allem bei Stella habe ich ja jetzt unmittelbar miterleben können, zu was sie fähig ist… und was sie alles einstecken kann, huh?!“


Er zieht ehrlich beeindruckt die Augenbrauen hoch und auch das Publikum scheint dieser Meinung zu sein, sonst würden sie nicht ihren Zuspruch durch lautes Klatschen und Rufen äußern. Ein Fangirl kommt ins Bild, auf dessen Plakat „Stella Nova + Mad Dog = “ zu sehen ist. Süß.


Mad Dog: „Und schließlich Iray Burch.“


Nun schwingt die Reaktion ins Gegenteil um. Buhrufe und Pfiffe werden laut.


Mad Dog: „Auch ihn hast du hinter dir gelassen, bist an deine Grenzen gegangen und hast ihn ebenso wie seine Schlange, Shelly Nafe, erstmal auf ihre Plätze verwiesen. Gut! Also… und das tue ich jetzt nicht nur wegen der Etikette, sondern weil ich es wirklich ehrlich meine. Meinen Respekt und meinen Glückwunsch!“


Er streckt The End die Hand entgegen. Der Champion betrachtet die Pranke des Night Fighters einen Moment und die Fans hätten es wohl auch sehr gern, dass er einschlägt, zumindest deutet ein Aufschrei an Jubelchants daraufhin.

allerdings hält sich The End noch zurück. Er mustert Mad Dog weiterhin und scheint die Respektsbekundung auch tatsächlich anzunehmen, aber einschlagen? Ne, soweit sind wir noch nicht.


The End: „Dankeschön.“


Ein verhaltenes, leicht skeptisches, aber scheinbar doch eher ehrliches Dankeschön, das aber einmal mehr nicht ohne das Gefühl gesprochen wird, als würde sich ein doppelter Boden darunter verstecken.


The End: „MAD DOG, meine Damen und Herren.”


Wieder jubelt die Menge laut auf, nur ist es diesmal The End, der sich an einer cheapen Popvariante versucht, wobei man den Eindruck nicht ganz verkennen kann, als würde er mit einem gewissen Hohn auf Mad Dog kurz zuvor anspielen.


The End: „Lange nicht mehr gesehen und doch… habe ich dich nicht vergessen. Wie könnte ich auch? Dein Einfluss in dieser Liga ist unverkennbar, nicht zuletzt, dank deinem eindrucksvollen Sieg über die Modern Erasers.“


The End formuliert diesen Erfolg, als würde er damit auf etwas anderes hinauswollen.


The End: „Das Ende eines Kapitels.“


End schaut zu Mad Dog, pausiert kurz und fährt dann fort.


The End: „Und jetzt, ist die große Frage: wie geht es weiter? Bist du jetzt bereit für das größte, was diese Liga zu bieten hat?

oder bist du nur hier, um mir zu gratulieren?“


Wieder legt sich dieses undurchsichtige Grinsen auf die Lippen der Töle – jenes Zähne-Zeigen, das bereits auf der Stage sein Gesicht schmückte, als er The End im Ring erspähte.


Mad Dog: „Danke, End. Yeah, das Ding ist für mich beendet. Ich habe zwei Mal klar gegen die Modern Erasers gewonnen. Was das Match bei New Level angeht, liegt allerdings ein großer Anteil auch bei Stella – ich kann mich froh schätzen, sie auf meiner Seite zu wissen. Und es wäre dumm von uns beiden, wenn wir diesen Impact nicht nutzen würden, huh?! Also gehen wir weiter gemeinsam durch die GFCW.“


Das freut den Campo Pequeno merklich. Und wieder sehen wir auch das Mädchen mit ihrem Plakat.


Mad Dog: „ABER…“


Für einen Moment wird es still. Die Augen des Champions verengen sich erwartungsvoll.


Mad Dog: „…das hält mich nicht davon ab, heute auch meinen Ambitionen im Singles Bereich nachzugehen. Ich habe lange auf die Chance gewartet und wenn sie mir so präsentiert wird, huh?! Heute Abend heißt es endlich… THE END VERSUS MAD DOG! GFCW HEAVYWEIGHT CHAMPIONSHIP!“


Nun ist es raus. Und die Menge schreit ihre Euphorie heraus. Doch sogleich scheinen sich auch schon Fanlager zu bilden – die einen, die den Namen von The End schreien, die anderen, die den Namen von Mad Dog rufen. Und natürlich jene, die sich nicht entscheiden können und einfach bei beiden mit chanten.

Und jetzt lächelt The End tatsächlich, aber vielmehr wie das wilde Tier, dass endlich die Möglichkeit sieht seine nächste Beute zu reißen, denn, um direkt in die nächste Metapher zu wechseln, als die beiden sich das letzte Mal gesehen haben, hat The End bereits angekündigt, dass er Mad Dog als „Trophäe“ gern in seiner Vita hätte, als weitere Legende, die The End nicht besiegen konnte.


The End: „Ich habe eine Herausforderung erwartet und verdammt, wenn das mal keine würdige Herausforderung ist.“


Wieder bricht die Menge im Jubel aus, denn ein spontanes „The End Vs. Mad Dog“-Match UM den GFCW World Title ist dann doch eine große Nummer für Lissabon.


The End: „… allerdings… frage ich mich, was wohl Stella Nova davon denken wird? Was ist mit den Tag Team Titeln? Was mit Zerbeus? DAS hier… ist keine Sidequest. Keine Eventualität, das habe ich dir bereits bei unserem ersten Treffen gesagt. Das hier… ist der höchste Preis der Liga und wenn du ihm nicht mit dem Fokus gerecht wirst, dann wird dieses spannende Match eine einseitige Angelegenheit.“


Der Night Fighter nickt nach den Worten des Champions und legt nachdenklich den Kopf schief.


Mad Dog: „Du hast Angst, dass ich nicht alles geben könnte, weil ich abgelenkt bin, huh?! Come on – der GFCW Heavyweight Titel ist der geschichtsträchtigste Gürtel in der gesamten Wrestlinglandschaft. 2016 stand ich bei Title Nights schon kurz davor, heute habe ich eine einmalige Chance ihn endlich zu erringen.“


Die unbekannte Konstante schaut auf das Titelgold und sonnt sich kurz in dessen Schein. Nun fliegt ihr Blick wieder zurück in die Augen des Champions.


Mad Dog: „Seien wir realistisch: Ich werde kein Champion sein, der eine Liga neu definiert – wie auch mit 50? Ich werde kein Fighting Champion, keiner, der die GFCW gegen alle möglichen Bedrohungen verteidigen kann. Nicht der große Held… Diese Zeit ist vorbei… Ebenso wie jene Zeit der Unklarheit oder des Wankelmuts. Ich werde ebenso wenig ein unsicherer Champion sein, der sich mit allen erdenklichen Mitteln am Gold festkrallt und sich dabei selbst verliert. Auch diese Zeit ist vorbei.“


Nun macht er einen Schritt auf den Champion zu.


Mad Dog: „Ich bin die unbekannte Konstante. Man muss sein A-Game bringen, um mich zu besiegen! Denn ich bin frei davon, irgendetwas als Champion darstellen zu müssen oder irgendjemandes Ideen oder Fokuslegung zu akzeptieren. Dann habe ich halt zwei Championships und einen Turniersieg in der Tasche – und?! Du glaubst Freiheit gewonnen zu haben, indem du dich von den Corleone Boys getrennt hast. Doch immer wieder fällst du ins gelernte Fahrwasser… Wie schwer ist es, aufrecht zu gehen, End, huh?! Gelernt ist gelernt. Bewährt ist bewährt. Wer bist du wirklich? Definierst dich ja eh lieber über Iray Burch, indem du sein Gegenpart wirst, anstatt du selbst zu sein. Vielleicht hast du Burch kontrolliert, aber du bist nicht ‚die Kontrolle‘! Das waren Shelly Nafes Worte, huh?! Wie schwer ist es, das zu finden, was dich wirklich ausmacht, wenn immer andere bestimmen, wer du bist?“


Nun stehen die beiden Auge in Auge gegenüber. So wie zu Beginn. Doch dieses Mal ist keine Anerkennung in ihren Gesichtern, weder Lächeln noch Sympathie.

Es ist Aggression, die aus ihren funkelnden Augen trieft.


Mad Dog: „Ich bin die unbekannte Konstante – niemand wird mich definieren. Und daher wird niemand meinen Gegenpart spielen. Niemand spielt ein Psychospiel mit mir, da ich sie alle kenne. Überleg dir, was du damit machst!“


Sagt er und wirft das Mikro auf den Boden.

End scheint diesen jetzt doch recht aufbrausenden Zorn von Mad Dog tatsächlich mehr zu schätzen, als die freundschaftliche Herangehensweise zu Beginn – und er erkennt auch, dass Mad Dog den Titel tatsächlich nicht als „Side Quest“ sieht, wenn er die Bedeutung des Titels auch auf eine andere Art und Weise zu betrachten sieht, als End es tut.

Aber wie auch immer, in jedem Fall steht fest, dass Mad Dog tatsächlich die Herausforderung ist, die The End sich gewünscht hat und das ist etwas Gutes.


The End: „Wer ich bin?“


allerdings wird sich The End natürlich auch definitiv nicht so zusammenstauchen lassen. Er erkennt Mad Dogs Worte an, aber auf sich sitzen lassen kann er sie nicht.


The End: „Ich… bin der verdammte GFCW World Champion.“


Die Menge jubelt einmal mehr lautstark auf. Ends Miene wird dabei nun doch wieder immer ernster.


The End: „Und ich bin – ob nun unbekannt oder bekannt – DIE Konstante dieser Liga und das bin ich seit über fünf Jahren.

Denn egal, wer mir gegenübersteht, mich interessiert nicht, wer du bist oder woher du kommst, mich interessiert nur, dich zu besiegen. Das war bei allen meinen Gegnern so und so ist es auch bei dir. Burch, Nafe, Shade, Nova… sollen sie alle kommen, ich halte stand, ich bin unvermeidbar und ich bin ganz sicher kein Gegenpart.

Ich bin der Berg, den es in dieser Liga zu erklimmen gilt. ICH bin das Monster, dass niemand bezwingen kann und ich bin derjenige, der erobert werden muss.“


Eine Anspielung auf Ends Eroberung und später auch Aldos Eroberung, die beiden Missionen der Corleone Klienten, die mit dem Sieg des GFCW World Titles geendet haben.

Jetzt ist End nicht mehr auf Eroberungs-Feldzug, jetzt ist er es, den man erobern muss, um selbst Champion zu werden.


The End: „Ich… freue mich, dass du es versuchst, aber wie alle anderen wirst auch du bei dem Versuch scheitern. Wir sehen uns im Main Event.“


Auch End wirft das Mikro weg, er steht nun mit intensivem Staredown vor Mad Dog und reckt den Titel in die Luft. Die Fronten sind geklärt, das Main Event steht und nun bleibt die Frage, wer Portugal als GFCW World Champion verlassen wird.



Jackie D’Arcy: „Eine Open Challenge? Was hast du dir dabei gedacht, Rod? Es könnte jeder auftauchen.“

Rodrigo Gaya: „Vertrau mir, Jack. Ich weiß, dass wir gut genug dafür sind. Wir haben es in uns, jedes Team zu schlagen, dass durch den Vorhang spazieren wird. Vamos!“


Entgegengesetzte Mienen bei der Jump n‘ Punk-Alliance. Der grünbeschopfte Jackie D’Arcy steht mit verkniffenem Ausdruck dran und rauft sich die Haare, so dass die an der Leder-Kutte angebrachten Kronkorken klirren. Ihm gegenüber steht ein selbstbewusster Rodrigo Gaya. Brust raus, Hände in die Hüften gestützt. Superheldenpose.


Rodrigo Gaya: „Wir müssen diese Chance nutzen, um auf uns aufmerksam zu machen.“

Jackie D’Arcy: „Aber könnten wir nicht etwas strategischer vorgehen? Wir sind unerfahren und neu. Die letzten Wochen waren wir gar nicht im Einsatz. Mir wäre wohler dabei, ich könnte mich auf meine Gegner vorbereiten. Open Challenges ist was für die großen Fische. Schau dir The End an. DER macht das auch. Aber weil er Champion ist. Weil man von ihm erwartet, dass er als Obermotz jeden schlägt.“

Rodrigo Gaya: „Dann ist es eben an der Zeit, dass wir auch die großen Fische werden.“


D’Arcy, der australische Punk, kneift die Augen zusammen und schüttelt seufzend seinen Kopf.


Jackie D’Arcy: „Warum diese Hektik plötzlich? Warum können wir nicht einen Schritt nach dem anderen machen?“

Rodrigo Gaya: „Spanien ist nur einmal im Jahr.“

Jackie D’Arcy: „Aber Saufen können wir doch auch anderswo.“


Als er die verzogenen Lippen seines Gegenübers bemerkt, geht D’Arcy ein Licht auf. So war es nicht von Gaya gemeint.


Jackie D’Arcy: „Oooooh, ich verstehe. Wir sind bald in Spanien. Mit der GFCW. Und DU bist…“

Rodrigo Gaya: „Ich bin der Lokalmatador! Aber wenn wir nicht langsam einen Gang zulegen, dann werde ich es vielleicht nicht mal auf die Card in Spanien schaffen, weil uns kein Schwein kennt. Und außerdem…“


Er klopft seinem punkigen Partner auf die Schulter.


Rodrigo Gaya: „…findet dort die Battle Royal um den Contender-Platz statt. IN MEINEM HEIMATLAND. Was wäre geiler, als wenn wir uns dort für einen Titelshot gegen Zerbeus qualifizieren, hm?“

Jackie D’Arcy: „Hm…“

Rodrigo Gaya: „Wir werden sicher keinen Platz in der Battle Royal bekommen, wenn wir bis dahin immer nur verloren haben. Also müssen wir heute die letzte Chance nutzen und beweisen, wie gut wir sein können. Es ist an der Zeit für den Aufstieg der Jump n‘ Punk-Alliance. Wir können keinen Tag länger warten. Und das…“


D’Arcy nimmt den Ball auf und vollendet den Satz für seinen Partner.


Jackie D’Arcy: „…geht nur, wenn wir beweisen können, dass wir jeden schlagen können.“

Rodrigo Gaya: „Exakt. Wenn wir heute siegen, können wir nachher breitbeinig rausmarschieren, unsere Cojones auf den Tisch legen und guten Gewissens von Zerbeus verlangen, dass wir in die Battle Royal kommen. Und mit Spanien im Rücken werden wir dort auch gewinnen. Das verspreche ich.“


Er hält seinem Partner die Brofist hin. Jackie überlegt nicht lange, schenkt ihm ein Lächeln und fistet zurück.


Jackie D’Arcy: „Also gut. Du hast mich überzeugt. Gehen wir raus und zeigen der ganzen Welt…“

Rodrigo Gaya: „UND GANZ SPANIEN!”

Jackie D’Arcy: “…dass wir gut genug für die Battle Royal sind.“


Der Punk klatscht seinem deutlich schmächtigeren Partner so auf den Rücken, dass Gaya einen Ausfallschritt nach vorne macht und beinahe hinfällt. Doch mit all seiner Körperbeherrschung kann Gaya einen Sturz verhindern. Er gewinnt sein Grinsen zurück.


Rodrigo Gaya: „Du hast es verstanden. VAMOS!“



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Mit einem Mikrofon in der Hand läuft Rodrigo Gaya im Ring auf und ab. Neben ihm, mit verschränkten Armen, steht Jackie D’Arcy. Die Punk n‘ Jump-Alliance ist in der Arena – und mit ihr die Ahnung, dass uns jetzt der erste Kampf des Abends bevorstehen dürfte.


