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Es hat uns einmal mehr in den Backstagebereich verschlagen. Um genau zu sein, in die Kabine vom GFCW World Champion Aldo Nero und seinem Manager James Corleone. Vor zwei Wochen wurde dieser Bereich vom gemeinsamen Feind der Beiden infiltriert, bei dem es zu einem Aufeinandertreffen vom ehemaligen Mentoren-Schüler-Duo James Corleone und The End kam. Dabei ist nicht so ganz ersichtlich, wer als der gefühlte Sieger vom Platz zog, da End die Szenerie ebenso mystisch und uneindeutig verlassen hat, wie es ein James Corleone meist tut. Jetzt jedenfalls sehen wir Aldo, der auf der Couch mit seinem Gürtel sitzt und James Corleone, der neben ihm auf einem Sessel Platz genommen hat. Also eine Szene, wie wir sie schon oft gesehen haben.
James Corleone: „Wenn etwas ist, dann sprich.“
Ebenfalls wie immer, können wir davon ausgehen, dass die großen Taktikbesprechungen bereits stattgefundene haben, selbstredend nicht vor der Kamera. Und doch scheint noch immer eine gewisse Unruhe bei Aldo Nero zu herrschen, wobei, wenn wir ehrlich sind: diese gibt es nun bereits seit einigen Monaten. Bekommt man sowas in Offscreen-Gesprächen weg? Auf gar keinen Fall.
James Corleone: „Ich weiß nicht, was er damit bezwecken will, heute gegen Rotari anzutreten, aber ich denke uns kann das auch herzlich egal sein. Wenn er sich auspowern will, dann bitte, soll er nur tun.“
Corleone scheint weniger besorgt, als er es sein sollte, denn man muss es sich noch einmal vor Augen führen: dieses Match wird das große Re-Match vom letztjährigen Title Night Aufeinandertreffen zwischen End und Nero und damit wird das vermutlich der Höhepunkt und potentiell auch Abschluss einer Geschichte, die sich durch das LEBEN von Aldo und End zieht. Man sollte meinen, dass Corleone da etwas nervöser sein sollte, vor allem auch, wenn man bedenkt wie viele Vorsichtsmaßnahmen er vor einem Jahr gegen The End genutzt hat. Aldo hingegen wirkt… in erster Linie unzufrieden. Obwohl er genau das doch eigentlich nicht sein sollte. Er hat seinen Vater, er hat den Titel und anders als noch vor 12 Monaten, kann man sicher Argumente dafür finden, dass er sogar irgendwie als Favorit ins Match gegen The End geht, denn er stand die besagten vergangenen 12 Monate im Ring, The End hat in dieser Zeit nur ein einziges Match gewrestlet und das gegen einen Neuling, heute wird es für den erst spannend.
Aldo Nero: „Das ist aber nicht der James Corleone, den ich kenne.“
Corleone wirkt irritiert und scheint damit für einen kurzen Moment mit seiner Fassade zu brechen. Vielleicht will er auch nur den Anschein wahren, er habe alles unter Kontrolle und müsse sich keine Sorgen machen?
Aldo Nero: „Du weißt nicht, was er damit bezwecken will? Das ist nicht gut. Eigentlich… sollte ich mich heute nach jedem Schritt umdrehen, in der Erwartung einer Racheaktion für das, was wir vor zwei Wochen getan haben. Stattdessen geht er ein noch viel größeres Match ein, bei dem wir die Chance haben, noch mehr Schaden anzurichten? Da ist doch was faul.“
Corleone bleibt kurz sprachlos.
Aldo Nero: „Und nunja… Onkel Sal. Du kannst mir nicht erzählen, dass du nicht darüber nachdenkst. Zum ersten Mal, seit ich Denken kann, verlässt er Sizilien und das nur um End zu unterstützen. Gegen uns. Ich meine, er mochte dich noch nie… aber das? Das ist neu.“
Corleone wird ernst.
Aldo Nero: „Du verkaufst dich immer selber als der Bonus, den kein anderer hat. Jetzt hat er einen ebenso großen Bonus, weshalb ich… und ich sage es nur ungern, aber ich muss es sagen… weshalb ich dich brauch. Den richtigen James Corleone. Den fiesen James Corleone. Den Königsmacher-James Corleone.“
Aldo hat seine wehmütige Art inzwischen komplett abgelegt, es scheint ihn gerade nicht mehr wirklich darum zu gehen, eine ernstzunehmende und aufrichtige Verbindung zu seinem Vater zu finden, sondern vielmehr darum, diesen Krieg zu gewinnen. Oder zumindest will er nun diesen Anschein wahren. James Corleone scheint das ein wenig mit Stolz zu erfühlen, andererseits scheint es ihn auch zu aktivieren.
James Corleone: „Du hast Recht.”
Corleone scheint seine Fassade nun komplett abzulegen.
James Corleone: „Er hat dieses Match nicht grundlos gefordert. Es geht darum ein Zeichen zu setzen. Dieses Zeichen setzt er nicht damit einen Förderkader-Wrestler wegzuhauen, damit Aiden Rotari – den Mann, der ihm den Titel abgenommen hat – zu besiegen… das ist ein Zeichen. Und gleichermaßen… ist das eine gute Bewährungsprobe vor Title Night. Natürlich riskiert er damit auch sehr viel, würde er jetzt verlieren, wäre das mehr als blamabel und das würde an seiner Stellung kratzen. Aber ich denke nicht, dass der Plan ist zu verlieren. Bleibt die Frage, warum er potenziell ins offene Messer läuft. Vielleicht rechnet er nicht damit, dass wir wieder angreifen. Vielleicht will er genau das und er will uns in eine Falle locken. Vielleicht will er uns aber auch einfach nur verwirren.“ Aldo Nero: „Das sind die Optionen. Und wie gehen wir nun damit um?“ James Corleone: „Abwarten.“ Aldo Nero: „Hm?”
Das ist nicht das was Nero hören wollte, aber Corleone hat es auch nicht gesagt, um sich seiner Verantwortung zu entziehen oder weil er zu faul oder desinteressiert ist.
James Corleone: „Wir reden hier von Aiden Rotari. Einem der raffiniertesten Wrestler der GFCW. Er war bereits GFCW World Champion und wurde das mit dem Sieg über The End, lassen wir unsere Beteiligung daran einfach mal kurz außen vor. Ich bin mir sicher, dass er selbst genug Mittel und Wege parat hat dieses Match zu bestreiten. Und in dieser Zeit… können wir beobachten. Wir können sehen, was The End vorhat, wie er kämpft, was und ob er andere Strategien verfolgt, als letztes Jahr noch… wenn er dieses Match also wirklich als Bewährungsprobe nutzt… dann können wir das auch.“
Damit bestätigt James indirekt, was Salvatore heute etwas früher bereits gesagt hat. Die Brüder ticken ähnlich.
James Corleone: „Und danach… naja, wir müssen das Match ja nicht aus der hintersten Ecke der Arena schauen.“
Womit Corleone abermals andeutet, dass der Angriff nach wie vor geplant sein darf.
Aldo Nero: „Das wird Onkel Sal nicht zulassen.“
Corleone rollt mit den Augen. Er schnauft durch, bevor er sich nun an seinen Sohn wendet, um ihm scheinbar etwas zu sagen, was ihm schon lange auf der Seele liegt. Aber jetzt, scheint der Moment gekommen, an dem er sich das von der Last reden will.
James Corleone: „Aldo. Ich weiß um deine Beziehung mit meinem Bruder. Aber du musst endlich verstehen, dass wir uns im Krieg befinden. Und Kriege fordern Opfer. Es wird die Zeit kommen, da wirst du dich entscheiden müssen, was du willst. Willst du gewinnen? Oder willst du, dass es deinen Feinden gut geht?“ Aldo Nero: „Aber Onkel Sal…” James Corleone: “… steht auf der Seite des Feindes, was ihn auch zu einem Feind macht. Du hast es selbst gesagt, jahrelang hat er sich in Sizilien versteckt und du warst es ihm nie wert, hierherzukommen, um dir zu helfen. The End… scheint es ihm schon wert zu sein. Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber für mich sieht es so aus, als hätte er sich entschieden. Jetzt musst du dich entscheiden.“
Wir sehen abermals an Aldo, wie der Zwist und der Konflikt in ihm brodeln. Corleone betont all diese Worte so langsam und vorsichtig und dennoch versucht er sie so vorwurfsvoll zu sprechen, wie er nur kann. Die Vorsicht gilt eher dem, Aldo nicht zum Explodieren zu bringen und doch will er ihm klar aufzeigen, wer der Feind ist und was es mit ihm zu tun gilt.
