Singles Match:

Morbeus vs. Jay Taven

Referee: Mike Gard

Jay Taven steht bereits im Ring.




Am Entrance erscheinen Morbeus und Kyle Douglas! Morbeus trägt einen rot-weißen Trainingsanzug. Auf dem Rücken prangert das bekannte DD-Logo. Der Präsentationsanzug sieht sehr wertig aus. Kyle Douglas kommt etwas dahinter durch den Entrance und ist in Zivil gekleidet. Der Sohnemann hat in seiner 9-monatigen Abwesenheit noch mal etwas Muskelmasse aufbauen können.


Pete: „Da sind die Rückkehrer. Kyle sieht mittlerweile wie ein richtiger „Koffer“ aus.“

Sven: „Das trainieren haben beide nicht vergessen. Das steigert prinzipiell schon mal ihre Siegeschancen.“


Morbeus entert dann den Ring und fokussiert direkt seinen Kontrahenten.


DING DING DING


Beide umkreisen sich vorsichtig. Jay Taven beginnt sofort mit Mindgames, spricht auf Morbeus ein, provoziert ihn mit abfälligen Gesten. Ray Douglas bleibt ganz ruhig – kein Wunder bei über 25 Jahren Ringerfahrung.


Lock-Up.

Morbeus nutzt seinen Gewichtsvorteil, drückt Taven in die Ecke. Der Ringrichter zählt an – sauberer Break. Doch Taven nutzt den Moment und verpasst Morbeus einen schnellen Kick gegen das Knie, gefolgt von einem Enzuigiri! Morbeus taumelt zurück – Jay nutzt die Geschwindigkeit, Running Single Leg Drop! Cover!


1… Kickout.


Taven grinst, zieht Morbeus am Kopf hoch und zeigt eine Exploder Suplex in die Ecke. Douglas sackt kurz zusammen – Taven rennt an, Running Kick! Er setzt nach, versucht eine German Suplex mit Bridge…


Ray blockt.


Ellbogenstoß nach hinten und noch ein Zweiter, dann dreht er sich um und hebt Taven aus dem Stand zu einem Scoop Powerslam! Die Halle reagiert laut. Cover!


1… 2… Kickout!


Der Triple Champion übernimmt nun die Kontrolle. Swinging Neckbreaker, direkt gefolgt von einem Northern Lights Suplex, sauber gehalten! Sohnemann Kyle draußen applaudiert.


1… 2…

Taven reißt die Schulter hoch.


Morbeus zieht ihn hoch, setzt zum Elevated DDT an, doch Taven kontert im letzten Moment, stößt ihn weg und trifft aus dem Nichts einen Spinning Wheel Kick! Beide liegen am Boden.


Jay Taven ist schneller wieder auf den Beinen. Er steigt aufs zweite Seil, springt ab – Double Jump Moonsault! Volltreffer! Das Publikum reagiert….schockiert. Wird das direkt ein großer Upset zum Jahresbeginn hier in Oberhausen? Cover!


1… 2…

Douglas kickt aus!


Frustriert hämmert Taven mit mehreren Kick-Variationen auf Morbeus ein, zieht ihn hoch und zeigt einen Samoan Drop. Er will das Match beenden, steigt auf das Top Rope.


Er springt ab – Diving Leg Drop


Morbeus rollt sich weg!


Taven landet hart. Er kommt taumelnd hoch – Diving Elbow Drop von Douglas! Jetzt ist das Momentum klar auf seiner Seite.


RayRay richtet Jay auf, zieht ihn entschlossen zur Ringecke. Morbeus tänzelnd auf die diagonale Seite und macht ein Handzeichen, sodass alle Zuschauer in der Halle wissen: gleich ist hier Feierabend!


Morbeus kommt angesprungen, es sieht noch immer sehr grazil aus:

CLIMATE CHANGE.


Jay Taven schlägt brutal auf der Matte auf. Ray Douglas wirft sich sofort auf ihn, hakt beide Beine ein.


1…

2…

3!


Laura: „Sieger nach Pinnfall…..MORBEUS!“




Verschwitzt, aber glücklich reckt Raymond Douglas seine Arme in die Höhe. Das neue Jahr beginnt mit einem Sieg. Noch immer hat der Kanadier was im Tank. Doch nach einmal kräftig durchpusten holt er mit einer einladenden Handbewegung seinen biologischen Filius in den Ring. Kyle Douglas klopft Morbeus auf die Schulter und – nicht auf den Kopf gefallen – hat auch direkt ein Mikrofon parat.


Kyle Douglas: „Oberhausen! Schaut euch diesen Mann an. Stramm geht er auf die 50 zu und ist noch immer in absoluter Top-Form.“


Applaus brandet auf. Ob es die Leistung ist, oder weil die Fans wieder einen der größten GFCW-Stars dieses Jahrzehnts bestaunen dürfen, ist zwar nicht klar, aber auch nicht unbedingt von höchster Relevanz. Schließlich ist er einfach da.


Kyle Douglas: „Aber wir beide sind nicht nur da, weil wir gute Vorsätze für das neue Jahr haben. Wir sind keine Showponys der GFCW auf dem Weg zum großen Jubiläum. Wir sind hier, weil wir Ansprüche formulieren wollen….“


Kyle gibt nun das Mikrofon an Morbeus weiter, dessen Puls sich nun merklich beruhigt hat.


Morbeus: „Wie gut es tut wieder im Ring zu stehen. Mein letztes Intermezzo war eher peinlich. Im JCI konnte ich keine Akzente setzen, heute umso mehr. Ich danke für eure Unterstützung, Fans von Oberhausen! Nun. Kyle hat es schon angedeutet. Die Douglas Dynasty ist wieder da. Äußerst beeindruckend konnten wir uns 2024 die Tag Team Titles umschnallen und gegen uns war lange Zeit kein Kraut gewachsen. Das uns im letzten Jahr der Titel genommen wurde möchte ich nicht verschweigen, ist aber definitiv unter äußerst widrigen Umständen geschehen. Die aktuellen Champions, haben uns aber nie besiegt! Rabbits! Wir haben schon Schlachten gegeneiander geschlagen und daher ist es nur logisch, dass die DYNASTY in ein Titelmatch gehören! Was läge also näher auf der Hand, wenn die Tseizn Rabbits ihre Belts bei der ANNIVERSARY Show gegen MR. Unpinnable Kyle Douglas und Mich aufs Spiel setzen werden?


Pete: „Oha. Morby will direct Nägel mit Köpfen machen. Ein TT-Titlematsch zwischen den Rabbits und Douglas Dynasty wäre aber sicherlich eine fulminante Begegnung!“

Sven: „ Chapeau für die Chuzpe, Ray. Aber das ist doch hier kein Selbstbedienungsladen. Die beiden waren ein ¾ Jahr nicht zu sehen und dann direkt so ne Forderung stellen….“



Pete: Was? Ein Countdown…und nun?

Sven: Das kann nichts gutes bedeuten Pete.


Stille in der Halle. Alle Augen richten sich zum Titantron.



Pete: NIEMALS…NEIN!!!

Sven: JAAAA…UND NOCHMALS JAAAAA!


Die Fans schauen schockiert. Genauso schockiert wie die Douglas Dynastie im Ring. Morbeus scheint am allerwenigsten davon begeistert zu sein wer da gerade auf der Bühne erscheint. Die schwarzen perfekt sitzenden Anzüge unterstreichen die Aura die die beiden umgibt sobald sie einen Raum betreten. Die Fans wissen immer noch nicht wie sie mit den Rückkehrern umgehen sollen. Tha Bomb und Titan stehen wie zwei Statuen auf der Bühne und genießen die unheimliche Stimmung die in der Halle herrscht. Explosionen die immer wieder mit Pyrotechnik untermalt werden lassen die Fans zusammenzucken.


Pete: Nicht schon wieder die. Und anscheinend machen sie da wo sie damals aufgehört haben. NICHT beliebt sein.

Sven: Ich mag sie.


Die letzten Töne der Musik verstummen und die beiden Tag Team Champion Rekordhalter stehen immer noch monumental auf der Bühne. Ohne eine Regung genießen die beiden die aufkeimende Abneigung. Die Fans beginnen zu buhen. Nach elendig langen Sekunden bewegen sich die beiden aufeinander zu um sich dann den gegenseitigen Respekt auszudrücken. Anschließend führt Tha Bomb das Mic zum Mund und….sagt…nichts…Er dreht sich weg und macht den Blick auf den Titantron Platz. Dort beginnt ein Video in dem auf heroische Art und Weise die Karriere von T´n´B gezeigt wird. Vom ersten Auftritt. Dem ersten Titelgewinn. Bis hin zur Rückkehr und dem letzten Titelgewinn.


Pete: Man muss allerdings sagen das diese Karriere schon bemerkenswert ist.

Sven: Und sie wird weitergehen mein lieber Freund. Die sind noch lange nicht am Ende.


Die Fans können sich jedoch weiterhin nicht mit der arroganten Art von T´n`B anfreunden und buhen direkt weiter als das Video endet. Den beiden Altmeistern scheint das zu Gefallen. Das Grinsen wird breiter und breiter. Um die schlechte Laune der Fans noch weiter anzufeuern führt Tha Bomb schon fast demonstrativ langsam in Richtung Mund.


Tha Bomb: Morbi…Morbi…Morbi…es ist so schön dich wiederzusehen.


Auch auf Morbeus Mimik wirkt sich das ganze nicht positiv aus.


Tha Bomb: Und auch ihr…


Er zeigt auf die Fans…mit seinem Mittelfinger. Die Fans rasten aus. Die Welle von Unmutsbekundungen die Tha Bomb und Titan entgegenschwappt nimmt ungeahnte Ausmaße an.


Tha Bomb: Es ist soooo schön euch zu sehen…wir haben euch genauso vermisst wie ihr uns…


BUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU


Tha Bomb und Titan lachen laut und hämisch. Dann richtet er seinen Blick gen Ring. Gen Morbeus und die Douglas Dynastie.


Tha Bomb: WAS ZUR HÖLLE LÄSST EUCH GLAUBEN DAS IHR DIE CHANCE AUF DIE TITEL VERDIENT HABT??


Das lässt diesmal Morbeus nur ein müdes Lächeln entlocken.


Tha Bomb: Nur weil ihr eines der Team seid die letztes Jahr die Titel verloren habt…


Die beiden Rekordhalter lachen sich übertrieben kaputt. Das ruft direkt die Fans auf den Plan die sofort wieder zeigen was sie davon halten.


Pete: Ich kann mir das nicht länger anhören…

Sven: Ich schon…


Tha Bomb: Du kommst hier raus und stellst Ansprüche. Schwingst große Reden die niemanden interessieren.


MORBEUS MORBEUS MORBEUS!!!


Da sind ganz viele in der Halle anderer Meinung.


Tha Bomb: Die Hasen haben wir erschaffen…WIR haben Ihnen den Weg in die GFCW geebnet. Wir haben Ihnen den Titel praktisch serviert.


HASEN HASEN HASEN HASEN


Tha Bomb schaut das erste Mal an diesem Abend nicht erfreut. Die GFCW Galaxy hat er nicht auf seiner Seite.


Tha Bomb: UND WIR WERDEN IHNEN DIESE GÜRTEL AUCH WIEDER WEGNEHMEN…UND UNS IST ES EGAL WAS IHR DAVON HALTET. NIEMANDEN INTERESSIERT ES WAS IHR DENKT…


Dabei zeigen Tha Bomb und Titan dem Publikum erneut den Finger zwischen Zeige- und Ringfinger,


DU LIEGST VOLLKOMMEN FALSCH…“


Tha Bomb will gerade zu einer weiteren Schimpftirade ansetzen als er unterbrochen wird. Die Blicke der Fans, der Douglas Dynastie und auch Tha Bomb und Titan wandern suchend durch die Halle. Auf der Gegenüberliegenden Seite der Rampe beginnt es unruhig zu werden.


Pete: DA…da sind SIE!!!

Sven: Die braucht doch kein Mensch…


Tsuki Nosagi: „Uns interessiert es schon…Und was wir über euch denken wissen alle…Dazu mein alter…wirklich alter Freund…interessiert es die hier am meisten und nur dass was sie denken zählt!!!“


Dabei zeigt der Japaner ins Publikum. Dieses rastet total aus und die Fans jubeln den Tag Team Champions zu. Tsuki und Metztli genießen das Bad in der Menge.


El Metztli: Morbeus…euere Dynastie in allen Ehren…aber es gibt hier in der GFCW Teams die es sich verdient haben um die Titel kämpfen zu dürfen. Ihr habt die Titel verloren. Und danach seid ihr verschwunden.


Morbeus und die Dynastie schauen gespannt zu den Hasen.


Tsuki Nosagi: Wo ich euch Recht geben muss ist das ihr sicherlich weiter oben in der Rangfolge steht wenn es darum geht ein Titel Match zu fordern. Doch gibt es noch andere Teams in der GFCW die unsere Gürtel wollen und die Woche für Woche den Fans hier geben was sie wollen.

El Metzli: Einsatz…Wille…Kampf…Bereitschaft sich zu opfern…Und hier fragen wir uns…habt ihr das alles noch? Hat die Dynastie noch das Feuer? Die Hasen haben es…wir wollen und werden Champions für die GFCW Galaxy sein die sich stellt. Die jede War Evening bereit ist die Gürtel aufs Spiel zu setzen. Seid ihr bereite dafür Morbeus? Kyle?

Tsuki Nosagi: Und dass das Feuer bei euch alten Säcken auf Sparflamme läuft wissen alle hier…T´n´B…ihr seid nicht bereit dafür zu erleben was es bedeutet den Hasenbau zu betreten. Wir verstecken uns nicht. Nicht so wie ihr wenn ihr wieder einmal verloren habt…


Die Fans jubeln dem Japaner zu. Tha Bomb und Thor schauen zerknirscht und wütend in Richtung ihrer alten Schützlinge.


Tsuki Nosagi: Also wenn ihr auch noch ein Titelmatch wollt nur weil ihr denkt das es euch gerade zum 25 Jährigen Jubiläum in euren Terminplan passt dann stellt euch hinten an.

El Metztli: Zu merken das man in Vergessenheit gerät ist kein Grund für ein Spot beim Jubiläums PPV.


Plötzlich ertönt Musik und alle Beteiligten schauen gebannt auf den Entrance.


Alright everybody, gather round

The Candy Man is here


Zack, da jubeln die Fans als hätte man ihn seit der letztjährigen Battlemania nur noch einmal gesehen, dabei läuft er hier doch im Zweiwochentakt durch das Bild und präsentiert seine blumigen Hemden genauso wie jetzt hier in diesem Moment mit dem Mikro in der Hand und beiden Beinen auf der Rampe stehend mit einem feisten Grinsen in Richtung Ring.


Eric: „Meh, und ich dachte, das wird mal ein entspanntes Jahr, wo ich nicht ständig eingreifen muss.“


Verschmitzt reibt sich der Commissioner mit dem Finger unter die Nase. Dann bewegt er sich parallel zum Ring seitlich auf der Rampe auf und ab und wendet sich an die Fans.


Eric: „Frohes Neues GFCW Galaxy!“


Jubel Jubel Freu Freu, so etwas tolles hat noch nie jemand zu den Fans gesagt.


Eric: „Und euch auch. Klingt so als würden hier ein paar Neujahrsvorsätze aufeinanderprallen, hmm? Wir wollen Champions werden, nein wir, halt, wir wollen Champions bleiben. Schön, wenn man sich so uneinig ist, dann funktioniert das Geschäft wenigstens. Und es macht meine Planung leichter.“


Er streckt den Mikroarm kurz aus um auf die Rabbits zu deuten, dann nimmt Fletcher das Sprachrohr wieder zu sich…also das Gerät, nicht den Wrestler.


Eric: „Denn mein Battlemania-Kollege hat völlig recht. Geschenke gab’s an Weihnachten. Im neuen Jahr gibt’s auf den Deckel, fragt die Venezolaner eures Vertrauens.“


Gleich weiterreden, bevor noch Platz für irgendwelche Reaktionen aufkommt.