Rodrigo Gaya: „Also, die Sache ist klar, Leute. Wir sind hier und wir sind bereit…“


Zumindest Gaya. Der kleine Spanier ist on fire. D’Arcy hingegen wirkt zurückgenommener. Er muss sich zu einem Lächeln zwingen. Ob eine Open Challenge wirklich die beste Idee ist…


Rodrigo Gaya: „…und was jetzt noch fehlt, das sind unsere Gegner. Das ist eine Open Challenge. Also kann jetzt zu uns in den Ring kommen, wer immer will. Egal ob von backstage oder aus dem Publikum. Wir nehmen jede Herausforderung an. Vamos!“


Bei der Erwähnung von Publikum wird es kurz laut. Die Lissaboner scheinen über die Möglichkeit nachzudenken, ob wirklich jemand aus ihrer Mitte einfach aufsteht und in den Ring marschiert, um sich dem Match zu stellen. Und tatsächlich springen einige testosterongeladene junge Männer auf und reißen die Arme in die Luft, um auf sich aufmerksam zu machen.

Doch bevor einer der Fans zur Alliance in den Ring gelangen kann, wird die Aufmerksamkeit der Wrestler dadurch in Beschlag genommen, dass die Videoleinwand anspringt.

Endloses Grün. Gras, akkurat auf eine einheitliche Länge geschnitten wie mit der Nagelschere. Aus der Luftansicht ist ein harmonisches Streifenmuster auf der Fläche zu erkennen, begrenzt wird das Gebiet durch ein paar gezielte gesetzte Büsche.

Ein Golfplatz.

Die Kamera wird herumgeschwungen, um ein Golfcart ins Bild zu bekommen, welches im gemächlichen Tempo über den Platz rollt. Zwei Männer. Eine hat die eine Hand lässig aufs Lenkrad gelegt, der andere hält eine Tasche voll mit Schlägern fest. Sie sind in ein Gespräch vertieft, hier und da dringt ein schrilles Lachen aus dem Cart hervor. Über ihnen die Sonne, zu ihren Füßen der Platz. Als das Golfcart am Ziel angekommen ist, steigen die Männer aus. Der Golfer nimmt Aufstellung, im lockeren Stand. Führt trockene Schläge in die Luft aus. Sein Caddy unterdessen blickt in die Kamera. Unter ihm wird ein Name eingeblendet.


Steven Sademi: „Man kann Menschen in zwei Kategorien einsortieren. In Golfer…“


Neben ihm wird der erste Ball abgeschlagen. Der Golfer legt die Hand an die Stirn und verfolgt die Flugbahn gegen die Sonne. Scheinbar ein gelungener Abschlag, denn das Gesicht des zweiten Mannes wird alsbald von einem breiten Lächeln geziert.


Rupert Wooten: „…und Banausen ohne Kultur. Hier - auf dem Green, das die Welt bedeutet - ist das Leben noch in Ordnung. Hier ist man anständig. Stilvoll. Auf den Greens dieser Erde atmet man Gentlemen-Luft.“


Mit einer weiß behandschuhten Hand zieht er einen zweiten Ball aus der Hosentasche hervor und legt ihn auf dem Tee ab.


Rupert Wooten: „Mein Name ist Mr. Fairway Rupert Wooten, denn mir missglückt niemals ein Schlag. Und das ist mein treuer Freund Steven Sademi. Wir sind die Birdie Boys.“

Steven Sademi: „Männer von Welt, Männer von Kultur.“


Er rückt sich ein karamellfarbenes Poloshirt zurecht, das über seinem athletischen Körper spannt.


Rupert Wooten: „Und wahrscheinlich ein kleines bisschen besser als ihr. In jeder Hinsicht.“


Synchron brechen beide Männer in ein affektiertes Lachen aus. Scheinbar steckte irgendwo in ihren Aussagen ein Witz, den nur sie verstanden.


Rupert Wooten: „Na gut: Wahrscheinlich eher ein großes bisschen.“

Steven Sademi: „Die Birdie Boys sind hier, um die Klasse des Golfsports in das Gruselkabinett des Wrestlings zu bringen.“

Rupert Wooten: „Wir machen den Ring zu unserem neuen Platz. Und dort werden die gleichen Regeln gelten wie hier. Und Regel 1 lautet. Wo die Birdie Boys sind, da gibt es nur…“


Wooten nimmt Aufstellung, richtet seinen Schläger auf. Und schlägt ab. In einer perfekten Kurve fliegt der Ball, zusammen mit einigen Fetzen Gras, in Richtung des Fähnchens in der Ferne.


Rupert Wooten: „…Volltreffer.“

Zurück in der Halle. Rodrigo Gaya und Jackie D’Arcy blicken einander mit offenen Mündern an. Dann gibt es zeitgleich von ihnen ein Kopfschütteln. Sie haben mit vielen gerechnet, nicht damit.

Golfer? Ernsthaft? Bevor das australisch-spanische Duo weiter die eigene Irritation ausdrücken kann, ertönt in der Arena eine Musik.



Das gleiche Golfcart, das eben noch über den Platz gepest ist, rollt nun hier in Portugal live durch den Vorhang. Auf den Sitzen ist die Platzverteilung so wie zuvor gesehen: Steven Sademi, der Caddy, sitzt gutgelaunt am Steuer. Rupert Wooten, der Golfer, hat auf dem Beifahrersitz Platz genommen und winkt mit seinem weißen Lederhandschuh ins Publikum als wäre er eine royale Berühmtheit auf Staatsbesucht.


Laura: „Meine Damen und Herren. Auf dem Weg zum Ring. Mit einem Gesamtgewicht von 192 Kilogramm…hier sind die BIIIIIRDIIIIE BOOOOYYYYYS!“


Das Publikum steht größtenteils ruhig da. Und das liegt nicht nur daran, dass die entspannende Musik sie beinahe in den Schlaf wiegt. Nein, man weiß einfach nichts mit diesen beiden Vögeln anzufangen. Was wird das hier? Aber weil es Golfer und geschniegelte Typen sind, macht der typische Wrestlingfan, was er gerne macht: Und buht. Von Wooten und Sademi werden die negativen Reaktion mit einem Schulterzucken hingenommen.

Das Cart tuckert weiter, die gesamte Rampe entlang, bis zum Apron. Dort schaltet Sademi den Motor ab. Golfer und Caddy steigen aus. Weil Wooten die Tasche mit den Schlägern geschultert hat, gibt es als ersten Akt ihrer GFCW-Karriere direkt einmal eine Ermahnung von Ricky Murk, der die potenziellen Foreign Objects am liebsten draußen sehen will.

Es wird diskutiert. Von den Golfern gibt es Zischgeräusche. Sie fühlen sich unrecht behandelt. Die Schläger bleiben im Ring, so die Forderung der Birdie Boys. Ein unwürdiges Schauspiel, dass an die Diskussion mit einem Fußballzuschauer erinnert.

Also tritt Rodrigo Gaya vor.

Er schnappt sich die Schlägertasche vom irritierten Wooten.

Und wirft die Tasche nach draußen.

Ein Aufschrei von den Golfern. Gezeter! Wie kann er nur!? Banause. Kulturloses Schwein. Schlägermörder. Diese Eisen waren mehr wert als Gayas Leben. Stilloser Hurensohn.

Ricky Murk muss die Golfer zurückhalten, damit sie nicht vor dem Gongschlag auf den Gegner losgehen.

Und inmitten dieses Trubels landet – vor dem Ref versteckt - die Schuhspitze Wootens ins Gayas Eiern.

Zeitgleich mit der Ringglocke läutet ein eunuchaler Schrei Gayas diesen Fight ein. Der Spanier sinkt vor den Golfern zu Boden.


Open Challenge:
Punk n' Jump Alliance (Jackie D'Arcy & Rodrigo Gaya) vs. Birdie Boys („Mr. Fairway“ Rupert Wooten & Steven Sademi)
Referee: Howard Eagle

Durch den Eier-Eklat haben die Birdie Boys in ihrem ersten GFCW-Match alle Vorteile auf ihrer Seite und sie nutzen das auch eiskalt aus. Rupert Wooten beginnt gegen einen schmerzverzerrt dreinblickenden Rodrigo Gaya und dominiert ihn für gute zwei Minuten. Wooten – laut Petes Kommentar ein Nordire im erfahrenen Alter von 33 Jahren – erweist sich dabei als ein Allrounder. Seine rund 100 Kilogramm, verteilt auf 1,90m, nutzt er unter anderem für einen Vertical Suplex gegen den deutlich leichteren Gaya, doch ein Abdominal Stretch und ein Reverse DDT kommen zum Einsatz.

Nachdem er seine Dominanz ausführlichen genossen hat, schickt Wooten seinen Caddy Steven Sademi ins Rennen. Der US-Amerikaner ist drei Jahre jünger und etwas kleiner als leichter als sein Kollege, gegen den spanischen Highflyer Gaya jedoch noch immer körperlich überlegen.

Sademi setzt direkt nach. Mit gezielten Tritten gegen Gayas Rippen hält er den Spanier unten, ehe er ihn mit einem Snapmare auf die Matte reißt und einen Knee Drop hinterherschickt. Immer wieder sucht Gaya in dieser Phase den Weg in seine Ecke, doch die Golfer schneiden den Ring clever ab. Besonders Wooten zeigt seine Routine, als er sich bei jedem Wechsel Zeit nimmt, um seinen Gegner zusätzlich zu verhöhnen, ihn an den Wechsel glauben zu lassen…um ihn dann doch im letzten Augenblick zurückzuziehen. Eine Zermürbungstaktik, die mit Buhrufen seitens des portugiesischen Publikums quittiert wird.

Ein harter European Uppercut schickt Gaya schließlich erneut in die Ringecke der Birdie Boys.

Doch dort kippt das Match.

Sademi hämmert mehrfach mit der Schulter in den Magen des Spaniers und will anschließend mit einem Bulldog nachsetzen – doch Gaya kann ihn überraschend wegstoßen. Sademi taumelt zurück und Gaya nutzt die freie Sekunde, um sich mit einem verzweifelten Enzuigiri Luft zu verschaffen. Das Publikum erhebt sich sofort und feuert den angeschlagenen Highflyer lautstark an. Auch wenn zwischen Portugal und Spanien oft eine Konkurrenzsituation herrscht: In dieser Situation steht man hinter dem Nachbarländlers. Schließlich geht es gegen Golfer.

Der Weg in die eigene Ecke scheint endlos lang, doch schließlich gelingt der Wechsel! Jackie D’Arcy springt angefacht über das oberste Seil in den Ring und räumt erst Sademi mit einer Clothesline ab, ehe Wooten ebenfalls zu Boden geht. Der Australier bringt trotz seines massigen Körperbaus Tempo ins Match, verpasst Sademi einen Running Dropkick und schickt anschließend Wooten mit einem Flying Forearm aus dem Ring. Die Zuschauer wittern jetzt tatsächlich die Wende.

JUMP N‘ PUNK!“

JUMP N‘ PUNK!“

JUMP N‘ PUNK!“

Rodrigo Gaya nutzt die gute Phase seines Partners, um sich etwas zu erholen. Er und D’Arcy arbeiten nun erstmals wirklich als Einheit zusammen. Mit einem Double Dropkick schicken sie Sademi in die Seile, dann gibt es den Wechsel. Und Gaya setzt sogar einen spektakulären Springboard Moonsault gegen den stehenden Sademi hinterher, der beinahe schon die Entscheidung bringt.

Howard Eagle zählt: Eins… Zwei… doch Wooten rettet seinen Partner in letzter Sekunde, indem er in den Ring stürmt und mit einem Kick gegen Gaya das Cover auflöst.

Die Birdie Boys ziehen sich daraufhin erst einmal aus dem Ring zurück. Taktikbesprechung. Doch genau das wird zum Wendepunkt der Begegnung. D’Arcy folgt ihnen sofort nach draußen und dort nutzen die Golfer ihre ganze Abgebrühtheit aus. Wooten lenkt den Referee mit lautstarken Beschwerden über vermeintliche Verstöße der Faces ab. Diese Sekunde reicht Sademi aus, um D’Arcy von hinten mit einem billigen Tiefschlag auszuschalten. Sofort übernehmen die Birdie Boys draußen wieder die Kontrolle und bearbeiten den Australier gnadenlos.

Zurück im Ring soll dann das Ende folgen. Wooten hält D’Arcy fest, während Sademi Anlauf nimmt, doch D’Arcy kann sich im letzten Moment befreien und Sademi trifft beinahe den eigenen Partner. Das Chaos nutzt Rodrigo Gaya, der plötzlich wieder da ist und mit einem Springboard Crossbody beide Birdie Boys von den Beinen holt. Es hagelt Szenenapplaus für den Spanier.

Gaya läuft zur Höchstform auf. Ein Standing Shooting Star Press gegen Sademi sorgt erneut für einen ganz knappen Nearfall, diesmal kann Sademi aber aus eigener Kraft bei Zwei-Dreiviertel entkommen. Doch die Golfer merken: Ihnen schwimmen die Felle davon. Wooten stürmt in den Ring, aber Gaya fängt ihn mit einem Superkick ab.

Es ist eine wilde Mittelphase. Immer wieder sind die Teams zu zweit im Ring, die Emotionen kochen hoch.

Howard Eagle hat nun alle Hände voll zu tun, die Kontrolle zu behalten – und genau dabei geht plötzlich alles schief. Bei einem wilden Schlagabtausch wird der Referee unglücklich von einem Spinning Heel Kick Gayas getroffen und geht zu Boden.

Die Birdie Boys erkennen ihre Chance sofort. Während Eagle benommen am Boden liegt, verschwindet Wooten aus dem Ring…

und zieht einen der Golfschläger, den er heimlich zu Steven Sademi befördert.

Der Amerikaner holt siegessicher zum Schlag gegen Gaya aus.

Doch Jackie D’Arcy ist rechtzeitig zur Stelle!

Er reißt Sademi den Schläger aus den Händen und jagt beide Birdie Boys unter lautem Jubel aus dem Ring.

D’Arcy schwingt den Golfschläger wie ein Verrückter über seinem Kopf und setzt den flüchtenden Golfern hinterher. Doch draußen zeigt sich endgültig, wie skrupellos die Birdie Boys wirklich sind.

Rupert Wooten springt in sein Golfcart.

Startet den Motor.

Und fährt Jackie D’Arcy über den Haufen.

Sven: „YES! Zwei Männer von Stil und Kultur.“

Entsetzte Reaktionen in der Halle. D’Arcy bleibt regungslos liegen, während Wooten ihn grinsend zurück in den Ring rollt. Der zeternde Rodrigo Gaya wird von Sademi mit einem Headbutt ausgeschaltet.

Howard Eagle kommt langsam wieder zu sich, genau in dem Moment, als Steven Sademi den bewusstlosen Australier packt.

Overdrive!

Eins…

Zwei…

Drei!


Sieger des Matches durch Pinfall: Birdie Boys!!!




Wir bekommen noch einmal Szenen aus dem 2 on 3 Handicap Match von New Level geboten; wir sehen die gute Anfangsphase von Stella Nova und Mad Dog, daraufhin die Dominanzphase der Modern Erasers und viele Aktionen gegen Stella Nova. Nun, wie sie endlich den Hot Tag schafft und wie der Night Fighter seine angestaute Aggression in gelungene Offensivaktionen ummünzt. Jetzt sehen wir ausbrechendes Chaos und Ben Slates Stuhlschlag, um den Vorteil zurück zu gewinnen. Iokepa aber will kein Kapital daraus schlagen, taggt Ben ein und verlässt den Ring. Die letzten Bilder zeigen, wie Stella Nova und Mad Dog tatsächlich den Sieg gegen Ben und Bella erringen.


