GOAT
Gauntlet - Robert Breads Retirement Match: Robert Breads
vs ???
Referee: Thorsten
Baumgärtner
Eins...
Zwei...
Kick-Out!
Pete:
“Breads kommt raus! Aber das war knapp!”
Sven:
“Es kann sich nur noch um Sekunden in diesem Match
handeln, Pete. Mike muss sofort weiter machen.”
Pete:
“Und das tut er! Er klemmt sich Breads unter den Arm
und steht auf, und... hat er ihn da richtig gepackt?”
Nein,
aber Müller hat keine Zeit, seinen Griff zu korrigieren.
Er hebt Breads nur hoch, um ihn dann nach unten donnern zu
können.
AIR
RAID CRASH!
Der
schludrige Zugriff rächt sich.
CRUCIFIX
PIN!
Breads
kontert!
Eins...
Zwei...
Kick-Out!
Mike
Müller kommt nochmal raus, seine ungenaue Ausführung
hat ihn fast das Match gekostet. Die Chance sich zu beweisen
und die zweite Chance für die Ehe von Markus Lerbitz
leben weiter. Beide Wrestler kommen so schnell hoch wie
möglich, und Müller verliert keine Zeit. Mit einem
Röhren attackiert er Breads.
BRAZILIAN
KICK!
Das
ist das Problem mit Gegnern wie Breads: Sie haben mehrere
Waffen, um Matches zu beenden, und aus verschiedenen
Positionen. Der Kanadier lässt das Bein nach oben zucken
und klatscht Müller den Fuß an den Schädel.
Mike kippt zur Seite. Lerbitz beginnt zu Schluchzen, als
Müller auf dem Ringboden aufschlägt.
Breads
lässt sich auf seinen Gegner fallen.
Eins...
Zwei...
Drei!
Sieger
durch Pinfall: Robert Breads
Pete:
“Drittes Duell, zweiter Sieg. Es waren nur noch sieben
Sekunden bis zum Time Limit, und Mike hätte zumindest so
eine Art Achtungserfolg mitnehmen können, aber nein.”
Sven:
“Irgendwann reicht “Du
hast dich teuer verkauft und trotzdem verloren”
eben
auch nicht mehr. Das war seine letzte
letzte
Chance, oder?”
Breads
stöhnt, als er von Müller herunterrollt. Das war
anstrengender als gedacht. Gewonnen hat er trotzdem. Markus
Lerbitz ist auf die Knie gefallen.
Pete:
“Blöd gelaufen für Lerbitz.”
Sven:
“Es ist sowas von over.”
Ob
die Entrepreneurin ihn zurückgenommen hätte, nur
weil Mike heute gewinnt? Fraglich. Wir werden es niemals
herausfinden. Thorsten Baumgärtner komplimentiert Mike
aus dem Ring und hilft auch physisch ein wenig nach. Ein
Mitarbeiter am Ring reicht Breads eine Flasche Wasser.
Der
Kanadier nimmt einen Schluck, ehe er zu Laura blickt, die
sich nicht regt und mit ehrlichem Mitleid in den Augen zu
Lerbitz herübersieht. Besorgt runzelt Breads die Stirn.
Das war es doch noch nicht, oder? Immerhin weiß Breads
selbst nicht, wie viele Gegner heute kommen. Ist es vorbei?
War das alles?
Laura
erhebt sich. Breads wirkt erleichtert. Lerbitz stützt
Müller auf dem Weg zurück. Der Hall of Famer wäscht
sich mit dem Rest seines Wassers rote Flecken vom Körper,
die er Müllers blutigen Händen verdankt.
Laura:
“Der vierte Gegner im GOAT Gauntlet...”
In
der Halle wird es dunkel wie in einem Grab.
Die
Schreie der Fans verwesen und einem Leichentuch gleich legt
sich Stille über die Szenerie. Handybildschirme, von
tausenden Händen geschwungen, kämpfen gegen die
Finsternis an und ein jeder Anwesender reckt und dreht seinen
sterblichen Leib, um irgendwo etwas zu erspähen, dass
das Mysterium von Schwärze und Schweigen lösen
kann. Vergeblich. Eine Seuche der Ahnungslosigkeit hat
Dortmund befallen.
Dann
ein Aufleuchten. Ein einzelner, blutroter Lichtpunkt, der an
der Rampe entlangkriecht, die Stage hinaufklettert, über
Zuschauer und Plakate wandert, und letztlich zur Decke
emporzusteigt. Seine Farbe wandelt sich ins Violette; er wird
breiter, undeutlicher. Was übrigbleibt, ist ein
schwummriger Totenfleck auf der Haut Westfallenhalle. Als das
Licht Rast gefunden hat, gibt es den Blick frei auf etwas,
das nicht erkennbar war; die Helligkeit hat es der Finsternis
entrissen: Unter
dem Hallendach hängt, an einem festen Strick, ein
Leichensack.
Er
schwenkt hin und her wie das Perpendikel einer Standuhr, die
die Minuten zur unheiligen Zeit hinabzählt. Unablässig,
Tick für Tick, wandert der Zeiger. Als es Zwölf
schlägt, folgt ein Gong, dann brechen Flügelschläge
aus der Stille hervor. Zwei Krähen kreisen um den Toten,
ihr wildes Geschrei kriecht den Anwesenden ins Mark.
Mit
einem Mal reißt der Strick.
Der
Body Bag stürzt hinab, erstickte Rufe aus
Zuschauerkehlen geben ihm Geleit. Das Spotlight verliert ihn
aus dem Blick. Als er wieder eingefangen wird, liegt der Sack
auf dem kalten Stahl der Rampe. Er ist verschlossen
geblieben, doch die Umrisse eines Körpers zeichnen sich
in ihm ab. Zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf. Zwar verdreht,
doch eindeutig menschlich. Flüssigkeit fließt als
kleines Rinnsal aus dem Leichensack zum Ring. Jeder Tropfen
nährt die Ahnung von nahender Pestilenz.
Der
Tod ist nur der Anfang.
Ein
Flüstern breitet sich im Publikum aus: Das ist…
Pete:
„Kann das wirklich wahr sein?“
Sven:
„Es scheint so, Pete, es scheint so.“
Der
Leichensack wird geöffnet.
Von
innen.
…
…
…
Pete:
„Das ist der Eccentric Ghoul aka Boneboi aka der
Soulless Survivor aka der Lurker in the Dark aka der
Nightcrawler aka der Vulture of Culture aka der Real Scary
Scarecrow…“
Sven:
„…aka der Decaying Duke aka der Dancer under the
Blood Moon aka der Boneyard Boss aka der Man-Mauling-Maharaja
aka der Godless Godlike aka der Maggot-eaten-Monsieur aka der
Loyal Servant of Devastation aka das Weathered Canadian Leaf
…“
Pete:
„.aka der KNOCHENADLER.“
Sven:
„ROZ!“
Ein
toter Mann kriecht heraus.
Er
bleibt auf der Rampe liegen. Saugt Luft in zersetzte Lungen,
gierig und rasselnd. Dann springt er in einer abgehackten
Bewegung auf, steht wie eine Marionette dar, der man die
Strippen abgeschnitten hat.
Das
Gesicht des Toten ist blass geschminkt, ihm wurde ein
umgedrehtes Kreuz auf die Stirn gemalt und aus seinen Augen
fließen schwarze Tränen. Er trägt einen
zerfetzten Ledermantel und klobige Stiefel, aus deren Sohlen
bei jedem Schritt Friedhofserde herausbröckelt. Die
Leiche blickt sich in der Halle um, wirft den Kopf in den
Nacken und gibt einen Krähenschrei von sich.
Aus
der Verheiratung des seelenlosen Leibs von Rosford Williams,
der bei Stranded 2022 ertrank, und einer unsterblichen
Geisterseele ist ein Wesen entstanden, das danach giert, nach
GTCW auch das GOAT Gauntlet heimzusuchen.
Laura:
“...ROOOOOOOOOOOOOOOZ!”
ROZs
Körper wird von Krämpfen heimgesucht. Er kämpft
dagegen an, schreit, stöhnt. Dann gibt er den Impulsen
nach und beginnt einen Totentanz, der ihn zum Ring treibt.
Saltatio Mortis. Schritt für Schritt geht es voran, mal
tänzerisch, dann wieder schlurfend. Hier erschüttert
ein freudloses Lachen ROZ, da wird er von Trauer befallen und
wirkt in sich gekehrt.
Pete:
„Sven, was macht der Eccentric Ghoul hier? Ich kann
mich nicht daran erinnern, dass Rosford Williams…“
Sven:
„ROSFORD WILLIAMS IST TOT!“
Pete:
„…und Robert Breads viel miteinander zu hatten.
Er und Caracal waren zwar Teil der Performance Centers, als
es noch unter der Fuchtel unseres GOATs stand – aber
das war kaum mehr als eine flüchtige Bekanntschaft. Und
genau wie Breads mag er ein Patient von Dreamweaver sei. Aber
wer ist das nicht? Ich…ich verstehe es nicht.“
Sven:
„Der Tod kennt seine eigenen Gesetze, Pete.“
Hinter
ROZ schiebt eine vermummte Gestalt einen kleinen Wagen, etwa
hüfthoch, mit vier Rädern, vor sich her. Er scheint
aus Knochen zusammengebaut worden zu sein. Es klirrt, als er
über die Rampe geschoben wird. Direkt hinter dem
lebenden Toten kommt er zum Stehen, und ROZ dreht sich um.
Dutzende
kleine Fläschchen stehen auf dem Wagen. Sie alle
enthalten eine dunkle, gräulich-schwarze Flüssigkeit,
und sind mit Etiketten markiert. Die Schrift darauf ist zu
klein, als dass wir sie lesen können. ROZ lässt den
Blick über das Sammelsurium an Glasbehältnissen
schweifen, dann schnappt er sich zwei der Fläschchen und
nickt der vermummten Gestalt zu. Sie beginnt, wieder die
Rampe hochzuverschwinden, während ROZ sich auf den Weg
zum Ring macht.
Dort
steht Robert Breads, und einmal mehr entlockt ihm ein
bizarrer Auftritt nichts als einen Ausdruck milder
Verwunderung. Er hat zu viel gesehen und zu viel erlebt, um
in Panik oder gar eine Schockstarre zu geraten. ROZ gleitet
in Richtung Seilgeviert, wo er beide Flaschen umsichtig unter
dem Bottom Rope einer Ringecke platziert.
Dann
schlängelt er sich in den Ring.
Die
Glocke läutet.
Pete:
“GOAT Gauntlet, Gegner Nummer vier, und es ist der
ehemalige Rosford Williams.”
Sven:
“Ehemalig, weil er tot ist. Nun ist da nur ROZ.”
Noch
immer ist nicht hundertprozentig ersichtlich, was ROZ genau
hier macht, und er scheint Breads auch nicht so direkt
attackieren zu wollen wie seine sonstigen Gegner, trotz dem
Zeitlimit.
Stattdessen
wabert ROZ eher auf der Stelle hin und her, das Gewicht nach
links und rechts verlagernd, und betrachtet Breads dabei mit
einer gewissen Neugier, als wäre er sich nicht sicher,
was er zu erwarten hat. Breads tritt langsam auf ihn zu und
schubst ihn leicht.
ROZ
bleibt stehen.
Breads
schubst energischer.
ROZ
bleibt stehen.
Breads
geht einen Schritt nach hinten und tritt ROZ vor die Brust.
ROZ
fällt hinten über. Er landet auf dem Hosenboden.
Das Gesicht wendet er nicht ab. ROZ nickt langsam, als hätte
er eine Entscheidung gefällt. Breads hebt die
Augenbrauen und geht rückwärts in die Ringmitte,
breitet die Arme herausfordernd aus.
Der
Eccentric Ghoul schnappt sich eine der beiden Flaschen vom
Ringboden, entkorkt sie geübt, wirft den Kopf in den
Nacken und kippt sich den Inhalt in den Rachen. Zwei
Schlucke, und die Flasche ist leer.
Seine
ganze Körpersprache verändert sich. ROZ springt
auf, energetisch und geladen, und urplötzlich saust er
Breads entgegen, die Beine voran, und lässt ihn mit
einer Hurracanrana durch die Luft segeln!
Pete:
“Der ehemalige Flip Tripper zeigt, dass er immer noch
flippen kann.”
Sven:
“Wobei mich das nicht an die Ausführung von
Rosford Williams damals erinnert hat, sondern an... warte,
ich hab’s gleich...”
Die
herausragende Körperbeherrschung von ROZ, gemischt mit
seiner enormen Explosivität, hat den verdutzten Breads
überrumpelt. Er rollt sich aus dem Ring, um eine
Atempause zu bekommen, aber ROZ ist sofort da. ROZ packt das
Top Rope, und wartet dann eine Sekunde, als wolle er allen
eine Chance geben, das Smartphone zu zücken.
Das
erinnert uns doch an-
Pete:
“SPRINGBOARD SHOOTING STAR PRESS!”
Sven:
“Ein Wahnsinns-Move!”
Die
Höhe, die Hang Time, die Drehbewegung, alles
fantastisch. ROZ räumt Breads ab, landet exakt richtig,
und wirft “Canada’s Own” so zu Boden. Die
Fans chanten lautstark “HOLY
SHIT!”,
während ROZ auf das Kommentatorenpult klettert, eine
vollkommen absurde Pose einnimmt und die Chants der Zuschauer
mit einem lauten “FAKT!”
kommentiert.