Eric: „Wenn ihr also eine Chance auf das Gold haben wollt, dann verdient sie euch!“


Die Fans werden laut, die Beteiligten im Ring unruhig aber zeigen sich kampfeslustig.


Eric: „War Evening in zwei Wochen! Um den Platz der Number 1 Contender auf die Tag Team Championship bei der Anniversary Show! TNB! Gegen die Douglas Dynasty!“


Pete: “Mensch, da kommt ja richtig Feuer rein in die Tag Team-Szene! SO kann das Jahr gerne weitergehen!“



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Die Fans horchen auf, besonders jene, welche diese Musik von Title Night als jene wiedererkennen, die von der Schneewölfin Skaði Fenrir und ihrer Schwester Iðunn Jörmungandr für ihren Einzug beim Tag Title Ladder Match genutzt wurde. Die 1,93 große Norwegerin mit den schneegrauen Zotteln im wolfigen Look und ihre noch größere Schwester vom Typ Riesenschlange mit Schwanz, bzw. Zopf im Mund treten dann auch zügig durch den Vorhang. Lange verharren sie nicht auf der Einzugsrampe, gerade lange genug, dass ihr imposanter Anblick wirken kann, dann gehen sie steten Schrittes gen Ring und entern denselben ohne jede Pose oder sonstiges fanfreundliches Verhalten. Die Schneewölfin wirft vielmehr einen fordernden Blick gen Ringside und man versteht – sie will ein Mikrofon und das besser flott. Also wird ihr rasch eins angereicht, wonach sie kurz in die Reihen der Fans schaut.


Skaði Fenrir: „Ihr mögt euch fragen, welch Grund es haben mag, dass wir gekommen sind, um hier im Ring unser Anliegen zu artikulieren, anstatt uns an Tammy oder Mac Müll für ein Interview zu wenden, doch letztlich ist es mir einerlei, ob ihr euch diese Frage stellt oder nicht, bin ich doch nicht hier um zu euch zu sprechen.“


Ein paar Pfiffe für diese Aussage werden laut. Die Fans mögen es für gewöhnlich mehr, wenn man sie als wichtig erachtet und vielleicht gar in freundlicher Weise den Austragungsort erwähnt. Ablehende Worte finden wenig überraschend weit weniger Anklang.


Skaði Fenrir: „Des letzten Jahres finale Phase war eine Zeit, die eigentlich hätte besinnlich sein sollen, gilt doch die Weihnachtszeit als Zeitraum für Liebe und Geschenke, doch war dies nicht, was ich erleben musste. Mir, der hehren Schneewölfin Skaði Fenrir wurde nichts geschenkt. Im Gegenteil, ich wurde bestohlen und das nicht nur ein Mal, nicht zwei Mal, sondern gleich drei Mal.“


Iðunn zählt mit Mühe bis drei mit.


Skaði Fenrir: „Erst hat mir Robert Breads meinen Partner von Power Wolf geraubt, Marc Hill.“


Dafür gibt es nun doch ein paar Buhrufe, wenn auch nicht ganz so laute, wie man es vielleicht hätte erwarten dürfen. Zum einen will man Robert Breads in seinen letzten Monaten nach seiner Schlacht gegen Aiden Rotari nicht so recht ausbuhen und noch dazu war Marc Hill bei allem Kultfaktor seines Power Gimmicks eben auch ein mieser Verräter des GFCW Förderkaders, sodass sich das Mitleid dann doch in engeren Grenzen hält.


Skaði Fenrir: „Unschön in dem Moment, doch letztlich hat mir Robert Breads damit gar eine günstige Gelegenheit eröffnet, war es doch dieser Umstand, der es mir ermöglichte meine jüngere Schwester zu mir zu holen, die mächtige Riesenschlange Iðunn Jörmungandr.“


Für diese Aussage kriegt nun Skaði Buhrufe ab und zwar stärkere als die Erwähnung von Robert Breads zuvor. Man kann sogar fast vermuten, dass sie von Anfang an beabsichtigt haben könnte ihre Schwester hinzu zu holen und Marc Hill so oder so nur ein Platzhalter gewesen ist, bis Iðunn mit der Wrestlingschule fertig wird.


Skaði Fenrir: „Daher werde ich davon absehen, Robert Breads letzte Monate weiter zu verkürzen, habe ich doch ohnehin andere, größere, soll heißen: goldene Jagdziele ob der anderen beiden Momente, in denen ich infam bestohlen wurde. Erst durch Darragh Switzenberg im Jason Crutch Invitational, dann von den vermaledeiten Hasen im Ladder Match bei Title Night.“


Die Fans beginnen ob der Erwähnung der Hasen etwas zu jubeln, was Iðunn zu Drohgebärden mit fürchterlichem Zischen animiert, die doch jene Zusammenzucken lassen, die sie mit ihren grünen Augen anfunkelt. Wie auch Skaðis Augen vor Missgunst zu funkeln beginnen.


Skaði Fenrir: „Jene Tonne, die das Gold bedeutet hätte, ich hatte sie ebenso in der Hand wie El Metzli und hätte daher ebenso wie er zur Siegerin erklärt werden müssen, haben wir doch die Tonne gemeinsam abgehangen. Ein Entscheidungsmatch hätte es dann geben müssen, doch stattdessen wurde den Hasen ein Weihnachtstraum gewährt – ausgerechnet ihnen, die Weihnachten zu zerstören suchten. Wer nun sagt Weihnachten sei das Fest der Liebe und der Vergebung hat nicht Unrecht, doch ist dies Gerechtigkeit? Wohl kaum!“


Iðunn nickt bekräftigend, wenn es auch sonst schon nicht viele tun.


Skaði Fenrir: „Darragh Switzenberg mag außen vor sein, hat doch Creed Gibson das Anrecht auf ein Match um dessen Gold, aber ihr Hasen, ihr seid nicht sicher vor dieser hungrigen Jägerin. Ganz im Gegenteil! Ich bitte nicht um ein Titelmatch, ich verlange ein Titelmatch, ansonsten ist die Rachsucht des Fuchses namens Tyler euer geringstes Problem, sind doch Wölfe weitaus gefährlichere Feinde als Füchse es je sein könnten.“



Das ist jetzt nicht die Musik der Hasen. War der Grund für die Promo im Ring die Hasen herauszurufen, so haben sich nun zwei andere Personen stattdessen vorgedrängelt. Zu gedimmtem, güldenen Scheinwerferlicht treten zwei Kameradinnen von Skaði vom Förderkader der Lerbitz Performance Group durch den Vorhang: die Black Wyrms, also die extra haupthaarreiche, kleine Französin Brigitte Reflet und ihre ein gutes Stück größere Partnerin aus Japan, die blonde Shizuku Shikishima. Die beiden nehmen sich ein bisschen mehr Zeit für die Fans und werden auch erheblich positiver empfangen als Skaði und Iðunn, lassen sich aber auch nicht zu viel Zeit damit im Ring aufzutauchen, wo sie von der Schneewölfin recht kalt empfangen werden.


Skaði Fenrir: „Mir war als hätte ich das Wort an die Hasen gerichtet und nicht an euch.“


Es ist schon ein bizarrer Anblick, wie sich die Black Wyrms vor den riesigen Schwestern postieren – nun ihrerseits mit Mikrofonen bewaffnet. Shizuku wirkt schon klein gegenüber den Norwegerinnen, aber Brigitte kommt geradezu winzig rüber. Und doch steht sie mit Selbstvertrauen und Trotz vor den beiden Gigantinnen.


Brigitte Reflet: „Und mir ist als ob du ‘ier vergisst wer das eigentliche Tag Team bei der Lerbitz Performance Group ist. ‘ätten wir uns nicht für das Ladder Match stark gemacht, ihr ‘ättet gar nicht erst eine Chance gehabt um das Gold anzutreten. Noch dazu wollen die Fans uns endlich den Durchbruch schaffen sehen – nicht euch. Weil wir für dieses Gold gearbeitet ‘aben, während ihr beiden… bislang noch nicht einmal ein einziges reguläres Tag Team Match zusammen absolviert ‘abt. Eine etwas dünne Grundlage jetzt ein Titelmatch einzufordern, denkst du nicht auch?“


Die Mundwinkel der Schneewölfin zeigen unweigerlich nach unten.


Skaði Fenrir: „Welch Unfug sprichst du W...urm?“


Diese Aussage kam um verletzten Stolz mit verletztem Stolz zu vergelten, doch dieser Satz sorgt nur unweigerlich dafür, dass von Seiten der Fans „Let’s Go Worms“ Rufe laut werden und erstmals sorgen diese bei Brigitte Reflet nicht für Zorn, sondern für zufriedene Bestätigung, während Skaði missmutig mit dem Kopf schüttelt.


Skaði Fenrir: „Meine Schwester und ich waren auf Anhieb dem Titelgewinn näher als ihr es je gewesen seid. Wenn also unsere Grundlage für ein Titelmatch dünn sein soll, was ist dann eure? Ihr habt nicht einmal eine dünne Grundlage, ihr habt gar keine. Es heiß es gibt neue Tag Teams hier bei GFCW, vielleicht solltet ihr also mit IvoRa oder der Punk n’ Jump-Alliance unter euch ausmachen, wer hinter dem Cirque du Tonnerre das viertbeste Team der Liga ist, während meine Schwester und ich den Hasen aufzeigen, dass sie das zweitbeste Team sind.“


Die Pfiffe der Fans sind nur deshalb nicht lauter, weil ein Raunen sie begleitet – ein Raunen begleitet vor der Antizipation von Brigittes Antwort.


Brigitte Reflet: „Große Worte von einer Frau, die gerade mal ein gutes Jahr aus der Wrestlingschule raus ist, auch noch nichts gewonnen hat und eine Schwester zur Partnerin ‘at, die sogar eine komplette Anfängerin ist. Vor allem aber ’abt ihr beiden wie gesagt weder ein einziges reguläres Tag Team Match bestritten, geschweige denn gewonnen. Und ich weiß ja nicht... aber irgendwie kommt es mir so vor als wüsstest du genau, was du tust, indem du versuchst Shizuku und mich abzuwimmeln und auf andere Teams zu ‘etzen.“


Shizuku Shikishima „Auch ich eine List vermute. List oder vielleicht auch Angst?“


Noch ein Raunen der Fans, ein lauteres. Skaði sieht mehr perplex denn wütend aus, während Iðunn beginnt vor Lachen fast ihr Zopfende auszuspucken.


Skaði Fenrir: „Ihr sprecht immer wirrer. Gebt ihr euch fürwahr der Illusion hin, dass ihr uns besiegen könntet? Welch Torheit ist dies? Wenn es euch danach begehrt, dass meine Schwester und ich ein reguläres Tag Team Match bestreiten und gewinnen, in welchem ihr unsere Gegnerinnen sind, dann soll es so sein. Ich hätte es bevorzugt, wenn ich euch, die ich als Kameradinnen erachte, nicht übler blamieren müsste als nötig, doch wenn dies euer Begehr ist, so werden meine Schwester und ich dem gerne nachkommen.“


Brigitte Reflet: „Blicke ru’ig auf uns ‘erab, solange du noch kannst. Denn wenn wir euch erst besiegt ‘aben und zu unserem ‘ö’enflug ansetzen, wirst du verstehen, dass diese angeblichen Würmer in Wahr’eit potente Drachen sind und Drachen stehen in der Nahrungskette stets weit über Wölfen und Schlangen!“


Shizuku Shikishima „Euer Untergang unser Aufwind sein wird.“


Die vier Frauen werfen sich noch einmal ein paar knisternde Blicke zu, dann gehen sie gemeinsam gen Backstage. Man kommt nicht umher zu denken, dass ihre Kameradschaft durch die letzten Minuten ein gutes bisschen gelitten hat und ihr Match bei der kommenden Show alles andere als kameradschaftlich verlaufen wird...


Ein kurzer Werbebreak erfolgt.



Peter Cleven im Ring. Bedeutet: Es ist angerichtet für den zweiten Kampf. Die Zuschauer links und rechts der Rampe blicken bereits aufgeregt drein und haben ihre Kameras im Anschlag, müsste es doch jeden Moment die Entrances geben. Oder zumindest: einen Entrance. Angekündigt ist bislang nur Viggo. Mit wem sich der ehemalige Intercontinental Champion messen wird, das wurde in allen Bekanntmachungen offengelassen.



Die Absetzung des Förderkaders war für Viggo eine Zäsur – kaum hatte er sich in die Position gebracht, wurde er bereits über die Pläne informiert, dass es bald zu Ende gehen wird. Vielleicht ist der neue Abschnitt seiner Karriere der Grund, warum es optisch in eine andere Richtung geht: Viggo trägt ein schwarzes Singlet, das seine enorme Muskelmasse betont. Die Haare sind abrasiert bis auf wenige Millimeter, der Bart wurde akkurat gestutzt. Viggo wirkt seit den Förderkader-Tagen erwachsener als zuvor.

Die Musik ist geblieben. Pearl Jams ‚Dark Matter‘ führt zu Applaus und Jubelrufen. Nicht stürmisch laut, aber anständig. Als Coach musste er zwar einige unpopuläre Entscheidungen treffen; aber mit den Fans überworfen, das hat sich der Londoner seit seiner Rückkehr im Jahr 2024 noch nie. Im Ring angekommen, schnappt sich Viggo ein Mikrofon. Er kostet die Publikumsreaktionen nicht aus, will lieber schnell zur Sache kommen.


Viggo: „Ich bin mir sicher, dass manche von euch denken, ich habe im letzten Halbjahr einen Fehler gemacht.“


Er blickt sich in der Halle um, sucht in den Gesichtern der Zuschauer nach Anzeichen, auf wen seine Vermutung zutrifft. Auch wenn noch gar nicht klar ist, auf welchen möglichen Fehler er hier anspielt.


Viggo: „Den Fehler, das Amt des Trainers des Förderkaders zu übernehmen. Ein Amt, das bereits Mirkan Uysal gebrochen hatte. Ein Amt, für das ich meine Solo-Karriere hinten anstellen musste. Ein Amt, bei dem man sich zwangsläufig unbeliebt machen muss, wenn man nicht als zu weich gelten will.“


Eine Aussage, der man nicht widersprechen kann: Schon sein allererster Move – die Entlassung von Ethan Carlyle, Bene Zampach und PJ Smidt – war mehr als nur umstritten. Bewies aber auch in aller Deutlichkeit, dass Viggo Mut zur Veränderung hat.


Viggo: „Nun, wer auch immer an den Fehler gedacht hat, der hat in den vergangenen Monaten genügend Nahrung bekommen. Erst war ich kaum im neuen Job, da wurde mir mitgeteilt, dass es ein Job auf Zeit ist – denn der Förderkader würde bald schon eingestellt werden. Dann verloren wir als Förderkader den Kampf gegen die LPG. Und letztendlich, bei Title Night, da habe ich mich selbst noch blamiert. In einer Battle Royal voller Rookies war ausgerechnet ich, der etablierte Wrestler, derjenige, der als Erster rausflog.“


Er schüttelt mit dem Kopf, als er sich selbst an die Geschehnisse des PPV erinnert. Als könne er noch immer nicht fassen, was dort geschah.


Viggo: „Zum zweiten Mal in Folge endete mein Jahr daher beschissen. 2024 verlor ich zum Jahresabschluss gegen Switzenberg und ermöglichte ihm einen Aufstieg, den er nie verdient hatte. 2025 musste ich, als draußen vor dem Ring lag, einsehen, dass ich mich sportlich eher zurück- als weiterentwickelt hatte.“


FAKT. Wie das Sprachrohr sagen würde. RIP Rohri 2025 – 2025.


Viggo: „War mein Ausflug ins Trainerbusiness – oder vielleicht sogar das komplette Jahr 2025 – also ein Fehler? Nichts als ein Rückschlag? Verschwendete Zeit?“


Er zuckt mit den Schultern, während er über seine eigene Frage nachsinnt.