Bella Venera: „Ja… aber du hattest es versprochen!“


Während noch die verdammte Musik des Night Fighters im Hintergrund durch die Boxen dröhnt und die Antwort von Ben Slate übertönt, schiebt Bella Venera den Vorhang beiseite. Ihre Augen sind immer noch feucht von der Wut, die sie ob der Niederlage empfindet.


Bella Venera: „Fick dich!“


Speichel fliegt gegen den Vorhang und sie schüttelt gequält mit dem Kopf. Natürlich sieht Ben die Schuld bei Iokepa und wirft ihr vor sein Vertrauen missbraucht zu haben, als sie etwas aus seinen Unterlagen stahl. Doch bedrückender ist, dass sich ihr Zorn nicht nur gegen Ben richtet oder allein durch die Niederlage entstand, nein, ungleich schwerer wiegt das Gefühl, dass sie sich von ihrem Tagpartner… ihrem Freund… ihrer Liebe… verraten fühlt.

Kurz zieht sie die Nase hoch und reibt sich mit dem Oberarm so an den Augen entlang, dass ihre Maske leicht verrutscht. Doch auch das ist jetzt egal. Eiligen Schrittes versucht die vom Ort des Geschehens fortzukommen, bis sie auf einmal stehen bleibt.

Dort steht er.

Iokepa.


Hat auf sie gewartet. Und sofort schießen ihr wieder Tränen in die Augen. Sie beißt sich auf die Unterlippe. Findet keine Worte.


Iokepa: „Bella…“


Wieder zieht sie die Nase hoch. Wieso muss die kack Nase immer laufen oder zu sein, wenn man weint?!


Iokepa: „Es ging nicht mehr, ich… musste weg. Ich… konnte es nicht mehr ertragen, wieder so zu gewinnen.“

Bella Venera: „Aber mich verlieren sehen! MICH VERLIEREN SEHEN SCHON?!“


Ungläubig starrt sie ihn an. Ist sich unsicher, ob es der Mann ist, den sie liebt, der dort vor ihr steht. Ihre Beine zittern. Und wieder… zieht sie verärgert die Nase hoch.


Iokepa: „Nein.“


Der Hawaiianer macht einen Schritt auf seine Freundin zu, doch sie reißt so energisch die Augen auf, dass ihm klar wird, besser auf Distanz zu bleiben.
Kurz schluckt sie.


Bella Venera: „Ja, Ben hat sein Wort gebrochen. Er wollte fair kämpfen. Das hat er nicht… Aber wie steht es um dein Wort, Io? Dass du auf mich Acht geben wirst! Dass du mir niemals… NIE MALS… etwas versprichst, um es nicht zu halten… “


Iokepa schließt die Augen. Weiß, dass er einen empfindlichen Punkt getroffen hat. Einen ganz empfindlichen.


Bella Venera: „Du weißt es! DU WEISST ES, IO! Die Scheiße aus meiner Kindheit. Und trotzdem bist du gegangen. Wir haben gesagt, dass es unser Match sein wird. Unser großer Moment! Wir hatten Mad Dog und Stella dort, wo wir sie haben wollten. Und jetzt?! Jetzt haben wir nichts!“


Ihr enttäuschter Blick lastet auf ihm und auch seine Augen werden unweigerlich glasig, als er ihn erwidert.


Iokepa: „Es tut mir leid, Bella. Ich wollte dich nicht enttäuschen oder mein Wort brechen – und ich kann nachvollziehen, dass sich das jetzt so für dich anfühlt. Ja, wir wollten gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Du hast es selbst erlebt, wie es war, als wir Mad Dog im Drei zu Eins gegenüber standen.“


Sie schaut zum Boden. Ein gutes Zeichen für Iokepa, der nun endlich einen Schritt auf sie zu macht.


Iokepa: „Klar, es fühlte sich erstmal gut an, die Wut rauszulassen, Mad Dog einen mitzugeben – von mir aus auch ihn bluten zu sehen. Und doch hielt dieses Gefühl der Genugtuung nicht lange, denn es war keine wirkliche Rache… oder hat es deinen Durst gestillt?“


Der Kopf der Venera schnellt wieder nach oben.


Bella Venera: „Der Tag der Rache wird noch kommen, Io – aber durch die Niederlage heute ist er in weite Ferne gerückt. Denn heute ging es darum, einen Erfolg zu landen! Ein Match gegen zwei etablierte Stars zu gewinnen, um uns in der GFCW in Position zu bringen. Es ging darum, ihnen und der Welt zu zeigen, dass die junge Generation besser ist!“


Der Surfer legt den Kopf schief.


Iokepa: „Aber genau das hätten wir eben nicht bewiesen, wenn ich nach Bens Stuhlschlag den Pin vollzogen hätte. Wenn wir es zu dritt nur mit unfairen Mitteln schaffen, uns gegen die beiden durchzusetzen, heißt das, wir sind schlechter. Wir hätten den Stuhlschlag nicht gebraucht. Es war dumm uns mit Ben Slate zusammen zu tun. Es war ein Fehler, den ich wieder ausbessern will. Es ging nicht um dich, sondern um meine Prinzipien. Und diese sind andere als die von Ben.“


Er greift zaghaft nach ihrer Hand, doch die Venera zieht diese sogleich weg.


Bella Venera: „Wenn ihr euch streitet, muss ich mich wohl für eine Seite entscheiden, hm?!“


Überrascht zieht Iokepa die Augenbrauen hoch. Für ihn schien die Sache klar zu sein, doch nach diesen Worten macht sich ein schweres Gefühl in seinem Magen breit. So als hätte er Steine gegessen – auch der Hals schnürt sich zu. Er räuspert sich vergebens.


Bella Venera: „Für dich ist das alles klar, Io. Du verlässt das Match, du verlässt die Modern Erasers… und ich soll dir schön folgen. So wie du es für uns ausgemalt hast, soll es sein. Weißt du aber, was ich dachte?! Ich dachte, um ehrlich zu sein, dass wir gemeinsam in der GFCW voranschreiten und das hieß für mich, sich miteinander absprechen und zusammen Entscheidungen treffen. Das heißt nicht, Dinge allein bestimmen und den Anderen im Stich lassen!“


Ein letztes Mal zieht sie die Nase hoch.


Bella Venera: „Mal wieder hab‘ ich mich wohl in jemandem getäuscht…“


Kurz schaut sie ihn an. Doch dann zerbricht ihre Mimik. Ihr Gesicht verzieht sich zu einer weinerlichen Fratze und schnell dreht sie ihren Kopf weg, ehe sie ihre Beine in Bewegung bringt und Iokepa an Ort und Stelle stehen lässt.


Iokepa: „Bella…“


Der junge Surfer dreht sich um, während sie nur noch rennt. Weg. Fort. Er aber schreit mit angstzerfressener Fratze.


Iokepa: „BELLA!!!“



Vor der Interviewwand bei Tammy haben sich direkt vier Frauen eingefunden – vier Frauen, die zwei Teams bilden und doch zur selben Gruppierung, bzw. zum selben Förderkader gehören. Die beiden groß gewachsenen nordischen Schwestern Skadi Fenrir und Idunn Jörmungandr türmen zu Tammys Linken, während die Black Wyrms Brigitte Reflet und Shizuku Shikishima sich rechts von Tammy positioniert haben. Per Zufall oder mit voller Absicht stehen sie so der Größe nach geordnet. Ganz links überragt Idunn mit ihren 2,02 Metern an Körpergröße alle, danebenn folgt Skadi mit 1,93, dann Shizuku mit 1,69 und letztlich Brigitte, die mit 1,54 eindeutig die Kleinste ist, tatsächlich aber von allen die längsten Haare hat – und die vier sind ja alle mit guten Haargenen gesegnet, die sie auch nutzen. Tammy wiederum braucht nicht lange, um ihre Gäste zu begrüßen und direkt zur Sache zu kommen.


Tammy: „Hallo ihr Vier! Erst mal Glückwunsch zu euren Siegen bei New Level, aber natürlich gibt es gerade ein ganz anderes Gesprächsthema Nummer 1 in der Tag Team Division: die große Tag Team Battle Royal! Ich nehme an, ihr werdet dort mitmischen?“


Tammy blickt die vier Frauen von der LPG erwartungsfroh an, doch deren Blicke sind eher finster. Besonders der Blick von „La Vouivre“ Brigitte Reflet, die für ihre kurze Zündschnur bekannt ist, das Mikro in ihre Richtung beordert und auch sofort merklich angesäuert losspricht.


Brigitte Reflet: „Nein, wir werden definitiv nicht an dieser Battle Royal teilnehmen, um etwas zu werden, was wir bereits längst sind. ZerBeus sprechen davon, dass es schwer sei zu entscheiden, wer ihre nächsten ‘erausforderer sein sollten? Das ist doch der pure ‘ohn! Wir ‘aben die ‘asen besiegt, wir ‘aben den Cirque du Tonnerre besiegt, wir ‘aben The MILE besiegt. Das sollte für ein Titelmatch mehr als ausreichen und dann stellen sich diese ‘einis in den Ring und verzapfen etwas davon, dass es unklar sei, wer ein Titelmatch verdient?“


Brigitte sah ja schon oft wütend aus, aber heute ist sie noch aufbrausender als sonst. In diesen Momenten ist Shizuku mitunter da, um einen Einwand zu machen, der Brigitte etwas milder stimmt, aber heute sieht auch die großbrüstige Blondine ziemlich verstimmt aus.


Shizuku Shikishima „Ein Gedanke mir dabei kommt.
Das eine Ei, welches sie haben zurückgewonnen, das einzige Ei sein könnte, das sie besitzen.
Von Natur aus sie in ihren Hosen keine Eier haben, um sich uns zu stellen.“


Tammy ist in diesem Moment dankbar für ihre Routine, die es ihr erlaubt professionell zu bleiben, anstatt laut loszulachen. So naheliegend dieser Spruch auch war, sie hätte ihn nicht auf diese Weise von Shizuku erwartet.


Tammy: „Klare Worte. Skadi? Idunn? Wie seht ihr das? Ihr habt immerhin die Basketballer bei New Level besiegt und hattet auch im direkten Duell mit den Black Wyrms gewonnen.“


Die Frage ging zwar an Skadi und Idunn, aber nicht gänzlich überraschend ist es lediglich die Schneewölfin, die ans Mikrofon herantritt.


Skadi Fenrir: „Korrekt, wir sind die letzten, denen es gelang die Black Wyrms zu bezwingen, seitdem haben sie ihre wichtigen Matches allesamt gewonnen, weswegen ich ihren Anspruch #1 Herausforderinnen zu sein nicht nur als legitim erachte, sondern sogar als unzweifelhaft. Ebenso wie wir die ersten Herausforderinnen sein sollten, wenn den Black Wyrms der Titelgewinn gelingt. Die Frage muss also erlaubt sein, warum ZerBeus eine Battle Royal ins Leben rufen, um Herausforderer zu finden. Tatsächlich würde ich zu denken wagen, dass diese Frage nicht nur erlaubt sein muss, sondern dass es sogar sehr wichtig ist, sie zu stellen und eine Antwort auf sie zu finden. Mir selbst kommen nur drei mögliche Erklärungsansätze in den Sinn.“
Tammy: „Welche sind das?“


Skadi hebt einen Zeigefinger, um eine „Eins“ anzuzeigen und Idunn freut sich, dass sie hier noch locker mitzählen kann.


Skadi Fenrir: „Variante eins wäre simpler Sexismus: was für ein männliches Team gut genug wäre, um Herausforderer sein zu dürfen, ist bei den Black Wyrms nicht gut genug, weil sie Frauen sind. Es ist ja nichts Neues, dass dieselbe Leistung unterschiedlich bewertet und bezahlt wird, je nachdem ob ein Mann oder eine Frau sie verrichtet. Es würde mich nicht wundern wenn auch du weniger Gehalt erhalten solltest als MacMüll.“


Tammy will dazu etwas sagen, aber ihre Stimme bleibt stumm – kann es tatsächlich stimme, was Skadi sagt? Ist MacMüll der besser bezahlte Interviewer? Skadi wiederum zeigt nun zum ersten einen zweiten Finger.


Skadi Fenrir: „Variante zwei wäre der Erklärungsansatz, welchen Shizuku bereits so trefflich formuliert hat: ZerBeus hat schlicht und ergreifend Angst vor einem Match gegen die Black Wyrms. Bereits gegen meine Schwester und mich haben sie bei allem gebotenen Respekt vor ihrer erwartet starken sportlichen Leistung mehr Glück gehabt als Verstand.“
Idunn Jörmungandr: „Wenn ZerBeusss mehr Glück alsss Verssstand haben, dann haben wir ja etwasss gemeinsssam.“


Idunn guckt glücklich, weil ihr diese Parallele aufgefallen ist, erntet dafür aber von Skadi nur einen bösen Blick, der Idunn verwirrt, aber begreifen lässt, dass sie ihre Schwester nicht noch einmal unterbrechen soll.


Skadi Fenrir: „Um Variante zwei zu erklären… ZerBeus haben Angst davor ihr Gold gegen zwei Frauen zu verlieren, besonders zwei kleine Frauen. Das passt nicht in ihr Selbstbild und so versuchen sie mit dieser Battle Royal um ein Match gegen die Black Wyrms herumzukommen – weil sie wissen, dass sie verlieren könnten und ihnen das peinlich wäre. Nicht, dass ihnen dies peinlich sein müsste, aber ich denke ich muss euch nicht erörtern wie viele Männer sehr fragile Egos haben – besonders jene, die so viel Erfolg haben, dass sie Misserfolg kaum ertragen können.“


Sogar Idunn nickt, so weit verbreitet und klar ist das.


Tammy: „Und was ist Variante Nummer Drei?“


Fenrir bleckt kurz die Zähne, ehe sie antwortet und aus zwei gezeigten Fingern drei macht.


Skadi Fenrir: „Variante Drei ist, dass ZerBeus es tatsächlich schwer fällt einzuschätzen wer ein Titelmatch verdient haben könnte, weil sie so egomanisch sind, dass es sie nicht interessiert was andere machen und es daher auch nicht wissen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass Morbeus Ende letzten Jahres die GFCW Shows bei seinem Comeback im Rahmen des Jason Crutch Invitationals als „zäh“ und sinngemäß als „in etwa so spannend wie in Kartoffelchips zu treten“ bezeichnet hat. Blickt man dann noch darauf, dass mein Teamkollege in ebendiesem Jason Crutch Invitational Match auch noch jüngst ein kleines 8 Personen Turnier als bedeutsamstes und größtes Turnier der letzten 25 Jahre tituliert und somit über das Tournament of Honor mit seinen über 400 teilnehmenden Wrestlerinnen und Wrestlern plus dessen zwanzigjährige Historie gestellt hat und es zeigt sich ein klares Bild – und das nicht nur, weil er selbst auf mehreren Hochzeiten tanzt, während er seinen Partner für derlei Tendenzen tadelt. Morbeus ist ein Heuchler, alles was er und Zereo Killer machen ist groß und wichtig, aber was andere leisten, nehmen sie gar nicht erst wahr, weil es sie nicht interessiert.“


Demonstrativ pochen Brigitte und Shizuku auf ihre Next Level Tag Team Titel, auch wenn diese im Tournament of Honor als Developmental Title eher eine untergeordnete Rolle spielen.