Moment
mal.
Was?
Pete:
“Hat ROZ gerade “FAKT!” gerufen?”
ROZ:
“FAKT!”
Der
Eccentric Ghoul steht so dicht bei Pete und Sven, dass er sie
hören kann, und deren Mikrofone nehmen die Stimme von
ROZ gut auf.
Sven:
“Das macht doch keinen Sinn.”
ROZ:
“LÜGE!”
Pete:
“Es muss was mit der Flasche zu tun haben.”
ROZ:
“FAKT!”
Sven:
“Und Dreamweaver meinte einmal, ROZ sei dazu da, den
Toten wieder ins Leben zu helfen, oder?”
ROZ:
“FAKT!”
Pete:
“Also, was jetzt? War in dieser Flasche die Seele oder
der Geist oder die Essenz des Sprachrohrs oder wie?”
ROZ:
“FAKT!”
Sven:
“Das ist ja völlig absurd.”
ROZ:
“FAKT!”
SUMMERSAULT
DIVE VOM KOMMENTATORENPULT!
ROZ
unterbricht seine nicht besonders wortreiche Exposition, um
den sich gerade wiederaufrichtenden Breads abzuräumen.
“Canada’s Own” geht zu Boden. ROZ landet
auf den Füßen und macht den Floss Dance, gefolgt
von einem Rückwärtssalto aus dem Stand. Das
Publikum grölt.
Pete:
“Ist ROZ jetzt also ein Medium? Oder ein menschliches
Gefäß? Ein totes
Gefäß?”
Sven:
“In gewisser Weise ist ROZ gerade das Sprachrohr vom
Sprachrohr.”
Pete:
“Und wie es scheint, will ROZ dessen Geist helfen,
Rache an Breads zu nehmen.”
Sven:
“Immerhin war es Breads, der das Sprachrohr auf puren
Verdacht hin aus der Liga prügelte.”
ROZ
hievt seinen Gegner unter dem ersten Seil wieder in den Ring.
Breads wirkt orientierungslos, während ROZ absolut
mühelos mit einem Satz erst auf die Ringtreppen und von
dort auf die Seile springt. ROZ klettert nach oben.
PHOENIX
SPLASH!
Breads
bekommt die Knie hoch!
ROZ
rollt sofort von seinem Gegner herunter und hält sich
die Rippen. Breads’ Knie sind ebenfalls in
Mitleidenschaft gezogen, aber nicht halb so sehr wie ROZ’
Oberkörper. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wuchtet das
ROZ-Rohr sich so schnell es geht wieder auf die Füße,
doch Breads ist schon da.
BICYCLE
KICK!
Sollte
es möglich sein, einen Geist aus jemandem rauszutreten,
so dürfte das hier funktioniert haben. ROZ wird
getroffen und zu Boden geschleudert, wo er in der Nähe
der Ringecke liegen bleibt.
Einen
Arm ausgestreckt.
Mit
den Fingerspitzen die zweite Flasche berührend.
Pete:
“Breads hat nicht darauf geachtet, wo ROZ gelandet ist,
und atmet erstmal durch!”
Sven:
“Und das gibt ROZ die Chance, die zweite Flasche zu
trinken.”
Tatsächlich
zieht der Eccentric Ghoul das Glas zu sich herüber,
entkorkt es mit den Zähnen und dreht sich auf den
Rücken. Er führt das Fläschchen an die Lippen
und kippt den Inhalt herunter.
ROZ
setzt sich auf und flext beide Bizepse. Er hat ein breites
Grinsen im Gesicht.
PENALTY
KICK!
Breads
hat keine Lust mehr auf dieses komische Spielchen von diesem
weirden Freak, der sich anscheinend mit dieser Zirkus-Nummer
in den Kopf des Kanadiers vorarbeiten will. Geister? So ein
Schwachsinn. Mit der Wucht eines entscheidenden Elfmeters im
WM-Finale donnert Breads den Fuß in Richtung Kopf von
ROZ.
Der
kann sich im Sitzen leicht zur Seite neigen, und der Kick
geht ins Leere. Sofort schnappen die Arme von ROZ zu, und
greifen das Bein von Breads, als er es zurückziehen
will.
Breads
möchte sich losreißen.
ROZ
lässt das nicht zu. Er hat Breads fest im Griff.
Pete:
“ROZ hat einfach zu viel...”
Sven:
“POWER!”
Roz
schubst Breads rückwärts. Dieser stolpert kurz,
muss seine Beine neu sortieren, steht dann aber wieder fest.
Sofort wird er getroffen.
Shoulder
Block!
Pete:
“POWER!”
Breads
bleibt stehen. ROZ reißt die Augen auf. Der Kampfstil
des Sprachrohrs stand ihm gut zu Gesicht, der von Marc Hill
eher weniger. Denn so viel POWER
Marc
Hill auch hatte – ROZ hat die nicht.
ROZ
packt dennoch zu.
BELLY
TO BELLY SUPLEX!
Sven:
“POWER!”
Nein!
Breads
verlagert das Gewicht, und ROZ kann ihn nicht ausheben.
Kämpfen wie Marc Hill macht nur dann Sinn, wenn man
gebaut ist wie Marc Hill, und Breads feuert zwei schnelle
Elbows nacheinander ab, um sich aus der Umklammerung zu
befreien. ROZ taumelt rückwärts.
CANADIAN
CUTTER!
Konter!
ROZ
schubst Breads von sich weg! “Canada’s Own”
hätte aus dem Fiasko gegen Mustermann lernen sollen,
doch stattdessen klatscht er wieder mit dem Rücken auf
dem Boden auf. Wenn es einen Move von ihm gibt, den jeder
immer erwartet, ist es der Canadian Cutter. Immerhin diesmal
keine Stahltreppe, aber gut tut es mit Sicherheit nicht. ROZ
ist sofort da, und er schnappt den Kopf von Breads.
ROZ
nimmz seine gesamte POWER
zusammen.
Und nicht ohne Schwierigkeiten, nicht technisch perfekt, aber
voll fremder Rachsucht, kann ROZ seinen Gegner in die Lfut
stemmen.
POWER BOMB
Pete:
“Das ist es! Die Powerbomb geht durch!”
Sven:
“Das Cover!”
Eins...
Zwei...
Kick-Out!
Breads
befreit sich! ROZ glotzt den Referee ungläubig an. Das
hätte die Rache für die Toten sein müssen, die
Opfer von Robert Breads! Und wäre es wirklich Marc Hill
gewesen, der diese Aktion durchgeführt hätte, hätte
es klappen können.
War
es aber nicht.
Mit
finsterer Miene erhebt ROZ sich, deutet mit dem Zeigefinger
auf den auf der Matte liegenden Breads und geht in Position,
um-
Time
Limit Draw
Pete:
“Und das war’s!”
Sven:
“Wäre das Match noch wenig länger gewesen,
ROZ hätte durchaus eine Chance gehabt... oder Marc
Hill... oder das Sprachrohr... was hat Dreamweaver diesem
Typen eingeflüstert, dass er glaubt, er wäre der
Rächer von Breads’ Opfern?”
Pete:
“Ich bezweifle, dass wir das je erfahren werden.”
Sven:
“ROZ scheint auf jeden Fall von allen guten Geistern
verlassen worden zu sein.”
Und
das meint unser Kommentator wörtlich. ROZ räuspert
sich, blinzelt und guckt umher, als sei er nicht ganz sicher,
wie er hier gelandet ist. Der Eccentric Ghoul blickt zu
Referee Baumgärtner und fragt, ob die Toten ihre
gerechte Rache bekommen haben.
Der
Ringrichter teilt ROZ mit, dass das Zeitlimit abgelaufen sei.
ROZ
nickt, verarbeitet diese Information und sieht verächtlich
zu Breads hinab. Was genau ROZ ihm für Worte an den Kopf
wirft, können wir nicht ausmachen, aber es wirkt nicht
so, als wären sie ein Ausdruck von Freundschaft und
Respekt. Breads ist mittlerweile doch ein wenig mitgenommen,
die alten Knochen machen nicht mehr so viel mit wie sie das
einmal taten. Er starrt zu ROZ nach oben, ohne ein Wort zu
sagen.
ROZ
zischt ihn an, dann rollt er sich aus dem Ring.
Pete:
“Bislang besteht dieses Gauntlet eigentlich nur aus
Leuten, die verschiedenste Gründe haben, nochmal zu
probieren, Breads einen reinzuwürgen. Von
freundschaftlichen, respektvollen Wegbegleitern ist weit und
breit nichts zu sehen.”
Sven:
“Vielleicht ändert sich das ja mit dem nächsten
Gegner. Laura ist schon aufgestanden.”
Laura:
“Der fünfte Gegner im GOAT Gauntlet...”
THE
DEVIL
IS
ALIVE
Das
können sich Pete und Sven dann wohl abschminken. Kaum
jemand in der Geschichte der GFCW hat so viele Gründe,
Breads nicht zu mögen, wie Silas alias “Scarecrow”.
Von Breads in dessen Zeit als Leiter des Nachwuchses
erniedrigt und verspottet, und später dann mehrfach und
unprovoziert als Versager bezeichnet, der nichts in der GFCW
zu suchen hat, und als die größte Schande, die
Breads je trainieren musste.
Da
möchte sich wohl jemand seine letzte Chance auf Rache
nicht entgehen lassen.
Pete:
“Scarecrow hat das gute Recht, Breads zu hassen. In
ihrem Singles Match vor anderthalb Jahren kam er sogar
ziemlich nah dran, Breads zu schlagen.”
Sven:
“Aber ein Inside Cradle, bei dem Breads
vielleicht
ein
wenig geschummelt hat, konnte dem Hall of Famer damals den
Sieg bringen. Wie sieht das heute aus?”
Pete:
“Scarecrow hat drei Minuten Zeit, es zu probieren. Kann
er Breads doch noch zeigen, dass er sehr wohl nicht nur in
die GFCW gehört, sondern ihm sogar entwachsen ist?”
Sven:
“Er hat sich den Ledermantel und die Maske beim
Entrance gespart. Körperliche Top-Form. Und sein
Gesichtsausdruck würde mir mehr Angst einflößen
als jede Verkleidung.”
Die
große Inszenierung kriegen wir von Scarecrow nicht, der
entschlossen und ohne große Umwege zum Ring marschiert.
Warum sich auch für die große Robert Breads Show
diese Mühe geben? Er ist hier, um ihn fertig zu machen,
nicht, um mit ihm zu feiern.
Breads
hat sich aufgerichtet, und zum ersten Mal am heutigen Abend
wirkt er schon vor einem Duell angespannt. Echte Abneigung
ist im Blick des Kanadiers erkennbar.
Mit
selbstsicheren, großen Schritten legt Scarecrow den
Rest des Weges zurück und betritt den Ring. Sein Gegner
drückt den Rücken durch, so gut es geht, um sich zu
voller Größe aufzurichten.
Beide
gehen aufeinander zu.
Die
Glocke läutet.
Verächtlich
spuckt Breads Scarecrow vor die Füße.
Scarecrow
spuckt Breads ins Gesicht.
Eine
wilde Prügelei beginnt.
Pete:
“Die Fäuste fliegen! Beide schlagen aufeinander
ein!”
Sven:
“Mit dem besseren Ende für Silas, wie es scheint.”
Tatsächlich
kann Scarecrow Breads nach hinten drängen. Mit fünf
Jahren Wut im Bauch über alles, was Breads je über
ihn gesagt und ihm angetan hat, treibt Scarecrow seinen
einstigen Coach durch das Seilgeviert, sodass dieser bloß
probieren kann, die Arme hochzureißen, um sich zu
schützen. Das nutzt Silas für einen Kick in den
Bauch, der Breads keuchend zusammensacken lässt.
Scarecrow
packt Breads mit beiden Händen um den Hals und
schleudert ihn von sich weg. Breads segelt durch die Luft und
kracht unsanft und leicht seitlich gegen die Polster in der
Ringecke. Der Kanadier schnaubt, bevor er zu Boden fällt,
wo Scarecrow ihn am Arm packt und hinter sich her in die
Ringmitte schleift, weg von den Seilen.
Demonstrativ
stellt Scarecrow einen Fuß auf die Brust von Breads.
Eins...
Kick-Out!
Energisch
reißt Breads die Schulter hoch und funkelt Scarecrow
wütend an. Diese beiden wollen einander nicht nur
schlagen, sondern demütigen. Verächtlich stellt
Scarecrow seinen Fuß nun auf die linke Wange von
Breads, der diesen entschlossen von sich stößt.
Scarecrow beugt sich herab, um dem Kanadier einen
Ellbogen-Schlag zu versetzen und sich zu befreien, doch
Breads fängt den Arm ab, zieht ihn zu sich heran und
probiert den Inside Cradle!
Pete:
“So hat er Scarecrow letztes Mal schon besiegt! Gegen
den gleichen Trick zwei Mal zu verlieren wäre schon
peinlich für Silas.”
Sven:
“Aber es funktioniert nicht! Sieh nur!”
Tatsächlich.
Breads kann seinen Gegner zwar zu sich heranziehen, aber
Scarecrow verlagert das Gewicht, und so kriegt Breads die
Beine von Silas nicht richtig zu fassen. Scarecrow will sich
loseisen. Breads bleibt stur und zerrt ihn weiter nach unten.