James Corleone: „Ich weiß, zwischen uns läuft es gerade… nicht optimal. Und ich weiß… ich bin kein guter Vater und werde das wohl auch nie werden. Aber mit mir… wirst du immer gewinnen. Also nochmal, du musst dich entscheiden. Willst du gewinnen… oder willst du die Familie? Die Familie… die geschlossen gegen dich steht?“
Corleone weiß, was er tut, er verkauft Sal und End als das, was Nero bekommen würde, wenn er sich für die Familie entscheidet, doch die sind nun mal gerade die Feinde. Aldo hat also nicht wirklich eine Wahl, bei der er sich entscheiden kann. Ihm bleibt nichts anderes übrig. Und das weiß Aldo. Er senkt den Kopf und vergräbt ihn nun in seinen Händen. Damit streift er sich durch die Haare. Man sieht ihm die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit an… bis… er schließlich wieder aufschaut. Mit Wut im Blick.
Aldo Nero: „Ich will gewinnen.“ James Corleone: „Dann hast du dich entschieden. So wie Salvatore. So wie The End. Und jetzt müssen wir alle die Konsequenzen unserer Entscheidungen ertragen. Deren Konsequenz wird ihr vollständiger Untergang sein und deine Konsequenz wird es sein diesen Krieg als unangefochtener Gewinner zu entscheiden. Und ich werde dir dabei zur Seite stehen. Jetzt und für immer.“
Ob es nun Salvatores Auftritt und die damit verbundene Unterstützung für The End ist, das Gespräch letzte Woche und Sals Einschreiten in seinen Angriff oder was auch immer, aber Corleones Worte scheinen besser zu funktionieren als in den vergangenen Wochen und Monaten. Corleone scheint auf den richtigen Moment gewartet zu haben, neue Früchte des Zorns zu sähen und offenbar hat ihm sein Bruder damit die perfekte Möglichkeit geboten. Corleone ist glücklich, Aldo ist wütend. Aber sie stehen gemeinsam.
Robert Breads: "Ich bezweifle, dass ihn das in seine Schranken weisen könnte, aber danke für den Tipp."
Backstage. Drei Dinge fallen ins Auge: Eine Sponsoren-Wand, Robert Breads und Caracal Matthews. Letzterer mit unruhigen Hüften. Nur der Umstand, dass er dringend etwas Verbales loswerden muss, hält ihn davon ab, seiner Tanzwut freien Lauf zu lassen und swingend zu verschwinden.
Caracal Matthews: „Deine Denkweise ist zu verengt. Aiden Rotari durchschaut alles. Er sieht jeden Plan voraus, jede Finte. Weil er selbst auch zu allem bereit ist. Aber mit einer Sache, Robert, könntest du ihn trotzdem kalt erwischen: Wenn du in eurem Kampf TANZEN würdest, darauf wäre er nicht eingestellt. Wie heftig wäre es bitte, wenn du einem Suplex swingend entslipst? Er wäre völlig überfordert von Shaky Rob und du könntest ihm mies geben.“
Matthews macht vor Breads‘ skeptischem Blick vor, wie das aussehen könnte. Sein Körper erbebt unter Moves, mit denen er vor dem Hall of Famer auf und ab shaked.
Caracal Matthews: „Und vor allem könnte niemand mehr sagen, du wärst über dem Zenit. Denn wer tanzt, der ist FRESH. Dann würde in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem betagten Breads blitzschnell die groovige Graulocke werden. Caracoooooooooooool Royale sagt: Das wäre die beste Taktik gegen den FISCH. Und nicht etwa Unschuldige totschlagen. Wobei der Verlust von Marc Hill sich in Grenzen hält, schließlich waren seine POWER-Moves keine Powersteps.“ Robert Breads: "Die Ratschläge von jemandem, der vor zwei Wochen gegen irgendwas, das sich "Dex Blarney" nennt in Rekordzeit verloren hat, stehen auf meiner Prioritätenliste nun wirklich nicht sonderlich weit oben. Wir sollten uns auf das Match konzentrieren, das wir gleich haben."
Matthews scheint auf das Stichwort gewartet zu haben. Er stemmt die Hände in die Hüften und zappelt mit den Füßen weiter.
Caracal Matthews: „Für einen Sieg brauchen wir ENERGIE. Und bekanntlich gilt für Energie eine ganz einfache Formel. Hast du in der Schule aufgepasst, hm?“
Er schaut den bieder dreinblickenden Breads skeptisch an.
Caracal Matthews: „Energie ist Tanz mal Vibe zum Quadrat. Kein Problem, wenn es unserem Team an Rhythmus fehlt. Ich kann einfach die Führung übernehmen. Ich denke mir eine Choreographie aus. Ihr tanzt hinterher.“ Robert Breads: "Ich werde niemandem folgen, der mich in eine Mülltonne werfen wollte."
Eine Anspielung auf eine Aussage, die Matthews vor zwei Wochen getroffen hat. Der Angesprochene überlegt kurz, aber winkt dann lachend ab.
Caracal Matthews: „Die Tonne könnten wir in deinen Solo-Part einbauen. Ich stelle es mir heftig vor, wie du aus dem Trash steppst und die stabilsten Moves auspackst, um zu beweisen, dass die neue Breads-Ära begonnen hat.“ Robert Breads: "Ich verzichte dankend. Meine Konzentration gilt-"
Der kanadische Hall of Famer hält inne. Nach seiner früheren Konfrontation mit Aiden Rotari versucht er mit aller Macht, sich auf das Jason Crutch Invititational zu konzentrieren, auch wenn sein eigenes Team ihm das schwer macht. Denn Breads unterbricht sich nicht, weil Matthews wieder irgendetwas erwidert hätte, sondern weil es nebelig geworden ist. Der Nebel ist pink. Er wird dichter und dichter. Breads hebt die Füße an als der Nebel näher und näher kommt. Langsam greift der Nebel nach ihm. Eine uns bekannte Figur tritt aus dem Nebel hervor. Ruhiger und seriöser als wir sie aus der Vergangenheit kennen. El Metztli…ein Teil der Hasen…tritt in den Raum und schaut respektvoll in die Runde.
El Metztli: „Wir hatten bisher noch nicht das Vergnügen Miteinander der zu arbeiten…doch eins sei euch gewiss…ich werde euch helfen das zu erreichen was ihr euch als Ziel gesetzt habt. Und genauso erhoffe ich es mir von euch…ob sich unsere Ziele überschneiden?!“
Er schaut fragend in die Runde.
El Metztli: „Ich glaube es wird da keinerlei Komplikationen geben…ich bin hier wegen ihm.“ Robert Breads: "Sehr löblich."
Breads beäugt Metztli mit zusammengekniffenen Lippen. Er scheint sich nicht ganz sicher, ob ihm die neue Version der Hasen besser gefällt als die Alte, aber "Canada's Own" ist schon so lange in der GFCW, dass wenig ihn noch WIRKLICH schocken kann.
Robert Breads: "Und dass dein "Brother From Another Bunny" auf der anderen Seite kämpft wird kein Problem sein, hm?"
El Metztli kneift die Augen zusammen und zuckt mit den Schultern.
El Metztli: „Mein Name ist Hase…und…“ Robert Breads: „…ja? Du wirst Tsuki im Griff haben, oder?“
Während dieser Ausführungen steht Matthews etwas beklommen neben seinen Teamkollegen. Dem hyperaktiven Kanadier ist anzusehen, dass er nicht ertragen kann, seit mindestens einer halben Minute nicht im Mittelpunkt zu stehen. Er moonwalkt in die Mitte des Bildes und verdeckt dabei seine Teamkollegen.
Caracal Matthews: „ÜBRIGENS werde ich Tommy Qurashi auch im Griff haben. Ich habe ihn bereits einmal geschlagen, und zwar mit der Power des TANZES. Da braucht also niemand Zweifel haben. Caracoooooooooooooooooool Royale fragt sich ja eher, ob ihr anderen auch so über jeden Zweifel erhaben seid. Schließlich hast du, Robert…“
Er stößt ihn mit den Hüften an.
Caracal Matthews: „…ja noch andere Schlachtfelder offen. Wirst du dich selbst also im Griff haben?“ Robert Breads: "Ich habe schon ganz andere Schlachten geschlagen, unter viel schwierigen Bedienungen. Glaubt ihr, ich lasse mir die Chance nehmen, Jason Crutch vor meinem Retirement noch einmal zu zeigen, wer die wahre GFCW-Ikone in diesem Match ist? Glaubt ihr, ich verzichte darauf, nach Johnboy Dog auch einen von dessen siebzehn missratenen Söhnen die Grenzen aufzuzeigen? Glaubt ihr, ich möchte nicht demonstrieren, dass jede "Legende", die vor meinem Debüt in dieser Promotion hier herumgesprungen ist, es nicht mit mir aufnehmen kann, maskiert oder nicht?"
Zugegebenermaßen klingen diese Sachen nach Gründen, aus denen Breads ein solches Match mit voller Power bestreiten würde. Dazu kommt, dass Rotari sich heute Abend mit The End auseinandersetzen muss, und Dynamite sicherlich nicht begeistert wäre, wenn Aiden und Robert ihre Privatfehde auf das JCI ausweiten. Es ist also nicht auszuschließen, dass Breads hier mit Herz und Seele dabei ist.