Tammy: „Das ist ein ziemlich harter Vorwurf.“
Skadi Fenrir: „Das war kein Vorwurf, Tammy, es war eine potentielle Erklärung für ihr Verhalten. Vielleicht sind sogar alle drei Erklärungsansätze relevant, vielleicht sind aber auch alle drei Erklärungsansätze falsch und ihre Beweggründe sind solche, die so absurd sind, dass sie mir nicht einmal als Option in den Sinn kommen wollen. Auffällig ist jedoch Eines.“


Tammy: „Was genau?“


Die Nachfrage geht an Skadi, aber es ist Brigitte, die darauf anspringt. Ein stilles Abklatschen zwischen den beiden Weggefährtinnen von der LPG.


Brigitte Reflet: „Es ist auffällig, dass diese Ankündigung der Battle Royal bereits mit Commissioner Fletcher abgesprochen war. Derselbe Commissioner, der bereits im Vorfeld der Anniversary Show uns von der LPG komplett ignoriert ’at und uns keine Chance zugeste’en wollte das Tag Team Titelmatch bei der Anniversary Show zu er’alten. Derweil konnten TnB im #1 Contender’s Match für den Matchabbruch durch mutwillige Verletzung von Kyle Douglas sorgen und wurden dafür belohnt. Und dann verlieren TnB bei der Anniversary Show und bekommen sofort wegen einem gestohlenen Ei und einer Entführung ein weiteres Titelmatch bei einem PPV.“


Wie sie das sagt kommt Brigitte in den Sinn, dass sie gar nicht weiß, ob es den Hasen mittlerweile gutgeht. Aber dann wiederum können die gewitzten Hasen schon auf sich aufpassen, also fährt sie fort mit dem Thema, das gerade dringlicher für sie ist.


Brigitte Reflet: „Und nun wird also ein Tag Team Titelmatch in einer Battle Royal vergeben – einer Matchart, deren Regeln rein gar nichts mit Tag Team Wrestling zu tun ‘aben. Anders gesagt kann man ‘ier bei GFCW durch jeden Schwachsinn #1 ‘erausforderer auf den Tag Team Titel werden, außer dadurch, dass man Tag Team Matches gewinnt. Dabei gäbe es ohne die Arbeit von uns und den ‘asen gar keinen Tag Team Titel mehr. Und nun, nachdem er durch unser Zutun revitalisiert wurde, werden ausgerechnet wir trotz unserer sportlichen Bilanz nicht als legitime ‘erausforderinnen angesehen? Das ist doch kein Zufall mehr Tammy, das ‘at Methode.“


Tammy würde jetzt gern irgendetwas einwenden, um ihren Brötchengeber zu verteidigen. Es fällt ihr jedoch nichts ein.


Brigitte Reflet: „Wir machen es da’er ganz simpel: wir verlangen ein Tag Team Titelmatch noch vor Conquista. Wenn die Tag Team Division und der Titel etwas wert sein sollen, werden ZerBeus dem zustimmen – ansonsten bestätigen sie Aya darin, dass die Tag Team Titel wertlos ist und der Titel in die Mülltonne gehört.“


Demonstrativ tritt Brigitte gegen eine nahe Mülltonne, die lautstark scheppert.


Skadi Fenrir: „Volle Zustimmung. Alternativ können wir natürlich auch Kyle Douglas aufsuchen und ihm den Arm brechen, offenbar ist dies ja ein legitimes Mittel, um einen Titelkampf zu erhalten. Obgleich es grausam wäre den Sohn für die Sünden des Vaters büßen zu lassen. Dann wiederum wären dies nicht allein dessen Sünden, sondern die Sünden des GFCW Office, welches derlei Handlungen fördert und ehrlichen Sportlerinnen wie uns vor den Kopf stößt.“


Idunn fährt sich mit der Hand verwirrt über die Stirn und ist sich nicht darüber im Klaren, wann sie wohl von einem GFCW Office Mitglied einen Kopfstoß kassiert haben soll. Dafür hätte sie den Missetäter dann doch zerquetscht? Skadi sieht das aus dem Augenwinkel und ignoriert es mit der Gewohnheit einer älteren Schwester, welche die Blödheit ihrer jüngeren Schwester nicht zum ersten Mal erlebt.


Skadi Fenrir: „So sehr es mich anwidert, ich beginne zu begreifen, warum Miria sich hier so wenig Mühe wie möglich geben möchte. Ich gestehe zu gespannt zu sein ob ZerBeus das wichtige Zeichen setzen, das sie als Champion setzen sollten und sich den Black Wyrms stellen… oder ob sie falsche Helden sind, die zu Unrecht von den Fans gefeiert werden. Überraschen würde es mich nicht, haben sie doch auch die falsche Versprechung gemacht, dass es die Tag Team Battle Royal heute hier in Lissabon geben würde, was offensichtlich nicht der Fall ist.“
Shizuku Shikishima „Eine Chance alles ist, was wir verlangen.
Und wir verlangen nur, was wir verdienen.
So gebt uns, was verdient wir haben oder verliert euer Gesicht.“


Damit ist alles gesagt, die vier Frauen von der LPG gehen davon – und auch Shizuku gibt der Mülltonne noch einen laut scheppernden Klatscher mit. Mit dem lautstarken Scheppern schaltet sich die Kamera hier ab...


Singles Match:
Stella Nova vs. Jay Taven
Referee: Peter Cleven


Ist das Jubel?


Ja, das ist Jubel.


Nicht so laut wie bei den Ask Skógurs, The Ends, Mad Dogs oder auch Zac Alonsos dieser Welt, aber es ist Jubel. New Level war kein Ausnahmefall, im Gegenteil: das erfolgreiche Match an der Seite von Mad Dog gegen die Modern Erasers hat die positive Einstellung gegenüber der geschulten Seiltänzerin aus Delhi bei der GFCW Galaxy gefestigt. Die Inderin mit den langen schwarz-orangenen Sternschnuppen-Flechtzöpfen nimmt dies zur Kenntnis, aber mehr als ein seichtes Lächeln ist es nicht – immerhin wollte sie eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt GFCW World Champion sein und somit Doppel-Champ von GFCW und WFW. Stattdessen kämpft WFWs amtierende Titelträgerin heute gegen Jay Taven.


Okay, Jay Taven ist ein ehemaliger GFCW Tag Team Champion und das ist gerade ein gutes halbes Jahr her, ergo keine komplette Lusche, aber verglichen mit den Größen des Rosters dann irgendwie… doch ne Lusche. Zu Jahresbeginn ist Taven von Morbeus noch ziemlich übel abgefertig worden und sich mit Gino Rieß und Meathook zu The MILE zusammenzutun hat nur kurzfrristig geholfen. Dennoch, der Leitstern im extra knappen Top mit Sternausschnitt, dem kometenhaften Schurz und den langen Armschonern sieht bei aller Lockerheit und den stellaren Posen durchaus konzentriert aus. Stella Nova nimmt dieses Match ernst, ihr heftiges Selbstvertrauen mag an der Grenze der Arroganz sein, aber nicht über diese hinaus. Deswegen ist sie erfolgreich. Und dennoch: Jay Taven ernst nehmen ist verdammt schwierig, wenn statt Einzugsmusik ein brutal unrhythmischer Beat ertönt und Jay Taven in super billigen Blingbling-Klamotten durch den Vorhang tritt… und ein Mikrofon dabei hat.


Ein Mikrofon und sowohl Meathook als auch Gino Rieß.


Vor allem aber ein Mikrofon.


Und wir wissen, was das bedeutet...


Jay Taven: „The MILE sind hier
das ist unser Revier!

Die letzten Monate ohne uns waren zäher als Promos von Morbeus!
Überall labern Leute wie Shelly Nafe oder The End nur nen Haufen Stuss!

Halten sich alle für groß, toll und wichtig!
Die ticken doch alle nicht richtig!

Wir sind hier der beste Act, wir sind geil!
Verbeugt euch vor dem besten Trio der Wrestling-Geschichte: THE MILE!“


Ein paar Leute verbeugen sich tatsächlich, allerdings inklusive Lachkrampf. Wie Jay Taven zum Ring gelatscht kommt, extra dämliche Gesten, die cool sein sollen inklusive, mit seinen beiden extra gewichtigen Partnern, die hinter ihm her schlurfen und vergeblich versuchen zum nicht vorhandenen Takt der „Musik“ zu klatschen – es wirkt schon ziemlich dumm.


Jay Taven: „Zumindest die Modern Erasers haben einen kleinen Punkt!
Am besten ist GFCW wenn kein Nonsens von außen dazwischen funkt!

Mad Dog und Stella Nova braucht hier doch echt keiner!
GFCW hat genug Stars auch ohne diese Pappenheimer!

Allen voran natürlich uns, die Most Iconic Legends Ever!
Wir sehen gut aus, sind mega Athleten und sind clever!

Und jetzt alle: Gino-Meathook-Jay!
HEY! HEY! HEY! HEY! HEY!“


Ein paar Leute gröhlen „Hey! Hey! Hey!“ mit, ist ja auch ein sehr einfacher Text, den man selbst mit mehreren Bierchen intus immer noch unfallfrei aussprechen kann. Meathook und Gino Rieß klopfen Taven noch mal aufmunternd auf die Schulter, ehe er in den Ring hopst – man kommt nicht umher zu denken, das er von den freundschaftlichen Klapsern fast umgekippt wäre und dass ihm nun die Schultern mächtig wehtun. Aber das ist vermutlich alles nur schauspielerische Taktik, um Stella Nova in Sicherheit zu wiegen, die ihrerseits wiederum nicht weiß, ob sie jetzt lachen soll oder das Ganze zum Fremdschämen findet. Vermutlich ein bisschen was von beidem.


Peter Cleven sieht nicht allzu begeistert davon aus, dass Meathook und Gino Ringside sind, aber solange sie nicht ins Match eingreifen, hat er auch keinen Anlass, um sie fortzuschicken. Das Match beginnt also und Taven stürmt sofort voran, um Stella per Running Dropkick, Spinning Wheelkick oder dergleichen umzumähen, aber der 1,83 große 90 Kilo Mann wird von einem 
plötzlichen Vorwärtsschritt von Stella aus dem richtigen Timing gebracht und versucht abzubremsen – erfolglos. Stella packt zu und wirbelt ihn umher, das Momentum gegen ihn nutzend:


Black Hole Slam!


Extra lässiges Cover, bei dem Stella gemütlich in Bauchlage die Unterschenkel spielerisch auf- und abwärts bewegt: Eins, Zwei, DrNEIN! Jay Taven kommt raus und Stella Nova guckt irritiert zu Ringrichter Peter Cleven. Irritiert nicht deswegen, weil es keinen 3 Count gab, sondern irritiert, weil es ihn beinahe gab. Auf dem Niveau, auf dem Stella sich sonst so bewegt halten Gegner so eine Aktion eigentlich locker aus und gehen nicht fast bis drei.


Taven krabbelt gen Seile, um sich an diesen hochzuziehen, doch kaum wendet er sich um, bekommt er von Stella auch schon einen Leg Lariat ab, der ihn wieder zu Boden geschickt hätte, wenn er sich nicht noch mit einer Hand am Seil festgehalten hätte. Die packt sich Stella, klatscht Taven einen Overhand Chop auf die Brust und huscht dann die Seile hoch zum Lucha Armdrag, der Taven in die Ringmitte wirft. Sofort ist Stella auf ihm, drückt Taven die Knie in den Rücken und beginnt die Beine zu verdrehen – Ansatz zum Bow and Arrow Lock, aber Taven zappelt wie ein Maikäfer und landet aus purem Versehen einen ordentlichen Elbow gegen Stella, die daraufhin von ihm runter ist und sich das Gesicht hält.


Jay Taven guckt erst mal blöd aus der Wäsche, weil er erst realisieren muss, dass er sich erfolgreich befreit hat, dann erhebt er sich und macht megapeinliche Rapper-Gesten, wie um zu demonstrieren, dass das volle Absicht war und er alles voll unter Kontrolle hat. Tatsächlich zielt er sogar und tritt per Superkick zu – aber Stella rollt sich weg. Also versucht er es noch mal!


Superkick!


Wieder daneben. Dann eben noch mal! Aber wieder nix. Vielleicht ein Vierter? Genug Superkicks sollen ja für Partystimmung sorgen, genau wie seine Raps. Aber Stella blockt und kontert per Shin Breaker, geht von da aus direkt in einen Half Boston Crab über und als Taven sich gen Seile robbt geht sie von diesem in den Indian Deathlock über! Muss Jay Taven abklopfen?


Ja, muss er, aber Peter Cleven sieht es nicht, weil Gino Rieß auf dem Apron steht. Das eröffnet Meathook die Gelegenheit in den Ring zu kommen, aber er ist nicht der Schnellste und so hat Stella Nova alle Zeit der Welt ihren Griff zu lösen, Peter Cleven auf die Schulter zu tippen und auf Meathook aufmerksam zu machen. Der fackelt nicht lange und verweist sofort Gino & Meathook des Ringes.


Jay Taven beschwert sich humpelnd, aber das ist nur eine Masche: Ansatzlos macht er einen Schritt zur Seite, um Stella zu packen, knickt dabei aber weg. Wer sich an die Anniversary Show erinnert, wird noch vor Augen haben wie kaputt die Beine von The End am Ende des Matches waren – wenn Stella einem The End die Standfestigkeit rauben kann, verwundert es nicht, dass Taven hier nun ziemlich hilflos geworden ist. Aber noch ist er nicht besiegt. Stella nimmt Anlauf zur Running Shooting Star Press, aber Taven weicht aus und kann zupacken:


German Suplex!


An eine Brücke ist natürlich nicht zu denken, daher die Release Version. Stella wird im hohen Bogen hinter Taven geworfen – ein Bogen, so hoch, dass sie die Aktion locker stehen kann. Aber Jay Taven ist jetzt wie aufgedreht, ignoriert den Schmerz so gut es geht und landet ein paar Shin Kicks, die ihm gefühlt mehr Schmerz zufügen als Stella, aber immerhin: es ist Offensive! Dann lässt er sogar ein, zwei Punches folgen, ehe er sich auf die Beine schlägt und abspringt zu seinem Leaping Reverse STO:


You’ll Melt!


...soll es werden, aber Stella duckt sich und so springt Taven nur auf Stellas Rücken, wo sie ihn nun in Fireman’s Carry Position hat. 90 Kilo sind nicht ohne, aber wenn 1,50 Feuervögelchen Milly Vermillion 90 Kilos irgendwie zumindest kurzzeitig hoch kriegt, dann Stella mit ihren wohl trainierten 1,71 erst recht. Der Leitstern des Professional Wrestling wirbelt Taven aus dieser Position herum in einen Scoop Powerslam:


SUPERNOVA!


Stella könnte hier an Ort und Stelle covern und den Sieg einfahren, aber stattdessen ist sie rasch die Ringecke hoch, bedeutet mit einladenden Gesten, dass die Fans jetzt besser Vorfreude haben sollten und diese Vorfreude haben sie auch. Vorfreude auf die Shooting Star Press! Die kommt, die trifft, das Cover ist reine Formsache. Eins, Zwei und Drei. Jay Taven war stets bemüht, aber wie schon in seinem Match gegen Morbeus zu Jahresbeginn war es ein klarer Klassenunterschied, den er nicht überwinden konnte. Stella zeigt zwinkernd ein V Zeichen, um ihren Sieg zu feiern, ehe sie erst alle zehn Finger zeigt und dann noch mal einen. Klar, was das bedeutet: sie hat jetzt 11 Punkte in der ewigen Punkteliste, also eine zweistellige Punktzahl. Der erste kleine sportliche Meilenstein ist geschafft. Nicht ansatzweise genug für eine Frau mit klarem World Title Anspruch, aber dennoch: es ist ein Anfang.