Trotzdem: Silas ist kräftig und verdammt stark. Stück
für Stück kann er sich dem Griff von Breads
entziehen. Doch “Canada’s Own” ist zäh
und lässt nicht locker.
HEADBUTT!
Rücksichtlos
donnert Scarecrow den eigenen Schädel nach vorne,
seitlich gegen die Schläfe von Breads. Das tut Silas
weh, aber Breads erwischt es komplett kalt. Der Kanadier
kippt auf die Matte zurück und bleibt dort liegen, und
Scarcrow dreht den Spieß um. Er ist es, der den Arm des
Gegners umklammert und zu sich zieht.
Silas
reißt Breads zu sich heran, bringt den Arm in Position,
und stemmt ihn hoch.
COMING
OF WAR!
Der
Pumphandle Slam von Scarecrow, mit dem er schon so viele
Matches gewinnen konnte. Zu blöd, dass Breads über
die Schultern von Silas direkt hinter ihn rutscht.
Und
ihn dann um die Hüften packt.
BACKDROP
DRIVER!
Pete:
“Der Move von Aiden Rotari – dem Schüler,
den Breads im Gegensatz zu Scarecrow tatsächlich
wollte.”
Sven:
“Das ist ein ganzer Salzstreuer in die Wunde, wenn er
hier so gewinnt.”
Breads
mag sich mit Rotari mehr als nur zerstritten haben, aber ihn
benutzen, um Scarecrow indirekt zu verhöhnen, das kann
er immer noch. Silas kracht auf den Kopf, und Breads wirbelt
hechelnd herum, so schnell er kann. Das ist nicht mehr
sonderlich schnell, diese Aktion war gar keine gute Idee für
seinen Rücken, aber es reicht gegen einen Scarecrow,
dessen Schädeldecke gerade eben Bekanntschaft mit der
Matte gemacht hat.
Den
Schmerz unterdrückend posiert Breads mit einem
spöttischen Schmunzeln über Scarecrow, um allen die
Möglichkeit zu geben, sich das Bild einzuprägen.
Aber: Zeitlimit. Breads greift ihn an den Ohren, zieht ihn zu
sich heran und legt den Arm über die Schulter.
Pete:
“Natürlich. Breads will Scarecrow mit dem New
Order besiegen – dem Move von Scarecrows
Leviathan-Freunden.”
Sven:
“Mit keiner anderen Gruppierung hat Breads sich so oft
in den Haaren gehabt. Da wäre es sicherlich zusätzliche
Genugtuung, so zu gewinnen.”
Breads
drückt Scarecrow hoch. Die Füße von Silas
heben ab.
Mit
einem schlechten Rücken ist das keine gute Idee. Er
musste ja unbedingt
den
Backdrop Driver zeigen.
Pete:
“Breads kriegt ihn nicht richtig hoch!”
Sven:
“Er hätte nach dem Backdrop Driver einfach pinnen
sollen. Aber nein, das blöde Arschloch bleibt er bis zum
Schluss.”
Pete:
“Scarecrow landet wieder auf den Füßen! Er
kann Breads wegschubsen!”
Sven:
“SPEAR!”
Scarecrow
reißt Breads von den Beinen, als er seine Schulter in
dessen Magengrube versenkt. Krachend geht der Hall of Famer
zu Boden. Mit einem animalischen Laut reißt Scarecrow
beide Arme in die Luft, dann schnappt er sich den Kanadier.
Breads
hätte sein Lehrer, sein Mentor, sein Vorbild sein
sollen. Er wurde sein herablassender Peiniger. Ein anderer
hat sich Scarecrow angenommen.
Und
dessen Move wird nicht von Breads pervertiert, sondern von
Silas genutzt.
NEW
ORDER! BRAINBUSTER!
Scarecrow
rammt seinen alternden Feind unangespitzt in den Boden.
Breads klappt in sich zusammen.
Silas
pinnt ihn nicht.
Pete:
“Was macht er da? Er hat vielleicht noch zwanzig oder
dreißig Sekunden, besiege ihn doch! Du hast ihn!”
Sven:
“Er will es mit seinem eigenen Move tun.”
Die
Aktion seines Mentors hat die Tür geöffnet, doch
durchgehen will er mit seinem eigener eigenen Attacke.
Deshalb
setzt Silas nach. Hakt den Arm ein. Wirbelt Breads in der
Luft herum.
Die
Halle hält den Atem an. Ein Konter, sogar eine kurze
Verzögerung von Breads, und Silas wird nicht gewinnen.
Dafür ist die Zeit zu knapp. Er hätte gerade eben
pinnen können und hat sich dagegen entschieden. Er
wollte unbedingt noch diesen
Move
zeigen.
Manchmal
wird man im Angesicht des großen Erfolges gierig. Man
will mehr. Man will zu viel.
Man
versaut es sich selbst.
Aber
nicht in diesem Fall.
COMING
OF WAR!
Diesmal
verliert Scarecrow keine Zeit. Sofort hakt er das Bein ein.
Eins...
Pete:
“Ist das noch in der Zeit?”
Zwei...
Sven:
“Das war’s!”
Drei!
Sieger
durch Pinfall: Scarecrow
Pete:
“Die erste Pleite für Breads in diesem Gauntlet,
und die Rache für den von ihm gequälten Silas. Er
hatte noch eine
Chance,
diesen Skalp zu kriegen, und er hat ihn sich geholt.”
Sven:
“Und das auf beeindruckende Weise. Zwei Minuten und
achtundfünfzig Sekunden. Er hätte keine zwei
Sekunden länger brauchen dürfen.”
Scarecrow
entweicht ein Freudenschrei, als er aufspringt und Breads
links liegen lässt. Beide Arme werden siegreich in die
Höhe gestreckt.
Es
hat fast fünf Jahre gedauert, aber Scarecrow hat seine
Revanche bekommen.
Erleichterung
mischt sich mit Stolz auf dem Gesicht des Gewinners, als er
einen letzten Blick auf Breads wirft, der soeben wieder
begonnen hat, sich zu regen. Wer zum Schluss einen Moment des
Respekts oder der Vergebung erwartet hat, wird enttäuscht:
Scarecrow formt mit Daumen und Zeigefinger ein “L”,
hält es sich an die Stirn und deutet mit der freien Hand
auf Breads.
Silas
lacht aus vollem Herzen, ehe er Breads geschlagen
zurücklässt.
Pete:
“Breads guckt mehr als nur betreten drein, und hat
jetzt Laura im Blick. Ich wette, er betet innerlich gerade,
dass das nicht der letzte Gegner war.”
Sven:
“Er scheint Glück zu haben.”
Tatsächlich
steht Laura ein weiteres Mal auf. Breads verliert einen
Großteil seiner Körperspannung. Man reicht ihm
wieder ein Wasser. Der Referee hilft ihm, aufzustehen.
Laura:
“Der sechste Gegner im GOAT Gauntlet...”
Pete:
“Er hat es doch noch geschafft!”
Sven:
“Der Rebell namens Hass ist zurück in der GFCW!”
Ein
kleiner Mann mit einem gigantischen Schatten. Eine Legacy
voller Widersprüche.
Die
fleischgewordene Antithese.
Eine
Erscheinung tritt auf die Rampe. Sie trägt eine Kapuze,
eine abgeranzte Jeansjacke, ein Shirt von Tool mit der
Aufschrift “LEARN TO SWIM” und grüne
Cargo-Pants. Die Füße stecken in verschlissenen
Stiefeln.
Auf
dem großen Videobildschirm erscheinen nacheinander drei
Worte.
REBEL
CALLED
TASTE
Pete:
“Was?”
Sven:
“Der Typ da ist doch viel zu groß. Niemals ist er
das.”
Pete:
“Rebel called Taste?
“Taste” wie “Geschmack”?”
Sven:
“Man schmeckt mit seiner-”
Der
Mann wirft seine Kapuze in den Nacken. Er hat sich umgezogen,
seit wir ihn vorhin das erste Mal gesehen haben. Seine Zunge
schlängelt aus dem weit aufgerissenen Mund. Sie ist mit
Mullbinden verarztet worden.
Sven:
“So klar, wie du tust, war das eigentlich nicht.”
Pete:
“Wie sagte Breads noch bei Spawn vor vier Wochen? Es
ist immer
Lunenkind.”
Sven:
“Und doch ist das hier das erste Duell. Beide waren
dreizehn Jahre gemeinsam aktiv. Es gab nie ein Singles Match.
Sie standen sich nichtmal in Tags gegenüber.”
Das
ändert sich jetzt. Es heißt eins gegen eins,
Lunenkind gegen Breads.
Sichtlich
erregt deutet Lunenkind mit vier Fingern auf die hin- und
herwackelnde Riesenzunge, die dank Breads offenbar verletzt
ist. Zu Beginn des Matches wäre der Kanadier wohl noch
amüsiert gewesen, aber nach ROZ und Scarecrow ist ihm
die gute Laune vergangen.
Lunenkind
schlittert mit dem Gesäß voran unter dem Bottom
Rope in den Ring. Ein Knopf seiner Jeansjacke geht dabei
flöten. Aus einer der Taschen seiner Cargo-Hose fischt
Lunenkind ein Red Bull Coconut Berry und trinkt es auf Ex,
bevor er die Dose achtlos beiseite und die Jacke ins Publikum
wirft. Er wirkt in diesem Aufzug noch mehr wie ein
Fremdkörper als sowieso schon.
Die
Glocke läutet.
Pete:
“Es wäre fast schon schade, die Karriere von
Breads zu beenden, ohne diese Paarung je gesehen zu haben.”
Sven:
“Man mag von Lunenkind halten, was man will, aber-”
BRAZILIAN
KICK!
Breads
setzt das Cover an.
Eins...
Zwei...
Drei!
Pete:
“Okay. Oder so.”
Sven:
“Ich schätze, das ist auch irgendwie passend. Wenn
man bedenkt-”
Pete:
“MOMENT! Was ist das?”
Sven:
“Thorsten Baumgärtner nimmt den Pinfall zurück!”
Pete:
“Aber wieso?”
Sven:
“Lunenkind hat die Zunge auf dem Seil!”
Breads
hat Lunenkind mit den Beinen weg vom Seil gedreht, damit er
seine langen Gliedmaßen nicht ans Bottom Rope bekommt.
Der Pin war daraufhin etwas sehr locker und leicht ausgeführt
worden, sodass Lunenkind sich innerhalb des Covers den Hals
verrenken und die geschundene Zunge auf das unterste Ringseil
legen konnte.
Pete:
“Ist das überhaupt legal? Muss es nicht ein Arm
oder Bein sein?”
Sven:
“Unsere Referees werden schon wissen, was sie tun.”
Breads
ist weniger begeistert.
Blitzschnell
schnappt die Hand des Kanadiers zu, packt die Zunge von
Lunenkind und wickelt sie, soweit es geht, um dessen eigenen
Hals. Dann setzt Breads den Sleeper Hold an.
Pete:
“Breads choked Lunenkind mit seiner eigenen Zunge!”
Sven:
“Naja, er probiert es. So lang ist sie dann doch wieder
nicht.”
Pete:
“Lunenkind ist nah an den Seilen. Es sind ein paar
Zentimeter. Er muss nur ein wenig kämpfen, dann kann
er-”
Sieger
durch Submission: Robert Breads
Offenbar
entscheidet Lunenkind, dass er nicht weiterkämpfen
möchte. Auch der Lune’ster hatte aus LPG-Zeiten
noch eine Rechnung mit Robert Breads offen. Die wird Zeit
seines Lebens offenbleiben. So viel ist ihm die Rache nicht
wert. Breads hat ihn blitzschnell auseinandergenommen, und
Lunenkind beendet seinen Auftritt, indem er nach Luft
schnappend aus dem Ring rollt.
Breads
setzt sich auf, und verlangt eine Flasche Wasser, statt
darauf zu warten, dass man ihm eine gibt. Seine Stimmung ist
deutlich gereizter als noch zu Beginn des Gauntlets, dass er
als große Abschieds-Party geplant hatte. Mehr und mehr
merkt er jedoch, dass es eigentlich niemanden gibt, der so
richtig mit ihm feiern will. Es ist eine Ansammlung von
Leuten, die ein echtes Problem mit ihm haben. Man mag ihn
respektieren, aber mögen tut man ihn nicht.
Er
nimmt einen Schluck, während Laura sich aufrichtet.
Laura:
“Der siebte Gegner im GOAT Gauntlet...”
Pete:
“Okay, es geht also noch weiter. Wäre auch ein
wenig antiklimatisch gewesen, so als Finale.”
Sven:
“Vielleicht ist Breads mal jemand vergönnt, der
ihm wohl gesonnener ist.”
BÜÜÜÜÄÄÄHHHHHH!!!!!!!
Eine
irre Lichtershow fährt durch die Halle. Man muss Angst
haben keinen epileptischen Anfall zu bekommen so wabert hier
das grüne Licht.
Die
Fans sind erwartungsvoll, denn zwar ist es schon wieder ein
paar Jahre her, dass die Fans diese audiovisuelle Kotze
ertragen mussten, vergessen haben sie sie deshalb trotzdem
nicht. “Drugs of Youth” von den Subhumans kündigt
unter dem Tosen der Crowd die nächste martialische
Etappe im Lebenslauf des Kanadiers an, als Kriss Dalmi mit
einem krankhaft verzogenen Grinsen auf die Bühne
stolziert.
Auch
an dem Serben sind die Jahre nicht spurlos vorbeigegangen.