Viggo: „Blickt man auf die bloßen Fakten, kann man dem kaum widersprechen. Doch wenn ich in meiner Karriere eine Sache gelernt habe, dann dass es kaum ein höheres Gut als das Wieder-Aufstehen gibt.“


Sein Tonfall lässt keinen Widerspruch zu. Die Faktenlage ebensowenig.


Viggo: „Ich wurde einst von Holly Hutcherson manipuliert, der Freiheit meines Geistes beraubt. Doch ich kam zurück, kämpfte vor 20.000 Menschen in meiner Heimatstadt gegen Ask Skógur und gewann einige Monate später den Intercontinental-Title. Dann setze ich auf meinem Höhepunkt alles gegen Switzenberg aufs Spiel. Und fiel tiefer als je zuvor. Ich ließ die GFCW im Stich, zumindest fühlte es sich so an. Doch ich kam zurück und man schenkte mir das Vertrauen, den Nachwuchs dieser Liga zu führen.“


Der Engländer setzt ab, um noch einmal einen Blick durchs Hallenrund zu wagen. Zustimmendes Nicken im Publikum. Sie verstehen, worauf er hinauswill.


Viggo: „Und jetzt bin ich bei Title Night wieder einmal gefallen. Symbolisch und im Wortsinn. Deswegen lasst mich euch eines sagen: Ich habe keine Angst mehr vor dem Hinfallen. Es ist mir egal, ob ich mich in einer Krise befinde…“


Seine Stimme wird lauter, die Muskeln spannen sich an. Am Hals treten Adern hervor, als er die Worte mit Überzeugung spricht.


Viggo: „…denn ich bin davon überzeugt, immer und immer wieder aufzustehen und mich neu zu erfinden! Ich bin noch keine 30 Jahre alt und habe Erfahrungen gemacht, die andere Wrestler ein Leben lang nicht machen. Ich bin ein Hybrid zwischen Jugend und Routine. Einer, der noch wachsen kann, aber dem seine Naivität schon herausgeprügelt wurde. Mit jedem Rückschlag, mit jedem vermeintlichen Fall, da werde ich stärker!“


Applaus in der Turbinenhalle. Markige Worte, aber keine leeren Phrasen. Man würde es hier in Oberhausen Viggo gönnen, wieder einmal den Turnaround zu schaffen.


Viggo: „Deswegen sage ich das Folgende aus tiefster Überzeugung: Ich bin überzeugt davon, dass mein diesmaliges Wieder-Aufstehen die beste Version hervorbringen wird, die Viggo je war. 2026 wird mein Jahr. Ich bin erfahrener, gehärteter, mit mir im Reinen. Ich kann jeden schlagen. Das weiß ich. Deswegen möchte ich mein Selbstbewusstsein auf eine ganz besondere Art und Weise beweisen.“


Er macht zwei Schritte durch den Ring, wendet sich jener Seite der Seile zu, die Richtung Entrance ausgerichtet ist. Mit ausgestrecktem Arm deutet er (symbolisch) auf die Backstage-Area.


Viggo: „Ich stelle eine Open Challenge. Mir egal, wer dort hinter dem Vorhang wartet. In dem Moment, wo er oder sie auf die Rampe treten wird, tritt er nicht nur in das Innere der Turbinenhalle. Nein…“


Seine Hand umklammert die Seile. Drückt sie als „Einladung“ herunter.


Viggo: „Er wird in Viggos Jahr treten. 2026. Ich habe keine so schöne Bezeichnung dafür wie Ask. Es ist nicht das Jahr des Hirsches. Es ist nicht meine Eroberung. Dieses Jahr wird einfach nur…“


Ein vorfreudiges Lächeln tritt auf seine Lippen. Für einen Augenblick wirkt Viggo wieder wie der fahrige Youngster, der er vor Jahren vielleicht einst war.


Viggo: „…Viggos Jahr sein!“



Pete: „Die Herausforderung steht. Wer wird sie annehmen? Es gibt genügend Wrestler in unserem Roster, die heute nicht auf der Card stehen.“

Sven: „Du denkst wieder einmal viel zu klein, Pete. Ich glaube, es gibt ein KRASSES COMEBACK heute bei der Show.“

Pete: „Ich glaube eher an ein UNERWARTETES DEBÜT heute.“

Sven: „Vielleicht kommt aber auch einfach nur irgendsone Gurke, an der sich im letzten Jahr schon alle sattgesehen haben. Lol.“

Pete: „Der Boden ist bereitet für Meathook, Gino Rieß und Co. Aber auch für das A bis Z der großen Namen.“

Sven: „A wie Antoine und Z wie Zereo? Oder A wie Anawoo und Z wie Zacharias Zwengelmann?“

Pete: „Wir machen uns wieder einmal viel zu große Hoffnungen, oder?“


OOOOOH!“


Kommt es von jenem Teil der Zuschauer, die dem Rest etwas voraushaben: Nämlich zu wissen, wer das ist, der da durch den Vorhang stürmt. Der Rest der Zuschauer sieht nur einen sonnengebräunten jungen Mann mit athletischer Physik, dessen lange Haare bei jeder Bewegung herumwirbeln.

Der Neuankömmling trägt blaue Tights mit buntem Muster, die Ellbogenschoner sind farblich abgestimmt. Am auffälligsten jedoch – und das ruft bei den „Unwissenden“ die meiste Irritation hervor – ist, dass ein goldener Titelgürtel um die Hüften des Mannes liegt. Auf eben jenen Gürtel legt der Langhaarige stolz eine Hand, dann marschiert er die Rampe entlang. Er wirkt selbstbewusst, keine Spur von Unsicherheit. Trotz der Kulisse.


Pete: „Wir starten 2026 mit einer echten Überraschung. Nicht nur für Viggo. Das ist Iokepa. DAS Aushängeschild unserer Nachwuchsliga Golden Turnbuckle Championship Wrestling.“

Sven: „Mittlerweile befindet er sich in seinem dritten Run als oberster Titelträger. Seit zweieinhalb Jahren ist er dabei, ein echtes GTCW-Urgestein.“

Pete: „Und angesichts seiner Erfolge musste man sich längst fragen, wann er die Einladung zu War Evening bekommt.“

Sven: „Jetzt stellt er sie sich selbst aus.“


Auch wenn einem Teil der Zuschauer noch immer nicht klar ist, wer dort die Rampe heruntermarschiert, so wird doch fast ein jeder von der vorfreudigen Stimmung mitgerissen. Man scheint instinktiv zu spüren, dass dies nicht die Kategorie Förderkader, Meathook, Rieß oder Betze ist. Zu euphorisch sind manche im Publikum, als dass hier eine Nobody wäre; jene, die einen Deep Dive in den Nachwuchsbereich unternommen haben.


Laura: „Auf dem Weg zum Ring. Mit einem Gewicht von 93 Kilogramm…“


Im Ring steht, das hat man fast vergessen, noch immer Viggo. Der Engländer ist überrascht. Aber er trägt ein Grinsen im Gesicht, das gleichsam vorfreudig und eine Spur grimmig ist. Er hat sich eine Herausforderung gewünscht. Er wird eine Herausforderung bekommen.


Laura: „…aus Honolulu, Hawaii…“


Iokepa bleibt vor dem Ring stehen. Blickt zum Squared Circle hinauf. Erstmals trifft sich sein Blick direkt mit dem von Viggo. Auch der hatte eine GTCW-Zeit. Es ist nicht das erste Mal, dass sie miteinander die Klingen kreuzen. Aber es ist unter völlig anderen Umständen.


Laura: „…hier ist: IOKEPA!“



Während Laura seinen Namen ins Hallenrund brüllt, nimmt Iokepa drei Schritte Anlauf. Dann springt er mit der Eleganz eines Panthers in die Luft und landet auf dem Apron, ohne die Seile als Balancehilfe in Anspruch nehmen zu müssen. In einer fließenden Bewegung löst er den GTCW-Titel von den Hüften, legt ihn sich auf die Schulter. Dann steigt er von außen auf das Top Rope, posiert mit weit ausgebreiteten Armen für das Publikum. Sein Nachwuchs-Gold glänzt im Blitzlicht der Handykameras.


Pete: „Es ist eine spannende Konstellation, Sven. Im Nachwuchsbereich ist Iokepa der profilierteste Mann. Und das, obwohl auch längst etablierte Stars wie Darragh Switzenberg, Aldo Nero, Tommy Qurashi, Iray Burch oder Viggo einst ebenfalls bei GTCW waren. Er war besser als sie alle.“

Sven: „ER WAR NIE BESSER ALS ALDO NERO!“

Pete: „Aldo und er waren zeitgleich Champions. Iokepa eine Division höher. Das ist ein Fakt. Aber ich gebe zu: Das ist rund zwei Jahre her. Die große Frage wird sein: Kann unser Neuling das in die erste Liga rüberbringen? Oder ist und bleibt er jemand, der nur den Nachwuchs dominiert? Es gibt viele Beispiele von Wrestler, die ewige Talente bleiben.“


Eine Frage, die uns alsbald beantwortet wird. Denn just in diesem Moment springt Iokepa vom Top Rope auf die Matte. Er nickt Peter Cleven zu. Dieser blickt fragend zu Viggo. Und auch Viggo nickt. Er ist mit der Herausforderung einverstanden. Also reicht Iokepa sein GTCW-Gold nach draußen, kreist mit den Schultern und macht sich fertig.


Der Anfang vom Durchbruch…oder eine einmalige Schnupperstunde?

Was hält das Jahr 2026 für ihn breit?

Ist es Viggos Jahr – oder seins?


Open Challenge:

Viggo

Referee: Peter Cleven

Die Glocke läutet. Iokepas GFCW-Karriere hart begonnen.

Viggo tritt sofort nach vorne. Klar, er hat diese Herausforderung gestellt. Er will sich nicht ins Abseits stellen lassen, nur weil es jetzt einen neuen Flavour oft the Day gibt. Viggo bietet einen Lock-Up an. Iokepa nimmt an.


Pete: „Beide sind fast exakt gleich schwer. 93 Kilogramm sind es heute bei Iokepa, bei Viggo stehen 94 Kilogramm auf der Waage. Aber größentechnisch ist Iokepa 10 Zentimeter voraus. Was andererseits bedeutet, dass Viggo nochmal deutlich stabiler gebaut ist.“

Sven: „Er ist ein TIER!“

Pete: „Keine schlechte Voraussetzung für einen Lock-Up.“


Viggo will Druck aufbauen und austesten, ob er Kraftvorteile besitzt, doch Iokepa ist einen Tick schneller und lässt es nicht auf den Krafttest ankommen. Er dreht sich sauber aus dem Lock-Up heraus, gleitet hinter Viggo, kurzer Standing Switch. Viggo versucht, sich zu befreien, stemmt den Arm nach oben. Doch die Augen sollte besser unten haben, denn dort spielt die Musik. Ein schneller Snap Kick von Iokepa trifft seinen Oberschenkel. Kein großes Ausholen, nur Präzision. Viggo zuckt, bleibt aber stehen.

Mit Wut über den schwachen Beginn gelingt es ihm, Iokepa wegzuschubsen. Dann jedoch stürmt er (zu) kopflos auf den Hawaiianer zu und dem langt es, ohne Anlauf einen Low Dropkick gegen Viggo zu springen. Der Engländer stolpert und stürzt. Beide kommen hoch. Ein Grinsen ist auf Iokepas Lippen. Ist es nur Freude über sein Debüt…oder kalkulierte Provokation? So gut wie Iokepa insbesondere nach weiblichen Maßstäben auch aussehen mag, für seine Gegner sind die gebräunte Haut, die ausgeprägten Wangenknochen und das makellose weiße Gebiss des „Sun-Kissed Boy“ ein Gesicht zum Reinschlagen.

Viggo geht nicht auf Iokepas Grinsen ein. Aber das stört den GTCWler nicht. Iokepa setzt zum Lock-up an, bricht ihn aber abrupt ab, macht einen flüssigen Cartwheel zur Seite, als Viggo nach ihm schlägt. Viggo dreht sich irritiert mit. Da ist Iokepa schon in die Seile gesprungen, federt zurück.

Springboard Back Elbow!

Der Treffer sitzt. Viggo stolpert in die Seile und hängt dort wie ein angeknockter Boxer. Der erste Wirkungstreffer in diesem Kampf. Das Publikum beginnt zu spüren, dass dies (mindestens) ein Duell auf Augenhöhe ist. Iokepa zögert nicht. Er nimmt Anlauf, sprintet los, doch diesmal denkt Viggo gut mit. Er wirft sich auf den Boden, lässt Iokepa über sich hinwegspringen. Auch wenn die Intention eine andere gewesen sein dürfte: Er wollte den Hawaiianer unkonventionell abräumen. Hat aber dessen Spritzigkeit unterschätzt. Iokepa federt aus den Seilen zurück, springt über Viggos tiefen Angriff hinweg und landet sicher auf den Füßen. Als Viggo sich aufrichtet, trifft ihn ein scharfer Kick in den Rücken.


Pete: „Fantastischer Beginn von Iokepa. Er hat eindeutig die Zügel in der Hand. Lampenfieber ist ihm nach anzumerken. Bislang bringt er die Nachwuchs-Leistung 1 zu 1 ins Main Roster.“


Iokepa bleibt dicht dran. Er zieht Viggo herum und reißt ihn mit einem Arm Drag zu Boden. Viggo rutscht über die Matte, kommt auf ein Knie, blickt hoch. Iokepa steht bereits wieder. Ein Fluchen tritt auf Viggos Lippe. Kopfschütteln beim Londoner. Es ist ein kurzer Moment, in dem seine Maske fällt; ein Augenblick, in dem klar wird: Das hier läuft nach Iokepas Rhythmus. Und bisher weiß Viggo nicht, wie er zum Dirigenten dieses Fights wird. Kaum ist Viggo auf einem Knie, schießt der Sun-Kissed Boy vor, hakt das Bein ein und reißt ihn mit einem Russian Leg Sweep erneut auf die Matte. Viggo schlägt auf, rollt sich instinktiv Richtung Ecke, doch Iokepa ist schon unterwegs. Ein Basement Shotgun Dropkick trifft direkt in den Rücken, presst Viggo gegen das unterste Polster.


Sven: „Völlig einseitig bislang. Man könnte meinen, hier kämpft Aldo Nero.“

Pete: „Aldo Neros GFCW-Beginn war ja nicht so erfolgreich, er brauchte einige Zeit.“

Sven: „Ich brauche Zeit, um deine Ignoranz zu verarbeiten. Jeder, der nicht sofort ALDO NEROs Talent gesehen hat, ist bescheuert..“


Iokepa zieht Viggo hoch, kontrolliert dessen Arm, verdreht ihn. Dann schleudert er Viggo mit einem Arm-Trap Snap Suplex auf die Matte. Brücke zum Cover.

Eins.

Zwei.

Kickout.

Viggo dreht sich nach seinem Kickout sofort weg, atmet schwer, versucht Abstand zu gewinnen. Iokepa jedoch bleibt gelassen, hebt ihn erneut an, schickt ihn in die Seile. Viggo schwingt zurück. Beim Zurückkommen fängt Iokepa ihn ab, springt einen Spin Kick an Viggos Brust. Es ist kein schwerer Treffer. Aber einer, nachdem Viggo frustriert auf die Matte boxt. Er sieht bisher kein Land. Nicht im Ansatz. Aber nicht einmal für seinen Frust ist Zeit, denn Iokepa ist schon wieder da. Er zieht Viggo in einen Headlock am Boden, presst das Gewicht nach unten. Kein Aufgabegriff, eher Kontrolle. Aber gegen ein Muskelpaket wie Viggo ist das eine (zu) optimistische Aktion. Viggo windet sich, stemmt die Beine unter sich, arbeitet sich langsam hoch. Er kommt auf die Füße, versucht einen Ellbogen, doch Iokepa lässt los, weicht aus und kontert mit einer schnellen Kick-Kombination. Low Kick, Body Kick, Back Kick. Viggo sackt auf ein Knie.