Gut gelaunt tänzelt der Leitstern des Professional Wrestling in Richtung der Duschräumlichkeiten und als Stella Nova in diese eintreten will und sich manch ein Fan die Hoffnung macht, dass die Kamera mitkommen darf, da erscheint Mac Müll, um die Frau mit den massiven, schwarz-orangenen Flechten in ein Interview zu verwickeln.


Mac Müll: „Hallo Stella! Ein ganz toller Sieg! Jay Taven war ja quasi gar kein richtiger Gegner für dich!“


Anstatt durch die Tür zu gehen bleibt Stella stehen und wendet sich Mac Müll zu. Ihre gute Laune ist etwas schlechter geworden, wenngleich nicht so schlecht wie die Laune derer, die jetzt ernsthaft auf eine Duschszene gehofft hatten.


Stella Nova: „Ich finde es enttäuschend, wie respektlos du über einen ehemaligen GFCW Tag Team Champion sprichst, Mac Müll. Sicherlich war ich die große Favoritin und habe erwartungsgemäß gewonnen, doch Jay Taven war sehr wohl ein Gegner. Ein Gegner, den ich deswegen so klar und deutlich besiegt habe, weil ich eines der besten Komplettpakete in der Geschichte dieses Sports bin. Dennoch musste ich meine Leistung bringen, um ihn so zu besiegen, wie ich ihn besiegt habe, wie ich generell immer Leistung bringen muss – weil ich als Leitstern des Professional Wrestling die Aufgabe habe, stets als Positivbeispiel voranzugehen.“


Mac Müll erstarrt. Bei seinem ersten Interview mit Stella hatte er von ihr ein Lob bekommen. Eine seltene Erfahrung, die Mac Müll seitdem versucht hat zu wiederholen – erfolglos. Und dieses Interview hatte einen kompletten Fehlstart, der ein erneutes Lob nicht wahrscheinlicher gemacht hat. Weswegen der Interviewer sofort hastig dem Negativtrend entgegenzuwirken sucht.


Mac Müll: „Genau so hatte ich das auch gemeint! Die Frage, die sich nun alle stellen, ist, ob du nach deinem Erfolg mit Mad Dog gegen die Modern Erasers an der Tag Team Battle Royal teilnehmen willst oder ob du versuchen wirst dich einmal mehr in ein GFCW World Title Match hineinzureden. Wie sind deine Pläne?“
Stella Nova: „Wie ich gerade schon sagte, bin ich der Leitstern des Professional Wrestling. Ich bin Stella Nova, die amtierende Rekordtitelträgerin von WFW. Jemand wie ich kann nicht wie eine Bettlerin den Almosen des World Champions hinterherjagen, um bei einer kleineren Show unangekündigt ein Match zu bestreiten.“


Sie streicht bedeutsam mit den Fingerspitzen über den Titelgürtel, der auf ihrer Schulter ruht.


Stella Nova: „Ein Match mit meiner Beteiligung will groß beworben sein und im angemessenen Rahmen stattfinden, beides wäre heute nicht gegeben. Von daher habe ich keinerlei Problem damit, dass die Open Challenge bereits vergeben ist. Noch dazu gibt es diese Tag Team Battle Royal, die du ja schon so bedeutungsschwanger erwähnt hast.“


Es ist schwer einzuschätzen, ob Stella dieses Interview nun gerne führt oder nicht, gefühlt ist es ein Mittelding – sie wäre nun definitiv lieber unter der Dusche, aber Mac Müll gibt ihr auch die Gelegenheit ausgiebig über eines ihrer Lieblingsthemen zu sprechen: sie selbst.


Mac Müll: „Ja, die Battle Royal gibt es und wie wir nun wissen, werden beide Teams der LPG nicht an dieser teilnehmen. Aber vielleicht du und Mad Dog?“


Mac Müll guckt Stella erwartungsfreudig an und neigt sich geradezu in ihre Richtung, was deren Wunsch zu duschen unweigerlich verstärkt.


Stella Nova: „Ich kann die Black Wyrms, Skadi und Idunn nur dafür loben, dass sie Selbstwert haben und auf das pochen, was sie nicht zu Unrecht als ihr Recht erachten. Würden sie mich um Hilfe bitten, ich würde sie unterstützen, weil ich der Leitstern des Professional Wrestling bin und meine Vorbildfunktion dies gebieten würde. Sie haben mich aber nicht um Hilfe gebeten und so habe ich die Gelegenheit egoistisch zu sein, wie man es in diesem Sport nun einmal ab und zu sein muss, wenn man erfolgreich sein will.“


Mac Müll nickt bedächtig.


Mac Müll: „Ich… verstehe komplett, was du sagen willst! Aber ich bin sicher, dass ein paar Zuschauer es nicht verstehen, also… für diese Zuschauer, nicht für mich… was… heißt das genau?“


Stella rollt mit den Augen – wer auch immer Mac Mülls Worte glaubt, Stella gehört nicht dazu.


Stella Nova: „Gegen wen habe ich heute gekämpft, Mac Müll?“
Mac Müll: „Jay Taven?“
Stella Nova: „Genau, Jay Taven. Wie bereits festgestellt ein ehemaliger GFCW Tag Team Champion. Jay Taven hat also etwas erreicht, was mir bisher verwehrt geblieben ist. So erfolgreich ich auch als Einzelwrestlerin bin, einen Tag Team Titel konnte ich bisher nicht gewinnen, dabei hatte ich in meiner Karriere drei verschiedene Gefährtinnen, die allesamt mit anderen Partnerinnen Tag Team Champion geworden sind.“


Ein Hauch von Verbitterung ist auch Stellas Stimme herauszuhören. Wie schon aus früheren Interviews deutlich wurde, hat Stella ihre Einzelkarriere ein ganzes Weilchen unterbrochen, um in der Tag Team Division von WFW Erfolg zu haben – nur gab es den nicht. Anders als bei ihrer Rückkehr ins Einzelwrestling.


Stella Nova: „Da stellt sich doch unweigerlich die Frage, warum meinen früheren Gefährtinnen dies mit anderen Partnerinnen gelungen ist, mit mir hingegen nicht? Bin ich einfach keine gute Tag Team Wrestlerin? Oder waren wir einander einfach die falschen Partnerinnen?“


Mac Müll hat keine Antwort auf diese Frage parat. Also sagt er einfach was anderes, was zum Thema passt.


Mac Müll: „Das klingt jetzt verdächtig danach, als ob du noch immer Interesse daran hast Tag Team Gold zu gewinnen und dich fragst, ob Mad Dog dafür der richtige Partner sein könnte.“


Das ist keine Frage, es ist eine Feststellung. Und Stella nickt.


Stella Nova: „Mein erklärtes Ziel ist es WFW und GFCW als Doppel-Champion anzuführen und einen neuen Wrestlingboom auszulösen, dieses Ziel ist unverändert. Was für die Black Wyrms eine Unverschämtheit ist, ist für mich ein Wink des Schicksals. Diese Battle Royal wartet nur darauf von mir gewonnen zu werden, so wie ich die Standing Alone Battle Royal bereits gewonnen habe. Nein, Moment, ich muss mich korrigieren.“


Sie räuspert sich.


Stella Nova: „Diese Battle Royal wartet darauf von uns gewonnen zu werden. Von Mad Dog und von mir. Conquista erwartet uns als Herausforderer… und als künftige Champions – womit ich dann Doppel-Champion sein werde, genau wie ich es angekündigt habe.“


Stella deutet mit einer eleganten Drehbewegung hinter sich auf die Tür zu den Duschräumen.


Stella Nova: „Weswegen ich jetzt gerne duschen würde. Wenn es gilt ZerBeus gegenüberzutreten und unsere Teilnahme an der Battle Royal zu verkünden, muss ich schließlich bestmöglich aussehen. Ich bin schließlich Stella Nova, der Leitstern und habe eine Vorbildfunktion.“


Mac Müll nickt eifrig.


Mac Müll: „Dann viel Spaß dabei!“


Mit einem Wink ist Stella durch die Tür und die Kamera… geht nicht mit, sondern zoomt noch mal auf Mac Müll, ehe sie sich abschaltet.



Wir befinden uns im Backstagebereich der Stierkampfarena, genauer gesagt in der Catering-Area. An einem länglichen Tisch sind allerlei Fressalien aufgebaut. Direkt vor einer riesigen Schüssel mit Kartoffelsalat (die Variante mit Mayonnaise) stehen zwei muskelbepackte Hünen und sind ins Gespräch vertieft. Wobei der eine noch etwas hüniger ist, und der andere noch etwas muskelbepackter. Die beiden lachen und scherzen herum.


Steve Steel: „Ach quatsch, jetzt hör aber auf, Ricky. Sooo stark bin ich nun auch wieder nicht. Du machst mich ja ganz verlegen. Ts ts.“

Ricky Murk: „Doch doch, das war krass, wie du den einfach umgehauen hast, so als wäre das nur irgendein Hänfling. Du bist und bleibst der Krasseste, Steve!“

Steve Steel: „Jetzt wird ich ganz verlegen. Ich war aber nicht so furchteinflößend wie du zu deinen besten Zeiten, mein Lieber. Noch heute fürchten sich Wrestlingfans landein landaus vor dem schrecklichen Demon of Death, hahaha!“

Ricky Murk: „Ach Mensch, wiiirklich? Jetzt werd ich gleich rot.“


Die beiden Männer in den 50igern schmieren sich Honig um den Bart und scheinen in alten Zeiten zu schwelgen. Schließlich hat der ehemalige Demon of Death seine Karriere als Wrestler längst beendet und ist nun hochgeschätzter Referee in der GFCW. Und auch Steve Steel wurde bereits seit Jahren nicht mehr in einem Wrestlingring gesehen, auch wenn er seine Laufbahn nie offiziell beendet hat.


Steve Steel: „Wie läuft es denn nun so als Referee? Referee? Verbreitest du da auch Angst und Schrecken?“

Ricky Murk: „Hehe, ne, da bin ich ein ganz ruhiger Fahrer. Ich bin ja nachher wieder dran.“

Steve Steel: „Ach, das wusste ich gar nicht.“

Ricky Murk: „Ja, ich leite den Co-Mainer. TnB gegen die Modern Erasers.“

Steve Steel: „Das machen Titan und Bomb. Ganz klare Sache, oder?“

Ricky Murk: „Hohoho, ganz sachte. Ich bin unparteiisch, schon vergessen? Ich gewährleiste nur einen fairen Kampf.“

Steve Steel: „Das Match schaue ich mir an. Bin mal gespannt, ob du mit deinen alten Knochen noch zum Zählen runterkommst, hahahaha!“

???: „Ähm, tschuldigung. Dürfte ich mal an den Kartoffelsalat?“

Steve Steel: „Was zum…“


Von rechts schiebt sich ein deutlich kleiner Mann ins Bild, aber auch mit einer sportlichen Statur. Sofort fallen die langen wasserstoffblonden Haare ins Auge, die auf seine Schultern fallen.


Pete: „Das ist doch Güldenherz!“

Sven: „Wer zum Henker ist Güldenherz?“

Pete: „Also wirklich, Kollege. Verfolgst du nicht die GTCW? Güldenherz ist ein junger, aufstrebender Wrestler, der in der Development-Liga der GFCW bereits erste Erfolge feiern konnte und auch schon Auftritte im Main Roster hatte. Glaube ich jedenfalls.“

Sven: „Mh. Muss wohl an mir vorbei gegangen sein.“


Güldenherz wartet nicht, bis der perplexe Steel den Weg freigibt, sondern er versucht um den Muskelberg herum zu greifen, um an die Schüssel mit dem köstlichen Salat zu kommen, wobei er Steve Steel ein bisschen anstößt.


Steve Steel: „Heeey, Vorsicht, Bürschchen!“


Mit einer leichten, aber doch bestimmenden Armbewegung schiebt der Bronzed Adonis den Lord des Lichts zurück, was dieser sich aber nicht gefallen lassen will, sondern versucht dagegenzuhalten. Aber Steel ist stärker. Es entsteht eine regelrechte Rangelei.


Ricky Murk: „Woh-woh-woh, sachte Freunde, sachte. Klärt das im Ring, hehe.“


Die beiden Streithähne beruhigen sich und zupfen sich die Klamotten zurecht.


Steve Steel: „Pff, so ein Quatsch, guck dir diesen Zwerg doch mal an. Außerdem hat der doch nur Pudding in den Armen. Der würde keine 3 Minuten gegen mich bestehen. Das hier sind Muskeln, Jüngling!“


Steve Steel spannt jetzt die Armmuskeln an, und obwohl er Anfangmitte 50 ist, sind das noch beeindruckende Muskeln. Steel ist immer noch in Form.


Güldenherz: „Pah, du bist vielleicht stärker als ich, das mag sein. Aber ich bin schneller. Ich bin geschickter. Und ich bin schlauer. Was aber auch nicht schwierig ist, bei so einem Holzkopf wie dir.“

Steve Steel: „WAAAAAS?!?! Du frecher Bengel du!!!“


Steels Kopf läuft rot an und für einen kurzen Moment hat man Angst, dass er jetzt mit Güldenherz kurzen Prozess machen wird. Doch Ricky Murk geht dazwischen.


Ricky Murk: „Komm, mein Freund, lass uns gehen. Lassen wir diesen jungen Hitzkopf mal ein bisschen runterkühlen. Trink dir mal ne kalte Limo, Kleiner.“

Steve Steel: „Grmpf…“


Sichtlich erregt lässt sich der Adonis dann aber doch von seinem alten Freund wegführen und Güldenherz kommt endlich an den Kartoffelsalat ran. Beherzt will er sich gerade seinen Teller füllen, als plötzlich ein Tapsen zu hören ist. Dann ein Schnüffeln. Verwundert blicken sich Güldenherz – und die Kamera – um, damit identifizierbar ist, welcher Mensch für derartige Geräusche sorgt. Die Antwort ergibt sich erst, als Güldenherz nicht mehr in die Ferne blickt, sondern an seinem Hosenbein hinunter.

Dort steht – mit wedelndem Schwanz – der Switzidog. Und wo der Labrador ist, da kann auch Zac Alonso nicht weit sein. Der Intercontinental Champion, der dieses Privileg bei New Level gegen Kyle Douglas und Milly Vermillion verteidigen konnte, tritt beschwingten Mutes in die Catering-Area. Auf seiner Schulter glänzt der Gürtel in der Halogenbeleuchtung. Sein Auftritt löst Jubel bei den Zuschauern aus, die das Geschehen auf der Videoleinwand verfolgen.


Zac Alonso: „Komm schon, Junge. Zurück.“


Weil der Labrador beim ersten Mal nicht hört, schnippst Alonso mit den Fingern. Und tatsächlich löst sich das schnüffelnde Tier von Güldenherz (oder dem Büffet) und schlendert zurück zu seinem eigentlichen Besitzer. Schwanzwedelnd steht er da und blickt sich um.


Zac Alonso: „Das ist ja wirklich ein Comeback, das die Wrestlingwelt nicht braucht.“


Nicht nur einige der Fans stöhnen erschrocken auf, auch Güldenherz muss schlucken. Derart von Alonso – dem Publikumsliebling – abgekanzelt zu werden, das hat er nicht erwartet. Nach einem Moment unangenehmer Stille fällt Alonso ein, dass er womöglich missverstanden wurde. Er schlägt die flache Hand an die Stirn und setzt eine entschuldigende Miene.


Zac Alonso: „Entschuldigung, Mann. Das bezog sich auf den da…“


Er deutet in die Richtung, in der Steve Steel gerade verschwunden ist. Das ist nach Alonsos Ansicht das Comeback, das die Welt nicht braucht.