Weniger drahtig ist seine Gestalt, die Muskeln wirken weniger
definiert und unter den schlichten schwarzen Trunks hebt sich
ein kleiner Bauchansatz ab. An dem Gewaltpotential, das von
dem Belgrader ausgeht, hat der Tribut der Zeit jedoch keine
Veränderung herbeiführen können. Und so
sprintet Kriss Dalmi in Richtung des Seilgevierts, um noch
ein letztes Mal das alte Feuer, die Hitze des Kampfes zu
spüren.
Pete:
“Viel schlimmer hätte es kaum kommen können!
Wer war in der Karriere von Robert Breads eine größere
Gefahr als Kriss Dalmi?”
Sven:
“Die Liste mit Namen, die da in Frage kommen, ist kurz.
Und jede andere Antwort als Dalmi ist falsch.”
Breads
ist im absoluten “Fight
Or Flight”-Modus.
Alarmbereitschaft
wirkt untertrieben, wenn man seine aktuelle körperliche
Situation beschreiben müsste. Er steht in der Ringecke,
leicht nach vorn gebeugt, sofort bereit, jeden Moment
loszuspringen oder aber auszuweichen.
Dalmi
steigt in den Ring. Der Zahn der Zeit hat auch vor diesen
beiden Männern nicht Halt gemacht, und doch wirkt es für
einen Moment fast so, als wären wir nicht in Dortmund,
sondern in Berlin, als würde ein großer Phönix
über uns thronen und als wären diese Männer
nicht lebende Legenden, sondern hungrige Newcomer.
Breads
ist so bereit wie man sein kann.
Die
Glocke läutet.
Kriss
Dalmi zieht eine Spritze aus seiner Hose. Sie ist prall
gefüllt.
Breads
wird kalkweiß.
Pete:
“Oh Gott.“
Sven:
„Kriss hatte angekündigt, Breads‘ Karriere
eigenhändig beenden zu wollen. Er hat nicht geblufft.“
Dalmi
schießt quer durch den Ring wie ein tollwütiger
Windhund. Die Nadel der Spritze glänzt im
Scheinwerferlicht.
Der
Serbe rammt den Arm mit der Spritze nach vorn. Sie verfehlt
den zur Seite hechtenden Kanadier um Zentimeter. Kriss rammt
die Spitze mit voller Wucht in das Polster der Ringecke, wo
sie stecken bleibt.
Breads
krabbelt davon und springt auf die Füße. Er agiert
auf der Basis von purem Überlebensinstinkt. Dalmi
wirbelt herum und tritt Breads mit voller Wucht zwischen die
Beine.
Pete:
„Low Blow!“
Sven:
„Das ist eine Disqualifikation!“
Das
sieht Thorsten Baumgärtner ähnlich. Der Referee
hebt den Arm, um Richtung des Zeitnehmers zu gestikulieren,
dass er die Ringglocke läuten soll.
Dalmi
packt mit der rechten Hand den Arm des Ringrichters. Mit der
linken Hand zieht er die Spritze aus dem Turnbuckle Polster.
Einen Augenblick später befindet sich die Nadel der
Spritze direkt am Hals des Referees, und Dalmi haucht dem
zitternden Ringrichter Worte ins Ohr. Es wirkt fast zärtlich,
wenn man die Tatsache ausblendet, dass der Serbe mit der
Injektion einer gefährlichen Droge droht. Man kann keine
Worte ausmachen, aber das Wichtigste kann man sehr einfach
dem Kontext entnehmen: Wenn Baumgärtner dieses Match per
Disqualifikation enden lässt, landet eine volle Dosis
AstroHappy in seinem System.
Die
Kieferpartie von Baumgärtner zittert. Er stottert ein
Wort, das wie ein „Ja“
aussieht.
„J-J-J-Ja.“
Dalmi
schüttelt den Kopf. Er will ein Nicken von Thorsten –
mit der Spritze an seinem Hals. Wenn Thorsten den Kopf einen
Zentimeter zu weit runter beugt, wird er sich selbst
aufspießen. In Zeitlupe senkt Baumgärtner den
Kopf. Die Haut links neben seinem Kehlkopf streift die Spitze
der Spritze.
Dalmi
packt Baumgärtner mit der rechten Hand im Nacken. Er
lässt den Kopf des Referees vor- und zurücksausen
wie einen Crash Dummy, die Nadel weiter in Position.
Baumgärtner trennen nur Millimeter von der süchtig
machenden Dosis. Dann bloß noch ein Millimeter. Die
Nadel droht die Haut zu durchdringen. Der Kopf des
Ringrichters wird zurück gerissen, und dann so weit nach
vorne wie möglich gedrückt.
Im
letzten Moment zieht Dalmi die Spritze aus dem Weg und
gackert entzückt.
Sein
Lachen klingt wie Maschinengewehr-Feuer.
Baumgärtner
hyperventiliert. Seine Knie zittern.
Pete:
„Kriss Dalmi nimmt den Referee und das gesamte Match
als Geisel.“
Der
keuchende Robert Breads hält sich noch immer die
Leisten, als er sich wieder auf die Knie kämpft. Dalmi
dreht sich in Pirouetten-Form zwei Mal um die eigene Achse,
springt dann in die Luft, streckt die Beine durch und segelt
ebenso elegant wie lebensbedrohlich mit der Spritze in der
Hand auf Breads nieder.
LOW
BLOW!
Wenn
Dalmi unfair spielt, wird Breads das mit Sicherheit auch. Der
Kanadier verlagert sein Körpergewicht, zieht den Kopf
ein und reißt die linke Schulter nach vorn, um sie mit
perfektem Timing in Dalmis Unterleib zu donnern. Der
ehemalige Anführer der Junkie World Order stöhnt,
als Breads panisch mit der Faust gegen das Handgelenk von
Dalmi schlägt.
Die
Spritze fliegt ihm aus der Hand, segelt durch den Ring und
bleibt am anderen Ende des Squared Circle liegen.
Sofort
will Breads hinterher, um sie endgültig aus dem Spiel zu
nehmen, aber etwas klammert sich an seine Füße.
Der Dämon aus dem siebten Kreis der Belgrader Hölle
wird das nicht zulassen. Breads will sich freistrampeln, doch
Dalmi schießt nach oben wie ein ausgehungerter
Killerwal und vergräbt seine Zähne in der Schulter
von Breads. Der Kanadier schreit und will Dalmi wegstoßen,
aber der erweitert seine vampiristische Offensive um seine
beiden Hände, mit denen er sich in Breads‘
Haupthaar festkrallt und daran herumreißt.
Seine
Zähne dringen ein. Seine Hände reißen Breads
in beide Seiten. Und Dalmi rammt Breads das Knie in den
Magen.
Breads
sackt in sich zusammen.
Sven:
„Das hat mit Wrestling überhaupt nichts mehr zu
tun.“
Als
Dalmi bemerkt, dass Breads sich nicht mehr wehrt, lässt
er von ihm ab. Die gräulichen Haare stehen wirr vom Kopf
des Kanadiers ab. Ein blutiger Zahnabdruck ziert die rechte
Schulter des Hall of Famers. Kriss leckt sich ekstatisch über
die dunkelroten Lippen.
Eine
einzige Sekunde gönnt er sich, um sich uneingeschränkt
dem kupferartigen Geschmack auf seiner Zunge herzugeben. Den
Kopf in den Nacken werfend schließt Kriss die Augen. Er
leckt sich über die blutgetränkten Zähne und
wirkt dabei selig.
Mit
einem Mal reißt er die Augen wieder auf und starrt auf
Breads. Genug des Friedens. Seine Gier nach Gewalt ist
endlos.
Dalmi
greift wieder die Haare von Breads und zerrt daran.
Zweifelsohne reißt er dabei einige aus. Referee
Thorsten Baumgärtner ist schon dabei, aus Gewohnheit
eine Ermahnung auszusprechen, die ihm dann aber doch im Halse
stecken bleibt.
Kriss
feuert den Körper seiner Nemesis ohne jede Rücksicht
in die Ringecke. Der ohnehin geschundene Rücken von
Breads kracht auf die Polster. Dalmi steigt auf das zweite
Ringseil, das Gesicht von Breads jetzt auf Höhe seines
Bauches.
Mit
seinen Fingernägeln pult Dalmi in den Bisswunden auf
Breads‘ Schulter herum.
Pete:
„Widerlich.“
Sven:
„Wann sind diese drei Minuten endlich um?“
Pete:
„Und wird Dalmi aufhören, wenn sie rum sind?“
Breads
schreit und zetert und schlägt um sich, sodass Dalmi
droht, das Gleichgewicht zu verlieren. Genervt davon, dass
sein Opfer sich nicht bereitwillig foltern lässt, feuert
Dalmi einen Punch ab und schreit dabei ein Wort ins weite
Rund der Dortmunder Halle.
Jedan!
Die
Faust trifft Breads. Dalmi grinst. Noch ein Schlag.
Dva!
Pete:
„Was ruft er da?“
Tri!
Sven:
„Er macht die Ten Punches.“
Četiri!
Pete:
„Was?“
Pet!
Sven:
„Du weißt schon, er macht die Punches, bei denen
das Publikum mitzählt.“
Šest!
Pete:
„Aber niemand im Publikum macht mit!“
Sedam!
Sven:
„Deswegen zählt er selbst.“
Osam!
Pete:
„Ist das serbisch?“
Devet!
Sven:
„Würde ich vermuten.“
Deset!
Das
waren zehn Stück. Dalmi wischt sich mit dem Handrücken
imaginären Schweiß von der Stirn.
Jedanaest!
Jetzt
erst wirkt
Dalmi zufrieden.
Die
Elf gefällt ihm besser als die Zehn.
Er
ist vielleicht nicht mehr im Keller, aber der Keller wird ihn
nie ganz verlassen.
Dalmi
dreht den Kopf, um zu sehen, wo die Spritze liegt. Er steigt
von den Seilen herab, und Breads sinkt nach unten…
aber hält sich an den Seilen fest!
Dalmi
bemerkt das nicht. Er ist schon auf dem Weg zur Spritze.
Und
so tackled Breads Dalmi mit einem Chop Block. Er springt dem
Serben mit allem, was er hat, in die Kniekehle, und fällt
ihn so. Dalmi landet flach auf dem Bauch, als er nach vorne
stürzt. Sein ausgestreckter Arm ist nur wenige
Zentimeter von der Spritze entfernt.
Breads
schlägt auf den Hinterkopf von Dalmi ein. Der Serbe
flucht. Breads packt den Schädel seines Gegners mit
beiden Händen und knallt ihn mehrfach auf die Matte, als
würde er einen Basketball dribbeln.
Dalmis
Finger strecken sich, um an die Spritze zu gelangen.
Dalmis
Finger erschlaffen.
Dalmi
bewegt sich nicht mehr.
Breads
atmet schwer, als er aufhört, das Gesicht seines Gegners
wieder und wieder so hart wie möglich in den Ringboden
zu rammen. Sein Kopf zuckt panisch nach links und rechts, als
hätte sein Hirn komplett ausgesetzt. Er funktioniert nur
noch auf Instinkt. Doch erstmal droht keine Gefahr mehr. Die
ausgestreckte Hand von Dalmi bewegt sich nicht mehr.
Der
Kanadier genehmigt sich einen Moment der Erleichterung.
Das
ist ein Moment zu viel.
Als
Breads sich ächzend aufrichtet, schießt der freie
Arm von Dalmi nach oben. Er hat sich wohl schnell ohnmächtig
gestellt, um Schaden abzuwenden und gleichzeitig eine Falle
aufzubauen. Der Ellbogen von Dalmi landet zwischen den Beinen
von Breads.
Röchelnd
sackt der Kanadier zusammen. Tränen treten in seine
Augen. Dalmi reißt den Kopf hoch. Ein irres Grinsen
offenbart das Fehlen einer Hälfte des linken oberen
Schneidezahns. Das abgebrochene Stück steckt in der
Ringmatte.
Der
Serbe robbt sich den entscheidenden halben Meter nach vorne.
Seine Augen sind leer. Er beginnt euphorisch zu zittern, als
er die Spritze in der Hand hält.
Wie
ein Alligator rollt er sich auf den Rücken und starrt
hungrig zum vor ihm knienden Breads, der in kaltem Schweiß
badet. Die Schulter pocht. Das Herz hämmert.
Kriss
Dalmi greift an.
Aus
dem Liegen wuchtet er sich erst schnell in eine sitzende
Position, dann kommt er aus den Knien, und im nächsten
Augenblick ist Breads auf dem Rücken, Dalmi über
ihm.
Die
Spritze liegt in Kriss‘ Hand. Mit beiden Händen
umklammert Breads das entsprechende Handgelenk.
Stalemate.
Dalmi
drückt nach vorne. Breads drückt nach vorne.
Es
geht nicht vorwärts und nicht rückwärts.
Die
Nadel verweilt gute zwanzig Zentimeter vor Breads‘
Gesicht.
SLAP!
Mit
der freien Hand verpasst Dalmi Breads eine schallende
Ohrfeige. Das lockert den Griff von Breads ein wenig. Wieder
holt Kriss mit der freien Hand aus. Breads zieht eine seiner
beiden Hände vom Spritzen-Arm weg, um sich zu
verteidigen.
Jetzt
kann Breads einen weiteren Schlag abwehren. Aber in der
Position, in der sich beide befinden, kann Dalmi viel mehr
Kraft ausüben.