Iokepa packt ihn am Nacken, zieht ihn in die Ecke. Doch Viggo explodiert plötzlich. Aus dem Nichts umklammert er die Beine des Hawaiianers, hebt ihn mit großer Kraft aus und lässt dann Iokepas Knie auf sein eigenes herunterknallen. Zwei schmerzverzerrte Gesichter, zweimal erstickte Schmerzensschreie. Unkonventionell von Viggo. Aber er lebt noch.


Pete: „Ist das der Moment, in dem Viggo Iokepas Rhythmus brechen kann? Kommt jetzt der Wendepunkt?“


Iokepa will auf den Rückschlag sofort reagieren, stürmt vor, doch Viggo weicht mit einer halben Körperdrehung aus. Packt geschickt den heranlaufenden Gegner, zieht ihn in einen stehenden Reverse Chinlock. Er setzt tief an, zieht den Oberkörper zurück, zwingt Iokepa in die Knie. Für einen Moment wird es ruhiger im Ring. Ein Moment zum Durchatmen für die Zuschauer, während es in den ersten längeren Hold geht. Doch Iokepa arbeitet sich hoch, schlägt mit dem Ellenbogen nach hinten. Er hat nicht vor, Viggo allzu lange in der Dominanz zu lassen. Mit viel Leidenschaft und Einsatz gelingt es ihm, Viggos Arm zu umklammern und von seinem Hals zu lösen. Viggo wehrt sich… aber Iokepa setzt sich durch. Er löst den Griff, doch es kostet sichtbar Kraft.

Iokepa will das Momentum zurückholen, das er vor knapp anderthalb Minuten verloren hat. Er springt auf, kaum dass er wieder frei ist. Orientiert sich kurz im Ring. Dann nimmt er Anlauf, springt athletisch auf das zweite Seil, dreht sich halb ein. Es ist die Vorbereitung einer Springboard Aktion. Doch: Genau in diesem Moment reagiert Viggo. Er stößt sich selbst vom Boden ab, springt Iokepa auf den Ropes entgegen und reißt ihn mit einer Huracanrana, die Huracán Ramírez benannt ist und deshalb so geschrieben wird, auch wenn Hurricanrana keine falsche Schreibweise ist, herunter.


Sven: „Wirkungstreffer!“


Viggo ist jetzt on fire. Er setzt sofort nach, kaum dass Iokepa sich schwankend hochrappelt. Der Körperschwerpunkt des Londoners bleibt niedrig, er feuert eine Calf Kick-Serie in Iokepas Bein. Einer, zwei, drei Treffer. Iokepa geht auf ein Knie, hält sich am Oberschenkel fest. Viggo richtet sich auf, der Blick fokussiert, das Publikum spürt den Wechsel der Oberhand.

Viggo nutzt das Momentum. Er greift Iokepa am Arm, zieht ihn hoch und trifft ihn sofort mit einem weiteren Calf Kick, diesmal direkt in das bereits bearbeitete Bein. Iokepa knickt wieder ein und kann nicht reagieren als Viggo Speed aufbaut. Der Londoner nimmt Anlauf und trifft mit einem harten Running Dropkick direkt auf die Brust, der Iokepa wie einen Spielball rückwärts in die Ecke schleudert. Gefühlt wird jegliche Luft aus Iokepas Lungen getrieben. Mit einem langgezogenen „Uff“ sinkt er zu Boden. Kauert vor der Ringecke.


Sven: „Das wäre Aldo Nero nicht passiert.“

Pete: „Was genau? Er hätte keine Atemnot nachdem er mit dem Rücken ans Polster knallt? Warum genau?“

Sven: „Weil…Aldo Nero…“

Pete: „Ja?“

Sven: „Er kann besser atmen als ein normaler Mensch. Da bin ich mir sicher.“


Viggo zögert nicht. Er sprintet nach, trifft mit einem Forearm den grad wieder aufstehenden Hawaiianer, zieht Iokepa dann aus der Ecke und schleudert ihn mit Schwung zu Boden. Viggo geht direkt nach, hakt die Arme ein und rollt sauber in die Bridging Double Chickenwing. Die Brücke steht, der Griff sitzt tief. Viggo will die Submission durchziehen, aber bevor er Iokepa auf der Matte fixieren kann, rutscht dieser zur Seite raus. Viggo macht aus der Not eine Tugend, rollt Iokepa herum und legt sich auf ihm.

EINS…

ZWEI…

KICKOUT!

Mit einem deutlich zufriedeneren Ausdruck als noch vor einigen Minuten stemmt sich Viggo hoch. Dass er Pin kein Erfolg war, stört ihn nicht. Damit hat er ohnehin nicht gerechnet. Es war mehr…ein Statement. Sie spielen hier in seinem Roster. In seinem Jahr.

2026.

Viggos Jahr. Davon ist er überzeugt.

Viggo greift Iokepa am Kopf, greift in dessen Haare. Zieht ihn hoch und schickt ihn hart in die Ringecke. Iokepa prallt mit derartiger Wucht in die Polster, dass er fast einen Überschlag macht. Er bleibt einen Moment hängen. Dann sackt er zu Boden und bleibt direkt vor dem Ringpfosten liegen.

Viggo zeigt nach oben.


Sven: „Das ist die Gelegenheit für Viggos ‚The Choice‘. Er steigt aufs Top Rope.“


Auch das Publikum erhebt sich. Denn es weiß: Wenn der Engländer seinen Imploding 450°-Splash hier durchbringt, dann endet Iokepas Debüt zu 99% mit einer Niederlage. Egal, wie gut er bis hierhin mitgehalten hat. Viggo versichert sich kurz, dass der Hawaiianer noch liegt, dann greift er links und rechts in die Seile, springt aus dem Stand auf dem Top Rope und steht – wie es für einen Imploding Splash sein muss – mit dem Rücken zur Matte oben.


Pete: „Iokepa kommt hoch!“


Abermals entfährt Viggo ein Fluchen. Just als er die Aktion springen wollte, sieht er aus dem Augenwinkel, dass sein Gegner nicht mehr dort liegt, wo er ihn haben muss. Und jetzt ist Viggo richtig in Gefahr. In verwundbarer Position. Und natürlich sieht Iokepa das aus. Er rappelt sich hektisch auf und greift nach Viggo, bevor dieser vom Top Rope herunterkommen kann.


Sven: „Iokepa versucht, Viggo vom Top Rope zu powerbomben!“

Pete: „Viggo klammert an den Seilen, als hinge davon sein Leben ab. Das Beste, was er in dieser Situation machen kann.“


Iokepa zerrt und zerrt. Aber Viggos Griff in die Seile ist zu robust. Er schafft es nicht, den Engländer wegzuziehen und zu Boden zu pfeffern. Als Viggo auch realisiert, dass er zunächst sicher ist, traut er sich etwas mehr.

Er beginnt, nach Iokepa zu treten.

Ein Glückstreffer trifft den Hawaiianer direkt im Gesicht. Iokepa muss Viggo loslassen. Er hält sich die Nase und stolpert in die Ringmitte. Endlich ist Viggo wieder frei, die Erleichterung kann man in seinem Gesicht ablesen. Zwar ist Iokepa auf den Beinen und damit nicht in der richtigen Position für den Choice…

…aber Viggo hat genügend andere Sachen im Repertoire, die er anstellen kann.

Viggo dreht sich auf den Seilen, so dass er jetzt frontal zum Ring steht. Iokepa ist in der Mitte des Ringes angekommen. Nicht gerade die Hand vom Gesicht. Offenbar ist an der Nase alles heile geblieben, benommen ist er trotzdem.

Das Gelegenheitsfenster für Viggo öffnet sich. Er richtet sich auf den Seilen auf.

Und springt ab.

In einen Double Knee Facebreaker!

OOOOOOOH!“


Pete: „Das ist der SUNSHINE! Iokepas Finisher!“

Sven: „Und Viggo springt genau rein.“


Wie ausgeknockt bleibt Viggo auf der Matte liegen. Der Sunshine hat bei GTCW schon genügend Gegner in der normalen Ausführung besiegt – aber jetzt, aus Viggos Sprunghöhe, war er nicht weniger als verheerend.

Iokepa geht auf Viggo zu. Dreht ihn herum. Legt sich auf ihn.

EINS…

ZWEI…

DREI!


Pete: „Viggo verliert seine eigene Open Challenge!“


Sieger des Matches durch Pinfall: Iokepa!




Die Ringglocke macht es offiziell. Iokepa gewinnt – als Überraschungsteilnehmer einer Open Challenge – gegen den ehemaligen Intercontinental Champion Viggo.

Im Publikum sind einige ‚Eingeweihte‘ zu sehen, die sich zu ihren weniger informierten Nachbarn herüberbeugen und besserwisserisch zu sagen scheinen: „Ich habs dir doch gesagt!“. Gesagt, dass hier kein Nobody kommt. Sondern das nominell größte Talent aus der GFCW-Nachwuchsschmiede namens GTCW.

Iokepa richtet sich auf und streckt die Arme der Hallendecke entgegen. Das Publikum jubelt ihm zu. Bei GTCW hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Nein, aber dies ist ein neues Kapitel. Hier ist der für die Massen der (scheinbare) Nobody, der gerade mit einem Riesenerfolg und einem wirklich ansprechenden Match gestartet ist.


Pete: „Bleibt es bei diesem Auftritt, Sven? Oder sehen wir Iokepa öfter…nach diesem Auftritt wird das Office ihn eigentlich kaum aus dem Programm nehmen können.“


Der Hawaiianer steigt, wie schon vor dem Kampf, aufs Top Rope. Er grinst den Fans zu – irgendwo an der Grenze zwischen selbstbewusst und überheblich. Aber wann, wenn nicht nach einem solchen Debüt, kann er es sich das leisten?

Dann passieren zwei Dinge gleichzeitig: Peter Cleven bekommt den GTCW-Titel gereicht und gibt ihn an Iokepa weiter. Und jemand kommt durch den Vorhang.


Pete: „Da ist Tammy! Zeit für ein…In-Ring-Interview?“


Mit all ihrer Entschlossenheit, und einem Mikro in der Hand, legt Tammy den Weg Richtung Squared Circle zurück. Es wäre sicher auch spannend, Viggo nach seiner Niederlage und dem schlechten Jahresstart zu fragen…doch den geknickt wirkenden Engländer ignoriert sie völlig, als dieser ihr auf der Rampe entgegenkommt. Stattdessen hat die Interviewerin nur Augen für den strahlenden Youngster. Iokepa hat Tammy mittlerweile bemerkt und wartet, den GTCW-Titel auf der Schulter, auf sie.

Kaum dass Tammy auf der Matte angekommen ist, sprudelt auch schon die erste Frage aus ihr heraus.


Tammy: „Iokepa. Was für ein Auftakt ins neue Jahr. Ein sensationelles Debüt, ein überzeugender Sieg. Kann man an einem solchen Tag noch glücklicher sein?“


Sie strahlt den Hawaiianer an. In der Erwartung, dass dies ein einfaches, positives Gespräch wird. Schließlich ist alles gut für Iokepa. Oder nicht? Doch Tammys Skepsis an ihrer Einschätzung wächst, als Iokepa als Reaktion auf ihre Frage das Grinsen einstellt und nachdenklich zu Boden schaut.

Dann beginnen seine Zähne zu mahlen. Und mit ernster Miene greift er nach Tammys Mikrofon.


Iokepa: „Man kann.“

Tammy: „Das überrascht mich…wie meinst du das?“


Der Neuling wischt sich sein vom Schweiß nasses Haar aus dem Gesicht. Er rümpft die Nase. Seine Stimme ist hart und ernst.


Iokepa: „Jeder hat gesehen, was ich leisten kann. Ich war Viggo nicht nur ebenbürtig, ich war besser. Und ich sage dir und dieser GFCW-Galaxy eines: Das trifft nicht nur auf mich zu, sondern auch auf andere Wrestler, die seit Jahren im Nachwuchs darauf warten, ihre Chance zu bekommen.“


Er dreht den Kopf, nur ein kleines Stück, und schaut der Interviewerin direkt in die Augen.


Iokepa: „Beantworte mir eine Frage: Welches Jahr haben wir, Tammy?“

Tammy: „Ist das rhetorisch gemeint? Äh…2026.“

Iokepa: „Ja, es war eine rhetorische Frage. Aber du hast sie falsch beantwortet. Wir haben das Jubiläumsjahr. 25 Jahre GFCW. Ein Jahr, in dem sich die Liga dauerhaft selbst feiern wird.“


Mit der Hand deutet Iokepa auf das bereits gut angebrachte Anniversary-Logo. 25 Jahre GFCW. Es hängt in mehreren Ausführungen in der Turbinenhalle. Vor dem Entrance, am Kommentatorenpult.


Iokepa: „Ich finde zu einem Jubiläum gehören zwei Sachen: Einerseits die Vergangenheit ehren, keine Frage. Ohne sie wäre man nicht auf 25 Jahre gekommen. Andererseits, und das ist für mich noch viel wichtiger, gehört auch dazu, in die Zukunft zu blicken. Wege aufzuzeigen, wie die nächsten 25 Jahre noch viel besser werden als zuvor. Aber genau dieser Teil…fehlt.“

Tammy: „Kannst du vielleicht genauer we..- “

Iokepa: „Genau das hatte ich gerade vor, Tammy. Seit zweieinhalb Jahren warten ich und andere darauf, unsere Chance zu bekommen. Vor jedem PPV und vor jedem War Evening hockt man zuhause oder im Performance Center und wartet auf den Anruf, dass man endlich seine Sacken packen und herkommen soll. Aber was passiert? Nichts.“


Ein Seufzen. Iokepa wendet sich vom Mikrofon ab, schüttelt mit dem Kopf. Doch noch immer ist nicht alles gesagt, was ihm auf der Zunge liegt. Und so greift Sekunden später abermals nach Tammys Arm und zieht sie heran, damit das Mikro an seinen Lippen ist.


Iokepa: „Dann kommt das Jubiläumsjahr. Du denkst, jetzt ist endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem das Office die Nachwuchsförderung ernst nimmt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Stattdessen…wieder Funkstille.“


Die Stimme des sonst so gut gelaunten Mannes wird immer mehr zu einem Zischen. Während einige Menschen im Publikum zustimmend nicken, sind andere angesichts des negativen Tonfalls immer genervter und lassen sich zu Buhrufen hinreißen.


Iokepa: „Nachwuchsförderung heißt für diese Liga offenbar, Kooperationen mit anderen Ligen abzuschließen und ein Showroom zu sein. Oder wahllos Nobodys in einen Förderkader zu packen und eine Casting-Show vor laufenden Kameras zu veranstalten. Aber wo bleiben die Leute, die seit fast drei Jahren darauf harren, der neue Kern der Liga zu sein? Diejenigen, die Woche für Woche im Performance Center daran arbeiten, der GFCW Identität zu geben.“

Tammy: „Ich verstehe. Du bist frustriert, weil…-“

Iokepa: „Ich – bin – nicht – frustriert! Ich sage nur die Wahrheit. Und weißt du, was das Allerschlimmste ist?“


Mit großen Augen, und einer Spur Unsicherheit, blickt Tammy ihr Gegenüber an.


Tammy: „Ist das wieder rhetorisch?“

Iokepa: „JA.“


Ruckartig rückt Iokepa sein GTCW Gold auf der Schulter zurecht. Mit einer guten Spur Trotz.