Zac Alonso: „…und nicht auf dich. Im Gegenteil: Bei einem aufstrebenden Typen wie dir finde ich gut, dass du die Chance auf großer Bühne suchst. Die Galaxy braucht Talente, die versuchen wollen, mit den großen Fischen zu schwimmen.“


Weil er keine konkrete Frage gestellt hat, sieht sich Güldenherz zu keiner Antwort genötigt. Still stehen die Beiden nebeneinander. Alonso tritt aufs Buffet zu, schaufelt sich einen Teller mit Obstsalat voll und lässt – ganz zufällig – ein Stück Banane vom Tisch gleiten, welches der Labrador zu seinem Füßen wegatmet.


Zac Alonso: „Darf ich ehrlich zu dir sein, Güldenherz?“


Nicken beim Angesprochenen. Das wasserstoffblonde Haar wippt bei der Geste auf und ab. Sein Gesichtsausdruck verrät jedoch, dass er nicht weiß, worauf Alonso hinauswill. Sein Blick ist ohnehin etwas abgelenkt. Und zwar weder von Alonso, noch vom Zacidog. Sondern von dem großen, glänzenden Schmuckstück auf Zacs Schulter.


Zac Alonso: „Es ist nicht grad ein Comeback mit viel Impact, wenn du aus dem Nichts vor den Kameras auftauchst und dir Kartoffelsalat reinschaufelst.“


Mit gespielt vorwurfsvoller Miene blickt der Champion auf den Teller seines Gegenübers.


Zac Alonso: „Wo ist der Auftritt mit Boom-Effekt? Wo sind die dicken Eier? Sollte ein Youngster nicht das Maul aufreißen und versuchen, aus seiner TV-Zeit so viel zu machen wie es nur geht?“


Güldenherz schaut etwas nachdenklich, aber auch verschmitzt drein. Und dann hat er endlich seine Sprache wiedergefunden.


Güldenherz: „Zac, mein Guter. Schön dich zu sehen. Wie ich sehe, hattest du bereits sehr großen Erfolg hier in der GFCW.“


Mit großen Augen blickt der Mann mit den blondierten Haaren auf das Titelgold auf Alonsos Schulter.


Güldenherz: „Aber weißt du was, das Zeug dazu habe ich auch. Ich bin auch gut genug, um GFCW Intercontinental Champion zu werden. Dafür brauche ich kein Boom, keinen großen Auftritt. Dafür brauche ich einfach nur ein Match gegen dich, und dann wird der Titel wechseln. Versteh mich nicht falsch, Zac. Ich respektiere dich, du hast es in deinem jungen Alter schon sehr weit gebracht und bist ein toller Champion. Aber du solltest wissen, dass ich jetzt wieder in der GFCW bin. Und ich habe vor, auch hierzubleiben!“


Zac Alonso: „Woah.“


Auf Güldenherz‘ Worte hin macht der IC-Champ einen Schritt zurück. Seine Hand legt sich schützend auf die Titelplatte.


Zac Alonso: „Ich hatte es nicht darauf abgesehen, dass mein kleines Triezen darin mündet, eine Herausforderung zu bekommen.“


Er kratzt sich am Kinn. Überlegt. Dann jedoch – nach einigen Sekunden Bedenkzeit – zuckt Alonso mit den Schultern und zeigt sein gewohnt sorgloses Grinsen.


Zac Alonso: „Weißt du was? Warum eigentlich nicht? Ich bin ein Fighting Champion. Das habe ich bewiesen, seitdem ich die Switzenberg’sche Schreckensherrschaft beendet habe. Würde mir The End nicht zuvorkommen, hätte ich meine Verteidigung heute vielleicht sogar mit einer Open Challenge gefeiert…“


Mit einer in den letzten Wochen antrainierten Körperbewegung rückt Alonso den Titel auf der Schulter zurecht.


Zac Alonso: „…und da muss dein Auftauchen doch wirklich ein Wink des Schicksals sein. Weißt du was? Wir machen es einfach. Ich gebe dir ein Match.“


Güldenherz macht große Augen. Selbst der Zacidog scheint die Relevanz der Situation zu erkennen und wedelt euphorischer seine schokoladenbraune Rute.


Zac Alonso: „Unverhofft kommt oft, was?“


Ein Stück weit scheint Alonso den Anblick des gleichermaßen erfreuten wie überrumpelten Güldenherz zu genießen. Der Champion steckt sich eine Weintraube in den Mund und zwinkert Güldenherz gönnerhaft zu. Wären nur noch ein paar Formalien zu klären, bevor Güldenherz die Chance seines bisherigen Wrestlerlebens bekommt. Sowas wie: Wann? Und wo? Doch bevor diese offenen Fragen geklärt werden, hört man aufgebrachte Schritte, die näherkommen.


???: „Was zum… WAS ZUM TEUFEL?!“


Und jetzt stürmt Steve Steel schnaubend und immer noch mit rotem Kopf ins Bild.


Steve Steel: „Was ist hier los? Worüber redet ihr, hä? Habe ich etwa richtig gehört?!“


Steel wischt sich die letzten Krümel eines Brötchens aus den Mundwinkeln.


Steve Steel: „Ihr habt ein Match ausgemacht? Ein Titelmatch?! Dieser kleine Armleuchter hier soll einen Shot auf den Intercontinental Titel bekommen? Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein!“


Abschätzig blickt er jetzt an Zac Alonso herunter, der sogar noch ein bisschen kleiner zu sein scheint als Güldenherz.


Steve Steel: „Mh, nun ja. Du bist allerdings auch nicht wirklich beeindruckender, Alonso. MEIN GOTT, WAS SEID IHR NUR FÜR JÄMMERLICHE LAPPEN!“


Wie ein wilder Berserker fängt der Bronzed Adonis nun an, vor den beiden für die Kamera zu posieren und seine Muskeln spielen zu lassen. Schließlich reißt er sein Shirt entzwei und steht am Ende oberkörperfrei da, erschöpft aber zufrieden grunzend. Kurz denkt man, jetzt beruhigt er sich endlich, doch dann tritt wieder Wut in seine Augen und er packt sich Güldenherz am Schlafittchen, wobei er Zac Alonso brüsk beiseiteschiebt und diesen fast über den Tisch mit den Speisen wirft. Gerade noch kann Alonso sich abfangen.


Steve Steel: „Es reicht jetzt endgültig, Güldenherz! Ich zeig dir jetzt mal, dass man sich ein Titelmatch in der GFCW erst verdienen muss und nicht einfach wie ein aufgeblasener Gockel daherkommen kann. Du kriegst jetzt was hinter die Löffel, hehehe!“


Der Adonis holt mit seiner Pranke aus, Güldenherz schluckt den letzten Bissen Kartoffelsalat runter und bereit sich auf den Einschlag vor, als…


???: „STOOOP! Hört auf ihr Zwei. Keine Gewalt beim Essen!“


Ricky Murk stürmt ins Bild und greift Steve Steel an den Schultern, um ihn von Güldenherz wegzuziehen.


Ricky Murk: „Kann man euch nicht mal einen Moment alleine lassen?“


Wirklich schuldbewusst sieht Steve Steel nicht aus, doch zumindest geht er nicht wieder sofort auf Güldenherz drauf. Das gibt Zac Alonso, der die Auseinandersetzung stumm verfolgt hatte, die Chance, sich zu räuspern und vorzutreten.


Zac Alonso: “Ich kann nicht sagen, dass ich deine Aktion sympathisch finde, Steve. Genauso wenig wie dich generell. ABER…”


Sein Blick wandert zwischen allen Anwesenden hin und her.


Zac Alonso: “...das ist trotzdem der Ehrgeiz, den ich sehen will. Wenn zwei Leute bereit sind, sich für einen Shot auf meinen Titel zu schlagen, muss ich als Champion was richtig machen. Deswegen schlage ich eine kleine Planänderung vor.”


Mit dieser Andeutung hat er die Aufmerksamkeit von Steel und Güldenherz.


Zac Alonso: “Ich überlasse euch erstmal den Ring, um eure Differenzen zu klären. In zwei Wochen, in Spanien, steigt ihr gegeneinander in den Ring. Darum werde ich das Office bitten. Ich schnapp mir Popcorn und schau zu. Und wer von euch gewinnt, der bekommt bei der Show darauf die Chance, gegen mich zu kämpfen.”


Er klopft auf seinen Titel. Eine Geste, die Güldenherz und Steel mit einer Spur Neid verfolgen. Das würden sie auch gern können…


Zac Alonso: “Um den hier. Also gebt alles.”


Fade out.



Wir sind im Backstagebereich der altehrwürdigen Stierkampfarena im portugiesischen Lissabon. Genauer gesagt irgendwo tief in den Katakomben, wo eilig eine provisorische Interviewzone eingerichtet wurde. Ein großes GFCW-Banner, das an eine Wand gehängt wurde, und davor steht niemand geringeres als Mac Müll.


Mac Müll: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, bitte begrüßen Sie meine Gäste dieses Mal: Die Basketballer.“


Und schon treten Hightower und Dimer von links und rechts ins Bild an die Seite Mac Mülls. Beide sind in voller Basketball- ääääh Wrestling-Montur. Dieses Mal haben sie sich für knallpinke Hosen und Trikots entschieden, mit quietschgrünen Nummern und Schriftzügen. Scheinbar wollen sie mit diesen schrillen Farben die Stiere ablenken bzw. ihnen Augenkrebs verpassen.


Mac Müll: „Nun ja. Gentlemen, wir müssen über New Level sprechen. Vor 2 Wochen habt ihr beim PPV eure erste Niederlage einstecken müssen. Und dass, obwohl es gar nicht so schlecht aussah, ihr hattet sogar Siegchancen.“

James Hightower: „Argh, ich bin immer noch stinksauer, Müll! Wir hatten nicht nur Siegchancen, wir hätten das Spiel sogar gewinnen müssen. Wenn du im vierten Viertel mit 20 Punkten führst, dann musst du das Ding nach Hause bringen. Ich sag dir, was los war, wir wurden verpfiffen! Jawohl!“

Mac Müll: „Das sind starke Vorwürfe. Wollt ihr etwa sagen, dass die Schiris euch benachteiligt haben? Es sah wohl eher so aus, als ob dieser Unbekannte, dieser mysteriöse Riese euch abgelenkt hat. Wer ist das denn überhaupt verdammt. Wieso taucht dieser Kerl immer wieder bei euren Matches auf?“

Chris Dimer: „Ja wenn wir das wüssten, Mac Müll! Aber wir kennen diesen Typen nicht. Nie gesehen, keine Ahnung.“

James Hightower: „Dieser Flegel fängt langsam echt an, mir auf die Nerven zu gehen. Er soll sich endlich zeigen. Face to Face. Dann werden wir schon herausfinden, was es damit auf sich hat. Aber egal, heute gibt es erst einmal wichtigeres.“
Mac Müll: „Du meinst, über eure Niederlage beim PPV zu sprechen?“

James Hightower: „Grmpf, nein. Ich meine unsere Teilnahme an der GFCW Tag Team-Battle Royal um einen Shot auf die Championtitel! Jawohl, wir nehmen natürlich auch teil, hehe!“

Chris Dimer: „Ganz genau, und deshalb müssen wir jetzt auch los. Gleich treffen sich alle Teilnehmer im Ring. Also, tschühüüüs.“


Und mit diesen Worten rauschen die beiden Basketballer einfach ab und lassen Mac Müll etwas verdutzt dreinblickend stehen.



Der Sturm ist hier. Doch etwas ist anders.

Shelly Nafe marschiert neben einem Iray Burch her, der nicht nur verwundbar ist, sondern schlagbar. Menschlich. Das Projekt der vom Ehrgeiz getriebenen Managerin ist bei New Level an der allerletzten Hürde gescheitert. Einer Hürde namens The End – und dessen entfesselter Verzweiflung, die ihn dazu trieb, es Burch mit der einzigen Währung heimzuzahlen, die der Unmensch selbst kennt: Gewalt.

Auf dem Weg zum Ring sind Burch die Spuren des Main Events noch anzusehen. Kleinere Schrammen im Gesicht, ein leichtes Hinken. Doch der Blick in seinen tiefliegenden Augen ist hart wie eh und je. Vielleicht sogar noch mehr. Ein Tier, das angeschossen, nicht aber erlegt wurde, kann gefährlich sein. Wie ist es da erst mit einem Monster?

Stumm drückt Shelly Nafe die Seile für ihren Klienten herunter und Burch nimmt das Angebot mit einem Grunzen hin. Sein ärmelloses Shirt ist fleckig, auch das Tape um seine Hände ist von Schweiß – und vielleicht etwas Blut – verfärbt. So als habe er es in den zwei Wochen seit New Level nicht für nötig befunden, die Spuren und den Dreck der Niederlage zu beseitigen. Gedanken aus einem Kopf, die für 9.000 Zuschauer in der Halle und Millionen vor den Fernsehern nicht nachzuvollziehen sind. Man sieht gerümpfte Nasen allenthalben.

Im Ring wartet bereits Hollywood Jake.

Der einstige Schützling von Darragh Switzenberg hat das Kinn stolz in die Luft gereckt, doch das Zucken seiner Augen verrät, dass ihn die Nähe zu Iray Burch nicht kalt lässt. Der Gestank des Kolosses, vor allem jedoch seine Ausstrahlung. Doch sie treffen hier nicht als Feinde aufeinander. Sondern als Symbole eines Neuanfangs. Die Wiederauferstehung des Nafe Effect.

Jake nickt Burch zu.

Nafe schenkt dem jungen Mann ein Lächeln.

Die Managerin nimmt Aufstellung im Ring. Sie hat nicht die Ausstrahlung einer Frau, die daran zerbrochen ist, kurz vor ihrem Lebenstraum gescheitert zu sein. Vor dem Ring war bei New Level ihr Einflussbereich geendet, die letzten Schritte musste Burch alleine gehen. Und war gescheitert. Denkbar knapp. Ein paar hämische Sprüche gibt es seitens des Publikums, doch sie verpuffen an Nafes eiskalter Aura. Nicht einen Funken Aufmerksamkeit hat sie übrig für das Triumphgeheul der End-Fans.

New Level war nicht das Ende.

Es war ein Anfang.

Für den Nafe Effect 2.0.

Shelly Nafe: „Du bist ein kluger Mann, Jake.“

Ihre Hand legt sich in seine. Sie blicken einander an. Nafes Augen funkeln, hinter ihren Pupillen tanzen hunderte Gedanken, tausende Möglichkeiten und Richtungen, in die man diesen Rohdiamant entwickeln kann.

Hollywood Jake hat sich entschieden. Gegen Darragh Switzenberg. Für die Zukunft.



Refuse to Age ist da. Und damit ein Gegner, nach dem Shelly Nafe nicht verlangt hat. Im Gegenteil: Bei New Level noch hatte sie ihre ehrgeizigen Finger Richtung Danny Rickson ausgestreckt. Unter anderen Umständen – vor seinem Sieg und ihrer Niederlage. Wie mag sich die Dynamik nun verändert haben?

Bei Danny Rickson und Robbin Zick ist die Hierarchie klar verteilt. Der Hall of Famer marschiert voran. Sie kommen zu seiner Musik. Zu einem Video, auf dem Highlights aus seiner Karriere gezeigt werden. Natürlich enthält es auch die Szenen der triumphalen Rückkehr in die Erfolgsspur, dem Sieg über Ask Skógur bei New Level. Robbin Zick dackelt dem Engländer hinterher. Und es scheint ihn nicht zu stören. Ein zufriedenes Grinsen zieht über sein Gesicht, während er in den Ring zu Nafe, Jake und Burch blickt.

Auf dem Apron angekommen, gibt Rickson mit einer herrischen Geste einen Auftrag in Richtung Laura und die Ansagerin reicht ihm ihr Mikrofon.