Mit
zwei Händen konnte Breads dagegenhalten.
Mit
einer Hand sieht es schlecht aus.
Dalmi
presst und presst und presst und die lebensverändernde
Spitze der Nadel kommt immer näher und näher.
Fünfzehn Zentimeter. Zehn Zentimeter.
Die
Arme von Breads und Dalmi zittern, so viel Kraft bringen sie
auf. Der Kanadier will seine zweite Hand wieder zur Hilfe
nehmen, doch nun ist es an Dalmi, mit seiner freien Hand
dafür zu sorgen, dass das nicht passiert.
Breads
beginnt sich zu winden. Dalmis Lachen kommt tief aus seiner
Kehle.
Fünf
Zentimeter.
Drei
Zentimeter.
Die
silberne Nadel spiegelt sich in Breads‘ Pupille. Die
Spitze streicht über seine Wimpern.
Ein
letzter Zentimeter.
Time
Limit Draw
Die
Glocke verkündet das Ende des Kampfes. Rasch reißt
Dalmi den Kopf hoch. Er war so vertieft in diese Situation,
dass ihn das völlig aus dem Konzept bringt. Das gibt
Breads die kurze Chance, die er braucht.
Er
reißt seinen anderen Arm los und verpasst Dalmi einen
rücksichtslosen Faustschlag mitten ins Gesicht.
Kriss
jault getroffen auf. Aus purem Reflex lässt er die
Spritze fallen. Bevor sie Breads treffen kann, fängt der
Kanadier sie mit einer Hand ab.
Er
hat das ganze Match über gezittert. Jetzt ist er ganz
ruhig.
Robert
Breads rammt die Spritze in die Brust von Kriss Dalmi und
drückt den Kolben durch.
Pete:
„Oh Gott. OH
GOTT.”
Sven:
“Du sprichst zu niemandem, Pete. Gäbe es einen
Gott, er hätte Kriss Dalmi niemals zugelassen.“
Dalmi
hört auf zu jaulen. Verdutzt sieht er an sich herab. Der
Serbe sieht die Spritze in seiner Brust. Dann guckt er zu
Breads.
Der
Kanadier robbt sich so schnell er kann weg von Dalmi. Er
japst. Mit weit aufgerissenen Augen starrt Breads auf das,
was er gerade getan hat. Breads rollt sich aus dem Ring.
Thorsten Baumgärtner folgt ihm.
Ohne
Scham oder Angst zieht Dalmi die Spritze aus seiner Brust. Er
lächelt.
Pete:
„War da etwa wirklich AstroHappy drin? Ist er high?“
Sven:
„Oder es war nur Wasser, und er hat uns alle an der
Nase herumgeführt.“
Wir
wissen es nicht. Wir sehen nur, dass Kriss Dalmi die
Mundwinkel nach oben schiebt und die Spritze in seiner Hand
ansieht, als wäre sie sein Erstgeborenes. Langsam dreht
er sich auf dem Absatz um und blickt aus dem Ring zu Breads
und Baumgärtner, die nebeneinander vor dem
Kommentatorenpult kauern.
Kriss
Dalmi verneigt sich. Verstört starrt Breads zu ihm hoch.
Der Serbe richtet sich wieder auf und winkt zum Abschied.
Dalmi
wirft die Spritze nach Breads. Sie ist nun leer, aber
trotzdem springen nicht nur Breads und Baumgärtner,
sondern auch die hinter ihnen sitzenden Laura, Pete und Sven
panisch bei Seite.
Sie
zerbirst in viele Einzelteile. Die Nadel verbiegt sich.
Ob
dieses Anblicks gluckst Kriss Dalmi. Der serbische Albtraum
verlässt den Ring und trottet die Rampe hoch.
Pete:
„Alles in Ordnung, Laura?“
Sven:
„Ganz ehrlich, ich könnte eine Pause vertragen.
Das war zu viel für meine Nerven.“
Pete:
„Muss man froh sein, dass Kriss Dalmi sich nur alle
paar Jahre hier blicken lässt?“
Sven:
„Wenn wir und die GFCW Glück haben, verschwindet
mit Breads auch Dalmi.“
Breads
versucht, ruhig zu atmen. Das Adrenalin lässt nach und
hinterlässt ihn körperlich in einem Tief. Ein
Medizinier reinigt seine Schulterwunde und klebt sie mit
einem großen Pflaster ab.
Laura
erhebt sich.
Kurz
schaut sie zu Breads herüber, dann zu Thorsten
Baumgärtner. Beide scheinen noch immer unter Schock zu
stehen, doch signalisieren, dass es weitergeht.
Über
die Treppe steigt der Referee ins Seilgeviert. Er zieht das
Stück Zahn aus der Matte. Breads slidet hinterher. Sein
Rücken tut weh. Seine Schulter tut weh. Sein Schädel
brummt.
Aber
er ist nicht am Ende.
Noch
nicht.
Laura:
„Der achte Gegner im GOAT Gauntlet…“
4
…
… 3
…
…… 2
…
……… 1
…
„MÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!“
Ein
mächtiger, prächtiger schwarzer Vierhorn-Widder
betritt die Rampe und scharrt mit den Hufen. Wer ihn kennt
stimmt mit in das Geblöke ein, gibt es doch nur wenig so
ikonische Kampfschreie im FW. Wer die beste aller GFCW-Zeiten
damals jedoch verpasst hat, die Zeit als Baguettes
geschmiert, Topfpflanzen geworfen, Hatee no-showte, UZIs im
Publikum Ratatataten und Gurken frisch im Ring eingelegt
wurden, schaut jetzt vielleicht etwas dumm aus der Wäsche
und fragt sich, was das soll und ob nicht gleich noch ein
Perlkräuselhuhn aus der Hölle auf seinem wolligen
Rücken zum Ring reitet. Ähnlich wie sich Määhphisto
selbst fragt, was das VORHIN sollte, als Robert Breads ihn
bereits in der Form von Max Mustermann bekämpft hatte.
Ja
richtig. Robert mag ihn in der Gestalt von Max Mustermann
bekämpft haben… „but that wasn’t even
his final form!“ würden DBZ-Fans und Meme-Kenner
jetzt schreien. Jedenfalls wenn sie wüssten, dass Max
Mustermann und Määhphisto natürlich ein und
die gleiche Entität sind, als der Ultimate Määhdrescher
Richtung Ring galoppiert, die Hörner hoch erhoben und
zuvor in der Maske auf Hochglanz poliert.
Der
Wiederkäuer der Finsternis hat viele Formen und Namen
und unter den meisten trat er bereits in der GFCW auf, so ist
es nur angemessen, dass er auch das hier tut, zum Abschluss
von Robert Breads Karriere und vielleicht seiner eigenen als
sogenannter Wrestler. So wie es in der Welt zugeht hat der
Herrscher der Unterwelt schließlich auch als Teufel mit
der ewigen Verdammnis genug zu tun und es wird vor allem
dringend Zeit die 9 Kreise der Hölle mal um ein paar
Weitere für Politiker und Fox News Moderatoren zu
erweitern.
Aber
das hat noch Zeit bis NACH dem Match! Denn alle guten Dinge
sind bekanntlich Zwei und diesmal hat Määhphisto
nicht vor sich in seiner WAHREN GESTALT so schnell geschlagen
zu geben, wie zuvor Mustermann.
Der
Widder stellt sich prachtvoll und breitbeinig vor den Ring,
um allen die Möglichkeit zu geben, sich an seiner puren
Präsenz zu laben. Daraufhin marschiert er würdevoll
die Ringtreppe nach oben und bleibt dort stehen.
Breads
diskutiert angeregt mit Thorsten Baumgärtner. Er rollt
seine rechte Schulter etwas, wo das Pflaster begonnen hat,
sich dunkel zu färben, und scheint ehrlich interessiert
daran zu sein, wie man denn bitte ein Schaf in einem
Wrestling-Match besiegen soll.
Ob
seines momentanen Zustands ist es Määhphisto
unmöglich, sich zu räuspern, aber das Geblöke,
dass er ausstößt, erfüllt den gleichen Zweck.
Noch immer steht er auf der Treppe.
Breads
glotzt ihn an.
Määhphisto
glotzt zurück.
Pete:
“...oh. Er passt nicht durch die Seile, kann das sein?”
Sven:
“Komm, packen wir mit an.”
Die
Kommentatoren legen ihre Headsets nieder und eilen zum Ring.
Sie erklimmen die Ringtreppe und bedeuten Breads, ihnen zu
helfen. Der verweist auf seine Schulter und lehnt sich an die
Seile. Mit aller Mühe stemmen Pete und Sven, die nun
wahrlich keine Muster-Athleten sind, den diabolischen
Wiederkäuer nach oben. Um Dominanz zu etablieren,
platziert Määhphisto die Vorderhufe auf den Köpfen
von Pete und Sven.
So
ist es recht, er wird getragen und trampelt auf Leuten herum.
Referee
Baumgärtner kommt ihnen entgegen, und Määhphisto
versteht das als Einladung, ihn als Landebahn zu benutzen. Er
stößt sich mit den Hinterbeinen von den Schultern
der Kommentatoren ab. Beide verlieren das Gleichgewicht. Sven
kann sich noch so gerade eben am Top Rope festhalten. Pete
fällt mit einem Schrei auf den Hallenboden.
Määhphisto
verlässt seinen gemütlichen Platz auf dem Referee
und tritt bei Seite. Breads lehnt immer noch in den
Ringseilen, atmet schwer und ist sich nicht sicher, ob das
hier eine kleine Pause bedeutet oder er womöglich eine
neue Art der Demütigung entdecken wird.
Baumgärtner
richtet sich auf und wischt sich Schafshaare aus dem Gesicht.
Pete
und Sven sind wieder am Kommentar.
Pete:
“Das stand nicht in der Jobbeschreibung.”
Sven:
“Du hast doch seit 2001 keine mehr gesehen. Dinge
ändern sich.”
Pete:
“Was macht ein SHEEP bitte im GOAT Gauntlet?”
Sven:
“Diversität.”
Die
Glocke läutet.
Nichts
passiert.
Määhphisto
ist offensichtlich ganz zufrieden damit, einfach nur
dazustehen und dafür zu sorgen, dass ein paar Leute im
Publikum “Wie
süß!”
quäken.
Breads hat keine große Lust, gegen ein verdammtes Schaf
zu kämpfen.
Dann
seufzt er, zuckt mit einer Schulter (die andere wird
geschont) und geht auf die Knie.
Es
ist nicht ganz Augenhöhe, aber nah dran.
Breads
hebt beide Arme.
Pete:
“Was soll das werden?”
Sven:
“Ein Lock-Up, schätze ich.”
Määhphisto
scheint die Einladung zu verstehen und marschiert nach vorne.
Breads scheint es sich anders zu überlegen und steht
wieder auf.
Sven:
“Määhphisto hat vier Hörner. Breads nur
zwei Hände. Ziemlich unfair, wenn es um Lock-Ups geht.”
Pete:
“Wenn Breads wirklich der GOAT wäre, würde er
eine Lösung finden.”
Määhphisto
wird ungeduldig und scharrt mit dem linken vorderen Huf. Wird
jetzt gekämpft oder nicht?
Einmal,
zweimal, dreimal zieht der höllische Paarhufer das linke
vordere Bein über die Matte. Breads gestikuliert,
Määhphisto habe drei Mal mit der “Hand”
auf
die Matte geschlagen. Das sei ein Tap-Out.
Referee
Baumgärtner wirkt nicht überzeugt.
Protestierend
gibt Määhphisto ein “Määäääh!”
von
sich. Breads gestikuliert, dass dieses Geräusch auch
“Ich
gebe auf!”
bedeuten
könnte.
Referee
Baumgärtner wirkt nicht überzeugt.
Määhphisto
stupst Breads mit den Hörnern in den Oberschenkel. Nicht
heftig, nur als Aufforderung zu was auch immer.
Breads
stemmt ein weiteres Mal die Hände in die Hüften,
starrt zur Hallendecke und formt mit den Lippen Worte, die
wir nicht ausmachen können. Sollte er sich nun auch noch
bekreuzigen, könnte er Määhphisto nachhaltig
verärgern, doch dieser Fauxpas unterläuft dem
Kanadier nicht.
Er
geht auf alle Viere. Jetzt sind sie wirklich auf Augenhöhe.
Pete:
“Interessante
Taktik.”
Sven:
“Ist es das? Jede
Taktik
gegen ein Schaf wäre absurd anzusehen.”
Breads
kriecht auf den Widder zu. Määhphisto macht
ebenfalls einige Schritte. Ein episches Kopf-an-Kopf,
Hörner-an-Stirn, und Breads...
...dreht
sich auf den Rücken und streckt alle Viere in die Luft.
Pete:
“Junge.”
Sven:
“Was ist der Plan?”
Määhphisto
guckt sich das an, und könnte ein Schaf mit seiner Mimik
Verwirrung vermitteln, er würde es wohl nun tun. Breads
rührt sich nicht und bleibt auf dem Rücken liegen.
Nun gut, wenn das die Kampfpose für ein Duell Mensch
gegen Schaf ist, dann wird Määhphisto mitspielen.
Auch
das Schaf dreht sich auf den Rücken und streckt die Füße
in die Luft.
Sie
liegen Seite an Seite.
Breads
fährt einen Arm aus und beginnt, die Brust von
Määhphisto zu kraulen.