Iokepa: „Das Allerschlimmste ist, wie sehr diese Liga in der Vergangenheit festhängt. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, holt man irgendwelche Altstars zurück. Letztes Jahr hat Jason Crutch ein Jahr um einen Titel gekämpft, der für Leute wie mich sein sollte. Dieses Jahr – in das verdammte Jubiläumsjahr – starten wir mit dem Comeback von Morbeus, der an die 50 und weit über seinem Zenit ist. Unsere Anniversary Show, die der Startschuss in die Zukunft sein sollte, steht im Schatten des Abschieds von Robert Breads. Einem, der seit Jahren nicht mehr der ist, der er einst war…aber anscheinend ist es einfacher für das Office, die Nostalgiewelle zu reiten.“


Buhrufe von den Breads-Sympathisanten im Publikum. Auch der Shot gegen Morbeus kommt nicht gut an, schließlich freuen sich hunderte Menschen in der Turbinenhalle, dass der ehemalige Champion wieder regelmäßig zu sehen ist. Manche der Fans jedoch lauschen dem Vortrag Iokepas andächtig und nicken immer wieder zustimmend. Es sind gemischte Reaktionen.


Iokepa: „Vergangenheit, Vergangenheit, Vergangenheit. Scheinbar ist es, wenn man das x-te Schwanenburg-Comeback nicht organisiert bekommt oder Crutch nicht mehr will, greift man sogar noch tiefer in die Mottenkiste anstatt mal einem wie mir die Chance zu geben.“

Tammy: „Worauf willst du hinaus?“

Iokepa: „Was ist mit Mad Dog? S1margl, Nelson Friedrich Töle, Whatever. Er hatte vor zehn Jahren mal einen anständigen Run bei uns. Anscheinend langt das, um im Alter von 50 noch immer einen Vertrag in den Arsch geschoben zu gekommen, mit dem man gegen einen anderen Oldie antreten kann. Wie wäre es, wenn man den Spot stattdessen jemandem gegeben hätte, der dieser Liga länger als 1-2 Jahre hätten helfen können, hm?“


Seine rhetorische Frage richtet sich diesmal nicht an Tammy, sondern an höhere Instanzen. Passend dazu blickt Iokepa mit ernster Miene direkt in die Kamera. Dann greift er nach seinem Titelgold, hält es in einer Hand.


Iokepa: „Dies ist der GTCW Title. Der höchste Preis im Nachwuchs.“


Er streckt den Belt in die Luft. Kameras klicken, die Platte glänzt im Scheinwerferlicht.


Iokepa: „Dreimal habe ich ihn mittlerweile gewonnen. Was – wenn nicht dieses Gold zu gewinnen und zu verteidigen – muss man denn eigentlich machen, um endlich mal Anerkennung zu bekommen, auch ohne einen großen Namen zu besitzen? Es ist, als würde dir jemand einen Schlüssel aushändigen und dann das Licht ausschalten, damit du die Tür nicht findest.“


Der Hawaiianer senkt den Titel in seiner Hand. Hält ihn sich direkt vors Gesicht. Und plötzlich ist eine gute Spur Traurigkeit in seinen Augen.


Iokepa: „Hiermit lege ich den GTCW Title mit sofortiger Wirkung nieder.“


Raunen im Publikum. Dann lässt Iokepa seinen Worten Taten folgen – und händigt den Titel an eine perplexe Tammy aus. Die Interviewerin weiß gar nicht, wie sie den schweren Belt handlen soll. Hält ihn schließlich mit der freien Hand direkt an der Platte.


Iokepa: „Ich habe gemerkt, dass man dieses Spiel nicht auf dem Weg spielen kann, der dir vorgegaukelt wird. Du musst deinen eigenen Regeln folgen. Wenn die GFCW mich nicht aus dem Nachwuchs holt – dann tue ich es hiermit selbst!“


Sein Haar schwingt nach hinten, als er den Kopf in den Nacken wirft. Bevor Tammy reagieren kann, reißt Iokepa ihr das Mikrofon völlig in der Hand.

Der Hawaiianer läuft einige Schritte durch den Ring. Betrachtet auf allen Seiten das Publikum.


Iokepa: „Ich gehe nicht mehr weg. Und wenn ich Show für Show beweisen muss, dass die Zukunft dieser Liga nicht Mad Dog heißt…“


Er stampft trotzig auf die Matte.


Iokepa: „…dann werde ich das tun.“



Mit einem freudigen Lächeln strahlt Tammy in die Kamera und bekommt dafür prompt ein wenig Applaus aus der Halle. In ihrem Lächeln spiegeln sich selbstredend ihre Professionalität und ihre Erfahrung – wie viele Interviews mögen es wohl über die Jahre gewesen sein?
Und dennoch bemerken jene, die sie besser kennen als der geneigte Zuschauer, in diesem Moment am leichten Beben ihrer Oberlippe die kleine Nervosität, welche sich heute ob ihres Gesprächspartners mit der für ihren Berufszweig so typischen Neugier ein freudiges Stelldichein zu geben scheint.


Tammy: „Der Jubel bei Title Nights war groß, doch die Fragezeichen hinter dem Auftritt noch viel größer. Ich spreche vom Auftauchen des ehemaligen PCWAlers, Mad Dog, der nach dem Match von Robert Breads plötzlich im Ring stand, um ihn lediglich zu seinem Sieg zu beglückwünschen.“


Die Interviewerin lässt mit einer gekonnten Pause die Erinnerungen an diesen Moment vor dem inneren Auge der Zuschauer noch einmal lebendig werden. Das GFCW Urgestein Breads im Ring… dann dieser unbekannte Bekannte und ein seltsamer Handshake.


Tammy: „Robert Breads hat uns eben verkündet, dass es in zwei Wochen Mad Dog versus Robert Breads heißt. Doch wieso? Wieso dieses Comeback? Was treibt den Hund an? Was will er hier in der GFCW?“


Sie zieht fragend die Augenbrauen zusammen und blickt gen Himmel, ehe sie wieder ihr bezauberndes Lächeln auflegt, um die knisternde Spannung auf die sympathischste Art und Weise zu befeuern.


Tammy: „Neben mir steht nun Mad Dog, der Night Fighter oder - wie ihn manche hier noch kennen - Simargl. Wer könnte die Frage, was sein Gastspiel in der GFCW soll, besser beantworten?! Also, Mad Dog, worauf muss sich die GFCW einstellen?“


Während die Menge johlt und jubelt, schwenkt die Kamera herum und nimmt den Veteranen ins Close-up. Wie eh und je fallen ihm seine halblangen wild herumhängenden braune Haare teilweise ins Gesicht, können aber nicht die pure Erfahrung verdecken, die aus seinem faltigen aber sonst doch auffallend weichen Gesichtszügen hervorplustert. Ein vorfreudig anmutendes Grinsen umrahmt der von vielen grauen Haaren gespickte Bart. Doch vor allem jene markanten, dunklen und grünen Augen, die sich wie Messer durch die Linse der Kamera in die Augen der Zuschauer bohren, fesseln einen sofort.
Dabei sind es nicht die pure Präsenz und leichte Verrücktheit in ihnen, die einen nicht loslassen – nein. Vielmehr ist es das Leid, das in ihrer Mitte aufblitzt und jedermann wie einen Nichtschwimmer im Ozean hinabzuziehen droht. Hinein in das Leid, was dieser Mann ertragen musste… und gleichzeitig jenes Leid, das er andere ertragen hat lassen.


Mad Dog: „Worauf die GFCW sich einstellen muss?! Weiß ich nicht – mir geht es erstmal nur darum, worauf sich Robert Breads einstellen muss. Ich bin hier, weil ER hier ist; vielmehr weil er seine Abschiedsrunde macht und zwischen uns in meinen Augen noch etwas offen ist… Dieses eine Match! Wenn ich noch einmal die Chance haben kann, mich mit ihm im Ring zu messen, dann ist sie jetzt, huh?! Also habe ich sie beim Schopfe gepackt und kann kaum die zwei Wochen abwarten, ehe es soweit ist… Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“


Tammy schiebt kurz – etwas enttäuscht – die Unterlippe nach vorne, bevor sich schon die nächste Frage auf ihren Lippen formt.


Tammy: „Gut, dann sprechen wir doch über das Match bei der kommenden Ausgabe von War Evening und die Vorgeschichte. Robert Breads meinte, dass sie sich letztlich ihm werden beugen müssen - so wie es auch in der PCWA gewesen sei.“

Mad Dog: „Tzz.“


Dem Night Fighter entfährt ein verächtliches Schnauben. Dann schnalzt er kurz mit der Zunge, lächelt sogar.


Mad Dog: „Es belustigt mich, dass er immer noch so großkotzig daher redet wie einst… Aber wenn mich nicht alles täuscht, habe ich da ebenso eine Menge Respekt in seinen Worten gehört. Herz und Seele der PCWA, schwieriger Gegner, an dem er zu kauen hatte und so… Und auch ich teile den Respekt für seine Leistungen und Erfolge, sein Wrestling, die Gradlinigkeit und Kompromisslosigkeit im Ring – er ist einer meiner besten Gegner gewesen. Zu 100%. Und hat stets für die eine Sache gekämpft, die auch für mich immer im Fokus lag: Der wahre Triumph.“

Tammy: „Ein Sieg, den man selbst errungen hat – ohne Eingriffe von außen oder andere unfaire Aktionen.“


MD nickt und Tammy freut sich darüber, ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.


Mad Dog: „Exakt.“


Der respektvolle Gesichtsausdruck des verrückten Hundes verfinstert sich nun.


Mad Dog: „Doch wie typisch ist es für ihn, es nicht dabei zu belassen, huh?! Er bringt diesen lächerlichen Vergleich unserer Erfolge in GFCW und PCWA, er meint mich in Berlin letztlich hinter sich gelassen zu haben und überhaupt schwingt in jedem seiner Worte sein übergroßes Ego mit, das keinen Selbstzweifel kennt.“


Ein wenig nachdenklich legt MD die Stirn in Falten. Hier und da waren es bei ihm jene Selbstzweifel, die ihm den ein oder anderen Triumph verbaut hatten.


Tammy: „Das heißt – die Situation in der PCWA hat sich anderes gestaltet, als von Breads behauptet?“

Mad Dog: „Ich habe ihm auf dem Höhepunkt meiner Karriere als jungen und aufstrebenden Superstar ein Titelmatch auf den PCWA Titel gegeben und den Titel verteidigt. Als ich ihn dann später los war, bin ich in ein Loch gefallen – und in diesem Moment der Schwäche hat er mich besiegt. Er lief die Karriereleiter empor, ich fiel sie hinab… es war ein langer und beschwerlicher Weg für mich, immer wieder aufzustehen. Niederlage um Niederlage abzuhaken. Weiterzumachen. Das bröckelnde Vertrauen der Fans aber konnte ich nur kriegerisch angehen und ihnen ins Gesicht spucken… Leider.“


Sein Wandel zu Simargl, der auch auf die GFCW überging, wo er Zereo Killer bekriegte.


Mad Dog: „Wenn mich nicht all meine Erinnerungen täuschen, ist Breads allerdings, nachdem ER den PCWA Titel verlor, einfach abgehauen. Er hat sich nicht gestellt. Ist nicht durch Täler gegangen. Stattdessen kam er irgendwann zurück, um die Tag-Titel zu gewinnen, nur um nach ihrem Verlust direkt wieder die Segel zu streichen und Berlin für immer den Rücken zu zukehren.“


Herz und Seele der PCWA fletschen wutentbrannt die Zähne.


Mad Dog: „Aber natürlich erzählt er hier von seinen großen Siegen, seinen Titeln. Dabei wusste er sich stets aus der Affäre zu ziehen, wenn es eng wurde – wenn er wirklich auf sich zurückgeworfen worden wäre. Auf sich allein. Vielleicht erst jetzt. Vielleicht sieht er erst jetzt – auch wenn er es nicht so darstellen will – seine Felle davon schwimmen. Da ist der nahende Kontrollverlust, die bohrende Frage, warum man verliert, obwohl man doch nichts anders gemacht hat – ebenso fit ist, vielleicht fitter, ebenso wach ist, vielleicht wacher, den gleichen gottverfickten Gegner hat und doch die Schulter nicht mehr hochbekommt. FUCK OFF.“


Der Fighter ballt die Faust.


Mad Dog: „Er meint noch alles unter Kontrolle zu haben – zumindest bis zu seinem Abschied. Das ist sein Rettungsanker. Bis dahin kann er sich noch aufraffen, die Kräfte mobilisieren, die Fassade, die Maske aufrechterhalten, der Beste zu sein. Den großen, niemals zweifelnden Robert Breads zu spielen. Doch was ist, wenn die Kameralinse aus ist? Was ist, wenn eine Bedrohung vor ihm steht, die er nicht kalkulieren kann. Weil sie alle Masken abgelegt hat und wieder anzieht, wie sie will. Weil sie ihm den Spiegel vorhält, den Spiegel des Zweifels, des Abgrunds und des Nichts!“


Nun ist es nur noch die Kameralinse, die Mad Dog fixiert. Und seine Worte, sein Blick gilt einzig und allein Robert Breads.


Mad Dog: „Ich, Robert, ICH bin diese Bedrohung! Ich bin die unbekannte Konstante auf deiner Abschiedstour. Und du wirst mit deinen Schultern auf dem Boden liegend erkennen, dass wahre Größe… wahre Stärke… nicht im Ansagen, sondern im Versagen, nicht auf dem Berg, sondern im Tal, nicht am Tag, sondern in der Nacht gezeigt wird!“


Spricht der Night Fighter entschlossen in die Kamera.


Mad Dog: „Welcome to YOUR…“


Das letzte Wort, das alles Bisherige nochmal bestätigen und untermalen soll, spricht er leise, ja, fast geflüstert in die bedrohlich knisternde Stille.


Mad Dog: „Nightshow!“


Pete: „Huihuihui – da ist einer aber wild entschlossen, Robert Breads bei der nächsten War Evening entgegen zu treten!“

Sven: „Man, das wird ein klasse Fight! Die beiden werden sich nichts schenken.“

Pete: „Auch wenn beide doch etwas in die Jahre gekommen sind. Robert Breads kennen wir ja noch aus dem Ring, aber auch Mad Dog sah gut trainiert aus.“

Sven: „Sein letztes Match ist gut vier Jahre her. Ganz schön mutig, diese großen Worte zu verkünden – aber andererseits würde ein Mad Dog das auch nicht tun, wenn er nicht denken würde, gewinnen zu können.“

Pete: „Robert Breads versus Mad Dog bei der nächsten War Evening! Kreiden sie es im Kalender an, das wird heiß!“


Bevor es nun zum Hauptkampf des heutigen Abend geht, scheint es noch weitere offene Programmpunkte zu geben. Und einer davon, ist einer der größten Punkte, die es in der GFCW gibt: der GFCW-Champion. Und dieser… wechselte bei Title Night seinen Besitzer.



Laut, lauter und so laut wie die GFCW-Galaxy nur kann, brüllt sie sich nun die Seele aus dem Leib, als die Musik des ehemaligen, jetzt zweifachen, brandneuen und damit vor allem aktuellen GFCW-Champions eingespielt wird. Noch immer lässt diese Reaktion auf diesen Charakter einem etwas die Stirn runzeln, wenn man bedenkt, dass er einst so verhasst war. Nun ist er aber hier, im tobendendem Jubel… The End.


Sven: „Wie ich ihn hasse. Der ist schlimmer als Kobold Skógur.“

Pete: „Wieso? Weil er fair und ehrlich – so weit es in einem solchen Match eben möglich ist – gewonnen hat?“

Sven: „Bitte? Nein?! Weil diese missratene Type eine wundervolle Vater-Sohn-Beziehung beendet hat! Alles war gut und harmonievoll, bis er hier kam!“

Pete: „Harmonievoll? War die Harmonie dabei mit uns im Raum?“

Sven: „Wagst du es hier wirklich einen der Non-Wrestler des Jahres in Frage zu stellen? Und damit… auch den anderen Non-Wrestler des Jahres?“


End tritt auf die Stage, in dunkler Jeans, Nothgard-Shirt, Lederjacke, mit zusammengebundenen Haaren, vor allem aber natürlich mit dem GFCW-World Championship über der Schulter. Und tatsächlich trägt er auch den richtigen Gürtel, wo er doch bei seiner ersten Regentschaft noch die Corleone-Version getragen hat.