Robert Breads: "Und hey, wenn ich bei Title Night nicht nur erst meinen Frankenstein'schen Fehler ausmerzen, sondern danach auch noch Triple Crown Champion werden kann, dann sage ich sicherlich nicht "Nein". Ihr könnt euch also sicher sein, dass mein Eigeninteresse mich dazu anspornen wird, unser Team zum Sieg führen zu wollen."
Wie er das sagt, kommt eine große Frau mit zotteliger, schneegrauer Mähne und Wolfskappe auf dem Schopf ins Bild, den über 1,90 großen Körper in ein wolfiges Top samt wolfigem Schurz gehüllt. Keine Frage wer das ist: die Schneewölfin Skaði Fenrir, die ebenfalls Teil dieses Teams im Jason Crutch Invitational ist, diesen vor einigen Wochen bereits ums Gold gefordert hatte und die vor einigen Monaten von Robert Breads in den Förderkader der Lerbitz Performance Group berufen worden war. Doch anders als es bei Marc Hill letzte Show der Fall war, begegnet sie Robert Breads dafür nicht mit freundlicher Dankbarkeit. Im Gegenteil: ihre Augen funkeln vor Abneigung.
Skaði Fenrir: „Interessante Wortwahl von einem Mann, der gerade erst aus Eigeninteresse die Karrieren zweier Teamkameraden potentiell beendet hat. Viele reden über die Untaten von Aya, doch einen noch so wertvollen Gürtel zu entweihen ist immer noch weniger unmenschlich als das eigene Rudel zu verletzen.“
Ihr Schnauben vibriert förmlich vor Verachtung.
Skaði Fenrir: „Eigentlich hatte ich dich ungeachtet deiner Degradierung seitens Entrepreneurin Lerbitz und deines intensiven Zwistes mit Aiden Rotari weiterhin als Teil der Gruppe angesehen und hätte daher auch zwischen dir und Herrn Rotari keine Seite gewählt.“
Ihre Worte legen nahe, dass dies so nicht länger der Fall ist.
Skaði Fenrir: „Ist die Entscheidung jedoch zwischen dir und meinem Teampartner von Power Wolf, so wähle ich Marc Hill. Obgleich er zugegebenermaßen eine Historie des Verrats hat, sodass ich es dir nicht verübeln kann, dass du ihm gegenüber misstrauisch warst. Doch was du ob deines Misstrauens getan hast, das kann ich dir sehr wohl verübeln – und ich verüble es dir auch.“
Die hochgewachsene Frau und ihr ehemaliger Verbündeter aus der Lerbitz Performance Group starren sich einen Moment lang. Keiner weicht zurück. Dann räuspert Breads sich.
Robert Breads: "Ich denke doch, dass wir heute Abend problemlos als Team zusammenarbeiten können, nicht wahr?"
Tatsächlich beschränkt sich der Beef von Breads in erster Linie auf Rotari und maximal dessen Handlanger, aber hat wenig mit seinen ehemaligen Schützlingen zu tun.
Robert Breads: "Das wäre sicherlich auch in deinem Interesse." Skaði Fenrir: „Dies steht wohl außer Frage. Ich, die hehre Schneewölfin Skaði Fenrir, würde nie mein Rudel betrügen, so wie du es getan hast. Insbesondere, da ich dich höchstselbst bei Title Night zerfleischen kann, so wir es beide ins Titelmatch schaffen. Was natürlich die Frage aufwirft, was in diesem nicht gänzlich unwahrscheinlichen Fall mit deinem Match gegen Aiden Rotari sein wird, doch das ist dann ja nicht mein Problem. Vielmehr bin ich dann dein Problem und dir sei versichert: ich bin ein Problem, das du nicht so einfach mit einem Schlagring aus der Welt schaffen kannst.“ Robert Breads: "Verstanden."
Der Hall of Famer nickt und wirkt zufrieden.
Robert Breads: "Damit sind wir-" Caracal Matthews: „Wer sind überhaupt WIR? Wir kennen den fünften Member überhaupt nicht.“ Robert Breads: "Ah, ja, das." Der Mexikaner wirft ein: „Glaub mir Caracal…in meiner Welt ist es egal wer Teil unseres Teams ist. Selbst die unrealistischten Vorstellungen sind real wenn du daran glaubst. Und solange Robert daran glaubt, glaube ich auch daran…“
Breads kratzt sich am Kopf und lächelt schelmisch. Hat er das wirklich vergessen oder ist das hier eher Setup für die maximale Theatralik?
Robert Breads: "Er dürfte jeden Moment hier sein. Ist ein alter Freund von mir. Oder Rivale. Beides, irgendwie. Ihr wisst ja, wie das so läuft." Skaði Fenrir: „Das wissen wir nach der letzten Show wohl alle nur zu gut, was die Frage aufwirft, wer wohl närrisch genug sein mag, sich nach eurer unschicklichen, blutigen Vorstellung noch als euer Freund anzusehen.“
Plötzlich sind schwere Schritte aus dem daneben liegenden Gang zu hören. Nur schemenhaft sind die Umrisse der Person zu erkennen, die sich hörbar fröhlich pfeifend aufmacht die „Fabulösen 5“ zu komplettieren. Alle außer Breads schauen etwas verkniffen, um die Person zu identifizieren….
Morbeus: „Howdy ho, ihr Arschnasen!“
Raymond Douglas, seines Zeichens auch Triple-Crown-Champion dieser Promotion steht da nun. Ist er schon eine Legende? Auf jeden Fall in die Jahre gekommen. Mit bald 47. Seid Brainwashed wurde er nicht mehr gesehen. Weder innerhalb noch außerhalb des Ringes. Doch fresh sieht er aus. Frisur technisch wird sich ob seiner roten Lockenpracht, dessen Ansatz weiterhin ein Stück weit nach hinten wandern, nicht mehr viel ändern. Und bei der Ringgear sieht es auch wie immer aus – Classic 2000er Hardcore-Attire. Nur die Laune bei Morby ist besser und er schaut smarter drein, als diese eher im Nachklapp eher stumpf einzuordnende Garderobe der Wrestling-Geschichte, die er da trägt, vermuten lässt. Douglas holt tief Luft und……
Morbeus: „ Nummer 5 lebt! Das war so mal ne Komödie aus den 80ern. Ganz ulkig. Wer nicht ulkig ist, bin ich. Ich bin eure Nummer 5. Aber im Endeffekt wisst er es, wie ich es weiß: Morbeus auf die 1. Und ihr habt echt Glück, dass Robert mich angerufen hat. Bisschen gewundert habe ich mich auch. Weil History und so. Aber ich habe nicht lange überlegt, sondern spontan zugesagt. WEIL WIR JASON CRUTCH IN DEN ARSCH TRETEN! Diese Vorstellung weckt mich auch nachts um drei. Generell ÄRSCHE TRETEN. Das wunderbare an uns Fünfen ist aber nun: wir werden die anderen fünf gemeinsam zerstören. Jeder darf mal, jeder bekommt was ab. Es ist genug für alle da. Und das nach seiner Façon. Ob hoppelnd wie El Metztli oder tänzerisch wie Caracal, wie werden unsere Gegner bezwingen.“
Nun schaut Morbeus seinen alten Rivalen-Buddy Breads an.
Morbeus: „Hab dein letztes Match gesehen, Robert. Zum Glück hast du dich extra verprügeln lassen, wie Deutschland bei der WM 1954 gegen Ungarn. Erst noch 8:3 verlieren, den Gegner in Sicherheit wiegen und dann im Finale unter Doping zurückschlagen…..4D Chessmaster.“ Robert Breads: „Hat Helmut Rahn dir vor den Kopf geschossen?“ Morbeus: „Robert ist noch immer ein King, wenn es darum geht Talente zusammenstellen. Das habe ich ihm noch nie so gesagt, aber mittlerweile ist mir auch eh alles egal. Von daher bin ich mir sicher, Skaði Fenrir, auch wenn wir uns noch nicht kennen: Du bist unser X-Faktor. Zeige der Welt, was du draufhast!“
Die anderen Members rücken bereits etwas zusammen. Kommt es zum Schwur?
Morbeus: „Bei all dem Schrott den Jason Crutch wöchentlich verzapft, ist das JCI die größte Erfindung dieser Matschbirne. Ihr werdet heute Abend den wahren Havoc der GFCW kennenlernen. Es wird wild! Wir machen das. Wir holen uns den verdammten Titleshot!“
Ray Douglas streckt nun seine Faust in die Mitte und schaut in die Augen der anderen…. Ohne zu zögern, streckt Breads seine Faust aus und hält sie neben die von seinen alternden, kanadischen Kumpanen.
Robert Breads: "Wir machen diese Gurkentruppe fertig." El Metztli: „…genau da liegt der Hase im Pfeffer…solange er keinen Haken schlägt…“ Skaði Fenrir: „Die größte Gurke in diesem Match seid Ihr, Herr Breads, und zwar eine aus dem innersten Kern heraus verfaulte. Und dennoch, wir werden obsiegen, denn wo ich jage, da gibt es Erfolg.“
Ruckartig ist auch ihre Tatze, bzw. Faust bei den anderen. Fehlt nur noch Matthews. Der Tänzer steht neben dem restlichen Team und hat eine skeptische Miene aufgesetzt. Die Stirn ist gekräuselt. Und er macht keine Anstalten, auch seine Faust auszustrecken.