Ein
wohliges “Määäääh!”
entfährt
dem Widder. Breads nickt dem Referee zu: Er hat eine Hand auf
der Brust seines Gegners, und die Schultern sind auf der
Matte.
Pete:
“Breads pinnt Määhphisto!”
Sven:
“Referee Baumgärtner verneint!”
Pete:
“Was ist das Problem?”
Sven:
“Die Schultern berühren nicht die Matte. Die Wolle
ist dazwischen.”
Pete:
“Also kann man Määhphisto gar nicht pinnen.”
Sven:
“Zumindest nicht, ohne ihn zu scheren.”
Breads
setzt sich auf, eindeutig genervt. Dennoch hört er nicht
auf, Määhphisto zu kraulen. Die Kreatur aus den
tiefsten Tiefen von Gehenna lässt es sich gut gehen.
Der
Kanadier guckt sich Määhphisto genau an. Breads
beäugt das Top Rope. Er
weiß, dass das Schaf nicht selbst wieder in den Ring
kommen könnte, nicht ohne Hilfe. Aber um Määhphisto
rauszukriegen, müsste er ihn über das dritte Seil
befördern, was aus mehreren Gründen unmöglich
scheint. Count-Out Sieg fällt also auch flach.
Es
muss etwas anderes her.
Breads
klatscht Määhphisto auf die Wampe.
Mit
einem wütenden Blöken schüttelt sich
Määhphisto, dann wackelt er hin und her, um die
Hufe wieder auf den Boden zu kriegen, und steht auf. Breads
posiert breitbeinig vor dem Schaf. Es bläht die Nüstern
auf. “Canada’s Own” provoziert mit
abstrusen Gesten.
Pete:
“So rennt Määhphisto ihn doch über den
Haufen.”
Sven:
“Und zwar auf Höhe der Leisten. Wenn Breads den
Kopf oder die Hörner zwischen die Beine bekommt wäre
das ein Low Blow.”
Pete:
“Ein Sieg per Disqualifikation.”
Sven:
“Aber zu welchem Preis?”
Määhphisto
stürmt los. Das Wesen aus dem Inferno donnert auf Breads
zu, den Kopf gesenkt, bereit zur Vernichtung.
Und
Breads bleibt stehen.
Bis
zum letzten
Moment.
Dann
springt er nach oben.
Hat
er zu viel Angst bekommen? Ist es ihm das doch nicht wert?
Man weiß es nicht. Breads macht die Beine breit und
eine Art Spagat in der Luft, was sehr ungelenk aussieht, aber
dahingehend funktioniert, dass Määhphisto unter ihm
durchrauscht und Breads und dessen Unterleib verfehlt.
Der
Widder rammt eines seiner Hörner in das mittlere Polster
in der Ringecke und blökt panisch, als er sich dort
verhakt zu haben scheint. Breads landet wenig elegant, nicht
auf den Füßen, sondern mehr so auf den Knien, und
flucht laut. Der Kanadier wendet sich Määhphisto
zu. Das Schaf meckert und mäht und zerrt und zieht, aber
scheint nicht den richtigen Winkel zu finden, um sich zu
befreien.
Das
ist die Chance für Breads. Er könnte das Schaf
verprügeln, würgen oder sonst etwas tun, und
solange Breads den Hufen der Hinterbeine ausweicht, gibt es
quasi keine Gefahr für ihn.
Breads
überlegt einen langen Moment lang. Dann tritt er neben
Määhphisto. Das Schaf hat die Augen aufgerissen.
Die Hände von Breads schießen nach unten.
Sie
reißen das Polster, in das Määhphisto gerannt
ist, weiter auf, bis es in zwei Teilen auf den Boden fällt.
Määhphisto ist frei. Breads setzt sich
Schneidersitz neben das Schaf und streichelt seine Stirn.
Time
Limit Draw
Pete:
“Ein Herz für Tiere.”
Sven:
“So kann man es auch sehen.”
Es
scheint einiges an Spannung von Breads abzufallen, während
er neben dem Wollhaftigen sitzt, seine Hand von der Stirn
unter das Kinn des Schafes führt und es krault. Vier
Mitarbeiter eilen aus dem Backstage heraus, um Määhphisto
sicher über das Top Rope nach draußen zu tragen.
Breads
lässt den Widder in Ruhe und bekommt erneut eine
Wasserflasche gereicht. Määhphisto blökt
aggressiv in Richtung der vier Mitarbeiter und dreht den Kopf
zu Pete und Sven. Entnervt legen diese erneut ihr Headset
nieder und müssen dabei sein, als Määhphisto
über das oberste Seil auf die Ringtreppe gehievt wird.
Dort
bleibt er stehen.
Die
vier Mitarbeiter gucken einander an. Pete und Sven gehen an
ihren Platz zurück. Määhphisto macht keine
Anstalten, sich zu bewegen.
Stattdessen
lässt er die vier Männer antanzen und sich den
gesamten Weg zurück, die Rampe – also auch noch
bergauf, wenn auch nicht allzu steil – tragen.
Was
für ein verwöhntes Schaf.
Pete:
“So, war’s das jetzt? Bevor wir noch mehr Viecher
schleppen müssen, können wir von mir aus auch
Schluss machen.”
Sven:
“Ich glaube nicht. Laura steht schon wieder.”
Das
sieht auch Breads, der im Rahmen des “Matches”
mit dem Schaf noch einmal ein wenig Kraft tanken konnte.
Vielleicht hat er auch deshalb, als kleinen “Dank”,
am Ende beschlossen, nicht ernsthaft um alles in der Welt ein
Schaf in einem Wrestling-Match besiegen zu müssen. Er
hat das Tal des Post-Adrenalin-Dumps durchschritten, und ist
bereit für den Endspurt.
Mindestens
einen Gegner gibt es noch.
Laura:
“Der neunte Gegner im GOAT Gauntlet...”
Leicht
medidative Riffs erklingen, gebrochen von fast gelangweilt
klingenden Bassriffs...
"I
toss and turn and I can't sleep
I
don't understand my life
I
don't understand my suffering
I
try to fight, I try to resist..."
Wie
aus dem Nichts rastet ein Teil des Pulikums vollkommen aus
und stimmt zu "HATE..KILLS!"Chants an. Selbst wenn
er schon seit Jahren aus dem Business verschwunden ist und
mehrfach totgesagt wurde, scheint REBEL CALLED HATE immer
noch Teile des Publikums zu polarisieren.
Eine
dezent muskulöse, breitschultrige Dame erscheint im
Eingangsbereich. Ihre Dreadlocks geben ihr eine medusa-artige
Aura. Es handelt sich um Jessy Chaos,welche dafür
bekannt war reichlich Chaos in die Backstagebereichen
diverser Wrestlingligen zu bringen. Ihr Lächeln ist
selbstsicher, fast schon überheblich.
Pete:
"Das ist doch..."
Sven:"...jaja
der Jesus für Arbeitslose mit seiner Bums-chickse. Oder
auch die menschgewordene Symbolik des Totalversagens...uuuund
er lässt sich mal wieder sehr viel Zeit"
Pete:
"Nun ja, er hatte stets Talent. Seine privaten Probleme,
dazu Drogenprobleme und seine Disziplinlosigkeit waren ihn
leider häufig im Weg und dennoch bewegte er viele
Menschen,wie man eidrucksvoll sieht."
Jessys
Blick geht kritisch durch die Zuschauerreihen. Wie als würde
sie abwägen und analysieren wieviel Resonanz ihr
Schützling noch erzielt.
Nachdem
getragenen, desillusioinert wirkenden Anfangspart bricht der
Song plötzlich in lautes "CANT HIDE!" Gebrüll
aus. Wie auf Kommando erscheint der Inegriff eines
Anti-Helden...lässig,fast schon zu lässig. Der Teil
des Publikums,welches straight in die Midlifecrisis zurast
oder schon ist, chanted munter weiter...wie als würden
sie von den Geistern ihrer Vergangenheit eingeholt werden.
Hate
wirkt so, als würd er die Situation absolut nicht ernst
nehmen. Sein Outfit besteht aus Adidas-Jogginghose und einem
Hoodie...natürlich auch von Adidas. Wie ein Relikt aus
einem Korn-Musikvideo von Mitte der 90er. Wie man sieht,hat
er seine hormonelle Therapie abgebrochen...seine non-binäre
Äusserlichkeit ist wohl auch nur eine seltsame,
drogengeschwängerte Idee gewesen. Wie zu seiner
Anfangszeit trägt er wieder eine prachvolle
Dreadlock-Mähne...anders als sein Gegner wird diese aber
nicht durch erste Grauzüge durchzogen.
Pete:
"Ob er weiß dass er einen Sohn hat?"
Sven:
"Er weiss doch offensichtlich nicht mal wo er gerade ist
und welches Jahr wir haben."
Seine
Augen sprechen dagegen eine andere Sprache, sie sprechen eine
Sprache der Klarheit, Besonnenheit, Sicherheit. Er und Jessy
gehen langsam und gemütlich die Rampe runter. Dabei
winken sie ihren altgedienten Fans ab und an zu.
Sven:
"Oh Gott,jetzt erinnere ich mich an diverse Segmente die
wir ertragen mussten, als Jessy Chaos Nightmares Managerin
war...und die Sache mit Joe Jobber...oder sein
Zwillingsbruder im Pool mit einen Homosexuellen im
Hühnerkostüm..."
Pete:
"DIESE SEGMENTE HABEN NIEMALS STATTGEFUNDEN!!!"
Jessy
stellt sichseitlich vomRing auf und verschränkt ihre
Arme. Dabei lächelt sie Breads müde an, als würde
sie sagen wollen "Du weißt nicht auf welche
Scheiße du dich eingelassen hast!"
Währendessen
entledigt sich Hatee seines Hoodies, zum Vorschei kommt ein
recht dünner aber definierterer Körper...wie ein
durchgehender Strich der als Karikatur mit Muskeln verziert
wurde. Bevor er in den Ring steigt schliesst er kurz seine
Augen...
HATE!
HATE!
HATE!
...um
sie dann diabolisch grinsend zu öffnen. Seine gesamte
Aura scheint sich geändert zu haben. Von einen
postraumatisch gestressten Mesche, der irgendwann seinen Weg
abseits seines inneren Kriegs gefunden hat, zu einem Menschen
der sich in einem endlosen Kampf mit Satan höchst
persölich befindet. Here we go again...;,it dem Ziel
seine innere Apokalypse auf seinen Gegner zu projezieren
rollt er sich in den Ring.
Sven:
“Er ist körperlich eindeutig unterlegen, aber
frisch und voller Energie!”
Der
Rebell namens Hass treibt Breads mit seinen Schlägen
rückwärts, Breads kann eigentlich nur die Arme
hochreißen. Für seine Schläge zum Kopf muss
Hate sich ordentlich strecken. Es gibt keinen Rhythmus und
kein System hinter den Punches, sie scheinen fast schon
willkürlich und wahllos, und sind deshalb unheimlich
schwer zu blocken.
Hate
landet einige Wirkungstreffer, andere kann Breads abfangen.
Hate versenkt eine Faust in Breads’ Magen. Hate landet
eine saftige Ohrfeige. Hate streift die angeschlagene
Schulter von Breads, und der zuckt zusammen.
Das
nutzt der Rebell aus. Er springt ab.
Dropkick!
Breads
wird rückwärts geschleudert, in die Ringecke.
Sofort setzt Hate nach, schnappt sich den Kopf von Breads und
geht ausnahmsweise einmal nicht die Wände, sondern die
Ringseile hoch.
Tornado
DDT!
Breads’
Kopf wird auf die Matte gedonnert. Jessy Chaos dirigiert am
Ring die Dortmunder Fans zu einem lauten Chant. Der Kanadier
probiert, so gut es geht, schnell wieder auf die Beine zu
kommen. Hate rollt sich auf den Apron.
Dort
greift er das oberste Seil.
Wartet
auf den richtigen Moment, bis Breads wieder steht.
Und
springt ab.
720°
DDT! DER FUCK OFF DDT!
CANADIAN
CUTTER!
Breads
pflückt den heranfliegenden Hate aus der Luft, schlingt
seine Arme um dessen Hals und lässt den Mann mit den
Dreadlocks mit dem Gesicht voran auf die Matte klatschen. Die
Geschichte von Hate: Immer gut genug, um zu beeindrucken, nie
gut genug für den ganz großen Moment.
Breads
lässt das Cover folgen.
Eins...
Zwei...
Dre...eeeeeeein!
KICK-OUT!
Pete:
“Hate kickt aus! Hate kickt aus!”
Sven:
“Es war immerhin auch der erste Move, den er überhaupt
einstecken musste, und gegen einen geschwächten Gegner,
das ist-”
Pete:
“Halt die Fresse, Sven. Es geht weiter!”
Breads
setzt sich auf, ein ungläubiger Ausdruck im Gesicht, den
Mund leicht offen. Jessy Chaos bläst am Ring die Backen
auf und stützt sich mit den Handflächen auf dem
Apron ab, während sie das Match beobachtet. Das war
knapp.
Der
Kanadier steht auf. Sein Rücken macht ihm Probleme.
Seine Schulter macht ihm Probleme. Die Kondition macht ihm
Probleme.
Und
so spaßig es auch ist, dass Hate hier ist, so ist doch
klar, was die Rolle von Hate sein soll: Alle glücklich
machen und dann verlieren.