Apropos Corleone, hinter ihm folgt tatsächlich auch Salvatore Corleone, der anders als sein… Schützling?... wieder mal ganz schlicht und bäuerlich gekleidet ist. Da die Temperaturen nun aber alles andere als angenehm sind, hat er sich auch eine alte Jacke übergeworfen. Gemeinsam laufen die Beiden nun zum Ring.

Dabei bleibt uns nun Zeit uns Ends Gemütslage anzuschauen: er wirkt auf jeden Fall glücklich, fast schon leicht süffisant-grinsend arrogant, wie wir es kennen, aber nicht mehr oder weniger, als es ihm nach diesem triumphalen Sieg wohl auch zusteht. Er scheint die Anerkennung der Fans durchaus zu genießen und anzunehmen, zum Abklatschen mit den Fans kann er sich aber noch immer nicht aufraffen.

Salvatore hingegen… nunja, so richtig deuten kann man den ja nie. Ist er nun glücklich? Ist er traurig? Alles ist so in etwa der gleiche Gesichtsausdruck. Eine gewisse Schwermut liegt natürlich trotzdem in der Luft, denn so groß und erfolgreich der Sieg auch war, so hat er dennoch für Kerben in der Familie gesorgt, wenn auch… Aldo sich gegen James Corleone gestellt haben sollte.

Die Beiden erreichen nun aber den Ring, entern ihn und während sie dabei noch für einige Sekunden im Ruhm und Jubel des Publikums baden, stellen sie sich schließlich in die Mitte des Ringes.

Anders als nach Ends erstem Titelgewinn, bleibt die große Siegesfeier heute aus. Und dennoch gibt es Redebedarf, denn die Landschaft hat sich einmal mehr geändert.

Die Menge jubelt noch immer und gerade als End zum Sprechen ansetzen will, brüllt sie erneut laut auf, sodass es einige Zeit dauert, bis The End dann tatsächlich auch zu Wort kommen kann… oder besser gesagt, bis er zu Wort kommen will. Mit einer Geste, bei der er seine Hand in einer Bewegung schließt, signalisiert er dem Publikum, dass er Ruhe braucht.

Und diese geben sie ihm.


The End: „Willkommen… in 2026.”


Man hört heraus, dass End hiermit weniger ein frohes neues Jahr wünschen will als, dass er vielmehr den Wechsel an der Spitze verkündet.


The End: „Das ist nicht das Jahr des Hirsches. Und eine Eroberung wird es auch nicht geben, denn der wahre König ist zurückgekehrt.“


Wieder jubeln die Fans laut auf, sodass sie dabei den nicht ganz versteckten Seitenhieb in Richtung Ask Skógur überhören.

Ist das tatsächlich die Rückkehr des King of Anarchy?


The End: „Und er ist hier, um da weiterzumachen, wo er 2024 unterbrochen wurde.“


Man kommt nicht umhin eine gewisse Spur von Arroganz in Ends Auftreten zu erkennen, die einen vielmehr an den „alten“ End erinnern. Vielmehr noch, diese Ansage klingt sogar etwas… böse?


The End: „Aiden Rotari. Ask Skógur… Aldo Nero. Alle – und ja, ich gebe es ihnen – alles gute Anführer der GFCW und doch kam keiner von ihnen an mich heran und deshalb bin ich zurück an der Spitze, da wo ich hingehöre und wo die GFCW mich benötigt. Als König der Liga.“


Salvatores Blick bleibt stumpf und eisern, während Ends Aussage vielmehr, wie die Rede eines Tyrannen klingt, als der Neuanfang des Befreiers der GFCW aus den Händen von Nero und Corleone.

Ist End… tatsächlich wieder der Alte?

Man sieht nun auch, wie in der Galaxy leise Zweifel aufkommen, was es hiermit wohl auf sich hat. Der Jubel wird verhaltener.

Und dann… schnieft er kurz auf, um diese Arroganz wieder verschwinden zu lassen.


The End: „Nein.

Nein… Ich bin kein König. Und Onkel Sal… ist nicht die Hand des Königs. Ich bin nicht hier um zu regieren. Ich bin nicht… besessen von diesem Titel. Diese Zeiten sind vorbei, die Zeiten der Intrigen, der Pakte, der finsteren Machenschaften.

Ich.

Bin.

Ein Champion.“


Und damit schreien die Fans wieder laut auf – End stellt sich nicht gegen sie, sondern für sie.

Wem er damit wohl wieder meint? Besessen? Das könnte für Ask Skógur gelten, aber ebenso für Aiden Rotari. Letzterer war bereit alles zu tun, um den Titel zu bekommen, wofür ihm jede Intrige recht war, ebenso wie bei Aldo Neros James Corleone. Vor allem wird hierbei aber deutlich, dass End tatsächlich nichts mehr davon hält, sich als ein König zu verstehen. Er ist schlicht und ergreifend ein Champion.


The End: „Ich bin DER CHAMPION der GFCW. Und ich weiß, was das bedeutet. Ich war schon an diesem Punkt und bin auch da vor keiner Herausforderung zurückgeschreckt, ganz im Gegenteil… Zereo Killer, Robert Breads, selbstverständlich Drake… ich wollte die Besten, um meinen Titel zu verteidigen und ich habe sie alle besiegt. Und verloren habe ich nur aufgrund von ihr wisst schon wem.

Aber der… ist jetzt weg und deshalb kann ich tatsächlich dort weitermachen, wo ich aufgehört habe, also…“



WAS?!


Pete: „Och nö.“

Sven: „JAAAAAAA. Mein Co-Non-Wrestler des Jahres ist noch immer da und nicht kleinzukriegen! NIMM DAS END!“


Tatsächlich. James Corleone.

Weite Augen bei Salvatore Corleone. Noch weitere bei The End. Und eine Galaxy im Schock. Es war nicht zu erwarten, dass Corleone noch da ist oder dass wir ihn auf absehbare Zeit wiedersehen, geschweige denn SO schnell.

Aber da ist er. Im Anzug und voller Fassung tritt er auf die Stage. Und das unter seinem eigenen Lied, was wir nur ganz ganz selten zu hören bekommen haben in der GFCW. Und während die Fans nun langsam realisieren, was hier passiert, buhen sie ihn lautstark aus, während er ganz stolz zum Ring marschiert. Es ist ein falscher Stolz, der aussagt, dass er weiß, dass er verloren hat, sich diese Niederlage aber nicht anmerken lassen will.

James Corleone eben.

Und so läuft er zum Ring, betritt diesen, um vor The End und seinem Bruder zu stehen zu kommen.

Der Schock hallt noch etwas nach, bis The End das Wort ergreift, der seine Ungläubigkeit ebenfalls überwunden hat und nun vielmehr spielerisch auf seinen ehemaligen Mentor eingeht, denn er weiß er hat nichts mehr zu befürchten oder zu verlieren. Dort steht ein geschlagener Mann, der scheinbar nur seine letzten Worte sprechen will.


The End: „Hast du dich verlaufen, alter Mann?“


Corleone behält die Fassung, er lässt nichts an sich heran. Vielmehr geht er nun einen Schritt auf The End zu und schaut ihm dabei tief, voller Ernsthaftigkeit in die Augen.

Nicht aus Wut oder Hass. Nicht aus Verbitterung oder mit Rachegefühlen. Selbstverständlich auch nicht aus Stolz oder Anerkennung. Nein, in diesem Blick liegt zu viel, als, dass man es so einfach beschreiben könnte.


James Corleone: „Keine Sorge. Das ist das letzte Mal, dass ihr meine Anwesenheit erdulden müsst.“


Und damit dürfte James Corleone wohl zum einzigen Mal in seiner GFCW-Karriere einen Jubelsturm bekommen haben und dieser ist gleich mal grenzenlos laut. Darüber freut sich wirklich jeder… naja fast.


Sven: „WAAAAAAAAAAAAAAAS!?!?!?!?!?!??!?!?!?!?!?!?!?! NEEEEEEEEEINNNNNNNNNNNNN!“


James Corleone: „Und ich bin auch nicht hier, um in Aldos Namen zu sprechen. Wir wurden allesamt gleichermaßen Zeuge der Wahl, die er getroffen hat. Seitdem habe ich nichts von ihm gehört, was mich zu der Annahme verleitet, dass ihr ihn wohl auch nicht mehr sehen werdet.“


Dabei wird nun auch direkt zu Sven geschalten, dem diese Erkenntnis überfährt wie ein Panzer. Schlagartig wird der kreidebleich und mucksmäuschenstill.

Pete hingegen…


Pete: „Oha! Was sind denn das für allerliebste Neuigkeiten, die meine Ohren da erfahren? Also… nicht, dass ich mich darüber freue, dass Aldo weg ist… aber… ja… was bedeutet das denn dann für unseren Kampf?“


Eine Geschichte für ein anderes Skit.


James Corleone: „Ich bin hier um dir zu gratulieren.“


Jedermann und seine Großmutter weiß, dass das Quatsch ist, deswegen würdigen weder End noch Sal diese Aussage mit einem interessierten Blick und ebenso spricht Corleone direkt weiter.


James Corleone: „Du hast es endlich geschafft, meinen Glückwunsch. Du hast mich endlich besiegt. Das gilt für euch Beide, im Übrigen.“


Corleone spricht zwar direkt zu The End, aber offenbar meint er damit wohl auch seinen Bruder.


James Corleone: „Jetzt hast du Alles, die Familie, den Sieg über Aldo, den GFCW-Championship und die Anerkennung der Fans… und ich… ich habe nichts. Keinen Klienten, keine Familie, keinen Erfolg. Ich bin ein geschlagener Mann, besiegt und für immer vernichtet.“


Man könnte wohl meinen, dass James Corleone hier einen Moment der Reflektion erlebt und ehrlich zu sich selbst und der Welt ist. Vielleicht zum ersten Mal. Aber James Corleone, wäre nicht James Corleone, wenn das, was er sagt, das wäre, was er meint.

In diesem Falle meint er es aber tatsächlich so.

In einem kurzen Aufblitzen in seinen Augen wird deutlich, dass er es selbst weiß.

Es gibt in diesem Falle keine Hintertür. Keine Notlösung. Keine andere Option. Keinen doppelten Boden, keine Intrige, nichts. Er hat nichts in der Hinterhand und nichts im Sinn, keine Handhabe und kein Hoheitslevel. Er hat nichts, er ist nichts.

Title Night war sein Ende.

Und doch… gibt es ein Aber.


James Corleone: „Und jetzt?“


Corleone formuliert diese Frage so, als würde er nun eine Pistole auf The End richten.


James Corleone: „Wie geht es jetzt weiter, nachdem der große, böse James Corleone besiegt ist?“


End scheint noch nicht ganz klar zu sein, worauf Corleone hier hinauswill, aber der ist ja auch noch nicht fertig.


James Corleone: „Du willst also weitermachen, wo du aufgehört hast. Nun, ich frage mich, wo das ist? Bevor dein Untergang begann, war dein Platz an meiner Seite. Und seitdem, war er gegenüber von mir, als Feind. Also frage ich dich erneut, wo willst du weitermachen, wenn es nicht mit oder gegen mich ist?“


Ends Miene verfinstert sich. Jetzt versteht er, was James Corleone meint. Und wie so oft, hat er recht und End weiß es.

Seitjeher war James Corleone die größte Konstante in Ends Leben. Er hat ihn aufgezogen, er war sein Mentor, er hat ihm seinen Weg in die GFCW geebnet, er hat ihn dort jahrelang begleitet, bis er schließlich zu seinem größten Feind wurde.

Aber er war immer da.


James Corleone: „Du denkst, du hast mich besiegt und für den Moment mag das stimmen, aber wie es mir so oft im letzten Jahr gesagt wurde… bin ich der Teufel.“


Corleone mag viel Hohn in diese Selbstbezeichnung zu legen, wobei er diesen Titel vielmehr als ein Kompliment verkaufen zu wollen, als es als den Vorwurf zu sehen, der es ist.


James Corleone: „Und den Teufel kann man nicht besiegen. Nicht endgültig, niemals. Und selbst, wenn das hier heute mein letzter Auftritt sein wird, nachdem ich so vernichtend geschlagen wurde, gibt es eine Gewissheit, die mir als Licht in dieser dunkelsten aller Stunden dient: ich bin in dir.“


End verkrampft seine Fäuste, während nun auch Salvatore realisiert, dass das in eine ganz falsche Richtung geht, was James Corleone hier sagt.


James Corleone: „Jedes Mal, wenn du eine Entscheidung treffen musst, wenn du mit jemandem sprichst, wenn ein Match bevorsteht… jedes Mal, wenn du etwas willst, wirst du jedes Szenario, jeden Weg, jedes potenzielle Ergebnis durchgehen, um eine Antwort auf die wichtigste aller Fragen zu finden – wie, kann ich gewinnen?

Wie… kannst du gewinnen? Weder Aldo noch ‚Onkel Sal‘ oder sonst wer, sind dann von Bedeutung.

In jedem dieser Momente, immer und überall, geht es nur um einen einzigen und das bist du.

Und wann immer du das realisierst… wirst du an mich denken.“


End bleibt ganz ruhig, während Sal ihm nun seine Hand auf die Schulter legt. Sal weiß, dass es nichts bringt hier dazwischen zu gehen, dass muss End allein mit sich ausmachen.

Der wiederum bekommt von der Hand seines „Onkels“ nicht wirklich etwas mit.


James Corleone: „Und irgendwann. Sicher nicht heute, vielleicht nicht mal in einem Jahr. Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wo, aber irgendwann… wirst du zu mir zurückkehren. Du hast es selbst gesagt, ich bin dein Schicksal. Und seinem Schicksal kann man nicht entkommen.

Ich habe dich damals aus der Gosse geholt und dir alles gegeben und dabei haben wir einen Pakt geschlossen. Du hast mir deine Seele verkauft und ob du es nun wahrhaben willst oder nicht, aber dieser Pakt gilt ewig.“


Den Mittelteil dieser Worte richtet Corleone fast noch mehr an Salvatore, denn das waren vor fast genau einem Jahr dieselben Worte, die er zu James und Aldo gesagt hat. Er hat Ends Rückkehr verkündet, die Ende des vergangenen Jahres auch kam. Und jetzt scheint Corleone zu verkünden, dass End irgendwann zu ihm zurückkehrt. Wann auch immer das sein mag.

Corleone strahlt noch immer die Aura eines geschlagenen Mannes aus. Er versucht hiermit nicht sich frei zu sprechen oder irgendwie doch noch das letzte Wort zu haben, es ist vielmehr so, als wolle er diese unschöne Wahrheit aussprechen, von der The End genau weiß, dass sie da ist.

Corleone wird immer über ihn schweben und ja, ein Teil von James Corleone wird auch immer in ihm leben.

Corleone ist der Teufel auf Ends Schulter, doch glücklicherweise… hat er ja auf der anderen auch noch einen Engel.


Salvatore Corleone: „Das werde ich nicht zulassen.“


Sowohl Inspirational Jims als auch Ends Blick wandern zu Sal, dessen Einspruch sogar einen lautstarken Pop aus den Zuschauerreihen erringt.


Salvatore Corleone: „Ich kann den Einfluss, den du auf End, wie auch auf Aldo hast, nicht leugnen. Aber ich werde ihn immer bekämpfen, solange ich das noch kann. Du hattest diese Familie viel zu lang in deiner Gewalt und damit ist jetzt Schluss. Also tu, was du sagst und verschwinde in deinem Loch. Ich werde dafür sorgen, dass nie passieren wird, was du gerade gesagt hast.“


Während dieser Worte hat James zu Sal geschaut, doch nachdem er damit durch ist, wandert dessen Blick wieder zu The End, der ihm noch immer wortlos gegenübersteht.


James Corleone: „Bruder. Ich hoffe du kannst jetzt gut schlafen, aber selbst der schönste Traum, wird nichts daran ändern, dass am Ende IMMER das Böse gewinnt.“


Sowohl James als auch Salvatore wissen, dass Sals Worte zwar durchaus schön klingen, es aber nie vollends gewiss sein wird, ob End oder Aldo James Wirkung wirklich gegenhalten können.