Caracal Matthews: „Leute, können wir uns nicht mal auf die wichtigen Dinge konzentrieren? So Team Spirit und so ist ja nicht schlecht, aber was ist…“
Er fährt mit seinem Blick die Gesichter aller Anwesenden ab.
Caracal Matthews: „…mit dem TANZ? Fällt das jetzt einfach hinten rüber, oder was? Ohne verbindende Choreographie ist doch alles nur leeres Bla Bla und dafür gibt sich Caracooooooooo-oooooooooooooo-ooooooooooooool Royale nicht her.“
Energisches Kopfschütteln beim Kanadier, um sich selbst zu bestätigen.
Caracal Matthews: „Ich gehe jetzt in meine Kabine und bereite die Choreographie für den Entrance vor und ich erwarte, dass ihr alle mit an Bord seid. Ich stelle mir das so krass vor, Junge. Ich habe schon Bilder im Kopf. Was man aus unseren Persönlichkeiten alles machen könnte. Alleine schon Skadi Fenrir, heftig, so ein kluger, hochgestochener Schneewolf. Ich stelle mir vor, mit einem edlen Walzer zu Klaviermusik beginnen und dann so AWOOOOO, Shakira She Wolf, und dann alles anders und du twerkst gottlos animalisch als wäre der Wolf voller Hunger. Hunger nach Vibe. Das wäre anders krass.“
Auf Skadis ernsten Blick hin räuspert sich der Kanadier.
Caracal Matthews: „Jedenfalls bin ich in meiner Kabine und erwarte, dass ihr alle kommt und mitmacht. Wer sich verweigert, der ist ein schlechter Mensch und ich kann nicht garantieren, für schlechte Menschen alles zu geben.“
Und damit dreht er sich auf den Hacken um und shaked davon. Wer dachte, dass die norwegische Schneewölfin ob dieses Vorschlags nur beredtes Schweigen und ein Rollen der Augen übrighaben würde, hat sich getäuscht. Vielmehr führt sie nachdenklich die Hand zum Kinn und beginnt merklich vor sich hin zu nicken.
Skaði Fenrir: „Ja. Doch. Ich gestehe zu, ich sehe Wert in dieser Offerte, wäre es doch eine Gelegenheit zu demonstrieren, dass der Wolftrott dem Foxtrott überlegen ist, auch wenn die versnobten Buschschweife es nie zugeben würden.“
Das sagt sie mehr zu sich selbst als zu den anderen, aber sie folgt Caracal ohne Umschweife zu dessen Kabine, wobei sie mit Bedacht so schreitet, dass sie Robert Breads nahezu mit dem Ellbogen anstößt. Aber auch nur fast. Keine noch so kleine Attacke gegen ein Mitglied des Rudels.
Wir schalten in den Lockerroom – und blicken in besorgte Gesichter. Die Kameraleute fangen den amtierenden Intercontinental-Champion Jason Crutch ein, der auf einer der Bänke sitzt und gerade seine weißen Stiefel schnürt. Ferner sehen wir Tommy Qurashi, der sich die Handgelenke taped. Dann wirbelt plötzlich pinker Rauch auf wie Trockeneis, der sich aber, wie vom Ventilator weggeblasen, sofort verflüchtigt. Mit einem Male steht Tsuki Nosagi im Raum. Crutch und Qurashi heben nur kurz den Kopf, dann widmen sie sich weiter ihren Vorbereitungen – als wäre es das alltäglichste der Welt. Auch der Hase sieht etwas traurig aus. Er klopft miesmutig mit dem Fuß auf was einen genervten Blick von Crutch zur Folge hat.
Nosagi: „Ist er schon da? Ähm…Sind sie schon da? „ Qurashi: „Das ist eine interessante Frage, die ich mir eben auch schon gestellt habe – also, Jason? Was ist mit Daniel? Wir sitzen wieder in der gleichen Konstellation hier wie vor zwei Wochen. Ich will nicht als Trio in die JCI.“
Der Oberpollinger ist mit dem Schnüren gerade in dem Moment fertig, als Qurashi mit dem Satz geendet hat, steht auf und schlüpft in seine weiße Weste mit dem „US AGAINST THE WORLD“-Aufdruck.
Jason Crutch: „Hört zu, ich weiß, dass das alles kacke ist. Wir sind ein Fünfer-Team, und wir stehen hier zu dritt. Ich weiß, dass Daniel kommen wird. Ich…weiß es einfach! Er hat es mir zugesichert. Er WIRD heute hier sein! Ich…weiß nur nicht…“ Tsuki Nosagi: „Er wird kommen.“
Wieder wirft Crutch dem Hasen einen Blick zu, der Bände spricht.
Jason Crutch: „Woher willst DU das wissen?“
Der Japaner grinst. Jason Crutch rollt mit den Augen.
Jason Crutch: „Wie komme ich nur darauf, dass bei dir irgendwas normal ist.“
Er kramt sein Smartphone raus, blickt darauf, scrollt…
Jason Crutch: „…die Whatsapp gehen zwar raus, aber sie scheinen nicht anzukommen. Ich…“
Er steckt das Smartphone wieder weg, hebt die Augenbrauen, wirkt selbst etwas ratlos, versucht es aber zu überspielen.
Jason Crutch: „Er wird hier sein. Verlasst euch drauf. Ich WEISS es!“
Qurashi lehnt sich auf seiner Bank zurück und verdreht die Augen. Auch ohne Worte ist mehr als deutlich, dass bei ihm die Skepsis längst obsiegt hat. Bei Nosagi kann man sich nicht sicher sein.
Tommy Qurashi: „Und was ist mit den WhatsApps an Divinus? Oder haben wir nicht einmal diese Möglichkeit, um ihn zu erreichen? Jetzt mal im Ernst: Tommy Cornelli ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein Phantom. Was spricht gerade jetzt dafür, dass sich das am heutigen Tag noch ändert?
Nosagi klopft mit den Füßen auf.
Tsuki Nosagi: „Erweitere deinen Horizont.“
Qurashi schaut den Japaner fragend an.
Tsuki Nosagi: „Du sprichst davon, dass ihre Zeiten in der Vergangenheit liegen. Dass sie nur eine Vorstellung sind und nicht hier sind.“ Tommy Qurashi: „Ja…siehst du sie??? Sie sind NICHT hier.“ Tsuki Nosagi: „Genauso wie du dir nicht vorstellen kannst, dass sie kommen, kannst du dir auch vorstellen, dass sie schon da sind.“ Tommy Qurashi: „Was??? Wie soll ich mit so einem im Ring stehen Jason?“
Der Champion hebt fragend die Schultern.
Tsuki Nosagi: „Glaube daran, dass auch er kommen wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass er uns helfen wird unsere Ziele zu erreichen. Nutz die Chance und glaube an Jason…“ Tommy Qurashi: „Es geht um unsere Chancen, Jason. Du hast dein Title Night-Ticket schon sicher. Uns droht ein Abend auf der Tribüne.“
Jason Crutch greift sich den Intercontinental-Champion-Gürtel aus dem Schrank, schultert ihn.
Jason Crutch: „Ich…Ok, hört zu! Ihr habt recht. Ok? Ich weiß, dass wir hier gerade Scheiß-Voraussetzungen haben. In Ordnung? Ich weiß das. Ihr könnt mir in Bezug auf Daniel vertrauen…er wird mich nicht im Stich lassen.“
Tsuki nickt vehement.
Jason Crutch: “Er…wird auftauchen.“
Tsukis Nicken wird schneller. Das Grinsen breiter.
Jason Crutch: „Er wird fit sein.“
Tsuki neigt leicht den Kopf und deutet ein „so naja“ mit der Hand an.
Jason Crutch: „Er…wird sich reinhängen!“
Als neutraler Zuschauer kann man einmal mehr nicht umhin: Crutch versucht nicht nur, Qurashi zu überzeugen. Er versucht auch, SICH SELBST zu überzeugen. Und wir können nur erahnen, ob ihm das gelingt oder nicht. Er scheint die Hoffnung selbst schon aufgegeben zu haben und zu zweifeln. Wird Daniel wirklich seine Dämonen besiegen und auftauchen?
Jason Crutch: „Und was den maskierten Divinius betrifft: wenn erneut derjenige darunter steckt, der vor vielen Jahren darunter steckte – und davon müssen wir ja schließlich ausgehen – dann wird auch er rechtzeitig auftauchen. Tommy Cornelli ist eine Legende. Er wird sich keinesfalls seinen guten Ruf zunichte machen und hier ein falsches Spiel spielen.“
Der Oberpollinger schnallt sich nun den Gürtel um, setzt seine schwarz verspiegelte Sonnenbrille auf die Nase.