Breads
wird dafür sorgen, dass er diese Rolle auch spielt.
Er
schnappt sich Hate an den Dreadlocks.
Hakt
einen Arm ein.
Hakt
den anderen Arm ein.
Der
RB Driver hat noch jeden Gegner geschlagen. In seiner
gesamten , heute endenden Karriere ist noch nie
jemand
ausgekickt. Das wird sich, wenn es nach Breads geht, auch in
seinem letzten Match nicht ändern.
Hate
sollte sich geehrt fühlen, dass Breads die Killer-Waffe
auspackt, um ihn zu besiegen.
Breads
stemmt ihn hoch.
RB
DRIVER!
HURRACANRANA!
Als
die Beine von Hate vom Boden gerissen werden, nutzt er den
Schwung, lässt sie weiter segeln als Breads das geplant
hat, umschlingt den Hals des Kanadiers und kontert den RB
Driver mit einer Kopfschere, die Breads vollkommen
unvorbereitet trifft. Der Hall of Famer fliegt durch die
Luft, macht einen halben Überschlag und landet sehr
unglücklich auf seiner von Kriss Dalmi verletzten
Schulter. Breads schreit.
Hate
krabbelt auf den Apron und richtet sich auf.
Er
wartet. Dann springt er.
“Du...”
FUCK
OFF!
“...Penner!”
Pete:
“Der geht durch! Hate mit dem 720° DDT!”
Sven:
“Die Zeit der respektablen Niederlagen ist vorbei,
heute holt er sich den Sieg!”
Pete:
“Aber... er pinnt ja gar nicht. Was macht er?”
Sven:
“Hate klettert auf das Top Rope!”
Wie
im Rausch erklimmt Hate die Seile, so schnell er kann. Jessy
deutet auf Breads, will, dass Hate ihn jetzt
besiegt,
aber der Rebell hört nicht.
Das
hier ist Breads’ Match. Aber es ist Hates Moment.
JUMP
DA FUCK UP!
Für
einen Moment scheint Hate in der Luft zu schweben, als er
sich für seine Swanton Bomb – wie immer mit einem
Flip, der erst kurz vor der Landung erfolgt – nach
vorne fallen lässt.
Tausend
gezückte Smartphones halten den Moment aus tausend
verschiedenen Perspektiven fest.
Breads
zieht die Knie an.
Aber
zu spät.
Hate
trifft mit seinem Rücken den Oberkörper von Breads.
Sämtlicher Sauerstoff wird aus den Lungen des Kanadiers
gepresst.
Der
ewige Underdog wirft sich auf den Hall of Famer.
Eins...
Zwei...
Drei!
Sieger
durch Pinfall: Rebel called Hate
Es
wird laut in der Halle, als Hate im Siegesrausch mehrfach die
Faust auf die Matte ballert. Das wird ihm seine Hand noch mit
einem pochenden Schmerz verdanken, aber das ist Hate gerade
egal. Jessy slidet zu ihm in den Ring und scheucht Referee
Thorsten Baumgärtner weg, damit sie selbst den Arm des
Siegers heben kann.
Rebel
called Hate und Jessy Chaos, triumphierend im Ring, im Main
Event der Geburtstagsshow.
Pete:
“Wahnsinn. Was für eine Performance, was für
ein Comeback.”
Sven:
“Die zweite Pleite von Breads in diesem Gauntlet, und
vielleicht auch seine Letzte. Laura sitzt noch an ihrem
Platz.”
Pete:
“Das wäre doch ein passendes Ende. Es ist nicht
Breads’ Happy End, aber es ist ein
Happy
End.”
Mit
einem rotzfrechen Grinsen in der Fresse verlässt Hate
den Ring und kommt nicht umhin, mit ein paar Leuten in der
ersten Reihe abzuklatschen. Jessy folgt über die Treppe
und beobachtet bloß. Sie gönnt Hate diesen Moment.
Der
Sieger klettert auf die Barrikade und nimmt eine Jubelpose
ein. Ein wirres, bejahendes Stimmenmeer schlägt ihm
entgegen. Hate lässt sich fallen, mitten in die Menge,
wo man ihn berührt oder das Smartphone zückt, um
ein Foto zu machen.
Jessy
steigt ihm hinterher, während Hate den Abgang durch die
Masse wählt, statt die Rampe hochzugehen. Er verteilt
High Fives und Fist Bumps. Jemand steckt ihm irgendetwas zu,
das Hate mit schelmischem Blick in der Hose verschwinden
lässt.
Hate
streckt die Hand nach hinten aus und Jessy Chaos ergreift
sie. Er reißt auch ihren Arm nach oben. Sie lässt
ihn machen, nicht ohne das alles ein bisschen zu genießen.
Blitzlichtgewitter.
Fast
alle Blicke in der Halle folgen den beiden, als sie gemeinsam
Richtung Ausgang drängeln.
Breads
sieht nicht dorthin. Referee Thorsten Baumgärtner
kontrolliert, ob Breads noch weiterkämpfen kann. Er
wirkt erledigt. Die Moves von Hate haben erst den Kopf und
dann die Mid-Section zu seinen Problemzonen hinzugefügt.
Abwesend nickt der Kanadier. Doch er hat nur Augen für
Laura.
So
kann
seine Karriere doch nicht enden, oder? Mit so
einer
Pleite?
Die
Ringsprecherin lächelt ihm zu. Ist das ein beruhigendes
oder ein mitleidiges Lächeln? Breads öffnet den
Mund. Ihm fällt nichts ein.
Laura
steht auf.
Breads
bricht erleichtert zusammen. Dem Referee versichernd, es gehe
ihm gut, zieht der Hall of Famer sich an den Seilen nach
oben.
Laura:
“Der zehnte Gegner im GOAT Gauntlet...”
Und
dann ist es so weit. Die Fans rasten komplett aus, als sie
das flüsternde „WAKE ME UP“ hören, denn
sie wissen ganz genau, was das zu bedeuten hat. Die Halle
wird nicht mehr verdunkelt, dennoch bilden sich blau-grüne
Lichtkegel auf der On Stage und tatsächlich! Zereo
Killer zeigt sich heute in seinem zweiten Match! Er hat sogar
die Zeit gefunden, sich sein Facepainting nochmal neu
aufzutragen, und natürlich hat er das neue Gold um die
Hüften! Der neue GFCW Tag Team Champion, gemeinsam mit
Morbeus – zusammen nennen sie sich Zorbeus –
kommt zum Geviert. Auch wenn er von der Crowd lautstark
bejubelt wird, gilt seine volle Konzentration dem Mann im
Ring. Er grinst, er freut sich auf ein letztes
Aufeinandertreffen mit Robert Breads, doch gleichzeitig ist
dieser Moment natürlich auch mit einer gewissen Wehmut
verbunden. Es ist der Abschied von einem der wichtigsten
Akteure, die jemals den GFCW Ring betreten haben. RB scheint
nicht schlecht zu staunen, als er in ZKs Richtung sieht und
das T-Shirt erkennt: „Canadas Best“. MacKenzie
ist bereits am Ring angekommen und bleibt davor stehen. Die
Blicke kreuzen sich. Langsam zieht sich der zehnfache GFCW
Champion das Shirt aus, faltet es behutsam zusammen und legt
es vorsichtig in eine Ringecke, bevor er sich selbst ins
Kampfgeviert rollt. Die Männer stehen sich nun ein
letztes Mal gegenüber, und bevor es überhaupt
losgeht, dreht die GFCW Galaxy komplett durch. HOLY SHIT,
THIS IS AWESOME, FIGHT FOREVER, das sind die Schlachtrufe,
die sich die Wrestlingverrückten um die Ohren schmeißen.
Robert
Breads steht nicht so auf Handshake oder Ähnlichem, das
zeigt die Erfahrung aus der Vergangenheit. Respektvoll nickt
Zereo Killer und geht ein, zwei Schritte zurück, ehe das
GOAT GAUTLET MATCH nach abgelegtem Tag Team Titelgold
weitergehen kann. Was für ein geiler Moment. Danke,
Robert Breads, dass du dieses Match möglich gemacht
hast!
Pete:
“Ein allerletztes Mal!”
Sven:
“Wir haben heute früh am Abend den Clip von
Breads’ erstem und einzigen Sieg über Zereo Killer
gesehen. Seitdem gab es vier weitere Matches, und alle hat
Zereo Killer gewonnen.”
Pete:
“Die Pleite vor fünf Jahren hat diesen gesamten
Abwärtsstrudel von Breads erst ausgelöst. Das ist
zwar nicht die Schuld von ZK, aber ob das Breads das genauso
sieht...”
Schwer
atmend steht Breads seinem alten Rivalen gegenüber.
Immerhin hat auch MacKenzie heute schon ein Match bestritten
und ist deshalb ebenfalls nicht hundertprozentig fit, das
macht es ein wenig besser. Breads lässt den Blick zum
Tag Team Title von Zereo Killer schweifen. In seinen fünf
Jahren seit dem Comeback hat Breads es nicht geschafft,
irgendeinen Titel zu gewinnen. Zereo Killer hat etwa einen
Monat gebraucht.
Breads
verkrampft sich.
Die
Glocke läutet.
Zereo
Killer macht sich bereit und hebt die Hände zum Lock-Up.
Was auch immer Breads ihm in ihrem letzten Duell entgegen
schleudern wird, er wird alles geben, um dem Anlass gerecht
zu werden.
Auch
Breads tritt nach vorne.
Er
streckt die Hand aus.
Pete:
“Das ist sehr untypisch. Will er wirklich das
Kriegsbeil begraben?”
Sven:
“Zereo Killer scheint sich das Gleiche zu fragen.”
Der
Killer blickt Breads in die Augen, ehe ein leises Lächeln
Besitz von ZK’s Gesicht ergreift. Er schlägt ein.
Das finale Duell steht endlich unter respektvollen
Vorzeichen, zwei Legenden die-
INSIDE
CRADLE!
Breads
rollt Zereo Killer ein!
Eins...
Zwei...
Kick-Out!
Die
zwei beeilen sich, auf die Beine zu kommen. Sofort ist Breads
da und stürmt auf den Killer zu, doch MacKenzie zieht
das Top Rope herunter. Breads stürzt erst auf den Apron
und dann auf den Hallenboden. Der Killer klettert auf den
Apron, und greift die Seile, um Schwung zu holen.
Einen
winzigen Moment zögert er. Das Tag Team Title Match ist
ihm noch gut im Gedächtnis.
Aber
das hier ist Main Event, GOAT Gauntlet, Robert Breads. Er
wird sich nicht lumpen lassen.
ASAI
MOONSAULT!
Der
winzige Moment des Zögerns war genug.
Pete:
“Breads weicht aus!”
Sven:
“So halbwegs kann Zereo Killer sich noch abfangen, aber
das sah übel aus.”
Pete:
“Und direkt ist Breads am Start, packt ihn und hievt
ihn in den Ring.”
Sven:
“Breads slidet hinterher. Er hat noch über zwei
Minuten Zeit, Zereo zu besiegen!”
Mit
der einen Hand packt Breads das Handgelenk von Zereo Killer.
Mit dem Daumen der anderen Hand fährt er sich über
die Kehle. Breads’ Augen leuchten.
Der
Kanadier reißt seinen alten Rivalen hoch und lädt
ihn sich auf die Schultern. Sein Gesichtsausdruck sprüht
vor manischer Energie. Breads lacht.
THE
BIG HIT!
Zereo
Killer rutscht von seinen Schultern und entkommt so seinem
eigenen Move!
CANADIAN
CUTTER!
Breads
schubst den Killer weg! Auch er wendet ab, von seiner eigenen
Aktion getroffen zu werden. MacKenzie knallt mit dem Rücken
auf den Boden, wie es auch Breads selbst schon in diesem
Match passiert ist, und der Kanadier ist zur Stelle. Er reißt
an einem Arm von Zereo und hakt ihn ein. Der RB Driver soll
kommen und das Match beenden.
Er
reißt am zweiten Arm.
Und
hakt ihn nicht
ein.
ARMDRAG!
Zereo
Killer fährt den Konter! Diese zwei kennen sich so gut,
nach den vielen Matches über die Jahre, dass die
Entgegnungen immer bereit sind. Breads kann sich abrollen,
als Zereo Killer aus hockender Position nach oben schießt.
EUROPEAN
UPPERCUT!
Statt
einer athletischen Flying Aktion setzt Zereo auf Power, und
erwischt Breads damit auf dem falschen Fuß. Diese Seite
ist neu und noch unbekannt für den Kanadier. Er taumelt
rückwärts. Zereo Killer zerrt ihn zu sich.
Seine
neueste Waffe kennt Breads auch noch nicht.
Der
Killer lädt ihn sich auf die Schultern.
POWER
PILEDRIVER!
SUNSET
FLIP!
Breads
rotiert durch und pinnt Zereo Killer!
Eins...
Zwei...
KICK-OUT!
Zereo
kann Breads von sich schleudern, und “Canada’s
Own” macht eine Rolle rückwärts. Er hustet.
Der Tank ist so gut wie leer, es wird auf Reserve gefahren.
Die
zwei Hall of Famer kämpfen sich nach oben.
Breads
braucht einen Moment länger. Zwölf Tage trennen die
zwei, und doch wirkt der Unterschied riesig. Der alte Mann
muss sich etwas Zeit nehmen.
Das
kann er sich aber nicht leisten.
EUROPEAN
UPPERCUT!