Diese Beziehung übersteigt die Zeit in der GFCW und so wird sie wohl auch ewig anhalten und Salvatore kann selbstverständlich alles in seiner Macht Stehende versuchen, um die Jungs vor seinem Bruder zu bewahren, aber wie schon gesagt…

er ist der Teufel.

Nach einem finalen Blick will sich James Corleone nun wegdrehen, doch…


The End: „Ich werde es genießen.“


Corleone schaut wieder zu seinem ehemaligen Schützling. Etwas fragend, als würde er nicht verstehen, worauf End hinauswill.


The End: „Du hast mich gefragt, was jetzt. Wie geht es weiter? Ich werde es genießen, denn zum ersten Mal seit vielen, vielen, seit ewig vielen Jahren, fühle ich mich… frei.

Frei von dir. Frei tun und lassen zu können, was ICH will. Und das auf der Spitze der GFCW. Oh ja, ich werde es genießen… und wie. Vor allem werde ich es aber genießen, zu wissen, dass du… wo auch immer du dich verkriechen wirst… dort auf mich wartest. Bis zu dem Tag, an dem ich angeblich zu dir zurückkomme. Aber diesen Gefallen, werde ich dir nicht tun.

Ich brauch dich nicht mehr, Aldo brauch dich nicht mehr, niemand braucht dich. Und deshalb, Teufel… schmore in der Einsamkeit deiner Hölle.

Machs gut, alter Mann.“


End und Corleone schauen sich intensiv in die Augen. End scheint diese Worte mit der nötigen Überzeugung herüberzubringen und dennoch scheint Corleone noch überzeugter von seinen eigenen.


James Corleone: „Machs gut, Junge.“


Und damit wendet er sich ab. Diese letzte Verabschiedung hat dabei etwas… fast schon… stolzes? Als… als würde James Corleone hiermit Ends abgeschlossene Ausbildung anerkennen? Naja, wer weiß das schon so recht. Wer weiß, was James Corleone wirklich denkt.

James Corleone dreht seinem ehemaligen Schützling und seinem Bruder den Rücken zu, um den Ring zu verlassen.

Er läuft die Stage hinauf, während erneut ein gewaltiger Schwall an Buh-Rufen ausbricht.

In Ends Worten liegen die verschiedensten Emotionen. Schlussendlich scheint er aber vor allem mit sich im Reinen zu sein. Er hat seinen größten Feind besiegt, sich seines Teufels entledigt und nun ist er frei… zumindest glaubt er das.

Nicht so, wenn es nach James Corleone geht. Dieser läuft die Stage hinauf, um sich nun tatsächlich in seinem Loch zu verkriechen und in die Hölle zurückzukehren und alles, was er dort machen muss, ist zu warten.

Entweder endlos oder auf The End.


Zurück im Ring scheint Salvatore The End weiter beschwichtigen zu wollen, dieser würgt ihn dabei aber etwas ab. Sal lässt sofort auch wieder von ihm ab, er weiß wohl, dass End diesen Moment „für sich“ braucht. Und dann fährt er fort.


The End: „GFCW! Legenden, Neulinge, aktuelles Roster, Wrestler der Vergangenheit, WFW, was auch immer. Ich bin hier, ich bin der Champ und ich warte auf euch. Wenn ihr den Titel wollt, dann kommt und holt ihn euch.“


Mit ordentlich Nachdruck wirft End das Mikro nun weg. Das finale Corleone-Gespräch scheint ihn so schnell nicht loszulassen, auch, wenn er Salvatore im Rücken hat. Davon abgesehen ist die Ansage aber klar, wer ein Titelmatch will, wer es sich tatsächlich wagt gegen The End anzutreten, der soll kommen. Er ist bereit die GFCW als Champion anzuführen.


Pete: „Man muss es ihm schon lassen. James Corleone hat uns den Wrestler des Jahres 2023 und den Wrestler des Jahres 2025 beschert, ja… wenn man so will, kann man seine Beteiligung am Wrestler des Jahres 2024 auch nicht mal ganz von der Hand weisen. Ist schon nicht schlecht der Typ, was, Sven?“


Aber Sven sagt nichts, der Schock sitzt noch zu tief.

Aldo ist weg, James Corleone auch und nun beginnt eine neue Ära in der GFCW, mit The End an der Spitze.



So muss sich der Sturz von einer Klippe anfühlen.
Unendliches Fallen.

ALDO NERO.

Hat ihn verlassen.

Sven tupft sich die Augen mit einem Tuch ab. Das permanente „Hehe…“ seines widerlichen Partners am Pult ist, seitdem er zu fallen begann, kaum auszuhalten.

Die Made labt sich an seinem Leid. Ihr Name ist Pete, ihre Nahrung Sven Schmerz.

Was gibt es für ihn noch? Nichts. Seine Zukunft ist Dunkelheit. 2026 wird das schlimmste Jahr in der Geschichte der GFCW. Er nimmt nicht einmal mehr wahr, dass Thorsten Baumgärtner in den Ring kommt, um den Main Event vorzubereiten. Ehrlicherweise interessiert ihn auch nicht besonders.

Es ist doch alles sinnlos. Ohne…Aldo Nero.

Sein Handy brummt.

Nicht sehr professionell während der Show aufs Display zu schauen.

Aber scheiß drauf.

Ist doch eh alles egal.

Sven liest die eintreffende Nachricht.

Aber er versteht sie nicht.

Er blickt auf die Buchstaben. Immer und immer wieder.



Sven: „Was hat das zu bedeuten?“

Pete: „Hä? Mit wem redest du, Sven?“


Die Made versucht, einen Blick auf Svens Handy zu erlangen. Gerade noch rechtzeitig gelingt es ihm, es in der Tasche verschwinden zu lassen.


Pete: „Bekommst du etwa erste Trauer-SMS? Hehe…“

Sven: „Nein. Es war nur deine Mutter. Und jetzt konzentrier dich auf den Main Event.“


Singles Match:

Milly Vermillion vs. Miria Saionji

Referee: Thorsten Baumgärtner



Der Schnee beginnt in Deutschland vom Himmel zu rieseln und in der Kälte des Januars ist Wärme und Geborgenheit ein willkommenes Gut – und so brandet Jubel auf, als die Feuerzungen in die Höhe schießen, um die kleine Phönixfrau aus Kanada mit der massiven Lockenpracht namens Milly Vermillion anzukündigen. Mit typischem Selbstvertrauen schreitet die Blondine mit dem roten Barett auf dem Schopf durch den Vorhang, den schmalen, aber fitten Body wie üblich in einen feurig gefiederten Poncho als Top und dazu passenden Minirock gehüllt.


Pete: „Eigentlich war dieses Match ja schon für Title Night im Gespräch, nun ist es unser erster Main Event des neuen Jahres. Milly hat gegen Ende des letzten Jahres sportlich sowohl positive wie negative Schlagzeilen gemacht: bei WFW ist sie bis ins Drittelfinale des Tournament of Honor vorgerückt, aber hier bei GFCW ist primär ihre Niederlage gegen Meathook noch in Erinnerung.“
Sven: „Bedenkt man, dass manch langjähriges Mitglied im Roster im neuen Jahr nicht mehr dabei ist, um als aktiver Teil des Rosters die Anniversary Show mitzumachen, so kann man wohl sagen, dass dieser Sieg gegen Milly Meathook den Job gerettet hat. So wie ich, der Non Wrestler des Jahres, mit meinem überragenden Kommentar deinen Job jede Show aufs Neue rette, indem ich dich an meiner Seite dulde.“


Milly zieht auf der Einzugsrampe das Knie zur Pose hoch, wie sie flügelartig mit den Armen wedelt, beansprucht die Kanadierin doch ein wahrhaftiger Phönix zu sein, zumindest von der Seele her, welche in einen künstlich geschaffenen, menschlichen Körper verpflanzt worden sein soll. Fakt oder Lüge, das Sprachrohr kann danach nicht mehr befragt werden, obgleich man munkelt, dass es tatsächlich faktisch so sein soll, so fantastisch es auch klingen mag. So oder so: Milly Vermillion weiß zu fliegen, wie sie beim Betreten des Rings sogleich demonstriert, hopst sie doch mit graziler Leichtigkeit die Seile hoch und ist dann mit einer mühelos wirkenden Schraube im Ring, wo sie noch mal eine Runde posiert und sich für den spektakulären Stunt beklatschen lässt. Nicht so laut, wie sie es gern hätte, aber einigermaßen warm sind die Fans mit ihr mittlerweile.



Die Beleuchtung wird gedimmt, ein einzelnes Licht strahlt gen Einzugsrampe. Langsamen Schrittes bewegt sich „The Aion“ Miria Saionji durch den Vorhang, wie ein dunkler, Mensch gewordener Schatten. Wunderschön doch unheimlich, sanft und doch kalt, ein gleichermaßen einladendes wie abfälliges Lächeln auf den Lippen und ein Blick der Erhabenheit in den Augen. Die Frau mit der außen tiefschwarzen und innenseitig blondierten Haarpracht bis jenseits der Körpergröße ist in ihr übliches schlichtes, weißes Minikleid gehüllt, welches ihr angestrahlt vom Scheinwerfer ein geradezu geisterhaftes Antlitz gibt, eine Symbiose aus bezaubernder Lebenskraft und ätherischer Paranormalität.
Langsam setzt die Barfüßige mit dem leicht mittig gescheitelten Pony einen Fuß vor den anderen, schreitet begleitet vom ewigen Scheinwerferlicht an den Fanreihen vorbei zum Ring. Hin und wieder blickt sie in die Fanreihen, wobei sie nicht für eine Sekunde daran denkt mit einer der hingestreckten Hände abzuklatschen. „Miss Eternity“ will von den Fans respektiert, angehimmelt und im Idealfall beschenkt werden, aber körperlicher Kontakt als Gegenleistung ist ausgeschlossen – nicht, weil sie um ihre Sicherheit fürchtet, sondern weil es unnötiger Zusatzaufwand ist und sie niemanden erblickt, die oder den sie als würdig erachten würde eine Ausnahme zu machen.


Pete: „Dies ist erst Mirias viertes Match vor Kameras und drittes Match hier bei GFCW. Bisher hat Miss Eternity jedes einzelne Match gewonnen, inklusive einem Match gegen Robert Breads beim Carnival of Combat.“

Sven: „Zu diesem Zeitpunkt dachte man noch Siege über Robert Breads wären in etwa so viel wert wie Siege über deinen hässlichen Sohn, aber seit Robert Breads bei Title Night Aiden Rotari zerstört hat, wissen wir es besser. Wir oder zumindest ich, es ist vermutlich falsch zu erwarten, dass du etwas wissen könntest.“

Pete: „Ich weiß vieles, wie zum Beispiel, dass Miria Saionji die eine übrig gebliebene Autoritätsperson in Diensten von Entrepreneurin Lerbitz ist. Als Kopf des LPG Förderkaders ist Miria eigentlich so etwas wie Millys Chefin, Mentorin und Trainerin.“

Sven: „Wobei Miria ja eigentlich die meiste damit anfallende Arbeit auf deine Traumfrau Luna Rosario abwälzen wollte. Dumm nur für „The Aion“, dass Luna ebenso wie der Rest von Leviathan verschwunden ist und Miria den Job nun doch selber und alleine machen muss. Ob dieses Match aber tatsächlich dazu dient Milly etwas beizubringen oder doch die eigene Karriere zu fördern, das werden wir jetzt sehen.“


Referee Thorsten Baumgärtner ermahnt beide Damen zu einem fairen Match, wobei er Miria Saionji sichtlich eindringlicher ansieht als Milly Vermillion. Aus gutem Grund, hat sich Miria doch dadurch bei der LPG eingeschmeichelt, dass sie beim Gastspiel von WFWs Rekordtitelträgerin Aurora MacMeow bei GFCW Aurora einen Stuhl in deren Rücken warf, was „Greatest Pigster“ Maximilian Lunenkind zum überraschenden wie unfairen Sieg nutzen konnte. In vielerlei Hinsicht ist Miria noch ein relativ unbeschriebenes Blatt, aber dass sie eine Freundin davon ist, es sich so einfach wie möglich zu machen, so viel ist klar. Ganz nach dem Leitsatz der Lerbitz Performance Group jedes Investment gegen die Risiken abzuwägen. Anders gesagt: lässt sich das Risiko einer Niederlage mit einem Stuhl verringern, ist das ein gutes Investment und noch dazu eins, das weniger Mühe macht, als sich mit Wrestling Mühe zu geben.


Los gehts mit einem Handshake, den Miria bedächtig langsam loslässt, nur um dann zuzupacken und Milly… nur kurz zu umarmen. Eine freundliche, intime Geste? Oder doch nur ein Austesten mit beschwichtigender Knuddel-Einlage, um nicht zu früh zu viel Misstrauen zu sähen? Milly sieht sie auf jeden Fall schon mal misstrauisch an und findet sich Sekunden später in einem Side Headlock wieder. Mit ihren 1,64 ist Miria für Joshi Verhältnisse nicht ganz so klein wie manch andere, aber auch alles andere als eine Riesin, aber gegenüber Milly mit ihren 1,50 hat Miria dann doch einen Vorteil auf ihrer Seite, den sie sonst eher selten in dieser Form genießen kann und so bedarf es doch einiger Anstrengung seitens der Feurigen, um aus Mirias Griff freizukommen. Nichtsdestotrotz gelingt es Milly und sie kann Miria sogar in eine Ringecke stoßen, mit der die Japanerin sogar halbwegs frontal kollidiert und erst mal in selbiger haften bleibt. Grund genug für Milly es mit dem Phoenix Kick zu versuchen, aber dem weicht Miria dann doch aus und flüchtet schnell per Rolle aus dem Ring.


Womit Miria ein wunderbares Ziel für einen Dive nach draußen abgibt.


Vielleicht sogar ein bisschen 
zu wunderbar, aber Milly Vermillion denkt nicht lange nach, ja, sie denkt sogar überhaupt nicht nach. Was in schönster Regelmäßigkeit ihre größte Schwäche ist, so auch hier. Ein bisschen Nachdenken hätte ihr sicherlich enthüllt, was die meisten Zuschauer vermuten: das ist eine Falle. Milly kommt über das oberste Seil geflogen und Miria weicht aus.


Bruchlandung?


Mitnichten: Milly landet auf ihren Füßen und holt sich ein anerkennendes Raunen der Zuschauer ab, während Miria enttäuscht guckt. Milly wiederum versucht verächtlich zu schnauben, wie um zu sagen, dass sie als Phönix natürlich ihren Flug jederzeit sicher landen kann, aber der Zuspruch der Fans lässt sie doch etwas breiter lächeln als sie wohl zugeben würde. So oder so springt Milly nun ansatzlos nach kurzem Ausfallschritt per Shotgun Dropkick gegen Miria und lässt sie gegen die Ringtreppe krachen. Eine Runde Count unterbrechen später ist Milly dann auf dem Apron und wartet darauf, dass sich Miria wieder erhebt, um sie per Meteora zu bespringen. Doch dieses Mal gelingt es Miria den Flug des Feuervogels für sich zu nutzen: sie bekommt Milly im Flug zu packen und lässt sich prompt fallen, um eine Abart des Overhead Belly to Belly Suplex zu vollführen, der die Feurige auf die Rampe der Entrance Stage befördert! Autsch!