Jason Crutch: „Leute, ich verstehe eure Sorgen. Wirklich. Das läuft alles äußerst ungünstig. Aber letzten Endes bleibt nur eines: wir hängen uns alle voll rein! Und wir holen das Ding – ob mit Divinus oder ohne. Ich…“
Er drückt die Klinke der Tür nach unten, bleibt im Türrahmen stehen.
Jason Crutch: „…ich will mich jetzt aufwärmen gehen. Wir…wir sehen uns dann am Gorilla, ok?“
Crutch schließt die Tür, das Kamerateam folgt ihm. Wieder holt er sein Smartphone hervor, scrollt herum, hält es ans Ohr. Und mit sichtlich besorgtem Gesichtsausdruck murmelt er:
Jason Crutch: „Daniel…wo zum Teufel steckst du, verdammt?“
FADE OUT
Tammy: “Kann man dir helfen?” Maximilian Lunenkind: “Hast du ihn gesehen?”
Panik spricht aus dem Gesicht von Lunenkind. Ängstlich klatscht seine Zunge gegen sein Kinn, als er ruckartig den Hals verdreht. Seine Augen suchen die Umgebung ab, seine Krawatte ist gelockert und Schweiß steht ihm auf der Stirn.
Tammy: “Wen genau?”
Die Interviewerin wirft der Kamera einen kurzen Blick zu, um sicher zu stellen, dass auch wirklich alles auf Tape ist. Dann wendet sie sich erneut dem ruhelosen Lunenkind zu.
Maximilian Lunenkind: “Breads! Robert Breads! Er könnte überall lauern!” Tammy: “Ich glaube, er übt gerade das Tanzen.” Maximilian Lunenkind: “Das ist nicht die Zeit für blöde Witze!” Tammy: “Und das aus deinem Mund.” Maximilian Lunenkind: “Also, wo ist er?” Tammy: “Sagte ich doch.” Maximilian Lunenkind: “Ich meine es ernst, Tammy!”
Eindringlich schnappt er sich die Schultern der Interviewerin und glubscht sie aus weit aufgerissenen Augen anstarrt. Er scheint sie leicht zu schütteln, vielleicht zittern aber auch nur seine Hände.
Maximilian Lunenkind: “Der Boss wird mich nicht retten, wenn es ihm nicht gerade gelegen kommt, und gerade hat er vermutlich andere Probleme. Ich muss es zum Ausgang schaffen, ohne dass er mich erwischt! Das Leben ist zu kurz, um so zu enden, Tammy, und seit ich eine Nahtoderfahrung hatte möchte ich-” Lorenz: “Warum die schlechte Laune?”
Lunenkind wirbelt herum, lässt Tammy dabei nicht los und streckt sie gleichzeitig von sich, als er sie herumwirbelt, was sie mit einem “Huch!” kommentiert. Gleichzeitig kampf- und fluchtbereit hält Lunenkind Tammy wie einen menschlichen Schutzschild vor sich, ihren Rücken dem möglichen Feind entgegen gestreckt. Dann erkennt er, wer es ist.
Maximilian Lunenkind: “Wir müssen gehen, Lorenz. Der Boss ist nicht glücklich darüber, wie sein Plan verlief. Er wird uns nicht schützen, wenn der verrückte alte Mann uns zu Iberico-Medaillons verarbeitet. Bis wir einen neuen Plan haben sollten wir uns-” Lorenz: “Alles gut, alles gut.”
Lorenz wirkt glücklich. Nein, er wirkt sogar ekstatisch. Ungewohnt kumpelhaft tritt er neben Lunenkind, legt ihm einen Arm auf die Schulter und grinst so breit, dass es beinahe unheimlich ist.
Lorenz: “Der bekloppte alte Sack muss sich aufs JCI vorbereiten, habe ich gehört. Irgendwas mit Tanzen.” Tammy: “Wie ich schon sagte...” Lorenz: “Und ich habe gerade telefoniert. Alles wird gut. Die Entrepreneurin höchst selbst wird in zwei Wochen vorbeikommen, und unser Robert Breads Problem eigenhändig lösen. Wir haben’s geschafft, mein Bester. Darauf trinken wir einen Singapore Sling und feiern ein bisschen. Noch zwei Wochen, und dann wird alles wieder gut!”
Skepsis steht Lunenkind ins Gesicht geschrieben, aber dennoch verschwinden die tiefen Falten auf seiner Stirn. Das sind gute Nachrichten... oder?
Tammy: “Wundervoll. Könnte man mich jetzt wieder loslassen?”
~ Einige Tage vor der Show ~
Eine kleine von Bäumen, Sträuchern und Büschen geprägte Insel mitten in einem See. Eine Szenerie, die idyllisch wirken könnte, wäre das Wetter nicht rau und die Atmosphäre bedrohlich. Dies ist also kein visuell stimulierenden Beginn einer wunderbaren Dokumentation über die Vielfalt der Natur Schwedens, aber wäre es so, würde es auch nicht hier und jetzt Teil einer GFCW Show sein. Die Fans mögen Probleme damit haben Würmer von Drachen zu unterscheiden, aber dass diese Bilder nicht aus Liebe zur Natur laufen, sondern weil es klaren Wrestlingbezug gibt, das versteht dennoch jede und jeder. Insbesondere, weil diese spezifische Natur Schwedens dem geneigten Zuschauer mittlerweile wohlbekannt ist:
… nicht zum ersten Mal lauert Ask in einem Baum. Dieses Mal allerdings, ruht er sich dort oben nicht aus oder chillt dort entspannt oder macht dort Pause oder was auch immer… vielmehr steht er in fast schon bedrohlicher Manier auf einem sehr robusten Ast, dieses sehr robusten Baums, von welchem aus er Monica Shade genaustens beobachtet. Shade ist nicht die erste, die Ihn auf seiner Insel besuchen kommt – Lionel Jannek, Alex Ricks, Luna Rosario und nicht zuletzt natürlich Holly Hutcherson haben es vor ihr getan – und vermutlich wird sie auch nicht die letzte sein, also sollte man meinen, dass Ask sich damit inzwischen abgefunden haben muss – allerdings trifft das nicht zu. Einem „normalen“ Ask Skógur ist es bereits ein Dorn im Auge, wenn ihn jemand auf seiner Insel „besuchen kommt“, aber dieser Ask ist alles andere als „normal“. Er beobachtet Shade also sehr genau, fast schon wie eine Raubkatze, die nur darauf wartet, auf ihre Beute zustürzen zu können, was ironisch ist, da Monica ja die Leopardin ist. Dabei fällt vor allem Asks Auftreten auf, er hat inzwischen wieder deutlich mehr zotteliges Haar am Kopf und seine Kleider wirken noch immer kaputt und ebenso zottelig, am Oberkörper ist er – trotz der mittlerweile recht frischen Temperaturen – sogar recht frei. Dabei hat er fast schon etwas von Tarzan, nur, dass er sich jetzt nicht jodelnd die Liane herabschwingen wird. Vielmehr beobachtet er weiter, bis auch bei Monica die Großkatzenreflexe zu reagieren scheinen. Sie macht halt und dreht sich leicht um, um Ask schließlich zu entdecken.
Monica Shade: „Da oben! Das ist er… glaube ich zumindest?“
Ask reagiert nicht. Noch immer manifestiert er sie mit seinen Blicken, als würde er noch analysieren, ob sie feindlich ist und er entsprechend reagieren muss oder ob alles halb so wild sei. Aber nochmal: grundsätzlich gefällt ihm ihre Anwesenheit noch immer nicht, zumal er sich nicht wirklich erklären kann, was gerade sie hier will – sie hatten zwar schon einige Interaktionen, aber den World Title hat er aktuell – und das ist ja das große Drama – nicht mehr. Wenn Ask doch nur einen Fernseher auf seiner Insel hätte um die vergangene Ausgabe von War Evening nachschauen zu können. In jedem Falle: er bleibt oben auf seinem Ask und macht keine Anstalten herunterkommen zu wollen.
Monica Shade: „Kannst ruhig von deinem Baum runterkommen. Ich hab zwar durchaus vor dich zu verhauen, aber nicht hier auf deiner Insel, sondern im Ring, wie es sich gehört. Ich muss dich ja auch in einem regulären Match bezwingen, damit ich dem GFCW Titel einen großen Schritt näher komme, auf dass er wieder von jemand Anständigem gehalten wird.“
Ein Match? Gegen Monica? Nach Asks letztem Auftritt in der GFCW sollte man meinen, ist seine Motivation sichtlich gering, sich irgendwie in die Nähe eines Ringes zu begeben und doch blitzt für einen kurzen Moment so etwas wie ein kurzes Feuer in seinen Augen auf, denn was Monica sagt, klingt erstaunlich sinnvoll – wenn sie sich mit einem Sieg über Ask in die Nähe eines World Title Matches befördern kann… … kann er einem solchen vielleicht ebenso einen Schritt näherkommen? Ask verzieht keine Miene. Er grunzt laut auf, sagt aber kein Wort.