Wieder
legt MacKenzie seine gesamte Kraft in diese Aktion, und sie
scheint Breads komplett den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er
bekommt den Unterarm mit voller Wucht an den Schädel
gedonnert. Breads taumelt rückwärts,
orientierungslos, den Blick glasig, die Gliedmaßen
schlaff.
Zereo
Killer sieht seine Chance gekommen und nähert sich
Breads.
SKULL
KICK!
Wie
aus dem Nichts wirbelt Breads um die eigene Achse und knallt
Zereo Killer den Fuß ans Kinn. Ein Move, den er seit
seinem letzten Duell mit dem Killer ins Arsenal aufgenommen
hat, und den Zereo nicht kommen sieht. Er wirft alles in die
Waagschale, was er noch hat, und Zereo Killer kippt um wie
eine Bahnschranke. Er ist ausgeknockt.
Breads
muss nur auf ihn fallen.
Aber
er fällt in die falsche Richtung und landet auf dem
Rücken.
Beide
Männer liegen reglos auf der Matte.
Nur
ihre Brustkörbe heben und senken sich schnell.
Referee
Thorsten Baumgärtner hat keine Wahl.
Eins...
Pete:
”Das wäre ein beinahe poetisches Ende. Beide
Männer haben sich so lange und so hart bekämpft,
nicht nur heute, sondern über ein Jahrzehnt hinweg, dass
sie auf Augenhöhe enden.”
Zwei...
Sven:
“Das sehe ich anders, Pete. Breads würde das nicht
wollen. Er will Zereo Killer besiegen. Die Poesie
hinter
Momenten ist ihm scheißegal.”
Drei...
Breads
regt sich als Erster. Er versucht sich aufzusetzen.
Vier...
Der
Kanadier legt beide Arme neben sich auf die Matte. So kann er
sich hochdrücken.
Fünf...
Stöhnend
kriegt Breads es hin, in eine sitzende Position zu kommen.
Selbst jetzt schwankt er. Breads muss würgen.
Sechs...
Zereo
Killer bewegt sich. Seine Fingerspitzen zucken in Richtung
der nahegelegenen Seile. Breads blickt zur Seite. Die Seile
sind weiter entfernt als bei MacKenzie, aber er könnte
sie erreichen. Mit dieser Unterstützung kann er sich
aufrichten.
Sieben...
MacKenzie
dreht sich auf den Bauch. Er robbt zu den Seilen. Seine linke
Hand bekommt das Bottom Rope zu fassen. Breads kippt zur
Seite, den Arm ausgestreckt. Auch er kann auf seiner Seite
des Rings das unterste Seil greifen.
Acht...
Beide
Männer ziehen mit Hilfe ihrer Arme die eigenen Körper
nach oben. Breads kommt auf die Knie. Zereo schluckt schwer
und wuchtet den eigenen Körper hoch.
Neun...
Er
steht. Auf wackligen Beinen, ein wenig taumelnd, und nur mit
Hilfe der Seile, aber er hat es geschafft. So gut er kann
hebt er die Hände. Kein sonderlich sauberer Fighting
Stance, aber besser als nichts.
Ein
letztes Duell.
Zereo
Killer ist bereit zu kämpfen.
Sieger
durch Knock-Out: Zereo Killer
Robert
Breads ist es nicht mehr.
Er
hat sich mit aller Macht nach oben ziehen wollen, einen Fuß
auf den Boden bekommen, und dann hat einer seiner Arme
nachgegeben. Der Schmerz explodiert. Sein Rücken brennt.
Der Kopf. Die Rippen. Die Brust.
Breads’
Körper hat versagt.
Pete:
“Wow.”
Sven:
”Damit steht es 5-1 in Singles Action für Zereo
Killer gegen Robert Breads. Breads hat ein weiteres Mal
verloren.”
Der
Kanadier hat keinen strategischen Fehler gemacht, niemanden
unter- oder überschätzt, wurde nicht von
irgendetwas überrumpelt.
Er
ist einfach nicht mehr genug.
Breads
setzt sich hin.
Jetzt
muss er auch nicht weiter versuchen, sich aufzurichten. Jetzt
ist es zu spät.
Zereo
Killer reicht ihm die Hand. Breads blickt auf.
Da
ist nur Zorn. Breads’ Augen verengen sich. Er braucht
kein Mitleid. Schon gar nicht vom großmütigen
Sieger, der ihn – schon wieder – besiegt hat. An
seinem
Abend!
In seinem
Match!
Breads
guckt Zereo Killer ins Gesicht. Er lässt die Schultern
hängen. Dann schlägt er ein.
Mit
Ach und Krach kriegt Zereo Killer es hin, Breads auf die Füße
zu ziehen. Referee Baumgärtner muss MacKenzie
sicherheitshalber ein wenig stützen, Zereo Killer ist
trotz des Sieges nun wirklich nicht das Paradebeispiel für
Standhaftigkeit.
Breads
und ZK stehen sich gegenüber.
MacKenzie
schüttelt die Hand, die er noch immer festhält.
Breads
lässt es geschehen.
Dann
löst er den Griff. Breads - gestützt vom
Ringrichter - verbleibt im Ring, als Zereo sich herausrollt.
Wacklig, aber immerhin siegreich. Der Killer deutet noch
einmal auf sein mitgebrachtes Shirt - “Canada’s
Best”.
Anschließend zieht er mitsamt seines brandneuen Tag
Team Titles von dannen.
Pete:
“Ob Zereos Partner sich über das Shirt nicht
aufregen wird?”
Sven:
“Den Tritt ins Fettnäpfchen wird Morbeus schon
verzeihen.”
Pete:
“Kann Breads noch weiter machen?”
Sven:
“Ich glaube, darüber wird im Ring gerade
diskutiert.”
Das
wird es tatsächlich. Der Ringrichter beharrt darauf,
dass er Breads nicht guten Gewissens weiter machen lassen
kann. Breads beharrt darauf, dass er dann eben ein schlechtes
Gewissen haben soll.
Laura
erhebt sich.
Die
Köpfe drehen sich in ihre Richtung. Erwartungsvoll hängt
Breads an ihren Lippen.
Sie
beginnt zu applaudieren.
Breads
entweicht ein “Nein”.
Pete
erhebt sich und applaudiert. Sven erhebt sich und
applaudiert.
Thorsten
Baumgärtner beginnt zu applaudieren.
Die
ganze Halle beginnt zu applaudieren.
Breads
blickt hektisch nach links und rechts. Er wiederholt immer
wieder ein Wort.
“Nein,
nein, nein!”
Die
Köpfe drehen sich erneut. Claude “Dynamite”
Booker, gehüllt in feinsten Zwirn, schreitet mit einem
höflichen Lächeln die Rampe herab. In den Händen
hält er einen prächtigen Strauß roter und
weißer Rosen.
Breads
schüttelt den Kopf.
Pete:
“Er hat das alles selbst geplant und selbst
vorbereitet. Er wollte selbst nicht wissen, wie viele Matches
es werden, sonst hätte er sich vorbereiten können.”
Sven:
“Ich schätze, wenn es so weit ist, überlegt
es man sich nochmal anders.”
Pete:
“Breads scheint beinahe Panik zu bekommen.”
Sven:
“Jetzt ist es eben unweigerlich vorbei. Da können
einen die Gefühle übermannen.”
Als
Dynamite den Ring betritt, tritt ihm Breads sofort entgegen.
Er
hält ihm einen Zeigefinger unter die Nase.
Die
Message ist klar: Eins
noch!
Dynamite
überreicht Breads den Blumenstrauß.
Breads
schlägt ihn zur Seite. Der Präsident guckt
säuerlich drein.
Der
Finger von Breads bohrt sich fast in die Nase des
Präsidenten.
Eins
noch!
Pete:
“Es war von Beginn an ein eindeutiger Deal: Breads
kämpft gegen die Männer, die das Office bestimmt.”
Sven:
“Dynamite ist
das
Office. Wenn Breads noch ein Match will, soll er es ihm
geben. Dynamite kann alles machen, was er will!”
Pete:
“Er hat wahrlich genug Zeit und Raum bekommen. Danach
will er dann noch
eins,
und dann noch
eins,
nur weil er nicht abschließen kann.”
Sven:
“Der Mann will noch ein einziges
letztes
Mal ran, lasst ihn!”
Claude
Booker schüttelt den Kopf.
Breads
klatscht ihm eine und packt ihn am Kragen.
Die
beiden sind Nase an Nase. Zornig malmen die Kiefer von
Dynamite, als er Breads wegstößt.
Breads
zieht zischend die Luft ein. Er deutet erst auf sich, dann
auf Dynamite.
Und
hebt wieder den Zeigefinger. Eins
noch!
In
Dynamite brodelt es. Er fährt sich mit der Hand über
die Wange, die Breads geschlagen hat. Die zwei waren noch nie
Freunde. Im Gegenteil. Der Präsident wollte lediglich
professionell sein und Respekt zeigen.
Seine
Augen wandern zu den auf der Matte verteilten Blumen.
Dynamite
gibt Laura ein Zeichen. Er zieht sein Jackett aus und rollt
die Ärmel seines Hemdes hoch.
Laura:
“Der letzte
Gegner
im GOAT Gauntlet...”
Pete:
“Das darf nicht wahr sein.”
Sven
:”Re-Match! 2011 hatten die beiden eines der größten
Matches der GFCW-Geschichte, und Breads hat Dynamite aus
seiner eigenen Promotion geworfen.”
Pete:
“Und jetzt wird Dynamite Breads aus der gleichen
Promotion werfen.”
Keine
Regung von Dynamite. Er stiert Breads einfach nur nieder. Der
Kanadier hat ihm so viel Geld und so viel Aufmerksamkeit
eingebracht. Er hat ihm so viel Kummer und Probleme bereitet.
Als Wrestler. Als Offizieller.
Seine
Wangen färben sich rot.
Noch
eine Ohrfeige.
Noch
eine Ohrfeige.
Dynamite
regt sich nicht.
Die
Schläge erfolgen in größeren Abständen
und weniger heftig.
...
Noch
eine Ohrfeige.
...
...
Noch
eine Ohrfeige.
...
...
...
Noch
eine Ohrfeige.
...
...
...
...
Breads
keucht. Er beugt den Körper vornüber, stützt
die Hände auf die eigenen Oberschenkel und scheint darum
zu kämpfen, sich nicht vor Erschöpfung zu
übergeben.
Das
Gesicht von Booker leuchtet hellrot.
Breads
atmet schwer. Er ist gebadet in Schweiß. Quälend
langsam richtet er sich auf. Wieder muss er husten. Der
Kanadier holt zum Schlag aus.
Die
nächste Ohrfeige fängt Dynamite mühelos ab.
Breads weicht dem Blick des Präsidenten nicht aus.
Booker
schüttelt den Kopf.
Kick
in den Magen!
Dynamite
tritt zu, und Breads würgt und spuckt, als er die Aktion
einsteckt. Der Präsident schnappt sich den Kopf von
Breads.
TNT
EXPLOSION!
Der
Stunner sitzt. Breads stürzt mit den Schultern voran auf
die Matte. Dynamite legt sich auf ihn.
Eins...
Zwei...
Drei!
Sieger
durch Pinfall: Claude “Dynamite” Booker
Pete:
„Breads ist unglaublich. Er hat so viel getan, so viel
Schaden angerichtet, nur um sein Traum-Retirement zu
bekommen. Und dann schlägt er aus und überlegt es
sich doch wieder anders.“
Sven:
„Nichts hätte jemals genug sein können.
Vielleicht musste man seine Karriere beenden, bevor seine
wahnhafte Ambition ihn beendet.“
Dynamite
erhebt sich und rückt sein Hemd zurecht. Der Referee
will sehr fürsorglich kontrollieren, ob mit seinem
Gesicht auch wirklich alles in Ordnung ist, aber Booker
wimmelt ihn ab. Er hebt sein Jackett vom Ringboden auf und
zieht es sich wieder über. Der Präsident bittet
einen Mitarbeiter, die Blumen wegzuräumen.
Booker
wirft Breads noch einen letzten Blick zu. Er hatte ihm den
standesgemäßen Abschied geben wollen, Standing
Ovation, Blumenstrauß, Hand heben, noch ein paar Worte
des Dankes vielleicht, trotz ihrer zahlreichen Differenzen,
die eigentlich alle von Breads ausgingen.
Paradox:
Robert Breads war für die meisten Leute ein Albtraum,
die nicht Robert Breads hießen. Die GFCW wird Robert
Breads schrecklich vermissen.
Ein
Mann der Widersprüche, bis zuletzt.
Dynamite
verlässt die Arena.
Wir
verbleiben mit Breads, allein und geschlagen. Er starrt zur
Hallendecke hinauf. Mit aller Kraft, die er aufbringen kann,
will er sich aufsetzen. Er schafft es nicht. Noch ein
Versuch. Erneut funktioniert es nicht.
Breads
hat alles
gegeben,
bis zum letzten Moment. Er hat nichts mehr zu geben. Die GFCW
hat alles bekommen, was noch da war.
Er
kann nicht mehr.
Robert
Breads gibt auf und schließt die Augen. Es ist vorbei.
Ich möchte mich persönlich an alle
Personen danken, die die GFCW in den letzten 25 Jahren am laufen
gehalten haben. Danke für eure Mitarbeit. Ohne euch alle
wäre die GFCW nicht möglich. Auf weitere mindestens 25
Jahre GFCW!