Pete: „Den Aufprall wird Milly noch einige Tage spüren, vielleicht Wochen.“

Sven: „Sie behauptet von sich selbst, dass bei ihr alles schnell verheilt, von wegen Phönix aus der Asche. Entweder das stimmt oder sie ist eine Lügnerin, so wie du, wenn du deinen Sohn talentiert nennst.“


Miria ist nach dieser gelungenen Aktion in den Ring zurückgekehrt und hat es sich in einer Ringecke gemütlich gemacht. Ein Sieg durch Count Out wäre mehr als nur in Ordnung für sie und so lächelt sie breit während Thorsten Baumgärtner immer höher zählt. Ein Lächeln, das einer genervten Fratze weicht, als Milly es doch rechtzeitig zurück in den Squared Circle schafft. Grund genug für The Aion die Feurige mit Stomps in Richtung der nächstbesten Ringecke zu dirigieren, sich dann mit beiden Füßen auf deren Hals und Schultern zu stellen und so eine Runde Choking zu betreiben. Klar, dass Thorsten Baumgärtner sie anzählt und anmeckert, was Miria mit einer vor Falschheit triefenden, entschuldigenden Unschuldsgeste bedenkt. Da Thorsten Baumgärtner ihr das nicht einfach glaubt, ist anzunehmen, dass Miria ihn ab sofort nicht leiden kann und man darf erahnen, dass sie jede Chance ergreifen wird ihn „versehentlich“ umzuhauen, die sich ihr bietet. In Mirias Kopf hat sie jeder anzuhimmeln, ohne Ausnahme, sie infrage zu stellen hingegen ist nicht vorgesehen.

Milly kann diese Zeit jedoch nutzen, um sich etwas zu erholen, auf die Beine zu flippen und einen Roundhouse Kick zu treten, bei dem Miria nun zu gern Thorsten Baumgärtner als Schutzschild genutzt hätte, aber nach hinten auszuweichen war einfacherer und sicherer. Eine Runde Lock Up und Go Behind später versucht sich Miria an einem German Suplex, erahnt dann aber, dass Milly die Aktion stehen würde und geht lieber in einen Abdonimal Stretch über – jene Aktion, die viele geradezu exemplarisch mit Wrestling verbinden, die aber dennoch im heutigen Wrestling selten geworden ist. Wie auch der Klassiker des Griffs in die Seile für mehr Wirkung des Abdonimal Stretch. Doch Miria macht diesen Klassiker wieder modern – bis Thorsten Baumgärtner sie beim Schummeln erwischt und anzählt, wonach Milly sich per Hip Toss befreien kann. Einen Chop später packt Milly die Japanerin dann am Arm und will einen Lucha Armdrag vollführen, doch The Aion lässt das nicht so einfach mit sich machen, zerrt Milly zum Fireman’s Carry auf die Schultern und will die Time Bomb zeigen. Milly wehrt sich jedoch zu sehr und so zeigt Miria stattdessen das Wasteland als Plan B, lässt den Rolling Thunder und dann das Cover folgen.


Eins!
Zwei!
Nein!


Der Kick Out ist jetzt nicht die ganz große Überraschung, dennoch hätte Miria es bevorzugt hier jetzt fertig und erfolgreich gewesen zu sein. Ihrer Unzufriedenheit gibt sie mit ein paar Stomps Ausdruck, ehe sie Position bezieht, um die aufstehende Milly per Crescent Kick zu erwischen. Die Feurige weicht jedoch aus und nutzt das Momentum ihrer Gegnerin für eine eigene Aktion, einen deftigen Exploder, um genau zu sein. Miria krabbelt angeknockt in eine Ringecke, in der sie sich geradezu zu verkriechen sucht, aber das kommt Milly ja letztlich nur gelegen: Anlauf, das zweite Seil als Sprungschanze und Phoenix Kick!


Der hat gesessen, Miria kippt um, aber als die Phönixfrau sich anschickt die Ringecke zu erklimmen, um ihren Phoenix Senton folgen zu lassen, rollt sich Miria aus dem Ring. Milly überlegt kurz und entscheidet sich gegen einen Sprung vom Top Rope und für einen erneuten Dive. Nachdem der erste nicht getroffen hatte, will sie das jetzt nachholen, die einen nennen es Stolz, die anderen dämlich. Was sich nicht gegenseitig ausschließt. Jedenfalls nimmt sie Anlauf und dann heißt es einmal mehr Flug:


Tope con Hilo!


Schon gewusst, dass manche Quelle im Internet aussagt, dass dies eine falsche Übersetzung sein soll und es eigentlich „Tope con Giro“ heißen müsste? Man kann auch Somersault Plancha sagen, auf jeden Fall ist es ein spektakulärer Sprung mit Vorwärtssalto und dieses Mal kann Miria nicht ausweichen und wird unter lautstarkem Jubel zu Boden gedonnert. Diesen genießt Milly zunächst, dann packt sie Mirias Kopf, um einen Tornado DDT mithilfe des Aprons zu vollziehen, aber einige Punches in Millys Rippengegend lassen die Gefiederte den Plan wechseln. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Punch, Kick, Chop, noch ein Kick – Miria muss einstecken und flüchtet in den Ring zurück. Milly wiederum ist mit einem Sprung auf dem Apron und nimmt Schwung:


Springboard Meteora!


Direkt ins Cover, aber knapp vor dem Three Count kann Miria auskicken – und findet sich Augenblicke später mit dem Kopf zwischen Millys Bein- und Fußpartie wieder. Headscissor Chokehold! Aber ehe bei Miria die Luft knapp wird ist sie mit den Zehenspitzen an den Seilen und Milly muss lösen. Nun ist die Phönixfrau in menschlichen Dingen oft gerne mit voller Überzeugung ignorant und hat daher gravierende Wissenslücken, aber so viel hat sie über Wrestling dann doch gelernt, dass sie weiß, dass sie den Griff lösen sollte, ehe es einen 5 Count gibt. Der wäre im schlimmsten Fall gleichbedeutend mit der Disqualifikation und gewinnen will Milly selbstverständlich. Das Thema Stolz ist der eine Grund und dass es für Siege mehr Geld gibt und damit mehr leckeres Essen, Pflegeprodukte und andere schöne Dinge, das hat sie kapiert. Obgleich sie als Frau mit Developmental Vertrag bei WFW eh einen speziellen Rabatt auf die Pflegeprodukte der Camus Company erhält, aber das ist jetzt wahrlich nicht wichtig.


Wichtig ist vielmehr, dass Milly nun mit einigen Tritten nachsetzt und dann Miria am Kopf packt, um zum Vermillion Flasher anzusetzen, ihrem Sitout Gourdbuster. Miria hat aber keine Lust auf die Fresse zu fliegen und blockt die Aktion. Ein, zwei Punches später versucht The Aion per Falcon Arrow zu kontern, aber Milly kommt frei, landet in Mirias Rücken und will die Gelegenheit zu einer ihrer härtesten Aktionen nutzen, dem Raging Inferno, einem Cut-throat Saito Suplex! Der gelingt aber nicht, da Miria clever blockt und dann per Headlock Takedown wieder einen Hauch von Matchkontrolle zurückgewinnt.


Pete: „Da hat sich Miria doch noch mal aus einer brenzligen Situation retten können, ich dachte schon das Match wäre vorbei.“

Sven: „Brenzlige Situation weil Milly ein Phönix ist. Dieses Wortspiel wäre sogar dann unfassbar lahm, wenn es nicht ein pures Zufallsprodukt gewesen wäre. Aber dann wiederum bist du selber ja ein reines Zufallsprodukt und dein missratener Sohn ein noch größeres.“

Pete: „Ich könnte jetzt erwähnen, dass mein Sohn Aldo Nero nicht mehr um den GFCW World Title erleichtern kann, weil Aldo das Gold gar nicht mehr hat, aber ich bin ja nicht wie du und erwähne es aus Rücksicht auf deine Gefühle nicht.“

Sven: „Schon irre wovon du so alles träumst, in der Realität wird dein Sohn es kaum auch nur in Aldo Neros Nähe schaffen, während Aldo es ganz sicher schaffen wird das Gold zurückzuholen!“


Miria wiederum schafft es gerade Milly mit ein paar Kniestößen weiter zu bearbeiten, aber als Miria zur finalen Aktion ansetzen will, ihrer Time Bomb II aka dem Reverse DDT Driver, da wehrt sich Milly mit Elbows und zwingt Miria in eine Ringecke zurück – ist ja lange nicht mehr in einer gewesen. Dieses Mal verharrt Miria aber nicht in der fragwürdigen Sicherheit der Ecke, sondern macht einen Ausfallschritt nach vorn und pfeffert einen Forearm in Richtung der Phönixfrau, aber Milly duckt sich – aber nicht nur! Vielmehr nimmt sie Miria dabei gekonnt über die Schulter und was das werden soll ist nicht schwer zu verstehen, das soll der Phoenix Driver werden! Als ob der Fire Thunder Driver nicht schon heftig wäre, diese Variante hat noch etwas mehr Schmackes! Was ob der geringen Fallhöhe auch nötig ist, aber darum geht es ja nicht. Nein, es geht darum, dass das Match vorbei ist, wenn diese Aktion jetzt gelingt!


Sie gelingt aber nicht.


Miria zappelt sich frei und kommt in Millys Rücken in den Stand zurück. Die perfekte Gelegenheit Haarpracht und Körper gleichermaßen zu umgreifen zum German Suplex! Aber Miria hält nicht richtig fest und Milly flippt in den Stand, wonach sie selber von hinten zupacken kann: German Suplex! Und anders als Miria hält Milly richtig fest und geht in die Brücke! Eins! Zwei! Nein! So knapp! Aber Milly verzagt nicht und setzt prompt mit einem Roundhouse Kick nach. Miria kippt um und das in bester Position für das große Finale. Milly blickt zur Ringecke, der Sieg ist in greifbarer Nähe. Jetzt nur noch hochklettern und…


Phoenix Sent… nein! Das Top Turnbuckle gibt nach und Milly kracht auf die Matte!


Pete: „Was ist denn da jetzt passiert?! Die Ringcrew hat ganz bestimmt ihren Job richtig gemacht, wenn also die Ringecke auseinanderfällt… hat Miria sich daran zu schaffen gemacht?!“

Sven: „Natürlich hat sie das, ist dir das jetzt erst aufgefallen? Um genau zu sein hat sie alle vier Ringecken sabotiert, was denkst du, warum sie so auffällig viel Zeit in ihnen verbracht hat?“

Pete: „Du meinst es wäre egal gewesen von welcher Ringecke aus Milly ihren Phoenix Senton versucht hätte, sie wäre auf jeden Fall abgestürzt?“

Sven: „Gratuliere, Pete. Du hast einen Hauch von Mitdenken erlernt. Mein großartiger Intellekt färbt also sogar auf komplette Hohlbirnen wie dich mit der Zeit ab. Noch zehn Jahre gemeinsames Kommentieren und vielleicht sagst du mal eigenständig etwas halbwegs Kluges!“


Miria rappelt sich auf, ein ob ihrer Attraktivität charmantes aber vom Tenor her doch arg fieses Lächeln ziert ihr Gesicht. Ihr Plan ist aufgegangen. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren hatte sie abwarten können – und sogar das wäre fast schiefgegangen. Milly Vermillion war nicht nur durch Losglück eine Drittelfinalistin des Tournament of Honor, das hatte Miria Saionji in diesem Match deutlich zu spüren gekriegt. Aber letztendlich ist das Match dennoch nach Plan verlaufen. Jetzt gilt es nur noch den sprichwörtlichen Sack zuzumachen. Arme von Milly einhaken… und dann an sie springen und die Bodyscissors anlegen! Butterfly Guillotine oder besser gesagt: The Leech! Wahrlich wie ein Blutegel drückt sich Miria an Milly und erhöht mit jeder egelhaften Bewegung den Druck, bis er zu viel wird. Die Seile sind zu weit weg und mit Miria an sich aufstehen ein Ding der Unmöglichkeit, dafür fehlt Milly glasklar die Physis. Ihr bleibt nichts anderes übrig als abzuklopfen. Viertes Match, vierter Sieg, bzw. rein auf GFCW gerechnet dritter Sieg im dritten Match. Das geht mittlerweile weit über Anfängerinnenglück hinaus, „The Aion“ Miria Saionji weiß was sie tut, so viel ist spätestens mit diesem Match klargeworden. Da kann sie sich jetzt noch so bescheiden und „überrascht“ vom Sieg geben, Milly aufhelfen und so tun als wäre dies ein günstiger Unfall gewesen. Die Phönixfrau sieht auch nicht so aus, als ob sie auf Mirias betont freundliche Gesten reinfallen würde. Doch ist es jetzt so oder so zu spät: Milly Vermillion hat verloren, Miria Saionji hingegen ist die große Siegerin des ersten Main Events im neuen Jahr und man darf erahnen, dass es nicht ihr letzter Sieg in diesem Jahr bleiben wird...




Die ersten Pommes des Jahres 2026.


Mac Müll inhaliert die Joppiesauce, die mit den koolen Kartoffelprodukten serviert wurde. Dann folgt als Nachspeise eiseskalte Winterluft, als er auf den Parkplatz tritt. Frischer Sauerstoff tritt in seine Lungen. Nach einem Tag in den Katakomben der geschäftigen Halle, aufgeheizt von Emotion und Adrenalin, ist es eine willkommene Abkühlung.

Der erste Arbeitstag ist geschafft. 2026 geht so weiter, wie das letzte Jahr endete. Mit Interviews, Backstagekram, Pommes. Das übliche Zeug. Und irgendwie…ist es okay. Mac hat sich damit abgefunden, dass dies seine Welt ist. Er ist ein Teil von ihr, und sie von ihm. Für sich hat er schon längst beschlossen, das Mikrofon erst dann an den Nagel zu hängen, wenn der Gedanke an News ihn nicht mehr begeistert – doch dieser Tag ist noch nicht eingetreten. Im Gegenteil: Es dürstet ihn so sehr wie eh und je danach, Neuigkeiten einzusammeln und in die Welt hinauszurufen. Schneller zu sein als die Konkurrenz. Tammy zu überflügeln. Die olle Zibbe.

Verdammt, was hat es ihn geärgert, dass Tammy schneller am Vorhang war und das In-Ring-Gespräch mit Iokepa führen konnte. Das muss er beim nächsten Mal besser machen. Darauf eine weitere Frustpommes. Es ist die Letze. Dann marschiert er zum Mülleimer und wirft die leere Tüte ein. Zeit für den Aufbruch. Für Feierabend. Eine Nacht im Hotel, dann geht es zurück auf Tournee.

Plötzlich biegt ein Auto auf den Parkplatz ein.

Mac wischt sich die letzte Joppie-Sauce aus dem Gesicht und runzelt die Stirn. Komisch. Ein ankommendes Auto, jetzt um diese Zeit? Der Trend geht eher in die andere Richtung. Zu dieser fortgeschrittenen Uhrzeit haben es alle Aktiven eilig, nach Hause aufzubrechen.

Die Einzigen, die jetzt noch arbeiten, sind die Techniker und Abbauhelfer. Aber das Auto sieht definitiv nicht nach einem Lieferwagen aus.

Es ist eine schwarze Limousine.

Aus Instinkt folgt Mac der Fahrt des Autos. Es hält direkt vor dem Halleneingang. Mac tritt einen Schritt näher heran. Ihm fällt auf, dass an der Seite eine Aufschrift angebracht ist.

Die Tür wird geöffnet.

Und Mac weiß, dass dieser Arbeitstag noch lange nicht zu Ende ist.


Mac Müll: „Du?“


Er steigt wortlos aus dem Auto aus. Schwarze Jacke. Fellkragen. Jeans. Es ist die schlankste seiner Versionen, die es vielleicht seit Jahrzehnten gegeben hat.

Die Haare wasserstoffblond. Das Gesicht bartlos. Die Haut maskenglatt.


Mac Müll: „Auf ein Wort?“


Kopfschütteln. Dann jedoch kommt doch ein einziger Satz über seine Lippen.

„Und, einfach so, ist mit einem Mal die Zukunft vorbei.“

Der Mann geht an ihm vorbei, als wäre er ein Geist. Nur beiläufig legt er Mac eine Hand auf die Schulter. Auf einem der Finger…

…ein Ring der Hall of Fame.


Der Mann ist Danny Rickson.


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Danke an alle Schreiber!!!