Monica Shade: „Hör mal, ich bin auf das Grunzen von Schweinen spezialisiert, nicht auf das Grunzen von Hirschen. War das jetzt ein „ja“ oder ein „nein“ oder ein „vielleicht“? Du wirst ja wohl nicht das Sprechen verlernt haben?“
Asks finsterer Blick wärmt sich leicht und zunehmend, dank Monicas Worte. Vermutlich liegt es vor allem daran, dass er seit über einem Monat gar keine menschliche Interaktion mehr hatte, vielleicht funktionieren ihre Worte aber auch tatsächlich. Er wendet sein Kopf kurz von Shade ab und dann schnauft er durch. Wir kennen Ask lang genug um zu wissen, wie impulsiv er ist. Niederlagen oder andere Rückschläge, nehmen ihn tatsächlich ziemlich mit, Siege oder positive Ereignisse motivieren ihn extrem. Zweiteres hat er zuletzt recht wenig gehabt, von ersterem gab es dafür umso mehr. Vielleicht braucht er auch einfach nur einen großen Sieg, damit alles wieder besser wird? Und vielleicht ist Monica Shade die optimale Chance für besagten Sieg? Und tatsächlich… … Ask steigt vom Baum. Und nicht einfach nur so. In mehr als beeindruckender Manier, springt er von Ast zu Ast, mehr Affe als Hirsch, in einer gekonnten Hatz, um schließlich vor Monica Shade zu landen. Beide stehen sich Angesicht zu Angesicht und so richtig weiß man nicht, ob Ask nun tatsächlich zustimmen wird oder ob es nun doch noch zum erwartbaren Brawl kommt, der prinzipiell erstmal einem jedem blüht, der ihn hier auf seiner Insel „besucht“ – aber Monica Shade ist nicht irgendwer, keine Luna, kein Jannek, kein Holly, die mit feindlicher Absicht hergekommen sind. Sie ist aus ähnlichen Gründen hier, wie es einst Alex Ricks war: um Ask zurückzuholen. Die Frage ist… will Ask überhaupt zurückgeholt werden? Nach seinem Auftritt vor vier Wochen könnte man meinen, nein. Aber andererseits… hatte er viel Zeit nachzudenken. Ask hält den Staredown kurz an, bis er… einen Schritt um Monica herum macht. Und dann näher auf sie zugeht und schließlich… streichelt er… Lady Rosis Kopf. Nicht auf eine verhöhnende Art, nicht auf eine missbilligende Art. Er will sich nicht lustig machen, vielmehr wird einmal mehr deutlich, dass Ask mit Tieren viel besser kann, als mit Menschen. Und selbst, wenn sie nur aus Stoff sind. Ask schaut zu Lady Rosi, für einige Sekunden, bis er sich schließlich wieder zu Monica wendet. Und erneut… grunzt Ask. In Komibination mit einem Kopfnicken. Soll wohl so viel heißen wie: ‚du hast dein Match‘ Und damit scheint sich diese Situation für Ask auch erledigt zu haben. Er wendet sich von Shade und Rosi ab und läuft nun tiefer in den Wald hinein. Dabei streift ein starker Luftstoß durch die Blätter der Bäume, der Shades Hut ihr fast schon vom Kopf reißt. Vermutlich ein sehr passender Zufall und doch hat es etwas davon, als ob Ask – als Wächter und offizieller Besitzer dieses Waldes – sogar die Kontrolle über die Elemente hat… jedenfalls verschwindet Ask und lässt die Eindringlinge zurück, allerdings dürfte das wohl nicht so tragisch sein, denn… … die haben ja, was sie wollten.
Morbeus: „Hey, Tammy. Was interessiert dich Breads Gemütszustand? Willst du nicht lieber über DIE große Comeback-Story des heutigen Abends sprechen. Mit mir…schließlich munkeln die Gazetten, dass es mein letzter Run sein könnte ….“ Tammy: „Wird es denn Ihr letzter Run sein, Morbeus?“ Morbeus: „Danke für die Frage, Tammy. Ein Raymond Douglas wird nie seinen letzten Run haben. Immer nur den nächsten! Es muss immer weiter gehen!“
Die
Veteranin am Mikrofon lässt sich nicht aus der Ruhe bringen,
dreht sich nun wieder zu Robert und zuckt bloß mit den
Schultern Richtung Douglas. Robert Breads: "Ich schleife deine gottverdammten-" ???: „Gott…Redet ihr von mir?“
Alle Blicken wandern an den rechten Bildrand. Am Augenrollen Breads‘ erkennt man, dass eine unliebsame Person herankommt. Es ist der amtierende Intercontinental-Champion Jason Crutch. Als er ins Bild tritt, brandet bei den Fans – die dieses Ding hier natürlich auf der großen Videoleinwand begutachten können – in der Halle großer Jubel auf. Der Gott-Spruch ist absolut unpassend für Crutch. Weder hat er sich jemals in seiner Karriere als Gott bezeichnet, noch ist er einer. Der Spruch ist außerdem ziemlich schwach auf der Brust und war auf dem Schulhof schon nicht witzig. Crutch bringt ihn aber trotzdem – dabei muss er selbst über seine Genialität ob des Spruchs, den er super findet, schmunzeln. Herrlich, war der gut…
Jason Crutch: „n Abend, Tammy. Hallo, Robert. Ray…”
Das begrüßende Kopfnicken wird nicht erwidert. Wieso auch? Jason Crutch nervt hier beide Herrschaften. Schon immer. Und JC ist ungewöhnlich gut drauf? Wieso eigentlich?
Jason Crutch: „An euren Blicken erkenne ich, dass ihr euch fragt: ‚Wieso eigentlich ist diese Lachnummer so ungewöhnlich gut drauf?‘. Ich gebe euch die Antwort: heute Abend prallen einmal mehr die vielversprechendsten Talente und einige der größten Namen mit der größten Geschichte aufeinander…so etwas gibt es nur, wenn das JCI vor der Türe steht. Und sowas ist für mich Anlass genug, gut drauf zu sein. Nicht weniger funny finde ich aber, dass ihr beiden euch gegenseitig zu dissen scheint.“
Der Begründer der Crutch-o-Mania folgt dem Zeigefinger des Kanadiers, der auf seine Hüften deutet. Und die Augen hinter der schwarz verspiegelten Sonnenbrille bleiben auf dem glänzenden Gürtel haften.
Jason Crutch: „Darf ich dich erinnern, Robert, dass ich neben der Tatsache, dass ich der ‚Veranstalter‘ bin, tatsächlich der amtierende Intercontinental-Champion bin. Etwas, das du by-the-way, noch nicht geschafft hast. Zumal auch vier World Title meine Vita prägen. Aber wir wollen uns ja nicht mit Lappalien aufhalten, was?“
Robert
Breads: "Ach ja. Ich habe deinen ersten Titel-Run beendet,
als ich dich besiegt habe."
Der Oberpollinger tritt einen Schritt auf Morbeus zu. Er mustert ihn kurz von unten nach oben. Das eben Gesagte zunächst völlig ignorierend stellt er fest:
Jason Crutch: „Nicer Move übrigens, dass er…”
…er nickt in Richtung Breads, ohne ihn anzusehen…
Jason Crutch: „…tatsächlich dich aus dem Hut gezaubert hat. Dafür möchte ich euch, also das gegnerische Team, fast beglückwünschen. Und dir hauche ich, ob du es anerkennst oder nicht, ein zartes: ‚Schön, dich wiederzusehen. Trotz allem…‘ entgegen. Und das meine ich from the bottom of my heart. Aber nichtsdestotrotz…”
Er geht wieder einen Schritt auf Abstand.
Jason Crutch: „…du willst, dass ich mich auf das Hier und Jetzt besinne? Kann ich machen, Ray! In eurem Team sehe ich einen wrestlenden Tänzer. Einen Mann, der noch soviel mehr erreichen könnte, wenn er sich auf das Wesentliche besinnen würde. Caracal Matthews zähle ich zu den größten Talenten hier in der GFCW – wenn er bei der Sache bleibt.
Und wo wir gerade bei ‚großen Talenten‘ sind: man muss schon Schuppen auf den Augen haben, wenn man nicht erkennt, dass ihr mit Skadi Fenrir das wohl größte Eisen in der GFCW derzeit im Ofen habt. Ich habe selten jemanden gesehen, der soviel Talent im kleinen Finger hat wie sie. Und ich bin mit ihr im Ring gestanden, ich weiß verdammt nochmal, wovon ich rede.
Vervollständigt wird die Sache dann noch mit El Metztli, den – bei allem gebotenen Respekt – ich genausowenig einschätzen kann wie meinen eigenen Teamgefährten Nosagi. Und das will was heißen.“
Er blickt erneut Morbeus an.
Jason Crutch: „Ich glaube, dass man kaum mehr zu dir sagen kann. Deine Vita spricht für sich selbst. Dass ich dich stets für einen der größten hielt, ist kein Geheimnis.“
Und nun tut er einen Schritt hinüber zu Breads. Er stiert ihn an – und nimmt seine Brille ab. Er will das Drama mit diesem God-Move unterstreichen.