Rickson steht da. Sein Blick kennt nur ein Ziel. Shelly Nafe.


Danny Rickson: „Es gibt da etwas, das ich bedaure, Shelly.“

Shelly Nafe: „Ich auch, Danny.“


All die anderen Anwesenden geraten in den Hintergrund, als der Hall of Famer und die Managerin einander fixieren. Ricksons Augen fahren das Gesicht der Mittfünfzigerin ab, ihre sanften Linien im Gesicht.


Danny Rickson: „Dann du zuerst.“


Die Andeutung eines neckischen Lächelns umspielt Rickson Mund. Nafe nimmt die Aufforderung mit einem Augenschlag hin.


Shelly Nafe: „Ich bedaure, dass du heute meinem Team als Gegner gegenüberstehst. Und hoffe, dass es keine Auswirkung auf unsere mögliche…“


Sie macht eine kurze Pause, befeuchtet mit der Zunge ihre Lippen.


Shelly Nafe: „…Beziehung in geschäftlicher Hinsicht hat.“


In Ricksons Rücken ist ein ärgerliches Knurren von Robbin Zick zu hören. Doch der Hall of Famer schenkt seinem Untergebenen keine Beachtung. Er hat weiterhin nur Augen für Nafe. Beiläufig wischt er sich eine Strähne seines goldblonden Haares aus dem Gesicht.


Shelly Nafe: „Nun du.“

Danny Rickson: „Ich, Shelly, bedaure…“


Er drückt die Seile herunter, damit er in den Ring steigen kann. Läuft einen Schritt in Richtung Shelly Nafe. Iray Burch kommt vor, seine kleinen Augen zucken in Richtung Rickson.

Doch Nafe winkt Burch beiläufig weg.


Shelly Nafe: „Ja?“

Danny Rickson: „…dass dich deine Arroganz zu einem unfassbar dummen Weib macht.“



OOOOOOH!“


Nafe schweigt. In ihren Augen funkelt es.


Danny Rickson: „Wie kannst du glauben, dass sich Danny Rickson dir unterwirft?“

Shelly Nafe: „Partnerschaft. Nicht…Unterwerfung.“


Die Stimme der Managerin ist ungewohnt leise. Ihre Worte verlieren sich beinah im Lissaboner Abendhimmel.

Iray Burch macht einen großen Schritt auf die Situation zu.


Danny Rickson: „Seit zwanzig Jahren bin ich der beste Wrestler dieser Liga. Die GFCW ist MEINE Welt, Shelly. Ich habe jeden Titel gewonnen. Sie haben mir einen Hall of Fame-Ring an den Finger gesteckt. Danny Rickson ist unsterblich. Und du bist…“


Er beugt sich vor, sein Gesicht ist dicht vor ihrem.


Danny Rickson: „…absolut niemand.“


Der Engländer spuckt ihr die Worte entgegen. Nafe senkt den Kopf, blickt zu Boden.


Danny Rickson: „Eine alte Frau, die vor dem Ring steht und glaubt, sie könne die Welt erobern, indem sie redet. Soll ich dir was sagen, hm? Deine Intrigen, deine Pläne, dein ganzer Akt sind scheißegal, Shelly. Was zählt ist, was im Ring passiert. Und dort herrscht seit zwei Jahrzehnten Danny Rickson. Bei New Level wurde das wieder einmal deutlich. Also stell dich nie wieder hin und biete mir einen Platz an deiner Seite an. Der einzige Platz für jemanden wie dich…“


Rickson streckt die Hand vor und greift Nafe ans Kinn. Richtet ihren Kopf auf, damit sie ihm in die Augen blickt. Blicken muss – auch wenn sie es nicht will.


Danny Rickson: „…ist auf deinen Knien.“



Shelly Nafe: „Bist du fertig, Danny?“


Nafe schlägt die Hand Ricksons weg. Sie schaut ihm weiter in die Augen. Doch diesmal aus eigenem Willen, nicht aus Zwang. Ihre Unterlippe zittert.


Shelly Nafe: „Ich habe mich also in dir getäuscht. Und somit…wirst du nun nicht mehr gebraucht, alter Mann.“


Sie wendet sich um. Und winkt Iray Burch heran. Der Unmensch leckt sich über die Lippen, entblößt seine Zähne.

Zeit für ein Massaker. Doch Rickson hebt abermals das Mikrofon.


Danny Rickson: „Ich bin nicht fertig.“


Ungeachtet der Gefahr durch den näherkommenden Iray Burch greift Rickson abermals nach dem Mikrofon und führt es sich an den Mund.


Danny Rickson: „Ich sagte es bereits: Du bist Niemand, Shelly. Und ich werde es dir beweisen.“


Ricksons Blick löst sich von Shelly Nafe. Er wandert erst zu Iray Burch…

und von dort zu Hollywood Jake. Der neuen Hoffnung des Nafe Effect.


Danny Rickson: „Du glaubst, New Level war ein Neuanfang? Es war dein Ende, Shelly.“


Hollywood Jake tritt vor.

Er nimmt das Mikrofon von Rickson entgegen.


Hollywood Jake: „Als ich sagte, das Switziverse wäre das falsche Team für mich…“


Mit irritierter Miene blickt Nafe ihren neuen Klienten an. Irgendwo hinter ihren Augen pocht eine dunkle Ahnung. Der Blick weitet sich. Die Atmung wird schneller.


Hollywood Jake: „…meinte ich gottverdammt nicht, dass deines das Richtige wäre.“


Nafe beginnt zu verstehen.

Im nächsten Augenblick hämmert Jake das Mikrofon in Iray Burchs Gesicht.

Der angeschlagene Koloss sinkt zu Boden. Danny Rickson schlägt begeistert in die Hände. Robbin Zick tut es ihm gleich.

Und dann öffnet Hollywood Jake seinen Pelzmantel. Darunter ein Shirt. Von Refuse to Age.


OOOOOOH!“


Danny Rickson: „Sieh es dir an, Shelly. DAS ist alles, was du hast.“


Innerhalb von Sekunden findet ein Dutzend Schläge und Tritte ins Ziel. Rickson, Jake und Zick schlagen ohne jede Rücksicht auf Iray Burch ein. Der Unmensch grunzt und brüllt, nimmt die Arme zur Abwehr hoch. Doch er hat keine Chance gegen die Übermacht. Sein Gesicht und sein Körper verfärben sich unter sechs Stiefeln rot.

Ein Sturm, der von einem größeren Sturm gefressen wird.

Einmal schafft es Iray Burch, sich auf die Beine hochzukämpfen, doch sogleich wird er von Jake und Zick gepackt und in die Seile gezerrt. Rickson jagt ihm einen Kick an den Kopf, schwankend fällt Burch auf die Knie. Wird von Robbin in den Schwitzkasten genommen. Unterdessen springt Jake vom Apron, verscheucht den Zeitnehmer von seinem Platz. Bringt einen Stuhl.

Wie eine Trophäe reicht Jake die Waffe an seinen neuen Herren weiter.

Rickson schlägt Burch den Stuhl mit solcher Wucht an den Schädel, dass sich das Metall verbiegt.

Ein Knall geht durch die Halle, dass man befürchten muss, Knochen würden zerbrechen. Burch bleibt liegen. Seine kleinen, schwarzen Raubtieraugen sind ziellos und matt. Aus dem Unmenschen ist nicht nur ein verwundbarer Mensch geworden, sondern ein Opfer.

Als Jake und Zick Burch auf die Beine zerren, sacken die Beine des Kolosses ein. Er muss gestützt werden. Fällt beinahe hin, als er in Richtung Rickson geschubst wird.


MTS!


Stumm, mit gesenktem Blick und zitternden Lippen, verfolgt Shelly Nafe das Spektakel. Rickson blickt sie an. Er giert danach, dass sie all das aufnimmt, was hier passiert. Ihre Vernichtung.

Shelly Nafe hat ein Kartenhaus aus Hoffnungen und Plänen gebaut. Rickson holt sie in die Realität zurück. Auf die härteste denkbare Weise.

Es ist noch nicht vorbei.

Rickson gibt Hollywood Jake ein Zeichen. Der Überläufer schnappt sich den verbogenen Stuhl. Will erst zuschlagen, doch nach einer weiteren Geste Ricksons beginnt er zu verstehen. Er nimmt den Stuhl, klappt ihn auf…

und legt ihn um den Hals von Iray Burch.

Robbin drückt die Arme des geschwächten Kolosses nach unten, damit er sich nicht befreien kann.


Shelly Nafe: „Danny, es ist genug.“


Sie schafft es nicht, seinem Blick standzuhalten.


Shelly Nafe: „Bitte.“


Wortlos wendet sich Danny Rickson ab. Er geht auf die Seile zu und erklimmt die Ecke, seine Augen suchen dabei immer die einsam dastehende Frau, deren Träume hier und heute auf jähe Weise zerplatzen.


Danny Rickson: „Zweifel nie wieder an Danny Rickson.“


Er springt ab. Sein Stiefel landet auf dem Stuhl um Burchs Hals.

Der Koloss grunzt, als ihm die Luft abgeschnürt wird.

Dann ist er still.


Danny Rickson: „Und nun renn davon, Shelly. Du wirst nicht mehr gebraucht.


Zu einer Statue erstarrt steht Nafe da. Das einzige, was sich in ihrem Körper bewegt, sind die Augen. Sie wandern zu einem röchelnden Iray Burch.

Blut sickert aus seinem Mund.


Danny Rickson: „Hau ab!“


Und sie tut, wie ihr geheißen. Eine gebrochene Frau. Das Ende eines großen Plans. Shelly Nafe hatte eine Hand an ihrem Lebenstraum und eine zweite an der Zukunft ihres Stables.

Nun ist alles dahin. Schwankend, mit zitterndem Leib, stürmt sie aus dem Ring und in die Anonymität des Backstagebereichs. Ins Nichts. Auf halber Strecke kommen ihr Mediziner mit einer Trage entgegen.

Danny Rickson, Hollywood Jake und Robbin Zick stellen sich auf. Drei Männer. Eine neue Macht. Refuse to Age.

Und was das Ende der einen ist, ist der Anfang von etwas anderem.



Erneut fangen die Kameras die Black Wyrms und die nordischen Schwestern ein. Nach ihrem Interview bei Tammy sind sie in den Locker Room der LPG eingekehrt, wo sie nun also gemeinsam mit ihrem fünften Förderkadermitglied sind, der blonden Frau im feurig gefiderten Poncho, Milly Vermillion. Das Wort an die Fünf richtet derweil die Chefin des LPG Förderkaders, die sechste Frau im Zimmer.


Miria Saionji: „Meine Damen, New Level war für uns ein weitestgehend erfolgreicher Abend – mit dem gewaltigen Schönheitsfehler, dass unser weiser, mächtiger Phönix es verpasst hat das zu tun, was Darragh Switzenberg am besten gefallen hätte – Zac Alonso den Intercontinental Title abnehmen.“


Die Angesprochene sitzt gemütlich auf einem Klappstuhl, die Oberschenkel artig nebeneinander gepresst, um den Händen als Ablage zu dienen, die Unterschenkel leicht überkreuzt und den Rücken an die Lehne gelehnt – ein leicht mit Ketchup verschmierter Mund verrät, dass ihre gute Laune trotz der Niederlage einem leckeren Mahl zu verdanken ist.


Milly Vermillion: „Eh… Zacharias hat doch nur Glück gehabt, dass es Doug wichtiger war nicht gepinnt zu werden, um seinen Ruf zu behalten, derjenige zu sein, der von niemandem flachgelegt werden kann als dass es ihm wichtig war das Match zu gewinnen. Doug es ganz klar zugelassen, dass ich gepinnt werde, damit das Match endet und er nicht länger Gefahr läuft von mir, dem mächtigen, weisen Phönix auf sein überdimensioniertes Kreuz gelegt zu werden. Was sogar überraschend klug von ihm war. Feige, aber klug.“


Die anderen sehen nicht wirklich überzeugt aus, aber Milly verschränkt nur die Arme hinter den Kopf und zuckt nonchalant mit den Schultern.


Milly Vermillion: „Ist halt so. Dann wiederum, wenn man genauer drüber nachdenkt hätte Mr. Unpinnable sich von mir vielleicht pinnen lassen sollen. Immerhin wäre er auf diese Weise überhaupt Mal von einer Frau flachgelegt worden, was für ihn bestimmt eine ganz neue Erfahrung gewesen wäre. Kann mir nicht vorstellen, dass sein Opfersyndrom und stetiges Gejammer ihn für allzu viele Frauen attraktiv macht, auch wen er groß ist. Vermutlich hat Meathook ein erfüllteres Liebesleben als er.“


Miria ist eine Frau vieler Worte, aber hier geht es ihr jetzt wie den anderen im Raum: sie ist sprachlos und hat wirklich kein Interesse daran dieses Thema weiter auszuführen. Und so wendet sich Miss Eternity rasch von Milly ab, um ihre Aufmerksamkeit den Black Wyrms zu schenken.


Miria Saionji: „Was euch angeht… ich habe euer Interview verfolgt und stimme euch zu: wie das GFCW Office immer nur aktiv wird, wenn es gegen uns geht, ist ausgesprochen auffällig. Genau deswegen erkläre ich euch ja immer wieder, dass eure puristische Weltsicht, in der harte Arbeit belohnt wird, drollig ist. Zumindest das GFCW Office belohnt es ganz eindeutig nicht, wie ihr selber schon verstanden habt. Ein Grund mehr, warum es stets günstig ist die Regeln zu diktieren, anstatt ihnen unterworfen zu sein.“


Skadi knurrt ob dieser Worte, sagt aber nichts. Wie auch die Black Wyrms still bleiben – stattdessen hört man, wie lautstark die Tür aufgeht. Im Türrahmen stht die rosarot bezopfte Leopardin aus Long Island, Monica Shade. Ihr Stoffschwein Lady Rosi hat sie wie üblich unter einen Arm geklemmt, doch beklemmend ist auch der Blick der Schweinehirtin. Ihre violetten Augen sind auf Miria fixiert, als sie eintritt und die ebenso lautstark wieder hinter sich schließt.


Miria Saionji: „Sieh an wer uns mit ihrer Anwesenheit beehrt. Es ist meine neue Assistentin, die ich bei New Level besiegt--“


BACKFLIP KICK!

Im gestandenen Rückwärtssalto tritt Monica „The Aion“ unters Kinn, die getroffen zu Boden geht. Sekunden später steht Monica mit vor Intensität funkelnden Augen neben Miria und hält ihr Lady Rosi entgegen.


Monica Shade: „Entschuldige dich bei Lady Rosi und gelobe Besserung. Es sei denn du willst, dass ich dich zur Toilette zerre, dir einen Drink aus dem Klo spendiere und dich dann mit dem Mund den Boden wischen lasse, während ich dir eine Klobürste in den Arsch ramme.“


Miria reibt sich den Kiefer und erhebt sich langsam wieder, während die anderen große Augen machen, was hier gerade passiert ist.


Miria Saionji: „Klingt… verlockend… das Bildmaterial wäre als NFT ein Vermögen wert...“


Mirias Unterkiefer schmerzt noch immer, aber sie hat ihr erhabenes Lächeln im Gesicht. Nur keine Schwäche zeigen.


Miria Saionji: „Oh, Verzeihung. Sollte das gerade eine Drohung sein? Sicherlich nicht, mir zu drohen wäre geradezu närrisch. Erstens kann man mir gar nicht drohen und es doch zu versuchen, das wäre… gefährlich, weißt du, Assistentin? Ich sollte dich vielleicht auch darüber aufklären, dass Assistentinnen nicht das Recht haben ihre Vorgesetzten zu schlagen.“


Und nun wird Mirias Lächeln geradezu überheblich.