Jason Crutch: „Und dann du…Ich denke – und es tut mir fast weh, das dir ins Gesicht sagen zu müssen – dass wohl kein anderer Name mehr als Synonym für die GFCW steht wie der Name Robert Breads. GFCW = Robert Breads. Nough said…“
Ein Raunen im Rund. Crutch tippt sich grübelnderweise gegen die Lippe.
Jason Crutch: „Von außen betrachtet müsste man fast meinen, ihr seid der Favorit.“ Robert Breads: "Und im Vergleich zu deinem Sauhaufen sehen wir immer noch um einiges besser aus."
Man hört ein kurzes Räuspern, ehe sich Tammy mit einem zuckersüßen Lächeln leicht vorbeugt. Sie ist hier, um Content zu bekommen, also sorgt sie dafür.
Tammy: "Was genau meinst du damit?" Robert Breads: "Guck sie dir doch an!"
Mit einem Finger fuchtelt Breads zornig vor Crutch herum, als könne er damit das gesamte Team umfassen.
Robert Breads: "Wer oder was ist bitte ein Divinus? Wie mein geschätzter Partner..."
Nicht ohne Süffisanz deutet Robert auf Morbeus.
Robert Breads: "...bereits andeutete, ich bin schon EWIG hier. Ich trete bald zurück. Und dieser Typ war das letzte Mal relevant, bevor ich DEBÜTIERT bin. Ich bin vielleicht alt, aber der Kerl ist antik. Wenn er das überhaupt ist, unter der Maske, und das nicht ein peinlicher Let-Down wird." Morbeus: „Der Rest vom Schützenfest ist doch auch überschaubar. Nosagi kenn ich doch bestens. Wir haben erst letztes Jahr einige Schlachten geschlagen. Den Hasen stopfe ich aus, das ist doch Ehrensache! Caracal wird Tommy Qurashi, mit seinen wilden Tanzthemen schon Platt machen. Ist nicht mein Style, aber der macht das schon. Bliebe noch Daniel. Seine größte Schwäche war schon immer, dass er gar nicht erst auftaucht. Was ein Wrack. Viel mehr brauche ich über den Hundethronfolger nicht zu verlieren.“ Jason Crutch: „Wisst ihr was? Ihr könnt ruhig versuchen, uns madig zu machen. Ich habe gar nichts anderes erwartet. Denn selbst wenn ihr zu den größten Wrestlern in der GFCW-Geschichte und auf dieser Welt zählt, so seid ihr unter dem Strich charakterlich doch einfach nur kleine Bitches.“
Erneut ein Raunen.
Jason Crutch: „Das Ende vom Lied, und wenn der finale Ringgong ertönt, wird sein, dass unser Team siegreich bleibt. So gerne ich auch gegen dich, Robert, oder dich, Morbeus, bei Title Night antreten würde: es wird nicht dazukommen! Wir stehen Kopf an Kopf. Und letzten Endes wird genau eure Überheblichkeit und eure Respektlosigkeit das Zünglein an der Waage sein. Ihr unterschätzt uns! Und das ist gut so! Ihr beide könnt euch das IC-Titelmatch bei Title Night zuhause anschauen. Oder, in deinem Fall…“
…er weist auf Robert Breads…
Jason Crutch: „…evtl. sogar aus dem Krankenhaus, wenn Aiden Rotari mit dir fertig ist.“ Robert Breads: "Weißt du was?"
JC zieht lediglich fragend die Augenbrauen hoch.
Mit ziemlicher Sicherheit weiß Jason Crutch irgendwas, aber Breads scheint auf etwas Konkretes hinaus zu wollen, als er aufbrausend einen Schritt näher auf Crutch zugeht.
Robert Breads: "Unser Team mag vielleicht nicht perfekt sein, aber wenn uns eines eint, dann die Tatsache, dass wir dir hochmütiger Pseudo-Legende die Fresse eintreten wollen." Morbeus: „ Allerdings. Ein wunderbares Gefühl, Jason. Ich habe es vermisst und freue mich gleich sehr darauf, es wieder zu spüren. Spürbar anders wird die Erfahrung für dich auch bei Title Night, wenn ich dir deinen IC-Belt endgültig abnehmen werde!“ Robert Breads: "Stell dich drauf ein, von mir geputzt zu werden. Ob 2015 oder 2025, du bist und bleibst zweitklassig. Komm, RayRay, wir gehen."
Spricht es aus und dann zieht Breads ab, ohne Crutch eines Blickes zu würdigen oder gar zu schauen, ob Morbeus ihm tatsächlich hinterher läuft.
Morbeus: „ Crutchy. Vielleicht ist es unser letztes Match gegeneinander. Es wird episch werden, du Arschnase!“
Süffisant setzt Morbeus sein lächeln aud und trabt Breads dann hinterher. Aber natürlich NICHT, weil Breads ihn angewiesen hat, sondern aus FREIEM WILLEN versteht sich.
Tammy: "Ganz schön stinkig, die zwei."
Die Interviewerin legt den Kopf leicht schief. Das war ziemlich leicht für sie, sie musste kaum etwas sagen und trotzdem gab es eine Menge intensiven Schlagabtausch. Aus dem Augenwinkel beobachtet sie Jason Crutch.
Tammy: "Viel Glück, Jason."
Crutch blickt den beiden Abgedampften hinterher. Und fast schon abwesend und eher zu sich selbst als zu Tammy, murmelt er:
Jason Crutch: „…das werde ich auch brauchen…“
Dann geht er und wir sind hier fertig…
Pommes
sind geil.
Der Pommesmann wirft das gewünschte Produkt in die Fritteuse und summt zufrieden ein Lied, während er seiner Arbeit nachgeht. Doch wie er da so mit dem Rücken zu Mac Müll steht, scheint dem Interviewer etwas aufzufallen.
Müll kneift die Augen zusammen. Da ist doch etwas mit dem Pommesmann…
…irrt er sich oder kommt er ihm nicht irgendwie bekannt vor?
Mac Müll: „Sag mal, bist du nicht…“
Bevor Mac seinen Gedanken weiterführen oder die Frage ausformulieren kann, wird seine Aufmerksamkeit an anderer Stelle gebraucht. Seine Reporterinstinkte werden dadurch getriggert, dass in seinem Rücken zwei Männer miteinander sprechen. So weit, so gewöhnlich. Doch es sind die ihm bekannten Stimmen, die Mac herumschnellen lassen.
Es sprechen Jakob Fleestedt und Darragh Switzenberg.
Die Beiden lachen miteinander. Switzenberg legt Fleestedt eine Hand auf die Schulter. Wie ein Ritterschlag für gut gemachte Arbeit. Mac Müll wird Zeuge der ersten Szene des verkleinerten Switziverse seit dem Angriff auf Zac Alonso.
Müll versucht, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er will lieber Beobachter sein. Und so sieht er, dass sich die Wege der Beiden nach ihrem Gespräch trennen. Für Switzenberg geht es zurück in den Innenbereich der Halle, für Fleestedt hingegen scheint die Heimfahrt anzustehen. Wenn man einen wichtigen Dienst verrichtet hat, kann man sich das Anschauen des Main Events schon mal schenken. Vor allem, wenn so Leute wie Jason Crutch dort mitkämpfen. Das will man als Switziversler nicht sehen.
Und weil ein Feierabend geiler mit Pommes ist, läuft Fleestedt ebenfalls auf den Pommesmann zu. Er entdeckt Mac Müll. Will etwas sagen.
…
…
Doch dann entdeckt er etwas viel Wichtigeres.
…
…
Nämlich wer der Pommesmann ist.
Jakob Fleestedt: „Was – zur – Hölle?“
Fleestedt schiebt Mac Müll achtlos zur Seite und setzt sich auf einen Barhocker direkt an der Theke des Pommesmanns. Er beugt sich weit nach vorne, wie ein gieriger Kunde. Doch sein Hunger sind nicht die Pommes, sondern die Aufmerksamkeit des Mannes an der Fritteuse.
Jakob Fleestedt: „Scheiße, du bist es doch…“
…
…
…
Der Pommesmann ist Timo Schiller.
Timo Schiller: „Jakob.“
Ein freudloser Gruß. Alte Antipathien sind nicht so schnell vergessen. Vor allem nicht wenn man seinen ehemaligen Bully grad dabei zusehen musste, wie er seinen Teampartner verraten hat.
Timo Schiller: „Mac!“
Da ist der Gruß schon freundlicher. Und der Reporter fühlt sich bestätigt: Kam ihm doch gleich bekannt vor, der Pommesmann. Doch bevor er die drängenden W-Fragen stellen kann, johlt Jakob Fleestedt los. Ein schallendes Lachen.
Jakob Fleestedt: „Junge, bist du abgestürzt! Ich habe gleich gewusst, dass in dir nichts als ein Lakai steckt. Jetzt bist du endlich dort, wo du hingehörst: Hinter der Theke, wo du wahre Stars bedienen darfst. Hast du Schulden, oder was?“
Trotz der Beleidigungen bleibt Timo Schiller ruhig. Er lächelt gar. Er wirkt…als sei er voller innerer Ruhe.
Timo Schiller: „Ich bin freiwillig hier.“ Jakob Fleestedt: „Erzähl‘ keinen Scheiß, Mann. Niemand, der mal Wrestler war, verkauft jetzt freiwillig Pommes.“
Die Antwort ist nur ein stummes Lächeln von Timo Schiller. Und dass der Dortmunder so gar nicht auf die Provokationen eingeht, macht Fleestedt zunehmend ärgerlicher. Er beginnt, auf dem Barhocker hin und her zu rutschen.
Timo Schiller: „Riecht ihr es?“ Mac Müll: „Das Fritteusenfett?“ Timo Schiller: „Nein. Den Geruch von Heimat.“
Mit hastlosen Handgriffen holt Schiller das Pommeskörbchen aus dem Fett und gießt die schmackhafte Fracht in ein Sieb.
Timo Schiller: „Der Geruch der GFCW. Hier gehöre ich her.“
Er füllt die Pommes in ein Spitztütchen um. Mac Müll versucht, sich auf das Gespräch zu konzentrieren, doch er kann nicht anders. Wie dem pawlow’schen Hund läuft ihm das Wasser im Mund zusammen. Sein Magen beginnt vor Vorfreude auf so viel Geilheit zu rumpeln.
Timo Schiller: „Ich würde ALLES tun, um wieder Teil der GFCW zu sein. Ohne GFCW ist alles Nichts. Diese Liga hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin – und auch wenn ich derzeit aus dem aktiven Geschehen rausgedrängt wurde, dreht sich seit fast einem Jahr alles um den Traum, wieder zurückkehren zu dürfen. Ein Job als Pommesmann in dieser wundervollen Umgebung ist mir mehr Wert als eine Führungsposition woanders. Ich bin ein Produkt der GFCW und mir nicht zu schade, das zuzugeben.“
Bevor er Mac die Tüte reicht, stibitzt sich Schiller eine Pommes und steckt sie in den Mund. Mit Müll kann man es ja machen, da kommen schon keine Proteste.
Timo Schiller: „Vor allem ist mein kleiner Nebenjob hier ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr. Denn wenn ich bei Title Night erst einmal die Förderkader Battle Royal gewonnen habe…“
Er schiebt Mac die Ketchupflasche rüber. Auf halber Strecke geht der Deckel auf und die rote Soße landet in der Krawatte des Reporters. Wimmernd versucht der beschmutzte Mac, die Flecken rauszubekommen, indem er die Krawatte in den Mund nimmt und fest dran lutscht.
Jakob Fleestedt: „Du? Bei Title Night gewinnen? Schätzungsweise werden 15 Leute teilnehmen und ich bin mir ziemlich sicher, dass du nicht einmal einstellig abschneiden wirst.“ Timo Schiller: „Aha.“ Jakob Fleestedt: „Was soll dieses freche ‚Aha‘? Rede gefälligst respektvoll mit einem GFCW-Superstar…“
Fleestedt wischt den Dreck von der Theke in Richtung Schiller.
Jakob Fleestedt: „…Pommesmann.“ Timo Schiller: „Ich rede so, wie ich es will, Jakob. Du hast gerade deinen Partner betrogen.“ Jakob Fleestedt: „Hatte er verdient.“ Timo Schiller: „Vor allem hast DU mir nichts voraus.“
Fleestedt wirft derart energisch den Kopf zu einem künstlichen Lachen in den Nacken, dass sein Barhocker beinahe umkippt. Er muss sich an der Theke festkrallen, damit sein Kippeln nicht im Desaster endet.
Jakob Fleestedt: „Nichts voraus!? ICH habe einen Vertrag, ich bin ein GFCW-Superstar.“ Timo Schiller: „Ich habe dich bei Title Night im letzten Jahr besiegt.“
FAKT.
Kurzer Rückblick: Unter der falschen Identität des
Homeboy hatte Schiller, ein Urgestein des Performance Centers,
einen neuen Anlauf im Förderkader genommen. Als Fleestedt
dahinterkam, nutzte er sein Wissen über die wahre Identität
als Erpressungsmittel und demütigte Schiller bei jeder
Gelegenheit. Nach Schillers Demaskierung endete es in einem Fight
bei Title Night. Mit dem besseren Ende für Schiller.
Jakob Fleestedt: „Das ist doch nicht repräsentativ, Mann. Ich bin seit einem Jahr Switzisstant. Ich bin mittlerweile der wahrscheinlich beste Wrestler der Liga nach Darragh. DU bist ein Scheiß-Pommesmann geworden und wenn wir heute noch mal in den Ring steigen würden, würde ich in 10 von 10 Fällen gewinnen.“ Timo Schiller: „Aha.“ Jakob Fleestedt: „Sag‘ nicht immer dieses Aha!“ Timo Schiller: „Aha.“
Fleestedt springt auf. Wäre die Theke nicht so hoch, würde er wahrscheinlich drüberspringen. So funkelt er Schiller nur an.
Jakob Fleestedt: „Meine Niederlage bei Title Night ist sowas von verjährt. Aber kein Wunder, dass du drauf rumreitest, wenn es sonst nichts in deinem Leben gibt.“ Timo Schiller: „Aha.“ Jakob Fleestedt: „Du nach Fett stinkender Pisser. Nimm das.“
Just
als Mac endlich die erste Pommes gen Mund führt und die
gröbsten Ketchup-Flecken beseitigt sind, greift Fleestedt
nach dem ersten Wurfgeschoss, was er findet. Er reißt Mac
die Pommestüte aus der Hand und wirft sie in Richtung
Schiller.
Jakob Fleestedt: „Da hast du Glück gehabt.“ Timo Schiller: „Aha.“ Jakob Fleestedt: „Weißt du was, Timo?“
Fleestedt richtet sich zu voller Größe aus. Währenddessen beobachtet Mac mit wässrigen Augen, wie seine Pommes in Schillers Bude am Boden verteilt daliegen. Noch dampfend heiß, noch geil…doch im Schmutz.
Jakob Fleestedt: „Vielleicht ist dein Sieg über mich das Einzige, was dir noch bleibt in deinem Leben. Also wird es mir eine Freude sein, dir das auch noch zu nehmen. Weißt du was, ich will dich in zwei Wochen im Ring.“
Schillers Mundwinkel gehen hoch. Auch wenn Fleestedt es als Drohung meint – man wird den Eindruck nicht los, dass Timo es genauso gewollt hat.
Jakob Fleestedt: „Ein Title Night 2024-Rematch. Bei War Evening in der Helios-Arena. Ich werde dich besiegen und dann ist dir auch das Letzte verlorengegangen, was aus deiner Wrestlerlaufbahn noch bemerkenswert ist. Also was sagst du, hm?“
Ein schiefes Lächeln des Riesaers.
Jakob Fleestedt: „Natürlich nur, wenn du nicht grad wieder Pommes verkaufen, Autos waschen oder die Toiletten der Stars putzen musst.“ Timo Schiller: „Gut. Wir sehen uns. Im Ring.“
Ohne Verabschiedung wirbelt Fleestedt herum und stapft davon. Der Abend, der mit dem Angriff auf Alonso so schön verlief, ist unschön geendet. Als Fleestedt verschwunden ist, ballt Schiller die Faust.
Timo Schiller: „YES! Ein Match.“ Mac Müll: „Ähm…Timo?“
Mit einem „Du bist ja auch noch da“-Gesicht dreht sich Schiller zum Reporter.
Mac Müll: „Ich hätte gern neue Pommes. Meine liegen auf dem Boden.“ Timo Schiller: „Tut mir leid, Mac. Die Bude ist geschlossen.“
Backstagezeit, Interviewzeit. Die Sponsorenlogos vor der Interviewwand wollen schließlich gezeigt werden, Geld regiert bekanntlich die Welt. Vor besagter Interviewwand steht Tammy parat mit den beiden Damen, die sie bereits letzte Show nach einem Sieg interviewt hatte: Brigitte Reflet und Shizuku Shikishima.
Brigitte
Reflet: „Wir wussten in dem Moment, wo wir eine Klang
Schwester vor uns sa’en, dass es nicht einfach werden
würde. Alisa Klang mag keine absurde Laune der Natur sein
wie ihre älteste Schwester, aber der Name ist Programm. Noch
dazu sind wir selbst noch nicht auf einem so ‘o’en
Level, dass wir Rookies locker besiegen können. Aber wir
‘aben sie besiegt und waren insgesamt auch ein gutes
bisschen besser, was zumindest aufzeigt, dass wir keine Rookies
mehr sind, sondern Talente auf dem aufsteigenden Ast, kurz davor
das nächste Level zu erreichen.“
Tammy: „Okay, also wie genau meint ihr das?“ Shizuku
Shikishima „Die Situation um den Tag Team Titel hier uns
beschäftigt.
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