Monica lächelt nicht zurück.


Monica Shade: „Ich habe lediglich zugesagt dir mit dem Förderkader zu assistieren. Und das mache ich auch. Bin ja ein hilfsbereiter Mensch. Letztlich sind die meisten eh nur hier, weil ich sie an die Lerbitz Pigster Group vermittelt habe, nicht wahr? Das bedeutet allerdings nicht, dass ich dir deine blauen Augen nicht noch blauer schlagen darf.“


Für einen Moment öffnet sich Mirias Mund, doch es gibt keine schnippische Erwiderung, geschweige denn einen großen Monolog, warum Monica Unrecht hat. Im Gegenteil, Mirias Mund schließt sich wieder und sie schluckt kurz. Offenbar hat Monica ein Schlupfloch in Größe eines riesigen Scheunentores in Mirias Plan entdeckt ohne groß nach diesem suchen zu müssen. Noch dazu hat Monica einen Punkt angesprochen, den Miria nicht genügend durchdacht hat – Monica war die Vermittlerin von ca. allen hier im Raum außer für Idunn und und Miria selbst. Miria mag die Chefin des LPG Förderkaders sein, aber Monica war für die Entstehung desselben viel elementarer. Gut möglich, dass es also positive Gefühle wie Dankbarkeit gegenüber Monica für Miria noch zum Problem werden könnten. Und als ob Miria nicht schon genug auf dem falschen Fuß erwischt wurde, spricht Monica weiter.


Monica Shade: „Dass Gefahr wegen deiner angeblich ach so gefährlichen Verehrer bestehen soll, halte ich auch für Quatsch. Hör du mal: nur weil deine Verehrer bescheuert genug sind etliche Dollar, Euros, Yen oder was auch immer in dich zu investieren, weil du ihnen die Illusion von Aufmerksamkeit gibst, heißt das noch lange nicht, dass sie sich trauen irgendetwas anderes zu machen. Die meisten sind vermutlich so sozial gestört, dass sie sich kaum aus dem Haus wagen und Geld damit verdienen Speedruns auf Twitch zu faken.“


Mirias Augen zucken. Ihr entgleitet die Situation. Nein, die Situation ist ihr schon entglitten und obgleich sie für gewöhnlich auf solche Probleme vorbereitet ist, hat sie diese doch nicht hier von der dämlichen Schweinehirtin erwartet, deren unverblümte Klarheit erschreckend akkurat ist. Aber wenn Miria in etwas Übung hat, dann falsche Miene zu machen und so setzt sie ihr übliches, selbstgefälliges Lächeln auf.


Miria Saionji: „Das trifft wohl auf manchen Verehrer zu. Aber es reicht ja auch ein einziger Mann oder eine einzige Frau, die sich mehr traut, nicht wahr? Da wäre es doch dumm den Verdacht zu erregen, dass du mir Böses willst...“


Monica antwortet nicht direkt und das reicht für Miria, um ihre Gedanken zu ordnen und wieder umso selbstsicherer in ihrer Körpersprache zu werden. In die Stille zwischen Miria und Monica hinein meldet sich eine bisher still gebliebene Frau zu Wort.


Skadi Fenrir: „So wenig ich denke, dass ich mich in eure kleine Privatangelegenheit hier einzubringen brauche, so komme ich nicht umher anerkennen zu müssen, dass Wahrheit in Mirias Worten ist. Idunn und ich kennen selber jemand, die auf Miria steht und ihr ab und an etwas geschenkt hat...“


Idunn nickt ihrer Schwester zu – die Rede ist zweifellos von der hier und da erwähnten dritten Schwester der Familie, Hel. Für Miria ist dieser Einwurf Gold wert. Ihr selbstherrliches Lächeln wird stärker, da echter. Monica hingegen verzieht keine Miene.


Monica Shade: „Auf Miria zu stehen ist jetzt nicht ganz so schwer, ich würde sogar sagen es ist einfach.“


Miria lächelt noch breiter. Doch dann, mitten in dieses Lächeln hinein…


Backfist to the Furure!


Volltreffer!
Miria kippt um, nach vorne weg und bleibt liegen. Monica schiebt ungerührt Mirias Haar mit dem Stiefel vom Rücken und stellt sich dann mit beiden Stiefeln auf die frei gewordene Stelle, sodass sie nun mit ihrem vollen Körpergewicht auf Mirias Rücken steht.


Monica Shade: „Da. Ich und Lady Rosi stehen auch auf Miria. Ist ja auch eine sehr attraktive Frau. Seht ihr wie sehr Lady Rosi und ich auf Miria stehen? Und wie einfach das ist? Wir wollen Miria doch gar nichts Böses, wir stehen auf Miria und wollen daher, dass sie das Richtige tut, nicht wahr, Lady Rosi?“


Das Stoffschwein nickt eifrig, während Miria vor Schmerz zu zappeln beginnt und feststellen muss, dass sich niemand im Raum verpflichtet fühlt ihr zu helfen. Selbst die Black Wyrms sehen sich nur fragend an, machen aber nichts. Skadi & Idunn sehen sich das Ganze ungerührt an, als ob sie nichts angeht und Milly...


Milly Vermillion: „Ja, ich würde sagen, ihr beide habt euren Standpunkt gut dargelegt.“


Die Phönixfrau lächelt breit ob dieses Wortspiels, aber niemand sonst findet es zum Grinsen. Nach ein, zwei weiteren Augenblicken geht Monica von Miria runter und beugt sich zu ihr hinab.


Monica Shade: „Okay, letzte Warnung. Entweder du entschuldigst dich und gelobst Besserung, oder dein Mund kriegt nach dem Genuss der Geschmacksrichtung „Faust“ den Nachschlag namens „Klospülung“ zu kosten – deine Entscheidung.“


Miria rappelt sich wieder hoch und sieht fertiger aus als nach manchen Match. Aber auch in dieser Verfassung kann sie immer noch herrisch lächeln, auch wenn das mit den zerzausten Haaren und den Stiefelabdrücken auf ihrem Kleid weniger erhaben wirkt als sonst üblich.


Miria Saionji: „Sieh einer an, unsere Leopardin kann also doch nicht nur fauchen, sondern auch kratzen und zubeißen… wärst du mit dieser Einstellung in die Anniversary Show gegangen, du wärst jetzt GFCW World Champion...“


Monicas Augen sind hart wie nie zuvor. Miria scheint für einen Moment ihre Optionen abzuwägen, dann jedoch macht sie eine Kniebeuge und blickt Lady Rosi auf Augenhöhe ins Gesicht.


Miria Saionji: „Du bist eine kluge, zähe Sau, nicht wahr? Es bestand nie die Gefahr, dass ein kleiner Schubser vom Tisch runter dich hätte verletzen können, richtig? Aber es stimmt schon, das hätte ich nicht machen sollen und ich werde es auch nie wieder machen.“


Eine Entschuldigung war das jetzt nicht explizit, aber es ist auch nicht nichts. Monicas Gesichtszüge entspannen sich ein bisschen und kaum ist das passiert, da setzt Miria nach.


Miria Saionji: „Mehr noch, ich kann dafür sorgen, dass Leute weniger Angst davor haben Iray Burch ins Gesicht zu spucken als dich süßes Schweinchen auch nur ungefragt anzufassen… dafür musst du deiner Hirtin nur klarmachen, dass mich auf ihrer Seite zu haben sehr viel gewinnbringender ist, als mich zur Feindin zu haben. Denk nur drüber nach, was wir zusammen alles erreichen könnten, du süßes, flauschiges Schweinchen...“


Es hat etwas gedauert, aber nun ist Miria wieder in ihrem Element und wieder am manipulativen Hebel. Monica und Lady Rosi scheinen beschwichtigt genug und so nimmt Miria wieder aufrechte Haltung ein, blickt ins Rund, das ihr gerade nicht geholfen hat.


Miria Saionji: „Ein anderer Gedanke, den ihr vielleicht alle hier durchdenken solltet, ist, dass niemand von uns einen Vertrag bei GFCW hat und daher stets das Damoklesschwert über uns schwebt, dass Entrepreneurin Lerbitz ihre Investitionen in uns einstellt. Was dann? Dann verlieren wir unsere Daseinsberechtigung bei GFCW. Wollt ihr euch in diesem Ernstfall wirklich auf das GFCW Office verlassen, dass uns angemessene Angebote gemacht werden? Wollt ihr das? Ein Office, das lieber Gewalttäter wie T’n’B mit Titelkämpfen belohnt und Teams, die es sich sportlich längst verdient haben, eine Battle Royal aufzwingen will, um zu erhalten, was ihnen längst zusteht? Ein Office, das zulässt, dass Open Challenges akzeptiert werden können, lange bevor dies laut Card hätte sein dürfen?“


Die Aussage sorgt für Beredtes Schweigen, was Miria dazu veranlasst das Lächeln aufzusetzen, das ihr ehrlichstes Lächeln von allen ist: das selbstverliebte Lächeln einer Gewinnerin, die nun doch das kriegt, was sie will.


Miria Saionji: „Und nun denkt an Darragh Switzenberg und sein Recht GFCW Verträge abzuschließen. Und nach diesem Gedanken solltet ihr euch klarmachen wer von uns diejenige mit dem direkten Draht zu Darragh Switzenberg ist. Wie ich gerade schon sagte: es ist sehr gewinnbringend auf meiner Seite zu sein und zusammen können wir nicht nur viel erreichen – wir können alles erreichen.“


Monica nickt bedächtig und hält Miria die Hand hin. Mirias Gewinnerlächeln wird breiter – aber als sie die Hand ergreifen will, packt Monica sie am Handgelenk!


Short-arm Clothesline!


Monica Shade: „Das war jetzt viel Gelaber, auch vieles, was richtig war. Aber eines war das nicht: eine Entschuldigung. Schätze wir gehen dann jetzt mal kurz zu dritt aufs Klo.“


Monica wuchtet Miria hoch und wirft sie sich über die Schulter. Miria zappelt, aber Monica hält sie eisern fest, wie sie durch die Tür schreitet und mit Miria über dem einen und Lady Rosi unter dem anderen Arm durch diese verschwindet. Die übrigen fünf Frauen wechseln ein paar Blicke und relaxen. Nicht ihr Problem – anders als der Punkt mit den Verträgen, wo es nun genau nachzudenken gilt… aber da man Gedanken nicht hören kann und niemand das Ganze nun besprechen will, solange die Kameras laufen, wird dem Kamerateam die Tür gezeigt.



Im Backstagebereich wird ein Trikot Portugals eingefangen, auf dem eine große 7 prangert. Diese Nummer gehört in diesem Land nur einem Mann: Cristiano Ronaldo! Die Fans werden laut, die Ronaldo Chants verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Plötzlich nimmt dieser Mann Anlauf und jubelt in der typischen SIIIUUUU Pose, wenn er gerade ein Tor geschossen hat! Um seine Hüften ist ein GFCW Tag Team Titel geschnallt. Der Mann, der dieses Fußball Trikot drüber gestreift hat, ist niemand Geringeres als Zereo Killer! Mit Verband über dem Kopf, ohne Gesichtsbemalung! Der Schädel brummt immer noch, aber er lässt sich die Freude nicht nehmen, dass er in Portugal angekommen ist, er lässt es sich nicht nehmen, mit seinen Fans, gemeinsam mit Morbeus, die Tag Team Titelverteidigung zu feiern! Sie haben alles zurückerobert, die Gürtel, das Ei!


Gut gelaunt, jedoch immer noch sichtlich angeschlagen, klatscht er mit einigen Mitarbeitern ab. Die Freude ist ihm mehr als deutlich anzusehen, welche ab und an vom Schmerz unterdrückt wird. Doch genauso wie im Tag Team Titelmatch, lässt er sich heute ebenfalls nicht unterkriegen. Morbeus kommt mit etwas Abstand auch zu dieser Szenerie hinzu. Sie bleiben Seite an Seite stehen, drehen sich zueinander hin und nicken. Ein Handschlag, ein Grinsen, sie haben es geschafft.


Zereo Killer: „Ich habe dir gesagt, mein Freund, ich würde alles tun, um die Tag Team Titel zurück zu erobern.“


Ja, das hat er, auch wenn sich Morbeus Sorgen gemacht hat, dass es schiefgehen könnte… Dieses Mal ist es gut gegangen!


Zereo Killer: „Wie wir intensiv auf den Weg nach Portugal besprochen haben, ist mir das Ei natürlich sehr wichtig. Die Chance, ein weiteres Mal irgendwann Singles Champion zu sein, bleibt mir dadurch erhalten. Doch das Allerwichtigste ist Zerbeus! Ich habe für unser Team alles gegeben, ich hoffe, dass du es gespürt hast! Mir war wichtig zu beweisen, dass wir Individuen auch als Team bestens funktionieren! Und wir haben es allen bewiesen! Ja, wir sind sehr unterschiedlich, doch genau das ist unsere Stärke als Team! T’n’B, eine perfekt abgestimmte Tag Team Maschine, hat es nicht geschafft, uns zu bezwingen. Und nun geht unser Run erst richtig los!“

Morbeus: „Ja, Zereo. Du bist ein Stehaufmännchen und hast mich mal wieder überrascht. Positiv überrascht! Du hast alles gegeben und ich habe alles gegeben. Und es hat gereicht. Ich weiß, dass das Ei dir wichtig ist. Ich dachte die ganze Zeit nur dabei an Kyle. Ich wollte nicht noch Schuld daran sein, dass ich seinen Traum eines Singles Titles platzen lasse, indem mein Partner ihm einen Shot wegnimmt. Aber das ganze hat sich doch nun in Wohlgefallen aufgelöst. Zumindest für mich. Kyle hat es nicht geschafft Champion zu werden, aber er hat sich bravourös geschlagen. Auch wenn er gerade etwas untröstlich nach Kanada abgereist. Der Moonsault mit der Leiter in der Hand bei New Level war geisteskrank. Ich dachte du stirbst. Aber ein Zereo Killer kommt da immer irgendwie noch raus. Ich glaube dir, dass Zerbeus dir viel bedeutet und du hast es da unter Beweis gestellt.

Wir haben in den letzten Wochen auch viel trainiert und sind echt mittlerweile ein verschworener Haufen. Eine tolle Entwicklung. Danke Mike! Wir müssen aber auch weiter am Ball bleiben, denn die Battle Royal steht schon bald an!“


Zustimmend nickt der Mann mit dem CR7 Portugal Trikot zu und blickt in Richtung Arena.


Morbeus: „Was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass deine Fußballtrikot-Beflockung gant und gar nicht meinen Geschmack trifft.“


Zereo Killer: „Wer weiß, gegen wen wir antreten müssen… Könnten es die Hasen sein? Wird es erneut T’n’B sein, falls sie nochmal den Mut haben, wird es ein Team außerhalb der GFCW sein? Könnte es ein komplett neues Team sein? Oder… werden es tatsächlich der Night Fighter und Stella Nova sein?“


Die Miene verfinstert sich ein bisschen bei der letztgenannten Möglichkeit. Das letzte Gespräch zwischen Zereo Killer und Mad Dog verlief nicht gerade gut.


Morbeus: „Mir ist es schlichtweg egal, wer sich da durchsetzen wird. Die Tag Team Division ist so gut besetzt wie nie, und das hat man Zerbeus zu verdanken! Wir haben die Tag Team Titel wieder relevant gemacht, denn jeder will nach dem Titel greifen! Und nun ist es an der Zeit herauszufinden, wer an der Tag Team Battle Royal teilnehmen will! Let´s GO!“


Morbeus und ZK schlagen dann noch kurz ein. Die Kamera fadet allerdings dann auch schon aus.